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Full text of "Das Kapital"

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lyGOOgIC 



t: Google 



^■6 I 

US; 



n,gt,7cdT:G00glc 



lyGOOgIC 



Das Kapital 

Kritik der politischen Oetonomia 



I^arl !M!arx. 



Erster Band. 
Bm«h Ii Der Proiaktlftruproeew des KaplWa. 



Dritte vermehrte Auflege. 



Du B*At 4n TI«bm«tnii( wird ncbalialMn. 



HamlniTg 

Veitag von Otto Mnaaner. 
188S. 



nign^cdiyGoOJj^lc ! 



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meinem unvergesslkben Freunde^ 



dem t^fihnen, treuen, edlen Yorkämpfer des Proletariats, 



^Vrilhelm TS^olff. 



Geb. zu TuDAQ, 21. Joni 1809. Oesi im Bul zu HaDobester 
9, Mai 1864. 



376436 

n,g -ccT'GoOgIc 



n,gt,7cdT:G00glc 



Torvoit zui ersten Auflage. 



Das Werk, dessen ersten Band ich dem Fnblikom übergebe, 
bildet die Fortsetzung meiner 185$ rerOffentlichten Schrift: „Znr 
Kritik der politischen Oekonomie". Die lai^ Pause zwischen An- 
fang nnd Fortaetznng ist einer langjfthrigea Krankheit geschnldet, 
die meine Arbeit vieder und wieder unterbrach. 

Der Inhalt jener früheren Schrift ist resömirt im ersten Kapitel 
dieses Bandes. Es geschah dies nicht nnr des Zusammenhangs nnd 
der VolletäDdigkeit wegen. Die Darstellong ist. verbessert. Soweit 
es der Sachverhalt irgendwie erlanbte, sind viele früher nnr an- 
gedeuteten Ponkte hier weiter entwickelt, w&hrend umgekehrt dort 
anBfQhrlich Entwickeltes hier nur angedentet wird. Die Abschnitte 
fiber die Geschichte der Werth- und Geldtheorie fallen jetzt natnr- 
Jich ganz weg. Jedoch findet der Leser der früheren Schrift in d^ 
Noten zum ersten Kapitel neue Quellen zur Geschichte jener Theorie 
eröffnet. 

Aller Anfang ist schwer, gilt in jeder Wissenschaft. Das 
Terständniss des ersten Kapitels, namentlich des Abschnitts, der 
die Analyse der Waare enthält, wird daher die meiste Schwierig- 
keit machen. Was nnn näher die Analyse der Werthsnbstanz and 
der Wertbgrttsse betriSl, so habe ich sie m/^lichst popnlarisirt*). 

■] Ea schien diu did so näthiger, als selbst der AbBchnItt tod F. LMSAlle'i 
Schrift gegen Schah e-DeUtiich, worin er „die geistige Qaintusaenz" meiner Ent- 



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VI 

Die Werthform, deren fertige Gestalt die Oeldform, ist sehr iahalts- 
loB und einfach. Dennoch hat der Menschengeist sie seit mehr als 
2000 Jahren vergeblich zn ei^rflnden gesucht, während andrerseits 
die Analyse viel inhaltsTOllerer und komplicirterer Formen wenigstens 
umHhemd gelang. Warom? Weil der ausgebildete KOrper leichter 
zu Studiren ist als die Eßrperzelle. Bei der Analyse der ökono- 
mischen Formen kann ausserdem weder das Mikroskop dienen, noch 
chemische Beagentien. Die Abetraktionskraft mnss beide ersetzen. 
Fflr die bürgerliche Gesellschaft ist aber die Waarenform des 
Arbeitsprodukts oder die Werthform der Waare die Ökonomische 
Zellenform. Dem Ungebildeten scheint äch ihre Analyse in blossen 
Spitzfindigkeiten herumzutreiben. Es huidelt sich dabei in der That 
um Spitzfindigkeiten, aber nur so wie es sich in der mikrologischen 
Anatomie dämm handelt 

Mit Ausnahme des Abschnitts über die Werthform wird duui 
daher dies Bach nicht wegen Sdawerverständliehkat anklage kOnnen. 
Ich unterstelle natfirlicb Leser, die etwas Nenes lernen, also auch 
selbst denken wollen. 

Der Physiker beobachtet Natnrprocesse entweder dort, wo sie 
in der prägnantesten Form und von stOrenden Einflüssen mindest 
getrübt erscheinen, oder wo mOglich, noacht er Kiperimente anter 
Bedingm^en, welche den reinen Vorgang des Processes sichern. 
Was ich in diesem Werk zn erforschen habe, ist die kapKalistische 
Produktionsweise und die ihr entspredienden Froduktions- und Ver- 
kehrsverhftltniäBe, Ihre klassische Stätte ist bis jetzt England. Dies 
der Grund, warum es zur Hanptillustration meiner theoretischen 



wicklang Über jene Them&te zugeben erklärt, bedenteode MissTentändniMe ent- 
b&li Ed paasRDt. Wenn F. LaasaJls die Bämmtltchen aJIgemeinen theoretischen 
Sitze sföner SkonomiKhen Arbeiten, z. B. über den hUtoriBoben Chtrskter des 
Kapitale, über den Znsammenbang zwischen FrodnktionaTerh&ltniBsen an I Pro- 
duktionsweise n. B. w. ti. B. w. fast wörtlich, bis aof die von mir geacbxffene 
Terminologie hinab, ans meinen Schriften entlehnt hat, nnd zwar ohne Quellen- 
angabe, BO war dies Verfahren wohl durch Propagandarücksichten bestimmt. 
Ich spreche natürlich nicht lon seinen SetulaOBiUhniDgen nnd NotzanireDdaa- 
gen, mit denen ich nlohla an tiinn habe. 



lyGOOgIC 



VII 

EntwicUoDg dieot. Sollte jedoch der deutsche Leser pharisOiBCh 
die Aobsela zocken über die Zust&ode der englischen Industrie- 
ond Aokerfa&Darbeiter, oder aieh optimistiach dabei beiahigw, dass in 
Dentacbland die Sachen noch l&nge nicht so schlimm stehn, so 
mofls ich ihm znrHfen: De te fabnla narratoil 

An und für sich handelt es sich nicht um den hJJheren 
oder niedrigeren Entwicklungsgrad der gesellschaftlichen Anta- 
goniamen, welche ans den Ifatnrgesetzen der kapitalistischen 
Produktion entspringen. Es handelt sich um diese Qesetze 
selbst, um diese mit eherner Nothwendigkeit wirkenden nnd 
sich durchsetzenden Tendenzen. Das indnstaiell entwickeltere 
Land zeigt dem minder entwickelten nur das Bild der eignen 
Znknnft. 

Aber abgesehn hiervon. Wo die kapitalistiscbe Produktion 
vQllig bei nns eingebOrgert ist, z. B. in den eigentlichen Fabriken, 
sind die Znstände viel schlechter als in Enghind, weU das 
Gegengewicht der JE^brikgesetze fehlt In allen andren Sphären 
qnält nns, gleich dem ganzen fibrigen kontinentalen Westeuropa, 
nicht nnr die Entwicklnog der kapitalistiacben Produktion, son- 
dern auch der Mangel ihrer Bntwicklong. Neben den modernen 
Notbständen dräckt uns eine ganze Reihe vererbter Notlistände, 
entspringend aus der Fortregetation alterthOmlicher, ftberlebter 
^oduktionsweisen mit ihrem Oefolg von zeitwidrigen geaellscfaaft- 
licben nnd politischen Verhältnissen. Wir leiden nicht nnr von 
den liebenden, sondern auch von den Todten. Le mort saisit 
le vif! 

Im Vergleich zur engliacben ist die sociale Statistik Dentaeh- 
laiids und des übrigen kontinentalen Westeuropa's elend. Dennoch 
IQftet sie den Schleier gitaia genug, um hinter demselben ein 
Mednaenhatipt alinen zu lassen. Wir wfirden vor nnaren eignen 
Zuständen erschrecken, wenn nnsre Regierungen und Parlamente, 
wie in England, periodische üntersuchnngskommiBsionen über die 
{Ikonomischen Verhältnisse bestallten , wenn diese Eonmüssionen 
mit derselben Machtvollkommenheit, wie in Engend, zur Er- 
forschung der Wahrheit auügerfistet würden, wenn es gelänge, zu 



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vin 

diesem Behuf ebeBso sachTerst&ndige, imparteüsche and rflcksichts- 
lose Männer zn finden, nie die Fabritinspektoren Englasda 
sind, seine ärztlichen Berichterstatter über „Poblic Health" (OeBent- 
licbe Oesondbeit), aeine UoterBUohiuigBkomniisBare Aber die Ex- 
pMb^on der Weiber nnd Qnder, Aber Wohstings- and Nahnings- 
znstände u. s. w. Fersens brauchte eine Nebelkappe zar Ver- 
folgung von UDgeheuern. Wir ziehen die Nebelkappe tief Aber 
Aug' Tind Ohr, nm die Existenz der ungeheuer wegleugnen zn 
können. 

Man mnsB dcfa nicht darflber täuschen. Wie der amerika- 
nisohe Unabhängigkeitskrieg des 18. Jahrhunderts die Sturmglocke 
fVr die europäische Mittelklasse läatete, so der amerikanische 
Bfii^erkrieg des 19. Jahrhunderts fQr die europäische Arbdter- 
klasse. In England ist der ümw&Izungsprocess mit Händen greif- 
bar. Anf einem gewissen Höhepunkt musa er auf den Kontinent 
rflckscblagen. Dort wird er sich in brut&leren oder humaneren 
Formen bewegen, je nach dem Entwicklungsgrad der Arbeiter- 
klasse selbst. Ton höheren MotiTen abgesehn, gebietet also den 
jetzt herrschenden Klassen ihr eigenstes Interesse die Wegräumung 
aller gesetzlich kontrolirbaren Hindernisse, welche die Entwicklung 
der Arbeiterklaase hemmen Ich habe desew^en u. a. der Ge- 
schidite, dem Inhalt und den Resultaten der englischen Fabrik- 
gesetzgebung einen so ausführlichea Platz in diesem Bande ^- 
geräumt. Eine Nation soll und kann von der anderen lernen. 
Auch wenn eine Gesellscba^ dem Naturgesetz ihrer Bewegung auf 
die Spur gekommen ist, — und es ist der letzte Endzweck dieses 
Werks, das ökonomische Bewegung^esetz der modernen Qesellscbafb 
zu entbfillen — kann sie naturgemftfse Entwicklungsphasen weder 
überspringen, noch w^dekrotiren. Aber sie kann die Geburtswehen 
abkürzen und mildem. 

Zur Vermeidung mißlicher Missverständnisse ein Wort. Die 
Gestalten ron Kapitalist und Gnfiideigentbümer zeichne ich keines- 
wegs in rosigem Licht. Aber es handelt sich hier um die Per- 
sonen nur, soweit sie die Personifikation ökonomischer Kategoriea 
sind, Träger von bestimmten KlassenTerbältnissen uud Interessen. 



lyGOOgIC 



IX 

Weniger als jeder andre kann mein Standpunkt, der die Eatwick- 
luDg der ökonomischen Sesellschaftisformation als einen natur- 
geBchichfUcheo Frocess anSaest, den Einzelnen verantwortlich machen 
ffir Terhältnisee, deren Geschöpf er social bleibt, so sehr er sicli 
aach subjektiv Ober sie erheben mag. 

Aaf dem Oebiete der politiscben Oekonomie beg^net die 
freie wissenschafüiche Forschung nicht nur demselben Feinde, 
wie auf alten anderen Gebieten. Die eigentbflmliche Natur des 
Stoöes, den sie behandelt, ruft wider sie die heftigsten, klmn- 
lichsten und gehElssigsten Leidenschaften der menschlichen Brust, 
die Furien des FrivatiDtereBBeB, auf den Kampfplatz. Die englische 
Hochkirche z. B. verzeiht eher den Angriff auf 38 von ihren 39 
QlaubeoBartikeln als auf Vse ^^^^ Geldeinkommens. Heutzutage 
ist der AÜieismus selbst eine culpa levis, verglichen mit der Kritik 
Überlieferter Eigenthumsverhältnisse. Jedoch ist hier ein Fortschritt 
suverkennbar. Ich verweise z. B. anf das in den letzten Wochen 
veröffentlichte Blaubach: „Gorrespondence with Her M^esty's 
Missions Abroad, regarding Industrial Questäons and Trade's TJniona" 
Die aMswfirtJgen Vertreter der englischen Krone sprechen es hier 
mit dfirren Worten aus, daas in Deutschland, Frankreich, kurz 
allen Kulturetaaten des europäischen Kontinents, eine Umwandlung 
der bestehenden Yerhältnisee von Kapital und Arbeit ebenso filhl- 
bar und ebenso nnvermeidlidi ist als in EngUnd. Gleichzeitig 
erklärte jenseits des atlantischen Oceans Herr AVade, Vicepräsi- 
dent der Vereinigten Staaten von Nordamerika, in Öffentlichen 
Meetings: Nach Beseitigung der Sklaverei trete die Umwandlung 
der Kapital- und Gmndeigenthumsverhältnisse auf die Tagesordnung! 
Ks sind dies Zeichen der Zeit, die sich nicht verstecken lassen durch 
Furpurmantel oder schwarze Kutten. Sie bedeuten nicht, dass 
morgen Wunder geschebn werdeo. Sie zeigen, wie selbst in den 
herrschenden Klassen die Ahnung aufdämmert, dasa die jetnge 
Gesellschaft kein fester Krystall, sondern ein nmwandlungsf&higer 
und beständig im Process der Umwandln]^ b^riffener Organis- 
mus ist. 

Der zweite Band dieser Schrift wird den Cirknlationsprocess 
des Kapitals (Buch ü) und die Gestaltnngen des Gesammtprocesses 



lyGOOgIC 



X 

(Buch ni), der abscbliesaende dritte Band (Buch IV) die Qescliichte 
der Theorie bebtmdeln. 

Jedes UrthfliI wisseDschaftlicher Kritik ist mir willkommen. 
Gegen&ber den Vomrtheilen der s. g. OSentlichen Meinung, der ich 
nie Eoncessionen gemacht habe, gilt mir nach wie vor der Wahl- 
spruch doB grossen Florentiners: 

Segui i1 tuo corso, e lascia dir le genti! 

London, 25. Juli 18ö7. 

Karl BEarx. 



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Zur zweiten Auflage. 



Die politiselie Oekonotnie blieb in DentschlaDd bia zu dieser 
Stunde eine ausländische WiseeoBChatt. Qoatav von Qülich hat in 
„Geschichtliche Darstellung des Handels, der Gewerbe n. s. w", 
namentlich in den 1830 herausgegebnen zwei ersten Bänden seines 
Werkes, grossentheils schon die historischen Umstände erörtert, 
welche die Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise bei uns 
hemmten, daher auch den Aufbau der modernen bürgerlichen Gesell- 
schaft. Es fehlte also der lebendige Boden der politischen Oekonomie. 
Sie ward als fertige Waare importirt . aus England und Frankreich; 
ihre dentschen Professoren blieben Schüler. Der theoretische Aus- 
druck einer fremden Wirklichkeit verwandelte sich unter ihrer Hand 
in eine Dogmenaammlung, tod ihnen gedeutet im Sinn der sie um- 
gebenden kleiobflrgerlichen Welt, also miBsd«ntet. Das nicht ganz 
unterdrflckbare GefQhl wissenschaftlicher Ofanmacht und das nnheim- 
liche Gewissen, auf einem in der That fremdartigen Gebiet schul- 
meist«rn zu müssen, suchte man zu verstecken unter dem Prunk 
literarhistorischer Gelehrsamkeit oder durch Beimischung fremden 
Stoffes, entlehnt den sog. Kameralwissenschaften, einem Uischmasch 
von Kenntnissen, deren Fegfener der hoffiiungslose Kandidat deutscher 
Bareaukratie zu bestehn hat 

Seit 1848 hat sich die kapitalistische Produktion rasch in 
Deutschland entwickelt und treibt heutzutage bereits ihre Schwindel- 
blfithe. Aber unsren Fachleuten blieb das Geschick gleich abhold. 



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XII 

So lange sie politische Oekonomie unbefangen treib«ii konnten, fehlten 
die modernen Okonomisclien Verhältnisse in der deutschen Wirklich- 
keit. Sobald diese Veihältoisse ins Leben traten, geschah es nnter 
Uiuständen, welche ihr unbefangenes Studium innerhalb des bürger- 
lichen Gedchtskreises nicht länger zulassen. So weit sie hfirger- 
licb ist, d. h. die kapitalistische Ordnui^ statt als geschichtlich vor- 
übergehende Entwicklungsstufe, umgekehrt als absolute und letzte 
Gestalt der gesellschaftlichen Produktion auffiisst, kann die poli- 
tische Oekouomie nur Wissenschaft bleiben, ao lange der Klassen- 
kampf latent bleibt oder sich in nur vereinzeltan Erscheinungen 



Nehmen wir England. Seine klassische politische Oekonomie 
fällt in die Periode des unentwickelten Elasseiikampfes. Ihr letzter 
grosser Repräsentant, Bicardo, macht endlich bewusst den Gegensatz 
der Klasaeninteressen, des Arbeitslohns und des Profits, des Profite 
und der Gmndrente, zum Springpookt seiner Forschungen, indem 
er diesen Gegensalz naiv als gesellschaftliches Naturgesetz auffasst. 
Damit war aber auch die bürgerliche Wissenschaft der Oekonomie 
bei ihrer nnüberschreitbaren Schranke angelangt. Noch bei Leb- 
zeiten Bicardo's und im G^ensatz zu ihm trat ihr in der Person 
Sismondi's die Kritik gegenüber^). 

Die nachfolgende Zeit von 1820 — 30 zeichnet sich in Eng- 
land aus durch wissenschaftliche Lebendigkeit auf dem Gebiet der 
politischen Oekonomie. Es war die Periode wie der Vulgarisirung 
und Ausbreitung der Ricardo'schen Theorie, so ihres Kunpfes mit 
der alten Schule. Es wurden glänzende Tnmiere gefeiert. Was 
damals geleistet worden, ist dem europäischen Kontinent wenig 
bekannt, da die Polemik grossentbeils in Revuearlikeln, Qelegen- 
heitsschriften und Pamphlets zerstreut ist Der unbeßmgne 
Charakter dieser Polemik — obgleich die Bicardo'sche Theorie ans- 
nahmswpise auch schon als Angri&waffe wider die bürgerliche 
Wirthschaft dient — erklärt sich aus den Zeitomständen. Einer- 
seits trat die grosse Industrie selbst nur aus ihrem EindbeitBalter 
heraus, wie schon dadurch bewiesen ist, dass sie erst mit der Krise 



*) 8i«he msine Schrift: „Zar Kritik etc." p. i 



lyGOOgIC 



xiir 

von 1825 den periodischen KreiBlanf ihrea modernen Lebens er- 
üSaet. AndierseitB blieb der Klassenkampf zwischen Kapital nnd 
Arbeit io den Hintei^rnnd gedrängt, politJBch durch den Zwist 
zwischen den um die heilige Allianz geachaarten Ue^eningen tind 
Feodalen nnd der von der Bourgeoisie geführten Yolksmaase, Öko- 
nomisch darch den Hader des industriellen Kapitals mit dem aristo- 
kratischen Gmndeigentbum, der sich in Frankreich hinter dem Gegen- 
satz von Parcelleoeigenthnm und grossen Grundbesitz verbarg, in 
England seit den Koragesetzen offen ausbrach. Die Literatur der 
politischen Oekonomie in England erinnert während dieser Periode 
an die Ökonomische Sturm- und Drangperiode in Frankreich nach 
Dr. Quesnay's Tod, aber nur wie ein Altweibersommer an den FrSh- 
ling erinnert. Mit dem Jahr 1830 trat die ein für allemal ent- 
scheidende Krise ein. 

Die Bourgeoisie hatte in Frankreich und England politische 
Macht erobert. Von da an gewann der Klassenkampf, praktisch und 
theoretisch, mehr und mehr aosgesprochne und drohende Formen. 
Er lautete die Todtenglocke der wisseaschaftlicheu bürgerlichen 
Oekonomie. Es bandelte sich jetzt nicht mehr darum, ob dies oder 
jenes Theorem wahr sei, sondern ob es dem Kapital nützlich oder 
schädlich, bequem oder onbeqnem, ob polizeiwidrig oder nicht. An 
die Stelle uneigennütziger Forschung trat bezahlte Klopffechterei, an 
die Stelle unbefangner wissenschaftlicher TTntersuchting, das böse 
Gewissen nnd die schlechte Absiebt der Apologetik. Indeas selbst 
die zudringlichen Traktätchen, welche die Anti-Cornlawleague, mit 
den Fabrikanten Cobden und Bright an der Spitze, io die Welt 
schleuderte, boten, wenn kein wissenschaftliches, doch ein historisches 
Interesse durch ihre Polemik gegen die grundeigenthümliche Aristo- 
kratie. Auch diesen letzten Stachel zog die Freibandelsgeset^gebung 
seit Sir Bobert Peel der Vulgarökonomie ans. 

Die kontinentale Bevolntion von 1843—49 schlug auch auf 
England zurflck. Männer, die noch wissenschaftliche Bedeutung be- 
anspruchten, und mehr sein wollten als blosse Sophisten und 8yko- 
phanten der herrschenden Elaaaen, suchten die politische Oekonomie 
des Kapitals in Einklang zu setzen mit den jetzt nicht länger zu 



n,gt,7cdT:G00glc 



XIV 

^orirendeo AnsprücheD des Proletariats. Daher täa gmüoaer 
SynkreÜsmas , wie ihn Joba Stuart Mill am besten repräsentirt. 
Es ist eine Baakerotterkläroiig der „bflrgerliiAeD" OekoDomie, welche 
der grosse russische Gelehrte und Eütiker M. Tschernyschewsky ia 
seinem Werk „Umrisse der politischen Oekonomie nach Uill,,bemts, 
meisterbf^ beleacbtet hat. 

In Dentschland kam also die kapitalistische Produktionsweise 
ZDF Reife, nachdem ihr antagonistischer Charakter sich in Frankreich 
und England schon durch geecbichtliche Kämpfe geräuBchroIl offen- 
bart batte, während das deutsche Proletariat bereits ein viel ent- 
schiedneres theoretisches KlasBenbewusstsein besass als die dentsche 
Bourgeoisie. Sobald eine bQrgerliche Wissenschaft der poliüschen 
OekoQomie hier mOglich za werden schien, war sie daher wieder 
onnK^lich geworden. 

Unter diesen Umständen theilten sieb ihre Wortfflhrer in zwü 
Reihen. Die einen, kluge, erwerbslnstige, praktische Leute, schaarten 
sich um die Fahne Bastiat's, des flachst«n nnd daher geloogousten 
Vertreters TnlgärOkonomischer Apologetik; die andren, stolz anf die 
Professoralwflrde ihrer Wissenschaft, folgten J. St. Mill in dem 
Versuch Unversöhnbares zu versöhnen. Wie znr klasmscben Zeit 
der btlrgerlichen Oekonomie blieben die Deatschen auch zur Zeit 
ihres Verfalls blosse ScbOler, Nachbeter und Nachtreter, Elein- 
haosirer des ausländischen Grossgeschäfts. 

Die eigenthflmliche historische Botwicklung der deutschen Ge- 
sellschaft BchloBS hier also jede or^nelle Fortbildung der „bflrger- 
licfaen" Oekonomie ans, aber nicht deren — Kritik. Soweit solche 
Kritik fiberhaupt eine Klasse .vertritt, kann sie nur die Klasse ver- 
treteo, deren gescfaichüicber Beruf die Umwälzung der kapitalistiscbeo 
Produktionsweise und die scbliessliche Abschaffung der Ekssen ist 
— das Proletariat. 

Dia gelehrten nnd ungelehrten Wortführer der deatschen Bour- 
geoisie haben „Das Kapital" zunächst todtzuschweigen Tersucht, wi« 
ihnen das mit meinen frühem Schriften gelungen war. Sobald diese 
Taktik nicht länger den Zeitverhältnissen ent«pnd), schrieben sie, 
unter dem Vorwand, mein Bnch ZQ kritisiren. Anweise „Znr Be- 



n,gt,7cdT:G00glc 



XV 

rvbi^img; des bfirgerlichen Bewusstseins", fanden aber in der Arbeiter- 
presse — sieh z. B. Joseph Dietz^en's Aufsätze im Tolka- 
Btut — Sberlegne Kämpen, denen sie die Antwort bis beute 
Bchnld^.') 

Eine treffliche rnssiäche Üeberaetznng des „Kapital" erschien 
im FrflUing 1672 zn Petersburg. Die Auflage von 3000 Exemplaren 
ist jetzt Bobon bönahe vei^ffen. Bereits 1871 hatte Herr N. Sieber 
^3iiBEFi) Professor der politischen Oekonomie an der Universität zu 
Kiew, in seiner Schrift: „tsofih u^hhocth h kauhta^a h phkapao" 
(„D. Ricardo's Theorie des Wertbs mid des Kapitals et«.") m^ne 
Theorie des Wertbs, des Qeldes ood des Kapitals in ihren Qrund- 
zfigen als nothwend^e Fortbildung der Smith-Bicardo'schen Lehre 
nachgewiesen. Was den Westeuropäer beim Lesen seines gediegnen 
Buchs überrascht, ist das konsequent« Festhalt«n des rein äieore- 
äschen Standpunkts. 

Die im „Kapital" angewandt« Methode ist wenig verstandea 
worden, wie schon die öoander widersprechenden Anflassungen der- 
selben beweisen. ^ 

So wirft mir die leiser Berue Fositiviate vor, einerseits, ich 
behandle die Oekonomie metapb7Bi8cb, andrerseits — man rathel — , 



') Die breimioli^ti FuelhSnse der dentseb«!! ValgKiökoiiotme schelten 
S^l und DarateUnng meiner Schrift. Niemand kuiD die literarischen H&Dgel 
des „Kapit*!" stonger benrtbeilen ala ich aelbat Dennoch will ich, zn Nutz 
und Frend diewr Herren nnd ihre« Fablikuna, hier eii engliaoheB nnd ein 
nudichea Uitheil dtiren. Die meinen Anücbten dnrohtttu feindliche SAtnrday 
Beriew tagt» in ihrer Anzeige der ersten dentschen Änagabe: Die Du- 
stellnng „Terleiht anch den trockeneten Skonomiachen Fragen einen eig-nsQ 
Beiz (chaim.)" Die C.-n.-BiiOHoen (St Petersbnrgei Zeitung) bemerkt in 
ihrer Nninmer Tom 20. April 18T2 d. b.: „Die Daratellnng mit Aoanahme 
weniger zu Rpecleller Theile zeichnet ' dch aoe durch AllgemeinTerst&ndlioh- 
keit, Klarheit und, trotz der wieeenichafUichen Höhe dee Gegenstände, un- 
gewöhnliche Lebendigkeit. In dieser Hinsicht gleicht der Yerfuser . . . 
auch nicht Ton fem der Hehrzahl deotscher Gelehrten, die . . . ihre Btlcber 
in so Terflniterter und troekner Sprache schreiben, daai gewöhnlichen 
Sterblichen der Kopf daron kracht." Den Leeem der zeitUnflgen deutsch- 
national 'liberalen FrofeMorallitentnr kracht jedoch etwas g&nz andres ala 
der Kopf. 



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ich beechrftnle mich aof bloss kriÜBChe Zergliedemog des Gegebnen, 
statt Secept« (comtistische?) für die QatkQche der Zukunft zn ver- 
schmben. Qegen den Yonrarf der Metaphysik bemerkt Prof. Sieber: 
„So weit es sich am die eigentliche Theorie handelt, ist die Methode 
von Man die deduktive Methode der ganzes englischen Schule, deren 
Mängel nnd Yorzflge den besten theoretischen Oekonomisten gemein 
sind." Herr M. Block — „Les Tb^oriciens dn Socialisme en Alle- 
magne. Estrait dn Jonmal des Economistes, jnillet et aoüt 1872" 
— entdeckt, dass meine Methode analytisch ist ond sagt n. a.: „Par 
cet onnage M. Marx se classe parmi les esprits analjtiques les plns 
Eminente." Die deutschen Becensenten schreien natürlich Ober 
Hegel'sche Sophistik. Der Petersburger sicniHm sepoiibi (enro- 
pSischer Bote), in einem Artikel, der auBSchliesslich die Methode 
des .^Kapital" behandelt (Mainummer 1872, p. 427 — 36), findet meine '1 
Forschnngsmethode streif realistisch, die Darstellungsmethode abei A 
unglücklicher Weise dentsch-dialektiach. Er sagt: „Auf den ersten ^ 
Blick, wenn man nach der äussern Form der Darstellung uräieilt, 
ist Marx der gr{)sBte Idealphilosoph und zwar im deutschen, d. b. 
schlechten Sinn des Wortes. In der That aber ist er unendlich 
mehr Realist als alle seine Yoi^&i^^ im (Geschäft der Ökonomischen 
Kritik . . . Man kann ihn in keiner Weise einen Idealisten nennen." 
Ich kann dem Herrn Yerfasser nicht besser antworten, als durch 
einige Auszüge aus seiner eignen Kritik, die zudem manchen meiner 
Leser, dem das mssische Original unzugänglich ist, interessiren 
mögen. 

Nach mnem Citat aus meiner Vorrede zur „Kritik der Pol. 
Oek" Berlin 1859, p. lY — YII, wo ich die materialistische 
Grundlage meiner Methode erörtert habe, ßhrt der Herr Yer- 
lässer fort: 

,,Für Marx ist nur eins wichtig: das Gesetz der Phänomene 
zu finden, mit deren Untersuchung er sich beschäftigt. Und ihm 
ist nicht nur das Gesetz wichtig, das sie beherrscht, eo weit de eine 
fertige Form haben und in etnem Zusammenhang stehn, wie er 
in mner gegebnen Zeitperiode beobachtet wird. Für ihn ist noch 
vor allem wichtig das (besetz ihrer Yeränderong, ihrer Entwicklung, 



lyGOOgIC 



xvn 

d. h. der Uebergang ans einer Form in die andre, ans einer Ord- 
Dung des Zusammenhangs in eine andre. Sobald er einmal dies 
Gesetz entdeckt hat, nntersacht er im Detail die Folgen, worin es 
sich im gesellschäfUichen Lehen knndgieht .... Demznfolge bemüht 
sich Man nur um eins: durch genaue frissenachaftliche Unter- 
suchung die Nethwendigkeit bestimmter Ordnungen der gesellschaft- 
lichen VerhältnisBe nachzuweisen und soviel als möglich ontadel- 
haft die Thatsachen zu konstatiren, die ihm zu Ausguigs- und 
Statzponkten dienen. Hierzu ist Tollstftndig hinreichend, wenn er 
mit der Kothwendigkeit der gegenwärtigen Ordnung zugleich die 
Nothwendigkeit einer andren Ordnung nachweist, worin die erste 
unTermeidlicli Qbergehn mnss, ganz gleichgOltig, ob die Sienachen 
das glauben oder nicht glauben, ob sie sich dessen bewusst oder 
nicht bewusst sind. Marx betrachtet die gesellschaftliche Bewegung 
als einen naturgeschichtlichen Process, den Oesetze lenken, die nicht 
nur von dem Willen, dem Bewusstsein und der Absicht der Menschen 
unabhängig sind, sondern vielmehr nmgekehrt deren Wollen, Be- 
wusstsein und Absichten bestimmen Wenn das bewusste 

Element in der Eultargeschichte eine so untergeordnete Kolle 
spielt, dann versteht es sich von selbst, dass die Kritik, deren 
Gegenstand die Kultur selbst ist, weniger als irgend etwas andres, 
irgend eine Form oder irgend ein Resultat des Bewnsstseins zur 
(Grundlage haben kann. Das heisst, mcht die Idee, sondern nur 
die äussere Erscheinung kann ihr als Ausgangspunkt dienen. Die 
Kritik wird sich beschränken auf die Vergleichnng und Eon&on- 
timng einer Thatsache, nicht mit der Idee, sondern mit der andr^ 
Tbatsacbe. FOr de ist es nur wichtig, dass beide Thatsachen 
möglichst genau untersucht werden und wirklich die eine gegenflber 
der andren verschiedne Entwicklnngsmomente bilden, toi allem aber 
wichtig, dass nicht minder genau die Serie dei Ordnungen erforscht 
wird, die Aufeinanderfolge und Verbindung, worin die Entwiddungs- 
atufen erscheinen. Aber, wird man sagen, die allgemeinen Gesetze 
des ökonomischen Lebens sind ein und dieselben, ganz gleichgültig, 
ob man eie auf Gegenwart oder Vergangenheit anwendet Grade 
d^ läugnet Marx. Nach ihm existiren solche abstrakte Gesetze 
nicht . . . Nach seiner Meinung besitzt im Qegentheil jede 



lyGOOgIC 



xvm 

historische Periode ihre eägaen Gesetze . . . Sobald das Leben eine 
g^ebene Entwicklongsperiode fiberlebt hat, aus einem gegebnen 
Stadium in ein andres fibertritt, beginot es anch darch andre Ge- 
setze gelenkt zu werden. Mit einem Wort das {ökonomische I<ebni 
bietet ans eine der Entwicklnngsgesohichte auf andren Qebieteo 
der Biologie analoge Frscheinnng . . . Die alten Oekonomen ver- 
kannten die Nator Ökonomischer Gesetze als sie dieselben mit den 
Gesetzen der Phyak und Chemie Terglichen . . . Eine tiefere 
Analyse der Erscbeiaungen bewies, daes sodale Organismen sieb 
von einander ebenso grfindlich unterscheiden als Pflanzen- und 
Thieroi^nismen ... Ja, eine nnd dieselbe Erscheinung unterliegt 
ganz and gar verschiednen Gesetzen in Folge des Terschiednen 
Gesammtbaus jener OrganismeD, der Abweichung ihrer einzelnen 
Organe, des Unterschieds der Bedingungen worin sie funktioniren 
Q, s. w. Marx lät^et z. B. dass das BeTOlkemngsgesetz das- 
selbe ist zu allen Zeiten nnd an allen Orten. Er versichert im 
G^eutheil, dass jede Entwickloogsstnfe ihr eignes BeT&lkemngs- 
gesetz hat . . . Mit der verschiedneu Entwicklung der Prodoktiv- 
kraft ändern sich die Verhältnisse und die sie reglendea Gesetze. 
Indem sich Man das Ziel stellt, von diesem Gesichtspunkt aus 
die kapitalistische Wirthschaftsordnung zu erforschen und zu er- 
klären, formnlirt er nur streng wissenschaftlich das Ziel, welches 
jede genaue üntersucbui^ des ökonomischen Lebens haben muss . . . 
Der wissenschaftliche Werth solcher Forschung liegt in der Auf- 
klärung der besondren Gesetze welche Entstehung, Existenz, Ent- 
wicklung, Tod eines gegebenen gesellschaflicben Oiganismus und 
seinen Ersatz durch einen andren, höheren regeln. Und diesen 
Werth hat in der That das Buch Ton Man." 

Indem der Herr Verfasser das, was er meine wirkliche Methode 
nennt, so treffend, und soweit meine persönliche Anwendung der- 
selben in Betracht kommt, so wohlwollend schildert, was andres hat 
er geschildert als die dialektische Methode? 

Allerdings muss sich die DarsteUungsweise formell von im 
Forschungsweise unterscheiden. Die Forschong hat den Stoff sich 
im Detail anzueignen, seine verschiednen Entwicklnngsformen za 
analysirfin und deren innres Band au&nspflren. Erat nachdem diese 



n,gt,7cdT:G00glc 



XIX 

Arbeit roUbracbt, kann die wirkliche Bewegong entsprechend dar- 
gestellt werden. Gelingt lües nnd spiegelt sich nnn das Leben des 
8tof& ideell wieder, so m^ es aosseho, als habe man es mit einer 
SonstrnktioD a priori zn tbnn. 

Meine dialektieche Methode ist der Omndlage nach von der 
Hegeischen nicht nnr verechieden, Bondem ihr direktes QegentheiL 
FQr Hegel ist der Denkprocess, den er sogar unter dem Naaien 
Idee in ein selbatftndiges Subjekt verwandelt, der Demiurg des 
Wirklichen, das uor seine änsaere Erscheinung bildet Bei mir ist 
umgekehrt das Ideelle nichts andres als das im Mensdhenkopf om- 
gesetzte and übersetzte Materielle. 

Die mystificirende Seite der HegeVschen Dialektik habe ich vor 
beinah 30 Jahren, zo einer Zeit kritisirt, wo sie noch T^esmode 
war. Aber grade als ich den ersten Band des „Kapital" aus- 
arbeitete, gefiel eich das verdriessliche , anmasaliche and mittel- 
m&Ts^e Epigonenthom, welches jetzt im gebildeten Deutschland das 
grosse Wort führt, darin, Hegel zn behandeln, wie der brave Moses 
Mendelssohn zn Lessing's Zeit den Spinoza behandelt hat, nämlich 
als „todten Hund". Ich bekannte mich daher oSen als SchOler 
jenes grossen Denkers, und kokettirte sogar hier and da im 
Kapitel Aber die Werththeorie mit der ihm e^nthflmlichea Ans- 
dmcksweise. Die Mystifikation, welche die Dialektik in Hegel's 
Händen erleidet, Terhindert in keiner Weise, dass er ihre all- 
gemeinen Bewegungsformen zuerst in umfassender nnd bewosster 
Weise dargestellt hat Sie steht bei ihm auf dem Kopf. Man 
muBB sie umstfllpen, um den rationellen Kern in der mystischea 
Hülle ZQ entdecken. 

In ihrer mystifidrten Form ward die Dialektik deutsche Mode, 
weil sie das Bestehende zn verklären schien. In ihrer rationellen 
Gestalt ist sie dem Bfirgerthnm und seinen doktrinären Wortfährem 
ein Aergemiss nnd ein Greuel, weil sie in dem positiven Verständ- 
nisB des Bestehenden zugleich anch das Yerständniss seiner Xegation, 
seines nothwendigen Untergangs einschliesst, jede gewordne Form im 
Flusse der Bewegung, also auch nach ihrer vergänglichen Seite aof- 
ässt, sich durch nichts imponiren l&sst, ihrem Wesen nach kritisch 
und revolutioDär ist 



lyGOOgIC 



XX 

Die widerBprncbsTolle Bewegong der kapitalistiBChen Gesell- 
schaft macht sich dem praktischen Bourgeois am schlagendstea 
fQhlbar in den Wechselftllen des periodischeb Cyklus, den die 
moderne Indastrie duichlSiiift, und deren Gipfelpunkt — die all- 
gemeine Eriae. Sie ist wieder im Anmarsch, obgleich noch be- 
griffen in den Vorstadien, nnd wird durch die Allseitigkeit ihres 
Schauplatzes, wie die Intensität ihrer Wirkung, selbst den Glflcks- 
pilzen des neuen heiligen, prenssisch-deatschen Reichs Dialektik 
«inpanken. 

London, 24. Januar 1873. ' Karl 31arx. 



lyGOOgIC 



Zur dritten Auflage. 

Es war M&n nicht rei^ftont^ diese dritte Änäage selbst drnck- 
fertig za machen. Der gewaltige Denker, vor dessen Grßsse sich 
jetzt aach die Qegner neigen, starb am 14. März 1883. 

Auf mich, der ich in ihm den nerzigjfthrigen, besten, nnrer- 
brflcblichsten Fretind T^lor, denFreond, dem ich mehr verdanke 
als sich mit Worten sagen läset, aof'mich fiel nun die iPflicht, die 
Heraasgabe sowohl dieser drittm AuAage wie des handschriftlich 
hinterlassenen zweiten Bandes zu besorgen. Wie ich den ersten 
Theil dieser Pflicht erffilll, darQber bin - ich dem Leser hier Becben- 
schaft schuldig. 

Marx hatte Anfangs vor, den Text dee ersten Bandes grossen- 
theils umzuarbeiten, manche theoretischen Funkt« scbärfer zu fassen, 
neue einzufOgen, das geschichtliche und statistische Material bis auf 
die neueste Zeit zu ergfinzen. Sein BJankbätszustand und der Drang, 
zur SchluBsredaktion des zweiten Bandes zu kommen, Hessen ihn 
hierauf Teruchten. Nur das Ncthigste sollte geSiidert, nur die Zu- 
sätze eingefQgt werden, die die inzwischen erschienene franz^sche 
Ausgabe (Le Capital. Par Karl Marx. Paris, Lachfttrel 873) schon enthielt 

Im Nachlass fand sich denn auch ein deutsches Exemplar, das 
von ihm stellenweise korrigirt und mit Hinweisen auf die französische 
Angabe versehw war; ebenso väa französisches, worin er die zu 
benutzenden Stellen genau bezeichnet hatte. Dirae Aendernngen und 



lyGOOgIC 



XXII 

Zusfttze beschränkMi aicb, mit weaigen Ansnahmen, auf den letzten 
Theil des Bncbe, den Abschnitt: der Akkamulationsprocess des 
Kapitals. Hier folgte der bisherige Teit mebr als sonst dem ur- 
sprünglichen Entwurf, während die früheren Abschnitte, grflndlicber 
flberarbeitet waren. Der Styl war daher lebendiger, mehr aus 
einem Guss, aber auch nachlässiger, mit Anglicismen versetzt, 
stellenweise undeutlich; der Entwicklung^ang bot hier nnd da 
Lücken, indem mnzebe wichtige Momente nur angedeutet waren. 

Was den Styl betrifft, so hatte Marx mehrere IJnterabscbuitte 
selbst gründlich revidirt und mir darm, sowie in häufigen münd- 
lichen Andeutungen, das Mafs gegeben, wie weit ich gehn durfte in 
der Entfernung englischer technischer Ausdrücke und sonstiger 
Anglidsmen. Die Zusätze und Ei^nzungen hätte Man jeden&lla 
noch fiberarbeitet und das glatte Französisch durch sein eignes 
gedrungenes Deutsch ersetzt; ich muaste mich heguflgen, sie unter 
möglichstem Anschluss an den ursprünglichen Teit zu übertragen. 

Es ist also in dieser dritten Aufli^e kein Wort geändert, von 
dem ich nicht bestimmt weiss, dass der Ver&sser selbst es geändert 
hätte. Es konnte mir nicht in den Sinn kommen, in das „Kapital" 
den landläufigen Jargon emzuführen, in welchem deutsche Oekonomen 
sich auszudrücken p&egen, jenes Kanderwälsch, worin z. R derjenige, 
der sich für haare Zahlung von Andern ihre Arbeit geben lässtr 
der Arbeitgeber heisst, und Arbeitnehmer derjenige, dessen Arbeit 
ihm für Lohn abgenommen wird. Auch im Französischen wird 
travail im gewöhnlichen Leben im Sinn von „Beacbäftigung" ge- 
braucht. Mit Becht aber würden die Franzosen den Oekonomen für 
verrückt halten, der den Kapilalisten donneur de travail, und den 
Arbeiter recevenr de travail nennen wollte. 

Ebensowenig habe ich mir erlaubt, das im Text durchweg 
gebrauchte englische G^ld, MaCs und Gewicht auf seine neudeutschen 
Aequivalente zn reduziren. Als die erste Auflage erschien, gab es 
in^Dentschland so viel Arten von Mafa und Gewicht wie Tage im 
'ifahr, dazn zweierlei Mark, (die Reichsmark galt damals nur im 
Kopf Soetbeers, der sie Ende der 30ger Jahre erfanden) zweierlei 
Gulden nnd mindestens dreierld Thaler, darunter einer, dessen Ein- 
heit du ^nene Zweidrittol" war. In der Naturwissenschaft herrschte 



lyGOOgIC 



XXIII- 

metrischee, aai dem Weltmarkt englisches Mala nnd Oewicht. unter 
solchen Umstfiaden waren englische Maßeinheiten selbstverständ- 
lich iür ein Bach, das seine Üiatsächlichen Belege fast aosschliessr 
lieh aas englischen indnstriellen Verhältnissen zn nehmen genCthigt 
var. und dieser letzte Grnnd bleibt anch noch heute entscheidend, 
tun so mehr als die bezüglichen Yerhältnisae auf dem Weltmarkt 
sich kaom geändert haben, und namentlich für die ansscbla^ebenden 
Industrien — E^sen and Baumwolle — englisches Mafs und Gewicht 
noch hente fast aos-ichlimslich herrscht. 

Schliesslich noch ein Wort über Marx' wenig verstandne Art 
zn citiren. Bei rein thatsftcblichen Angaben nnd Schildernngen 
dienen die Citate, z. B. aus den englisches Blanbfichem, selbst- 
redend als einfache Belegstellen. Anders aber da, wo theoretische 
Ansichten andrer OekODomen dtirt werden. Hier soll das Citat nur 
feststellen, wo, wann, und von wem ein, im Lauf der Entwickliing 
sich ergebender ökonomischer Oedanke zuerst klar ausgesprochen 
ist. Wobei es nur darauf ankommt, dass die fragliche ökonomische 
Yorstellung für die Geschichte der Wissenschaft Bedeutung hat, 
dass sie der mehr oder weniger adäquat« theoretische Ausdruck der 
Ökonomischen Lage ihrer Zeit ist Ob aber diese Yorstellung für 
den Standpunkt des Yerfassers noch absolute oder relative Geltung 
hat, oder ob sie bereits ganz der Geschichte verfallen, darauf kommt 
es ganz und gar nicht an. Diese Citate bilden also nur einen, der 
Geschichte der ökonomischen Wissenschaft entlehnten, laufenden 
Kommentar zum Text, nnd stellen die einzelnen wichtigeren Fort- 
schritte d«r Ökonomischen Theorie nach Datum nnd Urheber fest 
Und das war sehr nötbig in einer Wissenschaft, deren Geschicht- 
schreiber bishor nur durch tendenziöse, fast streberhafte Unwissenheit 
sich auszeichnen. — Mau wird es nun auch begreifiich finden, wes^ 
halb Marx, im Einklang mit dem Yorwort zur zweiten Ausgabe, 
nur ganz ausnahmsweise deutsche Oekouomen anzuführen in den 
Fall kommt 

Der zweite Band wird hoSentlich im Laufe des Jahres ldS4 
erscheinen können. 

LoDdOB, 7. Novbr. 1883. 

Friedrich Eiigels. 



t: Google 



DinekteUer. 

8. 6, Z. 12 T. 0. itatt: Werthe, liea: Wsrthe — Waarenwerthe. 
S, 5, Z. 20 T. 0. »tatt: Werthe, lies: Waarenwertie. 
S. 438, Z. IS T. o. Btatt: Htubaadr?, lies: Hosbuidry. 

5. 442, Z. 12 T. n. Btatt: Babmito, lies: Biibmit fa>. 

6. 449, Z. 14 T. o. statt: ein Kapital iet, liea: ein EapiUliat. 
8. 566, Z. 7 T. n. staU: fixe, lies: fliee. 

S. 669, Z. 3 T. Q. statt: qu'ODe, lies: qa'on ue. 

S. 583, Z. 2 T. Q. statt: Ubestowad. lies: ia bestowed. 

a. TOe, Z. 14 T. 0. statt: ergegriffen, lias: ergriffen. 



n,gt,7cdT:G00glc 



Bör Produktionsprocess des Kapitals. 



Erster Abschnitt. 
Waare und Geld. 

Erstes Kapitel. 
Die Waare. 

1) Die zwei Factoren der Waare: Oebranchswerth nnd Werth 
(Wertheubstanz, Werthgrösse). 

Der Beicbthnm der OeeelUohaften , in welchen kapitaÜBtische Pro- 
duktioneweiae herrscht, erscheint als eine „ungeheure Waarenaamm- 
lung"'), die einzelne Waare als seine Elementaiform. Unsere Unter- 
suchung beginnt daher mit der Analyse der Waare. 

Die Waare ist zunächst ein äusserer Oegenatand, ein Ding, das durch 
seine Eigenschaften menschliche BedOrfnisse irgend einer Art befriedigt. 
Die Natnr dieser Bedaräiisse, ob sie z. B. dem Hagen oder der Fhantaäe 
entspringen, ändert nichts an der Sach»*). Es handelt sich hier auch 

<) Karl Uäri; „Zu Kjdr^ .der PolitischeD Oekonomie. Berlin 18S9", 
p««. 4. - > \ 

*) „pFiiir'; ^plie« wuDt; it la the appetite of the mind, and as natural 
u bnager to il|e body . . . the greatest number (of thiogs) have tbeir valu« 
fcom dai'pl^icf; the wants of the mind." Nicolas Barbon: „A Diaoonrge an 
coiniDf *he ue4 money ligbUr, in anawer to Mr. Locke's Coniiderationa etc. 
I«nil<p 160*;", f. 2, 8. 

1 



80«", V. i 
K»p,lJl, 



,. I .„...„Google 



nicht darnm, wie die Sacbe das menschliche Bedbrfnisa befriedigt, ob 
unmittelbar als LebeuBmittol , d. h. ata Oegenatand des Oenassee, oder 
aaf einem Umweg, als Prodaktionemittel. 

Jedes nQtzlicbe Ding, wie Eisen, Papier n. s. w., ist unter doppel- 
tem Qesichtepunht in betrachten, nach Qualität nnd Quantität. Jedes 
solches Bing ist ein Ganzes vieler Eigenacliaften und kann daher nach 
versdiiedenen Seiten nfltzUch sein. Diese Terschiedenen Seiten nnd daher 
die mannigfocben GebranchsweiBen der Dinge kd entdecken, ist geschicht- 
liche That'). So iet die Findnng geeellschaftlicber Masse für die Quan- 
tität der natilichen Dinge. Die Verschiedenheit der Woarenmasee ent- 
springt theilB ans der verschiedenen Natur der zu messenden Q^en- 
st&nde, iheils ans Konvention. 

Die NOtzlichktit eines Dings macht es znm Gebranchswerth *). 
Aber diese Nützlichkeit schwebt nicht in der Lnfts Dnrch die Eigen- 
Schäften des Waarenkdipers bedingt, exisürt sie nicht ohne denselben. 
Der Waarenkflrper selbst, wie Eisen, Weizen, Diamant u. s. w. ist daher 
ein Gebranchswerth oder Gut. Dieser sein Charakter hängt nicht davon 
ab, ob die Aneignung seiner Geh rauch ae igen achaflen dem Menschen viel 
— ' oder wenig Arbeit kostet. Bti Betrachtung der Gebranchswotthe wird stete 
ihre quantitative Bestimmtheit vorausgesetzt, wie Dntzend Uhren, Elle 
Leinwand, Tonne Eisen u. s. w. Die Gebranchawerthe der Waaien lie- 
fern das llaterial äner eignen Disciplin, der Waarenknnde ^). Der Ge- 
branchswerth verwirklicht üch nur im Gebrauch oder der Konsumtion. 

'l „Things have an intrinsiok vartne (dieis bei BarboD die apeoifische 
Bezeichnung f&r Gebnuchiweith], wlüob in all place« have the sune vsrtDo; 
SB the loadstoDfl te sttract iion" (1. c. p. 16.) Die Eigenichaft des Hagnets, 
Eisen anzoziebn, wurde ent nQUlich, sobild man vermitUlBt deraelben dio 
magnetische Polarität entdeckt hatt«. 

*) „The natural worth of anythiiig cosHisti in ita fitnesa to supplj the necea- 
sities, or aerre the conveniencee of human Ufe." (Jobn Locke: „BotneConu- 
doralionB on the ConsequeuceB of the Lowe.'ng of Interest. 1691" in „Works 
edit Lond. 1777" V, 11. p. 28). Im 17. Jabr.indert flrrten '»ir aochbSiifig 
bei englischen Schriftatellem „Worth" für Gebrauchswerth nad „Valoe" för 
TauBcbwertb , gans im Geist einer Sprache , die bb liebt, die nnuiU«lbu'e 
Sache germanieob nnd die reflektirte Sache romaniach aiiBzndriIckcn. 

°) In der bfiigerlichen GeselUchaft' berrscht die Actio jaria , dun jedei 
UeuBch als Waatenkllnfer eine oni^klop&diache Waarenkenntniaa beeitit. 



n,gt,7cdT:G00glc 



Oebnodiswertbe bilden den Btofflichen Inhalt des Seichtlinms, welches 
immer seiiw gesellschaftliche Form sei. In der von uns zu betrachten- 
den Qeeell Schaftsform bilden sie zugleich die stofflichen Tr&ger dee — 
TanschwertfaB. 

ßUei Tanscbwsrth erschünt Ean&chst als das quantitative Veih&ltniBs, 
die Proportion, worin eich Oebrauchswerthe einer Art gegen Oebrauchs- 
weitbe anderer Art aaetauBchen*), ein VerhältniBs, das beständig mit Zeit 
und Ort wechselt. Der TauBchwerth scbeint daher etwas Zufälligee und 
rein Belatiree, ein der Waare innerlicher, immanenter Tauschwerth (valenr 
intrinsöqne) also eine contradietio in adjecto''). Betrachten wir die 
Sache näher. 

Eine gewisse Waare, ein Qnarter Weizen z. B. baasiAt uch mit 
X Stiefelwichse, oder mit y Seide, oder mit z Oold n. s. w., tun mit 
andern Waaren in den verschiedenEten Proportionen. Uaunigfoche 
Tauch wertbe also hat der Weizen statt eines einzigen. Aber da 
X Stiefelwichse, ebenso y Seide, ebenso z Gold u. s. w. der Tanachwertb 
von einoD Qnarter Weizen ist, müaswi i Stiefelwichse, y Seide, z Gold 
n. 8. w. durcheinander ersetzbare oder einander glach grosse Tansch- 
werthe sein. Es folgt daher wstens: Die gftltigon Tauschwerthe der- 
sdben Waare drücken ein Qlüchee aus. Zweitens aber: Der Tansch- 
wertfa kann Qberhanpt nur die Ausdiucksweise, die „Ereoheinui^sform" 
ünes von ihm unterscheidbaren Gehalts Bein. 

Nehmen wir femer zwei Waaren, z B. Weizen nnd Eisen. Welches 
immer ihr AuBtaascbTerhältniBB, es ist stets darstellbar in einer Gleichung, 
worin ein gegebenes Quantum Weizen irgend einem Quantum Eisen gleich- 
gesetzt wird, z. B. 1 Qnarter Weizen => a Ctr. Eisen. Was besagt diese 
Glochnng? Daas ein Gemeinsamee von derselben Grösse in zw« ver- 
Bchiednen Dingen existirt, in 1 Qnarter Weizen und ebenfalls in a Ctr. 
Eisen. Bude und also gleich einem Dritten, das an nnd fQr sich we- 



*) „Lk valeni cODiiste dons le rapport d'ecbaoge qni le tronre entre teile 
eboee et teile anlre, entre teile meanre d'nne prodaction et teile mesiiie d'nne 
antre." (UTrotne: „De LlntMt Social". PhyBlocratea, ed. Daire. Paria 1646. 
p. 889.) 

*) rr^oUäng ean have an intrindck valae" (N.Barbon 1. c. p. 16), oder 
wie Butler ugt: 

„The valae of a thing 
Ii JDst u mnch as it will bring. 



lyGOOgIC 



der du eine, noch du andere ist. Jedes der beiden, soweit es Tausch- 
wertb, mnsB also anf diese Dritte rednciibai sein. 

E&a einfochee geometrischeB Beispiel Teranschanliohe diees. Um den 
Flächeninhalt aller gradlinigen Fignren zn bestimmen und zn Tei^leiehen, 
iMt man sie in Dmecke anf. Das Dreieck selbst redncirt man anf einen 
von seiner sichtbaren Figur ganz verschiednen Ansdrncl: — das halbe 
Frodakt seiner Qnindlinie mit seiner H9he. Ebenso sind die Tansch- 
werthe der Waaren zu rednciren anf ein gemeinsamee , wovon sie ein 
Hehr oder Minder darstellen. 

Diese Oemeinsame kann nicht eine geometrische, physikalische, chemi- 
sche oder sonstige natürliche Eigenschaft der Waaren atin. Itire körperlichen 
Eigenschaften kommen überhaupt nnr in Betracht, soweit selbe sie nutzbar 
machen, also zoGebr&nchswerthen. Anderereeitaaber ist es grade die Abstrak- 
tion von ihren Oebranchswerthen, was das Anstanschverhältniss der Waaren 
augenscheinlich charakterisirt. Innerhalb desselben gilt ein Gebranchswerth 
grade so viel wie Jeder andre, wenn er nnr in gehöriger Proportion vor- 
handen ist. Oder, vrie der alte Barbon sagt: „Die eine Waarensorte ist 
so gut wie die andre, wenn ihr Taaschwerth gleich gross ist. Da ezistirt 
keine Verschiedenheit oder Unterscheidbarkeit zwischen Dingen von gläch 
grossem Tanschwertii" ^. Als Gebranchswerthe sind die Waarm vor 
allem verscbiedaer Qnalitftt, als Tanschwerthe kOnnen sie nur verschiedner 
Quantität sein, enthalten also k«n Atom Gebranchswerth. 

Siebt man nnn vom Gebranchswerth der WaarenkOrper ab, so bleibt 
ihnen nnr noch eine Eigenschaft, die von Arbeitsprodukten. Jedoch ist 
nns ancfa das Aibeltsprodnkt bereite in der Hand verwandelt. Abstrahiren 
wir von eeinem Gebranchswerth, so abstrahiren vrir anch von den körper- 
lichen Bestandtbeilen nnd Formen, die es znm Gebranchswerth machen. 
Es ist nicht länger Tisch oder Hans oder Garn oder sonst ein nützlich 
Ding. Alle seine sinnlichen Beachaffanheiten sind ausgelöscht Es ist 
anch nicht länger das Produkt der Tischlerarbeit oder der Banarbeit oder 
der Spinnarbeit oder sonst einer bestimmten produktiven Arbeit. Mit dem 
nützlichen Charakter der Arbeitsprodukte verschwindet der nQtzliche Cha- 



*) „Oao «ort of wares are aa good as aoother, if the value be eqoal. 
Tbne is no difference or distinction in thinga of eqnal valae . . . 0d6 hnn-' 
dred ponnds worth of lead ot iron, ia of as grent a valae as one bundred 
ponoda worth of Bilver and gold." (N. Batbon I. c. p. 53 d. T.) 



n,gt,7cdT:G00glc 



rakter der in ihnen dargesteUten Arbeiten, es verschwinden also auch die 
Terachiednen konkreten Formen dieser Arbeiten, eie unterscheiden sich 
nicht länger , sondern sind allznaammt reducirt anf gleiche menschliche 
Arbeit, abstrakt menschliche Arbeit 

Betrachten wir nnn das Kesidnom der Arbeitsprodnkte. Es ist nichts 
von ihnen übrig ^blieben als dieselbe gespenstige Gegenständlichkeit, 
eine blosse Gallerte anterschiedsloser menschlicher Arbeit, d. h. der Ver- 
ausgabung menschlicher Arbeitskraft ohne BOcksicbt anf die Form ihrer 
Veraosgabuiig. Diese Dinge stellen nur noch dar, dass in ihrer Pro- 
duktion menschliche Arbeitskraft' verausgabt, menschliche Arbüt anf- 
geh&nft ist. Als Eryst&lle dieser ihnen gemeinschaftlichen gesellschaft- 
lichen Substanz sind sie — Werthe. 

Im AostanachTerhaltniss der Waaren selbst erschien uns ihr Tausch- 
werth als etwas von ihren Oebranchawerthen dorchans unabhängiges. 
Abstrahirt man nun wirklich vom Gebrauchswerth der Arbeiteprodukte, so 
erhält man ihren Werth wie er eben bestimmt ward. Das Gemeinsame, 
was sich im Anstanschverhältniss oder Tanschwerth der Waare darstellt, 
ist also ihr Werth. Der Fortgang der Untersuchung wird uns lurOckfflhren 
znm Tanschwerth als der nothwendigen Ausdrucksweise oder Erscheinungs- 
form des Werths, welcher zunächst jedoch unabhängig von dieser Form zn 
betrachten ist. 

£in Gebranchs werth oder Gut hat also nur einen Werth, weil abstrakt 
menschliche Arbeit in ihm vergegenständlicht oder materialisirt ist. Wie 
nun die GrOsse seines Werths messen? Dnrch das Quantnm der in ihm 
enthaltenen „wertbbildenden Substanz", der Arbeit Die Qnantit&t der 
Arbeit selbst misst sich an Ihrer Zeitdauer und die Arbeitszeit besitzt wie- 
der ihren Hassstab an bestimmten Zeittheilen, wie Stunde, Tag n. s. w. 

Es könnte scheinen, das, wenn der Werth einer Waare durch das 
während ihrer Produktion verausgabte Arbeitsquantum bestimmt ist, je 
tkoler oder ungeschickter ein Mann, desto werthvoller seine Waare, weil 
er desto mehr Zmt zu ihrer Verfertigung braucht. Die Arbeit jedoch, 
welche die Substanz der Werthe bildet, ist gleiche menschliche Arbeit, Ver- 
ausgabung derselben menschlichen Arbeitskraft. Die gesammte Arbeitskraft 
der Gesellechafl, die sich in den Werthen der Waarenwelt darstellt, gilt 
hier als eine und dieselbe menschliche Arbeitskraft, obgleich sie aus zahllosen 
individuellen Arbeitskräften besteht. Jede dieser individuellen Arbeits- 



n,gt,7cdT:G00glc 



Inüftfl ist dieselbe menschliche Arbeitskraft wie die andeie, soweit sie deo 
Cbarahter einer geBellschaftlichen Darchscbnitts-Arbfitskraft besitzt und 
als solche gesellBChaftliche Onrchschnitts-ArbeitBkraft wirkt, also in der 
Produktion einer Wure auch nar die im Durchschnitt nothwcndige oder 
gesellschaftlich nothwendige Arbeitszeit braucht. Qesellschaftlich nothwea- 
dige Arbeitszeit ist Arbeitszeit, erheischt um irgend einen Oebranchsweith 
mit den vorhandenen gesellechaftlich - nonnalen Prodnktionsbedingungeo 
nnd dem geEellschaftlichen Durcbschnittsgrad von Crescbick nnd Inteneität 
der Arbeit darzustellen. Nach der Einfohmug des Dampfwebstahls in England 
z. B. genOgte vielleicht h»lb so viel Arbeit als rorher, um ein gegebenes Qoan- 
tom tiam in Oewebe zn verwandeln. Der englische Hand weberbraacht« zu die- 
ser Verwandinng in derThat nach wie vordieselbe Arbeitszeit, aber das Produkt 
seiner individnellen Arbütsstnnde stellte jetit nur noch eine halbe gesellschaft- 
liche Arbeitsstunde dar und M daher anf dieH&lfte seines frühem Werths. 

Es ist also nur dae Quantum gesellschalUich nothwendiger Arbeit 
oder die zur Herstellung eines Gebraucbawerths geaellschaftlich nothwen- 
dige Arbeitszeit, welche seine Werthgrösse bestimmt "), Die einzelne Waare 
gilt hier Oberhaupt als Durchschnittseiemptar ihrer Art*"). Waaren, 
worin gleich grosse Arbeitsquanta enthalten sind, oder die in derselben 
Arbeitszeit hergeetellt werden können, haben daher dieselbe Werthgr5sse. 
Der Werth einer Waare verhält sich zum Weith jeder andren Waare, wie 
die znr Produktion der einen nothwendigen Arbeitszeit zu der fDr die 
Production der andren nothwendigen Arbeitszeit. „Als Werthe sind alle 
Waaren nur bestimmte ^asse festgeronnener Arbeitszeit" "). 

*) Note zar 2. Aob^. „Tbo vilae of them (the necessaries of life) when 
the; are»xeh>nged the ono foraootber, is regnlated bj the quantitjof labonr 
necessarily reqaired, and commoDlj taken in prodncing them". „Der Werth 
von OebraacbsgpgpnstindcD, sobald sie gegen eioBuder umgetauscht werden, 
ist bestimmt durch das Quantum der zu ihrer Prodnctioo nothwendjg erheischten 
ued gewähnlieb angewandten Arbeit". (Somo Thoughts on tha Intereit of 
Houef in general, and particularlv in the Public Fanda etc.". London, p. ^.") 
Dtrae merkwürdige anonyme Schrift des Torigen Jahihanderta trägt kein Da- 
tum. Ea gi'bt jedoch ans ihrem Inhalt hervcr, daas sie nnter Georg II , etwa 
1739 odar 1740, erschienen ist. 

'*) „Toates lea prodnctions d'un mime genre ne foTraeet propremeat qn'ano 
mass«. dont le prli ee determine en genertl et san.i egard aoi circonstances 
particulii'rea". (Le Trosne 1. c. p. 893.) 

"1 K. Man 1. c, p, 9. 



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_ 7 ~ 

Dt« Werthgrdflfle einer Waare bliebe daher konstant, väre die zu 
ihrer Produktion eiiieisehte Arbeitszeit konstant. Letztere wechselt aber 
mit jedem Wechsel. In der Prodnktivkraft der Arbeit. Die Produktirkraft 
der Arbeit ist durch mannigfache TJmsttode bestimmt, unter anderen 
dnrdkden DnrchBchnittsgrad des Geschickes der Arbeiter, die Entwlcklungs- 
stnfe der Wiasensehaft und ihrer tedinolo^chen Anwendbarkeit, die 
gesellfichaftltche Kombination des Prodnktionsproceeses, den TJm&n^ nnd 
die Wirknngsf&higkeit der Prodaktionsmittel, nnd dnrch Natvrverhält- 
nisse. Daeseibe Qnantnm Arbeit stellt sich x, B. mit gflnstiger Jahresieit 
in 8 Bnahel Weizen dar, mit nngflnstiger in nnr 4. Dasselbe Qnantnm 
Arbeit liebrt mehr Metalle in reichhaltigen, als in armen Minen n. s. w. 
Diamanten kommen selten in der Eidrinde vor nnd ihre Findnng kostet 
itbtr im Dnrchschnitt viel Arbeitszeit. Folglich stellen sie in wenig Vo- 
lumen viel Arbeit dar. Jacob bezweifelt, daas Oold jemals seinen rollen 
Werth bei^t hat. Koch mehr gilt dies Tom Diamant. Nach Esohwege 
hatte 1S23 die achtzigjährige Oesammtansbente der brasilischen Diamant- 
gmben noch nicht den Freie dee l'/ijährigen Dnrchschnittsprodnkts der 
brasilischen Znoker- oder EaSbepflanzangen erreicht, obglüch sie viel mehr 
Arbeit darstellt«, also mehr Werth. Mit reichhaltigeren Graben würde 
dasselbe Arbeitsqnantnm sich in mehr Diamanten darstellen und ihr Werth 
sinken. Gelingt es mit wenig Arbeit Kohle in Diamant zn verwandeln, 
so kann sein Werth nnter den Ton Ziegelsteinen fallen. Allgemein: Je 
grösser die ProduktiTkraft der Arbeit, desto kleiner die zur Herstellung 
eines Artikels erheischte Arbeitszeit, desto kleiner die in ihm krystalliürte 
ArbeitBrnaase, desto kleiner sein Werth. Umgekehrt, je kleiner die Pro- 
duktirkraft der Arbeit, desto grOsser die zur Herstellnng eines Artikels 
nothwendige Arbeitszeit, deeto grösser sein Werth. Die Werthgmsse einer 
Waare wechselt also direkt wie das Qn&ntnm nnd nn^kehrt wie die Pro- 
duktifkraft der sich in ihr verwirklichenden Arbeit. 

Ein Ding kann Gebrancbswerth sein, ohne Werth tu etäit. Es ist 
dies der Fall, wenn sein Nntzen fflr den Menschen nicht durch Arbeit rer- 
mittdt ist. So Lnft, jnngfräolicber Boden, tiatOrliche Wiesen, wildwach- 
sendes Holz n. 8. w. Ein Ding kann nützlich und Produkt menschlicher 
Arbeit sein, ohne Waare zu sein. Wer durch sein Produkt sein e^nes 
Bedflr&iss befriedigt, sehafil zwar Oebranchswerth, aber nicht Waare. Um 
Waue >a prodneiren, mnss er nicht nnr Oebranchswerth prodaeiren, sondern 



n,gt,7cdT:G00glc 



0«brsach8wertli für andre, ^eeellcliaftlichen Gebranchswerth. Endlich 
kann kein Ding Werth sein, ohne Oehrancheg^renstand zd sein. Ist es 
nutzlos, so ist auch die in ihm enthaltene Arbeit i^ctiloa, zahlt nicht 
als Arbüt nnd bildet daher keinen Werth. 

2)Doppelcbarakter derindesWaaren dargestellten Arbeit 

Ursprünglich erschien uns die Waaie als ela Zvieecblächtigee, Ge> 
braschswerth nnd Tanschwerth. Später seigte sich, daae anch die Ar- 
beit, soweit sie im Werth angedrückt ist, nicht mehr dieselben Merk- 
male besitzt, die ihr als Erzengerin von Gebraachswerthra zukommen. 
Diese zwieschl&chtige Nator der in der Waare enthaltenen Arbeit ist 
laerst von mir kritisch nachgewiesen worden'*]. Da dieser Punkt der 
Springpnnkt ist, mn den sich das Verst&ndniss der politischen Öko- 
nomie dreht, soll er hier n&her beleuchtet werden. 

Nehmen wir zwei Waoren, etwa einm Bock nnd 10 Ellen Lein- 
wand. Der erstere habe den zweifachen Werth der letzteren, so dass, 
wenn 10 Ellen L^nwand = W, der fiock = 2 W. 

Der Bock ist ein Oebrsnchswerth, der ein besonderes Bedflrfnias 
befriedigt. Dm ihn hervorzubringen, bedarf es einer bestimmten Art 
produktiver Thäügkeit. Sie ist bestimmt durch ihren Zweck, Operations- 
weise, Gegenstand, Mittel nnd Besultat. Die Arbeit, deren Nfitzlicbkeit 
sich so im Gebranchswerth ihres Produkts oder darin darstellt, dass ihr 
Produkt ein Gebranchswerth ist, nennen wir knrzvr^ nützliche Arbeit. 
Unter diesem Gesichtspunkt vrird sie stets betrachtet mit Bezug auf 
ihren NntzetFekt. 

Wie Bock nnd Leinwand qnalitaüv verschiedne Gebranchswerthe, 
so sind die ihr Dasein vermittelndeii Arbutm qualitativ verschieden — 
Schneiderei und Weberei Wärm jene Dinge nicht qualitativ verschied- 
ne Gebranchswerthe und daher Produkte qualitativ verscbiedner nütz- 
licher Arbeiten, so konnten sie sich Qberhaapt nicht als Wa&ren gegen- 
flbertreten. Bock tanscht sich nicht aus gegen Bock, derselbe Ge- 
brancheweith nicht gegen denselben Gerbanchswerth, 

In der Gesammtheit der verschiedenartigen Gebranchswerthe oder 
WaarenkOrpei erscheint eine Gesammtheit ebenso mannigfaltiger, nach 
Gattnng, Art, Familie, Unterart, Varietät verschiednei nützlicher Arbeiten 
— eine geaellschafUiche Theilung der Arbeit. Sie ist Existenzbedingung 



"} 1. c p. 12, 13 und pawim. 



lyGOOgIC 



der Wurenprodnktion , obgleich Waarenprodoktion nicht nmgekehrt die 
ExietenzbedingoDg gMellachaftlicher ATbeitstheilnng. In der altindischen 
Gemeinde ist die Arbeit gesellschaftlich getheilt, ohne dass die Produkte 
zn Waaroi werden. Oder, ein n&her liegendes Beispiel, in jeder Fabrik 
ist die Arbeit systematisch getheilt, aber diese Theilung nicht dadurch 
rermittelt, daas die Arbeiter ihre individuellen Prodnkte anstauschen. 
Nnr Produkte eelbstständigei und von «nander nnabhängiger Privatar- 
b«itai treten dnsnder als Waaren gegenObei. 

Uan hat also gesehn: in dem Gebranchawerth jeder Waare steckt 
eine besünunte zweckmässig prodnktife Tbätigkeit od» nntzliche Arbeit. 
Gebranchswertbe kSnnen sich nicht als Waaren gegenDbertreten, wenn 
nicht qualitativ verschiedne nfltzliche Arbeiten in ihnen stecken. In 
einer Gesellchaft, deren Produkte allgemein die Form der Waare an- 
nehmen, d. h. in einer Geeellschaft von Waorenprodncenten, entwickelt 
sich dieser qualitative unterschied der nfttzlichen Arbeiten, welche un- 
abhängig von einander als Frivatgescbifte selbstet&ndiger Prodncenten 
betrieben werden, zn einem vielgliedrigen System, zn einer gesellchaft- 
lichen Theilnng der Arbeit. 

Dem Bock ist es Dbrigens gleichgflltig, ob er vom Schneider oder 
vom Kunden des Schneiders getragen wird. In beiden Fällen wirkt er 
als GebranchBwerth. Ebensowenig Ut das Verh&ltniss zwischen dem 
Bock nnd der ihn prodnärenden Arbeit an und fOr sich dadurch ver- 
ändert, daSB die Schneiderei besondre Profeseion wird, selbstst&n^ges Glied 
der gesellschaftliohea Theilnng der Arbeit. Wo ihn das KleidungsbedOrf- 
nisB zwang, hat der Mensch Jahrtausende lang geschneidert, bevor ans einem 
Menschen ein Schneider ward. Aber das Dasein von Bock, Leinwand, jedem 
nicht von Natur vorbandnen Element des stofflichen Beichthnms, mnsete 
immer vermittelt sein dnrch une specielle, zweckmässig produktive Tbä- 
tigkeit, die besondere Naturstoffe besondren menschlichen BedQrfaissen 
assinulirt. Als Bildnerin von Gebranchswerthen, als nützliche Arbeit, ist 
die Arbeit daher eine von ollen Gestdlschaftsformen unabhängige Eiistonzbe- 
dingnng des Uenachen, ewige Natnmothwendigkeit,. mn den ätoffwechsel 
zwischen Mensch und Natur, also das menschliche Leben zu vermitteln. 

Die Gebranchswertbe Bock, Leinwand n. e. w., kurz die Waarenkör- 
per, sind Verbindungen von zwei Elementen, Natnrstoff und Arbeit. Zieht 
man die Qeeammtaumme aller verechiedenen nützlichen Arbeiten ab, die in 



lyGOOgIC 



— 10 — 

Hock, Leinwand n. s. w. stecken, bo bleibt stets ein materiellee Sub- 
strat lurflck, das ohne Znthnn des Henachen Toa Natur Tortisnden ist. 
Der Mensch kann in seiner Prodnktion nnr verfahren, wie die Natnr 
aelbst, d. h, nui die Formen der Stoffe ändern^'). Noch mehr. In 
dieser Arbeit der Formang selbst wird er bestfindig nnterstfitit von 
Natntkräften. Äibüt ist also nicht die einzige Qnelle der von ihr 
prodncirten Gebranchswerthe, des stofflichen Beichthnms. Die Arbeit 
ist sein Vater, wie William Fetty sagt, nnd die Erde seine Untter. 

Gehn wir nnn von der Waare, so weit sie Gebranchag^nstand, 
über 2Qm Waaren-Weith. 

Nach onsrer ünterstellnng hat der Bock den doppelten Werth der 
Leinwand. Siess ist aber nnr ein quantitativer unterschied, der nns 
znnüchat noch nicht interessirt. Wir eiinnern daher, dasa, wenn der 
Werth eines Rockes doppelt BO gross als der von 10 Ellen Leinwand, 
20 lüUen Leinwand dieselbe WerthgrOese haben wie ein Bock. Als 
Werthe sind Bock und Leinwand Dinge Ton gleicher Substanz, objektive 
AasdrOke gleichartiger Arbeit. Aber Schneiderei nnd Weberei sind qua- 
litativ verschiedne Arbeiten. Es giebt jedoch GeseUschaftsznet&nde, worin 
derselbe Mensch abwechselnd schneidert und webt, diese beiden verachied- 
nen Aibelteweisen daher nnr Modifikationen der Arbeit desselben Indivi- 
dnnms und noch nicht besondre fest« Funktionen verschiedner Individuen 
sind, ganz wie der Bock, den nnser Schneider heate, nnd die Hosen, die 
er meinen macht, nnr Variationen derselben individuellen Arbeit voraus- 
setzen. Der Augenschein lehrt ferner, daas in unsrer kapitalistischen Oe- 
sellschaft, je nach der wechselnden Bichtung der Arbeitsnachfrage, eine 
gegebene Portion menschlicher Arbeit abwechselnd in der Form von 

'*) „Totti i fenomeni, dell' uniTerao. Ueno eui prodotti della mano dell' 
aomo, owero delleuniTersalileggidellafiBioa, non ci danno idea di attoale crea- 
lione, n» anicameate di ana modificaziaDa della mitteria, Accostsre e aeparare 
sona gli nnici elementi ehe ringegno umano ritrova BnalizEanilo l'idea della ripro- 
dDzione;e UntoäripiodazioDedi valore ( Gebrauchs wertb, obgleich Verri hier in 
snuei Polemik gegen die Phf siokraten selbat nicht recht weiu, von welcher Sötte 
Werth er spricht) e di riccheize ae la terra, l'aria e Tacqua ne' campi ai traamutiiu} 
in grana, come sa coUa mano dell' oomo il glutine di un inaetto ai traamnti in 
vellato ovTero alcuni p«zzetti di metallo ai organixzino a formara uaa ripetiiione". 
(Pietro Verri: „Heditaiioni anlla Economia Politica" (zaerst gedmckt 1TT8) in der 
Anagabe der italleniaoUen Oekonomen von Caatodi, Parte Modema, t-XV p. 33). 



n,gt,7cdT:G00glc 



Schneiderei oderin der Form von Webern zcgefohrtwird. Dieser Fonnwechsel 
der Arbeit mag nicht ohne Prietion abgehn, aber er rnuss gehn. Sieht 
man ab von der BeetJmmtheit der produktiven Th&tigkeit nnd daher vom 
nOtzlichen Charakter der Arbeit, ao bleibt dae an ihr, dsss sie eine Ver- 
ansgaboug menschlicher Atbeitakraft ist. Schneiderei nnd Weberei, ob- 
gleich qualitativ verschiedene produktive Th&ti^keitea, sind beide produktive 
Verau^bong von meiiBchlichem Hirn, Muskel, Nerv, Hand u. s. w., und 
In diesem Sinn beide menfichliche Arbeit. Es sind nur zwei verschiedue 
Formen, menschliche Arbeitskraft zu verausgaben. Allerdings muae die 
menficbliche Arbeitskraft selbst mehr oder minder entwickelt sein, um in 
dieser oder jeuer Form veraasgabt zu werden. Der Werth der Waare aber 
stellt menschliche Arbeit schlechthin dar, Verauagabnng menschlicher Ar- 
beit Cberhaupt. Wie nnn in der bOrgerlichen Gesellschaft ein General oder 
Banquier äne grosse, der Mensch schlechthin dagegen eine sehr schäbige 
Bolle spielt 1*), so steht ee anch hier mit der menschlichen Arbeit Sie ist 
VmtD^bnng einfacher Arbeitskraft, die im Durchschnitt jeder gewöhn- 
liche Mensch, ohne besondere Entwicklung, in sünem leiblichen Organis- 
mus besitzt. Die einfache Durchschuittsarbeit selbst wechselt 
zwar in verechiednen Lfindem und Rulturepochen ihren Charakter, ist aber 
iu einer vorhandnen Gesellschaft gegeben. Komplicirtore Arbeit gilt nur 
als potenzirte oder Tlelmehr multiplicirte einfache Arbeit, so dass 
ein kleineres Quantum komplicirter Atbeit gleich einem grösseren Quantum 
einfacher Arbeit Dass diese Bednktion beständig vorgeht, zeigt die Er- 
fahrung, ^ne Woare mag das Produkt der komplicirteeten Arbeit sein, 
ihr Weith aetzt sie dem Produkt einfkcber Arbnt gleich und stellt daher 
selbst nur ein beetjmtntos Qnantnm einfacher Atbeit dar''). Die verschiednen 
Proportionen, worin verschiedne Arbeitsarten anf einfache Arbeit als ihre 
Masseinheit reduciit dud, werden durch einen gesellschaftlichen Process 
hinter dem BOcken der Prodncenten festgesetzt nnd scheinen ihnen daher 
durch das Herkommen gegeben. Der Yerein^hnug halber gilt uns im 



") Vgl. „Hegel, Philosophie des Recht». Berlin 1810", p. 250, § 190. 

*') Der Leier iqqbb aofmerkeu, da» hier nicht vota Lohn oder Werth die 
Rede iat, den der Arbeiter fQr etwa einen Arbeitstag erhält, soadein vom Waaren- 
werth, worin eich aein Arbeitstag vergegensUndlicbt Die Kategorie des Ar- 
beitilobns exiitirt überhaupt noch nicht anf dieser Stufe nnsrer Dar^tellnng. 



lyGOOgIC 



— 12 — 

Folgenden jede Art Arbeitskraft unmittelbar für einfaclie Arbeitekr&ftr 
wodurch nur die Mflhe der Bednktion erspart wird. 

Wie also in den Werthen Bock nnd Länwand Ton dem unterschied ihrer 
Gebianchsworthe abstrahirt ist, so in den Arbeiten, diesich in diesen Werthen 
darstellen, von dem Unterschied ihrer nDtzlichen Formen, der Schneidert 
nnd Weberei. Wie die Gebranchswerthe Bock und Leinwand Verbin- 
dungen zweckbeetimmter, prodnktiver Tliitigkeiten mit Tnch nnd Qam 
sind, die Wertbe Bock nnd Leinwand dag^;en blosse gleichartige Arbeits- 
gallarten, so gelten anch die in diesen Werthen enthaltenen Arbeiten 
Dicht durch ihr prodnkttTee Verhalten zn Tnch und Garn, sondern nur als 
Veransgabnngen menschlicher Arbeitskraft. Bildnngselemente der Ge- 
branchswerthe Bock nnd Leinwand sind Schneiderei nnd Weberei eben durch 
ihre verschiednen Qualitäten; Substanz des Bockwerths und Leinwandwerths 
sind sie nur, soweit von ihrer besondren Qnalitüt abstrahirt wird und beide 
gleiche Qnalität besitzen, die Qualität menschlicher Arbeit. 

Bock nnd Leinwand sind aber nicht nur Werthe fiberhaupt, son- 
dern Werthe von bestimmter Grösse und nach unsrer Unterstellong ist 
der Bock doppelt so viel wertb, als 10 Ellen Leinwand. Woher diese 
Verschiedenheit ihrer Werthgröesen? Daher dass die Leinwand nur 
halb so viel Arbeit enthält, als der Bock, so dass znr Produktion des 
letzteren die Arbeitskraft während doppelt soviel Zeit verausgabt werden 
muBs als zur Produktion der erstem. 

Wenn also mit Bezog auf den Gebranchswerth die in der Waare ent- 
haltene Arbeit nnr qualitativ gilt, gilt sie mit Bezug auf die WerthgrOsse 
nnr quantitativ, nachdem sie bereits auf menschliche Arbeit ohne weitere 
Qualitftt redooirt ist. Dort handelt es sich um das Wie und Was der 
Arbeit, hier um ihr Wie Viel, ihre Zeitdauer. Da die Werthgrdeae einer 
Waare nnr das Quantum der in ihr enthaltenen Arbeit darstellt, 
mässen Waaren in gewisser Proportion stets gleich grosse Werthe sein. 

Bleibt die Prodnktivkraft, sage aller znr Produktion eines Bocks er- 
hüschtAtt nützlichen Arbeiten unverändert, so steigt die WerthgrOsse der 
BOcke mit ihrer eignen Qnantit&t. Wenn 1 Bock i, stellen 2 Backe 2 x 
Arbeitstage dar u. s. w. Nimm aber an, die zur Produktion eineB Bocks 
nothwendige Arbeit steige auf das Doppelte oder falle um die Hälfte. Im 
ersten Fall hat mn Bock so viel Werth, als vorher zwei Bdoke, im letztem 
Fall haben zwä B9cke nur so viel Wertb, als vorher einer, obgleich in 



lyGOOgIC 



- 18 — 

beiden Fallen ein Bock nach wie vor dieselben Dienste leistet ond die 
in ihm enthaltene nfltiliche Arbeit nach wie vor von derselben Gute 
bleibt. Aber das in seiner Produktion verans^bte Arbeitsqnantam hat 
sich Teriadert 

Ein grOssres Q,nantnm Qebranchaw erth bildet an nnd fdi sich ^ssren 
stofflichen Beichthnm, zwei Böcke mehr als einer. Hit zwei Böcken kann 
man zwei Menschen kleiden, mit einem Bock nnr einen Menschen n. s. w. 
Dennoch kann der steigenden Masse des stofflichen Beichtbnms ein gleich- 
zeitiger Fall seiner Werthgrösse entsprechen. Diese gegens&tzliche Be- 
wegnng entspringt ans dem zwieachl&chtigen Charakter der Arbeit. Pro- 
dnktivkraft ist natftrlich stets Prodektivkraft nfltzUcher, konkreter Arlwit, 
nnd bestimmt in der That nur den Wirkungsgrad zweckmässiger produktiver 
Thätigkeit in gi^bnem Zeitraum. Die nützliche Arbeit wird daher 
reichere oder dtkrftigrae Produktenquelle im direkten Verhältniss zom Stegen 
oder Fallen ihrer Produktivkraft Dagegen trifft ein Wechsel der Pro- 
dnkÜTkraft die im Werth dargestellte Arbeit an nnd für sich gar nicht. Da 
die Produktivkraft der konkreten nützlichen Form der Arbat angehört, 
kann sie natflrlich die Arbeit nicht mehr berohren, sobald von ihrer kon- 
kreten nDtEÜchen Form abstrahirt wird. Dieselbe Arbeit ei^ebt daher 
in denselben Zeiträumen stets dieselbe WerthgröBse, wie immer die Pro- 
duktivkraft wechsle. Aber sie liefert in demselben Zeitianm verschiedene 
Qaanta Gebrancheweitbe, mehr wenn die Frodnktivkraft steigt, weniger, 
wenn sie sinkt. Derselbe Wechsel der Prodnktivkraft, der die Frncht- 
harkeit der Arbeit und daher die Masse der von ihr gelieferten Gebranchs- 
werthe vermehrt, vermindert also die WerthgrOese dieser vermehrten 
Qesammtmasse, wenn er die Summe der za ihrer Produktion nothwen- 
digen Arbeitszeit abkürzt. Ebenso umgekehrt. 

Alle Arbeit ist einerseits Veraasgabung menschlicher Arbeitskraft 
im physiologischen Sinn. und in dieser Eigenschaft gleicher menschlicher 
oder abstrakt menschlicher Arbeit bildet sie den Waaren-Werth. Alle 
Arbeit ist andrerseits Voransgabung menschlicher Arbeitskraft in beson- 
drer zweckhestimmter Form nnd in dieser Eigenschaft konkreter nütz- 
licher Arbeit prodncirt sie Gebrauchswerthe ^^. 

") Note zur 2. Ansg. Um zu beweisen, „dase die Arbeit allein das endgültige 
ond reale Mass ist, woran der Werth aller Waarpn zu allen Zeiten geschätzt nnd 
verglichen werden kann", sagt A. Smith: „Gleiche Quantitäten Arbeit müaaen zu 



lyGOOgIC 



8) Die Werthform oder der TanBchwerth. 

Wboren kommen zur Welt in der Form von Oebranchsverthen oder 
WaarenkOrpern, als Eisen, Leinwand, Weiten n. h. w. Eb ist äieea 
ihre hansbackene Natnralform, Sie sind jedocli nnr Waaren, «eil 
Doppeltes, Qebrauchsgegenstftnde nnd inglticb WerthtrSger. Bie erscbei- 
nen daher nnr als Waaren oder bentien nnr die Form von Waaren, 
Eofem sie Doppelfonn besitsen, Natnralfonn nnd Wertbform. 

Die Wertbgegenat&ndlicbkeit der Waaren nnterscheidet sich dadarcb 
von der Wittib Hurtig, dass man nicht weiss wo sie zu haben ist. Im 
graden Qegentheil znr Binnlich groben GegenatAndlichkeit der Waaren- 
kOrper ^ht kein Atom Naturstoff in ihre WerthgegenstfLndlichkeit ein. 
Uan mag dahor eine einzelne Waare drehen nnd wenden wie man will, sie 
bleibt nnfassbar ala Werthding. Erinnern wir nns jedoch, daas die Waaren 
nur Werthgegenst&ndlicbkeit besitzen, sofern die AusdrDcke derselben ge- 
sellscbaftlichen Einheit, meuBcbltcher Arbeit, sind, dass ihre Weithgegen- 
stAndlicfaktit also rein gesellschaftlich ist, eo versteht sich aoch von selbst, 
dass sie nnr im gesellschaftlichen Verhältniss von Waare zn Wsare 



alleo Zeilen und an slleo Orten für den Arbeiter EClbst denselben Werth haben. 

In ■einemnonDilen Zustand von Getandheit, Kraft and Thfttigkeit, imd mit dem 
DaTCbscboittdgrad von OeBchicklichkeit, die er besitzen mag, miua er immer die 
D&mliche Portion aeiner Knlie, seiner Freiheit und seineB Glflck« hingeben." 
(Wealth of Kations, b. I. cb. V.) Einereeits verwechselt A.Smith hier (nicht 
fiberall) die Bestimmong des Werths darch das in der Fradaktion der Waare vei- 
ansgabteArbeitaqnantammit deTBeetimmnngderWaarenwerÜiedar^hdenWerth 
der Arbeit nnd incbt daher nachinweiaen, dass gleiche Qnantitilen Arbeit stets 
denselben Werth baben. Andrerseits ahnt er, dass die Arbeit, soweit sie eich 
im Werth der Waaren darstellt, nur als Veraasgabimg von Arbeitskraft gilt, 
faast diese Verausgabang aber wieder bloss als Opfer von Bube, Freiheit nnd 
Glück, nicht BDchaU normale Lebeaabethtttigang. Allerdings hat er den moder- 
nen Lohnarbeiter vor Augen. — Viel treffe oder sagt der Note Ö eitirte anon^e 
VoTg&nger von A.Smith: „One man faaa emplojed hlmself a week in providing 
this neceEsarj of life . . . and he thst gives bim some otber in eictaange, cannot 
make a better estimate of what ia > proper eqaivalent , thui b; Computing 
wbat coat him jost as mach lalraur and time: wich in effect ia so more than 
eichanging one mau'e laboar in one thing for a time certaio for another 
an'a labonr in another thing for the aame time." (I. c. p. S9.) 



lyGOOgIC 



— 15 — 

erachränen kann. Wir gingen in der Th&t vom Tanscbwerth oder Adb- 
tatuchTorbUtnisB der Waaren ans, «in ihrem darin versteckten Werili 
snf die Spnr zn kommen. Wir mOssen jetzt so dieeer Erscbünaog»- 
form dee Wertbee znrOcltketiren. 

Jedermann weisB, wenn er auch sonst nichts wnss, dass die Waaren 
eine mit den bnnten Natnralformen Uirer Gebranckswertlie hOcbst frappant 
kontraetirende, gemeinsame Weribfonn besitzen — die Qeldfonn. Hier 
fplt es jedoch zn leösten, was von der bürgerlichen Oekonomie nicht einmal 
Tersncht ward, n&mlich die Genesis dieeer Geldform nacbEoweisdn, also die 
Bntwicklnng des im Werthrerbültniss der Waaren enthaltenen Werthans- 
dracks von süner MofochBten nDScheinbarsten Gestalt bis znr blendenden 
Geldform sn verfolgen. Damit verscbwindet zngleich das Geldr&thsel. 

Das einfachste WerthTerh&ltniss ist offenbar das WerthverhUtniss 
einer Waare zn einer einzigen Terschiedenartigen Waare, gleichgültig 
weleber. Das WerthTerhältniss zweier Waaren liefert daher den än- 
fachsten Werttaansdnick für eine Waare. 

A) Einfache, einzelne oder zuftllige Werthform. 

1 Waare A = y Waare B oder: i Waare A ist y Waare B werth. 
(30 Ellen Leiowand ^ 1 Rock oder: 20 EDen Leinwand sind I Rock wertb). 

]) Die beiden Pole des Werthausdrncks: Belative 
Werthform und Aeqaivalentform. 

Das Gebelmniss aller Werthform steckt in diesor einfachen Werth- 
form. Ihre Analyse bietet daher die eigentliche Schwierigkeit. 

Ee Efpielen hier zwei verschiedenartige Waaren A und B, in unarem 
Beispiel Leinwand nnd Bock , offenbar zwei verschiedene Bollen. Die 
IiMDvand drflckt ihren Werth ans im Rock, der Rock dient snm Material 
dieeee Werth ansdrncks. Die erste Waare spielt eine aktive, die zweite 
one passive Bolle. Der Werth der ersten Waare ist als relativer Werth 
dargestellt oder sie befindet sich in relativer Werthform. Die zweite Waare 
funktionirt als Aeqnivalent oder befindet sich in Aequivalentfono. 

Relative Werthfono nnd Aeqnivalentform sind zn einander gehörige, 
sich wechselseitig bedingende, nnzertrennlicbe Momente, aber zngleicb ein- 
ander aosschliessende oder entgegengesetzte Extreme, ä. h. Pole desselben 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 16 — 

WerthaaBdmckB; sie TertbeUen sich Bt«ts auf die verBchiedenen Waaren 
die der WerUianadnick a.at einander bezieht. leb kann z. B. den Woih 
der Leinwand nicht in Leinwand anedrachen. 20 Ellen Länwand = 20 
Ellen Leinwand ist krin WerthaDsdruck, Die Gleicbnsg sagt Tielmehr 
nmgekehrt: 20 Ellen Leinwand aind nichts andres als 20 Ellen Lein- 
wand, ein beetimmtee Q,uantnm des Gebranchegegenstandea Leinwand 
Der Werth der Leinwand kann also nur relativ ansgedrOckt werden, 
d. h. in andrer Waare. Die relative Werthfonn der Leinwand nnter- 
stellt daher, daas irgend eine andre Waare sich ihr gegenOber in der 
AeqQiv^entform befindet. Andrereeita , diese andre Waare , die als 
Aoqoivalent fignrirt, kann sich nicht gldchzeitig in relativer Werthform 
befinden. Nicht sie drückt ihren Werth ans. Sie liefert nnr dem 
Werthausdruck andrer Waare das Material. 

Allerdings schlieast der Ansdmck: 20 Ellen Leinwand = 1 Bock 
oder 20 Ellen Leinwand sind 1 Bock werth, auch die Rfickbeziehnngeai 
ein; 1 Bock = 20 Ellen Leinwand oder 1 Bock ist 20 Ellen 
Leinwand werth. Aber so mnss ich doch die Gleichnng umkehren, 
nm den Werth des Bocks relativ anszndrflcken , nnd sobald ich das 
thne, wird die Leinwand Aeqnivalent statt des Bockes. Dieselbe Waare 
kann also in demselben Werthansdmck nicht gleichzeitig in beiden For- 
men anftreten. Diese schliessen sich vielmehr polarisch ans. 

Ob eine Waare sich non in relativer Werthform befindet oder in der 
entgegengesetzten AeqniTalentforra, hängt ansschliesslich ab von ihrer 
jedesmaligen Stelle im Werthansdmck, d. h. davon, ob sie die Waare 
ist, deren Werth, oder aber die Woaie, worin Werth ausgedrQckt wird. 



2} Die relative Werthform. 
a) GehaU der relativen Werthform. 

um herauszufinden, wie der einfache Werthausdmck einer Waare im 

Werthverhältniss zweier Waaren steckt, mnss man letzt«ree zun&chat gans 
nnabbängig von seiner quantitativen Seit« betrachten. Hau verfährt meist 
grade umgekehrt und sieht im WerthTorhältniss nur die Proportion, worin 
bestimmte Quanta zweier Waarensorten einander gleichgelten'. Man 
flbersieht, dasa die Grussen verschiedener Dinge erst quantitativ vergleichbar 



lyGOOgIC 



— 17 — 

werden nKch ihrer Badnktion auf dieselbe Binbeit Nnr als Ansdrfloto 
derselben Einbmt sind sie gleichnamige, daher kommenenrable Grössen*^). 

Ob 20 Ellen Lnnwand ^ 1 Bock odet => 20 oder => i BOcke, 
d. b., ob ein g^benee Qn&ntum Leiowand viele oder wenige BAcke 
werth ist, jede solche Proportion schliosat stets ein, daas Leinwand nnd 
BGcke als WerthgrOssen Aasdr&cke derselben Einheit, Dinge von derselben 
Na.iuT sind. Leinwand ^ Bock Ist die Qmndlage der Qleichnng. 

Aber die zwei qualitativ gleichgeeetitenWaarenspielennlchtdiesetbeBoUe. 
Nnr der Werth der Leinwand wird ausgedrAckt. und wie? Durch ihre Be- 
siehnng auf den Bock ale ihr „AeqniTalent" oder nüt ihr „Anstanachbarea". 
In diesem Verh&ltnisB gilt der Bock als Existenzform Ton Werth, alsWerth- 
diog, denn nur als solches ist er dasselbe wie die Leinwanl Andrerseits 
kommt das dgne Werthsein der Leinwand mm Vorschein oder erh&lt mnen 
selbständigen Aasdrnck, denn nur als Werth ist sie auf den Bock als 
Gleich werthiges oder mit ihr Anatanachbares bozQglich. So ist dieBatter- 
sänre ein rem FropjlformatTerschiedner Körper. Beide bestehn jedoch ans 
denselben chemischen Sabstanzen — Kohlenstoff (C), Wasserstoff (H) nnd 
Sauerstoff (0) nnd zwar in gleicher prooeatiger Zusammensetzung, nftmlich 
Cj Hg Oj. Würde nnn der Buttersäure das Propjlformat gleichgesetzt, so 
gälte in diesem Verhältniss erstens das Propy Iformat bloss als Existenzform 
von C^, Hg, 0, nad zweitens wäre gesagt, daas anch die Bnttersäore aus 
C^ Hg 0, besteht. Durch die Gleichsetsung des Proprlformats mit der 
Buttersäure wäre also ihre chemische Sabstaaz im UnterBchied von ihrer 
Körperform ausgedrückt 

Sagen wir: AlsWerthe sind dieWaaren blosse Gallerten menschlicher 
Arbelt, so reducirt nnsre Analyse dieselben auf die Werth abstraktiun, gieht 
ihnen aber keine von ihren Nataralformen verschiadne Werthform. Anders 
im Werthverhältniss einer Waare zur andern. Ihr Werthcharakter tritt 
hier hervor durch ihre eigne Baiiehnng zn der andern Waare. 

Indem z. B. der Bock als Werthding der Leinwand gleichgesetzt wird, 

") Die wenigen Oekonoman, die Rio)), «is S. Balle;, mit der AiLaljae der 
Werthform boBchäfügt haben, konutsn zu keiaem Besaltat Icommen, einmal, weil 
sie Wsrtbform und Werth verwechsslo , iweitens, weil «ie, iiater dem rohen 
Ein&DBB des piaktUchen Blrgera, toq vorn herein atusohlieuliob die quantitative 
BagUmmtheit ins Aage haaeo. „The cnmosad of qnaotitj .... oonstitates valne', 
<„Uone; and iU Tiais^itudes". Lond. 1837, p. 11.) Terfasger S. Bailey. 

ll4ri,K*^lal L S 



n,gt,7cdT:G00glc 



_ 18 — 

wiiddielniliffleteckendeArbütd6rinUirBteckeiidaiArbeitg:leichgeBetct Mub 
iet iwsr die Bohn^wn, die den Boek macht, eine Ton der Weberei, die di» 
Leinwaad macbt, verschiedeiurtige konkrete ArMt. Aber die Gleich- 
eetsan^ mit der Weberei rsdncirt die Schneiderei thats&dtlich auf du in 
beiden Arbüten wirklich Gleiche, aof ihren gemeinBaUen Charakter mesBoh- 
licher Arbeit. Anf dieeem Umwe^ ist dann gesagt, daaa anch die Weberä 
sofern sie Werth webt, keine Ünterscheidnngsmerkmale von der Schneider« 
beiitit, also abstrakt menschliche Arbeit ist. Nnr der Aequiralenzaiu- 
dmck veTBchiedenart^ Waaren bringt den specifischen Charakter der 
werthbildenden Arbüt zum Yorschedn, indnn er die in den Terschieden- 
uljgen Waaren steckenden, Terschiedenartigen Arbeiten thats&ehlich auf 
ihr Gemeinsames redocirt, auf menschliche Arbeit Oberhanpfa). 

Es gentgt indees nicht, den specifiBchen Charakter der Arbeit ans- 
sadrflcken, woraus der Werth da* Ldnwand besteht Henschliche Arhtite- 
kraft im flOssigen Zostand oder menschliche Arbeit bildet Werth, aber ist 
nicht Werth. Sie wird Werth in geronnenem Znstand, in gegenständlicher 
Form, um den Leinwandwerth als Gallerte monachlicher Arbeit ans- 
indrtcken, moas er als eine „QegenstAndlichkeit" ansgedrOokt werden, 
welche von der Leinwand selbst dinglich verschieden nnd ihr ingleich 
mit anderer Waare gemeineam ist. Die Anfgabe ist bereits gelöst. 

Im WerthveihUtniss der L^wand gut der Bock als ihr qualitativ 
Gleiches, als Ding von derselben Natnr, weil er ein Werth ist. Ei gilt hier 
daher als ein Ding worin Werth erscheint, oder welches in seiner handgreif- 
lichen Natnralform Werth darstellt. Nun ist zwar der Rock, der EQiper 
der Bockwaare, ein blosser Gebrauchswerth. Ein Bock drückt eben so 
wenig WerUi ans als das erste beste Stfick Leinwand. Diees beweist nnr, 
dass er innerhalb des Werthverh&ltnisses znr Leinwand mehr bedeutet als 



">) Note EDJ Z. Aaigabe. Einei der enten Oekonomen, der nach William 
Pet^ dieNatni deaWerthidarchsdiaiithat, der berOhmteFnuikliD, sagt: „Da der 
Handel Qberbaapt nichts ist als der Anitauaoh einer Arbeit gegen andre Arbeit, 
wird der Werth aller Dinge am richtigsten geschätzt in Arbeit" („The Works ofB. 
Franklin etc., edited b; Sparln, Botton 18S6, t. C, p. 297) Franklin ist üoh 
nicht bewasat, dau, indem er den Werth aller Dinge „in Arbeit" aohitit, er 
von der Tersohiedenheit der anagetanBobten Arbeiten abatrabirt — nnd eie so 
anf gleiche menaohliobe Arbeit rednoirt. Was er nioht weiss, aagterjedocb. Er 
■pricht erat von „der einen Arbeit", dann „von der andren Arbelt", sohliesalicb 
von „Arbeit" ohne weiter« BeieicbnnDg als Sabstani desWertha aller Dinge. 



lyGOOgIC 



_ 19 _ 

ameerhalb desMlben, wie bo mancher Hensch iunerball) einea galonirten 
Sockes mehr bedeutet als ausserhalb deeselben. 

In der Produktion des Bockes iat thatefichlich, unter der Form der 
Schneiderei, menschliche Arbeitskraft veraiiBgabt worden. Es ist also 
menschliche Äibrit in ihm anf^&nft. Nach dieser Seite hin ist der Bock 
„TriLger von Werth", obgleich diese seine Eigenschaft selbst durch seine 
grOsste Fadenscheinigkeit nicht durchblickt. Und im Werthrerhältniss 
der Leinwand ^t er nur nach dieser Seite, daher als verkörperter Wertb, 
als WerthkOrper. Trotz seiner zugeknöpften Erscheinung hat die Leinwand 
in ihm die stammverwandte schOne Werthseele erkannt Der Bock kuin 
ihr gegenüber jedoch nicht Werth darstellen, ohne dass fSr sie gleich- 
zeitig der Werth die Form önee Bockes annimmt. So kann sich das 
Individuum A nicht zom Individuum B als einer Hajeatät verhalten, 
ohne dass für A die Hqestfit zugleich die Leibesgeetalt von B annimmt 
und daher Gedcbtszßge, Haare ond manches andre noch npt dem jedes- 
maligen Landeevater wechselt 

Im Werth verh&ltnise , worin der Bock das Aequivalent der Lein- 
wand bildet, gilt also die Bockform als Werthform. Der Werth der 
Wsare Leinwand wird daher ausgedruckt im Körper der Waare Bock, der 
Werth einer Waare im Oebraactuwertb dw andren. Als Gebrauchawerth 
iat die Leinwand ein vom Bock sinnlich verschiedenes Ding, als Werth ist 
sie „Bockgleiches" und Edeht<dalier aus wie ein Bock. So erhält sie eine 
von ihrer Naturalform verschiedene Werthform. Ihr Werthsein erscheint 
in ihrer Gleichheit mit dem Bock, wie die Schafsnatur des Christen in 
seiner Gleichheit mit dem Lamm Gottes. 

Han sieht, alles was uns die Analyse des Waarenwerths vorher sagte, 
sagt die Leinwand selbst, sobald sie in Umgang mit andrer Waare, dem 
Bock, tritt Nur verr&th sie ihre Gedanken in der ihr allela geläufigen 
Sprache, der Waarensprache. Um zu sagen, dass die Arbeit in der ab- 
strakten Eigenschaft menschlicher Arbeit ihren eignen Werth bildet, sagt 
sie, dasB der Bock, so wüt er ihr gleichgilt, also Wertli ist, aua derselben 
Arbeit besteht wie die Leinwand. Um zn sagen, dass ihre sublime Werth- 
gegenständlichküt von ihrem stafleinenen KOrper verschieden iat, sagt 
sie, das» Werth aussieht wie ein Book und daher sie selbst als Wertiiding 
dem Bock glücht wie ein Ei demandem. Nebenbei bemerkt hat auch die 
Waarensprache, ausser dem BebrÜacheD, noch viele andre mehr oder minder 



lyGOOgIC 



komkte Mundarten. Daa dentsche „Werthaein" drfickt i. B. minder schla- 
gmd ma tie daa romanüche Zeitwort valere, tkIst, viiloir, daes die 
EtleichsetiDDg der Wasre B mit der Waare A, der eigne Werthansdnick 
der Waare A isi Paris vant bien nne messel 

Termittelst des WerthTerbüItnisaee wird also die Natnralform der 
Waare B zur Werthform dar Waare A oder der KOrper der Waare B znm 
Werthspiagel der Waare A^^). Indem eich die Waare A auf die Waare B 
ala Werttakflrper bezieht, ala Hateriatnr meiiBchlicher Arbeit, macht sie 
den Gebranchswerth B mm Material ihrea eignen Wertbanadmcks. Der 
Werth der Waare A, so ansgedrOckt im Oebranchswerth der Wa&re B, 
besitzt die Form des relativen Weitha. 

b) Quantitative BaBtimmtheit dar relativen Werthform. 

Jede Waare, deren Werth ansgednicU werden boU, ist ein Qe- 
brancb^^^enatand von gegebenem Qnantam, 15 ScbefFel Weizee, 
100 Pfd. Kaffee n. s. w. Dieses gegebene Waarenqnantum enthält ein 
bestimmtes Quantam menBchlicher Arbeit. Die Werthform hat also 
nicht nur Werth Oberhanpt, aondetn quantitativ bestimmten Werth oder 
Werthgrflsse anszadracken. Im WarthverhältiLisB der Waare A zur 
Waare B, der Lein<Aand znm EEocke, wird daher die Waarenart Bock 
nicht nnr als WerthkOrper Oberhaupt der Leinwand qualitativ gleich gesetzt, 
sondern eioem bestimmten Leinwandqnantnm , z. B. 20 Ellen Leinwand, dn 
beetimmtee Quantom des WetthkQrpers oder Aeqnivalents, z. B. I Bock. 

Die Gleichung: „20 Ellen Lei □ wand => 1 Bock oder: 20 Ellen Len- 
wand sind 1 Bock werth" setzt vorans, dass in 1 Bock gerade so viel' 
Werthsnbstanz steckt als in 20 Ellen Leinwand, dass beide Waarenqnanta 
also gleich viel Arbeit kosten oder gleich grosse Arbeitszeit. Die sor 
Produktion von 20 Ellen Leinwand oder 1 Bock nothwendige Arbeits' 
zeit wechselt aber mit jedem Wechsel in der Prodnktivkraft der Weberei 
oder der Schneiderei. Der Binflnss solcher Wechsel auf den relativen 
Ausdruck der WerthgrOsse soll nun näher untersucht werden. 

") In gewisser Art geht's dem Hanschen wie der Waare. Da er weder mit 
einem Spiegel aat die Welt kommt, noch als Fichtesoher Philosoph : loh bin ich, 
beipiegelt sieli der Mensch leerst in eiBsm aadren Heaschen. Erst durch die 
B.'Ziehong auf denMsnachsn Panl sls seiDssgloichen, beliebt sich der Mensch Peter 
aef sieb selbst als Mensch. Damit gilt ihm aber anch der Paul mit Haut und Haa- 
lea, in seiner panlinisohen I.eiblichkeit, als Ersoheinongsfonn daa genni Monacb. 



lyGOOgIC 



— 21 — 

I. Der Werth der Leinwand wechsle'*}, wUmnd der Bockwerth 
konBtuit bleibt. Yerdoppelt eich die inr Produktion der Leinwand noth- 
wendige Arbeitezeit, etwa in Folg» lunchmender Unfruchtbarkeit des flachs- 
tragenden Bodens, so verdoppelt sich ihr Werth. Statt 20 Ellen Lein- 
wand B~ 1 Bock, hätten wir 20 Ellen Leinwand = 2 BScke, da 1 Bock 
jetzt nnr halb so viel Arbeitazeit enth&lt als 20 Ellen Leinwand. Nimmt 
dagegen die znr Prodaktion derLeinwaud nothwendige Arbeitaieit nm die 
HUfte ab, etwa in Folge verbeaerter Webstuhle, so sinkt der Leinwand- 
werth am die HUfte. Demgem&ss jetst: 20 Ellen Lünwand = ^/, Bock. 
Der relative Wwth der Waare A, d. h. ihr Werth ansgedrückt in 
der Waare B, steigt nnd f&Ut aleo direkt wie der Werth der Waan 
A, bei gleichbleibendem Werth der Waare B. 

n. Der Werth der Leinwand bleibe konetant, während der Book- 
werth wechsle. Verdoppelt sich nnter diesen Umständen die zur Pro- 
duktion des Bockes nothwendige Arbeitezfflt, etwa in Folge nngflnstigar 
Wollschnr, so haben wir statt 20 Ellen Leinwand »■ 1 Bock jetzt: 20 
Ellen Leinwand •"= '/t BocL Fällt dagegen der Werth des Bockes nmdie 
Hälfte, so 20 Ellen Leinwand i— 2 BAeke. Bti glüchbleibendem Werth 
d«r Waare A, Ollt oder steigt daher ihr t^tiver, in der Waare B sos- 
gedrflckter Werth im umgek^rten Tefbältniss znm WerthwechBel von 6. 

Vergleicht man die verachiedeuen PUIe sub 1 und II, so ergiebt 
sich, daes derselbe QrOssenwechael des relativen Werths ans ganz ent- 
gegengesetiten Ursachen entspringen kann. So wird ans: 20 Ellen Lein- 
wand => 1 Bock: 1) die Qledchnng 20 Ellen Leinwand « 2 BAcke, ent- 
weder, weil der Werth der L^wand sich verdoppdt oder der Werth der 
BJScke nm die Hälfte fiUIt, nnd 2) die Oleicbnng 20 Ellen Lein- 
wand =3 Vi Bock, entweder wmI der Werth der Leinwand nm die 
Hälfte sinkt oder der Werth des Bockes anf das Doppelt« stwgt. 

HL Die zur Produktion von Leinwand und Bock nethwendigen Arbeits- 
quanta mfigen gleichzeitig, in derselben lUchtung und derselben Proporti<m 
wechseln. In diesem Falle nach wie vor 20 Ellen Leinwand «■ 1 Bock, 
wie immer ihre Werthe verändert s«ea Man entdeckt ihren Werthwechsel 
sobald man sie nut äner dritten Waare vergleicht, deren Werth konstant 
blieb. Stiegen oder fielen die Werthe aller Waaren gleichzeitig nnd in 
") Der Ansdruck „Werth" wild hier, wie beilänflg schon frflher stellenweis 
geeohah, fUr qnuititatiT beetimmt«ii Werth, rIh f&r WerthgrSaie gebraucht. 



lyGOOgIC 



— 22 — 

dareelben Proportion, 80 wflrden ihre ralativOD Warthe miTer&ndart bleiben. 
Ibren wirUichen Werthwecluel era&he mui darans, dass in derselben Ai- 
beitezrat nim allgemein ein grösseres oder kleineree Wa&reDqnantom als 
vorher geliefert wttrde. 

IV. Die znr Prodnktian von Leinwand and Bock resp. nothwoodigen 
Arbritsiäten, nnd daher ihre Werthe, mSgen gleichzeitig in derselben 
Bichbmg wechsaln, aber in onglüchem Orad, oder io eatgegengesetxter 
Bichtnng n. a. w. Der Einflnss aUw möglichen derartigen Eombina- 
tionen anf den relativen Werth einer Waare ergiebt sich änfiich doreh 
AnirandDog der Fälle L, n. nnd III. 

Wirkliche Wechsel der Werthgrösse spiegeln sich also weder nn- 
sweideatig noch erschöpfend wieder in ihren relativen Ansdrnck oder 
in der Grösse des relativen WerUis. Der relative Werth einer Waare 
kann wechseln, obgidch ihr Werth konstant bleibt. Ihr relativer Werth 
kann konstant bleiben, obgleich ihr Werth wecliselt, nnd endlich bran- 
ohen glüchieitige Wechsel in ihrer Werthgrösse und im relativen Aos- 
dmck dieser WerthgrOsse sich küneswega xu decken**). 

*^ Note inr 2. Aug. Diese Inkongmeni xwischen du Werthgröue nnd 
ihrem relativen Anidraek i«t von der TolgirSkonomiB mit gaffohntam Sohuf- 
HDD aiugabentet worden, Z.B.: „Gebt einmal m, daaA fällt, ffeil B, womit 
«8 anigetADScht wird, iteigt, obgleich nnterdauen nicht weniger Arbeit Mif A 
veraasgabt wird, nnd ener allgemeines Werthprincip fällt in Boden. . . . Wenn 
SDgegeben wird, dau, weil der Worth von A relativ in B steigt, der Werth von 
B relativ in A Allt, ist der Grund unter den Föjeen weggeeohnitten , woranf 
Bicardo seinen groasen Ssti aabtellt, d&ra der Werth einer Waare eteta bestimmt 
iiit durch das Qaantam der ihr einverleibten Arbeit, denn wenn einWecliael in 
den Kosten von A nicht nnr seinen eignen Werth im Vcrbälbaiss kd B, womit 
es augetaaseht wird, verändert, sondern anch den Werth von B relativ tndem 
von A, obgleioh kein Wechsel stattgefunden hat in dem inr Frodaktion von B 
erheischten Arbeitsquantnin, dann ßllt nicht nar die Dohtrin zn Boden, die ver- 
sichert, dass die aaf einen Artikel verausgabte Quantität Arbeit seinen Werth ro- 
gnlirt, sondern auch die Dokbin, daaa die ProdnktionakaBtea eines Artikels seinen 
Werth regnliren." (J. Broadbnret: „Political Econom;, London 1842", p. II, 14.) 

Herr Broadhnrat konnte eben so gut sagen; man eebe sieh einmal die 
Zahlenverhältniise **/t>i "Icu "Im' "' "■ ''• ^ Die Zahl 10 bleibt nnverändert 
und dennoeh nimmt ihre praportio,DeIIe Grösse , ihre Grösae relativ zu den 
Nennern 20, SO, 100, butindig ab. Also Wlt das grosse Prineip zn Boden, 
daM die Grösse einer gansen Zafal «ie wie 10 i. B. durch die Anuhl der in 
ihr enthaltenen Einer „regulirt" ist. 



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S) Sie AeqniTalfliitform. 

Mwi hat ^eeehii: Indem eioa Waare A (die Leinwand) ihren Werth 
Im Gebranchswerth eisei Terschiedenaitigeii Waare B (dem Rock) aoa- 
drfi<^, drflckt ne letzterer selbst eine eigenthflmlictie Werthform auf, 
die des Aeqmvalents. Die Leinwandwoare bringt ihr eignes Werthsein 
dadurch nun Torechein, dass Ihr der Bock, ohne Ananahme einer von 
' •riuer K4>Tpwform Terechiedenen Werthfönn , gleichgilt. Die Leinwand 
drtekt also in der Thal ihr eignes Werthsein dadnrch ans, dass der 
Bock unmittelbar mit ihr anstaoschhar ist. Die AeqniTalentform einer 
Waare ist folglich die Form ihrer anmittelbaren Anstanschbarkeit mit 
anderer Waare. 

Wenn eine Waarenart, wie BAcke, einer andren Waarenart, wie 
Leinwand, anm Aeqainlent dient, BAcke daher die charakt«riBtieche 
Kgmschaft erhalten, sich in nnmittelbar anstaaschbarer Fenn mit Lein^ 
wand in befinden, so ist damit in keiner Weise die Proportion gegeben, 
worin Böcke nnd Lmnwand anstaoaehbar sind. Sie hängt, da die 
WtrthgrOsee der Leinwand gegeben ist, von der Werthgr6sse der BAcke 
ab. Ob der Bock als Aequivalent nnd die Leinwand als relativer Werth, 
oder umgekehrt die Leinwand als Aeqnivalent nnd der Bock als rela- 
ttrw Werth aasgedrQckt sei, seine Wertl^össe bleibt nach wie TOr 
dorch die sn seiner Prodaktion nothwendige Arbeitsseit, also unabhängig 
von seiner Werthfönn bestimmt. Aber sobald die Waarenart Bock im 
Werttuuisdrnck die Stelle des Aeqnivalents einnimmt, erhält ihre Werth- 
grflsse keinen Ansdmck als WerthgrOsse. Sie fignrirt in der Werth- 
gleichnng vielmehr nni als bestimmtes Qnantnm einer Sache. 

Z. B.: 40 Ellen Leinwand sind „werth" — waa? 2 BCcke. Weil 
die Waarenart Bock hier die Bolle des AeqatTalents spielt, der Oe- 
branchswerth Bock der Leinwand gegenflber als WerthkOrper gilt, ge- 
nOgt »Dch ein bestimmtes Qnantnm BAcke, nm ein beetimmteB Werth- 
fOJUitnm Leinwand anszndrticken. Zwei Blicke können daher die 
WertbgrCese von 40 Ellen Leinwand, aber sie können nie ihre eigne 
WttthgrOsse, die WerthgröBse von Böcken, ansdrflcken. Die oberfläch- 
liche An&ssnng dieser Thatsache, dass das Aeqnivalent in der Werth- 
gleichong stete nxa die Form eines einfachen Qnantnma einer Sache, 
eine« Qebranchswerthes, besitzt, hat BaileT. wie viele seiner Vorgänger 



lyGOOgIC 



nnd Nuhfolgor, mleitet, im Werthaosdniolc «in oor qnintitatiTM Y«t- 
b&ltnies SU eehen. Die AeqniTalentform einer Waare enthält Tielmehr 
keine quantitative Werthbeetimmnng. 

Die erste Eigen thflmitchkeit, die bei Betrachtung der Aequivalentfonn 
aomit, ist diese: QebnucJiBwerth inrd zur Erschtinnngsfonn seinee 
Gegenthüls, des Werthn. 

Die Natnralform der Wiare wird inr Wertbfonn. Aber, notabene, 
dieea quid pro quo ereignet sich ttt eine Waare B (Bock oder Weizeo/ 
oder Eisw n. e. w.) nnr innwhalb des WerthTerhUtnissee , worin eine 
beliebige andre Waare A (Leinwand etc.) zn ihr tritt, nur innerhalb 
dieser BoEiehung. Da keine Waare üch auf selbst als AeqmTalent be- 
ziehn, also auch nicht ihre eigne Nsturalhant zum Ausdruck ihres 
eignen Wertbs machen kann, moss sie sich anf andre Waare als Aeqni- 
valent heziehn oder die Natnralhaut einer andren Waare zu ihrer 
eignen Wertbfonn zu machen. 

Diees veranschauliche uns das Beispiel eines Marsee, welches den 
WaarenkÖrpem als Waarenkörpem zukommt , d. h. als Oebinnchs- 
wertben. Ein Znckerhnt, weil KArper, ist schwer, und hat daher Ge- 
wicht, aber man kann keinem Znckerhnt sein Qewicht ansehn oder 
anfOhlen. Wir nehmen nun verschiedene Stocke Eisen, deren Qewicht 
vorher bestimmt ist. Die KCrperform des Eisens , fOr sich betrachtet, 
ist eben so wenig Erscheinungsform der Schwere als die des Znckerhnts. 
Dennoch, um den Zuckerhut als Schwere auszndrflcken, setzen wir ihn 
in tön OewichtsrerbUtniss znm Eisen. In diesem Verh&ltniss gilt das 
Eisen als ein Körper, der nichts darstellt ansser Schwere. Eissnqnanta 
dienen daher zum Gewichtsmass des Zuckers nnd repräsentiren dem 
ZuckerkOrper gegenüber blosse Schwergestatt , Erscbeinm^form von 
Schwere. IHeae Bolle spielt das Eisen nnr Innerhalb dieses Verhält- 
nisses, worin der Zucker, oder irgend ein anderer EOrper, dessen Gewicht 
geftinden werden soll, zn ihm tritt. Wären beide Dinge nicht schwer, 
80 köiinten sie nicht in dieses Varhältniss treten nnd das Eine daher nicht 
nun Aasdruck der Schwere des Andren dienen. Werfen wir beide auf 
die Wagachale, so sehn wir in der That, dass sie als Schwere dasselbe 
nnd daher in bestimmter Proportion anch von demselben Gewicht sind. 
Wie der EieenkOrper, als Oewichtsmars dem Zuckerhut gegenüber nur 



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— 25 — 

Schwere, so Tertritt in nnsram WerthauBdrnck der BoekkOrper der 
Leinwand g^en&ber nnr Werth. 

Eier hOrt jedoch die Analoge anf. D&s Eisen vertritt im Qe- 
irichtsBnsdrnck dw Zackerhnts eine beiden KSrpem gemeinsame 
MBtnmgrenBchaft, ihre Schwere — , w&hrend der Bock im Wertbans- 
drnck der Leinwand «ne fibernatflrliche Eigenschaft bräder Dinge ver- 
tritt, ihren Werth, etwas rein GesellschafUiches. 

Indem die relative Werthform einer Waare, i. B. der Leinwand, 
ihr Werthsein als etwas von ihrem Kfirper und seinen Eigenschaften 
dnrdians Unterschiedenes ausdruckt, z. B. als Bockgleiches, deutet die- 
ser Ansdrnek selbst an, dass er ein gesellBchaftliches Terhültniss verbirgt 
Umgekehrt mit der Aeqnivalottform. Sie besteht ja gerade darin, dass 
(an. Waarenköiper, wie der Bock, diese IMng wie es geht nnd steht, 
Werth tnsdrfickt, also von Natur Werthform besitit. Zwar gilt diese 
nnr innerhalb des Werthverh&ltnisses, worin die Leinwandwaare anf 
die Bockwaare als Aeqnivalent bezogen ist *'). Da aber Eigenschaf- 
ten eines Dinge nicht ans seinem Yerh&ltnias zn andern Dingen oit- 
Bpringes, sich vielmehr in solchem Yerh&ltniss nni beth&tigen, scheint 
aaeh der Bock seine Aeqnivalentfonn, seine Eigenschaft unmittelbarer 
Aostanechbarkeit, ebenso setir von Natur za besitzen als seine Eigen- 
schaft schwer tu sein oder warm zu halten. Daher das B&thselhafte der 
Aeqnivalentform, das den bflrgerlicb rohen Blick des politischen Oeko- 
nomen erst scUUgt, sobald diese Form ihm fertig gegenQbertritt im 
Geld. Dann sucht er den mystischen Charakter von Gold nnd Silber 
wegznkl&ren, indem er ihnen minder blendende Waaren untM^chiebt nnd 
mit etets erneutem YeignOgen den Katalog all des Waarenpdhels ab- 
Inert, der seiner Zeit die Bolle des Waarenaequivalents gespielt hat 
Er ahnt nicht, das sehen der einAichste Werthansdinch, wie 20 Ellen 
Leinwuid = 1 Bock, das B&thsel der Aeqmvalentform zu lösen giebt 

Der ECrper der Waare, die znm Aeqnivalent dient, gilt stets als 
Verkörperung abstrakt menschlicher Arbeit and ist stets das Produkt einer 
bestimmten nützlichen, konkreten Arbeit. Diese konkrete Arbeit wird 



*') El ist mit aolchen BefleiionBbestimmuDgen Oberhaupt ein eigene* Ding. 
Dieser Menich ist z.B. nur König, weil sich audreHeDsohenabUnterUiaDenzn ihm 
verhalten. Sie glsaben mngebehit TJnterthsnen zu seiD, weil er KSnig ist 



lyGOOgIC 



also xnm Ausdruck abstrakt menschlicher Arbeit Qilt der Bock z. B. als 
blosse VerwtrUichnng, so die Schneiderei, die sieb thatsächltch in ihm 
Tenrirklicht, als blosse VerwirUichangaforni abBtiakt menachlicher Arbeit. 
Im Wertfaaosdnick der Leinwand besteht die Nfttzlichkeit der Schnnderei 
nicht darin, dass sie Kleider, also anch Lente, sondern doas sie einen 
EOrper macht, dem man es ansieht, das er Werth ist, also Gallerte von 
Arbeit, die sich dnrchans nicht nnterscheidet von der im Leinwandwerth 
Tei^fegenst&ndlichten Arbeit. Um solch elnm Werthspi^l zn machen, 
mose die Schneiderei selbst nichts wiederepiegeln ausser ihrer abstrakten 
Eigenschaft, menechliche Arbeit zn sein. 

In der Form der Schneiderei wie in der Form der Weberei wird 
menschliche Arbeitskraft Toransgabt. B«de besitzen daher die dlgemeine 
EigoiBchaft menschlicher Arbdt nnd mOgen daher in heatimmton Fftllen, 
7. B. bei der Werthproduktion, nur unter diesem Geeichtspnnkt in Be- 
tracht kommen. All das ist nicht myateriSs, Aber im Werthansdmck der 
Waare wird die Sache verdreht. Um z. B. anazndrScken, dass das 
Wehen nioht in seiner konkreten Form als Weben, eondem in seiner all- 
gemeinen Eigenschaft als menschlicbe Arbeit den Leinwandwerth bildet, 
wird ihm die Schneiderei, die konkrete Arbeit, die das Leinwand- 
Aeqaivalent prodncirt, gegenübei^^tellt als die handgreifliche Ter- 
wirklichnngsform abstrakt menschlicher Arbeit. 

Es ist alao eine zweite EigenthQmlichkeit der Aeqnival entform, 
dass konkrete Arbeit znr Sracheinungsform ihres Gegentheils, abstrakt 
menschlicher Arbeit wird. 

Indem aber diese konkrete Arbeit, die Schneiderei, als blosser 
Ansdmck nnterschiedsloser menschlicher Arbeit plt, besitzt sie die Form 
der Gleichheit mit andrer Arbeit , der in der Leinwand steckenden 
Arbeit, nnd ist daher, obgleich PriTatarbeit, wie alle andre, Waaren 
prodncirende Arbeit, dennoch Arbeit in unmittelbar gesellschaftlicher 
Form. Eben desshalb stellt sie sich dar in einem Prodnct, das onmittel- 
bar anatanachbar mit andrw Waare ist. Es ist also eine dritte Eigen- 
thümlichkeit der Aeqoivalentform , dass Frivatarbeit zur Form ihies 
Gegentheila wird, in Arbeit in nnmittelbar geeellachaftlicher Form. 

Die beiden znletzt entwickelten Eigenthflmlichkeiten der Aeqoi- 
valentform werden noch faaabarer, wenn wir zn dem groasen Forscher 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 27 — 

«nrttckgelm, der die Wertbfann, wie so liele Denlfonnen, Oesellschafts- 
formen niid Natnrfonnen zuerst oDAlysirt i&i. Es ist diese Aristoteles. 

Zan&chst spricht Aristoteles klar ans, dass die Qeldfurm der 
Waare nur die weiter entwickelte Gestalt der einfadien Werthform ist, 
d. h. des Ausdrucks des Werths einer Waare in ir^nd einer beliebigen 
andren Waare, denn er aagi: 

„5 Polster =^ 1 Hans" („£^tWi nivzE arti otx/ag") 
„nntereelieidet sich nicht" von: 

5 Polster => so nnd so viel Qeld" 

ijJQivai fCEvre dni . . . oaov ai nime xJLtWt"). 

Er sieht femer ön, dass das WerthTerhältniss, worin dieser 
Werthansdmck steckt, seinerseits beding, dass das Bads dem Polster 
qualitativ gleichgesetzt wird, und dass diese sinnlich Terschiednen Dinge 
ohne solche Wesensgleichbcät nicht als kommenanrable QröBsen auf 
einander beziehbar wären. „Der Anstansch", sagt er, „kann nicht sein 
ohne die Oleichhdt, die Gleichheit aber nicht ohne die Kommensnia- 
bilität" {„ovT laötrjg ft^ cwaijg avfifierQia^'). Hier aber stutzt er 
nnd giebt die weitere Analyse der Werthfomi auf. „Es ist aber in Wahrheit 
nnrnSgUch („Tg f*^ <">* aXrj&ettf advvaroi^'), dass so verschiedenartige 
Dinge konunensurabel", d. h. qualitativ gleich seien. Diese Qleichsetzni^ 
kann nur etwas der wahren Natur der Dinge Fremdes sein, also nnr 
„Nothbehelf fhr das praktische Bedürfniss." 

Ariatotelee sagt uns also selbet, woran seine weitere Analyse 
scheitelt, nämlich am Uangel des Wertbb^riffe. Was ist das Gliche, 
d. h. die gemeinschaftliche Substanz, die das Hans ttr den Polster im 
Wertbausdmck des Polsters vorstellt? So etwas kann „in Wahrhrit 
nicht eiistiren", sagt Aristoteles. Warum? Das Haue stellt dem Polster 
gegenflber an Glüches vor, soweit es das in Beiden, dem Polster and 
dsm Haus, wirklich Gleiche vorstellt. Und das ist — menschliche 
Arbeit. 

Dass aber in der Form der Waarenwerthe alle Arbdten als gleiche 
menschliche Arbeit und daher als gluchgeltend ausgedrückt sind, 
konnte Aristoteles nicht aus der Werthform selbst herauslesen, weil 
die griechische Qesellschaft auf der Sklavenarbeit beruhte, daher die 
Ungleichheit der Menschen und ihrer Arbeitskräfte zur Naturbasis 
hatte. Das Geheimniss des Wertbauedmcks, die Gleichhat and gleiche 



lyGOOgIC 



GtUtigkeit aller Atbäten, weil nnd inBofani ne tnenachlielie Arbeit Hhnc- 
iunpt sind, kann nUr entziffert werden, sobald der Begriff der menBcti- 
lichen Glächlieit bereits die Fesüg'keit eines VolksTomrtheUs besitzt. Das 
Ist aber erst mOglich in einer Qesellschaft, worin die Waarenfonn die 
aUgemeine Form des Arbeitsprodukts, also auch das TerbUtniss der 
Menschen za einander als Waarenbeaitzer daa berrsdiende gesellschaft- 
liche Terh&ltniBS ist Das Qenie des Aristoteles glänst grade darin, 
dase er im Wertbansdnick der Waaren ein GleichbeitsTerh&ltniss ent- 
deckt. Nnr die bistoriBche Schranke der Gesellachaft, worin er lebte, 
verhindert ihn hersusEaflnden, worin denn „in Wahrhüt" dies Qlüch- 
heiteYerb&ltniss' besteht. 

4. Das Ganze der einfachen Werthform. 

Die anfache Weithfonn einer Waare ist enthalten in ihrem Wwth- 
verhUtniss zn einer verschiedenartigen Waare oder im Austausch- 
Terh&ltnise mit derselben. Der Werth der Waare A wird qnalitatir 
ansgedrOckt durch die unmittelbare Aostanscfabarkeit der Waare B mit 
der Waare A. Er wird qnantitatiT anagedrDckt durch die Anstatuch- 
barkeit eines bestimmten Qeantnms der Waare B mit dem gegebenoi 
Qoantnm im Waare A. In andren Wortm: Der Werth einer Waare 
ist selbstst&ndig ansgedrflckt dnri^ seine DareteUnng ab „Tanschwerth." 
Wenn es im Eingang dieses Et^titels in der g&ng und gäben Manier 
bieeB: Die Waare ist Qebranchswerth nnd Tanschwerth, so war diese, 
genan gesprochen, fatsch. Die Waare ist Gebranchswertb oder Ge- 
branchsgegenstand nnd „Werth". Sie stellt sich dar als diese Doppelte 
was sie ist, sobald ihr Wnth «ne eigne, von ihrer Natnralfonn verschie- 
dene ErscheinnngafonD beritzt, die des Tauschwerths, und sie besitzt diese 
Form niemals isolirt betrachtet, sondern stets nni im Werth- oder Ane- 
tanschverh&ltniss zn einer zweiten, verschiedenartigen Waare. Weiss 
man das jedoch dnmal, so thnt jene Sprechweise künen Harm, 
Bondem dient im AbkOrznng. 

Unsere Analyse bewies, dass die Werthform oder der Werthansdmck 
der Waare ans der Natur des Waarenwerths entspringt, nidit umgekehrt 
Werth nnd WerthgrÖBse ans ihrer Ansdmcksweiae als Tanschwerth. Diess 
ist jedoch der Wahn sowohl der Herkantilistoi und ihrer modernen 



lyGOOgIC 



Äofw&nnar wie Ferrior, Oaiiilli s. s. w."), als anch ihier Antipoden, 
der moderaen Freihandels-Commls-Voy ageors, wie Bastiat und Konsorten. 
Die Herkantiliat«n legen das Hauptgewicht anf die qnalitatire Saite des 
Werthaosdincks, daher anf die Aeqniraletitfonn der Waare, die im 
Geld ihre ferUge Qeetalt beeitxt, — die modernen FreUiandelahanaiier 
dagegen, die ihre Waare um jeden Preis losuchlagen mHasan, auf die 
qnantitative Seite der relativen Wertbform. Fflr me eiistirt folglich 
weder Werth noch Werthgrftsse der Waare anseer in dem Ansdrock darch 
das AnBtaasch?erh&ltnis8, daher nur im Zettel des täglichen Preiskiirants. 
Der Schotte Hac Leod, in eeiner Funktion die krenzTerwirrten Vor- 
stellnngen von Lombardstreet mOgUchat gelehrt heraus zu putzen, bildet 
die gelungene Synthese zwischen den abergl&nbigen Herkantilisten nnd 
den anfgeklitrten Freihandelahanairern. 

Die ufthare Betrachtung des im WerthTerh&Ituiss zur Waare B ent- 
haltenen Werthansdmcks der Waare A hat gezeigt, dasa innerhalb dea- 
selben die Natnralform der Waare A nor als Gestalt von Qebraachswerth, 
die Natnralform der Waare B nur ala Werthform oder Wertiigestalt gilt 
Der in der Waare eingehüllte innere O^nsatz von Gebrauchswerth und 
Werth wird also dargestellt durch einen äusseren Qegensatz, d. h. durch 
das Verh&ltniss zweier Waaren, worin die eine Waare, deren Werth aus- 
gedrückt werden soll, unmittelbar nur aU Oebranchawertii, die andre Waare 
hingegen, worin Werth ausgedrückt wird, unmittelbar nnr als Taoech- 
werth gilt. Die einfache Werthform einer Waare ist also die anfache 
ErBcfaeinnngaform des in ihr enthaltenen Q^^nsatzee Ton Gebranchswarth 
und Werth. 

Das Arbeitsprodukt ist in allen gesellschaftlichen Zuständen 
Qebranchsgegenstand, aber nur eine historisch bestimmte Entwich- 
Inngaepoche, welche die in der Produktion eines Gebranchsdings ver- 
ausgabte Arbeit ala seine „gegenständliche" Eigenschaft darstellt, d. h. 
ala seinen Werth, verwandelt das Arbeitsprodukt in Waare. Es folgt 
daher, dass die einfache Werthform der Waare zugleich die einfoche 



**) Nota inr 2. Anig. F. C. A. Ferner (saDB-iuBpecteur des donanea): 
„Dn Goaveni«ment conuderä dana sea rspports kvec le cotnmenie. Parii 1806" 
nnd Charles Qaailh: „du SjitimeB de rEconamie Politiqne 2äme 6i. Paria 
1821." 



lyGOOgIC 



— 30 — 

Waannfonn d« Arbeitsprodukts ist, dass also auch die Entwicklniiff 
der Waarenfonn mit der Entwicklung der Wertliform lOBammenfUlt. 

Der erste Blick teigt äaa Unznläng-liche der ein&chen Wertfaform, 
dieser Keimform, die erst durch eine Beihe Ton UetunOTphosen mr Frns- 
form heranreift. 

Der Äoadrock in irgend welcher Waare B nnterecheidet des 
Werth der Waare A nnr von ihiom eignen Gebranohswerth nnd setzt 
eie daher ancfa nnr in «n A-ostanschverti&ltniss zu irgend einer einzelnen 
7on ihr selbst verschiednen Waarenart, statt ihre qualitative Oldchheit 
nnd qnantitatiTe Proporti onalit&t mit allen andren Waaren darsiistellen. 
Der einfachen relativen Werthfonn einer Waaie entspricht die einidne 
AeqniTalentform einer andren Waare. So besitzt der Bock, im relatinii 
Werthansdnick der Leinwand, nur Aeqnivalentfonn oder Form unmittel- 
barer Anstanechb&rknt mit Bezog auf diese einzelne Waarenart Leinwand. 

Indess geht die einzelne Werthfonn von selbst in eine Tollstilndigere 
Form Über. Vermittelst derselben wird der Werth einer Waare A 
zwar in nnr einer Waare von andrer Art ansgedrQckt. Welcher Art 
aber diese zwäte Waaie, ob Bock, ob Eisen, ob Weizen u. s. w., ist 
dnrchans glnchgtltig. Je nachdem sie also zu dieser oder jener andren 
Waarenart in tm WnthverhUtniss tritt, entstehn verschiedne einfache 
WerthansdrOcke einer nnd derselben Waare***). Die Anzahl ihrer mög- 
lichen WerthansdrQcke ist nnr beaclirSjikt durch die Anzahl von ihr ver- 
schiedner Waarenarten. Ihr vereinzelter Werthansdmck verwandelt sich daliw 
in äe stets verlAngerbare Beihe ihrer verscfaiednen einfachen Werth&nsdrflcke. 

B. Totale oder entfaltete Werthfonn. 

1 Waare A => u Waare Q oder => v Waare C oder = w Waare 

D oder »• X Waare G oder = etc. 

(SOEllsn Leinwand — 1 Bock oder >= 10 Pfd. Thea oder — 40 Pfd. Kkffwi oder 

^ 1 Qoatter Weizen oder ^ 2 Unzen Gold oder ^ '/i Tonne Eisen oder ^ ele.) 

1. Die entfaltete relative Werthform. 

Der Werth öner Waare, der Leinwand z. B., ist jetzt aiisgedrflckt 

in zahllosen andren Elementen der Waarenwelt. Jeder andre Waann- 

***} Note znr 2. Anfl. z. B. bei Homer wird der Werth eines Dingi in 
einer Beihe versohiadensi Dinge auagedrückt. 



lyGOOgIC 



— 81 — 

kfftper wird zmn Spiegel dee Leinwandwerths*'). So ersciinnt dieser 
Werth aelbst erst wahrliaft als GaUerte nnterschtedBloser menechlicher 
Arbeit. Denn die Um bildende Arbeit ist nun ansdrOcklich als Arbeit 
danifestetlt, der jede andre menschliche Arbeit gleichgUt, welche 
Natoralform ne immer beütie, und ob sie sich daher in Bock oder 
Weisen oder Eisen oder Gold a. n. w. Terg«genBtiiidliche. Dnrch 
ihre Werthform steht ^e Leinwand daher jetst anch in geeellschafUichem 
Verh&ltniss nicht mehr zu nur einer einzelnen andren Waarenart, eondem 
ZOT Waarenwelt. Als Waare ist sie Bürger dieser Welt Zugleich liegt 
in der endlosen Beihe seiner Ansdrflclce, dass der Waarenwerth gleich- 
gültig ist gegen die besondre Form des Gebranchswerths, worin er w- 
scheint. 

In der ersten Form: 20 Elleii Leinwand = 1 Bock kann es la- 
fSllige Thataache Bein, dasa diese Ewei Waaren in einem bestimmten 
quantitativen Verhältnisse asstauschbar sind. In der sweiten Form 
lenchtet dagegen sofort «n von der snßUligen Enoheinnng wesentlich 
nnterachiedner nnd sie bestimmender Eintergnmd durch. Der Werth 
der Leinwand blmbt gleich gross, ob in Bock oder Kaffee oder Eisen etc. 
dargestellt, in zahllos verschiednen Waaren, den Terschiedensten 
Besitzern angehffrig. Dae zofUlige Verhälteiss zweier individneller 



**) Man Bpricht descibalb Tom Bockwoith An Lebwand, wenn man ihren 
Werth in B3o1(«n, von ihrem Komwerth, wenn man ihn in Eoin darstellt etc. 
Jeder solche Anadmck buagt, dasa es ihr Werth ist, der in den Gebranchs- 
werthen Book, Eom n. s. w. erscheint. „The valne of an; commoditf dena- 

tingitsrelationineichange, wemayepeak of itaa com-Talue, cloth- 

Talne accordingto thecommadit; with whichitiscompared; and then there are a 
thonsand düFereot kindi of valae, bh nianj Idnds of valne aa there are oom- 
modiües in eiistence, and all are eqoallj real and eqnally nDmioal," („A 
Critical DisBertatioa od the Nature, Messore and Cangai of Talne: cbiefly in 
reference to the writinge of Hr. Kcardo and his (oUoweis. By the Antbor of 
EisBja on the Formation etc. of Opinions. London 1S25", p. 89). S. Baue;, 
der Verfasser dieser anonymen Sobrift, die ihrer Zeit viel L&rm in England 
maohte, wfthnt durch diesen Hinweis anf die knnterbnnten relatiren Anediflcke 
desselben Waaren-Wertha alle Begridbbeitimmnng des Werths vemicbtet lu 
iiaben. Dase er übrigens, troti eigner Bornirtheit, wnnde Flecken der Bicardo- 
sehen Theorie sondirt hatte, bewies die Gereiztheit, womit die Bicardo'sche Schule 
ihn angriff, i. B. in der Westminster Beview. 



lyGOOgIC 



Wurenbeeitser fiUlt fort Es wird offenbar, daas nicht der i 

die WerthKrOase der Waare, sondern umgekehrt die WerthgrOsM der 

Waare ihre ÄnstauBchverhältnisse regnlirt. 

2. Die bssondie Aeqniralentf oim. 

Jede Waare, Sock, Theo, Weisen, Eisen o. b, w. gilt im Wnäi- 
anedmck der Leinwand als Aequitalent und daher als WerthkOipar. 
Die bestimmte Natnralfbnn jeder dieser Waaren ist jetst eine besondere 
AeqniTalentform neben vielen andien. Ebenso gelten die tnannig&ltigeD 
in den verschiedenen Waarenkörpem enthaltenen bestimmten, konkreten, 
Dfltilichen Arbeitsorten jetzt als eben so viele besondre Terwirklichnngs- 
oder Erschmnnngsfonnen menschlicher Arbeit schlechthin. 

3. H&ngel der totalen oder entfalteten Werthform. 

Srstens ist der relative Werthausdruck der Waare nnfertig, wtil 
eeine Darstellnngareihe nie abschliesst Die Kette, worin eine Werth- 
gleichang sich inr andern fügt, bldbt fortwährend verl&ngerbar doich 
jede nes auftretende Woarenort, welche dos Material eines nenen Werth- 
aasdrncks liefert. Zweitens bildet sie eine bnnte Mosaik anseinander- 
fallender nnd verschiedenartiger Wertbansdr&cke. Wird endlich, wie 
dies geschehn mnss, der relative Werth jeder Waare in dieser ent- 
falteten Form ansgedrQckt, so ist die rdative Wnihfonn jeder Waare 
täm von der relativen Werthform jeder andren Waaren verschiedne end- 
lose Beihe von WerthaasdrAcken. — Die Mängel der entfalteten rela- 
tivoi Werthform spiegeln eich wieder in der ihr entsprechenden Aeqni- 
valentform. Da die Natoralform jeder einzelnen Woarenart hier eine 
besondre Aeqnivalentform neben nnz&hligen andren besondren Aeqni- 
valentformen ist, exiatiren flberhanpt nnr beschr&ntte Aeqnivolent- 
formen, von denen jede die andre aosschlieest. Ebenso ist die in jedem 
besondren Waaren&qnivalent enthaltene bestimmte, konkrete, nfttzUche 
Arbeitsart nur besondre, also nicht eischSpfende Erscheinnngsform der 
menschlichen Arbeit. Diese besitzt ihre vollständige oder totelo Kr* 
Bcheinungsform zwar in dem Qesammtnmkreis jeoer bosondcen Erschü- 
nnngsformen. Aber so besitzt sie keine ogentUche Erscheinungsfaim. 



lyGOOgIC 



— 88 — 

Me flutfaltote rd&tive Wertbfonn besteht jedoch nm aiu einer 
Somine rinfoeher relativer Werthaasdrfleto oder Oluchnngeo der eratea 
Form, wie: 

20 Ellen Leinwand = 1 Bock 
20 Ellen Leinwand = 10 Pfd. Thee n. b. w. 
Jede dieser Gleichno^en enth&lt aber rflckbeillglich amdi die 
identische Qleichnn^ : 

I Bock = 20 Ellen Leinwand 
10 Pfd. Thee = 20 Ellen Leinwand o. B. w. 
Id der Tbat: Wenn ein Mann seine Leinwand mit fielen 
andmi Waaren ansUnscht und daher ihren Werth in einer Beihe 
ron andren Waaren ansdrAckt,- so mOsaen nothwendig anch die 
vielen andren Waarenbaaitzer ihre Waaren mit Leinwand anstanschen 
und daher die Werthe ihrer verschiedenen Waaren in derselben dritten 
Waare ansdrftcken, in Leinwand. — Eehren wir also die Beihe: 20 
Ellen Leinwand ^ 1 Bock oder ^ 10 Pfd. Thee oder = n. s. w. um, 
d. h. drDcken wir die der Sache nach schon in der Beihe enthaltene 
BSckbenehnng ans, so erhalten wir: 

C. Allgemeine Werthfortn. 

1 Book 

10 Hd. Thee ■ = 

40 Pfd. KaCde = 

1 Qrtr. Weizen = 

2 Unien Oold = 
Vt Tonne Eisen = 
z Waare Ä 
n. 8. w. Waare = 

1. Veränderter Charakter der Werthfortn. 
Die Waaren stellen ihre Werthe jetzt 1) änfach dar, weil in einer 
einzigen Waare nnd 2) einheitlich, weil in derselben Waare. Ihre 
Weithforni ist einfach nnd gemetoachaftlich, daher allgemein. 

Die Formen I nnd II kamen beide nor daza, den Werth äner 
Waare als etwas von ihrem eignen Gebranchswerth oder ihrem Waaren- 
kOrper Untorechiedenea aaazndrDcken. 

11*11. K>Fil«] I. 3 



20 Ellen Lanwand. 



lyGOOgIC 



— 34 — 

Die erste Form ergab Verthgleichangei wie: 1 Bock = 20 Ellen 
Leinwand, 10 Pfd. Thee <= '/■ Tonne Eisen n. b. w. Der BockwerUi 
wird als Leinwandgleichee, der Theewertii als Eisengleichea n. b. w. sob- 
gedrfickt, aber Leinwandgleiches und Eisengleiches, dieee WwthanBdradc» 
yon Bede und Thee^ sind ebeneo verschieden wie Leinwuid und Eisen. 
Diese Ponn kommt offenbar praktisch nnr vor in den ersten AnAngen, 
we Arbeitsprodukte dnrch inf&lligen und gelegenUichen Anstansch in 
Waaren verwandelt werden. 

Die swüte Form nnterscheidet roIM&ndiger als die erste den Wcrth 
einw Waare von ihrem eignen Qebranchswerth , denn der Verth 
des Bocks i. B. tritt jetzt seiner Natnralfonn in allen möglichen 
Formen gegenüber, als Leinwandgreiches , Eisen gleiches , Theegldchee 
n. e. w., alles andre, nur nicht Bockgleichee. AndteiBeitB ist hier jeder 
gemeinsame Werthansdmck der Waaren direkt ansgeechlosBen, denn im 
Werthanfidmck je einer Waare erscheinen jetzt alle andren Waaien 
nnr in der Form ron Äeqnivalenten. Die entfiütete Werthform 
kommt znerst thats&chlich Tor, sobald dn Ärbeitsprodnkt, Yieli >. B., 
nicht mehr ansnahmsweise, sondern schon gewohnbeitsmissig mit Ter~ 
schiednen andren Waaren ansgetanscht wird. 

Die neu gewonnene Fonn drflckt die Werthe der Waarenwelt in 
etiOT nnd derselben Ton ihr abgesonderten Woarenart ans, i. B. in Lein- 
wand, nnd stellt so die Werthe aller Waaten dar dnrch ihre Gleichheit 
mit Leinwand. Als Leinwandgldches ist der Werth jeder Waare jetzt 
nicht nur von ihrem eignen Gebrancbswetth nnterschieden , sondern 
von allem Gebranchawerth, nnd eben dadnrch als das ihr mit allen 
Waaren Gemeinsame ansgedrOckt. Erst diese Form bezieht daher wirklich 
die Waaren anf einander als Werthe oder läset sie einander als Taoaeh- 
werthe erscheinen. 

Die beiden fttheren Formen drflcken den Werth je einer Waare, 
sei es in einer einzigen versdüedenartigen Waare, sei es in einer Beihe 
vieler von ihr verschiednen Waaren ans. Beidemal ist es so zn sagen 
das Privatgeschäft der önielnen Waare sich eine Werthfbnn an geben, 
nnd sie vollbringt es ohne Znthon der andren Waaren. Diese spielen 
ihr gegenttber die bloss passive Bolle des Aeqnivalente. Die aUgemeine 
WerUifoim entsteht dag^en nnr als gemeinsames Werk der Waaren- 
welt. Eine Waare gewinnt nnr allgemeinen Werthansdmck, weil gimcb.- 



lyGOOglC 



~ 86 — 

Hitig alle andren Waaran ihren Werth in demselben Aequiralent ans- 
drfteken und jede nen aoftretende Waarenart miUB das nacbmaclieD. 
Es kommt damit zom Vorschön, daea die WerthgegenBtSadlicltkeit der 
Waaren, weil aie das bloss „gesellschaftliche Dasein" dieser Dinge, anch 
nur dorch ihre allseitige gesellschaftliebe Beziehung ansgedrfl^ wMden 
kann, ihre Werthform daher gesellsdutfüich gflltige Form sün mnse. 

In der Form von Leinwandgleichen erscheinen jetzt alle Waaren 
nicht nnr als qualitativ Olüche, Werthe Dberhaopt, sondern luglöch als 
quantitativ vngleichbare WerthgrOssen. Weil sie ihre WerthgrOasen in 
einem nnd danselben HatwiaJ, in Leinwand bespiegeln, spiegeln sich 
diese WerthgrOssKi vrediselBeitig vrieder. Z. B. 10 Pfd. Thee — = 20 
Ellen Leinwand, nnd 40 Pfd. Kaffee = 20 Ellen Leinwand. Also 10 
Pfd. Thee = 40 Pfd. Kaffee. Oder in I Pfd. Kaffee steckt nnr V4 
80 viel Werthsnbstanz, Arbeit, als in 1 Pfd. Thee. 

Die allgemeine relative Werthform dw Wasrenwelt drückt der von 
ihr soBgeschloBsenen Aequivalentwaare , der Leinwand, den ChanUer 
des allgemeinen Aeqaivalente anf. Ihre eigne Katnralform ist die gemein- 
same Werthgestalt dieser Welt, die Leinwand daher mit allen andren 
Waaren nnmittelbar attstans^bar. Du« EOrperform gilt als die sicht- 
bare Inkarnation , die allgemeine gesellschaftliehe Terpnppnng aller 
menschlichen Arbeit. Die Weberei, die Privatorbeit, welche Leinwand 
prodacirt, befindet sich ingleich in allgemein gesellschaftlicher Form, 
der Form der Gleichheit mit allen andien Arbeiten. Die lahllosen 
Gleichungen, worans die ai^emeine Werthform besteht, setzen der Beihe 
nach die in der Leinwand verwirklichte Arbeit jeder in andrer Waare 
enthaltenen Arbeit gleich und machen dadnich die Weberü znr all- 
gemeinen Eischeinnngsfonn menschlicher Arbeit Oberhaupt. So ist die 
im Waarrawerth vergegenständlichte Arbeit nicht nnr n^ativ dargestellt 
als Arbtit, worin von allen konkreten Formen und nfitzlicben Eigen- 
schaften der wirklichen Aibeitoi abstrahirt wird. Ihre ügne positive 
Katar tritt ausdrflcklich hervor. Sie ist die Bedoktion aller vrirkliohen 
Arbeiten auf den ihnen gaieineamen Charakter menschlicher Arbeit, anf 
die Teransgabong menschlicher Arbeitskraft. 

Ke allgemeine Werthform, welche die Arbeitsprodukte als blosse 
Gallerten nntersdiiedslofler menschlicher Arbeit darstellt leigt durch ihr 
eignes Gerfiate, das« sie der gesellschaftliche Ausdruck der Waarenwelt 



lyGOOgIC 



kt. So offeubort sie, daes innerhalb dieser Welt der illgemein menHch- 
liehe Charakter der Arbeit ihren epedfisch geeellechaftlichen Charakter 
badet. 

3. EntwickUngsverhfiltniee 
TOD relativer Werthform und Aeqnifalentforia. 

Dem Entwicklnng^ad der relatiTen Werthform entaprieht der 
Eatwicklongegrad der Aeqnivatentfonn. Aber, und diese ist wohl in 
merken, die Eotwicklnng der AeqniTalmtöirm ist nur Ausdruck nnd 
Rasnltat der Entwicklnng der relativen Werthform. 

Die anfache oder Tereinielte relative Werthform «nor Waare macht 
eine andre Waare mm einzelnen Aeqaivalent. Die entf^tete Form des 
relativen Werthea, dieser Anadrack des Werthea einer Waare in allen 
audren Waureo, prägt ihnen die Form verschiedenartiger besonderer 
Aeqnivalente anf. Endlich erhält eine besondere Waarenart die allge- 
meine AequlvalcDtfonn, veil alle andren Waaren sie inm Uaterial ihrer 
einheitlichen, allgemeinen Werthform machen. 

In demeelben Qrad aber, worin sich die Werthform flberhaupt ent- 
wickelt, entwickelt sich auch der Gegensatz zwischen ihren beiden 
Polen, der relativen Werthform und Aeqnivalentform. 

Schon die erste Form . — 20 Ellen Leinwand := 1 Bock — entMlt 
diesen Gegensatz, fixirt ihn aber nicht. Je nachdem dieselbe Qleichnng 
vorwärts oder rOckwärts gelesen wird, befindet sich jedes der beidm 
Waarenextreme , wie Leinwand nnd Bock, gleichm&ssig bald in der 
relativen Werthform, bald in der Aeqairalentform. Es kostet hier noch 
Hühe, den polarischen G^naatz festmhalten. 

In der Form II kann immer nnr je eine Waarenart ihren relaUven 
Werth total entfalten oder besitzt aie selbst nur entfaltete relative Werth- 
funn, weil nnd sofern alle andren Waaren sieb ihr gegenOber in der 
Aeqnivalentfonn befinden. B\m kann man nicht mehr die zwei Seiten dw 
Wsrtbgleichnog — wie 20 Ellen Leinwand — > 1 Bock oder =— 10 Pfd. 
Theo oder = 1 Qrtr. Weiien etc. — umsetzen, ohne Utren Geeammt- 
Charakter sn verändern nnd sie ans der totalen in die allgemeine Werth- 
form zn verwandeln. 

Die letztere Form, Form III, endlich giebt der Waarenwelt all- _ 



lyGOOgIC 



— 37 — 

gemein-^eseüscttiiftliche relative Werthform, weil nnd eofcra, mit einer 
einzigen Ausnahme, alle ihr an^hOrigen Waaren von der allgamänen 
AeqniTalentfonn ane^chloeeea sind. Eine Waare, die Leinwand, be- 
findet Bich daher in der Form tinmitt«ll»arer Anstaasehbaikeit mit allen 
andren Waaren oder in nnmittolbar geeellBchafUicher Fonn, weil and 
sofern alle andren Waaren sich nicht darin befinden"). 

Vmgekelirt ist die Waare, die als allgemeinea Aequivalent fignrirt, 
TOD der einheitlichen nnd daher allgemeinen relativen Werthform der 
Waarenwelt BUB^chlosaen. Sollte die Leinwand , d. h. ii^end eine 
in allgemeiner Aeqnivalentfiinn befindliche Waare , anch sQgleich im 
der allgemeinen relativen Werthform tbeilnehmen, so mfisste ue siob 
selbst lum Aeqai?a1ent dienen. Wir erhielten dann: 20 Ellen Lein- 
wand ^ 20 Ellen Leinwand, eine Taijtologie, worin weder Werth, noch 
WerthgrJSsae anegedrfickt ist. um den relativen Werth des allgemeinen 
Aeqnivalente ansxndrflclcen , mtlBsen wir vielmehr die Form m nm- 
tohren. Es besitzt keine mit den andren Waaren gemeinBchaftlicbe 
relative Werthform, sondern sein Werth dractt sich relativ ans in der 
endlosen Beihe aller andren WaarenkOiper. So erscbeänt jetzt die ent- 
faltete relative Werthform oder Form II hIb die specifische relative 
Werthform der Aeqnivalentwaare. 

**) Man sieht es der Form allgemeiDer onmittelbarer Anataaschbarkeit in dor 
Thftt k«inesw%B an, dasa aie eine gegnuatsliche Waareoform ist, von der Form 
nicbt uimittelbaier AnatauBchbarkeit ebenso unzertrennlich wie die Posilävit&t 
ein^a Hagnetpola von der Negativitit des andren. Man mag aich daher einbilden, 
man kOnne al.on Waaren zugleich den Stempel nnmiltelbarer Anatamch barkeit 
anfdrüaken, wie man sich einbilden map, man könne alle Eatholiken za Päbaten 
machen. Für den Eleinbfirger, der in dei WaBronprodntition das neo pIns oltra 
menacblichcr Freiheit nnd Individueller Un abbin gigkeit erblickt, w&re eanatOrlich 
sehr wflnachenswertb, der mit dieser Form veibnndnen Hiaaatinde überhoben zu 
«ein, nameotiicb anoh der nicht nnmittelbarf n Anstamch barkeit der Waaren. Die 
Aosmalong dieser FhüiBtemtopie bildet Frondhon's SocialiamuB, der, wie ich 
andenwo gezeigt, nicht einmal das Verdienst der Originalität besitzt, vielmehr 
lauge TOT ihm ven Gnj, Bnj und Andern, weit besser entvrickelt wurde. Diesa 
verhindert solche Weisheit nicht, heutzutage, in gewissen EreiaeD, nnter dem 
Namen der ,^eienee" zn grassiren. Nie hat eine Bobule mehr ala die Proodhon'- 
ache mit dem Wort „acience" nm sich geworfen, denn 

„wo Begriffe fehlen. 

Da stellt IDT rechten Zeit ein Wort aich ein." 



n,gt,7cdT:G00glc 



8. Üebergsng ans der allgemeinen Wertliform 
ZDF Qeldform. 

Die allgentüne AequiTalentfonn ist eine Form des Werths flber- 
haopt. Sie kann also jeder Waare znkommoi. AndreraeitB bandet 
gich eine Wave nur in allgemüner AeqniTalentform (Form m), weil 
Tind sofern tie dorch alle andren Waarm als Aequiralent anBg«BOhlosBen 
wird. Und erst vom Aiigen1)Uck, wo diese Anasohliessnng sich end- 
gültig mf eine specifiadie Waarenart besobitokt, hat die önhütlicb* 
relative Werthfenn der Waarenwelt objectiTe Feetigkät und aUgwneiit 
gesdlschaftliGhe OtUtigkeit gewonnen. 

Die Bpeeiflaehe Waaienait nnn, mit dwen Natnralform die Aeqni- 
valentfonn geeellscbaftliäi Tenriohat, wird znr Qeldwaan oder fnnk- 
tioniit als Qeld. Es wird ihre spedfiach gesellsäiaftUdie Fonktion, 
nnd daher ihr geselUchaftliohee Monopol, innerhalb der Waarenwelt die 
Rolle des allgemeinen Aequivalents m spielen. Diesen berorsngten 
Plati bat unter den Woaren, welche In Form U als besondre Aeqni- 
Talente der Leinwand figoriren, nnd in Form m ihren reiativen Weith 
gooeinsam in Leinwand ansdrAcken, eine bestimmte Waare hiBtorisch 
erobert, das Oold. Setien wir daher in Form m die Waare Oold aa 
die Stelle der Waare Leinwand, so erhalten wir: 

D. GBldform. 

20 Ellen Leinwand ^= 

1 Bock 

10 Pfd. Thee 

40 Pfd. Kaffee 

1 Qrtr. Weizen 

'^ Tonne Bisen 

X Waare A 

Bs finden wesentliche Ver&ndemngen statt beim TTebergang Ton 
Form I sn Form H, von Fonn 11 m Fonn HL Dagegen nntersduidet 
Form IT sich dnrch nichts von Form O, ausser dass jetzt statt Lün- 
wand Oold die allgemeine Aeqnivalentform besitzt Oold bleibt in 
Form IV, was die Leinwand in Form IH war — allgemeineB Aeqni- 
valent Der Fortachritt besteht nur darin, daas die Form uumittelt>arer 



lyGOOgIC 



aUgemeiiier AnBtaaschbarkeit oder die aUgemnue Aeqniralentforra jetit 
dnndi gHBUschafUidie Qflwahnhtit endg&ltig mit dar HpacnfiAciLen N»- 
tnialförm der Waon Oold venraohBeii Ut. 

Gold tritt den aadren Waaren nur als Geld gegenftber, weil ee 
ihnMi bereita znroi als Waaie gegentlbBrataiLd. Olöch allen andien 
Waaxen fonktionirte es auch als Aeqnivalent, sei es ala einselneB AeqQi- 
valent in Tereinzelten AostanechaUen, sti es als besondres Asquiralent 
neben andren Waarenftqoivalcuten. Nach and nach fonUionirte es in 
«agaien oder weiteren Enissn als allgemeines Aeqniralent. Sobald es 
■das Monopol dieser Stelle im Werthaosdraclt der Waarenwelt erobert 
hat, wird ea Qeldwaaie, nnd nst von dem Augenblick, wo es bsieits 
XSeldwaaie geworden ist, nnteischrndet sich Foim IV von Form in, 
odo' ist die allgemeine WertMonn verwandelt in die deldform. 

Der ein&che relative Werthansdniek einer Waare, i. B. der Lein- 
wand, in äa bereits als Qeldwaaie ttanktioniieDdoii Waaie, i, B. dem 
Oold, ist Freisfoim. Die „Preisfoim" dn* Länwand dalLei: 

20 Ellen Leinwand = 2 TJnien Oold, 
oder, wenn 2 Pfd. SL der Mfinzname von 2 Unsen Gold, 
20 EUen Leinwand °» 2 Pfd. St. 

Die Schwier^keit im Begriff der Geldform beschränkt eiiA auf du 
BegreiCen der allgemeinen Aeqniralentfonn, also der allgmneinen Wertfa- 
form überhaupt, der Form m Form m IM sinli rfickbeiflglich auf 
in Form n, die entbltete Werthfoim, nnd ihr konstitnirendee Element 
ist Form 1 : 20 Ellen Leinwand ^= l Bock oder z Waare A »= j Waare 
B. Die «n&aba Waaienfono iet daher der Keim der Geldform. 

4. Der FetidchcliaTakter der Waare nnd sein Geheimniee. 

ESne Waare scheint anf den ersten Blick ein selbstrerBtändliches, 
trivialee Ding. Ihre AnalTse ergiebt, dass sie ün sehr vertracktes Ding 
ist, voll metaphTÜBcher Spitzfindigkeit nnd theolo^soher Hneken. Se- 
wüt sie Qebranctaswerth, ist nichts Hysteriteee an ihr, ob ich sie nnn 
unter dem Oesiehtspunkt betaachte^ dass ne dorch ihn Eigensohaften 
mensdiUche BedOiihisse befriedigt oder diese ffigmechaften eist als 
Produkt menschlicher Arbeit erh&lt. Bs ist sinnenklar, dass der Mensch 
durch BÜne ThAligkeit die Fonnen der Naturstoffe in einer ihm nfiti- 



lyGOOgIC 



— 40 — 

liehen Weise Terfinderi Die Form des Holiee z. B. wird ver&ndert, wenn: 
man &w ihm einen Tisch macht. Nichtsdeflioweniger bleibt der Tisch 
Hob, ün ordinäres sinnliches Ding. Aber sobald er als Waare anftritt» 
Tarwaodelt er sich in ein sinnlich übersinnliches Sing. Er steht nicht nur 
mit geinen Ffissen anf dem Boden, sondern er stellt sich allen andren Waa- 
ren gegentkber auf den Kopf, nnd entwickelt ans seinem Holikopf GiiUeo, 
viel wnnderiioher, aJs wenn er ans freien Stücken zn tarnen beginne**). 

Der mystische Charakter der Waare entspringt also nicht ans ihrem 
Gebranchswerth. Er entspringt ebensowenig aus dem Inhalt der WerUi- 
bestimmongen. Denn erstois, wie reischieden die nQtzlicben Ar- 
bäten oder prodnktiTen Th&tigkeiten sein mOgen, es iet üne phjsio- 
logische Wahrheit, dass sie Fonktionen des menschlichen Organismus 
sind, nnd dass jede solche Fnnktion, welches immer ihr Inhalt und ihn 
Fonn, wesentlich Yeransgabong von menachlichem Hirn, Nerr, MoBkel, 
Sinnesorgan n. s. w, ist. Was zweitens der Besümmnng der Werth- 
grOese za Omnde liegt, die Zeitdauer jener Verausgabung, oder die 
Quantität der Arbeit, so ist die QuantitAt sogar sinnfällig Ton der Qua- 
lität der Arbeit untersoheidhar. In allen Zast&oden mnsste die Arbeit£- 
zät, welche die Produktion der Lebensmittel kostet, den Menschen in- 
teresdien, obgleich nicht gleichmässig auf Terschiednen Entwicklungs- 
stufbu*"). Endlich, sobald die Menschen in irgend dner Weise fOr ein- 
under arbnten, erhält ihre Arbeit auch eine gesellsdiaftliche Form. 

Woher entspringt also der lithselbafte Oiaiakter des Arbeits- 
produkts, sobald es Wsareuform tuinimmt? OfTenbar aus dieser Form 
selbst Die Oleichheit der menschlichen Arbeiton erhält die sachliche 
Form der gleichen Werthgegenständlichkeit der Arbeitsprodukte, das 
Hab der Verausgabung menschlicher Arbdtskraft dnreh ihre Zeitdauer 
erhSlt die Form der WertbgrOsse der Arbeitsprodnkte, endlich die Ver- 



*^ Man ninnert sich, UasB China und die ÜBchs in tanzen anfingen, ila 
alle fibrige Welt still zd Btehn schien — poor encoiirageT le* antres. 

") Note inr 2. Anag. Bei den alten Germanen wurde die Qröue ein» 
Morgens Land nach der Arbeit eines Tages berechnet nnd daher der Morgen 
Tagwerk (auch Tagwanne) (jntnale oder jumalis, terra jamalia, jnmalis oder 
dlonialis), Mannwerk, Uannakraft, HannainaBd, Mannshanet n. s. a. benannt. 
Sieh Georg Lndwig von Haorer: „Einleitung znr Geschichte der Mark-, Hof-<- 
u. 1. w, VerfaBniDg." Mflnchen 1869, p. 189 sq. 



lyGOOgIC 



— 41 — 

hUtniese der Producente», worin jene gesellschaftliclieii BeBtimmnngeii 
ihrer Arbeiten betbütigt werden, erhalten die Form eines gesellei^aft- 
liehen Verhältnisses der Arbeitsprodukte. 

Das QeheimntBSTolle der Waarenfonn besteht also ein&ch darin, 
dasB sie den Menschen die gesellschaftlichen Charaktere ihrer eignen 
Arbeit als gegenst&ndliche Charaktere der Arbeitsprodukte selbst, als 
geeellschaftliche Natureigenschaften dieser Dinge inrflckspi^^elt, daher 
such das geseUschaftliclie Terb&ltniss der Prodncenten inr Gesammt- 
arheit als ein ansser ihnen existirendes gesellschaftliches VerfaUtniss von 
G^enstijiden. Dnrch diee qnid pro qno werden die Arbeitsprodukte 
Waaren, sinnlich flbersinnliche oder geseUschaftliclie Dinge. So stellt 
sich der Lichteindmck eines Dings anf den Sdinerf nicht als subjektiTer 
Reis des Sehnervs Mlbst, sondern als gegenständliche Form eines Dings 
ansserhalb des Anges dar. Aber beim Sehen wird wirkUcb Licht von 
einem Ding, dem änsseren Gegenstand, anf ein andres Ding, dos Auge, 
geworfen. Es ist ein physisches Yerhältniss zwischen physischen Dingen. 
Dagegen hat die Waarenform nnd das WerthTerbältniss der Arbeits- 
produkte, worin sie sich darstellt, mit ihrer physischen Natur und den 
daraus entspringenden dinglichen Beziehungen absolut nichts zu schaffen. 
Eh ist nur das beetimnite gesellschaftliche Verhiltniss der Menschen 
selbst, welches hier für üe die phantaemagorische Form eines Ver- * 
h&ltnisgee von Dingen annimmt. 0m daher eine Analogie zu finden. 
mOssen wir in die Nehelregion der religiifBen Welt fiflcfaten. Hier schei- 
nen die Prodnkte des menschlichen Kopfes mit eignem Leben begabte, 
unter einander and mit den Menschen in Yerb&ltnisB stehende selb- 
stftndige Gestalten. So in der Waarenwelt die Produkte der mensch- 
lichen Hand. Diee nenne ich den Fetischismus, der den Arbeits- 
produkten anklebt, sobald sie als Waaren prodncirt werden, und daher 
Ton der Waarenprodnktion nnzeitrennlich ist. 

Dieser Fetischcharakter der Waarenwelt entspringt, wie die vorher- 
gehende Analyse bernts gezeigt hat, aas dem eigentbOmlichen gesell- 
schaftlichen Charakter der Arbeit, welche Waaren prodncirt. 

Gebrauchsgegenstände werden flberhaopt nnr Waam, weil sie Pro- 
dnkte von einander unabhängig betriebner Privatarbeiten sind. Der 
Komplex dieser Privatarbeiten bildet die geeellBchaftiiche Gesammtarbeit. 



lyGOOgIC 



— 42 — 

Da die Prodncenten erst in geeeUBohaftlichen fContiU treten durah den 
Aostanach ihrer Ärbeitsprodiikte, erBcheinen aach die Bpeciflseli gescU- 
schafUichen Chorat:!«» ihrer Privatarbeiten nrt innerhalb dieeoB Ana- 
tauBchee. Oder die Privatarbeitan beth&tigen sich in der That erst als 
Qlieder der geaellachaftUchen Gesammtarbeit dnrch die Beüehimgeii, 
worin der Aastanscb die Arbütsprodnkte and Tennittelst derselben die 
Prodncenten verMtsL Den letzteren erscheinen daher die gesellachaft- 
lichen Beziehungen ihrer PriTHtaHwten als das was sie sind, d. h. nidLt 
als unmittelbar geseUacbaftlidte Terh&ltnisse der Personen in ihren Är- 
bmten selbst, sondern vielmehr als sachlicbe VerhUtnisse der Personen 
and geBeUsebaflUehe Terh&ltniBRe der Sachen. 

Erst innerhalb ihres Anstanschs erhalten die Arbeitsprodukte eine ron 
ihrer sinnlich verBchiednea Oebranchsgegenständlichkeit {^trennte, gesell- 
schaftlich gleiche WerUigegenstlLadlichlteit. Diese Spaltung des Arbtits- 
prodokts in ntltzliches Ding nnd Werthding beth&tigt sich nur praktisch, 
Bobald der Anstansch bereits hinreichende Ansdehnnng nnd Wichtigkdt 
gewonnen hat, damit nfitzliche Dinge für den Anatanaoh prodncirt wer- 
den, der Werthcharakter der Sachen also schon hei ihrer Produktion 
selbst in Betracht komiat. Von diesem Augenblick erhalten die Privat- 
arbelten der Prodncenten thats&cfalich einen doppelten geeellschaftlicheD 
. Charakter. Sie mhssen einerseits als beatinimte nützliehe Arbeiten 
ein bestimmtes geseUschaftliches BedOrfhiss befriedigen und sich 
so als Glieder der Gesammtarbait, des natnrwOcb^gen Sjstems der ge- 
sellsehaftliäien Theüung der Arbeit, bew&hren. Sie befriedigen andrer- 
s«ts nur die mannigfachen Bedürfnisse ihrer eignen Prodooenten, aofen 
jede besondre nützliche Priratarbeit mit jeder andren nützlichen Art 
Privatarbeit anstanschhar ist, also ihr gltichgUt Die Gleichheit toto coelo 
verschiedner Arbeiten kann nur in einer Abstraktion von ihrer wirklichen 
Unglächheit bestehn, in der Reduktion auf den guneinsamen Charakter, 
den sie als Veranagabsug menschlicher Arbeitskraft, abstoakt mensch- 
liche Arbeit, besitzen. Das Gehirn der Privatpredncenten spiegelt diesen 
doppelten gesellBchafUichen Charakter ihrer Privatarbeiten nur wiedn- 
in den Fonnen, welche im praktischen Verkehr, im Prodnktenanstansch 
erscheinen — Ata gesellechafUich nOtzliohen Charakter ihrer Privat- 
ubeiten also in der Form, dass das Arbälsprodnkt nützlich eein moss, 
nnd tvrar fQr andre — den geseUschaftlichen Charakter dw GMchhtit 



lyGOOgIC 



— 43 — 

der vereehiedniartigm Arbeiten in der Form de« gemeinsanien Werth- 
dianktarB dies« materiell Tenchiednai Dinge, der Arbeiteprodukte. 

Die Henadieti beliehen also ihre Arbeitspiodukte nicht aof Lander 
ÜB Warthe, weil ^ese Sachen ihnen ala bloss sadiliche Hüllen 
gleidtartig menschlicher Arbeit gelten, umgekehrt Indem sie ihro ver- 
schiedenartigen Produkte einander im Anstausoh als Warthe gleich- 
seUan, setzen sie ihre veischiednen Arbeiten einander als menschliche 
Arbut glöch. Sie «isBen das nicht, aber sie thnn es"). Es steht 
daher dem Werthe nicht auf der Stirn geechrieben, was er ist. Der 
Werth verwandelt rielmehr jedee Aibeitsprodnkt in eine gesellschaftliche 
HieroglTpha Später suchen die Uenaohen den Sinn der Hieroglyphe zn 
entiiffem, hinter das QeheimniHS ihre« eignen geeeUschaftlichea Fro- 
dnktB in kommen, denn die Bestimmung der GtabranchsgegenstAnde t^ 
Werthe ist ihr gesellschaftlicheB Produkt so gut wie die Sprache. Die 
sp&te wisseiiBchaftliche Entdeckung, dasa die Arbeitsprodukte, so weit 
sie Werthe, bloss sachliche Ausdiflcke der in ihrer Produktion yeraus- 
gabten sMUchlicheu Arbeit sind, macht Epoche in der EntwicUnngs- 
gMchichte der Menschheit, aber Tcrseheucfat keineswegs den gw^st&nd- 
licfan Sebsin der gesellschaftlichen Charaktere der Arbeit. Was nor 
für diese besondere Produktionsform, die Waarenprodoktion, gflltig ist, 
dan n&mlich der speciflsch geeellBchafUlche Charakter der von ein- 
ander nnabbftngigen Frirataibaten in ihrer Gleichheit als menscÜiche 
Arbeit besteht und die Form des Werthcharakters der Arbeitsprodnkte 
annimmt, eneheint, Tor wie nach jener Entdeckung, den in den Ver- 
hUtaisaen der Waaieuprodnktion Befangenen ebenso endgültig als dasa 
die wisaenachfAUche Zenetinng der Lnft in ihre Elemente die Luft- 
fonn als eine physikalische KOrperform fortbestehn Iftaat 

Was die Produktenanstaust^er znn&chst praktiBcb intereeürt, ist 
^ frage, wie viel fremde Prodokte sie für das eigne Produkt er- 
haltn, in welchen Proportionen sich also die Produkte austanachan. 
Sobald diese Proportionen zu einer gemssen gewohnheitamftssigen fee- 



") Kote inr 3. Anig. Wenn daher Galiani ugt: Der Werth ist ein Ter- 
hiltniH swiaohen Peraonen — „La Bicchesia h nna ngione tra due penona" 
— , 10 hüte er hiniutetien mDuan ; nnter dinglicher HUI« Tentecktei VerlüUt- 
nin. (Oaliani: Delhi Moneta, p. 220, t. m tob Cattodi'a Sammliuig der „Sorlt- 
tni CUarici Italiaoi di Eeonomia Folitiea." Part« Hodena. HiUno 1801.) 



lyGOOgIC 



— 44 — 

tigkeit heiüDgereifl sind, Bcheinen äe ans der Natur dar Arlmtepro- 
dnkte ZD eDtHpringeti, so dass z. B. eine Tonne Eisen nnd 2 Unzen 
Gold gleichwerthig , wie an Pfand Qold und ün Pfand Eisen trotz 
ihrer Terachiednen physilalischen nnd chemigchen Eigenschaften gleich 
schwer sind. In der That befestigt sich der Werthcharakter der Ar- 
bätsprodukt« erat durch ihre Beth&tignng als WerthgTJSssen. Die letz- 
teren wechseln beständig, nnabhäogig vom Wülen, Vorwissen nnd Thnn der 
Anstanschenden. Ihre eigne . gesellEchafÜiche Bew^nng besitzt fllr sie 
die Fonn einer Bewegung von Sachen, unter deren Kontrole sie stehen, 
statt sie zu kontroliren. Es bedarf vollständig entwickelter Waaren- 
prodnktion, bevor ans der Eifahrung selbst die wiBsenschaftliche Ein- 
sicht herauswAchst, dass die unabhängig von einander betriebenen, aber 
als natnrwflchsige Glieder der gesellschaftlichen Theilung der Arbeit 
allstitig von einander abh&ugigen Privatarbeiten fortwähnnd anf ihr 
geeellBchaftlich proportionelles Mafs redncirt werden, weü sich in den 
zuf&lligen nnd stets schwankenden Anstanschveibältuissen ihrer Pro- 
dnkte die zn deren Produktion gesellschaftlich nothwendige Arbeits- 
zeit als regelndes Naturgesetz gewaltsam durchsetzt, wie etwa das 
Gesetz an Schwere, wenn einem das Hans Qber dem Kopf iiiBaminen- 
purzelt*^). Die Bestimmung der WerthgrOsse durch die Arbeitszeit ist 
daher ein unter den erscheinenden Bewegungen der relativen Waaim- 
werthe verstecktes Gebeimni^s. Seine Entdeckong hebt den Schein 
der bloss zufälligen Bestimmung der Werthgrßssen der Arbeitsprodukte 
auf, aber keineswega ihre sachliche Form. 

Das Nachdenken tlber die Fonnen des menschlichen Lebena, also 
aoch ihre wissenschaAliche Analyse, schlägt ftberhaupt einen der wirk- 
lichen Entwicklung entgegengesetzten Weg ein. Es beginnt post ftetum 
and daher mit den fertigen Besultaten des GntwicklnngsprocGases. Die 
Formen, welche Arbeitsprodukte zu Waaien stempeln und daher der 
Waarencirknlation vorauagesetit sind, besitzen berüts die Fesi^^it 
von Natarformen des gesellschaftlichen Lebena, bevor die Menschen sich 

*") „Wu soll man von einem Gesetze denken, das sieh nur durch psriodiaofaa 
Bevolntionen dorch Hetzen kann? Es iat eben ein NatorgeHets, da* aof der Be- 
wuEstloaigkeit der Betheiligten beruhk" (Friedrich Engels: „Umrisse zu einer 
Kritik .der Nationalökonomie" ia Deutsch-&aDZ08iscbe Jabrbticher, herausg. von 
Arnold Enge tmd Karl Uan. Paria 1844.) 



lyGOOgIC 



— 45 — 

liechenschaft eq geben anchcn, nicht Aber den historischen Charakter 
dieser Formen, die ihnen rieltnehr bereite als nnwandelbar gelten, son* 
dem Aber deien Gehalt. So war es nnr die Analyse der Waarenpreise, 
die zur Bestimmung der WerthgrSsBe, nnr der gemeinechaftliche Geld- 
aasdmck der Waaren, der znr Pixining üireB Werthchaiakters fohrte. 
Es ist aber eben diese fertige Foim — die Geldform — der Waaren- 
welt, welche den gesellgchaftlichen ChaniUer der Privatarbeiten and 
daher die gesellschaftlichen Verhältnisse der FriTatarbeiter, sachlich ver- 
achldeit, statt sie zu offenbaren. Wenn ich sage, Bock, Stiefel n. s. w. 
beziefan sich anf Leinwand als die allgemeine Verkörperung abstrakter 
menschlicher Arbeit, so springt die Yerrtlcktheit dieses Ansdmcks in's 
Aage. Aber wenn die Prodncenten von £ock, Stiefel u. s. w. diese Waaren 
auf Leinwand — oder anf Gold and Silber, was nichts an der Sache 
ändert — als allgemeines Aeqnivalent beziehn, erscheint ihnen die Be- 
ziehung ihrer Privatorbeiten zn der gesellschaftlichen Gesammtarbeit 
genau in dieser veir&ckten Form. 

Berartige Formen bilden eben die Kategorien der bOrgerlichen 
Oekonomie. Es sind gesellschaftlich gfiltige, also objective Oedanken- 
fennen ßlr die Prodnktionsverhältnisse dieser historiscQi bestimmten gesell- 
schaftlichen Produktionsweise, der Wsarenprodnktion. Aller MTsticiamns 
der Waarenwelt, all der Zauber nnd Spnk, welcher Arbeitsprodukte 
anf Grandlage der Waarenproduktion nmnebelt, verschwindet daher 
.sofort, sobald wir za andren Pioduktionsformen fldchten. 

Da die politische Oekonomie Bobinsonaden liebt *"), erseheine znerst 
Bubinson auf seiner Insel. Bescheiden, wie er von Hans ans ist, hat 
er doch Terschiedenartige Bedürfnisse zn befriedigen nnd mnsa daher 
nützliche Arbeiten verschiedner Art verrichten, Werkzeuge machen. 
Habet fabriören, Lama z&hmen, fischen, jagen n. s. w. Vom Beten 

") Note ZDt 2. Aiugabe. Aach Ricardo ist nicht ohne aeioe liobinsonads. 
„Den ürfiecher und den Urjäger liaet er sofort ab Waarenbesitzer Fisch und 
Wild anstAQschen, im TerhältniM der in diesen TauschwertbenTergegenständ' 
lichten Arbeitszeit. Bei dieser Gelegenheit fällt er in den Anachroniunns, 
dasB ürfischer und Uijägei zoi Berechnang ihrer Arboitsinatrnmento die 1817 
auf der Londoner Börse gangbaren AnouititeDtabeUen zu Bathe ziehn. Diu 
„Farallelogramme des Herrn Owen" scheinen die einzige Geaellscbafteform, 
die er ausser der bürgerlichen kannte." (Karl Man: Znr Kritik etc. p, 88, 39). 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 46 — 

n. dgl, sprechen wir hier nicht, da nnser BobtnsoD daran sein Ver- 
gnflgen findet nnd derartige ThUigbeit als Erholnng betrachtet. Troti 
der Yerschiedenheit seiner prodnktiren Fnnhtionen wüas er, dm sie 
nur Tenchiedne Beth&tigungsformen desselben Bobinson, also nur ver- 
schiedne Wösen menschlicher Arbeit sind. Die Noth selbst twingt ihn, 
seine Zeit gensn iwischen seinen Terschieduen Funktionen lu vsrthti- 
Isn. Oh die äne mehr, die andre weniger Bsnm in säner Gesammt- 
thftt^kut einnimmt, h&ngt ab von der grosseren oder geringeren Schwie- 
r^keit die nr Enieltmg des bezweckten Nntseffects in fiberwindeo 
ist Die Erfahmng lehrt ihm das, nnd unser Bobinson, der Uhr, Haupt- 
buch, Tinte und Feder ans dem Schiffbruch gerettet, beginnt als guter 
Engländer bald Bnch Aber sich selbst in ftthien. Sein Inventarium ent- 
hUt ein VeraeichiiiBs der Oebranchsgegenst&nde, die er besitit, der rei^ 
Bchiednen Vemchtongen, die za ihrer Frodvktiim erheisdit sind, end- 
lich der Arbeitsseit, die ihm bestimmte Qnanta dieser Terschiednea Pro- 
dukte im Durchschnitt kosten. Alle Besiehnngen iwischen Bobinson 
nnd den Dingen, die seinen selbstgeschaffnen Beichthnm bilden, sind 
hier so einfach nnd durchsichtig, dass sslbst Herr U. Wirth sie ohne 
besondre G«eteeanstrengnng verstehn dflrfte. Und dennoch sind darin 
alle weeentlidieu Bestimmungen des Werths enthalten. 

Versetien wir one nun von Bobinson's lichter Insel in dss finstre 
enropUsche Hittelalter. Statt des nnabhän^eo Hannes findsn wir hier 
Jedermann abh&ngig — Leibeigne und Grundherrn, Yassllen nnd 
Lehnsgeber, Laien und Pfaffm. Persönliche Abh&ngigkeit charakteri- 
ärt ebensosehr die gessUschaftlichen VerbUtnisse der materiellen Pro- 
duktion als die auf ihr aufgebauten Lebenssph&ren. Aber eben wtil 
persönliche AbhSogigkeiteverhältnisse die g^bene gesellsdiaftliche 
Grundlage büden, brauch«! Arbwten nnd Produkte nicht eine ron ihrer 
Bealit&t vetschiedne phantastische Gestalt anzunehmen. Sie gehn als 
Hatnraldienste nnd NatDralleistangen in das gessllschaftliche Getriebe 
ein. Die Naturalform der Arbeit, ihre Besonderheit, und nicht, wie 
auf Grundlage der Waarenproduktion, ihre Allgemeinhät, ist hier ihre 
unmittelbar gesellschaftliche Form. Die Frahnarbeit ist ebenso gut 
durch die Zeit gemessen wie die Waaren prodncirende Arbeit, aber 
jeder Lnbtigne weiss, daas es ein bestimmtes Quantum seiner persKn- 
liohen Arbeitskraft ist, dis er im Dienst söne« Herrn verausgabt Der 



lyGOOgIC 



— 47 — 

dem PMm sn leutende Zehnttn ist klai«r als der Sogan des Pätffen. 
Wie vaan dahar immer die Chanikterntaskni benrtheilen mag, worin räch 
die Menschen hier gt^entlbertreten, die geseUschiftlicben YeihUtniBse 
dar Personen in ihren Arbeiten erscheinen jeden&lla als ihre eignen 
persönlichen Verhältnisse, und sind nicht Terkleidet in geeeUsduftltche 
VerfaUtnine der Sachen, der Arbeitsprodnkte. 

Ftkr die Betraohtnng gemeinsamer, d. h. munittelbar vergwell- 
sehafteter Arbeit brauchen wir nicht inrOokxagehn in der nator- 
wfldungen Fonn doselben, welche ans an der Geeehichtsachwelle aller 
EulturOlher begegnet*"). Ein näher liegendes Büspiel bildet die länd- 
lich patriarchalische Industrie einer Banembniilie, die fOr den ägnen 
Bedarf Korn, "^eh, Oam, Leinwand, Kleidnngsstflcke n. s. w. pro- 
dndtt. Diese Torschiednen Dings treten der Familie als verscbiedne 
Produkte ihrer Eamilienaibeit gegenAber, aber nicht sich selbst wechsel- 
seitig als Waaren. Die Tersdiiednen Arbeiten, welche diese Produkte 
erzengen, Acknbau, Viebiucht, Spinnen, Weben, Schneiderei u. s. w. 
sind in ihrer NatnraUbrm gesellsch^tliche Fnnktionen, weil Funktionen 
der Familie, die ihre eigne, naturwOchmge Theilung der Arbrät besitzt, 
so gnt wie die Woarenprodnktion. GeechleehtB- und AltwsDntersäiiede, 
wie die mit dem Wechsel der Jahreezeit wechselnden NaturbeiÜBgnngen 
der Arbüt, i^eln ihre Vertheilnng unter die Familie und die Arbüte- 
ssit der einulnen Familienglieder. Die durch die Zeitdauer gemessne 
Varansgabnng der indiTidnellen Arbeitskräfte erseheiDt hier aber T«n 
Haus ans als gesellschaftliche Bestimmung der Arbeiten selbst, wdl 
die indiTidnellen Arbeitekräfte tou Haus aus nur «Is Organe der gemnn- 
samen Arbeitskraft der Familie wirken. 

'*) Note znr 2. Anegabe. Bi ist «n läeherliohes Tomrtheil in nBuester 
Zeit Teibreitet, daas die Form des natnrwfiebiigen Oemeineigenthnme tpedflsoh 
■lAvische, Mgar »iiMafalieaalioh nuBisoha Form leL ffie ist die Utfona, die 
wir bei BOmem, Oennaoen, Gelten nachweisen kOnnen, Ton der aber eine 
ganze Hnaterkart« mit mannigfachen Proben efoh noch immer, wenn ancb 
inm Theil mlnenweise, bei den Indiers Torfindeb Ein geDsaerea Studiom 
der asiatischen, speciell der indischen Oemeineigenthamiformen wflrde naoh- 
veisen, wie aas den Teisohiednen Formen de« Daturwflohitgeo Qemeineigen- 
thnms sich Tenehiedne Formen lainar AnflOanng ergeben. So lassen sieh 
I. B, die Tenehiednen Original^pen Ton Tömisobem nnd germanisoham Piifst- 
eigcnthum ans Tersohiedanen Fonnen des indischen Oemeinetganthums ab- 
leiten." (Karl Haiz: Zur Kritik ete. p. 10). 



n,gt,7cdT:G00glc 



i 



— 48 — 

Stollen wir ans endlich, zui Abwechalnn^, einen Verün fr«er 
Menschen vor, die mit gemeiDSchaftlichen FrodnktioiiBimttehi arbäton 
und ihre vielen individnellen Arbeitskrifte aelbstbewoast als eine ge- 
seUschaftliche Arbeitskraft verausgaben. Alle BeBümmungen von Bo- 
binson'e Arbeit wiederholen aich hier, nur gesellschaftlich, statt indi- 
vtdaell. Alle Produkte Bobinson's waren eein anaschliesBlich persOn- 
tichee Produkt nnd daher unmittelbar Gebranchsgegenat&nde fBr ihn. 
])aB Oesammtprodakt des Verräna ist tön geeellschafUiches Prodnkt 
Ein Theil dieses Produkts dient wieder als Produktionsmittel. Er bldbt 
gesellschaftlich. Aber ein anderer Theil wird als Lebensmitt^ von 
den Terünsgliedem venehrt. Er moas daher anter sie Vertbeilt wer- 
den. Die Art dieser Vertheilung wird wechseln mit der besondren Art 
des gesellschaftlichen ProduktionsoTgauisrnne selbst und der entsprechen- 
den geecfaichtlichen EntwicklnngahCihe der Producenten. Nur zur Pa- 
rallele mit der Waareuprodaktion setzen wir voraus, der Antheil jedes 
Producenten an den Lebensmitteln sei bestimmt durch seine Arbeits- 
ztät. Die Arbeitszeit w&rde also eine doppelte Bolle spielen. Ihre 
geeellschaftlich planmüseige Vertfaeilnng regelt die richtige Proportion 
der verschiednen Arbeitsfnnktioneu zu den verschiednen BedUrfmssen. 
Andrersnte dient die Arbeitsieit zagleidi als Haas des individnellen 
Antheila des Producenten an der Gemeinarbtit nnd daher auch au dem 
individuell verzehrbaren Theil des Qemeinprodakts. Die gesellachaft- 
lichen Beziehungen der Menschen zn ihren Arbeiten und iliren Arbeöts- 
prodokten bleiben hier durchsichtig onfach in der Produktion sowohl 
als in der IHBtribnüon. 

Für eine Gesellschaft von Waarenproducenten , deren allgemno 
gesellschaftlichee Prodnktionsverhältniss darin besteht, sich zu ihren 
Produkten als Waaren, also als Werthen zn verhalten, und in dieser 
sachlichen Form ihre Frivatarbeiten auf einander zu beziehn als 
gleiche menBchliche Arbeit, ist daa Christenthnm, mit seinem Kultus 
dra abatrakteu Menschen, namentlich in seiner bOrgerlichen Entwick- 
lung , dem FrotesUntismus , Deiamna n. s. w., die entsprechendste 
Beligionsform. Id den altaei&tischon, antiken u. s. w. Produktionsweisen 
spielt die Verwandlung des Produkts in Waare, und daher daa Dasön 
der Menschen als Waarenproducenten, eine untergeordnete Bolle, die 
jedoch um so bedeutender wird, je mehr die Gemeinwesen in das Sta- 



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— 49 — 

4ivm ihres ünterguigs treten. Eigentliche Haadelsrölk« eziaÜTen mir 
in den Intensnndien der alten Welt, wie Epiknrs GOtter, oder wie 
Juden in den Poren der polnischen Geaellsehafi. Jene alten gesell- 
schaftlichen FrodnktionBorgauiemen sind ansssronlmtlich viel einfochtt 
und durchsichtiger als der hürgerliche, aber sie bemhen entweder anf 
der Unreife des individnellen Uenschm, der sich von der Nahelschnar 
des natflrlicben aattan^zasammenhanga mit Andren noch nicht los- 
gerissen hat, oder anf nninittelbaren Herrschafts- and Knechtsoh^ts- 
veih&Itnissen, Sie sind bedingt durch eine niedrige Entwicklnngsatnfe 
der Frodnktivkiäfte der Arbeit und entsprechend befangene Verhält- 
nisse der Menschen innerhalb ihres materiellen Lebensenengnngspro- 
cesses, daher zn mnandei and inr Natur. Diese wirkliche Befangen- 
iuat spiegelt sich ideell wieder in den alten Natnr- nnd Yolksreligionen. 
per religiöse Wiederschein der wirklichen Welt kann fiberhanpt nnr 
verschvrinden, sobald die VeihSltnisse des praktischen Werkeltagslebens 
den Menschen tagtäglich dnrchsichtig verntknftige Beiiehnngen m «n- 
(uider und inr Natnr darstellen. Die Oestalt des gesellschaftlichen 
Lebenaprocesses, d. h. des materiellen Produktioneprocesaee, streift nnr 
ihren mjatischen Nebelschleier ah, sobald sie als Produkt frei ver- 
gesellschafteter Menschen unter deren bewosater planmässiger Kontrole 
steht. Dara ist jedoch one materielle Gmndlage der Qesellschaft er- 
heischt oder tine Beihe materieller Eüstenzbedingnngen, welche selbst 
wieder das natnrwachsige Produkt einer langen nnd qnalvoUen Ent- 
wicklnngsgeschichte sind. 

Die politische Oekosomie hat nun Ewar, wenn anch unvollkom- 
men ^'), Werth und Werthgrösse analjairt und den in diesen Formen 

'>) Dai TJnmUng^ohe io Bicardo'a AnaljM der Werth^MB — nnd es Ist 
die beste — wird mui ans dem dritten und vierten Bach dieser Sahiift enehn. 
Waa aber den Werth überhaupt betrifft, eo nnteracheidet die kluaisohe poIitiHhe 
Oekonomie ciigendiro aaBdrOcklieh iind mit klarem Bewnutaein die Arbeit, wie sie 
sich im Werth, von deraelhsn Arbeit, sowait aie sich im Qebra^chswerth ihree Pro- 
dukt« darstellt. 8ie macht natflrlich dan unterschied thstsAohlich, da sie die Arbeit 
du einemal quantitativ, das andremal qualitativ betraohtet Aber es fillt ihr 
nicht ein, da« bloss quantitativer ünteTscbied der Arbeiten ihre qualitative Ein- 
heit oder Gleichheit voranssetit, also ihre Bednktion auf alMtnkt menaohUohe 
Arbeit. Bicardo i, B. erklärt uoh einverstanden mit Destutt de Traoy, wenn 
dieser sagt: „Aiitia certainthat oaiphjsieal andmoral faeoltjes are aloneoor 



lyGOOgIC 



-- 50 — 

Tereteckten Inhalt enUeckt. Sie hat niemalB auch aur die Fnge 
gestellt, wanun dieser Inhalt jene Fona annimmt, wanim sich also die 
Aibeit im Werth nnd das Hafs der Arbeit dnrdi ihre Zeitdauer in 
der WerthgrOsse des Arbeiteprodnkts darstellt'*)? Formeln, denen es 

origin»! ricbea, the emplojment of thoae facoltäes,. laboar of Mme kind, isosr 
original keunre, uiii it is sIw&ts from üiis employmeiit — that »U tbose things 
ttre CTMted which we call riehea . . . It is cartaiD too, that all thow thinga 
onlj TspreBent thelabonrirfaichhaacreated tham, and if tbey hare aTalue, ot 
eren two disünct valaw, tbcj canonlyderiT« tben from that (that valne) oftbe 
labonr from which thej emaD&te." (mcardo: „The principles of Pol. Ecoo. 3 
od. Lond. 1831", p. 334). Wir dent«n niir au, dau Ricardo dem Deatatt sMOen 
eignes tiefeieD SiOD nnterachiebt. Destatt sagtinderThat Ewareineneita, daas 
alle Dinge, die den Btichtfaum bilden, „die Arbeit reprbmtii«!!, die aie geachaf- 
fen hat", aber andieraeitB, dam aie ihre „zwei TerschiedaneD Weitbe" (Ge- 
braoehawerth nnd Taiuchwertb) TOm „Werth der Arbeit" erhalten. Er fUlt 
damit in die Flachheit der TnlgärökoDomie, die den WerÜi einer Waare (hier 
der Arbeit Toranaaetit, am dadorcb hinterher den Werth dar andren Waaren za . 
beatimmen. Hicardo liest ihn so, dua aowohl im Gobraneha werth als Tanach- 
wertfa aich Arbeit (nicht Werth der Arbeit] darat«llt. Er seibat aber scheidet so 
wenig den zwieschlächtigeo Charakter der Arbeit, die doppelt dargestellt iat, dasa 
er in dem ganzen Kapitel: „Valne and Ricbee, Their DistinctiTe Froperties" aich 
mühaelig mit den TriTialitäten einea J.B.Sa; hernmachlagen mnaa. Am Ende 
iat er daher ancb gans erataont, dsaa Destntt iwar mit ihm aelbat über Arbeit als 
WerthqneUe nnd dennoch andreraeit« mit Saj über den Werthbegriff harmonire. 
") Ea ist einer der Grnndmingal der klaaaiMhen politischen Oekonomie, dasa 
«8 ihr nie gelang, ana der Analjae der Waare nnd specieller des Waarenwertha 
dieFormdeaWerths, die ihn eben zmnXauschwerth macht, heiaDaiDfinden. Grade 
in ihren beaten Bepräaentanten, wie A, Smith nnd Bicardo, behandelt aie die 
Werthform ala etwas ganz GleichgOltigea oder der Natur der Waare aelbatAena- 
serlicfaea. Der Grand ist nicht allein, daaa die Analjae der WerthgrösM ihre Auf- 
merksamkeit gant abeotbirt. Er liegt tiefer. Die Worthform dea Arbeitaprodakta 
iat die abetrakteat«, aber ancb allgemeinate Form der bürgerlichen Prodnlrtjona- 
weiao, die hierdurch ala eine beaondere Art geeellachafüicher Produktion nnd 
damit zugleich hiatoriach charakterisirt wird. Teraioht man sie daher für die 
ewige Natnrfonn gesell ich aftlicher Prodoktion, so übeniefat man nothwendig 
anch daaSpedfischeder Werlhform, also der Waarenform, weiter entwickeltder 
Geldform, Eapitalform d. b. w. Uan findet daher bei Oekonomen, welche 
über dasHaaa der WerthgroBBe durch Arbeitszeit dnrcbana übereinatämraen, die 
knnterbontoaten und widersprechendsten Vorstellnngen renGeld, d. h. der fer- 
tigen Gestalt des allgemeinen Aequivalenta. Dieaa tritt schlagend herror z.B. bei 
der Behandlung dea Bankweaena, wo mit den gomeinplStzlichen Definitionen des 
Geldes nicht mehr anagoreicht wird. Im Gegensatz entsprang daher ein reatao- 



lyGOOglC 



aof der Stirn gaschrieben steht, dass sie einer OesellBcliaftsforinatioa 
angehSren, worin der Prodaktion^proeeBB die HenBChen, der Mensch 
noch nicht den Piodnktionsprocess bemeistert, ^ten ihrem bOrgerlidien 
Bewnsatsein für eben eo Belbetrerständliche Natnmothwendigkeit ata 
die produktive Arbeit selbst. VorbOrgerlicbe Fonnm dee geedlschoft- 
liehen Prodoktionsor^imismus werden dah«r you ihr behuidelt, wie etwa 
Ton den Kirchenffttern vorehristiliche Beligionen '^). 



rirteeMerlnDtilajBteiii (G&nilh 0.8, w.)i welches imWeith nur dis gsaellBchaft- 
liche Form sieht oder vielmehr nar ihren anbatanzloBeD Schein. — Um es ein fQr 
allemal lu bemerken, verstehe ich imter bluaiMher politisch ar Oekonomie alle 
Oebonomie seitW. Pet^, die den innem Zuaammenbaji? der bürgerlichen Fto- 
doktionaveih&Itnuae eifoncht im Oegenssts zoi Tolgfttdkonomie, die sich ntur 
innerhalb des scheinbaren ZnaammenhangB henimtreibt, für eine plausible Tet- 
BtändlicbmacboDg der so zu sagen gröbsten Phänomene nnd den bürgerlichen 
Hausbedarf das Ton der wisaenacbaftlichen Oekonomie langst gelieferte Material 
stets von neuem wiederkäut, im TIebrigen aber aioh darauf beeobrllnkt, die banalen 
and selbstgefiUligea Vorstellongen der bOrgerliehen ProdalitionBR!;enten von ihrer 
eignen besten Welt !□ Bjstematiairen, pedantisiren and als ewige Wahrheiten zu 

**) „Lea eeoBomisteB ont one singuliere maniäre de procedei. II n'y apour 
eui qae dem sortes d'institutionB, Celles de l'art et cellea de la nature. Lea 
institntiODs de la feodalit^ aont des institntions artiflcielles, delles de Ib bonr- 
geoiaie sont des inatitatious natoielles. US ressemblentenoedani theologiena, 
qoi eui aossi etabliaaent deoz sortea de religiona. Tonte religion qni n'eat pas 
la leoi eet nne invention des hommes, tandia qneleur propre religion est une 
emanation de dien. — Ainsi il j a en de lliiatoire, mais il n'j en a plna." (Karl 
Han: „Mia^ de la Philosophie. Reponse ä la Philosophie de la Mii^re par 
M. FrondhoQ. 1847", p. 113.) Wahrhaft drollig ist Herr Bastiat, der sich ein- 
bildet, die alten Griechen and Bömer hfttten nur von Banb gelebb Wenn man 
aber viele Jahrhnndeit« durch von Ranb lebt, mnss doch beständig etwas zu 
rauben da sein oder der Gegenstand deaBanhes sich fortwährend reprodnciren. 
Ea acheint daher, daaa anch Griechen und Bdmer einen Productionsprocess hat- 
ten, alio eine Oekonomie, welche ganz ao die materielle Grundlage ihrer Welt 
bildete, wie die bürgerliche Oekonomie die der heutigen Welt Oder meint Bastiat 
etwa, dass eine Produktionsweise, die auf der Sklavenarbeit bemht, anf einem 
Raubsjatem mht? Er atellt siebdannaafgeftlbrlichenBoden. Wenn ein Denk - 
riese wie Aristoteles in seiner Würdigung der Sklavenarbeit irrte, wanun sollte 
ein Zwergökonom, wieBastJat, inaeinerWürdignng der Lohnarbeit richtig gehn? 
— Ich ergreife diese Gelegenheit, am einen Einwand, der mir beim Erscheinen 
meiner Schrift „Zar Kritik der Fol. Oebonomie. 18S9" von einem dentseh-ameri- 



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Wie sehr äa Theil der Oakonomen von dem der Waarenwelt an- 
klebenden FetäBdÜBmns oder dam gegenständlichen Schein der g«BeIl- 
schaftlidien Äibeitebesümmongen get&OBcht vird, beweist n. a. der lang- 
weilig abgewshmackte Zank fiber die Bolle der Natur in der Bildnng 
des TBnBChwerths. Da Tauschweith eine bestimmte geeeHschaftliche 
Utamei ist , die anf ein Ding verwandte Arbeit aoszQdrficken , kann 
er nicht mehr Natorgtoff enthalten als etwa der WechBslknrs. 

Da die Waarenfonn die allgemeinste nnd unentwickeJste Farn 
der bOrgerlidien Produktion ist, weeswegen sie frflh anftritt, obgleich 
nicht in derselben herrschenden, sleo ^charakteristischen Weise wie hent 
zn Tag, Bchänt ihr Fetiscbchuakter nodi relativ l^cht zn dorchschaoen. 
Bm konkreteren Format YOTscbwindet selbst dieser Schnn der Ein&ch- 
heit. Woher die Ülnsionen des Uonetareystems? Üb sah dem Gold 
nnd Silber nicht an, d&as sie als Qeld ein geBellBchaftlicbee Produk- 
tionsverhältnisa darstellen, aber in der Form von Natnrdingen mit son- 
derbar geBellBchaftlichoi Eigenscbalten. Und die moderne Oekonomie, 
die vornehm anf das Honetarsjstem herabgrinst, wird ihr Fetischismus 
nicht handgräflieh, sobald sie das Kapital behandelt? Seit wie lange 



haniacheo Blatt« gemacht wurde, kurz abiuweisen. Eb sagte, meine Ansicht, daes 
die bestimmte ProduktiaQBweise und die ihi jedesmal entspreahendsuFioduktiaaE- 
verhältnisse, knn „die okanomiHoh« Strnktoi der OesellacbBit die reale Baeis sei, 
woiaof üch ein jnrisüacher nnd poIitiMber Ueberban erbebe, and welcher be- 
stimmte gesellsohaftlicheBewiuatBeinBforinenenteprtU;heii",da8s„die Produktions- 
weise det materiellen Lebens den socialen, politischen mid geistigen Lebena- 
piooesa Qberbanptbedinge", — alles diasH sei swar riobtig für die bcatige Welt, 
wo die materiellen Interessen, aber weder fSr das Mittelalter, wo der Eatbolicia- 
mni, noch fttr Atben nnd Bom, wo die Politik herrschte. Zon&chst ist ea be- 
fremdlich, duB Jemand Toraosznsetzen beliebt, diese weltbekannten Bedenurten 
über Mittelalter nnd antike Welt seien irgend Jemand onbekanut geblieben. So 
viel ist klar, dass das Mittelalter nicht vom Katbolieiiinns nnd die antike Welt 
nicht von der Politik leben konnte. Die Art nnd Weise, wie sie ihr Leben ge- 
wannen, erklärt umgekehrt, wanun dort die Politik, hier der EatboUcismiis die 
Hanptrolle spielte. Es gebärt übrigens wenig Bekustschaft z. B. mit der Q«- 
Bcbichte der ramischan Bopnblik dazn, nm sn wissen, dass die Geacbicbte des 
Gnmdeigenthnma ihre Gebeimgeschichte bildet. Andrerseits hat acbon Don 
Quiiote denirrthum gebasst, dasa er die fahrende Bitterschaft mit allen Gkono* 
miadien Formen der Geiellsohaft gleich Tertr&gUoh w&hnte. 



lyGOOgIC 



— 5S — 

ist die phjsiokratiBche Illneion Terschwtindeii, dase die Grimdrente ans 
der Erde wächst, nicht aus der Gesellschaft? 

Dm jedoch nicht vonngrofen, genftge hier noch län Bnspiel be- 
iQglich der Waarenfonn gelbst. Efimiten die Waaien sprechen, so wor- 
den aie sagen, nnaer G«braach8werth mag den Menschen interessiren. 
Ei kOnunt uns nicht alB Bingen zu. Was nns aber dinglich zakAmmt, 
ist unser Werth. Unser eigner Verkehr als Waarendiuge beweist das. 
Wir beziehn uns nnr als Tauschw^he anf eimmder. Man hfire nnn, 
wie der Oekonom ans der Waaienseele heraus spricht: „Werth 
(Tanschwerth) ist Eigenschaft der Dinge, Rdcbthom (Gebraochawerth) 
des Menschen. Werth in diesem Sinn schlieset nothwendig Austanach 
' ein, Beichthnm nicht ^*). ,3eichthiun (Gebranchswerth) ist ein Attribut 
des Menschen, Werth ein Attribut der Waareo. Ein Mensch oder ein 
Gemönneaen ist reich; eine Perle oder Diamant ist werthvoll . . . 
SSne Perle oder Diamant hat Werth als Perle oder Diamant'^)." 
Bisher hat noch kein Chemiker Tauschwerth in Perle oder Diamant 
entdeckt Die Ökonomischen Entdecker dieser chemischen Substanz, 
die besondren Anspmch anf kritische Tiefe machen, finden aber, daes 
der Gebranchswerth der Sachen unabhängig von ihren sachUchen Eigen- 
schaften, dagegen ihr Werth ihnen als Soeben znkSmmt. Was sie 
hierin bestätigt, ist der sonderbare Umstand, dass der Gebranchswerth 
der Dinge sich fftr den Menschen ohne Anstansch realisirt, also im 
nnmittelbaren Yerh&ltniss iwischni Ding und Mensch, ihr Werth nm- 
gekehrt nnr im Anstansch, d. h. in einem gesellschaftlichen Procees. 
Wer erinnert fach hier nicht des guten Bogberry, der den Nacht- 
wächter Seacoal belehrt: „EHn gnt aoeeehender Mann zu sein, ist cäne 
Gabe der Umstände, aber Lesen und Schreiben zn kOnnen, kOmmt von 
Natur ■•)■ 



**) „Vftlae is a piopeit; of thingi, riebes of man. Talne, in thia udm, 
neeeflaarüj impliei eiohangeB, riohea do not" nObierralions ort aome rerbal 
diqntee in Pol. Econ., partiagJarlj relaüng tovaloe and toaapplyand demand. 
Lond. IS21", p. 16. 

**) „Rlehea aie Uie attribiita of man, valoe is the attribute of commodities. 
A man or a oonunnnitj ia nah, a pearl oi a diamond ia valnable . . . A pearl 
Ol a diamond ia valoable aa a pearl oi diamond." S. Bailej 1. o. p. 16S. 

") Der Verfaaaer der „Obaerrationi" nud S. Baue; beachnldigen Bicardo, 
ex habe den Tanichwerth ans einem nur fielativen in etwas Abaolntei verwandelt 



lyGOOgIC 



Zweites Kapitel 
Der AaBtaQBohprocew. 

Die Wauen können nicht selbut zn Markte gehn und aicb nicht 
selbst uustanBclien. Wir müssen uns also nach ihren Hütern omBehn, 
den Waarenbeeitzeni. Die Waareo sind Dinge und daher wideratands- 
lOB gegen den Menschen. Wenn sie nicht willig, kann er Gewalt 
brauchen, in andren Worten sie nehmen ^^). Cm diese Dinge ah 
Waaren auf einander zn beziehn, mOssen die Woarenhüter sich zu ein- 
ander als Personen verhalten, deren Willen in jenen Dingen haust, so 
dass der eine uur mit dem Willen des andren, alm jeder nur ver- 
mittelst eines beiden gemeinsamen Willenaakte sich die fremde Waare 
aneignet, indem er die eigne veräussert. Sie mflasen sich daher trecheel- 
seitig als Privateigenthflmer anerkennen. Diess Rechts verhUtniss, des- 
sen Fonn der Vertrag ist, ob nun legal entwickelt oder nicht, ist ein 
WiUensverh&Itnias , worin sich das ökonomische Verh&ltnisa wieder- 
spiegelt Der Inhalt dieses Becbte- oder WUlensverhältniBses ist durch 
das ökonomische Verhältnisa seibat gegeben'*). Die Personen existiieii 



Umgekehrt. £i hat die SataeiiirelatiTitilt, die diese Dinge, Diamant und Parlen 
t. B., ala TauBChwerthe boaitzen, auf das hinter dem Schein verborgene wahre 
VerhülbÜBS rednoirt, anf ihre Kelatiritit als blosse AnadrQcke menschlicher AibeiL 
Wenn die Bicardianer dem Baue; grob, aber nicht schlagend antworteten, so 
nni, weil eie bei Ricardo selbst keinen Aofschlnas aber den inoein Zusammen- 
hang iwiachen Werth nnd Werthfsrm oder Tanachwerth fanden. 

") Im 13. dnn^ seioe Frömmigkeit ao berufenen Jahrhundert kommen nnter 
diesen Waaren oft sehr zarte Dinge Tor. So zählt ein fraozEsischer Dichter jener 
Zeit unter den Waaren, die sich anf dem Harkt von Landit einfanden, neben 
Kleidungsstoffen, Schohen, Leder, Acfcergerithen, Häuten u. a. w. aoch „femmee 
feiles de leur corps" anf. 

**) Prondhon schöpft erst aein Ideal der Gereefatigkeit, dfr judoe etemelle, 
ans den der Waacenproduktion entsprechenden Rechts rerhältnasri. wodurch, 
nebenbd bemerkt, aoch der fOr alle tipieesbflrger so trösUiche Beweis geliefert 
wird, dasa die Torrn der Waarenproduktion ebenso ewig ist als die Gerechtig- 
keit Dann umgekehrt will er die wirkliche Waareaprodoktion und du ihr enU 



lyGOOgIC 



— 55 — 

hier nur ffir änaadsi als R^räsoiUDteii von Waare und d&hflr als 
WaaTflnbesitui. Wir werden überhaupt im Fortgang der Entwicklung 
Anden, dass die Okauomischen CliAraktennaBken der Person«! nur die 
Peraonifikationen der Okonomiaciien Verhältnisse sind, als deren Träger 
sie eich gegenfibertreten. 

Was den Waarenbesitier namentlich tos der Waare nnterseheidat, 
ist der Umstand, dass ihr jeder andre WurenkOrper nor als Erschä- 
nungaform ihres eignen Werths gilt. G^bomer LeTsller und Cjniker 
steht sie daher stets anf dem Bpmng, mit jeder andren Waare, sei selbe 
anch aosgestattet mit mehr Unamuhmliäikeiten als Haritome, nicht nur 
die Seele, sondern den Leib sa wechseln. Diesen der Waare mangeln- 
den Sinn fOr das Konkrete des WaarakArpers erg&nst der Waarm- 
besitzer durch seine eignen ftlnf und mehr Sinne. Seine Wamv hat 
fllr Um keinen unmittelbaren Qebranchswerth. Sonst fllhrte er sie nicht 
in Markt. Sie hat Qebiauchswerth fTLr andre. Für Um hat sie unmit- 
telbar nur den Gebrauchswerth Tr&ger von Tanschwerth und so 
Tanschmittel zu sün'^}. Damm will er sie veränssem fDr Waaie, 
deren Gebranchswerth ihm (Jenflge thut. Alle Waarm sind Nicht- 
Gebranäiswerthe ffir ihre Besitzer, Gehrauchswerthe fflr ihre Nicht- 
Beeitier. %e mOssen also aUseltig die Hfinde wechseln. Aber dies« 
Händewechsel bildet ihren Austausch und ihr AuataDSch bezieht sie 
als Werthe auf einander und realisirt sie als Werthe. Die Waanm 



■prechende wirkliche B«cht diesem lde»l genuUs nmmodelii. Wu wfltde man 
ron einem Chemiker denken, der, statt die wiikliehen Qecetse des Stoffweehsals 
m atndiren, and anf Bama dmelben bestimmte Aufgaben in lösen, den Stoff- 
wechsel durah die „ewigen Ideen" der „Dstaralite" und der „afüniti" ummodeln 
wollte? Weiss man etwa mehr über den „Wnehei", wenn mau sagt, er wider- 
spreche der Jastice ätemelle" nnd dar „^nite eteinelle" und der „mntnalitä 
itemelle" und andren „veritesäteraelles", ab die Kirchenvater wnssten, wenn sie 
sagten, er widerspreche der „grice etemelle", der „foi etemelle", der „votontä 
Jtemelle de dien"? 

**} ,J>son xwsi&eh ist der Gebranch jedes Gnts. — Der eine ist dem Ding 
-als folehem eigen, der andre nicht, wie einer Sandale zor Beechnhnng zn dienen 
und anstanschbar in sein. Beides sind Gebianchswerthe der Sandale, denn anoh 
wer die CAodale mit dem ihm Uangelndeo, z. B. der Nahmng aostsoscht, be- 
nnttt die Sandale aU Sandale. Aber nicht in ihrer natfirlichen Qebranohsweise. 
Denn sie ist nicht da des Anatsosches wagen." (Aristoteles, de Bep, 1. I, c. 9.) 



lyGOOgIC 



— 56 — 

mtLsBvi och äahgz kIb Werthe realiffiren, bevor sie uch als 6et»aitchB- 
weithe iwlinroi Unnen. 

AndTKsäts mftsBen sie sich als G«bnuioliBWffithe bewähnn, be- 
vor sie aek als Werthe lealieiren k9iueB. Detu die anf sie venms- 
gabte numsehliche Arbeit zählt nur, soweit sie in nner für Andn 
DfttBÜcheD Fonn Tenmsgabt ist. Ob sie Andren nfltzlich, ihr Prodnlct 
daher finmde Bedtkrfoisse befriedigt, kann aber nnr ihr Austansch 



Jeder Watrenbeaitzer will stine Waue nur ver&nBsem gegM 
Andre Waare, deren Oebranohswarth sein Bedfirfiüss befriedigt. So- 
fern igt der Anstansdi fQr ihn nur indiTidneller ProceHS. Andreneits 
wiU er seine Waare als Werth realieiren, also In jeder ihm beliebigen 
andnn Waare von demselben Werth, ob seine ügne Wsare nun fQr 
den Besitzer der andren Waare Öebranehswertb habe oder nicht So- 
fern ist der Anstansch tOr ihn allgefflön geeellsohaftUcheT Proiess, 
Aber derselbe Preeess kann nicht gleichuitig fflr alle Waarenbesitier 
nnr indiridnell ond nglnoh nur allgenMän geeellsdiaftlich sein. 

Sehn wir näher xn, so gilt jedem Waarenbesitier jede fremde 
Waare als beeondree Aeqnivalent seiner Waare, eane Waare daher 
als aUgemeinee Äeqniialent aller andren Waaren. Da aber alle Waareu- 
beeitier dasselbe thnn, ist keine Waare . allgemeinee Aequivalemt and 
besitsen ii» Waaren daher anch käne allgemeine relative Werthform, 
worin me sich als Werthe gleichsetien and als WerthgrÖBsen vei^ 
glüchai. Sie stehn sich dalier Oberhaupt nicht gegenflber als Waaren, 
■ondem nnr alt Produkte oder Glebranchswerthe. 

In ihnr Yerleguhrit denken nnsre Waarmbesitier wie Fanst 
Im Anfiug war die Thai Sie haben daher schon gehandelt, bevor 
üe gedacht haben. Die Qesetie der Waarennatur beth&tigten sich im 
Naturinstinkt der Waarenbeeitzer. Sie können ihre Waaren nnr als 
Werthe nnd dämm nur als Waaren anf einander beii^, indem sie 
diesdben gegensUilich anf irgend eine andre Waare ala allgemeines- 
Aeqnivalent beiiehn. Das ergab die Analjee der Waare. Aber nnr 
die geeellBcfaafUiche That kann eine bestimmte Waare inm allgemeinat 
Aeqmvulent machen. Die gesellschaftliche Aktion aller andren Waaren 
Bchlieest daher eine bestimmte Waaie ans, worin sie allseitig ihre 
Werthe darstellen. Dadurch wird die Natoralform dieser Waare 



lyGOOgIC 



— 67 — 

gnellechaftlich gtUtige Aeqnivalentform. Allgemänea Aeqoiralent m 
aön wird durch dea geeeUschafÜiehai Frocesa zur spedfiseh geeell- 
Bchaftlichen Funktion der ans^eBchlossanen Wure. So wird sie — 
Qflld. iJUi unuin conBÜinm hAbent et viitutem et poteBbitem anam 
beetiae bvdniit. Et ne qnis poasit emere &at vendere, niu qni hiiwt 
cturaeterem ant nomen beetiM, ant nnmomm nominis ejus." (Apo- 
oalype*) 

Der GeldkrTStall ist ein nothwendigos Prodokt des Anstansdi- 
proceseee, worin Terachiedenartige Arbrätaprodnkte einander tbatsäcblich 
gleichgesetst and daher thataächlich in Waaren verwandelt werden. Die 
hiBtorische Ausweitung und Veitiefang des AnstauBches entwickelt den 
in der Waarennatnr schlnmmemden Gegensatz von Gebr&nchswerth nnd 
Werth. Das Bedflrbisa diesen G^enaatz für den Verkehr änsserlich 
darznsteUen, trräbt zu einer selbststfindigen Form dea Waarenwertbs 
und mht und rastet lücht bis sie endgOlUg erzielt ist dnrch die Ver- 
dopplnng der Waare in Waare und Geld, In demselben Hasse daher, 
worin sich die Verwandlung der Arbatsprodnkte in Waaren, Tollziebt 
sich die Verwandlung von Waare in Geld**). 

Der nnmittelbare Frodnktenaustansch hat einerseits die Form 
des einfachen Werthansdmcks und hat aie ondrcnmts noch nicht 
Jene Form wu i Waate k =a j Waaie B. Die Form des unmittel- 
baren FroduUenanstanschs ist: i Gebranohsgegenstand A = y Qe- 
branchagegenstand B*^). Die Dinge A nnd B und hier nicht Waaren 
vor dem Anstansdi , sondern werden es erst dnioh denselben. Die 
erste Weise, worin ein Gebranehsgegenstand der HSglichkeit nach 



") Danoeh benrtheile man die P&^keit dea kleinbürgerlichen SocialumiiB, 
der disWauenprodnktion verewigen und zngleioh den „GegenaatE von Geld nnd 
Waare," alao du Geld telbat, denn es Ist nur in diesem GegeoBatze, abeohafren 
wJtL Ebensowohl könnte man den Papst abcobaffen, nnd den Katholidsrnna 
bestehen lassen. Das Nlfaere bierubei sieh in meiner Sehrift; „Zu Kritik 
der Pol. Oetonomie" p. 61 sq. 

*'} So lange noch nicht zwei verechiedne GebraDcfaRgegenatände ausge- 
Unscht, BODdeni,wie wir das bei Wilden oft finden, eine chaotische Uasee von 
Dingen als Aequivalent f&r ein Drittes angeboten wird, it^t der onmittelbaie 
PiDdnktenanataiuch selbst erst in seiner Vorballe. 



t: Google 



— 58 — 

Taoachwaih ist, ist sein DoBein als Nicht-Oebnuchswerth, als die 
oimüttolbareD BedürfniBse aeinee Beaitiers überschieeBendss Quantum toh 
Gebranchawertb. Ding« sind an und für sich dran Henacben &iisaer- 
licb und daher Tflr&uaserlich. Damit diese Ter&asaenmg vecbaelaeitig, 
branchen Menschen nur stiUschwmgend sich als Frivat^gmtbQmer jener 
ver&u3Berlicben Dinge nnd eben dadnrch ala von einander unabhSiigige 
Peraonen g^enflbenntreten. Solch an TerhUtaüsB wechsalaütiger 
Frandheit existiit Jedoch nicht fOr die Glieder mnee natnrwUchaigeD 
Gemeinwesens, habe es nnn die Fonn einer pabiarchalischen Familie, 
einer altindischen Gemeinde, eines In^astaatw n. s. w. Der Waamw 
anstansch beginnt, wo die Gemeinwessi enden, an den Punkten ihres 
Kontakts mit fremden Gemeinwesen oder Otiedem fremder Gemein- 
wesen. Sobald Dinge aber einmal im answ&rtigen, werden sie andi 
rficks<dilagend im innem Gemelnleben zn Waaren. Ihr quantitatires 
Anstansch Torbfiltiüfls ist zunächst ganz zoSllig. Äustanschbar und sie 
dnrcb den Willensakt ihrer Besitzer sie wechselseitig zn Teränssera. 
Indess setzt äch das BedUrfniss für fremde Gebnacbsgegenet&ude all- 
mUig fest. Die beständige Wiederholnng des Anatanschs macht ihn 
' in nneffl regelmässigen gesellschafOichen Prooess. Im Laufe der Znt 
mnss daher wemgatens ein Theil der Arbütsprodokte absichtlich znm 
Behuf des AostanschB producirt werden. Von diesem Angenblid be- 
festigt sich einerseits die Scheidong zwischen der Kützlidikeit dv 
Dinge fltr den unmittelbaren Bedarf and ihrer NfitzUchkrtt znm Ana- 
tauBcb. Ibi Gebranchswerth scheidet sich von ihrem Taoschwrathe. 
Andrerseits wird das quantitative Terhältniss, worin sie sich anstau- 
scboi, TOS ihrer Produktion selbst abhängig. Die Gewohnheit fixirt 
sie als WerthgrOssen. 

Im unmittelbaren Produktenanstaasch ist jede Waaie unmittelbar 
Taosclunittel ftr ihrm Besitzer, Aequivalent für ihren Nichtbeeitier, 
jedodi nur so weit sie Gebranchswerth fOr Ihn. Der Tauscbartikel 
erhält also noch keine Ton seinem «gnen Gebrauchswerth oder dem 
individuellen Bedflrfniss der Anstanscher unabhängige Werthform. Die 
Nothwendigkeit dieaer Form entwickelt äcb mit der wachsenden An- 
zahl and Hannigfolttgkeit der in am Anatausobprocesa eintretendai 
Waaren. Die Aufgabe entspringt glrachzeitig mit den Kitteln ihr«' 
LöBong. Ein Verkehr, worin Waarenbeeitzer ihre eignen Artikel 



lyGOOgIC 



— 59 — 

mit verBchiednen utdiffii Artüceln anatanachen und vergleicheD, findet 
niemalB statt, ohne dus Terschiedne Waaren von Tenchisdnen Waa- 
nnbeaitzem innerhalb ihres Verkehrs mit dner nnd derselbm dritten 
W&aren&it aDsgetamcht und als Werthe vergliDhen werden. Solche 
dritte Waare, indem sie Aequivalent fOr TSreohiedsB andre Waaren wird, 
erh&lt munittelbar, wenn auch in engen ärenien, allgemeine oder 
geseUschaftliche Aeqoivalsnttönn. Diese allgemäne Aeqniralentform ent- 
steht und vergeht mit dem angenblickltchen geeellsehafllichen Eon- 
takt, der sie ins Leben riet Abwechselnd nnd flOchtig kommt de 
dieser oder jener Waaie zu. Hit der Bntmcklimg des Waarenana- 
tanschs heftet sie eich aber ansschliesalich feet an besondere Waaren- 
arten, oder faTBtallisirt zur Geldform. An welcher Waarenart sie 
kleb«) blübt, ixt znn&chst Eufill^. Jedoch entsohüden im Grossen 
nnd Ganzen zwei TJmet&nde. Geldform heftet sich entweder an die 
wicht^steu Eintanschartikel ans der Fremde, welche in der That 
natnrwOchsige Erscheinongsformen des TanschwoihB der einheimischoi 
Produkte sind. Oder an den Oebrandisgegenstand, welcher das Hanpt- 
element des ünfaeimischen Tsr&nsserlichen BesitEthaniB bildet, wie z. B. 
Vieh. NomadeoTAlker entwickeln znerst die Geldform, weil all ihr 
Hab nnd Gnt sich in bewe^cher, daher unmittelbar rer&nsserlioher 
Form befindet, nnd weil ihre Lebensweise sie beständig mit fremden 
Gemeinwesen in Kontakt bringt, daher mm FrodnktenanstaiiBch soUici- 
tirt. Die Menschen haben oft den Menschen selbst in der Gestalt des 
Sklaven zum ursprünglichen Qeldmaterial gemacht, aber niemals den 
Gnind nnd Boden, Solche Idee konnte nnr in bereits ansgebildeter 
bQrgerlicher Geeellschaft aofkommen. Sie datirt vom letzten Drittheil 
des 17. Jahrhnnderts und ihre Ansfflhmng, anf nationalem Massstab, 
wurde erst ein Jahrhundwt ep&ter in der bfirgerlicben Bevolntion der 
Franzosen versucht. 

In demselben YerbältiuBs, worin der Waarenanstansdi seine nur 
lokalen Bande sprengt, der Waarenwerth sich daher zur Hateriatnr 
menschlicher Arbeit Oberhaupt ausweitet, gebt die Geldform anf Waaren 
Ober, die von Natur zur gesellsebaftlichen Funktion eines allgemeinen 
Aeqnivalents tangen, auf die edlen Metalle. 

DasB nun, „ol^leiidi Gold und Silber nicht von Natur Geld, Geld 



lyGOOgIC 



von Natur Oold nnd Silber ist"**), sengt die Kongruenz ihrer Natnr- 
eigeDBchftften mit seinen Funktionen*^). Biaher kennen wir aber nnr 
die üne Funktion dee Geldes, als ErsctaeinnngBform des Woorenwcaihs 
IQ dienen oder als das Material, worin die WerthgrfisBen der Waaran 
sidi geeellficliaftlicb anadrDokeo. AdAqnate Ersebeinangsform von Werth 
oder Maiteriktnr abetrakter und dober gleicher menschlicher Arbeit kum 
nni üne Materie sein, deren sämmtliche Exemplare dieselbe gleichftr- 
mige Qnalit&t besitzen. Andrerseits, da der Unterschied der Werth- 
grOssen rein quantitativ ist, moss die Qeldwaare ran quantitativer 
Unterschiede fähig, also noch WillkOhr theilbor und ans ihren Theilen 
wieder zuBammmsetzbar sein. Gold nnd Silber besitzen aber diese 
Eigenschaften von Natnr. 

Der Gebranchswerth der Qeldwaare verdoppelt sich. Neben ihrem 
besondren Gebrauchswerth als Waare, wie Gold t. B. snm AoBstopfoi 
hohler Z&hne, Bohmatorial von Luxusartikeln u. s. w. dient, erh&lt sie 
tinen fermolen Gebrauchswerth, der ans ihren speäfischen geeelleäuft- 
lichen Fonktiooen entspringt. 

Da alle andren Waaren nur besondre Aeqnivalente des Geldes, 
das Geld ihr al^emeines Aequivalent, verhalten sie sieh als besondre 
Waaren zum Geld als der allgemeinen Waare **). 

Man hat gesehn, dasa die Geldform nur der an einer Waare fsat- 
hoftende Beflei der Beziehnngen aller andren Waaren. Dass Geld 
Woore ist *'•), ist also nur eine Entdeckung ffir den, der von seiner 



*■) Karl Hux 1. e. p. 135. „I metalli natanlmente moneta.*' 

(Galiani: „Della Moneta" in Cnstodi's Sammltug Parte Modems, t ni, p. 72.) 

**) Du NUkere darüber in meiner eben citirten Schrift, Abtchnitt: „Die 
edlen Metall«". 

") „n dauaro h la mötoe nniTanale." (Verri 1. c. p. 16.) 

*>) „SUver and gold tbenuelves, wUch we may call tij tbe gen«ral name 
of Bnllion, are . . . commoditieB . . . raiiing and falling in . . . roloe . . . 
Bnllion Uien may be reckoned to be of highei valua, where the amaller weight 
will porchase tho greater quanti^ of the prodnct oi mannfaotnre of the ooantrjr 
etc." („A DiBCOOTse of tbe General Kotiona of Money, Trade, and £xchan{re, 
aa tbey itand in relatione U> eadi other. By a Hnebant Lond. 1695", p. 7.) 
„^ver and gold, coined or unooined, tho' they are naed for a meaaa» <^ all 
other thinga, are no lea« a oommodit; than wine, oy], tobacco, oloth or atnO." 
(,pL Diacoorse oonoeming Trade, and tbat in partdoolar of the East-Indiee etc.* 



lyGOOgIC 



— 61 — 

fortigm Gestalt AOBgeht, um sie hinterher xa an&lyairen. Der äob- 
tatuohproceBa giebt der Wwre, die er in Geld TCTwandelt, nicht ihren 
Werth, Bondern ihre q)eeifi8che Werthform. Die Yerwedislnng bäder 
Beetimmnngen vwlmtete iaxa, den Werth von Qold nnd Silber fttr 
imagintr zn halten**). Wnl Geld in bentimmten Funktionen durch 
bloBse Zeichen seiner selbst ersetct veiden kann, entepnuig der andre 
Irrihnm, es sei ein blosses Zeichen. Andrerseits lag darin die Ahaong, 
dftss die Oeldform des Bings ihm selbst äusserlicb nnd blosse Erschei- 
mingsfonn dahinter verstackter menachlioher TerhUtnisse. In diesem 
Sinn vbe jede Waare ein Zeidken, weil als Werth nur aaobliche HftUe 
der aaf sie reiansgabtra manschliehen Arbeit"). Indem man aber die 



Loodon 1689", p. 2.) „The stock uid hohes of the kingdom cumot properlj 
be oonflned to mone;, nor ougbt gold and silver to be eiclnd^d from being 
marchuidiM." („The But ladia Trade a most Profitable Trade. London 
1677", p. 4.). 

**) „L'oro e l'argento baimo Tslore come matalli uiteriori all' easere mo- 
neta." (Galiani 1. c.) Locke lagt;: „Die allgemeine Uaberainstimmung der 
Uetuchen legte dem Silber, wegen seiner Qaalititen, die es zum Geld geeignet 
msebteD, einen imagin&ren Werth bei." Dagegen Law: „Wie könnten rer- 
aebiedne Nationen irgend einer Sache einen imaginären Werth geben . . . oder 
wie bitte lieb dieser imaginäre Werth erhalten kSnnen?" Wie wenig er aelbat 
aberTOn der Sache verstand: „Dai Silber taoacbte sich ana nach dem Gebrauchs - 
werth, den es hatte, also naoh seinem wirUioheo Werth; doicb aeiue Bettim- 
moug als Geld erhielt es einen znsobBsaigeD Werth (nne valeor addiUonnelle}." 
(Jean Law: „Conaidärationa bot le nnmeraiie et le commerce" in B. Daire'a 
Edit. der „Economistoa Financiers dn XTin. siede" p. 470.) 

*') „L'argent en (des denrees) eat le eigne." (V. de Forbonnsia: „Ele- 
ments da Commerce. Nonv. Edit Li?de 1766", t II, p. 148.) „Comme eigne 
il eat atürä par lea denreos," (1. o. p. 155.) „L'argent est nn aigne d'nne 
choae et la repriaente." (UontMqnien: „Esprit des Loia". Oenrres Lond. 
1767, t II, p. 2.) «L'argent n'eat paa simple dgne, car il eat lai-möme licheaae; 
il ne represente paa lea Talema, il le« eqoivant" (Le Trosne 1. c. p. 910J 
„Betrachtet man den Begriff dea Werths, ao wird die Sache selbst nnr als ein 
Zeichen angeaehn und sie gilt nicht als aie selber, sondern alawna aie werth 
iat.'' (Hegel 1. o. p. 100.) Lange tot den Oekonomea brachten die Joiiaten 
die VoratellaDg ron Geld ala bloaaem Zeichen nnd dem nur imaginiren Werth 
der edlen Metalle in Schwang, im Sykopbanten dienst der königlichen Gewalt, 
deren H&nZTeit&lachnngarecbt sie dsa ganae Hittelalter hindurch auf die Tradi- 
tionen dee Tömiachen Kaiserreictia ond die Galdbegiiffe der Pandekten atSIxten. 



lyGOOgIC 



— 62 — 

g^esellBchkftliehen Cbaraktere, welche Sachea oder die sachlichen Cha- 
raktere, welche geeellBdiaftliche BeBUmmongei) der Arbeit anf Qnind- 
lage einer bestimmten Produktion eweiae erhalten, fOr blosee Zeichffl, 
erklärt man (de zugleich fOr willkohrliches Befleiioneprodnkt der Um- 
sehen. Es war diees beliebte Anfkl&ninKsmanier des 18. Jahrhunderts, 
nm den r&thselhaften Gestalten mensdüicher Yerhältnisae, deren Ent- 
atehnngspioceaB man noch nicht entiüFern konnte, wenigstens vorl&nfig 
den Schein der Fremdheit abzustreifen. 

Es ward vorhin bemerkt, daas ^e Aequiralentform einer Waare 
die quantitative Beatimmnng ihrer WerthgrOsse nicht einschliesst, Wnss 
man, dass Gold Geld, daher mit allen andren Waaren nnmittelbar ans~ 
tauBchbar ist, so weisa man desswegen nicht, wie viel i. B. 10 Pf^nd 
Gold werth sind. Wie jede Waare kann das Geld seine eigne Werth- 
grOaae nnr relativ in andren Waaren ausdrücken. Sein eigner Werth 
ist bestimmt durch die zu seiner Produktion erhaschte Arbeitszeit und 
drückt sich in dem Quantom jeder andren Waare aus, worin gleieh- 
Tiel Arbeitezeit geronnen ist*^. Diese Festsetziing seiner relativen 
WerthgrOsse findet statt an seiner Produktionsqnelle in UDmittelbaron 
Tanscfahandel. Sobald es als Geld in die Cirkolation eintritt, ist smn 
Werth bereite gegeben. Wenn ee schon in den letzten Decennien des 

„Qu'ancnn pniBse ni doive faire doute", sagt ihr gelehriger Schüler, Philipp 
von T&Iois, in einem Dekret von 1840, „qae it nooa et ä notre majeste rojole 
n'appartienne aenlsmeDt . . . le mestier, le fait, l'etat, la proviBion et tonte 
rordonnuice des monnaiea, de donner tel eonra, et poor tel prii comme it 
noQB plait et bon none Hmble." Es war römisches Becbtedagma, dasa der 
Kaiser den Geldwerth dekretirt. Ea war anadTGoUich verboten, dos Geld als 
Waare zn behandoln. „Pecnnias vero nnlli emere fss orit, nam in tun publico 
conetitatas oportet dod esie mercem." Gote Aoseinanderaetziuig hierüber von 
O. P. Fagnini: „Saggio eopra ü ginsto pregio delle coie. 1751", bei Costodi 
Parte Uodema, t. U. Nsmentlicli im zweiten Theil der Schrift polemiairt 
Pagniui gegso dia Herren Joristen. 

") „If a mau can bring to London an ouice of lilver ont of the sarUi in 
Peru, in tbe same time that be can prodnce a boshel of com, theo one ii 
the natural price of the other; now if by reason of new and mors easier minei 
a man can pioonre two oances of silver ■• eaaUj aa he formerly did one, tha 
com will be aa ebeap at 10 ahillinga the bnabel, aa it wu before at 5 ahillinga, 
oaeterit paribns." William Fett;: „k Treatiae on Taiea and Contribntiona, 
Lond. 1667", p. 31. 



lyGOOgIC 



— 63 — 

17. Jahrbimderts wüt bberschrittner Äsfkng der G«ldaiial;8e, zu wissen, 
dMB Geld Waare ist, so aber anoh nur der Anfang. Die Schwierigst 
Hegt nicht darin zu begreifen, dass Qeld Waare, aondem wie, wann», 
wodnrch Waare Geld igt*"). 

Wir sahen, wie schon in dem einfachsten Wertbansdraclc, x Waare 
A = y Waare B, das Ding, worin die WertfagrOsse eines andren Dings 
dargestellt wird, seine AeqnlTalentfonn nnabbängig von dieser Bezie- 
hnng als geBellschaftUche Natureigenschaft zu besitzen scheint. Wir 
verfolgten die Befestigung dieses falschen Scheins, Er ist vollendet, 
sobald die allgnueine Aequivalentform mit der Natnralform einer be- 
sondren Waarenart verwachsen oder zor Oeldform krjstalliairt ist. 
Eine Waare scheint nicht erst Geld zu werden, weil die andern Waa- 
ren allseitig ihre Werthe in ihr darstellen, sondern sie scbdnen nm- 
gekehrt allgemein ihre Werthe in ihr - darzustellen, wöl sie Geld isL 
Die vermittelnde Bewegnng verschwindet in ihrem eignen Besultat nnd 
Ifiest keine Spnr znrfick. Ohne ihr Zuthnn finden die Waaren ihre 
eigne Werthgeetalt fertig vor als einen ansser nnd neben ihnen existi- 
randen WaarenkOrper. Diese Dinge, Gold nnd Silber, wie sie ans den 
Eingeweiden der Erde heranskommen, sind zi^leich die unmittelbare 
bikamation aUer menschlichen Arbeit. Daher die Magie des Oeldes. 
Das bloss atomistische Verhalten der Menschen in ihrem gesellschaft- 
lichen Frodnktionsprocess nnd daher die von ihrer Eontrole nnd ihrem 



**) Nachdem Herr PiofeMOi Koaob«r nna belehrt: „Die falschen Definitio- 
nen TOD Geld laaaen sich in zw^iHaoptgrappentheilen: solche, die es fQr mehr, 
nnd aolche, die es f&r weniger halten als eine Waaie", folgt ein knntarbnntor 
Katalog von Schriften über das Geldwesen, wodurch anch nicht die entfernteste 
Einaicht in die wirkliche Geschichte der Theorie doichsohimmert, und dann die 
Moral: „Zn leugnen ist übrigens nicht, dass die meisten neoeren NationalSko- 
nomen die Sigenthümlichkeiten, welche daa Qeld von andren Waaren ontei- 
acbeiden (aUo doch mehr oder weniger als Waare?) nicht genng imAnge be- 
halten haben . . . Insofern ist die halbmeikantüistische Keaktdon von Ganilh 
ete. nicht gani nnbegrflndet." (Wilhelm Boacber: „Die Grundlagen derNatiO' 
nalökoDomie. 3. Anfl. 1868", p. tI07— 10.) Mehr — weniger — nicht genug 
— insofern — nicht ganz! Welche BegrifEsbestinunnngenl und dergleichen 
•kiektische FrofessoraUkselei tauft Herr Boseher bescheiden „die anatomisch' 
phyiiiologiBcbe Methode" der politiachenOekonomie! Eine Entdeckung ist ihm 
jedoch geschuldet, nämlich, dass Geld „eine angenehme Waare" ist. 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 64 — 

indindoBllBii Thim mubhingige , sachliche 0«frUlt ibrer 
6ignen ProdnktionsTerlifiltaisBe erBchnnen ninfidiBt duin, Utas ihre 
Arbütsprodnkte al)|;emein die Waarenfonn uuehmen. Oae Bftthsel dw 
(MdfetiBchs iet daher nur das sichtbar gewordne, die Aogen blaadends 
BUhsel des Waarenfetischs. 



Drittes Kapitel. 
Ihn Geld oder die WasrendrkoUtion. 

1) Hafs der Werthe. 

Ich setze Oberall in dieser Schrift, der Veremlachniig halber, Ciold 
als die Oeldwaare voraus. 

Die erste Fnnktioi) des Goldes besteht darin, der Waarenwelt das 
Hatoial ihres Werthansdmcks zu liefern oder die Waaienwerthe als 
gleicbnunige GrCsaen, qualitativ gleiche und qnantitatir rerglächbare, 
darzustellen. So fanktionirt ee als allgemmnes Mass der Werthe nnd 
nnr dnrdi diese Funktion wird Qold, die apecifische Aeqnivalentwaan, 
zon&chst Gdd. 

Die Waareo werden nicht dnrch das Geld kommeosnrabel. um- 
gekehrt. Weil alle Waaren als Werthe Tergegenstftndliohto mraiach- 
liche Arbeit, daher an nnd fOr sich kommensnrabel sind, bOnnen sie 
ihre Wertbe gemeinschaftlich in derselben specifiscben Waare messen 
nnd diese dadnrcb in ihr gemeinschaftliches Wertfamais oder Geld ver- 
wandehi. Geld als Werthmab ist aotbwendige Erscheiiiaiigsform des 
immanontoi WerthmaTses der Waaren, der Arbeiteseit ">). 

"i Dia Frage, wunm das Geld nioht unmittelbar die ArbeitsEeit selbst 
repriBCDtirt, eo dasa z. B. eine Papiemote i Arbeitratnnden vontellt, kommt 
ganz einfach auf die Frage heraoa, warum auf Gmndloge der Waarenprodoktion 
die Aibeltoprodakte lieh als Waaten daratellen mttuen, denn die Dantellonir 
der Waare schliesst ihre Terdopplnng io Waare und Gsldwaare ein. Oder 
wamm Privatarbeit nioht ala onmittalbar geselleiahaftliehe Arbeit, als ihr G^ren- 
theil, behaadelt werden kann. loh habe den seiebteii ütopiamna eines „Arbeite- 
gelds" auf Gmndlage der Waarenprodnktion andenwo anifKbrlioh eiSrtart 



lyGOOgIC 



— 65 — 

Der WflTthaasdrack «ner Waare in Gold — i Waaie A ^ y 
Qsldwure — ist ihre Geldfontt oder ihr Preis. Eise voreinzelte 
Gleichung, wie 1 Tonne Eisen =• 2 Unzen Oold, genllgt jetzt um den 
Eisenwerth geaeUschafUich gflltig darznatellen. Die Glachnng brancht 
nicht länger in Beih nnd Glied mit den Werth^Ieichnngen der andren 
Waaren anfznmarschiren, weil die Aeqnivalentwaare, das Gold, be- 
reits den Charakter von Geld beutst. Die allgemeine relative Werthfbrm 
der Wsaren hat daher jetzt wieder die Geatalt ihrer nrsprOnglichen, ein- 
fachen oder einzelnen relativen Wnihform. Andrersnts wird der ent- 
faltete relative Werthansdmck oder die endlose Bäbe relativer Werth- 
ansdrOche zur speciflsch relativen Werthform der Geldwaare. Diese 
Beihe ist aber jetit schon gesellacbaftlich g^ben in den Waaran- 
preisen. Man lese die Quotationen eines Preisknrutts rfickw&rts and 
man findet die Werthgrösae des Geldes in allen möglichen Waaren dar- 
gestellt. Geld hat dagegen keinen Preis. Um an dieser einheitlichen 
relativen Werthform der andren Waaren tbeil zunehmen, mllsste es aof 
sich selbst als sein eignes Aeqnivalent bezogen werden. 

Der Preis oder die Geldform der Waaren ist, wie ihre Werth- 
form Dbeihanpt, eine von ihrer handgreiflich reellen Kfirperform nnter- 
schiedne, also nnr idedle oder vorgestellte Form. Der Werth von 
ßisen, Leinwand, Weizen n. s. w. existirt, obgleich nnsichtbar, in 
diesen Dingen selbst; er wird vorgestellt dnrcb ihre Gleichheit mit 
G-old, eine Beziehung zum Gold, die so zn sagen nnr in ihren KOpfön 
spnkt. Der Waarenh&ter mnss daher seine Zunge in ihren Kopf 
stecken oder ihnen Papierzettel umhängen, om ihre Preise der Anssen- 
welt mitzuthailen ^^). Da der Aasdruck der Waarenwerthe in Gold 

<1. c. p. 61 eqq.). Hier sei noch bemerkt, daaa z. B. das Owensche „Arbeib- 
geld" ebenRowenig „Geld" ist, wie etwa eine Theatermarke. Owen aetzt un- 
mittelbar vergeaellBehaftete Arbeit voraas, eine der WaarenproduktiDn diametral 
entgegengesetzte ProdnktiODaform. Daa ArbeitBcertiflkat konstatiTt nur den 
individnelleD Antbeil dea Frodueenten an der Gemeinarbeit und «einen indivi- 
duellen Änapmch anf den mr Eonaumtion beatimmten Theil des Gemeinpro- 
dukta. Aber ee ßUt Owen nicht ein, die Waarenproduktion voransinsetzen 
und dennoch ihre nothwendigen Bedingongon durch Geldpfaaohereieu nmgBbn 

") Der Wilde oder Halbwilde braucht die Zunge andere. Kapitain Pany 
bemerkt s. B. von den Bewohnern an der Westküste der BaHlnabaj: „In tbia 

HaiT. Kipltnl I. 5 



lyGOOgIC 



— 66 — 

idwU ist, M zn diessr Operation auch mir rorgeetetltee oder ideelles 
Oold anwendbar. Jeder WoarenhOter weise, du er seine Waaren 
noch lange nicht veiigoldet, wenn er ihrem Werth die Form des Preises 
oder Torgeatellte Goldfonn giebt, nnd daaa er kein Qnentchra wirk- 
liches Gold braucht am Millionen Waarenwerthe in Gold zn achätzen. 
In seiner Function dee WerthmaCsea dient das Qeld daher — als ntir 
Torgeetelltes oder ideelles Qeld. Dieser Umstand hat die tollsten 
Theorien Teranlasst '*). Obgleich nnr voigestelltea Geld znr Funktion 
des Werthmalses dient, hängt der Preis ganz vom reellen Oeldmaterial 
ab. Der Werth, d. h. das Qoantnm menschlichet Arbeit, das e. B. 
in einer Tonne Eisen enthalten ist, wird ansgedrfickt in einem vorge- 
stellten Qnantnm der Geldwaare, wdchea gleichviel Arbeit enthält. 
Je nachdem also Gold, Silber oder Knpfer znm Werthmab dienen, 
erh&lt der Werth der Tonne Eisen ganz verschiedne ProsansdrOcke, 
oder wird in ganz verschiednen Quantitäten Gold, Silber oder Enpfer 
vorgestellt. 

Dienen daher zwei verschiedne Waaren, z. B. Qold nnä Silber, 
gleichzeitig als WerthmaTse, so besitzen alle Waaren zweierlei v«-- 
eohiedne PreisansdrOcke, Goldpreise nnd Silberpreise, die ruhig neben 
einander laufen, so lange das Werthverhältniae von Silber zu Gold 
unverändert bleibt, z. B. = 1 : 15. Jede Veränderung dieses Werth- 
vertiältniases stArt abw das Terhältniss zwischen den Ooldpreisen nnd 



ciae (beim ProdaktensnBtanMh) .... the; licked it (the thing lepresun- 
ted to them) twice to their tongue«, after whicli thej leemed to conaider 
the bargain sstüEactorilj conclnded." Ebenso beleckte bei den öetlicben. 
EekimoB der Eintaiucher jedesmal den Artdbel beim Empfang desselben. 
Wenn die Zunge so im Norden als Organ der Aneignung, ist es kein Wnnder, 
dasa der Baach im Sudan als Organ des akknmalirten Eigenthnnu gilt nnd 
der Kaffer den Belchthom eines Hannes nach seiDem Fettwanst schätzt Die 
Kaffen sind gmndgeecbente Kerle, denn während der offieielle britische Oe- 
snndhüta- Bericht von 1864 den Mangel eines grosBen Theili der Arbeiter- 
klaase an fettbildenden Substanzen beklagt, machte ein Dr. Earve;, der 
jedoch nicht die Blntcirknlation erfunden bat, in demselben Jahre sein Glück 
daroh Pnff-Kecepte, die der Boargeeiue und Aristokratie FettQberflnsseaUst 
abzntieiben verspraohen, 

•^ Siehe Sari Man: Znr Kritik etc. „Theorie von der MaTBeiobeit de* 
Geldes" p. 58 sq. 



lyGOOgIC 



— 67 — 

den Silberpreisen der Waaren, nnd beweist so th&ts&chlich, dus die 
Verdopplung des WerUun&bes seiner Funktion mderepriclif ]. 

Die prelBbestimmten Waaren stellen sich alle dar in der Form: 
a Waare A = x Gold; b Wwire B = z Gold, c Waare = y 
Gold Q. s. w., wo .a, b, c beetiminte Hassen der Waarenarten A, B, 
C Torstellen, i, z, j beatinunte l£aasen des Qoldes. Die Waarenwertbe 
sind daher verwandelt in vorgeetellte äoldquanta von Terschiedner 
OrOsse, also, trotz der wirren Bnntheit der WaarenkSrper, in gleicb- 
nami^ OrCssen, GoldgrOssen. Als solche Terschiedne Qoldqnanta ver- 
gleichen nnd messen sie sich nnter einander, nnd es entwickelt Rieh 

H) Note ZOT 2. ADBg. „Wo Oold nnd SUI>er geeetslioh als Geld, d. h. 
als Werthmals neben einander bestehen, iat stets der vergebliche Terancb ge- 
macht worden, sie als eine nnd dieselbe Materie in behandeln. Dntentellt man, 
da»» dieselbe Arbeitszeit sieb nnverftnderlich in derselben Proportion von Silber 
and Gold vergegenstindlicben mnss, so onterstellt man in der That, dsas Silber 
□nd Gold dieselbe Materie sind, und dass eine bestimmte Hasse dee minder 
werthTolIen Metalla, dea Silbera, den nnveränderlichen Brochtheil einer bestimm- 
ten Goldmssse bildet Ton der Begiemng Edward's ItL bis xor Zeit von Georg II. 
verläaft sich dis Geschichte des englischen Geldwesens in eine fortlanfende Reihe 
von St&mngen, hervorgehend am der Kollision zwischen der gesetzlichen Fest- 
setzong des WerthTerhältnisses von Gold nnd Silber und ibran wiridichen Werth- 
Bchwankungon. Bald war Gold zu hoch gesohätit, bald Silber. Das zn niedrig 
geschätzte Metall wnrde der Cirknlation entzogen, nmgeschmolzen nnd eiporürt. 
Dse Werthverhältoifls beider Het^e wnrde dann wieder gesetzlich verändert, 
aber der uene Nominalwerth trat bald mit dem wirklichen WerthverhUtniss in 
denselben Konflikt wie der alte. — In unserer eigenen Zeit hat der sehr schwache 
and vorübergehende Fall im Werth von Gold gegen Silber, in Folge der indisch- 
chinMischen Silbemach&sge dasselbe Phänomen tat der grOBsten Stufenleiter 
in Frankreich erzeugt, Aosfabr von Silber nnd seine Vertreibung aas der Cir- 
knlation durch Gold. Während der Jahre 1855, ISSS, 1857 betrug der üeber- 
Bchnss der Goldeinfahr in Fiankreidi Über die Goldsosfahr ans Frankreich 
41,580,000 'S., während der Ueberschnss der Silberaoslnhr über die Sübeieinfnhr 
14,704,000 £. betrog. In der Thst in Ländern, wo beide Metalle gesetzliche 
Werthmarse sind, daher beide in Zablnng angenommen werden müssen, jeder 
aber beliebig in Silber oder Gold zahlen kann, trägt das im Werth steigende 
Metall ein Agio and misat wie jede andere Waare seinen Preis in dem über- 
sohatzten Metall, während letzteres allein als Werthmab dient Alle goschicht- 
liehe Ei&hmng in diesem Gebiet reduoirt sioh einfach darauf, dass, wo gesetz- 
lich zwei Waaren die Funktion des Werthmafses veneben, faktüch immer nur 
eine als solchee den FUtz behaoptet." (Karl März, 1. c p. 53, bS.) 



lyGOOgIC 



— 68 — 

tAchaisch die Nothwmdigkrtt sie auf ein fiiirtee Qaantnm Gold als 
ihre lUbeinhdt ra besiehra. Diese HarBÖnheit selbst wird durch 
wdtere EiDtheilm^ in aliquote Theile zum HafBatab fortentwickelt. 
Vor ihrer Qeldwerdong besitzen Gold, Silber, Enpfer bereita aolche 
HafsBt&be in ihren Ketallgewicbten, so das* z. B. ein Pfand als Hals- 
«nbeit dient, und nach der einen Säte wieder in Unzen a. s. w. ab- 
getheilt, nach der andrm in Centaer n. b. w. Ensammenaddirt wiid''V). 
Bei aller metallischen Cirknlation bilden daher die vorgeflindaien Namen 
des QewidhtemafbstabB auch die nrsprfinglichen Namen des Oeldmalb- 
stabs oder Hal^tabs der Preise. 

Als Mafs der Werthe nnd ak Hafeetab der Preise verrichtet das 
Oeld zwei ganz verschiedne Funktionen. MaTs du: Werthe ist es als 
die gwellBchaftliche Inkarnation der menschlichen Arb«t, HaliiBtab der 
Preise als tön feetgeeetztes Hetallgewicht. Als Werthmafs dient es 
dazn, die Werthe der bnnt Terschiednen Waaren in Preise zn ver- 
wandeln, in Toi^rcBtellte Goldqnanta; als Mafsstab der Prsiae misst es 
diese Goldqnanta. Am Mab der Werthe messen sich die Waaren als 
Werthe, der Mafsstab der Preise miset dagegen Goldqnanta an einem 
Goldqvantnm, nicht den Werth eines Goldquaninma am Gewicht des 
andren. Ffir den Mafsstab der Preise mnee an bestimmtes Goldgewicht 
als HaTseinheit fiiirt werden. Hier, wie in allen andren Mabbesüm- 
mnngen gleichnuniger Orössen, wird die Festigkät der Marsrerhältniase 
entscheidend. Der Halbstab der Preise erfOllt daher seine Funktion 
nm 80 besser, je nnTer&nderlicher ün nnd dasselbe Qnantnm Gold als 
Hateeinhoit dient. Als MaTs der Werthe kann Gold nur dienen, w^ 
es selbst Arbätsprodnkt, also der Möglichkeit nach ein Ter&nderlicher 
Warth ist"). 

**) Note IUI 2. Ausg. Die Sonderbarkoit, dasa die Dnze Gold in England 
aU Einheit des Geldmafsetaba nicht in aliquote Theile abgetbeilt ist, erklbt aioh 
wie folgt: „OUT coinag» was ori^all; &dapt«d to tbe emplojment of silver onlj 
— henee an onnee of ülTer «an alwajs bo dinded into a oertadn adeqnate ntim- 
b«i of piaoes of coin; bnt as gold wm introdnced at a later period into a coi- 
nage adaptod onlj to silTer, an onnce of gold cannotbacoined into an adeqnste 
nnmbei of pieoes". Maelaren: Hiatmy of tbe Cnrrency, p. 16. London 1868. 

") N. z. 2. Anig. In englischen Schriften ist die Eonfoaion Aber Mab der 
Werthe (meainre of Talos] nnd Mafistab der Proisa (atandurd of Talae)nDBlg- 
liäi. Die Fonktionsn und daher Um Namen werden beständig verwechselt 



lyGOOgIC 



— 69 — 

Ea üt Eonächat klar, daes ein Werttawechsel dee Goldee wine 
Fnnktian als MaTsstab der Preise in keiner Weise beeintr&chti^. Wie 
such der OoldwerÜi wechsle, verschiedne Qoldqnuita bleiben stets 
in selben WertliTerhiltmss zn einander. Fiele der Ooldwerth nm 
lOOO'/o, so würden nach wie vor 12 Unzen Oold 12 m^ mehr Werth 
iMBtzeu als eine Unu Oold, nnd in den Preisen handelt ea sich nur 
nm das Terh&ltaiss verschiedner Ooldquanta zu einander. Da andier- 
eeite eine ünie Oold mit dem Fallen oder Steigen ihres Werths keines- 
wegs ibt Gewicht ver&ndert, verändert sich ebenso wenig das ihrer 
aliqnoten Theile, nnd so thnt das Oold als fixer Halsstab der Preise 
stets denselben DimBt, wie immer sein Werth wechsle. 

Dot Werthwechsel dee Goldes verhindert auch nidit swie Fnhk- 
tion als Werthmab. Br triflt alle Waaren gleichzeitig, Usst also, cae- 
tois paribne, ihre wechselseitigen relativen Werthe nnveiändert, ob- 
gleich sie sich nnn alle in Uheren oder niedrigeren Goldpreisen als 
zuvor ansdiflcken. 

Wie bei der Danteltnng des Werths einer Waare im Gebiancha- 
werUi ii^^end einer andren Waare, ist anch bei der Sch&tzong der 
Waaren in Gold nnr voransgesetzt, daas zur g^benen Zeit die Pro- 
dnktion eines bestimmten Goldqnantnms ein gegebnes Qnantnm Arbeit 
kostet. In Bezog anf die Bew^nng der Waarenpreise flberhanpt gel- 
ten die frfiher entwickelten Gesetze des einfachen relativen Werth- 
aasdmcks. 

Die Waarenprnse können nnr allgemein steigen, bei _ glüchblei- 
bendem Geldwerth, wenn die Waarenwerthe steigen; bei gleichbleiben- 
den Waarenwerthen, wenn der Ocddwerth f&llt. Umgekehrt. Die Waaren- 
preise können nnr allgemein fallen , bei gleichbleibendem Geldwerth, 
wenn die Waarenwerthe fallen; bei gleichbleibenden Waarenwerthen, 
wenn der Geldwerth steigt. Es folgt daher keinesw^, daas steigender 
Geldwerth proportionelles Sinken der Waarenpreise nnd fallender Geld- 
werth proportionelles Steigen der Wauvnpröae bedingt. Dieses gilt nnr 
(Or Waaren von unverändertem Werth. Solche Waaren z. B., deren Werth 
gleichmftsaig nnd gleichzeitig stdgt mit dem Geldwerth, behalten diesel- 
ben Predse. Stägt ihr Werth Imgsamer oder rascher als der Geldwerth, 
so wild der Fall oder das Steigen ihrer Preise bestimmt durch die 
DilTerenz zwischen ihrer Werthbewegnng und der des Geldes n. s. w. 



lyGOOgIC 



— 70 — 

EÄhren wir dqd zur Betrachtung der Freisform znrDck. 

Die Geldntunen der Hetallgewichte trennen Bich nach nnd nach 
Tou ihren nrsprangliclien Oewichtnamen ans rerBchiednea Grfindm, 
darunter historisch entscheidend: 1) Einfllhmng fremde Geldes b^ 
minder entwickelten VOUem, wie z. B. im alten Born Silber- nnd OdM- 
mftnzen zneret als aiulfiiidische Waaren cirknlirten. Die Namen dieses 
fremden Geldes sind von den einheimischen Gewichtnamen verschiedm. 
2) Hit der Entwicklung des Beichthnma wird das minder edle Uetall 
dnrch das edlere ans der Funktion des Werthmalaee verdräi^, Kupfer 
durch Silbw, Silber dnrch Gold, so sehr diese Beihenfolge aller poe- 
tischen Chronologie widersprechen mag*^. Pfund war nun z. B. Qeld- 
name fOr ein wirkliches Pfand Silber. Sobald Oold das Silber als 
Werthmars verdrfingt, h&ngt sich derselbe Name viellücht an ein '/,5 
o. B. w. Pfand Oold, je nach dem Werthverh&ltniss von Gold nnd 
Silbw. Pfand als Geldname nnd als gewohnlicher Gewiditname des 
Goldes sind jetzt getmuit^^). 3) Die Jahrhonderte fortgesetzte Geld- 
ßlschang der POrstett, welche vom uisprfli^lichen Gewicht der Oeld- 
mOnzen in der That nnr den Namen zurDcklieBs^*). 

Diese historischen Processe machen die Trennung des Geldnamms 
der Hetallgewichte von ihrem gewöhnlichen Gewichtsnamen zur Volks- 
gewohnhdt. Da der Geldmafsatab einerseits rein konventionell is^ andrer- 
Beite allgemeiner Gflltigkeit bedarf, wird er zuletzt gesetzlich regnlirt. 
Ein bestimmter Gewichtstheil des edlen Metalls, z. B. üne Dnze 
Gold, wird offtciell abgetheilt in aliquote Theüe, die l^ale Tanfnamui 
«■halten, wie Ffund, Thaler u. s. w. Solcher aliquote Theil, der dann 
als die eigentliche Malseinheit des Geldes gilt, wird nntergetheilt in 
andre aliquote Th^le mit gesetzlichen Taufoamen wie Shilling, Penny 



**) Sie ist übrigens auch nioht von allgemein historischer Gültigkeit. 

■^ Note Eur 2. Ausg. So beiei^uet dH engliicbe Ffnnd weniger als ein 
Drittel Mines nrepTOngltohen Gewichts, da« echottisehe Pfand vor der Union nur 
noch Vh> ^^r fraDiCuBche Livre '/,,. der spamsche Uaravedl weniger ab '/im«> 
der portugieuBChe Bei eine noch viel kleinere Proportion. 

*^ Not« Eur 2, Ausg. „Le monat« le qaali oggi sono ideal! sono le pin 
antiohe d'ogni nazione, e tatte faroao un tempo reali, e perohft erano leali oon 
esse li oontava." (Galiani: Della Honeta 1. c. p. 158.) 



lyGOOgIC 



— 71 — 

«tc. "'). Nach wie vor bleiben beetbnmte Metallgewichte M^sstab des 
Metaltgeldee. Was Bich geändert, ist Eintheilung und Namengebnng. 

Die Preise, oder die Goldqnanta, worin die Werttae der Waaran 
ideell verwandelt sind, werden jetzt also ansgediUckt in den Qeld- 
namen oder geeetzlich gOltigen Bechramamen des Goldmabstabs. Statt 
also zn sagen, der Qnarter Weizen ist gleich einer Unze Gold, wtkrde 
man in England sagen, er ist gleich S £. 17 sh. loVi ^- ^^ Waaren 
sagen sich so in ihren Qeldn&men was sie werth sind, nnd das Geld 
dient als Bechengeld, so oft es gilt eine Sache als Werth nnd daher 
in Geldform zn fiziren'"). 

Der Name einer Sache ist ihrer Nator gans änsserlich. Ich weiss 
nichts vom Menschen, wenn ich weiss, daas an Mensch Jacobns hdest 
Ebenso verschwindet in den Geldnamen Fftind, Thaler, Franc, Dnkat 
n. B, w. jede 8pnr des WerthysThältnisses. Die Wirre ober den Ge- 
heimsinn dieser kabbaÜstiBchen Zrächen ist nm so grteser, als die Geld- 
namen den Werth der Waaren nnd zugleich aliquote Theile ünes Metall- 
gewichte, des Geldmabstabs, ansdrbcken *^). Andrerseits ist ee noth- 
wffiidig, dasB der Werth im Vaterschied von den bnnten Körpern der 



") Note im 2. Aiug. Heu David ürqohart bemerkt in Boinen „Familiär 
Woids" Qb«T du Üngeheneiliohe (1), dua hent zu Tage ein Pfand (■£. 8t), 
die Einheit das englischen GeldmaTeatabs, ^aioh nngefUirVt ^nie Qoli ist: 
„This ie falüfTing » meamire, not ettablishing a Standard." £i findet in die- 
ser, „falschen Benennung" des Goldgewiohts wie flberall eonet die aiaobende 
Hand der Civüisation. 

■*) Note zur 2. Aoag. „Als man den Anaohania fragte, wein die Hellenen 
da* Geld branohen, antwortet er: zum Bechnea" (Athen. Deipn. I. lY, 49 
V. 3. ed. Schweigh&oaer, 1802.) 

*■) Note X. 2. Ansg. „Weil das Geld als Hafutab der PreJae in denielben 
Becbennamen enoheint, wie ^e Waarenpreise, alio t. B. eine TJnie Gold eben 
MWohl wie der Werth einer Tonne Eisen in S .£. 17 sh. 10'/, d. ansgedrOokt 
wird, bat man diese seine BeohennaraenieinenMünzpreis genannt Diewonder- 
Uche Tontellnng enetand daher, als ob da« Gold (reap. Silber) in Minen eig- 
nen Material geiohfttat werde, nnd im unterschied von allen Waaren vonStaata- 
wegen einen fixen Frais erhalte. Man versah die Fixinng von Keehennamen 
bestimmter Goldgewiobte fOi Fixinng des Weitha dieaer Gewichte." (Karl 
Man, 1. e. p. 52.) 



lyGOOgIC 



~ 72 — 

Waarenwelt sich zu dieser b^riffalos Bachllcheii, aber auch einfach 
geaellBctLafUiclien Form fortentwickle*'}. 

Der Preis ist der Geldname der in der Waare yerg^egenständlichten 
Arbeit. Die Äeqnivalenz der Waare und des CieldqDantiiiQs , dessen 
Kune ihr Preis ist, ist daher eine Tantalogie"X ^^ j^ flberhaopt 
der relative Werttaatisdrack einer Waare stets der Ausdmclc der Ae- 
quivalenz zweier Waaren ist. Wenn aber der Preis als Exponent der 
WerthgröBse der Waare Exponent iliree Anstaoaäiverh&ltnisBee mit Qdd, 
so folgt nicht omgekebrt, duss der Exponent ihres AnstanschTerhältniSBes 
mit Qeid nothwendig der Exponent ihrer Werthgrösae ist. OeseUschaftlich 
nothweodige Arbeit von gleicher GrOsse stelle sich in 1 Qnaiter Weizen 
nnd in 2 Pfand Si (nngeßhr Vt ^^^^ ^^^) ^^r. Die 2 Pfnnd 8t. 
sind Oeldansdmck der WerthgrOsse des Qnarter Weizens, oder sein 
Preis. Erlauben nnn die -umstände, ihn zn 8 Pfund St., oder zwingen 
sie ihn zn 1 Pfd. St. zn notiren, so sind 1 Pfd. St und 3 Pfd. St. 
als Ansdrbcke der Werthgröase des Weizens zn klön oder zn gross, 
«ber sie sind dennoch Prdse desselben, denn erstens sind sie seine 
Werthform, Oeld, nnd zweitens Exponento seines AnstaaschTerhältnissea 
mit Geld. Bei gleichbleibenden ProdnkÜonsbedingnngen oder gleich- 
bleibender Frodnktivkraft der Arbeit mnss nach wie vor zur Bepro- 
dnktion des Qnarter Wtizen gleich viel gesellschaftliche Arbeitszdt 



") Vergl. „Theorien von der Marseiiibeit dea Geldes" in ,,Ziit Kritik 
der pol. Oekon. et«.", p. 63 eqq. Die Phantasien über ErliÖhnng oder Er- 
niedrignos des „HünzpreiseB", die darin besteht, die gesetzlichen GeldnameD 
fEir gesetzUcb fliirte Gewiebttheile Gold oder Silber auf grössere oder kleinere 
GQwiohttheile von Staatewegen zn Bbertrsgen and domgemäBB aach etwa '/^ Unze 
Gold statt in 20 künftig in 40 sb. zu prägen — diese Phantasien, soweit aie 
nicht UDgescbickte Finanzoperatianen gegen Staats- und Privatglftubiger, sondern 
Skouomiache „Wnudeikoien" bexwecken, hatPettf so erscbQpfend behandelt in 
„QnantnlDmcamqDe concening Monej. To the Lord Ifaiquis of Halifax. 1682", 
dass schon seine onmittelbaren Nachfolger, Sir Dndlej North und John Locke, 
von Spfiteren gar nicht zu reden, ihn nur verflachen konnten. . Jf the wealth 
of a natjon", sagt er n. A., „could be decupled by a Pioolamation , it were 
stränge that such proclamations have not long since beeu made bj oar Govemors." 
(L c p. 36.) 

**) „On bien, il fantconsentirä dJreqn'one valeur d'nn million en argent 
Taut plns qn'nne valenr egale en marchandises." (Le Trosne 1. c. p. 922), 
also „qo'nne valeur »ant plns qn'nne Tslenr egale." 



lyGOOgIC 



— 73 — 

TSraosgabt werden. Dieser ümsUnd hBagt vom Willen weder des 
WazenpTodscoiten noch der andren Waarenbeeitzer ab. Die Werth- 
^rßase der Waare drfickt also ein nothwendigea, ihrem Bildnngsprocess 
imnuuieiitea VerhUtniss lur geeellBchaftlichen Arbeitszeit ans. Hit der 
Terwandlnng der WerthgrOese in Freie erscheint diese nothwendige Ver- 
hUtniss als AnstanschTerhUtnisB einer Waare mit der ansser ilir eii- 
stirenden Qeldvaare. In diesem Verb&Itnks kann sich aber ebenso- 
wohl die WerthgTÜsae der Waare anedrAcketi, als das Hehr oder Minder, 
worin de nnter g^;ebnen Umständen Ter&neserlich ist. Die Möglich- 
keit quantitativer Inkongruenz zwischen Preis und WertfagrOsse, oder 
der Abweichung des PtÖBes von der WerthgrSBse, U^ also in der 
Preisfbrm selbst. Es ist dies kein M&ngel dieser Form, sondern macht 
rie nmgekehrt zur adäquaten Form einer Produktionsweise, worin 
sich die Begel nur als blindwirkendea Durchschnittegesets der Begel- 
loeigkeit durchsetzen kann. 

Die Freisform Ueet jedoch nicht nur £e Möglichkeit quantitativer 
Inkongruenz zwischen WerthgrOese und Preis, d. h. zwischen der WerÜi- 
grOsse nnd ihrem ägnen Oeldansdrack zu, sondern kann einen qua- 
litativen Widersprach beherbergen, so daas der Preis überhaupt auf- 
bort, Werthausdmck zu sein, obgleich Geld nnr die Werthform der 
Waaren ist. Dinge, die an und fttr sich käne Waaren sind, z. B. Qe- 
wissen, Ehre n. s. w., kOnnen ihren Besitzern für Geld feil sein und 
HO durch ihren Preis die Waarenform erhalten. Ein Ding kann daher 
formell einen Präs haben, ohne einen Werth zu haben. Der Preis- 
ansdmck wird hier imaginir, wie gewisse QrCssen der Mathematik. 
Andrerseits kann auch die imaginäre Preisfonn, wie z. B. der Preis 
des uBknltiTirten Bodens, der keinen Wertii hat, weil keinä mensch- 
liche Arbeit in ih^ Tei^genst&ndlicht ist, ein wirkliches Werth- 
Terh&ltoiBS oder von ihm abgeleitete Beziehung verbergen. 

Wie die relative Wertbfonn Qberhanpt, drückt der Preis den Werth 
einer Waare, z. B. einer Tonne Eisen, dadurch aus dass ein be- 
stimmtes Qoantnm Äequivalent, z. B. eine Unze Gold, unmittelbar aus- 
tauschbar mit Eism, aber könesw^s umgekehrt, dass seinerseits das 
i^sen unmitt«lbar austauschbar mit Gold ist. Um also praktisch die 
Wirkung eines Tauschwerths ausznQben, muss die Waare ihren natflr- 
lidien Leib abstreifen, sich ans nur vorgestelltem Gold in wirkliches 



lyGOOgIC 



— 74 ~ 

Gold verwandeln, obgleich diese Tranasnbatantiation ilir „sanrer" an- 
kommen mag als dem hegel'schen „Begriff" der Uebe^^ng ans der 
Notbwendigkeit in die Freiheit oder unem Hummer das Sprmgen seiner 
Schale, oder dem Kirchenvater HieronymoB das Abstrafen des alten 
Adam'*). Neben ihrer reellen Qeetalt, Eisen z. B., kann die Waare 
im Preis ideelle Werthgestalt oder vorgesteUte Qoldgestalt besitzen, 
aber sie kann nicht zogleich wirklich Eisen und wirklich OÖld sein. 
Fftr ihre Prei§gebang genflgt es, Torgeetelltes Gold ihr glmchEnBetzm. 
Bnrch Gold ist sie zn ersetzen, damit sie ilirem Besitzer den Dienst 
eines a^emeinm AeqniTalents leiste. Träte der Besitzer des EiBms 
z. B. dem Besitzer einer weltliiB%en Warne gegenüber, und verwiese 
ihn anf den Eisenpräs, der Geldfonn sei, so würde der Weltlustige ant- 
worten, wie im Bimmel der heilige Petrus dem Dante, der ihm die 
Glanbensformeln hergesagt: 

„Ahui bene e tragcorsa 
D'eata monat« giä Ift lega e'I peso. 
Üb dimmi ee tn l'hai oella toa borsa." 
Die Frräsform schliesst die Veränsserlichkeit der Waaren gegen 
Geld nnd die Nothwendtgkeit dieser Ter&nssening ein. Andrersats 
fhnktiooirt Gold nnr als ideelles Werthmab, well es sich bereits im 
Anstanschprocese als Geldwaare nmtreibt. Im ideellen Mab der Wertbe 
lauert daher das harte Geld. 

2. Cirknlationsmittel. 

a) Die Metamorphose der Waaren. 

Man sah, dass der AnstanschprocesB der Waaren widnsprechende 

and einander aosschlj essende Beziehnngen «nschliesst. Die Entwicklung 

der Waare hebt diese WidersprQche nicht auf, schafft aber die Form, 

worin sie sich bew^rsn kOnnen. Diees ist tiberhanpt die Methode, wo- 



**) Wenn Hieronjmiu in seiner Jagend viel mit dem materiellen fleisch 
IQ ringen hatte, wie sein Wüstenkampf mit eebönen Franenfatldem leigt, so im 
Alter mit dem geistigen Fleisch. „loh glanbte mich", sagt er i. B., „im Geist 
vor dem Weltrichter. „Wer bist da?" fragte eine Stimme. „Tch bin ein Christ." 
«,Dn IQgst", donnerte der Weltriohtet. „Du bist nur ein Cieeronianerl" 



lyGOOgIC 



durch sich wirkliche WidereprOche lOaen. Es ist z. B. (nn Wider- 
sprach, dasa ein Eßrper beständig in einen andren fillt tmd eben so 
bestftndig tod ihm weg flieht. Die Ellipse ist üne der Bewegongs- 
formen , worin dieser Widersprach sich eben so sehi verwirklicht 
als 19st 

Soweit der Austanschprocess Waaren aoe der Hand, worin sie 
Nicht-GebrancfaBwertho, in die Hand flbertrfigt, worin sie Qebranchs- 
wertbe, ist er geseUschaftlicher Stoffwechs^. Bas Produkt einer nflti- 
lichen Arbeitsweise ersetzt das der andr«i, Einmal angelangt znr 
Stelle, wo sie als Gebranchawerth dient, tSlli die Woare in die Sph&re 
der EoaBomtion ans der Spfa&re des Waarenaoetanscha. Letitre allein 
interessirt nns hier. Wir haben also den gansen Process nach der 
Pormseite xu betrachten, also nur den Formwechael oder die Meta- 
morphose der Waaren, welche den gesellschaftlichen Stoffwechsel Ter- 
mittelt 

Die durchaus mongelliafte Anffasenng dieses Pormwechsela ist, 
abgesehn Ton Unklarheit Über den WerthbegriS selbst, dem Umstand 
geschuldet, dass jeder Fonnwechsel «ner Waare sich vollzieht im 
Anstansch zwüer Waaren, dner gemeinen Waare und der Geldwaare. 
H&lt man an diesem stofflichen Moment, dem Auatansch von Waare 
mit &old, allein fest, so «bersieht man grade, was man sehn soll, 
n&mlich was sich mit der Form zuträgt. Man flbersieht, dass Oold 
als blosse Waare nicht Geld ist, nnd dass die andrsn Waaren ach 
selbst in ihren Preisen auf Oold als ihre eigne Oeldgestalt beziehn. 

Die Waaren gehn znnächat nsvergoldet, nnverznckert, wie der 
Kamm ihnen gewachsen ist, in den Aostanschprocess ein. Er prodncirt 
eie Terdopplnng der Waare in Waare nnd Geld, einen äusseren G^en- 
satx, worin sie ihren immanenten Gegensatz von Oebranchsnerth nnd 
Werth darstellen. In diesem Gegensatz treten die Waaren als Ge- 
brancbswerthe dem Geld als Tanscbweith gegenüber. Andrerseits 
sind beide Seiten des G^ensatzee Waaren, also Einheiten von Oe- 
branchswerth nnd Werth. Aber diese Einheit von Unterschieden stellt 
sich anf jedem der briden Pole nmgekebrt dar nnd stellt dadurch 
zagleich deren Wechselbeiiehnng dar. Die Waare ist reell Oebranchs- 
werth, ihrWerthsein erscheint nnr ideell im Preis, der sie anf das gegen- 
Qberstehende Guld als ihre reelle Werthgestalt beiieht. ümgekdirt 



lyGOOgIC 



gilt das Ooldmaterial nar als WerthmateriKtiir, Geld. Es ist reell daher 
Taoachwerth.' Sein Gebranchswerth eiscbeint nni noch ideell in der 
Buibe dei relativen Werthansdrücke, worin es sich auf die gegmflbcr- 
Btehendea Waaren als den ümkreifi scdner reellen Gebranch^reetalten 
bezieht. Dieae gegensHtEliclien Formen der Waaren sind die wirk- 
lichen Bew^angsformen ihres ÄostanschproceaseB. 

B^leiten wir nnn irgend einen Waarenbesitzer, iinaten altbekann- 
ten Leinweber z. B., znr Scene des ÄnstanBchproceeseB, dem Wa&rm- 
markt. 8(äne Waare, 20 Elloi Leinwand, ist preisbestimmt. Ihr 
Preis ist 2 Pfd. St. Er tanscht m ans gegen 2 Pfd. St., und, Mann 
Ton altem Schrot und Korn, tanscht die 2 Pfd. St. wieder ans gegen 
eine Funillenbibet vom selben Preis. Die Leinwand, für ihn nnr 
Waare, Werthträger, wird entäussert gegen Gold, ihre Wertbgestalt, 
nnd ans dieser Gestalt rflckverftusBert gegen eine andre Waare, die 
Bibel, die aber als Gebrauchsgegenstand in's Weberbaus wandern and 
dort Erbaunngebedtrftiisse befriedigen soll. Der Anstaaschprocess der 
Waare vollzieht sich also in zwei entgegengesetzten und einander er- 
gänzenden Metamorphosen — Verwandlnng der Waare in Geld nnd 
ihre Bflckverwandlung aus Geld in Waare '^). Die Momente der 
WaarenmetamorphoBe sind zugleich H&ndel dee WaarenbeBitzerg — 
Verkauf, Änstaoach der Wature mit Geld; ^nf, AostsnBcb dee Gelds 
mit Waare, nnd Einheit beider Akte: Verkaufen nm zn kanfen. 

Besieht Bich der Leinweber nun das Endresultat des Handels, so 
besitzt er Bibel statt Leinwand, statt seiner ursprünglichen Waare 
eine andre vom selben Werth, aber verschiedner Nfltzlichkeii In 
gleicher Weise eignet er üch eeine andren Lebens- nnd Produktions- 
mittel an. Von seinem Standpunkt Termittelt der ganze Proceae nur 
den Anstansch seines Aibtttsprodnkts mit fremden Arbeitqirodnkt, den 
Prodoktenanstansch. 



**) „'£x fi raü .... niipof äyja/Äilßiv^tu nüna, tptioiy ä 'RqäxXuros, 
xai jtifj dnävtay, äsntg j[fveov jFQiifiaia xai jrgiifiiztt/v jf^fföf,' (F, Lu- 
ulle: „Die Philosophie Herakleitoa du Dtukeln. Berlin ll^SS", Bd. I, p. 233.) 
LaMolle's Note zn dieser Stelle, p. 224, n. 3, erklärt du Geld unrichtig für 
blosses Werth X eichen. 



lyGOOgIC 



Der Austaiuchprooess der Woare vollzieht sich also in folgendem 
Formwochsel: 

Waare — Geld — Waare 
W — G — W. 

Kaeh ihron stofflichen Inhalt ist die Bewegung W — W, Ana- 
tanach von Waare gegen Waare, Stoffwechsd der geflellBchafUichen 
Arbeit, in dessen Besoltat der Ptocosb selbst erlischt. 

W — Gr. Erste Metamorphose der Waare odw Yerkanf. Das 
TTehfflvpringen des Waarenwerths ans dem Waarenleib in den Qold- 
leih ist, wie ich es anderswo bezeichnet, der salto mortale der Waare. 
MiBslingt er, so ist zwar nicht die Waare geprellt, vohl ahei der 
Waarenbeeitzo. I^ gesellschaftliche Theilnng der Arbeit macht seine 
Arbeit ebenso einseitig als Hüne Bedürfiufise vielseitig. Eben dees- 
wegen dient ihm sein Produkt nnr als Tanschwerth. Allgemeine ge- 
sellschaftlich gOltige AeqniTBlentform erhält es aber nnr im Geld nnd 
das Geld befinde räch in iremder Tasche. Um es heransznziehn, 
mnss die Waare vor allem Gebranch Bwerth fOr den Geldbesitzer sein, 
die anf sie verausgabte Arbeit also in gesellschaftlich nfitslicher Form 
veran^abt sein oder sich als Glied der geseUschaftliehen Theilnng 
der Arbeit bewfthren. Aber die Theilnng der Arbeit ist ein natnc^ 
wüchsiger Prodaktionaorganiamns , dessen F&den hinter dem BQckm 
der Waarenproducent^n gewebt wnrden nnd sich fortweben. Vielleicht 
ist die Waare Produkt einer neuen Arbeitsweise, die ein neu anf- 
gekonunenee BadOrfniss zu befriedigen vorgiebt oder aaf eigne Fanst 
ein BedUrfiÜBB erst hervorrufen will. Gestern noch eine Funktion 
unter den vielen Funktionen eines und desselben Waarenprodncenten, 
reisst sich eine besondre Arbeitsverrichtnng heute vielleicht los von 
diesem Zusammenhang, verselbständigt sich nnd schickt eben dess- 
wegen ihr Theilprodnkt als selbständige Waare zu Markt. Die um- 
stände mflgen reif oder unreif Bein iüi diesen Scheidangsproeass. Das 
Prodnkt befriedigt heute ein geeellschaftUchee Bedfirfhiss. Morgen 
wird es vielleicht ganz oder theilweise von einer ähnlichen Produkten- 
art aus seinem Platze verdrftngt. Ist anch die Arbeit, wie die nnsres 
Leinwebers, patentirtee Glied der gesellscbafUichen Arbeitstheilung, 
B« ist damit noch keineswegs der Gebrauchawerth grade seiner 20 
EUen Leinwand garsntiri Wenn das gesell Bchaflliche Bedürfniss für 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 78 — 

Iiunwuid, und es liat Bein Hab, wie alles andre, berate dnrcb 
nebenbnMerieche Leinweber geefitti^ ist, wird du Prodnkt unsrea 
PranndeB DberscliOesig , aberflOseig nnd damit nntzlos. Einem ge- 
schenkten Gaul üebt man uicbt ins Haol, aber er beschreitet nicht 
den Harkt, um Pr&sente sä machen. Qeeetzt aber der Q«braachs- 
werth seines Prodnkts bewähre sich nnd Öeld werde daher angezogen 
von der Waare. Aber nun fragt sicb's, wie viel Otld? Die Antwort 
ist allerdings säion anticipirt im Preis der Waare, dem Exponenten 
ihrer WerthgrOBse. Wir sehn ab von etwagen rön snbjektiTen Bechen- 
fehlem des Waarenbeaitzera, die anf dem Markt sofort objektiv korri- 
^rt werden. Er soll auf sein Produkt nnr den gesellBOhaftlich noth- 
wendigen Dorchscbnitt Ton Arbeitszeit reransgabt haben. Der Preis 
der Waare ist also nur Qeldname des in ihr vergegenstbidlichten 
Qnantnms gesell schaftlicher Arbeit. Aber ohne Erlanbniss nnd hintw 
dem RDcken nnsres Leinwebers geriethen die altrer bürgten Frodnk- 
tionsbe^ngungen der Leinweberei in QUimug. Was gestern zweifels- 
ohne geeeUsehaftlJch nothwendige Arbeitszeit zur Produktion einer Ella 
Leinwand war, hört hente anf es zn sein, wie der Geldbesitzer ei&igst 
demonstrirt aus den Pr^sqnotationai Terechiednei Nebenbnhier 
nnsree Frenndes. Zn sdnem ünglKck giebt'a viele Weber anf der 
Welt. Gesetzt endlich jedes aof dem Harkt rorhandne Stflck L«n- 
wand enthalte nnr gesellschaftlich nothwendige Arbeitszeit. Trotz- 
dem kann die (ksammtsnmme dieser Stücke Qber808sig veransgabte 
Arbeitszeit enthalten. Vermag der Marktmagen das Gesammtqnantnm 
Lonwand, znm Normalpreis von 2 Sh. per Elle, nicht zn absorhitvn, 
so beweist das, dass ein zn grosser Theil der gesellscbaftllcben Ge- 
sammtarbeitszeit in der Fonn der Leinweberei veranagabt wnrde. Die 
Wirkung iat dieselbe als hUte jeder «nielne Leinweber mehr als dl« 
gesellsch^tlich nothwendige Arbeitszeit anf sein individnelles Produkt 
verwandt. Hier heisst's: Mitgefangen, mitgehangen. Alle Lmwand 
anf dem Markt ^t nur ala Ein Handelsartikel, jedes StDck nnr als 
aliquoter Theil. Und in der That ist der Werth jeder individuellen 
Elle ja auch nnr die Hateriatur desselben geseUschaftlich bestimmten 
Quantums gleichart^^ menschlicher Arbeit. 

Htm sieht, die Waare liebt das 0«ld, aber „the eonrse of tine 
love rang nerer smooth." Ebenso natnrwflchBig nfiUlig. wie die qna- 



lyGOOglC 



— 79 — 

litatire, ist die qnantitaÜTe Gliedenuig doB geaellscbaftlichrai Prodnk- 
tionsorganiBmnB, der seine membra disjecta im System der Theilnng 
der Arbeit dATstdlt. UnBere Waarenbesitzer entdecken daher, üaaa 
disselbe Theilnng der Arbeit, die sie zu unabhängigen PriTatprodn- 
centen, den geaellechaftlichen Produktioneprocees and ihre Verh&ltiiiBse 
in dieeem Proceee von ihnen eelbet nnabhäng^ macht, dase die Un- 
abhängigkeit der Personen tod einander sich in einem System allsoi- 
tiger sachlicher Abhängigkeit ergänzt. 

Die Theilnng der Arbeit vsTwaadelt das Arbeitsprodukt in Waare 
und macht dadurch stiie Verwandlnng in Geld nothwendig. Sie macht 
es mgleicb znAllig, ob diese Transanbetantiation gelingt Hier ist 
jedoch das Phänomen rün in betrachten, sein normaler Voi^ng also 
Toransznsetzen. Wenn es Übrigens Qberhanpt vorgeht, die Waare 
also nidht nnverkänflich ist, findet stets ihr Formwechsel statt, ab- 
gleich abnormal in diesem Formwechsel Substanz — Werthgiösse — 
eingebfisst oder zugesetzt werden mag. 

Dem einen Waarenbesitzer ersetzt Gold seine Waore nnd dem 
andren Woare sein Gold. Das sinni&üige Phänomen ist der Hände- 
oder Stellenwechsel von Waare und Gold, von 20 Ellen Leinwand 
nnd 2 Pfd. St., d. h. ihr Anstansch. Aber womit tauscht sieb die 
Waore ans? Mit ihrer eignen allgemeinen Werthgestolt. und womit 
das Gold? Uit einer besondren Gestalt sein« Gebrauchsweiths. Warum 
tritt Gold der Leinwand als Geld gegeuflber? Weil ihr Preis 
von 2 Pfd. St. oder ihr Geldname sie bereits auf Oold als Geld 
bezieht. Die Entänsserung der nrgprtlnglichen Waarenform vollzieht 
üch dnrch die Veränssemng der Waare, d. h. in dem Augenblicke, 
wo ihr Gebrauchewerth das in ihrem Preis unr vorgestelltn Gold 
wirklich aozieht. Die Bealisimng dee Preises oder der nur ideellen 
Werthform der WaaA ist daher zugleich nmgekehit Bealisining des 
nur ideellen Gebrauchswerths des Geldes, die Verwandlnng von Waare 
in Geld zng'leich Verwandlung von Geld in Waare. Der eine Proeess 
ist zweiseitigef pTOcees, vom Pol des Waarenbesitzers Verkanf, vom 
Gegenpol des Geldbesitzers Kauf. Oder Verkauf ist Kauf, W — G 
zugleich G — W»*). 

**) „Tonte vente Mt achit" (Dr. Qaeana;: „DiatogasB rar le Commeroe 
et les Travanx des Aitiwiu". Phydocntes. ed. Daire, I, Partie, Paris 1846, 



lyGOOgIC 



Wr kennm bisher kein fikonomiMhea TerliUtnisa der H«iiaolien 
ansaer dem tob Waare&besitiem, ein TerhUtnisB, worin sie firtandes 
Arbeitepiodnkt nur aneignen, indem sie eignes ent&emdea Einen 
Waarenbesitsier kann dw andie daher nur als Oflldbeeitier gegeoabw- 
treten, entweder wöl sün AxbeitsprodnU too Nator die Geldform 
besitzt, also Qeldmaterial ist, Gold n. s. w., oder w«L seine «gne 
Waare sicli bereits geh&ntet und ihre nrsprfingliche Gebranehsform 
abgestreift hat. Um als Geld m ftmUdoniren, muss das Gold uatflr- 
licb OD irgend einem Punkt in den Waarenmarkt eintreten. Dieser 
Ponkt liegt an BÖner Prodnktionsqnelle, wo es mch als unmittelbares 
Arbeitsprodukt mit andrem Arbeitsprodukt ron demselben Werth ans- 
taoscht. Aber von dieaem Augenblick stellt es best&ndig realisiite 
Waarenpreise vor''). Abgesehn vom Austausch des Golds mit Waare 
an seiner Prodnctionsquelie, ist das Gold in der Hand jedes Waaren- 
besitzers die entänsserte Gestalt seiner Terftosaertoi Waare, Produkt 
des Verkaufe oder der ersten Waarenmetamoiphoee W — G**). Ide- 
elles Geld oder Werthmafs wurde das Gold, weil alle Waaren ihre 
Werthe in ihm mafsen und es so zum vorgestellten Gegentböl ihrer 
Gebranchsgestalt, zn ihrer Werthgeetalt machten. Beelles Geld wird 
es, weil die Waaren durch ihre allseitige Ver&usBerung es >n ihrer 
wirklich ent&usserten oder verwandelten Gebranchsgestalt nnd daher 
zn ihrer wirklichen Werthgestalt machen. In ihrer Werthgestalt streift 
die Waare jede Spar ihres natnrwfichaigen GebraachswertiiB und der 
besondren nOtslichen Arbelt ab, welcher ue den Ursprung verdankt, 
Tun sich in die gleichßrmige gesellschaftliche Hateriatnr unterschieds- 
l(«er menschlicher Arbeit zu verpuppen. Man sieht dem Geld daher 
nicht an , welchen Schlags die in es verwandelte Waare. Eine 
sieht in ihrer Geldform grade ans wie die andre. Geld mag daher 
Dreck sein, obgladt Dreck nicht Geld ist. Wir wollen annehmen. 



p. 170), oder, wie QaeeDs; in seinen „Uaiimea Genentles"' Vgt: „Tendre est 
eclieter." 

*') „Le prix d'nne marchandiBe ne ponvuit Stra paje qne par le piix 
d'one antze marotiandiBe." (Herder de U Binäre; „L' Ordre na turel et eHenüel 
des aoci^tia politiqueB". PhjBiocraUa, ed. Daiie, II. Partie, p. 554.) 

•^ „Ponr avoir cet argent, 11 faut avoir vendn." (1. o. p. 548.) 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 81 — 

iaaa die vwtä OoldfOdue, myogen unser Lrinweber ariae Waue 
T<rftiiBSBTt, die verwandette GeBtalt eines QiuuierB Wöun sind. Der 
Verkauf der Leuwand, W — G, ist sogleich ihr Kauf, a — w. 
Aber als Terbnif der Leinwand bq^innt dieeer Process eine Bevegnng, 
die mit seinem Qegentheil endet, mit dem Kauf ia Bibel; als Kauf 
der Leinwand endet er eine Bewegung, die mit sönem GegenthcÄl 
b^iann, mit dem Verkauf dee WeicenB. W — G (Leinwand — Geld), 
dieee erste Phase Ton W — G — W (Leinwand — Geld — Bibel), 
ist zngleich G — W (Geld — Ldnwand), ^e letzte Phase einer andren 
BevegDDg W — G — W (Weizen — Geld — Leinwand). Die erste 
Uet&morphose einer Waare, ihre Verwandlung ans der Waareoform 
in Geld, ist st«ta zogldcb iweite entg^engesetits HeUmorphose einer 
andren Waare, ihre BflckTerwandlong ans der Geldform in Waare *^. 

G — W. Zwäte oder Schlnssmetamorphose der Waare: Kauf. 
— Weil die ent&osserte Gestalt aller andren Waaren oder das Pro- 
dukt ihrer allgemeinen Ter&assenmg, ist Geld die absolnt verinsser- 
liche Waare. Es liest alle Preise rOokw&rts und spiegelt sich so 
in allen Waarenleibem als dem hingebenden Uaterial seiner ägnen 
Waarenwerdong. Zugleich seigen die Preise, die Liebesaugen, womit 
ihm die Waaren winken, die Schranke seiner Vervandlungef&higkdt, 
n&mlich seine eigne Quanüt&t. Da die Waare in ihrer Geldwerdung 
rerachwindet, sieht man dem Geld nicht an, wie ee in die H&nde 
seines Besitzers gelangt oder was in es Terwandelt ist. Non ölet, 
wessen Ursprungs auch immer. Wenn es einerseits verkaufto Waare 
repräsentirt, so andrerseits kaufbare Waaren '**). 

G — W, der Kauf ist zngleich Verkauf, W — G, die letzte 
Metamorphose oüer Waare daher zugleich die erste Hetamorphose 
«ner andren Waare. Far nnsren Leinweber schlieest der Lebenslauf 
seiner Waare mit der Bibel, worin er die 2 Pfd. 8L rflckrerwandelt 
hat. Aber der BibelTerk&nfv setst die vom Leineweber gelösten 2 Pfd. 



*^ Ausnahma, wie Torher bemerkt, bildet der Gold- resp. Silberprodooent, 
der sein Prodatt aiutantcht, ohne es vorher verkanft zu haben. 

'■) „Si l'srgBut repT^ente, dana nos mains, lea ohöses qua nons poaTons 
däairer d'acheter, il j reprisente aessl lee cboaes qae non* SToaa Tendnea, 
poQT est arEODt" (Heroier de la Knfcre L e. p. SM.) 



lyGOOgIC 



— st — 

st ia Korabranntwem um. G — W, die SchlnasphsBe Ton W — Q 
— W (Leinwand — Geld — Bibel] ist zngldch W — O, die erst« 
Phase von W — ö — W (Bibel — Geld — Korabraimtwein). Da 
der Waarenprodncent nnr ein einseitiges Prüdokt liefert, verkanft er 
es oft in grosseren Hassen, w&hrond söne vielaeitigen BedÜrMsse ihn 
zwingen, den realisirten Preis oder die gelßste Geldenmme beständig 
in zahlreiche Käufe zu zersplittern. Ein Verkanf mündet d&her in 
viele Känfe verschiedner Waaren. Die Schlnssmetamorphose einer 
Waare bildet so eine Summe von ersten Hetamorphosen andrer Waaren. 

Betrachten wir nnn die Gesammtmetamorphose einer Waare, z. B. 
der Leinwand, bo sehn wir zunächst, dass sie ans zwei entgegen- 
gesetzten und einander ergänzenden Bewegungen besteht, W — Q und 
G — W, Diese zwei entgegengesetzten Wandinngen der Waare voll- 
ziehn sich in zw« entgegengesetzten geseUschaftlichen Proceeaen des 
Waarenbesitzers nnd reflektjr^ sich in zwei entgegengesetzten Ökono- 
mischen Charakteren desselben. Als Agent des Terkanfs wird er 
Verk&nfer, als Agent des Kaufs KSufer. Wie aber in jeder Wand- 
lung der Waare ihre beiden Formen, Waarenform und Oeldfoim, gleich- 
zeitig eüstiren, nor auf entg^ngeeetzten Polen, so st«ht demselben 
Waarenbeeitzer als Yerkänfer ein andrer K&nfor nnd als Käufer ein 
andrer Verkäufer gegenüber. Wie dieselbe Waare die zwei nm- 
gekehrten Wandlungen successiv dnrchlänft, ans Waare Geld und ans 
Geld Waare wird, so wechselt derselbe Waarenbesitzer die Bollen 
von Yerkänfer und Eäuier, Es sind diese also keine festen, son- 
dern innerhalb der Waarencirknlation beständig die Person wechselnden 
Charaktere. 

Die Gesammtmetamorphose einer Waare unterstellt, in ihrer ein- 
fachsten Form, vier Extreme nnd drei Personae dramatis. Erat tritt 
der Waare das Geld als ihre Werth-Gestalt gegenflber, die jenseits, 
in fremder Tasche, sachlich harte Bealit&t besitzt So tritt dem 
Waarenbesitzer ein Geldbesitzer gegenüber. Sobald 'die Waare nnn 
in Geld verwandelt, wird letztros zu ihrer verschwindenden Aequival«it- 
form, deren Gebranchswerth oder Inhalt diessräts in andren Waaren- 
kOipem exisUrt Ale Endpunkt der erstm Waorenwandlnng ist 
das Geld znglüch Ausgangspunkt der zweitm. So wird der Yer- 



lyGOOglC 



kftnfer dee eisten Akts K&ofer im zweiten, wo ilun ein dritter Waaren- 
besitser als Verkäufer gegenObertiitt'^). 

IKe beiden mngekehTten Bew^ngsphsBen der Waarenmetamor- 
pfaose bilden einen Kreisisaf: Waarenfonn, Abetreifiing: der Waaien- 
form, Bflckkebr lor Waarenform. Allerdings ist die Waare selbst 
bier g^ens&tzlich bestimmt. Am Ausgangspunkt ist sie Kicht- 
a«branctiBweTtti, am Endpunkt Gebranchswerth ftlr ihrsn Beaitzer. 80 
ersclieint das Geld erst als der feste Werthkrystall, worin sieb die 
Waare Terwandelt, am hinterher als ilire blosse Aeqnivalentform zn 
zerrinnen. 

Die zwei Metamorphosen, die den Ereislanf einer Woare, bilden 
zugleich die umgekehrten Thölmatamorphosen zwner andren Waaren. 
Dieselbe Waare (Leinwand) eröffnet die Beihe ihrer eignen Metamor- 
phosen nnd Bchliesst die Qesammtmetamorphose einer andren Waare 
(dee Weizens). Während ihrer ersten Wandlung, dem Verkauf, spielt 
fiie diese zw« Bollen in eigner Person. Als Goldchrysalide dagegen, 
worin sie selbst den Weg alles Fleisches wandert, endet sie zagläch 
die erste Metamorphose einer dritten Waare. Der Kreislauf, den die 
Metamorphosenreihe jeder Waare beschreibt, verschling üch also nnent- 
wirrbar mit den Ereislänfen andrer Waarea Der Qesamm^rocess 
stellt sich dar als Waarenärknlation. 

Die Waarencirkulation ist nicht nur fonnell, sondern wesentlich 
Tom unmittelbaren Frodakt«naustaOBch nnterschieden. Man werfe nur 
einen BOckblick auf den Vorgang. Der Leinweber hat unbedingt 
Leinwand mit Bibel yertauscht, eigne Waare mit fremder. Aber dies 
Phänomen igt nur wahr fOr ihn. Der Bibelagent, der dem Eflhlen 
Heisses vorzieht, dachte nicht daran, Leinwand fSr Bibel einzntanscben, 
wie der Leineweber nicht davon weiss, dass Weizen gegen seine Lein- 
wand eingetauscht worden ist n. fl. w. Die Waare des B ersetzt die 
Waars des A, absr A nnd 'B tauschen nicht wechselsütig ihre Waaren 
ans. Ss kann in der Tbat Torkommen, dass A nnd B wechsel- 
weis von einmder kaufen, aber solche besondre Beziehnng ist kdnes- 
wegs dniäi die allgemeinsn Vsrh&ltnisse der Waarencirknlatien 



") »B 7 a donc qnatre termaB et troii oontrsetuiti, dont Tun bterrient 
deai fois." (Le Troene L e. p. 908.) 



lyGOOgIC 



— 84 — 

bedingt Eiwraeita miA mau hin, wie ia WaareoMutaaeeh die indi- 
ndnelleii und lokalen Schlanken dee onmittelbaren Prodaktenuutuischs 
dnichbricht and den Stoffwechsel ier menachliobes Aibäi entwickelt 
Andieneits entwickelt sioh ein guur Kras y<m. den lumdänden Pei- 
Mnen onkontrolixlMisc, gesellBclinftlidi« NatnranBim n i e i i lJa g e. Dar 
Weber kann nnr Leinwand vo'kaafen, weil der Banei Weiiw, Heiss- 
Bpom nur die Bibel, weil der Weber Lönwand, in DestiUateoi nar 
gebranntee Waasei, weil der andre das Wassn des ewigen Lebens 
bereits f eikaoft hat n. s. w. 

Der Cirknlationefrocees erliacht deaewegen anch nicht, wie der 
nnmittelbare Pradnktenanetausch, in dem Stdien- oder H&ndewechsel 
der Oebtanchewertha Das Gold verschwindet nicb^ weil ee BcUiesBlich 
auB der Metamorpbosenreihs einer Waare hnansfUlt. Er schUgt 
immer nisdicr anf eine doich die Waaren geränmte Cirbilationsstdle. 
Z. B. in der Oesammtmetamorphose der Lünwand: Leinwand — Geld 
— Bibd mit erst die Leinwand aas der Cirknlatian, Geld tritt aa 
ihre Stelle, i&Ilt dann die Bibel aas der Cirknlation, Geld tritt an ihr» 
BUHe. Der Ersati von Waare durch Waare Ifisst sogleich an dritter Hand 
die Qeldwaare h&ng«L^*). Die Cirlnilatioa schwitzt beständig Geld ans. 

Nichts kann alberner bAh als das Dogma, die Waarencirknlabm 
bedinge ein nothwendigea Gloicbgewicbt der Verkaufe und K&nEB> 
weil jeder Verkauf Kauf und vice versa. Hunt dies, dass die Zahl 
der wirklich ToUzo^enen VerkSnfe gleich derselben Zahl von Kiufen, 
80 ist es platte Taatologie. Aber es soll bewüsen, dass der Ver- 
k&ofer seinen eignen K&afer so BUrkt ffthri Verkauf nnd Kauf sind ein 
identischer Akt als Wechselbeziehung zwischen zwei polarisch entgegen- 
geaetit«n Personen, dem Waacenbesitzer nnd den Geldbesitier. Sie 
bilden zwei polarisch entgegengesetzte Akte als Handinngen derselben 
Person. Die Identit&t von Verkanf and Eaof schliesst daher ein, daes 
die Waare nntzlos wird, wenn sie, in die' alchjmistische Betorte der 
Cirknlation geworfen, nicht als Getd heranakommt, nicht vom Waarea- 
beeitEer T^kanft, also vom Oeldbesitz«' gekauft wird. Jene Identitftt 



**) Not« inr 2. Aug. So handgreiflich dieu Phänomen ist, wird «• 
deanoeh *oa politieehen Oekonomen meiit tLlienehen, namentlioli nm Frei- 
hftndler ralgaria. 



lyGOOgIC 



— 85 — 

«nfh&lt femer, dass der Pro«e88, wenn er gdingt, emen Bnh^onkt, 
eLnen Lebensabachnitt der Waare bildet, der läi^er oder kflriff w&h- 
ren kann. Da die erste Metamorpheee der Waire zagleicb Verkauf 
und Kauf; ist dieser üieilprocesB zugleich selbBtatAndiger Procees. Der 
Käufer bat die Waare, der Verk&nfer hat dae Geld, d. h. eine Waare, 
die ciikiilationBfKhige Form bewahrt, ob sie Mher oder später wieder 
auf dem Harkt ereciieine. Keiner kann Terkaofen, ohne dass ein 
Andrer kauft. Aber keiner braucht nmnittelbar zn kaufen, weil er 
selbst Terkauft hat. Die Oirkolation sprengt die Ertlichen, Örtlichen 
nnd in^Tidnellen Schranken dee FroduktenaoBtanschs eben dadurch, 
dass sie die hier Torhandne nnmittelbare Identitfit zwischen dem Aae- 
taasch des eignen und dem Eintausch des fremden Arbdtsprodnkts in 
den Oegensati von Verk&nf und Kauf spaltet. Dass die selbBtst&ndig 
einander gegenftbertretenden Proceese eine innere Einhmt bilden, heiBst 
etien so eehr, daaa ihre innere Einhdt sich in äusseren GegensUsen 
bew^. Oeht die iosseiliche Yeiselbstat&ndiguDg der iunerUch XJn- 
seltotst&ndigen, weil einander ergänzendn, bis zn einem gewissen Pnnkt 
fort, HO macht sich die Einhdt gewaltsam geltend durch eine ~ Eris«. 
Der der Waare immanente Gegensatz von Gebranehswerth und Weitta, 
Ton Priratarbeit, die sich zugleich als unmittelbar geBellachaftliche Ar- 
beit darstellen muBS, ron besondrer konkreter Arbeit, die zu^eich nor 
als abstrakt allgemeine Arbeit ^t, von PerBonifleirong der Sache nnd 
Versachlichung der Personen — dieser immanente Widerspruch erhält 
in den Gegensätzen der Waarenmetamorphose seine entwickelten Be- 
wegnngBformen. Dieee Formen schlieesen daher die HOglichkat, aber 
auch nur die Möglichkeit dei Kiisen tau. Die Entwicklui^ dieeer 
HOglidikeit znr Wirklichkeit erfordert önen ganzen Umkreis von Ver- 
hältnissen, die vom Standpunkt der anfachen Waaiencirkolation noch 
gar nicht ezistiren ""). 



'") Vergleiche meine Bemerkiugen Qber James Hill: „Zur Kritik eU." 
p. 74 — 76. Zwei Paukte sind hier ohuakterisÜBeh fDt die Hethode der Obono- 
mistiBChen Apologetik. Entena die Identiflcinuig tos Waarenciikulation und 
nnmittelhu-em Prodaktenanstaascb doioh einfache Abstraktion toh ihren ünter- 
•ehieden. Zweitem derVenaoh, die WidenprDehe dae kapitaüatiBchen Prodak- 
tiMiBproceBMs wegtüleognen, indem man die TeriiUtoiase aeiner Pn>dnbtiaD8- 
•genten in die einfachen Beziehungen anflQat, die aiu dei Waarenoirknlation 



lyGOOgIC 



ÄIb Termiitler der WaareDärkaUtion erhält du G«ld die Fvnktüm 
des (Srknlaüonsmittele. 

b) Der Umlanf des Geldes. 

Der Formwechsel, worin sich der Stoffwechsel der Arbeitsprodiikte 
ToUzieht, W — G — W, beding, dasa deiselbe Wertb als Waan 
den Ansg&ngBponkt des Proceasea bildet und zu demselben Paalrt zn- 
rDckkehrt als Waare. Diese Beweg^nng der Waaisn ist daher Kreis- 
lanf. Andrerseits achlieest dieselbe Form den Ereislanf des Geldes 
aas. Ihr Beeultat ist beständige Entfeniang des Geldes Ton seinem 
AosgangspnnUi, nicht BOckkehi zu demselben. So lange der Verk&iifw 
die verwandelte Gestalt seiner Waare festbftlt, das Geld, befindet sidi 
die Waare im Stadium der ersten Metamorphose oder hat nnr ihre 
eiste CirknlationBfa&lfte znrOckgelegt Ist der Frocess, Verkaufen um 
zu kanfen, Terrollst&ndigt, so ist anch das Geld wieder ans der Hand 
seines nrsprOnglichen Besitzers entfernt Allerdings, wenn der Lein- 
weber, nachdem or die Bibel gekauft, von neuem Leinwand verkauft, 
kehrt anch das Geld in sone Hand znrück. Aber es kehrt nicht 
nnUck durch die Cirkulation der ersten 20 Bllen Leinwand, wodnrdi 
es vielmehr ans den Händen des Leinwebers in die des Bibel verkaufen 
entfernt ist Es kehrt nnr znrflck durch die Bmeuemng oder Wieder- 
holnng desselben Circulationsprocesses ffir neue Waare, und endet hier 
wie dort mit demselbon Besnitat. Die dem Geld durch die Waaren- 
cirkulation unmittelbar ertheilte Bewegnngsfoim ist daher seine be- 
ständige Entfernung vom Ausgangspunkt, sein Lauf ans der Hand 
eines Waarenbesitzers in die eines andren, oder sein Umlauf (cnrreni^, 
cours de la monnaie). 

Der Umlauf des Geldes zogt beständige, eintOuige Wiaderholnng 
desselbsn Frocesses. Die Waare steht stets auf Seite des Verkäufers, 



entspringen. Waaieopi>)dalition nnd WsarercirkDlation sind aber Phänamene, 
die den TersohiedenstenProdaktionBWeiBen angeboren, wenn anc|> in TÖmbied- 
nem Ümfitng und Tragweite. Han weiu also noch nichts von der differentia 
epecifica dieser ProdactioiiBweisen ond kana sie daher nicht beortboilen, wenn 
man nur die ihnen gemeuacbafüichen, abstrakten Kategorien der Waorencir- 
kolation kennt. In keiner Wissensobaft auMer der politiscbeu Oekonomie 
herrscht so grosse Wicbtigtbaerei mit elementariscber Gemeinplatz licblteit 
Z. B. J. B. Sajr nimmt sich hernns, über die Krisen abinortbeüen, weil er 
weiis, duB die Waare Produkt ist 



lyGOOgIC 



das Geld stets anf Seite des OnferB, als Kauf mittel. £b fanUJoniii 
als Kaofmittel, indem ea den Preis der Waare realisirt. Indem es 
ihn lealifiirt, flbertr&gt es die Waaie ans der Hand des Verkäufen in 
die Hand des Eltufbrs, während es sich (gleichzeitig ans der Hand 
des E&aferB in die des Verkäufers entfernt, um denselben Frocess 
mit einer andren Waare zn wiederholen. Dass diese einseitige Form 
der Geldbewegung ans der doppelsntigen Fonnbew^ung der Waare 
entspringt, ist Terhflllt. Die Natnr der Woarencirknlation selbst er- 
zeugt den ontgeg:engeaetzten Schein. Die erste Metamorphose der 
Waare ist nicht nor als Bewegung des Geldes, sondern als ihre eigne 
Bewegung sichtbar, aber ihre zweite Metamorphose ist nnr als Be- 
wegung des Geldes sichtbar. In ihrer ersten Cirknlationshftlfte wech- 
selt die Waare den Platz mit dem Geld. Dunit ^llt zngl«oh ihre 
Gtobntnchsgeetalt ans der Cirknlation heraus, in die Konsomtion ''*). 
Ihre Werthgeet^t oder Geldlaire tritt an ihre Stelle. Die zweite Cir- 
fcnlationshälfte dnrchlänft sie nicht mehr in ihrer eignen Natoralhaot, 
sondern in ihrer Qoldhant. Die Continnität der Bewegung f&Ut damit 
ganz anf die Seite des Geldes nnd dieselbe Bewegung, die für die 
Waare zwei entg^ugesetete Frocesse einschliesst, schliesst als eigne 
Bewegung des Geldes stets denselben Procees ein, seinen Stellenwechsel 
mit stets andrer Waare. Das Besnltat der Waarencirknlation, Ersata 
You Waare durch andre Waare, erscheint daher nicht dnrch ihren 
eignen Formwechsel vermittelt, sondern dnrch die Funktion des Geldes 
als Cirknlatiousmittel, welches die an und für sich bewegungslosen 
Waaren cirknlirt, sie aus der Hand, worin sie Nicht-Gebrauchswerthe, 
in die Hand fiberträgt, worin sie Gebrauchs werthe, stets in entgegen- 
gesetzter Sichtung zu seinem eignen Lauf. Es entfernt die Waaren 
beständig ans der Cirknlationssph&re, indem ea beständig an ihre Cir- 
knlationastelte tritt und eich damit ron sönem eignen Ansgaugspnnkt 
entfernt Obgirich daher die Geldbewegung nur Ausdruck der Waaren- 



**) Seibit wenn die Waare wieder and wieder verkauft wird, ein Phänomen, 
du Mar noch nicht für mia «iiBtäit, Ollt sie mit dem letzten defimtivan Terkanf 
aoe der Sphäre der CirkalaÜoD in die der KoninmÜDn, nm hier aU Lebens' 
mittel oder als Produktionsmittel zu dienen. 



n,gt,7cdT:G00glc 



«irkiilation, a-scheint Brngakshit die WaarendiknUtion nur als Besnitat 
der 0«ldbewcigiiiig '"'). 

AadieiMits kommt dem Oeld nm diB Fnnkticm das CiTkulatioii»' 
■uttels CS, weil es der veraelbsUndi^ Werth der Waoren ist. S«iie 
Bewegung sie Cirknlatioiiamittel ist d^er in der Thai nur ihn eigne 
Formbewegnng. Diese mnsa dch daher anch sinnlich im Umlauf des 
fleldes wiederapiegaln. Der doi^te Pormwecheel der Waare spiegelt 
nch wieder im zwämaligen Stellenwedisel desselben Oeldstflcks, wenn 
wii die Oeaammtmetamorphoae einer Waaie, in der mehrmaligen Wie- 
derholung seinee Stellmwechsels, wenn wir die Yersohlingnng der aahl- 

' lown Uetamorphosen in einmder betrachtim. Dieselben QeldstlU^« 
konmoi als atJLnfiserto Gestalt der Wsare in die fland des Terk&sfeax 

_ mtd Terlaseen sie als absolut Terinaaerliohe Gestalt der Waaie. Beide- 
mal wirkt das Qeld in gleidier Wose, als Kaofinittel erst emer, dann 
der andren Waare. Aber der innere Zusammenhang beider Prooease 
ffir dieselbe Waare erscheist in der doppelten and gegensfttilichen Be- 
wegung, die denselben OddsUlcken aafgedrflckt wird. Dieselben 
2 Pfd. 3t., die beim Terkaof der Leinwand ans der Tasche des 
Weizenbaners in die Tasche des Leinwebers einwandern, wandern von 
ihr aus beün Kauf der Bibel. Ee iet doppeli» Stellenwechsel, nnd 
die Leinwand oder ihrvn Bepiisentanteu als Centnm betrachtet, in 
entgegengesetzter Siohtnng, positiver bei Einnahme des Geldes, nega- 
tiver bei seiner Ausgabe. Finden dagegen ntir einsutige Waarenmeta- 
morphosm statt, blosse Yerk&nfe oder blosse Kftnfe, wie man will, so 
wechselt dasselbe G«Id anch nnr nnmal den Platz. Sein zweiter SM.- 
lenwechsel drückt stets die sweite Metamorphose der Waaie ans, ihre 
Sflokrerwandlimg ans Geld. Es versteht sich flbrigens ganz ron sdbst, 
dass alles diese nur fllr die hier betrachtete Form der ein&chsn Waa^ 
renoitkiilation ^t. 

Jede Vaaie, bei ihrem ersten Schritt in die Cirkalation bei ihms 
erateo Formwechael, fiUt ans der Cirkolation heraos, in welche stets 
nene Waare eintritt. Das Geld dagegen als Cirknlationamittel hnst 
beständig in der Cirkalationssphlire und treibt sich best&ndig in ihr 



"") „D (l'argent) n'a d'antra moDrement <|ne eelni qoilni est fmpiim^ par 
les prodaetiona." (La Trorae 1. o. p. 88S.) 



lyGOOgIC 



— 89 — 

am. Ea entsteht also die Frage, wie viel Oold disBe Sph&re bestfimilig 
abaorbirt 

In einem Lande gehn jeden Tag uhlniehe, gleiolueitige, 
mid d»ber rftnmlich neben einander lanfonde einratig« Waaraimeta- 
morphoaen tot, oder in andren Worten, blosse YerUnfe von der 
onen Seite, blosse £&iife von der uidem. In ihren Preisen sind 
die Waoren beroits bestimmten vorgeBl«Ilten QeldqaantiB gleichgeeetit. 
Dk mm- die hier betncbtete, nnmittelbais Cirknlationsform Waare nnd 
Oeld einandra' stets lelUich g^enfiberstelU, die töne aaf den Fol des 
Teikanfs, das andre auf den Oegenpol des Eanfe, ist die fOr dn 
CirknlationaprocesB der Wurenwelt erheischte Masse von Cii^mlation»- 
mitteln beiflits durch die Preissnmme dw Waaien bestimmt. In der 
That st«lH das Oeld nur reell die in der Preissnmme der Waaren 
bereitB ideell am^edr&ckte Ooldsumme dar. Die Qleichheit dieser 
Snmmsn versteht sich daher von selbst. Wir wissen jedoch, dass bei 
gladibleibenden Werthra der Waaren ihre Preise mit dem Werthe des 
Gt^des (des GeldBaterials) selbst wechseln, verhältnissm&saig steigen, 
mnn er ßUU, nnd fallen, wom er steigt. Ob die Preissnnune der 
Waaren so steige oder falle, die Hasse dee cirknlirmden Qddes mnss 
gleidunissig stdgen oder fallen. Der Wechsel in der Hasse der Cir- 
knlationamiitel enteprii^ hier allerdings ans dem Oeld selbst, aber 
nicht ans sräner Funktion als Cirknlationsmittel, sondsm ans seiner 
Punktion als Werthmab. Der Preis der Waaren wechselt erst nm- 
gflkehrt wie der Werth des Geldes nnd dann wechsät die Hasse der 
Qrknlationsmittel direkt wie dv Preis der Waaren. Gane dasselbe 
Phänomen wflrde sieb ereignen, wenn i. B. nidit der Werth des Goldes 
Bftnke, sondwn Silber es als Werthmals ersettte, oder niäit der Werth 
dee Silbers stiege, sondern Gold es ans der Funktion des Werthmafms 
verdrftngte. In dem «inen Fall mflsste mehr Silber cirkuliren als 
Torher Gold, in dem sndTm weniger Gold als vorher Silber. In beiden 
FUlen hätte siät (ler Werth des Gddmaterials verfindort, d. h. der 
WtKte, die als Hafe der Werthe fanktionirt, daher der Prtisansdmok 
der Waarenwerthe, d^er die Hasse des cirknlirenden Geldes, das znr 
Bealtsimag dies« Preise dient. Man hat gesehn, dass die Cirknla- 
tiofiSBph&re der Waaren rin Loch hat, wodurch Gold (Silber, kon das 
Gcldmateriat) in sie eintritt als Waare von gegebnem Werth. Dieser 



lyGOOgIC 



Werth ist Toransgmatzt bei der Funktion deti Geldee als Weithmab, 
also bei der ProiebeBtimmQng. Sinkt nan z. B. der Werth des Werth.- 
maTBes eelbst, bo eraclieint disBS znn&chrt im Pretsvechsel der Waaren, 
die iminittelbar an den FrodaktionBqoellen der edlen Metalle mit ihnen 
als Waaren ansgetaoscbt werden. Namentlich in minder entwickelten 
Zuständen der bOrgerlichen GesellBchaft wird ein groaser Theil der 
andren Waaren noch längere Zeit in dem nun illuBorifich gewordnen, 
veraltetrai Werth des Werthmabes geschätzt weiden. IndesB steckt 
die eine Waare die andre an dnrch ihr WerthTerhUtaiss zn der- 
selben, die Gflld- oder Silberpreise der Waaten gleichen sieb allmählich 
ans in den dnrch ihre Werthe selbst bestimmten Proportionen, bis 
schliesslich alle Waarenwerthe dem neuen Werth des Qeldmetalls ent- 
sprechend geschätzt werden. Dieser AnsgleichnngsprocesB ist begleitet 
van dem fortwährenden Wachsthom der edlen Metalle, welche im 
Ersatz für die direkt mit ihnen ansgetanschten Waaren einströmen. In 
demselben Mals daher, worin die berichtiglie Freisgebnng der Waaren 
sich verallgemeinert, oder ihre Werthe dem neoen, gesunkenen nnd 
bis zn einem gewissen Pnnkt fortsinkenden Werth des Hetatls gemäss 
geschätzt werden, ist anch bereits seine zo ihrer Bealisimng noth- 
wendige Mehrmasse vorhanden. Einseitige Beobachtung der Thataaohen, 
welche der Entdeckung der neuen Gold- und SUberqneUen folgten, 
verleitete im 17. nnd namentlich im 18. Jahrhundert zum Trugschlnas, 
die Waarenpreise seien gestiegen, weil mehr Gold nnd Silber als Cir- 
knlationsmittel fnnktionirten. Im Folgenden wird der Werth des Goldes 
als gegeben vorausgesetzt, wie er in der That im Augenblick der 
Preisscbätzung gegeben ist. 

Unter dieser Voraussetzni^ also ist die Masse der Cirkulaticnsmittel 
dnrch die m realisirende Frussamme der Waam bestimmt. Setzen wir 
nun ferner den Preis jeder Waarenart als gegeben voraus, so hängt die 
Preissumme der Waaren offenbar von der in Cirkulation beflndlicben Waaroi- 
masee ab. Es gehört wenig Eopfbrechens dazu, um zu bereifen, dase 
wenn 1 QnarterWeizen2Pfd.St.,100 Qnart«r 200 Pfd. St., 200 Qnarter 
400 Pfd. St. u, s. w. kosten, mit der Masse des Weizens daher die Geld- 
masse wachsen muss, die beim Verkauf den Platz mit ihm wechselt 

Die Waarenmasse als gegeben voransgesetet, flnthet die Masse 
des cirkulirenden Geldes auf nnd ab mit den Preisschwankungen der 



lyGOOglC 



— 91 — 

Waaren. SU st^t nnd ftUt, weil die PreiBBumme der Waaren in 
Folge UusB Freiswechsela zu- oder ftbnimmt. Dazn ist keineswegs 
nSthig, daes die Preiae aller Waaren gleichzaitig steigen oder fallen. 
Die Preiestügening einer gewissen Anzahl leitender Artikel in dem 
wnen, oder ihre Preissenkung in dem andren Fall, reicht hin, nm die 
zn realislrende Preissomme aller cirknlirenden Waaren za erhfthn oder 
zn Benken, also a«ch mehr oder weniger Qeld in Cirknlation zn setzen. 
Ob der Preiswecheel der Waaren wickliche Werthwechsal wiedeispiegdt 
oder blosse Schwankungen der Harktpröse, die Wirknng «nf die Hasse 
der Cirknlationsmittel bleibt dieselbe. 

Eb sei gegeben eine Anzahl zasammenhangsloser, glriclizeitiger 
und daher rftnmlich neben einander laufender Terk&ofe oder Theilineta- 
moiphosen, x. B. von 1 Qnarter Weizen, 20 KUen Lonwand, 1 Bibel, 
4 Gallons Eombianntwein. Wenn der Preis jedes Artikels 2 Pfd. St., 
die zu leoliurende Preiasomme daher 8 Pfd. St., so mnss eine Qeld- 
maase Ton 8 Pfd. St. in die Cirkulation eingehn. Bilden dieselben 
Waaien dagegen Glieder der ans bekannten Metamorphosenreihe: 
1 Qnarter Wäzen — 2 Pfd. St. — 20 Ellen Leinwand — 2 Pfd. St. 
— 1 Bibel — 2 Pfd. St. — 4 Gallone Kombranntwein — 2 Pfd. St, 
80 machen 2 Pfd. St. die verschlednen Waaren der Beihe nach cirkn- 
liren, indem sie deren Pröse der Beute noch, also auch die Prmasomme 
TOn 8 Pfd. St, realisiren, nm schliesslich in der Hand des Destilla- 
tenrs ansznmhn. Sie Tollbringen vier üml&nfe. Dieser wiederholte 
Stellenwechsel derselben Geldstftcke stellt den doppelten Formwecbsel 
der Waare dar, ihre Bew^^g dnrch zwei entgegengesetzte CirkulO' 
üonsstadien und die Versäüingnng der Metamorphosen vorschiedner 
Waaren'^'). Die gegenB&tzIieben nnd einander ergänzenden Phasen, 
wodurch dieser Process verläuft, kOnnen nicht r&omlieh neben einander 
fallen, sondern nnr zatlich auf onander folgen. Zeitabschnitte bildm 
daher das Ma[s seiner Bauer, oder die Anzahl der Uml&ifä derselben 
Geldstflcke in gegebner Zeit misst die Geschwindigkeit des Geldumlanfä. 
Der Cirkulationsproeess jener vier Waaren dauere z. B. einen Tag. 

'*) „Ce MDt le« prodoctions qoi le (l'srgent) mettent en monvement et le 
fönt drcnler ... La eelerit^ de son monTement [sc. de rargent] supplee isa 
qaantit^. Lorsqo'il en est besoin, ü ne füt qne gliasei d'Due main dana raotra 
Bons H'airet^T nn instant." (Le Troane 1. o. p. 915, 916.) 



lyGOOgIC 



— 92 — 

8o beträgt die zu raalünreDde Preissumme: 8 Pfd. St, die Ansahl der 
Vmlinfe derselben QeldsMcke während des Tags: 4 und die Hasse 
des drknlirendoD Geldes: 2 Pfd. 8t, oder f&r einen {^q^^bnen Zrät- 
abBchnitt des CirkolAtiomprooeeses: 
Preisanmme der Waaren 

i=r~, — ii n — r^-r — -■ A .j_^ . • = Maflse des als Cirknlations- 

UmlanraanBaU glnchnamiger Geldstflcke 

mittel fanktioniienden Oeldes. Dies Oeeeti gilt ftUgemein. Der Cirknla- 
tionsprocess einte Landes in anem g^ebnen Zeätabschnitt nmfosBt zwar 
dnersüts viele lersplitterte, gleichieitige nnd rftnmlieh neben einander 
fallende Verkäufe (resp. Käufe) oder Theilmetamorphoeen , wenn die- 
Mtben Oeldstdcke nnr einmal die Stelle wechseln oder nnr einen Um- 
lauf Tollziehn, andrerseits viele tbeils neben einander hwlaufende, theils 
sich in «nander verschlingende mehr oder minder gliederreiche Meta- 
morphosenreihen, worin dieselben Geldstflcke mehr oder minder zahl- 
rnche Umlänfig zurttcklegen. Die Geeammtiahl der (Jml&ofe aller in 
Cärtnlation beflndliohen glaehnamigen Gtldstücke ergiebt jedoch die 
DorchschnittsaniaM der üml&nfe des einzelnen Oeldstfleke oder die 
Dnichactmittagesobwiudigkrit dee GeldnmlaafB. Die Oflldmaese, die bei 
B^iinn z. B. des tischen Cirkalationsproceeees in ihn hineingeworfen 
wird, ist natürlich bestimmt durch die Freiesnmme da* gleichzeitig nnd 
riomlich neben einander cirknlirenden Waaren. Aber innerhall» des 
Processee wird ein GeldstOck so zu sagen fQr das andre Teraotwort- 
lidt gemacht Beschlennigt dae one seine Umlanftgeschwindigkeit, so 
erlahmt die des andren, oder es Siegt ganz aas der Cirtmlationssphäre 
heraus, da diese nur eine Goldmasse absorbiren kann, welche moltipli' 
drt mit der mittlem Umlao&anzshl ibrea einzelnen Elements gleich 
der zn realisirmden Prcässnmme ist W&chet daher die Anzahl der 
UmUnfe der Geldstücke, so nimmt ihre cirknlirende Kasse ab. Kimmt 
die Anzahl ihm- Umlänfe ab, so wächst ihre Hasse. Weil die Hasse 
dee Öeldes, die als Cirktdationsmittel fonktionir«) kann, bei gegebno' 
Doichsehnittsgeechwind^keit gegeben ist, hat man daher e. B. bot 
eine bestimmte QQantit£t von Ein-PAind-Noten in die Cirknlation hinein 
zn werfen, nm eben so viele Sovereigns hinans zn wertei, ein allen 
Banken wohlbekanntes Ennststflck.' 

Wie im Oeldomlanf flberfaanpt nnr der CirknlationEprocees der 
Wauen , d. h. ihr fir^lanf darch entgegengeeetste Uetamorphoeeo 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 98 — 

erBchdnt, so in der Otschwindi^dt des CWdmnlanfo die G«Bdkwin- 
digkeit ihr» Fonnweehede , das conÜDnirliche InänuideTgmfea der 
UeUmaiiAofleiiieibeii , die Hast dee Stoffwediwls, das raaohe Yer- 
Bchwinden dei Waaren atu der CirkalationBsph&re and ihr ebenao 
Toaehtx Ersatz durdi neue Waann. Id der Qeecliiriiidigkdt dee OnAi- 
nsduib eradteint also die flOgsige Einhtit der entgegeDgeeetzten und 
ä/äi ergftiuenden Phasen, Verwandlnng ier Gebrandugeetalt in Werth- 
gwtalt nnd BbdtTerwandlnng der Werttgestalt in Qebnachegestalt, oder 
der beiden Procesee des Veitamä nnd Eanä, umgekehrt erscheint in 
der VerlangBamnng des GeldomlAnfB die Trennung nnd gegens&tsliche 
Vereelbstfindigong dieser Proceeee, die Stoekong des Fomwechsels 
nnd daher des StaffffechselB. Woiar diese Btoeknng entspringt, ist 
natOrlioh der Cirkolation selbst nicht anzusehn. ^ zeigt nur das 
Phänomen selbst. Der populären Anschauung, welche mit Terlangsamtem 
Oädomlaof das Geld minder häufig auf allen Punkten der CirknUtions- 
peripherie erscheinen nnd TMSchwinden siedit, liegt es nah, das 
Pbfinomm ans mangelnder Qoaatit&t der Cirknlationsmittel zn deuten ^^). 



") „Hoii«j bfling . . . the common measnre of bojing and aeUing, ereij 
bod; «ho hat an jthing to seil, and eaunot praen» ehapmen for it, ii pieMntlf 
apt totbink, thatwantofmoneyin the kingdom, oi aanatrj, is the csue wb; 
bis goods do not go off; and so, want of mouaj is the common «7; whichis 
a great miatoke . . . What do thoM people wftnt, who er; ont for mono; 9 .. . 
The Farmer complains . . he thinka that vere more moae; in the coontty, be 
shanld hav« a price for his goods . . . Tben it seema monej ia not hia want, 
bot a Price for hie com and eattle, whieb be woold seil, bot cannat . . . why 
eannotbegataprioe? ... 1) Bither tbere m toomucb com and csttle in th« 
eotmtry, so that moat who come to market have need of aelling, la be baa, and 
fewotbnjing: or, 2) There wanta the oanal rent abroad bj Tranaportatioo . . . 
Or, S) The coninmptlon fula, H vhen men, bj reaaon of poverty , do not apend 
ao mach in thelr bonaee aa formerly the; did, vherefbre it ia not tbe increaae 
of apedfiok money, vMch woold at aQ advanoe the fanner'B gooda, batthare- 
moTal of anj of tbeae three canaea, whicb do tml; keep down the market . . 
The merohant and ahopkosper want mon^ in the aame manner, that ia, the; 
want a THit for tbe gooda they deal in, by reason that the marketa fall . . . 
a nation never thriTca better, than whea riebe« are tost from band to band." 
(Stx Dndley North: ,J>iHOtirHe npon Trade. Lond. 1691", p. 11— IS pasatm.) 
BarraDaebwand'a Sohwindeleien kommen alle daianf biaaoe, dsM die ans der 
Nattti der Waare entspringenden nnd daher in der Waarenrirknlatioii eraoheiDen- 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 94 — 

Das QesammtqDantnm daa in jedem Zntabachnitt ala CiikulatioiiB' 
mittel fDDktionireDden Geldes ist also beetimmt einerseits dnrcii die 
PreiseamtDe der circnliTendm Waarenwelt, andrerseits durclL den l&n^ 
samrM oder raschren Floss ilirer g^enaätzliclien Cirkulationsproceese, 
Ton dem es abhängt, der wievielte Theil jener Preissunme dnrch die- 
selben Geldstocke realisirt werden kann. Die Preissnmme der Waaren 
iL&Dgt aber ab sowohl von der Hasse als den Preisen jeder Waaren- 
art. Die drei Faktoren der Preisbe<regiing, dw cirknlirenden Wasren- 
masse nnd endlich der UmUnfsgeschwindigteit des Qeldea kOnnen aber 
in verschiedoer Bit^tang and Terschiednen VerbUtnissen wechsdn, die 
zn ' realisirende Preissnmme, daher die dorcb sie bedingte Masse der 
Cirknlationsmittel, also sehr zahlreiche Kombinationen durchmachen. Wir 
zählen hier nur die in dar Qeschicbte der Waarenpreise wichtigsten anf. 

Bei gleichbleibenden Waarenpreisen kann die Masse der Cirknla- 
tionsmittel wachsen, weil die Masse der cirknlirenden Waaren znnimmt 
oder die ümlanfsgeschwindigkeit des Qeldes abnimmt, oder beides zu- 
sammen wirkt. Die Hasse der Cirknlationsmittel kann umgekehrt 
abnehmen mit abnehmender Waarenmasae oder zunehmender Cirknlations- 
geacbwindigkeit. 

Bei allgemein steigenden Waarenpreisen kann die Masse der Cir- 
knlationsmittel gleichbleiben, wenn die Hasse der cirknlirenden Waaren 
in demselben VerhältniHB abnimmt, worin ihr Preis znnimmt, oder die 
Dmlanfsgesch windigkeit des Geldes eben so rasch zunimmt als die 
Preiserhöhung, während die cirkulirende Waarenmasse konstant bleibt. 
Die Hasse der Cirknlationsmittel kann fallen, weil die Waarenmasse 
rascher ab- oder die ümlaafsgescbwindigkeit rascher znnimmt als die 
Preise. 

B^ allgemein fallenden Waarenpreisen kann die Masse der Cir- 
knlutinnsmittel gleichbleiben, wenn die WaaTenmasse in demselben Ver- 
hältniss wächst, worin ihr Preis AUt, oder die Umlauf sgesch wind i^keit 



den Widersprüche dnrch Termebrang der Cirkalitiansmittel beseitigt werden kBn- 
nen Aqh der Tolksillnuan, welche Stockuu gen dei Prodaktioni- andCirkala- 
tionHpruveaeea einem Hangel »a CirkuUlioDemittaln xoBohreibt, folgt flbrigens 
kfincstvrgs umgekehrt, daea wirklieher Uangel ao ClrkaUtionamittelD, i. B. in. 
Folh'O »iGcielleiFfuschereieDmit der „regniation of cnrrsncj", nicht seineraeits 
Stoclfangeu harrornifen kann. 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 95 — 

des Geldes in demselben VerhältniBa abnimmt wie die Preise. Sie k&nn 
wachsen, wenn die Waarenmaese rascher wächst oder die CirkolationB' 
geechwindigkeit rascher abnimmt als die Waarenpreise Eallen. 

Die Variationen der verschiedeneii Faktoren kOnnen sich wechael- 
seitig kompensiren, so dass ihrer beständigen ünst&tigkeit zum Trotz 
die zn realiBirende Oesammtstunme der Waarenpr^se konstant bleibt, 
also anch die örknlirende Geldmasse. Man findet daher, namentlich 
bei Betrachtnng etwas längerer Perioden, «n viel konstanteres Dnrch- 
schnittsniTean der in jedem Lande cirknlirenden Geldmasse nnd, mit 
Ansnabme starker Pertnrbationen, die periodisch ans den Piodaktions- 
nnd Handelskrisen, seltner ans einem Wechsel im Geldwertb selbst 
fflitspringen, riel geringere Äbwfflchnngen von diesem Dnrchschnitts- 
nivean als man nach dem Augenschein erwarten sollte. 

Das Gesetz, dass die Quantität der Cirkntationsmittel bestimmt 
ist darcb die Preissnmme der cbknliienden Waaren nnd die Doreh- 
schnittsgeschwindigkeit des Geldnmlanä ^b), kann auch so anagedrflckt 



"") „There is a certain meaBare, and proportion of mone; reqtiiBite todrive 
the trade ofanatJDD, moieorlflaa tban whieh, wovld prejudiee the same. /ost 
u theie is a oertain piopoition of farthiogs neoeBsary in asmall letail Trade, 
to change silTar monej, and to even sach reckonings ae oannot be adjnsted with 
the smalleat ul^er pieces . . . Now as Uie proportioD of the Dumbei of farthinga 
reqnisite in commerce b to be taken from thenamberof people, thefreqnenaj 
of theireichanges; aealBO, and principally, firom theTalneofthesmalleatsilver 
pieces of monej; bo in like manner, the proportion of money (gold and silTsr 
apecie] reqnisite to our trade, is to be likewiBe taken from the freqneocj of com- 
motatioDB, and from the bignoBB of paymenta." (William Fetty: ,^ Treatiaeon 
TaieB and ContribntionB. Lond. 1667", p. 17.) Die Home'sche Theorie ward 
gegen J. Stenart o. A. Teitheidigt von A. Toun? in seiner „Politieal Arithmetio. 
Lond. 1774", wo ein ei^ee E^pitel; „Prioea depend on qoaDti^ of mone;", 
p. 112 sqq. Ich hemerka „Zur Kritik etc. p. 149": „Die Frage Qbet die Quan- 
tität der ciikuliienden Münis beseitigt er (A. Bmith) itillachweigend, indem er 
das Geld ganz falsch als blosse Waare behandelt" Diesi gilt nur, soweit 
A. Smith 01 ofBcio das Gold behandelt Geiegentlioh jedoch, z. B. in der Kritik 
der früheren Systeme deiPoLOekon., spricht er das Bicbtige ans: „The qoan- 
tity of coin in every oonntiy is regnlatod by the valae of the oommodiüet 
which are to be drcnlated by it . . . The valne of gooda aonoaUy bonght 
and BOld in any oeontry reqniros a oertain qnantity of mouey to clronlata 
and dietribute them to their proper consumers, and can give emptoymeat to no 
moie. Thechannelofcironlationnecessarily draws to itsalf a mm sofflciontto 



lyGOOgIC 



— 96 — 

werden, daaa bei gegebner Wertliaiuiuue der Waaren imd go^ner 
DarchflchnittmsBChwiiidigkeit ihrei Metunoiphran , die QnaiititU im 
umlanfenden Geldes oder des Oeldmaterula von seinem eignen Wntta 
abhängt. Die niumon, dase nmgelelirt die WaarmpreiM dnich die 
Masse der CirknlationEmittel nnd letzbe ihraraüts daroh die Haaas 
des in einem Lande befindlichen Geldmaterials bestimmt werdoi"), 
wnnelt bei ihren nrsprOnglichen Vertretern in der abgeaclunackton 
HTpothese, da« Waaren ohne Frns nnd Qeld ohne Wwth in dea 
Giiknlationsprooees eingehn, vo sich dann ein aliqnoter Thal dm 
Waarenbieie mit einem aliqnoten Theil des MetaUbergs anstansche'"). 

flU it, aod nerer adniits auy mora." (Wealth of Natioiu, I.IT.oh.I.) Aetan- 
lich eröffnet A. Smith sein Werk ex offloio mit sinei Apotheose dar Thallang dar 
Arbeit. Hinterher, im letzten Bnch über die Quellen des StutasiDkommeu, 
repTCduoIrt er gelegentlich A. FergnBon's, Beines Lehrers, Deeanciatioii der Thü- 
Iting der Arbeit 

"} „The piieas of üdnga vUI oaitainlj lis« in e*ei7 natxon, bb the gold 
and silver Increase amongst the people; and, conseqnentlj, where tbe gold and 
silTSr de^aase in anj uatioo, the prioM of all things most lall proportionably 
to snch doorease of monsf." (Jacob Tandeiünt: „Honef uuwets all Thinge". 
Lood. 1734, p. 5.) NUwiB Tsrglaiohong iwisehen Taoderlint und Home'i 
„Etsaya" lässt mir nicht dsn geringsten Zweifel, daaHameV.'a fibrigens bedeu- 
tende Schrift kannte nnd benntite. Die Annoht, dau die Hasse dei Cirknlationa- 
mittel die Preise bestimmt, auch bei Barben nnd noch viel älteren BchrifUtellein. 
„Ifo ineonTenienee", sagt Taiiderlint> „can arise b; an nnrestrained trade, bot 
Ter? great advanUge . . . since, if the cash of the nation be decreased by it, 
which prohibitiona are deslgned to prevent, those nationa that get the oash will 
certainl; find every tbing adfanca in price, as the caab Inereases amongst them. 
And .... onr mannfactnres and erar; thing eise, will soon beoome so mode- 
rat« as to tarn the balance of Ixade m oni bvoiiT, and thereb; feteh the money 
baol[ agun." (1. o. p. 44.) 

**) Daaa jede einielae Waarenatt durch ihren Preis ein Klement derPrda- 
snmms aller ciTknlirenden Waarsn bildet, ist selbatventäDdlich. Wie aber nnt^ 
einander inkommeDsorable Gebranchswerthe eich en maise mit der in einem Laud 
befindlichen Gold- oder SilbarmaasB austaascben sollen, ist vCUig nnbegreiflich. 
Veischwindeltmau die WaaienweltioeineeiniigeOesammtwaare, wovon jedeWaare 
noi einen aliquoten Theil bildet, so kommt das achOne Beeheneiempel berau: 
Gesammtwaare — x Ctr. Gold, Waaie A — aliqaot«r Theil der Gesammtwaun 
•~ denelbs aliqnote IQiell von i Ctr, Gold. Diese ehrlich herans hei Monte*- - 
qnien: „Si Ton eompare la maase de l'oi et de l'ai^nt qni est dans le monde, 
STac la Kmme des matchandisea qul 7 mmt, il est certain qne ohaqne denrfa 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 97 — 

c) Die Hbnie. Das Worthieichen. 

Ans der Funktion des Geldes ah Cirknlatioosmittel entspringt 
seine Uflnigeatalt. Der in dem Preise oder Oeldnamen der Waareo 
TorgeeteUte Qewichtstheil Gold mnss ilinen in der Cirknlation ale 
glfflchnamiges QoldstOck oder Uttnu gegenQbertreten. Wie die Fest- 
etellnng des Matsstabs der Preise, ßLllt das QescbUt der HOnznog 
dem Staat anhäm. In den verscbiedenen Nationalamfonnen , die Qold 
nnd Silber als HBnsen tragen, anf dem Weltmarkt aber wieder ans- 
siehn, erscheint die Scheidung zwischen den Innern oder nationalen 
Spb&ren der Waarencirknlation nnd ihrer allgemünen Weltmarkts- 
eph&re. 

OoldmQnse und Barrengold anterscheiden aicb also Ton Hans aas 
nnr dnich die Fignr, nnd das Gold ist bsständig aus «ner Form in 



an maiohandiae, en p iTticoIier,paurTft Atia eompu«« i noe oertaine portjon de 
l'anlie. SappoMDs qn'U 0*7 ut qn'ane uale deuräa on marohaDdlHe duu le 
monde, oa qn'il s'j ait qa'ime eeole qoi s'aoUte, et qa'elle se difiie oomme 
l'srgeDt: cette partie de oette marchandiM räpoodra i nee parüe de la maaae de 
Targent; la moitie dn total da fuDs i la moitie da total de Tantre ete. . . . 
retabliuomflnt da prix des oboMB dipend tonjonra fondamentalomeiit de la rujon 
do total dea cboaea ao total des Bigacs." (Hoateaqniea, I. c. t. III, p. 12, 18.) 
Ueber die Weitere uttriaklaog dieMr Theorie dnreh Baeardo, eeinea Schüler Jamea 
Kül, Lord OTer*l»ne n. s. w. »gl. „Zur Kritik" n. e. w. p. 140—146 n. p. ISO 
seqq. Herr J. St. Hill Tentebt es, mit der ihm gel&afigen eklektischeo Logik, 
der Anatcht Beines Vaters J. Hill ond mgleiah der entgegengasetzten zu sein. 
Vergleicht man den Text seines Compendinms: „Ptinc. of Pol. Ecoo." mit der 
Vorrede [erste Ansgabe), worin or idoh selbst als Adam Smith der Gegenwart 
BDkBndet, so weiss man nicht, was mehr bewondem, die Nairetät des Mannes 
oder die des Pabtiknms, daa ihn anf Treu nnd Glanben in den Kauf nahm ala 
Arlam Smith, zu dem er sich etwa rerbält wie General Williams Cara ron Kars 
tnm Heraog von Wellington. Die weder nmrangreichen noch gehaltreichen Origi- 
nalfora chnngen des Herrn J. 8L Uill im Gebiet dec Pol. Oek. findet man alte 
in Reih' und Glied anfmarschirt in seinem 1844 erschienenen Schriftohen: „Some 
ÜDsetUed QuestioDS of Politioal Eeonomy". Locke spricht direkt den Zasammen- 
hang Ewischen der Wertiiliuigkeit *on Gold and äilbei nnd der Bestimmung ihrea 
Werths dorcb Onantitit au. „Uankind baving consented to put an imaginarj 
Tsloe npon gold and ailTer . . . the intrinaick Talne, regarded in these metala, 
ia nothing bat the qoantity." „Some Conaidarattona «to. 1691". Works ed 1777, 
Tol. n, p. 15. 



n,gt,7cdT:G00glc 



- 98 — 

die andre verwandelbar "). Der Weg ans der Hfinze ist aber zog'leicfa 
der Gang zum Schraelitiegfil. Im UmlaDf TerBchleUsea nämlich die 
Goldmfinzeii, die eine mehr, die andre weniger. Ghildtitel ond Ch>1d- 
snbat&nz , Nominalgehalt nnd Bealgehalt beginnen ihren ScheidnngB- 
proceee. Gleichnamige OoldmOnzen werden von nugleichem Wertfa, 
weil rerechiednem Gewicht. Das Gold als Cirknlationamittol weicht sb 
Tom Gold ole Maisatab der Preise, und hOrt damit anch anf, wirk- 
licbee Aeqnivalent der Waaren zn sün, deren Preise es realisirt. Die 
Geschichte dieser Wirren bildet die MOnzgeschichte des Hittelalters 
nnd der Neuzeit bis ins 18. Jahrhnndert. Die natnrwflchsige Tendenz 
dee Cirhnlationsprocesses, das Goldsein der Uflnze in Goldschein (»der 
die HOnze in ein Symbol ihres oftciellen Metallgehalts zd Terwandeln, 
iat selbst anerkannt durch die modernsten Gesetze fiber Den Grad des 
Hetallveilustes, der ein Goldstück knrsanfabig macht oder demonetisirt. 
Wenn der Geldumlauf selbst den Reolg^lt vom Nominalgehalt 
der Hflnze scheidet, ihr Metalldasein von ihrem fanktionellen Dasein, 
so enth&lt er die Möglichkeit latent, das Metallgeld in seiner Hfinz- 
fbnktjon dnrch Marken ans andrem Material oder Symbole zn ersetzen. 
Die tediniBcben Hindernisse der Uünznng ganz diminutiver Gewichtn- 
tbeile des Goldes, resp. Silbers, nnd der Umstand, dasa niedrigere 
Metalle nrsprfinglich statt der edleren, Silber statt des Goldes, Kupfer 
statt des Silbers, znm Werthmab dienen nnd daher als Geld drkn- 
liren im Augenblick, wo dos edlere Metall sie entthront, erkl&ren 



") Es liegt natürlich ganz jensfliti meines Zwecks, Details wie Schlagsohatz 
n. dgl. zn behandeln. Gegenüber dem lomautischen Sykophanten Adam H&ller 
jedoch, der „die gtowattjge Liberalität" bewDDdsi't, womit die „englische Ite- 
gierang nnentgeldlich münzt", folgendes Ürtheil Sir Dndley North 'a : „SilTer and 
gold, like othei commodities, bare their ebbings and fiowings. Upon the airital 
of qnantidea from Spain . . . ft ia carried into tbe Tower, and ooined. Not 
long Bft«T theie will come a demand for bollioD, to be ezported agaiiL If tbere 
is nona, bat all bappeua to be incoln, whatthen? Heltitdownagaiotthen's 
no loBS in it, for the coining coats the ownei nothing. Thoa the nation has 
been abnaed, and made to pay for the tnisting of stiaw, for asaea to sat. If tbe 
marohant (North war selbst einer der grauten Kaaflente zu Charles ü. Zeit) 
had to pa; the price of tbe coinage, he woald not bare aent hia sürer toths 
Tower witbent conaideratioD; and coined moaey wonld always keep a Talue above 
uacoined ailrer." (North 1. c p, 18.) 



lyGOOgIC 



hiBtorisch die BoUe von Silber- and Knpfermarken &ls Substituten dei 
Ooldmflnze. Sie ersetzen das Qold in den Kreiaen der WaarencirkDlK- 
ti<Hi, worin die HQnze am schnellsten cirknürt nnd sich daher am 
schnellsten abnntzt, d. h. wo Käufe und Verkäufe nnaufhCrlich im 
kleinsten Matastab emenert werden. Um die Festsetzung ^eser Tra- 
banten an der Stelle des Qoldes selbst zn verhindem, werden gesetz- 
lich die sehr niedrigen Proportionen bestimmt, worin sie allein an 
Zahlung^satatt für Gold angenommen weiden müssen. Die besondren 
Kreise, worin die verschiednen MOnzsorten nmlanfen, laufen natflrlich 
in einander. Die Scheidemünze erscheint neben dem Qold snr Zahlung 
TOn Bmchtheilen der kldnsten Goldmünze; das Gold tritt beständig in 
die Detailcirkolation ein, wird aber durch Auswechslnng mit Scheide- 
mflnzfl ebenso beständig herausgeworfen^*). 

Der Uetallgehalt der Silber- oder Knpfermarken ist willkflhrlicli 
dnrch das Gesetz bestimmt. Im Umlauf verschleissen sie noch rascher 
als die Goldmünze. Ihre Utlnzfnnktion wird daher faktisch durchaus 
nnabhängig von ihrem Gewicht, d. h. von allem Werth. Das Hflnz- 
dasein des Goldes scheidet sich vOUig von seiner Werthsnbstanz. 
Selativ werthlose Dinge, Papierzettel, kSnnen also an seiner Statt als 
Hünze fnnktioniren. In den metallischen Geldmarken ist der rein 
symbolische Charakter noch einigermassen rersteckt. Im Papiergeld 
tritt er augenscheinlich hervor. Man sieht: ce n'eat qne le premier 
pas qui coüte. 

ISs handelt sich hier nur von Staatspapiergeld mit Zwangskurs. 
Es wächst unnuttelbar ans der metallischen Cirkulation heraus. Kredit- 



") „If ulver nevei «ceed wbat ie wanted foi tbe amaller payments, it 
cannot be wUeoted in soffident quantitiea for the Isrger payments .... the 
uae of gotd in the niain paymenta necMMrily impliai also ita nie in the retail 
Uada: thoae who have gold coin, offering them for amall poicbuea, and recei- 
ving with the commodity pnrchased a balanca of sllver in retum; by whieh 
maans the sorplna of eilveithat woald otherwise encomber the retail dealer, is 
drawn off and disper»ad into geneial eironlation. Batif thereisaamnchailver 
ns will tranaaet the amall pajmenta independent of gold, the retait dealer 
mnat then leoeive ülvei for small puFchasea; and it miut of neceasi^ accu- 
mnlat« in his hands." (David Bncbanan: „Inqniry into tbe Taxation and 
Commeioiel Policy of 6i«at Britain. Edinborgh 1844", p. 24a 249.) 



lyGOOgIC 



— 100 — 

gsld unteretellt dagegen Verhättniase , die uns vom Standpnntt der 
mn&chen WaarencirknUtion noch darchana unbekannt sind. Im Vor- 
beigelm aei jedoch bemerkt, dass, wie eigentliches Papiergeld ans d«r 
Fnuktion des 0«ldee als Cirkolationsmittel entspringt, das Kreditgeld 
in der Funktion des Ctoldea als Zahlnngamiitel eeine natarirfichsige 
Wurzel beaitrt»*). 

Papierxettel, denen Geldnamen, wie 1 Pfd. St, 5 Pfd. 3t. n. a, w. 
an^^rackt sind, werden Tom Staat äaBserlich in den C^knlations- 
procesB hineingeworfen. Soweit sie wirklich an der Stelle der gläch- 
namigen Goldanrnme drknliren, spiegeln sich in ihrer Bewegung nur 
die Qeeetze des Oeldamlanfa selbst wieder. Ein Bpeciflaches Oeseti 
der Papiercirknlation kann nur ans ihrem BeprSsentationsTerhältnifls 
znm Gold entspringen. Und dieea QeaetE ist einfach diasa, d&ae die 
Au^abe des Papiergelds aof die Quantität zn beechrftnken ist, worin 
das von ihm symbolisch dargestellte Qold (resp. Silber) wirklich cii^ 
knliren mfleete. Nnn schwankt zwar das Qoldqaantmn, welches die 
Cirknlationssphäre abaorbiren kann , best&ndig Aber oder unter «n 
gewisses Dnrchachnittsnireaa. Jedoch sinkt die Hasae des cirkolirenden 
Mediams in ünem gegebnen Land nie unter ein gewisses Minimum, 
das lädk erfabmngsmfissig feststellt. Dass diese Minimslmaaee fort- 



") Der FinansmanduiD Wan-mao-ia liest sieh bei^tehi), dem Sohn dM 
Himmele ein Projekt zn QoCerbreiten, welehea rerateckt auf Vorwandlaag der 
ctiineeischen Iteicheauignaten in koavertible B&nknaten hinzielte. Im Bericht 
dea Assignaten -EomitsB von April 18ä4 erhält er gehörig den Kopf gewuofaen. 
Ob er auch die obligate Tracht Bunbuahiebe erhielt, wird nicht gemeldet. „Daa 
Eomite", lautet es am SchloBs des Berichte, „bat sein Projekt aafmerksam er- 
wogen und findet, da«s alles ir ihm «nf den Vortheil der Eanfleote ausgeht nnd 
nichts für die Krone Tortheilbaft ist." („Arbeiten der Kaiserlich Buasischen 
Gesandtachaft zu Peking über China. Ana dem Bnsaiaohen von Dr. K. Abel 
und F. A. Heckleubarg. Erster Band. Berlin 1858", p. 47 sq.) Ueher die 
beständige Entmetallang der Goldmünzen durch ihren Umlauf sagt ein „Oorei- 
nor" der Bank of England als Zeuge tot dem ,^ouae o( Lords' Conunittae" 
(liber „Bankacts"): „Jedes Jahr wird eine frische Klasse von Bonverainen (dies« 
nicht politisch, sondern der SoToreign ist Name des Pfd. St) sn leicht. Die 
Klasse, welche das eine Jahr als vollwichtig paseirt, verliert dnrcb den Ter- 
Bclileisa hinreichend, um das nScbste Jahr die Wagschale gegen sieh zndrehn." 
(H. 0. Lords' < 



lyGOOgIC 



— 101 — 

wählend ihre Beetandtheile wechselt, d. h. ans steta andren Golil- 
atOcken beatebt, ändert natflriich nichts an ihrem umfang nnd ihrem 
konetanten Umtrieb in der Cirkniationssphäre. Sie kann daher dnich 
Fapiersymbole ersetzt werden. Weiden dagegen hent« alle Cirknla- 
tionskanäle zum vollen Grad ihier Oeldabsorptionaßlhigkeit mit Papier- 
geld gefollt, so können sie in Folge der Bcbwankangen der Waaira- 
cirknlation morgen überroll sein. Alles Mab geht verloren, üeber- 
echreitet aber dae Papier Bein Hafe, d. h. die Quantität von Qold- 
mtlnze gleicher Denomination, weläie cirknliren konnte, so stellt es, 
von der Gettihr oUgemeinw Diakreditirnng abgeeehn, innerhalb der 
Waarenwelt dffiinech nur die dorcli ihre immanenten Gesetze bestimmt«, 
also anch allmn repräsentirbare Goldqnantität vor. Stellt die Papier- 
zettelmasse z. B. je 2 Unzen Gold statt je 1 Unze dar, so wird 
faktisch 1 Pfd. St. z. B. znm Qeldnamen sage etwa von */« Uiue 
statt von '/4 Vn^ ^i^ Wirkung ist dieselbe, als wäre das Gold 
in seiner Funktion als MaU der Preise verändert worden. Dieselben 
Werthe, die sich daher vorher im Preise von 1 Pfd. St, drOckeu sich 
jetzt im Preise von 2 Pfd. St. aus. 

Das Papiergeld ist Gotdzeichen oder Geldzeichen. Sein Torh&lt- 
niss ZD den Waarenwerthen besteht aar darin, dass eie ideell in dea- 
edben Goldquantis ansgedrflckt sind, wdche vom Papier symbolisch 
sinnlich dargestellt werden. Nnr sofern das Papiei^d Goldqoanta 
repräsentirt, die, wie alle andren Waarenqnanta , anch Werthqoanta, 
ist es Werthzeichen ^*]. 



**] Note zu 2. Aotgabe. Wie unklar aelbt die besten Schriftaeller über 
Geldwesen die verschiedenen Funktionen des Goldes auffassen , zeigt z. B. 
folgende Stelle aas FuIIarton: „That, as fu aa concemB oai domesüo ex- 
changee, all the monetary funcüona whidt are nsnsllj performed by gold and 
■ilver coins, may be performed as effectoally by a oircnlatioa of inconvertible 
notes, having no valne bat that factitiODS and conventional valne the; ileiive 
&oni the law, ie a foct, which admits, I conceive , of no denial. Valne of 
this desoription may bemade toanawer all the pnrpogeBofintrinsic value, and 
anpenede even the neceisity foi a Standard, provided onlj the qnantity of 
iaanes be kept ander doe llmitation." (Fallarton; Begulation of CuneDcies, 
2 ed. London 184S, p. 21.) Also weil die Geidwaaie durch blosse Wertb- 
zeicben in der Cirknlation ersetzt werden kann, ist sie als MaCs der Werthe 
nnd MaTastab der Preise überSSssigl 



lyGOOgIC 



— 102 — 

Es fn^ sich Bchlieaalich, warum das Gold dnrch blosse werth- 
lose Zeichen seiner selbst ersetzt werden kann? Es ist aber, wie tum 
gesshn, nur so ersetzbar, soweit es in seiner Funktion als Mflnze oder 
Cirknlationsmittel iaolirt oder veraelbat&ndigt wird. Nnn findet die 
Verselbst&ndigang dieser Funktion zwar nicht fOr die üncdnen Gold- 
mflnzen statt, obgleich sie in dem Fortcirkntiren verachlissener Gold- 
stOeke erscheint. Blosse MOnze oder Cirkalationsmittel sind die Gold- 
stflcke grade nnr so lang sie sich irirklich im ümlanf befinden. Was 
aber nicht fOr die einzelne Goldmftnze, gilt fDr die vom Papiergeld 
ersetzbare Hinimalmasse Gold. Sie haust beständig in der Cirknla- 
tionaapb&re, funktionirt fortwährend als Cirkalationamittel und exiatirt 
daher ansscbliesslich als TriLger dieser Funktion. Ihre Bew^nng 
stellt also nnr das fortwährende Ineinandernmschlagen der entg^!«n- 
geeetzten Processe der Waarenmetamorphoae W — G — W dar, worin 
der Waare ihre Werthgestalt nnr gegenfibertritt , om sofort wieder 
zn Terschwinden, Die selbstfindige Darstellnng des Tanschwertba 
der Waare ist hier nnr flflchtiges Moment. Sofort wird sie wiedw 
dnrch andre Waare ersetzt. Daher genügt auch die bloss symbolische 
Existenz des Geldes in einen Process, der es beständig ans einer 
Hand in die andre entfernt. Sein fonküoneUes Dasein absorbirt so 
zu sagen sein materielles. Verschwindend objektivirter Beflex der 
Waarenpreise fnnktionirt es nnr noch als Zeichen seiner selbst und 
kann daher auch durch Zeichen ersetzt werden*"). Nnr bedarf dag 
Zeichen des Geldes seiner ügnen objektiv gesellschaftlichen Gültig- 
keit nnd diese erb&lt das Papiersjmbol dnrch den Zwangsknn. Nnr 
innerhalb der Ton den Grenzen eines Gemeinwesens nmschriebnen oder 
innmi Cirkulationssph&re gilt dieser Staatszwang, aber auch nnr hier 



**) Dantu, dass Gold nnd Silber als Httnie oder in der ausaebUeBsliehen 
FanktioD aU CirkttUtdonamittel zd Zeichen ihrer selbst worden, leitet Nicholas 
Barbon das Recht der B«gierangcn her „to raise monej", d. h., z. B. eioeo 
Qoantam Silber, das Giosohen hisM, den Namen einsa grössom Silberqnantoms 
wie Thaler sa geben, nnd so den Glünbigom Gtoscbeu itatt Thaler zniflckin- 
zahlen. „Monej doea wear and grow lighter bj aften t«lling over . . . . It ia 
the denomination and ciHTeiic7 of the mcaey that men regard in baiguning, 
and not the quantity of silrer . . . 'Tia the pnblick autiiority opon tbe metal 
that makes it mooef ." (N. Barbon 1. c. p. 29, 30, 25.1 



lyGOOgIC 



— 103 — 

gebt das Geld rOllig auf in süiie Fnnktion aie Cirknl&tionsmittel oder 
HOnze, und kann daher im Papiergeld eine von seiner Uetallanb- 
etanz Hnsserlich getrennte nnd bloss fanktionelle Existenzweifle er- 
halten. 

3. Geld. 

Die Waare, wdche als Werthmafs und daher auch, leiblich 
oder dnrch SteUvertreter, ale Cirkniationsmittel fnnktioniit, ist Geld. 
Geld (resp. Silber) ist daher Geld. Ala Geld fonktionirt es, einer- 
8«tB wo es in aetner goldnen (reap. silbernen) Leiblicbkeit erscheinen 
mtuiB, daher als Geldwaare, also weder bloss ideell, wie im Werth- 
ma[k, noch repr&sentaüonsfthig, wie im Cirkniationsmittel; andrerseits 
wo seine Punktion, ob ee selbe nnn in ngner Person oder dnrch 
BtellTertretei vollziehe, es als alleinige Werthgeatalt oder allein adfi- 
qnates Dasein dee Tanschwerths allen andren Waaren als blossen 
Gelnanohswerthen g^^enflber fixirt. 

a) Schatzbildnng. 

Der kontinnirliche Krüalaof der swei ent|;egeiigesetzten Waaren- 
metamorphosen oder der flDssige Umschlag von Verkauf und Kauf 
ersdieint im rastlosen ümlaof des Geldes oder seiner Funktion als 
perpetnnm mobile der Cirknlation. Es wird immobilisirt, oder ver- 
wandelt sich, wie Boisgnillebert sagt, ans meuble in immeuble, ans 
Hfinze in .Geld, sobald die Metamorphosenreihe nnterbroohen, der Ver- 
kauf nicht dnrch nachfolgenden Kauf erg&nzt wird. 

Hit der ersten Entwicklung der Waarencirknlation selbst ent- 
wickelt sich die Ifothwendigkeit nnd die Leidenschaft, das Produkt 
der ersten Metamorphose, die Torwandelte Gestalt der Waare odn 
ihre Goldpnppe festzuhalten*'). Waare wird verkauft, nicht um Waare 
zn kaufen, sondam um Waarenform dnrch Geldform zu erBetsen. Ans 
blosser Vermittlung des Stoffwechsels wird dieser Fonnwecbsel zum 
Selbstzweck. Die entäusserte Gestalt der Waue wird verhindert als 
ihre absolut veränsserliche Gestalt oder nur verschwindende Geldform 
zu funktionirra. Das Geld versteinert damit zum Schatz, und der 
Waarenverkftnfer wird Schatzbildner. 

**) „TTne richeaie en argent n'est qne . . . rieheue en prodaotionii, con- 
vertdes eti argent." (Hereier de la £itUre 1. c. p, S&T.) „uns valeni en pro- 
dactdotu n's fait que ohanger de forme." (id. p. 48ft.) 



lyGOOgIC 



— 104 — 

Grade in den AnAogen der Wurenörkiüation rannudelt aich 
nnr der üebervdiiiBS an Gebnaehswerthen in Geld. Gold und Silber 
werden bo von selbst in geseUschsfUichen Aiudrilcken des üeberflnsaes 
oder des Beiohthnms. Diese naive Ponn der SchatEbildiing verewigt 
bicIl bü Völkern, wo der traditionellen ond auf Selbstbedarf gerichtetiB 
ProdnUloneweiee ein fest abgeschlosaner Kreis von BedOrfoissen 
entspricht. So bei den Asiaten, namentlicb den Indem. Vaaderlint, 
der die Waarenpreae dorcb die Hasse des in einem Land befindlich«» 
Goldes ond Silbers bestimmt wihnt, fragt sich, wamm die indischen 
Waarra so wohlfeil? Antwort: Wöl die Inder das Geld vergraben. 
Von 1602 — 1734, bemorkt er, vei^roben de 150 Millionen Pfd. St 
Silber, die arsprftnglich von Amerika nad> Enropa kamen ■^). Vm 
1866 — 1866, also in 10 Jahran, exportirte England nach Indien nnd 
China (das nadi China exportirte Metall flieest grossentheils wieder 
nach Indien) 120 Hillionen Pfd. 8t. in Silber, welches vorher gegen 
asstraliBchee Gold eingewechselt wnrd& 

Hit mehr entwickelter Waorenproduktion muss jeder Waarenpr»- 
dacent web den nexns remm, das „gesellschaftliche Fanstpfond'* 
sichon*'). Seine Bedfirfnisse ernenem aich nnanfhOrlieh nnd gebieten 
mianfhSrlichen Kauf fremder Waare, w&hrend Prodnktion ond Ter- 
kaiif seiner eignen Waare Zeit kosten nnd von ZnfiUlen abh&ngeo. 
Um za kaufen, ohne za verkanfen, mnss er vorher verkauft haben, 
ohne zu kanftaL Diese Operation, anf allgemeiner Stufenleiter aoa- 
gefDhrt, schont sich selbst zn widersprechen. An ihren Prodnktioaa- 
qnellsn jedoch tanscben sich die edlen Metalle diiekt mit andien 
Waaren ans. £s findet hier Verkauf (auf Seite der Waarenbesitzer) 
ohne Kauf (auf Seite der Gold- und Silbetbesitser) statt^*). Und spätere 
Veik&ufe ohne nachfolgende Käufe vermitteln bloss die weitere Ver- 
theünng der edlen Metalle anter alle Waarenbesitzer. So entstehn 
auf allffli Punkten des Verkehrs Gold- und Silbersch&tie vom ver- 



") Tis bj UuB practica thej Iteep all theii gooii and munfactnieB at 
mch low ntea." (Tanderlint ). c p. 95, 96.) 

**) „Hone; it a pledg«." (John Bellers: „Euajs mhoat the Poor, Uao«- 
factnres. Trade, PlaotationB, and Immoralit;. Lond. 1699", p. 13.) 

") Kauf in kategorischen Sinn ontentellt nftnlieh Gold oder Silber acbon 
als verwandelt« Gestalt der Waare, oder ab Produkt des Terkaofa. 



lyGOOgIC 



— 106 — 

schiedensteii Vmtaag. Mit der Hftglichkdt, die Waare als TauBCh- 
wertb oder den Tanschwerth als Waaie festzohalten , erwacht die 
Qoldgier. Mit dar Angdehaiiii^ der Waarencirknlatioii w&ctast die 
Hacht dee Qeldes, der stets schlagfertig:en, absolut geaeUscbafUichea 
Form des fieicbttaciDS. „Gold Ist ein wunderbares Dingl Wer das- 
selbe l}e8itzt, ist Herr von allem, was er wUnscht. Durch G)old kann 
man so^r Seden in das Paradies gelangen lassen." (Colombns, im 
Brief ans Jamtüea, 1608). Da dem Qeld nicht anzosehn, was in ee 
verwEDdelt ist, verwandelt sich aUes, Waare oder nicht, in Geld. Alles 
wird verlänflich und kanfbar. Die Cirknlation wird die grosse gesell- 
Bchaftliche Betorte , worin allee hinfflofliegt ,• um als GeldkrTStall 
wieder heransznkonunen. Dieser Älohymie widerstetm nicht einmal 
Heiligenhnochen nnd noch viel weniger minder grobe res sacrosanctae, 
extra commercinm hominnm"'). Wie im Gold aller qualitative Unter- 
schied der Waaren ausgeltSscht ist, löscht ss seinerseits als radikaler 
LeveUer alle ünterechiede ane*'). Das Geld ist aber salbst Waare, 
ein änsserlich Ding, das Privateigenthnm eines Jeden werden kann. 
Die gesellBchaftliche Macht wird so znr Privatmacht der Privatperson. 
Die antike Gesellschaft denoncirt es daher als die Scheidemflnze ihrer 



**) Heinrich lU , allerGhristlichBter KBnig von Frankreich raubt KI(iateTD 
u. e. w. ihre Beliqnien, um sie zn Terailbem. Hm weiBs, welche Rolle der 
Ranb der delphischen Tempelachätze durch die Pbokäer in der grieehischeu 
Gesobiohte epielt. Dem Gott der Waaren dienten bei den Alten bekanntlich 
die Tempel zum WohnaitB. Sie waren ,JieiUge Banken". Den PbOniiiem, 
einem HaudelaTolke par ezeellaDee, galt Geld als die entätuaerte Gestalt aller 
Dinge. E« wu daher in der Ordnung, dasa die Jnngfranen, die aich an den 
Featen der Liebesgättin den Fremden hingaben, das zum Lohn empfangene 
Geldstück der Oettin opferten. 

") „Geld! jellow, glitteriiig preoious gold! 

Thns mach of thii, will make blaok white; foul, fair; 

Wrong, right; base, noble; old, youog; coward, valiant 

What this, ;on godal Wh; this 

Will lug your piieits and »ervanta from jour lidea; 

Fluok Btoat men'a j^owa bom below their heada. 

Thia jellow alave 

Will knit and break leligitma; blaw the »ccnrs'd; 

Make the hoar leproty ador'd; place tbieves 



lyGOOgIC 



— 106 — 

4konomisclien und sittlichen Ordnung"*). Die moderne Oesdlschaft, 
die schon in ihren EindnjahreD den Plntas an den Haaren ans den 
Eingeweiden der Erde heranatieht*^), begrasst im Goldgral die gl&nzende 
Inkarnation ihres ^gensten Lebensprincips. 

Die Waare als Gebranchsverth befriedigt ein besondres Bedürf- 
niss nnd bildet ein besondres Element des stoffLchen Beichthnms. Aber 
der Wertb der Waare misst den Orad ihrer Attiaktionskraft auf alle 
Elemmte des stoflFlichen Beichthiuns , daher den geaellschafUichen 
Reidithnm ihres Besitzers. Dem barbarisch einfachen Waarenbeütier, 
seihst einem weateurop^schen Baner, ist der Wertb unzertrennlich TOn 
der Werthform, Vermebmng des Gold- und Silharachatzea daher Werüi- 
vürmehnmg. Allerdings wechselt der Werth des Geldes, s« es in 
Folge sränes eignen WerthwechselB , sei es des Werthwechsels der 
Waaren. Diess verhindert aber einerstnts nicht, dass 200 Unzen Gold 
nach wie vor mehr Werth enthalten als 100, 300 mehr als 200 o. s. w., 
doch andrerseits daas die metallne Naturalform dieses Dings die all- 
gemeine Aeqnivalentform aller Wuren bleibt, die unmittelbar gesell- 
schaftllche Inkarnation aller menschlichen Arbeit. Der T^eb der 
Schatzbildni^ ist von Natur matslos. Qualitativ oder seiner Form 
nach ist das Geld schrankenlos, d. h. allgemeiner Bepräsentant des 
stofflichen Beichthnms, weil in jede Waare unmittelbar nm setzbar. 
Aber zugleich ist jede wirkliche Geldsumme quantitativ beschr&nkt, 



And gtve them title, knee and approbation 
Witb aenatoiH of the banch; thig is it, 
That makes the wappen'd widow wed again 

Come damned eartb, 

ThOQ common whore of maakind." 

(ShakoBpeare, Timon of AUinia.) 

") ,,Ot'(ftt- yäg tipSgiönotmF aiay iiQyvpot 
Kiaöy vöfuafio i^laaii ' tdüio xai tioiUk 
IlogSti, riJ" ävifgaf ^iavimijeiy iöfiuy. 
Tid" ixiiii-axti Kot naßarUnam if^iyat 
X^qut«; TtQÖi ala^QB rlySiänoit ff fu', 
Ktä TtayTÖs f^yov Jvaatßtiai' iMyui " 

(äophodea, Antfgone.) 

•") „'Ehliiovaiif lijt nitoflSiaf äyaSny ix täy fivjrtiy t^i y^t avxiv i 

Jliniiioya." (Athen. Deipnoa.} 



lyGOOgIC 



— 107 — 

daher auch nur KanEtnittel von beechrfinkter Wlrknng. Dieser Wider- 
spruch z wischen der qnanldtatiTen Sohranke und der qualitative 
Scbrankenlosigkeit des Geldes treibt den Schatzbildnei stets znrDck 
zar SisTpbnsaibeit der Äkkninalation. Eb geht ihm wie dem Welt- 
eroberer, der mit jedem nenen Land nor eine neue Orenie erobert. 

Um das Gold als Geld festEnhaJten nnd daher als Element der 
Schatzbildung, mnss es verhindert werden in cirknliren oder als Kaof- 
mittel fflch in Oennssmittel anfiolOsen. Der Schatzbildner opfert 
daher dem GeldfetiBch seine FloBcheslnst. Er macht Emat mit dem 
Erangeliam der Entaagnng. Andrerseits kann er der Cirknlation nor 
in Qeld entziehn, was er ihr in Waare giebt. Je mehr er prodncirt, 
desto mehr kann er verkanfen. Arbeiteamkeit, Sparsamkeit nnd Oeiz 
bilden daher eöne Kardinaltngeiiden , viel verkaufen, wenig kaufen, 
die Snmme süner politischen Oekonomie**). 

Neben der munlttelbaren Form des Schatzes läuft seine ästhetische 
Form, der Besitz von Gold- nnd Silberwaaren. Er wichst mit dem 
Keichtbnm der bürgerlichen Ctesellschaft. „Sojons riches on paraia- 
sons riches." (Diderot). Es bildet sich so theils ein stets ans- 
gedehnterer Markt fflr Gold nnd Silber, nnabh&ngig von ihren Geldfnnk- 
tionen, theils eine latente Znfnhrqnelle dee Geldes, die namentlich in 
gesellschaftlichen Stnrmperioden flieset 

Die Schatzbildang erfdllt verschiedne Funktionen in der Oekonomie 
der metallischen Cirknlation. Die nächste Funktion entspringt aus 
den Umlaufsbedinguugen der Gold- oder SilbermOnie. Mau hat geaehn, 
wie mit den beständigen Schwankungen der Waarencirknlation in 
Umfang, Fieisen nnd Geschwindigkeit die ümlanfemaese des Geldes 
raaÜoB ebbt und äuthet Sie muss also der Kontraktion nnd Expansion 
fähig sein. Bald mnss Geld als Hflnze attrahirt, bald Hflnze als Geld 
repellirt werden. Damit die wirklich nmlanfende Geldmasse dem Sätti- 
gungsgrad dw Cirknlationseph&re stets entspreche, mnss das in einem 
Lande befindliche Gold- oder Silberquantum grftsser sein als das in 
MOnzfunktion begriffene. Diese Bedingung wird erfOllt durch die 



**) lAi^crescere qosnto piii si pnä il niimeio de' venditoTi d'ogni merc 
dimiimJTe, qnanto piit si paä U nameio del oompratori, qaesti mdo i oardini bi 
qnoli si Toggiiano tutte le operazioni di ecououia politica." (Terri 1. o. p. 5S 



lyGOOgIC 



Schatzform des Geldea. Die Schatiiwerroiis dienm in^lüoti als Abfohr- 
und Znfuhrkanäle des cirknliraiden Oeldai, welches seine ümlanfskanlile 
daher Die Überfallt*''). 

b) Zahlangsmittel. 

In der bisber betrachteten unmittelbaran Form der Waarencir- 
kalation w&r dieselbe WerthgrOsBe stets doppelt vorhanden, Waora aof 
dem einen Pol, Qeld anf dem GegenpoL Die Waarenbesitzer traten 
daher nor in Kontakt als Bepräsentanten wechselseitig vorbandner 
Aequivalente. Mit der Entwicklui^ der Waarencirkiilation entwickeln 
sich jedoch VerhÜltnisee, wodurch die Ver&nBsenmg der Waare von 
der Bealisirung ihres Preises zmtlich getrennt wird. Es genügt die 
önfochstffii dieser Terh&ltnisse hier anzndeaten. Die eine Waarenart 
erheischt längere, die andere icürzere Zettdaner zn ihrer Produktion. 
Die Produktion verschiedner Waaren ist an Terschiedne Jahreszeiton 
geknfipft. Die eine Waare wird anf ihrem Marktplatz geboren, die 
andre moss zu entferntem Markt reisen. Der «ne Waarenbedtzer 
kann daher als Verkäufer auftreten, bevor der andre als Käufer. Bä 
steter Wiederkehr derselben Transaktionen nnter denselben Personen 
regeln sich die VerkanfigbediDgangen der Waaren nach ihren Prodnk- 
tionsbedingnngen. Andrerseits wird die Benntzung gewisser Waaren- 
arten, z. B. eines Uansee, fBr einen beebnunten Zeitraam verkauft. 



"') „There is reqaired for carrving on tbe trwla of thenation, a determi- 
nate sum of «pecifick Honey, wbioh vuiei, and is sometimes more, gometimes 
l«as, m tbe circnmatuices we aie in reqoire .... Thi« ebbiug and fiowing o:' 
money, Beppliee «nd accommodates itaelf, without auy aid of Potitdoiani . . . - 
The backeta work B!temat«lj; when mone; ia acaroe, buUiouia ooined; wben 
bollion ia scarce, monsj is melted." (Sir. D. North ], c. p. 32.) Jobu Stuart 
HU), lauge Zeit Beamter dar (utindiacthen Comp»guie, bestätigt, dasa in Indiau 
immer ooch dar SUberacbmock omnittelbar alsSchats fnnktionirL Die „silver 
oinameuts are brongbt out and ooined when there ia a high late of intereat, 
ud go back again wben tbe rate of intereat falb." (J. SL UiU's Evidenee. 
Bepta. on Baukacts 1857, n. 2034.) Naob einem parlamentarischen Dokament 
von 1864 über Gold- und Silbar>lupart und Export in Indien, fibarstieg 189!*. 
der Import von Gold und Silber den Export nm 19,3ö7,TS4 Pfd. 8t In den 
letzten 8 Jahren vor 1864 betrug der Excesa des Imports aber den Export 
der edlen Metalle 109,652,917 Pfd. St. Wihn'nd dieses Jahrhunderts wurden 
weit übur 200,000,000 Pfd. St. in Indien gemünzt. 



lyGOOgIC 



— 109 ^ 

Erat nach Ablsaf dw Termins hat der KInfer den GebranctiBwerth 
der Waare wirklich erhalten. Er kanft sie daher, bevor er sie zahlt 
Der eine Waarenbesitzer verkanft vorhandne Waare, der andre kanft 
als blosser BeprSsentant von Qüi oder als Bepr&sentant von künf- 
ti^m Qelde. Der Verkäufer wird Qlänbiger, der K&nfer Schuldner. 
Da die Metamorphose der Waore oder die Entwicklung ihrer Wertb- 
foriQ sich hier verfindert, erhUt auch das Qeld eine andre Funktion. 
Es wird Zabinngsmittel **). 

Der Charakter von Gl&nbiger oder Schuldner entspringt hier ans 
der einfachen Waarencirkulation. Ihre Fonnver&ndemn^ drflckt dem 
Verkäofer und Kinfer dieee nenen Stempel auf. Znnächet also sind 
OH ebenso verschwindende nnd Wechsel weis von denselben Cirknla- 
tioDsagenten gespielte Sollen wie die von Verkäufer nnd E&ufer. Je- 
doch sieht der Gegensatz jetzt von Hans ans minder gemOthlich ans 
und ist grosserer KrjstaUisation fähig*^. Dieselben Charaktere können 
aber anch von der Waarencirknlation nnabhängig auftreten. Der 
Klassenkampf der antiken Welt z. B. bew^ sich banptaächlich in 
der Form eines Kampfes iwischen Ql&nbiger nnd Schuldner, nnd endet 
in Born mit dem Untergang des plebejischen Schuldners, der durch 
den Sklaven ersetzt wird. Im ICttelalter endet der Kampf mit dem 
Untergang des feudalen Schuldners, der seine politische Macht mit 
ihrer Ökonomischen Baus einbUsst. Indess spiegelt die Qeldform — 
nnd das Terh&ltniss von Gläubiger nnd Schuldner besitzt die Form 
eines Geldrerhältnisses — hier nnr den Antagonismus tiefer li^ender 
Ökonomischer Lebensbedingangen wieder. 

Kehren wir zur Sphäre der Waarencirknlation znrlick. Die gleich- 
zeitige Erechnnnng der Äeqnivolente Wsare und Geld auf den beiden 



'^ Lntber untarscbeidet zwischen Geld als Eaafniittel nnd Zahlnogamittel. 
„Machest mir einen Zwilling ans dem Schadewacht, das ich hia nicht bezalen 
und dort nicht kanffen ikaon." (Martin Lntber: „An die Pfarrherm, wider 
den Wnober zq predigen. Wittenberg 1540.") 

") TJeber die Sehnldner- nnd GlänbigerrerhältnisBe unter den englischen 
Handelsleuten Anfang dea 18. Jahrhunderts: „Such a spiiit of emelty reigns 
bete in Engtand smong the men of trade, that is not to be met with in an; 
other aoeietf of men, nor inan^ otfaer kingdom of the world." (AnEssajon 
Credit and the Banknipt Aet, Lond. 1707", p 2.) 



lyGOOgIC 



— 110 — 

Polen des Terkanäprocesses hat anügehOrt. Das Qeld fnnktionirt 
jetzt eorstens als Werthmab in der PreiBbeBtiininiiag der Terkanften 
Waare. Ihr koDtraktlich feB^eeetzter Preis misst die Obligation des 
K&ofers, d. h. die Oeldsumme, die ai an beBtdmmtem Zeittermin schuldet 
Es fanktiouirt zweitens als ideelles Eanfinittel. Obgleich es nur im 
Geldversprechen des Käufers ezistirt, bewirkt ea den H&ndewechBel 
der Waaie. Erst am iftUigen Zahlnngstermin tritt das Zahlungsmittel 
wirklieb in Cirkulation, d. h. geht ans der Hand des Käufers in die 
des Terkänfere Ober. Bas Cirkolationsmittel verwandelte sich in Schatz, 
weil der Cirknlationsprocess mit der ersten Phase abbrach oder die 
verwandelte Gestalt der Waare der Cirkulation entzogen wurde. Das 
Zahlungsmittel tritt in die Cirkulation hinein, aber nachdem die Waare 
bereits ans ihr ausgetreten ist. Das Q«ld vermittelt nicht mehr den 
Procefis. Es schliesst ihn selbständig ab, als absolntea Dasein des 
Tanschwertha oder allgemeine Waare. Der Verkäufer verwandelte Waare 
in Geld, nm ein BedOrMss dnrch das Geld zu belriedigen, der Schatz- 
büdner, nm die Waare in Oeldfonn zn präserriren, der schuldige Käufer, 
nm zahlen zn können. Z^t er nicht, so finden Zwongsverk&nfe 
seiner Habe statt Die WerthgeBtalt der Waare, 0«ld, wird also jetzt 
zum Selbstzweck des Verkanfs durch eine den Verhältaissen dee Cir- 
knlatioDsprocesses wlbat sntBpiingende , gesellschaftliche Nothwen- 
digkeit 

Der E&nfer verwandelt Geld nirflck in Waare, bevor er Waare 
in Qeld verwandelt hat, oder vollzieht die zweite Waarenmetamorphose 
vor der ersten. Die Waare des Terkänfers cirknlirt, realisirt ihren 
Preis aber nur in einem privatrechtlichen Titel auf Geld. Sie ver- 
wandelt sich in Gebrauchs werth, bevor sie sich in Geld verwandelt 
hat Die Yollziehung ihrer ersten Hetamorphose folgt erst nach- 
träglich »•). 



■*) Note xnr 2. Ansg. Ans folgendem, meiner 1859 erachienensn Sdirift 
enUehnten Citat wird man sebn, warun ich im Text keine R&ckaicht nehme auf 
ein« entgagengeMtite Form; „Umgekehrt kann im Ptoceu — W dw Geld 
als wirkliches KanAnittel entaauert nnd der Preis der Wura so realisirt werden , 
•he der Gebnnduwerth des Geldes realisirt oder dio Wure Terfinssert wird. 
Sieis findet i. fi. statt in der allUiglichen Form der FräDamerotioBi. Oder in 
der Form, worin die englische Regierang das Opinm der Byots in Indien kanft. . . . 



lyGOOgIC 



— 111 — 

In jedem beetimmten ZeitabBchnitt des CirknlationspraceBses rq>ra- 
sentiren die ßUigen Obligationen die PreiBsiunme der Waaren, 
deren Verkauf sie herrorrief. Die enr Bealiaining dieser Freissuninie 
nOthige Qeldmasse h&ngt znnäcbst ab von der Umlanf^ieachirindigkeit 
der ZahlnDgsmlttel. Sie ist bedingt dnroli zwei TJmstbide: die Ter- 
kettong der Verhältnisse von Ql&nbiger and Schuldner, so daes A, 
der Geld von seinem Schuldner B erhält, ee an sönen Gläubiger C 
fortzahlt n. s. w. — und die Zeitlänge zwischen den Terschiednen 
ZahlnngstMminen. Die processirende Kette TOn Zahlungen oder nach- 
träglichen ersten Metamorphosen snterschadet sich wesentlich von der 
Mher betrachteten Verschllngnng der Hetamorphosenreihen. Im Um- 
lauf des Cirkulationsmittels wird der ZneammeohaDg zwischen Ver- 
käufern mid Käofem nicht nur ansgedrflcirt. Der Znaammenbang selbst 
entsteht erst in und mit dem Qeldnmlaaf. Dagegen drückt die Bewegang 
des Zahlwigsmittels einen schon Tor ihr fertig vorhandnen gesellschaft- 
lichen Zusammenhang ans. 

Gleichzeitigkeit and Nebeneinander der Verk&nfe beschränken den 
Ersatz der M&nzmasse durch Umlanfsgeechwindi^knit. Sie bilden nm- 
gekehrt einen nenen Hebel in der Oekonomie der Zahlnngsmittel. Hit 
der Koncentmtion der Zahlnngen an demselben Platz entwickeln sich 
naturwOcheig eigne Anstalten nnd Hethoden ihrer Anegleichnng. So 
z. B. die nrements im mittelaltrigen Ljon. Die Schnldfordemngen 
Ton A an B, B an C, C an A. u. s. w. brauchen bloss konfrontiit nt 
werden, am sich wechselseitig bis zu einem gewissen Belauf als positive 
und n^ative Grössen aufzuheben. So bleibt nnr eine Schuld- 
bilanz zn Baldiren. Je massenhafter die Eonceutration der Zahlungen, 
desto kleiner relativ die BUuiz , also die Hasse der oirkulirenden 
Zahlungsmittel. 

Die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel aohliesat einen unver- 
mittelten Widerspruch ein. So weit sich die Zahlungen ausgleichen, 
funktionirt es nur ideell als Bechengeld oder HaTs der Werthe. S»- 



So wirkt jedoch das Geld nnr in der acboD bekanntoD Form des KKafmitteU 
.... Kapital viH nstürlich auch inderForm desQeldea avuieirt . . . Dieaer 
GetichtapuDkt ftllt aber nicht indenEariiontdereinfacbeDCirkulitioD." (Zar 
Kiiük Bte. p. 119, 120.) 



lyGOOgIC 



— 112 — 

weit wirkliclie ZafalnD^ zu verrichten, tritt es nicht als Cirknlationg- 
mittd auf, als nnr Terschwindende und vermittelnde Form des Stoff- 
wecliBels, sondern als die individuelle Inkarnation der gesellschaftlichen 
Arbeit, selbstftndigee Basein des Tanschwerths , absolute Waare. 
Dieser Widersprach ekl&tirt in dem Moment der ProdnlctionB- und 
Handelakriaen, der Geldkrise hdesf"). Sie ereignet sich unr, wo die - 
processirende Kette der Zahlang«n und ein kOnstliches System ihrer 
Ansgleichnng völlig entwickelt sind. Hit allgemeineren StOmngen dieeee 
Hechanismns, woher sie immer entspringen mögen, achl&gt das Geld 
plötzlich nnd novermittelt ans der nur ideellen Qestalt des fiechen* 
gddes in hartes Geld nm. Es wird tmersetitich dnrch profane Waaren. 
Der Gebraochswerth der Waare wird werthlos and ihr Werth ver- 
schwindet vor stiner eignen Werthform. Kben noch erkl&rte der Bürger 
in prosperitätstmnktiem AafU&rongsdflnkel das Geld f&r leeren Wahn. 
Nur die Waare ist Geld. Nor das Geld ist Waarel gellt's jetit ttber 
den Weltmarkt. Wie der Eirsch schreit nach frischem Wasser, so 
schreit seine Seele nach Geld, dem einzigen Beichthnm""). In der 
Krise wird der Gegensatz zwischen der Waare nnd ihrer Werthgestalt, 
dem Gdd, bis znm absolaten Widerspruch gesteigert. Die ErscbeinaogE- 
form des Geldes ist hier daher auch gleichgültig. Die Geldhnngersnoth 
bleibt dieselbe, ob in Gold oder Kreditgeld, Banknoten etwa, zu zah- 
len ist"*'). 



■*) Die Geldkrifle, wie im Text bestimait aU beaondflre Phaie jeder >Uge- 
meiaen Prodaktioai- uud HAndsUkrise, ist nohl za naterdaheideo von der 
speciellen Sorte der Kriae, die man aach Gald^Ue nennt, die abar selbstindig 
auftreten kann, sodaia aie tat ladostrie and Hiudel nttr rQckschlagaad wirkt 
Ee sind dies Kriaen, deren BeiregnngeceQtnim das Geld-Kapital ist, und de- 
har Bank, BSrae, Finanz ihre anmittelbare Sphire. (Note von H. lat 3. Aofl ) 

"*) „Dieeee pldtzliche Douchlagen aus dam EradltaTatem in das Monetu- 
BjsWm fügt den theotetieohen SdirsckeD znm praktischen Panik: nnd die Cir- 
kulationaagenten eehandero vor dem nndarchdiin gliche d GeheimDUi ihrer eigenen 
VerhiltDiaee." (Karl Man 1. c. p. 126.) „The Poor stand atlll, becaoao the 
Bioh havs no Monej to emploj them, thoagh thej hare the laTne lend and 
faande to proride vlctnals and cloaths, aaevartbej had; which ie the tme Riebet 
of a Nation, and not the Hone;." (John Bellere: „PropoaaU for TRiciDg a 
CoUsdge of Indagtrj. Lond. I«96", p. S.) 

"') Wie Belebe Momente von den „amii da commerce" aoegebeutet wer- 
den: „On one occasion (1839) an old gnaping banker (dar City) in bia privat« 




n,,,-,-,--,;, Google 



— IIS — 

Betnehtea wir non die OesuimtoiuBnw des in üitem gegebeam 
Zeitalwchaitt nnÜBufeadai Qeldw, so ist ria, bei gegebner ümlrab- 
geechwindigkst der OirkmUtioiiB- und ZahlnngBinittel, gleich der Stuome' 
der in realisiranden Waarenpreise plus der Snnune der miig«n Zahlungen, 
minus der sich aoBgleichenden Zahlungen, minoa endlieh der Anuhl 
Umläufe, worin dasselbe Geldatflck abwechselnd bald >ls Cirknlations-, 
ttald als Zahlungsmittel fonktionirt. Z. B. der Bauer verkauft sein Getreide 
für 2 Pfd. St, die ao als Cirknlationsmittel dienen. Am Verfalltag lahlt 
er damit L«nnwand, die ihm der Weber geliefert hat. Dieeäben 2 Pfd. 8t. 
Ainktioniien jetzt als Zahlungsmittel. Do- Weber kauft nnn ans Bibel 
g^en baar, — sie funktioniren von Neuem als Cirkalationsmittel — u. b.w. 
Selbst Preise, Geschwindigkeit des Oeldnmlanä, und Oekonomie dv 
Zulangen groben, decken sich daher nicht linger die w&hrend einer 
Periode, einee Tags z. B., nmlanfende Geldmasse und eirkulirende Waaren- 
masse. Es l&nft Geld um, das der Cirknlation Iftngst entsogne Waaren 
repräsentirt. Ee taufen Waaren um, deren Geldäquivalent erst in ier 
Zukunft eiBCheint. Andrerseits sind die jeden Tag kontrahirten und ^ 
denselben Tag fälligen Zahlungen durchaas inkommmsurable QrSssen >**). 

room raised the lid of tlie desk he aat over, and displajed to b friend idUh of 
baDknot«B, sajing with intense g\w th«re wer« 600,000 ■£ of them, the; waie 
held to mähe monej tight, and woald ali be Ist oat after tbree o'ctock on the 
sonin day." („Tbe Tbeor; of the Eichanges. The Bank Charter Aot of 1844. 
Lond. 1864", p. 81.) Dae balbofBcielle Organ, „The ObBervei", bemerkt am 
24. April 18S4: „Some ver; onriaus mmonn are enrrent of the meane whioh 
havc been reaorted to in order to create a Bcaicity of Banknates . . . Qneatio- 
uable ae it woald Mem, to snppou thatanytiickof tbe kind wouldbe adopted, 
the report has been go nniversal tliat it reall; deurvei mention." 

'**) The amoont of aales or cuntracta entered lipon duiing the ooone of 
anj jjiven da;, will not affect tbe qnantity of mooe; afloat on that partäonlar 
day, but, in the vaet majontjof caaes, will resolve thenuelraa iuto mDltifariona 
drafts Dpon the quantjty of money which may be afloat at SQbaeqoent datee 
raore or leaa diatant . . . Tbe bitls granted orcreditfl opened, to day, need have 
no roMmblanea wbatever, either iu qnantity, amonnt or dnration, to thoae granted 
or entered npon to-morrow or iieit day; nay, many of to-day'a billa, aodcre- 
dit«, when dne, fall in with a masB of liabilitiea whoseorigiDabarersaa ränge 
of antecedent datei altogether indefinite, bilU at 18, 6, 8 monthi or I often 
aggregating together to swell tbe common liabilitieB of one particslar day . . , ." 
(„'ntflCnireDcy QaeatiouBeriewed; a letter to the Scotch peopte. Bya Banker 
in E:tg)and. Edinburgh 1845", p. 29, 30 paBsim.) 

Man. Kiiiitiil 1. 8 



lyGOOgIC 



114 



D«B Knditgeld entspringt nimiittalbar tua ita Fmküm dea Oeldes 
als Zahlnngsmittel, indem ScfanldcertifikRte fOr die verkauften Wauvo 
selbet wieder zar Uebertragoiig der Sohnldfordernngen cutnliren. Andrw- 
sntB, wie eich das Kreditwesen snaddiiit, bo die Fnnktion dee Qeldes 
sIb Zahlungsmittel. Ala solchee erh&lt ea ügne Existeniformen, worin 
B9 die Sphäre der grossen Uandelfitraiisaktioneii betunst, w&hrend die 
Qitii- oder SUbenn&nie haupts&cblich in die Sphäre des Klrnnhandels 
loröckgedrSngt wird^'*). 

Bei gewisseK HShegrad und Umfsng der Wurenprodnktiou greift 
die Funktion des Geldes als Zahlnngnuittel Ober die Sph&re der Wuren- 
cirknltiion hinaBB. Es wird die tülgemmne Waare der Kontrakte^**). 
Renten, Steuern a. s. w. verwaudrin sich ans Natnralliefeningen in 
Oeldtablnngen. Wie sehr diese Umwandlnng durch die Gesammtgestalt 
des ProdoktioDSproceeses bedingt wird, beweist e. B. der zweimal ge- 
Hchnterte Tersnoh d« römisohen Küserreichs alle Abgaben in Oeld 

"*) AU Beispiel, wie wenig reelles Geld in die eigentlicheD Haedelsape- 
rationen eingeht, folgt hier du Schema eines der giöutcn Londoner Handela- 
liäaaer &ber Beine jährlichen Geld einnähe: en nnd ZahlongeD. Seine Truu- 
aktionen im Jahi 1856, die Tiele Hillionen Pf. St omfauen , sind nnf den 
HaassUb einer MUlion verkttrzt. 



Einnahme 


n. 




Anegaben. 




Weebsel Ton Banqueis 






WechMl D«eb Datum 




nnd Sanflenten nach 






tahlbar Pf. 8t 


302,674 


Dataun zahlbar: Pf 


St 


638,596 






CheqneB von Banqnieia 






ChsqnBB anf Londoner 




ete. bei Sicht sahlbu 


„ 


967,715 


Banqniere 


663,672 


Landbank'Noten: 




9,627 


Noten der Bank Ton 
England 


22,743 


Noten der Bank fon 






Gold: 


9.487 


England 


„ 


«8,564 






Qold: 




28,089 


Silber and Kopfer: 


1,484 


SUber QBd Knpf«: 


„ 


1,486 






Poet Offlee Ordei«: 


„ 


9S3 








St 


1,000.000 





(Beport bom the Salect Committee on the Bankacts Jnlj 1858, p, LXXI.) 
'*^ „The Conrw of Trade being thna tumed, from eiohanging of gooda 

fer gooda, er delivering and taking, to eelling and pajing, all the bargaiu 

an aow itatad npon Uie foot of a Priee in Hone;." („An Easay npon Pnblick 
Credit S. ed. Lond. 1710", p. 8.) 



lyGOOgIC 



— 115 — 

SD eriteben. D&e UDgehenre Elenil Aes franzosiechen Litndvalks nter 
Lndw^ XIV., das JBoisgoi Hebert, Marschall Vaaban n. s. w. so bwedt 
dennnciren, war nicht nar der Steuerhühe geschuldet , sondern anch 
der VerwandliiDg vor Naturalsteuer in Geldateuer >"^). Wenn andrw- 
seita die Natnralfonn der drundrente, in Asien zugleich das Ilanpt- 
etement der St&atsatetier, dort aof Prodnbtionsverh&ltniasen bernht, welche 
sich mit der Unwandelbarkeit von Naturverhältnisseu - reproducireu, 
erhalt jene Zahlnngefonn rückwirkend die alte ProduktlooBforDi. Sie 
bildet eines der SelbBterhaltungs^eimnisse des tOrkischen BeichE. 
Zieht der dnrch Europa aufoctroyirte auswärtige Handel in Japau die 
Venrandlnng von Naturalrente in Goldreute nach sich, so ist ob um 
Mine mnsterbafte Agrikultur geschehn. Ihre engen ökonomischen 
EKtstmzbedingnngeu werden sich auflösen. 

In jedem Land setzen sich gewisse allgemeine Zahluogstermiue 
fest. Sie bemhD theilweis, von andren Cirkellänfen der Reproduktion 
at^eeehn, aaf den au Wechsel der Jahreezeit gebundnen Naturbedin- 
gnngen der Produktion. Sie regeln ebenso Zahlni^n, die nicht direkt 
der Waorenciiknlation entspringen, wie Steuern, Booten n. s. w. Die 
(teldmasm, die zu diesen über die ganze Oberfläche der Geeellachaft 
sersplitterten Zahlungen an gewissen Tagen des Jahres erheischt ist, 
remrsacht periodische, aber ganz oberflächliche Pertnrbaüonen in der 
Oekonomie der Zahlungsmittel '"'}. Ans dem Gesetz über die TTmlanfs- 

'") „L'argent est devena le bonrreKU de toutes leB chosea." Di«7iiuju- 
knnat iit dai „atmmbic qui a fait eTaporsr une qnantite effivyabls da biena et 
d« denieee poni faiie oe fatal precia." „L'argent dedaie la gnerre a tont le 
giaae hnmam." (Boisguillebett: „DÜBertation anr U nature dea riobeasea, de 
Targent et des tribnta", edit. Daire, „6oonomiet«e fioanden." Paris 184S,. 
t. I, p 41S, 419, 417.) 

'**) „Pflogatinantag 1824", erzihlt Herr Craig dem parlamsntariaohen Un- 
terBQchoBgMamite von 1820, „war eine aolobe nngeheore Nachfrage fOrBant- 
aoten in Sdinbnrg, daes wir mn 11 Uhr keine «nzige Note mehr iu unsiem 
Verwahnun hatten. Wir sandten der Reihe nach cn den varsehiednen Banken 
nm welche zn beiden, koouten aber keine erhalten, nnd viele Tnnsaktiotieii 
kennten nnr durch tlipe of paper berichtigt werden. Um 3 Uhr Naehmittaga 
jedoch waren bereite einuntliche Noten Tetnmirt zu den Banken, von denen sie 
aneliefen. Sie hatten nnr die Hände gewe<AselL" Obgleich die effektiv e Donih- 
•«hnittsöribilation der B»nknot«n in Schottland weniger als S HilL Pf. St be- 
trägt, wild dennoch, an verEohiednen Zahlongaterminen im Jahr, jede im Be- 



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— 116 — 

gwchwindigkeit der Zahlnngsmittel folgt, das« fDr alle periodiBobn 
Znhlnngen , welches immer ibie Qnelle , die nothwendige Masse dar 
Zablangsmittel in umgekehrtem VerhSltnies znr Länge der Zahlnngs- 
perioden steht ^*^. 

Die Bntwieklimg des Oeldes als Zahlnngamittel emöthigt Oeld- 
Akkamnlationen Ar die VerftUtermine der geschnldetsn Sommea 
Während die SchatzbildnDg als aelbat&ndige Bereiehernngfiform nr- 
ach windet mit dem Fortschritt der bfirgerlichen ßesellschaft, w&chst 
sie lungekehrt mit demselben in der Form von Beserrefonds der Zablnngs- 
mitteL 

e) Weltgeld. 

Hit d«n Austritt ans der innem Cirknlationssph&re streift die 
Geld die dort anfschiessenden LokaUormen von Hafsstab der Pröse, 
Künz«, Schindemflnze nnd Wertbzeichen wieder ab ond fl1lt in die 
nrsprfinglicbe Barrenfonn der edlen Metalle znrOck. Im Welthandel 
entfalten die Waaren ihren Werth nniversell. Ihre aelbständige 
WerthgeRtalt tritt ihnen daher hier auch g^^nfiber ale Weltgeld. Brat 
auf dem Weltmu-kt fnnktionirt da« Gleld in vollem Umfang als die 
Waore, deren Natnralform ungleich nnmittelbar gesellschaftliche Tw- 

HitE der BsnqDierB befindlichi> Kott, allnn in allem nogefähr 7Hill. Pf. St, in 
Aktivität gerufen. Bei dieeeD Grelcgenbeiten haben die Noten eine ciniige nnd 
Bpaeifischa Funktion lu tollzi^hen nnd sobald sie vollzogen, flieuen nie zu den 
rsBpektiven Banken lurflck, von denen sie kualiefen." (John PallarlDn; ,,Be- 
gaUtioo of CorrendeL 2iid ed. l«od. 1845" p. 86 Nt« ) Zorn TrratandniM 
ist htncuufügen, dass in Schottland zur Zeit von Fullarton'u Schrift nicht ebe- 
ques, aondera nnr Noten fGt die Deposits ausgegeben wurden. 

"^ Auf die Frage „if thera were oocasion to raise 40 millioni p. a., 
wLether the same 6 millioiiB (Gold) wonld snffice foi auch revolaüona and cir- 
cnlationa thereof as trade requires?", antwortet Psttf mit seiner gewohnten 
Ueiiteracbaft: ,4 anawer ;es: Eor the eipenee betng 40 milliona, if the levo- 
Intiona were in sncb ahort circlea, viz, weekly, as happene among poor artizana 
and labonrers, wbo reoeive and pay every Satnrday, then *'/„ parta of ImO- 
lion of money wonld answer tbeae enda; bntifthe eircles be quarterly, acoor- 
ding to OUT cnatom of payiog lent, and gathering taiea, then lOmUtiona wer« 
rcqulaite. Wherefore aupposing paymenta in gensral to be of a miied circle 
between one weok and 18, then add 10 niiUionx to *7»ii the half of tue whioh 
will be 5'/,. so aa if we have 6'/* mül-. we have enongh." (William Petty: 
„Pollticai Anatomy of Ireland 1672", edit. Lond. 1691, p. IS, 14.) 



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wirklichsDgBfons der mMuchlichen Arbeit Id »betracto ist. Sdn« 
Duaeinsveise wird seinem Betriff tidäqnat. 

In der innerii Cirlnl&tioiuwpbäre ktuin nar eine Waare zun Werth- 
tnata and daher al§ Geld dienen. Auf dem Weltmarkt hensuht doppeltes 
Werthmafa, Gold und Silber"*), 

Das Weltgeld fonktdonirt als allgemeinee ZahltingBmittel, allt^emeines 
Kao&iiittel and absolut gesell sdiaftliche Materiatnr des Bdchthnm» 
flberhaapt (nniversal wealth). Die Funktion als ZaUnngsmittel, inr 
AaBglMebaDS internationaler BUaoEen, herracbt vor. Daher das Losongs- 
wort des HerkantUsystema — Handelsbilanz***)! Znm internationalen 

*"} Daher die AbgeBehmickÜieit jeder Gcsetzgebong, die den Nation atbanken 
TorKhieibt, du du edle Hetall anfznaebatzea, du im Innern doa Landei ata 
Geld fbnktioniri Die so Belbstgeacbaffenen „holdcio Hindernisse" der Bank 
Ton England i. B. sind bekannt, üeber die gromea hiBtorischen Epochen des 
reUtifen Werthwechiela von Gold ond Silber sieb Karl Man 1. c. p. 136 eq. 
Ziuatz inr 2. Ausgabe: Sit Bttbert Peel mchte in aeinem BtnkaLt von 1844 
dem Hiastand daduch abznbelfen, daae er der Bank von England erlaubte No- 
ten anf Silberbnllion aoaingeben, so dasa jedoch der Silbervorratb nie mehr bU 
ein Tiertet dee Goldronatlu. Der Silberwerth inid dabei geachätzt nach «einem 
Haiktpreis (in Gold} anf dem Londoner Harkt. 

"*) Die Gegner dea Herkantile;«tenie, velchea die Saldirang überschQBeiger 
Handelibilanz daroh Gold und Silber aU Zweck dea Weltbandeh bnhandelte, 
Teriuumteo üirerseita dorobaos die FnnkÜon dea Weltgeldea. Wie die falaohe 
AaßueaDg der Gesetie, welebe die Hasie der Cirbtilation «mittel re^ln, aicli in 
der fitlsehen Anffaasnng der internationalen Bewegung der edloo Metalle nur 
wiederepiegelt, habe ich aaafBhrlich an Ricardo nacbgewieaen. (1. e. p. 1S'> 
aqq.) Sein hlacbea Dogma: „An nnfikvonrafale balance of trade ne*er ariaet 
bat from a redundant onrrencj . . . The eiportation of the coia is caaaed bj 
ita ebeapnesB, and ia not the effect, bot the caaae of an anfavonrable balance'' 
Badet man daher schon bei Barben: „The Balance of Trade, if there be one, 
is not the canae of aonding awaj the money out of a nation: bat tbat pro- 
oeeds from the differenee of the Talne of Bollion in uver; oonntxj-" l,N. Barbon 
1. c. 59, 60.) Hac Cnlloob in „The Literatoie of Political Eoonomy, acUaai- 
flad oatalogne. Lond. 1846" beloht Barbon fftr diese Antjoipatjon, vermeidet 
aber wohlweislich die naiven Formen, worin bei B. die abaordon Toraossetzongen 
dea „cnrrencf principle" noch erHOheineD, anch nur in erwähnen. Die Kritik' 
loaigkait ond aelbat ünelirliahkeit jenes Katalogs gipfeln m den Abscbnitten 
aber die Geacbichte der Geldtheorie, weil Hac Cnlloch hier als S^kopbaat dea 
Lord Orerstone (ei-banker Lojd), den er „faeile princepa argentariomm" 
nennt, ichwaniwedelt. 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 118 — 

Kanfinittel (tieneo Gold nnd Silber wesentlich, so oft das herkömm- 
liche Gleichgewicht des Stoffwechaela ziriscben TerHchiednen Nationen 
plötzlich geetArt vird. Endlich als abaolnt gesellBchaftliche Hateriatur 
des BeicbthumH, wo ee sich weder um Kanf nach Zahlung handelt, 
Bondem nm Uebertra^nng des Seichthnms Ton einem Land zum andren, 
und wo diese üebertragnng in Waarenform entweder durch die Eon- 
jnnctnren des Waarenmarhts oder den m erfüllenden Zweck selbst 
ansgeschlossen wird'"). 

Wie fßr Beine innere Cirkulatlon, braucht jedes Land für die 
Weltmarktecirkulation einen Beservefonds. Die Funktionen der Sch&tae 
entspringen also thüls ans der Funktion des Qtidee als inneres (3r- 
knlations- und Zi^nngsmittel, thnls ans seiner Funktion als Weltgeld "V- 
In der letzteren Bolle ist stets die wirkliche Geldwaare, leibhaftes 
Oold ond Silber, erbeiscbt, weeswegeu James Steuart Gold und Silber, 
im nnterscbied von Ihren nur Lokalen St^vertretem, aaBdrflckli(^ als 
money of the world charakteriMrt. 

Die Bewegung des Gold- und Silberstroms ist eine doppelte. 
Mnerseits wälzt er sieb von seinen Quellen Qber den ganzen Welt- 
markt, wo er von. den verschiednen nationalen Cirknlationsaphiren in 
verecbiednem umfang abgefangen wird, um in ihre inneren TJmlanfs- 
kanäle einzngehn, verschlissene Gold- und Silbermflnzen zn ersetzen, 
das Material von Lumswaareu zu liefern nnd za Schätzen zn 
erstarren^"). Diese erste Bewegung ist venmttelt durch direkten Aus- 

'"] Z. B. bei Sabaidipn. Galdauleihn zur KriegführuQg odor zor Wiedar- 
safnahine der Baarzahlungen von Banken □. h. w. Lano Werth grade in der 
Geldform otbeiaeht uin. 

'**a} Note znr 2. Ausgabe. „I wauld d«aire, indeed, qo more convioeing 
evidence of the oompetency of the macliinerj of the hoards in Bpecie-paying 
countries to perform everj- necessar; offlce of intematjonal adjustment, withont 
anj seoüble aid from tbe genetal circnlatioD. than the facility with wbich France, 
whcn bnt just recoTering fron the shoobof adeatnictive foieign Invasion, oom- 
plcted within the apace of 27 montha tbe payment of her foiced eanbibntii« 
of nearlj '.'0 millioDS to the allied power», and a oonaiderable proportioD of 
that sDin in Hpeoie, withont pErcoptible contraction or derangement of berdo- 
moalia cairenc;, or even any alarming flnetuation of her eiohange." {FaUnr- 
ton L e. p. 191.) 

'") , Jj'argent se parUge entre les natiouB relativement an besoin qu'elles 
en ont . . . etant toujonrs sttire par les prodaotjons." (Le Trosne 1. c. p. 



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— 119 — 

tansch der Ln Waaren re^iürten NKtionalarbeiton mit der ia edlen 
Metallen raaliBirt«n Arbeit der Qold und Silber prodncirenden L&nder. 
Andrerseita laufen Gold nnd Silber fortwährend hin und her zwigchen 
d«D verschiednen nationalen CirknlationBsphfiren , eine Bewegm^, die 
den nnaofhOrlicben OsciUationen des WecbselkuiseB folgt '^*). 

Länder entwickelter bfirgerlicher Prodaktiou beechränlcen die in 
BankreeervoirB miesenhaft koncentrirten Schfitw auf d^ zn ihren spe- 
dfischeo Funktionen erheischte Minimum'^'). Mit gewisser Ananatune 
zogt aufEallendee UeberffllleD der Schatiresra^oirs Ober ihr Dnrch- 
sclinittsiiiveaa Stockung der Waarencirkulation an oder unterbrochen«! 
FluBS der Waarenmetamorphoee "*). 



916.) „Tlie minefi which aro contJao&llf givinK gold and sÜTer, do give auffident 
to anppl; auob a needfnl balance to e^eiy nntion." (J. Tsnderlint 1. c. p. 40.) 

"*) „Eiohan^ea riae and fall ctstj week, and at «ome particuUr timM in 
the jear nm high agalnst a oaUon, and at other tünea run as high on tbe 
contmy." (S. Barbon I. c. p. 89.) 

'") Diese verschiedeneD Funktionen können in gefUirlioben Konflikt ge- 
laHien, sobaid die Funktion eines KooTerdonafonds ttlr Banknoten hinzutritt 

"*) „What money is more than of abtolnte necenit; for a Home Trade, 
in dead stock, and brings no proäl to that oountr; it's kept in, bntaaitittnuu- 
ported in Trade, m well as imported." (John Bellen 1. c. p. 12.) „Wbat 
if we bave too mach eoin? We ma; melt down the heaTisst and tumitinto 
the iplendonr of plate, vetaels or ustensils of gold and ailver; or aend it out 
aa a commodity, where the same is waoted or dedred: oiletit out atintereet, 
where inteteet ia high." (W. Fet^: „Quantalnmonnque", p. 39.) „Mono; 
ia bot the fat of the Bodj Politick, wbereof too mach doea m often binder its 

agUit]*, aa too little makea it aiok m &t lubrioatea the molaon of 

tlte mnaclea, feeda in want of rictaala, fills np uneven caritaea, and beantifiea 
the Wdj; SD doth monej in tbe state quicken its aotions, feeda from abroad in 
time of deaith at hatne; eTens aCGoimtH . . . and beantifieB the whote; al- 
thoagh", iioniach abschlieaaend , „more eapwiallj die particnlar peiMna that 
bare it in plent; ". (W. Pettj: „Foliücal anatom; of Inland" p. 14.) 



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Zweiter Absclmitt 
IHe Terwandlimg von Oeld in KapitaL 

Viertes Kapitel. 
Yernndlang tod Ctold la Kapital. 

I. Die kllgemeine Formel des Kapitals. 

Die Wauencirkiilaticn ist der AnBgangspnnkt dee E^iitals. Waaim- 
Produktion nnd entwickelte Waanndrknlatioii, Handel , bilden die 
historischen Voraassetniugen, nnter denen es entsteht. Welüiandel nnd 
Weltmarkt eröffnen im 16. Jahrhundert die moderne Lebensgeschichte 
des Kapitals. 

8ehn wir ab vom stofflichen Inhalt der Waarencirknlation , vom 
ADataasch der verecliiednen Gebranchewerthe, und betradkten wir nnr 
die Ökonomischen Formen, 'die dieser Process eraengt, so finden wir 
als sein letitee Produkt das Geld. JKes letrte Produkt der Waaren- 
cirknlation ist die erst« ErschMnnngsfonn des Kapitals. 

HiBtorisch tritt das Kapital dem Gmndeigentham flberaU lun&chst 
in der Form von Qeld gegenüber , als fieldTennögen , Kaafpuuins- 
kapital nnd Wucherkapital*). Jedoch bedarf es nicht dee Bückblickü 
anf die Entetehnng^eechichte des Kapitals, um das Qeld als seine 
wate BTsebeionngeform an erkennen. Dieselbe Geschichte spielt t&glich 
Tor nneno Angen. Jedes nene Kj^ital betritt in enttf Instanz di« 
Bohne, d. b. den Harkt, Waarenmarkt, Arbeitsmarkt odn Geldmarkt, 
inunn' noch als Geld, Geld, das sich dnr^ bestimmte Procesae in 
Kapital ferwaiiddn soll. 



') Der G^enuti iwiachen der anf penünlichen Knechtsehafte- und Heir- 
MhafteTerhUtniiHn bemhendan Macht des GrandeigeothumB and der nnper- 
•Onlkhen Uadit dei Geldei iit klar gefaut in den iwei frauMschen Spriob- 
«ortMi: „Nnlle terr« sau Hii^eor." „L'argent a'a pas de maitn." 



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— 121 — 

Oflld alB Oetd nnd 6«ld als Kapital nuterecheiden sich zan&chst 
nur durch ihre Terschiedoie Oirknlationsform. 

Die iinmittelhare Form der Waarencirknlation ist W — G — W, 
Veiwasdliiiig von Waare in Geld imd RückverwandlüDg von Geld in 
Waare, Terkaufen um xa kaufen. Neben dieser Fonn finden vir 
aber eine zvate, speciflach nnterschiedne Tor, die Fonn G — W — G, 
Terwandlnngr von Geld in Waare nnd Backrerwandlnng von Waare 
in Geld, kaufen nm zn verksafbn. Geld, das in söner Bewe^nf diese 
letztre Cirknlation beBchieibt, verwandelt ^ch in Kapital, wird Kapital 
nnd ist schon seiner Bestimninng nach Kapital. 

Sehn wir nns die Cirknlation G — W — G n&her an. Sie dnroh- 
länft, gleich der «nfadien Waareudrknlation , zwei entgegengesetzte 
Phasen. In der ersten Phase, G — W, Kanf, wird das Geld in Waare 
verwandelt. In der zireiten Phase, W — G, Verkauf, wird die Waare 
in Geld rfiok verwandelt. Die Einheit beider Phasen aber ist die 
Gesammtbewegnng, welche Geld gegen Waare und dieselbe Warn« wie- 
der gegen Geld anatanscht, Waare kauft am sie zu verkaufen, oder 
wenn man die foTmellen Unterschiede von Kauf nnd Verkauf vemach- 
l&saigt, mit dem Geld Waare nnd mit der Waare Geld kauft*). Das 
Besnltat , worin der ganze Pro««e8 erlischt , ist Austausch von 
Geld gegen Geld, G ~ 0. Wenn ich fflr 100 Pfd. St. 2000 Pfd. 
Banmwolle kaufe und die 2000 Pfd. BanmwoUe wieder fflr 110 Pfd. 
St. verkaufe, so habe ich achliesslicb 100 Pfd. St. gegen 110 Pfd. St 
auBgetanscht, Geld g^ren Geld. 

Es ist nun zwar augenscheinlich, dass der Cirknlationsprocess 
G — W — ^G abgeschmackt nnd inhaltslos wäre, wollte man vermittelst 
seines ümw^s denselben Geldwerth gegen denselben Geldwerth, also 
z. B. 100 Pfd. St. gegm 100 Pfd. St. anstaaschen. Ungleich ein- 
facher und sichrer bliebe die Methode des SchstzbUdners, der seine 
100 Pfd. St. festhUt, statt sie der Cirknlationsgefahr pieisEUgeben. 
Andrerseits, ob der Kan&nuin die mit 100 Pfd. St gekaufte Banm- 
wolle wieder verkauft zu 110 Pfd. St, eder ob er sie zn 100 Pfd. St 



*) „Avec do Targent OQ Bchete des marobftDdiaos, etavec dee marchniidÜM 
on achMa de Targent." (Herder de la RivUre: „L'ordre natarel et essentiel 
dM societes politignes", p. 548.) 



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— 122 — 

und selbst zu 50 Pfd. 8t. losschlagen mass, nnter alien Uniatändea 
hat sein Geld eine eigenthämliche and ori^nelle Bewegung beediriebw, 
(lurchaas andrer Art als in der eiofadien Waarencirlmlation, z. B. in 
dnr Hand des Bauern, der Eom verkauft and mit dem so gelösten 
lield Kleider kauft. Be gilt alsu zunfichst die Charakteristik der Form- 
iinterschiede zwischen den KrnsUnfen G — W — G nnd W — G — W. 
Elaroit wird sich zugleich der inhaltliche Unterschied ergeben , der 
hinter diesen Formnnterachieden lauert. 

Sehn wir zao&chtit, was beiden Formen gemeinsam. 

Beide EreiBlänfe zerfallen in dieselben ztvei entg^engwetzten 
Phasen, W — G, Verkauf, nnd G — W, Kauf. In jeder der beiden 
Phasen stebn sich dieselben zwei sachlichen Elemente gegwiflber, Waar» 
und Geld, — nnd zwei Personen in denselben (ökonomischen Chankter- 
masken, ein K&nfer und ein Verkäufer. Jeder der beiden EröeUnfe 
ist die Einheit derselben entgegengesetzten Phasen nnd beidemal wiid 
tliese Sioheit vermittelt durch das Auftreten von drei Kontrahenten, 
wovon der eine nur vorkanft, der andre nur kauft, der dritte aber ab- 
wechselnd kauft und verkauft. 

Was jedoch die beiden Kreisläufe W — G — Wund O — W — Ö 
von vornherein scheidet, ist die nn^kefarte Beihenfolge derselben 
entgqiengeeetzten Cirknlationsphasen, Die einfache Waarencirkolation 
b^nnt mit dem Verkauf und endet mit dem Kauf, die Cirkulation 
des Geldes als Kapital begannt mit dem Kauf nnd endet mit dem Ver- 
kauf. Dort bildet die Waare, hier das Geld den Äusgangepunkt nnd 
SchluBspnnkt der Bewegung. In der ersten Form vermittelt das Geld, 
in der andren umgekehrt die Waare den Geaammtverlauf. 

In der Cirknlatdon W — G — W wird das Qeld schliesslich in 
Waare verwandelt, die als Qebranchswerth dient. Das Geld ist also 
definitiv ausg^eben. In der umgekehrten Form G — W — glebt 
der Eäofer dagegen Geld aus, um als Verkäufer Geld einsanehmen. 
Er wirft beim Kauf der Waare Geld in die Cirkulation, um es ihr 
wieder zn entziehn durch den Verkauf derselben Waaie. Er entläast 
das Geld nnr mit der hinterlistigen Absicht seiner wieder habhaft in 
werden. Es wird daher nur vorgeschossen'). 



') „Wben s thiDg ib boogbt, in order to be wld again, the aum emplo^ed 
i calied mone; advaaced; when it U bought not to be sold, it may be udd 



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— 123 — 

In der Fonn W — G — W wechselt duselbe Oeldatfick zweimal 
die Stelle. Der Verkbifer «rtiSlt es tdid KAdübt und zahlt es wtig an 
einoi andren Verkäufer. Dar OeaammtproceBs, der mit der Einnahme 
von Geld für Waare beginnt, schlieest ab mit der Weggabe von Qeld 
fßr Waare. umgekehrt in dar Form G — W — G. Nicht dasselbe 
Geldstflck wsehaelt hier zweimal die Stelle, sondern dieselbe Waar». 
Der Säufer erhält sie ans der Hand des Yerkänfers nnd giebt sie weg 
in die Hand eines andren KSnfera. Wie in der einfachen Waaren- 
cirkolation der iweimalige Stellenwechsel desselben Oeldatflcks atäu 
definitiveB üebergehn ans einer Hand in die andre bewirkt, so hier 
der zwmnulige Stellenwechsel derselben Waare den Btickflass des Geldes 
zu seinem ersten Ausgangspunkt. 

Der ROckfluBS des Geldes zn smnem Ausgangspunkt hängt nicht 
dftTon ab, ob die Waare Iheurer verkauft wird als sie gekauft war. 
Dieser umstand beeinflnsst nur die GrOsse der rQck&iesseuden Geldsnrame. 
Das Phänomen des SQck&nases selbst findet statt, sobald die gekanfte 
Waare wiedw verkauft, also der Kreislauf G — W — 6 vollständig 
beschiieben wird. Es ist dies also ein sinnlich wahrnehmbarer Unter- 
schied zwischen der Cirkulation des Geldes als Kapital und seiner 
Cirkolation als blossem Geld. 

Der Kreislaof W — G — W ist vollständig lurfickgelegt, sobald 
der Verkauf einer Waare Geld bringt, welches der Kauf andrer Waare 
wieder entzieht. Grfolgt dennoch Bttckflnss des Geldes za sönem 
Ansgangspnnkt, so nnr durch die Emeuemng oder Wiederholung des 
ganzen Kursus. Wenn ich ein Qnarter Kom verkaufe f9r 3 Pfd. St. 
und mit diesen 3 Pfd. St. Kleider kaufe, sind die 3 Pfd. St. fOr 
mich definitiv veran^abt. Tch habe nichts mehr mit ihnen zu schafFen. 
Sie sind des Kläderh&ndlers. Verkaufe ich nnn ein zwdtes Qnarter 
Knm, SU flieset Geld zu mir zurQck, aber nicht in Folge der ersten 
Transaktion, sondern nur in Folge ihrer Wiederholung. Be entfernt 
sich wieder von mir, sobald ich die zweite Transaktion zu Ende fähre 
und von neuem kaufe. In der Cirkulation W — G — W hat also 
die Verausgabung des Geldes nichts mit aeinem Bflckflnss za sdiaffen. 



to be eipended." (Jamw Stenart: Works eto. edited bj General Sir Jm 
Steuart, bis Mn. Lond. 1801, v. I. p, 274.) 



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— 124 — 

In 8 — W — G dagegen ist der RfliMose dee Qetdee durch die Art 
seiner Veranggabung selbst bediugt. Ohne diesen BDckflass ist die 
Operation missglückt oder der Process unterbrochen nnd noch nicht 
fertig, weil seine zweite Phase, der den Kauf ergänunde <md ab- 
achliessende Verkauf fehlt. 

Der Emslanf W — G — W geht ans Ton dem Extrem einer 
Waare nnd scUiesst ab mit dem Extrem einer andren Waare, die ans 
der Cirknlation herana nnd der Eonanmtion anheimfällt. Konsumtion, 
Befriedignng von Bedüifniflsen, mit einem Wort, Gebrauchawerth in 
daher sein Endzweck. Der Kreislanf G — W — G geht dagegen aus 
lon dem Extrem des Geldes nnd kehrt schliesslich zarfick zn demwlbeD 
Extrem. Sein treibendes Motiv nnd bestimmender Zweck ist daher der 
Tanschwerth selbst. 

In der einlachen Waarencirkolation haben beide Extreme dieselbe 
Ökonomische Fonn. Sie sind beide Waare. Sie sind auch Waaren 
von derselben WertbgrOsse. Aber sie sind qualitativ verschiedne 
Gebraachswertbe, z. B. Korn und Kleider. Der Prodnktenaustansch, 
der Wechsel der verscbiednen Stoffe, worin sich die geseUschaftlicfae 
Arbeit darsteUt, bildet hier den Inhalt da- Bewegnng. Anders in der 
(Srknlation G — W — G. Sie echdnt aof den ersten Blick inhalta- 
loe, wdl tantologisch. Bdde Extreme haben dieselbe ökonomische 
F«rm. Sie sind beide Geld, also köne qualitativ untersdiiedne Oe- 
branchswerthe, denn Oeld ist eben die verwandtdte Gestalt der Waagen, 
worin ihre besondren Gebrauchs werthe ausgelöscht sind. Erst lOO 
Pfd. St. gegen Baumwolle nnd dann wieder dieselbe Baumwolle gegen 
100 Pfd. St anstanschen, also auf einem Umweg Qeld gegen Geld, 
dasselbe gegen dasselbe, scheint eine ebenso zwecklose als abgeschmackte 
Operation'). Eine Geldsumme kann sich von der andren Geldsumme 



') „Od n'echauge pas de l'argent contre de l'argent," mft Hercier de la 
Riviire den UerkantilisteD zu. (1. c. p. 488,) In einem Werke, wrldies ei 
profeaso vom „Handel" und der ^Spekulation" handelt, lieat man: „Aller 
Handel beeteht im AaBtanach von Dingen verachiedner Art; und der Tortheil 
(für den KanAnann?) entspringt eben aus dieaer TsrBOhiedenheit Kin Pfund 
Brod gegen ein Pfund Brod austatuchen, wäre ohne allen Tortheil . . . daher 
der vortheilhafte Kontrast zwiachen Handel und Spiel, welches nur Austauch 
von Geld gegen Oeld iat." (Tb. Corbet: „An Inanir; ioto tbe Caa»ea and 



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— 125 — 

fiberhaopt nur dnreh ihre Uröase anteracheides. Der Prace§s Q — 
W — Q schuldet aeinen Inhalt daher keinem qualitativen Untersdiied 
s«n«r Bitreme, denn sie sind bwde Geld, sondern nur ihrer qnan- 
titativen Verschiedenheit. Schliesslich wird der Cirkniation mehr Geld 
entzogen hIh Anfangs hineingeworfen ward. Die zu 100 Pfd. St. 
gekaufte Baumwolle wird z. B, wieder verkanft zn 100 + lO Pfd. St 
oder 110 Pfd. St. Die Tollstindige Form dieees Processes ist daher 
G — W — G'. wo G' = G -|- ./ G, d. h. gleich der nraprflnglich 
vorgeBchosMnen Geldennune plus einem Inkrement. Dieees Inkrement 
oder den Ueberschnas über den nrsprfingUchen Werth nenne ich — 
Mehrwerth (surplns valne). Der nreprünglich Torgeschossene Werth 
erhält sich daher nicht nur in der Cirknlation, sondern in ihr verändert 
er seine Werthgröase, setzt einen Mehrwerth zu, oder »erwerthet- sich. 
Und diese Bew^nng verwandeit ihn in Kapital. 

Es ist zwar anch möglich, doas in W — G — W die beiden 
Sitreme W, W, z. ß. Kom und Kleider, quantitativ verschiedene Werth- 
grOesen sind. Der Bauer kann sein Korn Aber dem Worth verkaufen 
oder die Kldder nnter ihrem Werth kaufen. Kr kann seinerseits 
vom Cleiderhändler gepreUt werden. Solche Werth Verschiedenheit 
bleibt jedoch f&r diese Ciiknlationsform solbat rein znßillig. Sinn 
nnd Verstand verliert sie nicht schier, wie der Procees G — W — G, 
wenn die beiden Extreme, Kom nnd Kleider z. B., Aeqnivolente sind. 
Dir Uleichwerth ist hier vielmehr Bedingung des normalen Verlanfs. 

Modes of the Wealtb i>f Indtvidnals; or tbe Priociples i>f Trade and äpocu- 
lation PxplotDtHl. London, 1641", p. S.) Obgleich Corbet nicht sieht, das« 
ti — G, Geld gegen Geld anetauscben, die charakteristische CirknUtionsform, 
nicht nur d?g Hnndelskapitala, aonilem »lleB Kapitals ist, giebt er wenigstens 
zD, doNs dipse Fonn einer Art des Handels, der Spekulation, mit dem Sj^el 
gemein sei, aber dann kommt Usc Colloch und findet, dass Kaufen um zn ver- 
kanfen SpekuUren igt, und der Unterschied zwischen Speknlatioo und Handel 
also wegfällt, „Every trausaction in whicb an individual buys prodnce in arder 
ta seil it agoiu, is, in fact, a ipecalation." (Hae Cnlloch; A Dictionarj prac- 
tioal etc. of Commerce. London 1847. q. 1056.) Ungleich naivec Pinto, der 
Piudar der AnutordameiBSiM: „Le commerce est un jen (dieser Satz entlehnt 
oud Locke), et ce n'est pas avec des gneui qn'on peut gagner. Si l'on gag- 
nnit long-tempa en tont avec ton«, i! fandroit rendre de bcn accord les plos 
giandee parties dn profit, ponr recommeneer le jeu." [Pinto: Traite de la 
Oitcnl^ldoD et du Credit. Amsterdam, 1771, q. 381.) 



n,gt,7cdT:G00glc 



Die Wiederholnng oder Emeaeiniig des Verkanis am zu kkafm 
findet, wie dieser Proceaa selbst, Mals und Ziel an einem ausser ihia 
Uzenden Endzwecke, der Konsumtion, der Befriedigang bestimmter 
Bed&rfiüsae. Im Kanf At den Verluof dagegen sind Anfang nnd 
Ende dasselbe, Geld, Tanschwertli, nnd schon dadurch ist die Be- 
w^pmg endlos. Allerdings ist aus Q, U -|- _/ G geworden, ans 
den 100 Pfd. St., 100 + 10. Aber blos qualitativ betrachtet, sind 
110 Pfd. St dasselbe wie 100 Pfd. St., nämlich Geld, und quan- 
titativ betrachtet, sind HO Pfd. St eine beschränkte Werthsnmme wie 
100 Pfd. St. Würden die HO Pfd. St. als Geld verausgab^ so fielmi 
sie ans ihrer Bolle. Sie hSrten anf Kapital zu sein. Der Cirknlation 
entzogen, versteinern sie znm Schatz und kein Farthing w&chst ihnen 
an, ob' sie bis znm jflngaten Tage fortlagem. Handelt es sich also 
einmal am Verwerthnng dee Werths, so besteht dasselbe BedtiräiiBs 
für die Verwerthaag von HO Pfd. St. wie fiti die vonlOO Pfd. St., 
da beide beschränkte Ansdrflcke des Taaschwertbs sind , beide also 
denselben Bernf haben sich dem Beicbthum schlechthin durch GrCssen- 
ansdehnang anzan&hsm. Zwar unterscheidet sich fOr einen Angen- 
blick der nrsprfiaglit^ vorgeschossene Werth 100 Pfd. St. von dem 
in der Cirknlation ihm zuwachsenden Mehiwerth von 10 Pfd. Si, 
aber dieser Unterschied serflieBst sofort wieder. Ks kommt am finde 
des ProcesBea nicht anf der einen Seite der Originalwerth von 100 ' 
Pfd. St nnd anf der andien Seite der Hehrwerth von 10 Pfd. St. 
heraus. Was herauskommt ist Ein Werth von 110 Pfd. St, der sich 
ganz in derselben entsprechenden Form befindet, um den Yorwerthnngs- 
process zn beginnen, wie die nraprflnglichen 100 Pfd. St. Geld kommt 
am Ende der Bewegung wieder als ihr Anfang hnaas'^). Das Ende 
jedee einzelnen Kreislaofs, worin sich der Kauf fftr den Verkauf voll- 
zieht, bildet daher von selbst den Anfang eines neuen Kreislaufs. 
Die einfache Waarencirlmlation — der Verkauf fOi den Kaof — dient 



*) „DuKi^ital theilt nah ... in das uiprüngücha Kapital und den Ge- 
winn, dan Znwaohs des Kapitals , . . obwohl die Praiis selbst diesen Gewinn 
sogleich wieder nun Kapital sehligt nnd mit diesem in Flnas letxt" <F. Engels: 
„UmritM zn einer Kritik der Nstion^ökonomie" in „DenUeh-FraniOaisclie Jafar- 
bftoher, heraoagc^ben von Arnold Böge and Karl Han." Pari* 1844, p. 99.) 



lyGOOgIC 



— 127 — 

anm Mittel fta emen aueserbalb der Cirkolation li^;enden Endzweclx. 
die Aoeignang von Gebrauchaworthen, die Befriedignng von Bedarf ■- 
niseen. Die Cirkolation dee Geldes als Kapital ist d^^egen Selbst- 
zweck, denn die Verwerthnng des Werths exLstirt nur innerhalb dieeev 
stets ernenerten Bewegung. Die Bewegnng des Kapitals ist daher 
maTslos^. 



*] Aristotolea stellt der ChrematiBtik dio OekoDomik cnti^egen. Er geht 
von der Oekonomik ans. Soweit sie Erwetbakmut, bescbränkt sie aioh auf die 
Venchaffnng der zum Leben noUiwendjgen und für das Haus oder den Staat 
natilichtn Guter. ,J}er wahre Keicbthum (o dXitan'äi nkovra;) beateht aus 
solchen Gebraucbswerthen ; denn das zum guten Leben gcnügeade Mab dieaer 
Art TOD Besitz ist nicht nnbegrenzt. Es giebt aber eine zweite Art der Erwerbs- 
knnat, die Torzngsweise ond mit Recht Cbremaüstik helBet, in Folge deren keino 
UreDze des R«tchthama und Besitzes zn existJTen erscbaint. Der Wiarenhandel 
(i Ktm^uxi heiast wörtlich Kxamhandel ond AriBtotelee nimmt dieae Form, weil 
in ihr der Gebrancbewerth vorhemcht) gebärt von Nabor nicht zur Cbremstistik, 
denn hier bezieht sich der Anatanseh anr auf das für sie selbst (Kaafer und 
Verkinfer) Nötbige." Daher, entwickelt er weiter, war anch die ursprüngliche 
Form dea Waaronhandela der Tanachhandel, aber mit seiner AnsdebnuDg outataad 
nothwendig das Gold. Hit derErfiodnng dea Geldes mnsate sich der Tausch' 
bandet nolbwendig zur xmniiac^, lom WaareDhandel entwickeln, nud dieaer, im 
Widerapruch za seiner nrsprünglichen Tendenz, bildete sich znr ChrematJetik 
aua, znr Kunst Geld tu machen. Dio Cbrematistik nau aateraabeidet sichTou 
der Oekonomik dadurch, daaa, ,^ür sie dio Cirkolation die Quelle des Beicbthunw 
ist (nai>tTuri) xfV"""' • • ■ '"' xplf^"'"' ^i*ßo^^si- XSdA um das Geld 
ccbeint sie aich zn drehen, denn das Geld iat der Anfang und das Ende ditaer 
Art Ton Auataosch (tö ya^ vö/uafia aiatj;tioy mi -rttqat rq; äiAayiji imiy). 
Daher ist anoh der Reiohthum, wie ihn die Chrematiatik anatrebt, unbegrenzt. 
Wie nämlich jede Konst, der ihr Ziel nicht als Mittel, aondem ala letzter End- 
zweck gilt, nnb^renitin ihrem Streben iat, denn sie sacht sich ihtD stets mehr 
zu Dihem, während die Künate, die nur Mittel zum Zwecke verfolgen, nicht 
unbegrenzt aind, da der Zweck aellut ihnen die Grenze setit, so giebt es auch 
für diese Chrematiatik keine Schranke ihres Ziels, sondern ihr Ziel iat ahsolnte 
bereichernng. Die Oekonomie, nicht die Chrematiatik, bat eine Grenze .... 
die eratero bezweckt ein vom Golde selbst Veradhiednea, die andere aeinaTer- 
mehrung .... Die Verwechslung beider Formen, die in eiaander überapielen, 
Teranlaast Einige die ErbaHong nnd Termehtung dea Geldes loa Comdliche 
ala Endziel der Oekononük zu betraohten." (Aristotelea: De Bep. edit. Bekker, 
lib. I. c. 8 Dud 9 paaaim.) 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 128 — 

Als bewnaster Tr&^r diewr Bewegang wird der QeldbaBitser 
Kspit&list. Säue Person, oder vielmehr seine Tasche, iet der Ans- 
giutgspnnkt nnd der RAckkebrpnnkt des Oeldee. Der objektive Inhslt 
jener Cirkalaüon — die Yerwerthimg des Werthe — ist sein sab- 
jektiver Zweck, und nnr sownt w&chsende Aneignung des abstrakten 
Reichthnms das allein treibende Motiv seiner Operationen, fnoktioniit 
er als Kapitalist oder petsonificirtea, mit WiUen nnd Bewnsetsün be- 
gabtos Kapital. Der Oebranchawerth ist also nie a^e nnmittetbarer 
Zweck des Kapitalisten zn behandeln^). Anch nicht der einielne 
Gewinn, sondern nur die raetloee Bewegung des Gewinnes*). Dieser 
absolnto BereicheningBtrieb , diese leidenschaftliche Jagd anf den 
Werth") ist dem Kapitalisten mit dem Schatzbildner gemein, aber 
während der Schatzbildner nor der verrQckte Eapitaliat, ist der Kapitalist 
der rationelle Scfaatzbildner. Die rastlose Tennehmng das WerUis, die 
der SchatzbUdner anstrebt, indem er das Geld vor der Cirknlation xd 
retten auchf^, erreicht der klügere Kapitalist, indem er es stets von 
nenem der Cirkulation preisgiebf^a). 

Die selbständigen Formen, die Geldformon, welche der Werth 
der Waaren in der einfachen Cirkulation annimmt, vermitteln nnr ihm 



^) „Commoditiea (hier im Sinn van Gebrauchs wertheo) are not thet«nni- 
nating object of the trading c&pitaliat. . . mooey is hi» termioftting object." 
(Th, Chaimera: Od Politio. Eoon. etc, 2nd edit. Lond. 1832, p. 166,) 

') „II maroaDte non couta quasi per nleute Jl Incro fatto, ma mira sempre 
al fetaro." (A, Genovesi: Lezioni di Economin Civile (ITSS.) Ausgabe der 
italienischen Oekonomen von Cnstodi, Parte Hodema, t. Vlli, p llt!).) 

*) „Die unauslSaabliche LeideoBcbaft für den Gewinn, die anri aacrs famea 
bestimmt itets den Eaipitalieten." (H&cCQlloch: The Frinoiples of Polit, Eicon. 
London 1S30, p. 163.) Diese Einsieht verhindert denselben Mac Cnllocb nnd 
CnoB. natürlich nicht, in theoretischen Verlegenheiten, %. B. bei Bchandlang 
der UeberproduIctioD. doDBelben Kapitalisten iu einen gnten Bargei zu varwaD- 
dein, dem es eich nnr um den Gebianchawertb handelt nnd dGr sogar eiaen 
wahren WehrwolfsheiBsbunger entwickelt far Stiefel, H&te, Eier, K&ttane nnd 
andere bOchst famili&re Sorten Ton Gebrauche werUi. 

") "iWfiit^* ist einer der cbarakterletisciien Ausdrficke drr Griechon für 
das Schatzbilden, Ebenso bedeutet „to nave" zugleich retten und aparen. 

**a) ,,Qneato inflnito che le coae non honno in progresso, baono in giro.'^ 
(Galiaui.) 



lyGOOgIC 



— 129 — 

Aastaaseh nnd Tersehwinden im Eadreaoltat der Bewegnng. In der 
Ctrknlation Q — W — fnnktiomnn dagegen Iwde, Waare nnd 
Oeld, nur als verschiedne Ezistenzweisen des WerUta aelbBt, das Geld 
aeins all^meine, die Waare aeine besondre, so in sagen nar verkleidete 
Existemweise^'^). Er geht beständig ans der einen Form in die andre 
Aber, ohne sich in dieaer Bew^^g zn Terlieren, und rervandelt sieh 
so in ein antomatischea Subjekt. Fizirt man die beeondren Er- 
Bcheinnngeformen, welche der sich verwerthende Wertb im Kieislaof 
seines Lebens abwechselnd annimmt, so erhält man die Erklänmgen: 
E^ital ist Geld, Kapital ist Waare"). In der That aber wird der 
Werth hier das Snbjakt eines Processes, worin w nnter dem bestän- 
digen Wechsel der Fonnm von Geld nnd Waare, seine GrOsse selbst 
TSrändert, sich als Hehrwerth Ton sich selbst als arsprflnglichem Werth 
abatöast, sich selbst Tenrarthei Denn die Bewegung, worin er Mehr- 
werth zusetzt, ist seine ägne Bewegang, seine Verwerthnng also 
Selbstrerwerthang. Er hat die okkulte QnaUtät erhalten, Werth n 
setzen, wäl er Werth ist. Er wirft lebendige Jange oder legt wenig- 
stens goldne Eier. 

Als das übergreifende Subjekt eines solchm Processee, worin 
«T Geldform nnd Waarenform bald annimmt, bald abstreift, sidi 
aber in diesem Wechsel erhält nnd ausreckt, bedarf der Werth vor 
allem einer selbständigen Form, wodurch seine Identität mit sich 
seibat konatatirt wird. Und diese Form besitzt er nur im Gelds. Diese 
bildet daher Ausgangspunkt und Schlnsspnnkt jedes Verwerthungs- 
processes. Er war 100 Pfd. St., er ist jetzt 110 Ffd. St. u. s. w. 
Aber das Geld selbst gilt hier nur als eine Form des Werths, denn 
«r hat deren zwei. Ohne die Annahme der Waarenform wird das Geld 
nicht Kapital. Das Geld tritt hier aUio nicht polemisch gegen die 
Waare auf, wie in der Schatzbildung. Der Kapitalist weiss, dass alle 
Waaren, wie lumpig sie immra anaaehn oder wie schlecht sie immer 



") „Ce D'eat pas lamatiira qoi fait le oapital, mau laTsleu deoesma- 
türea." (J. B. Saj: Trsitä de L'Econ. Folit. Mme ed. Paria 1317, t. I. p. 428.) 

") Cortenof (!) employed to productive purposes is capital." (Mao Leod: 
„The Theoi7 and Practioe af Banking. London 1SS5", t. I, o. 1.) „Capital 
is oommoditieB." (James Mill: „ßlemeots of PoL Econ. Lond. 1821", p. 74.; 



lyGOOgIC 



— 130 — 

riechen, im Glaaben und in der Wahrfadt G«ld, innerlicli beechnitbie 
Jnden sind, und sndem wnndertli&tige HitM, um ans Geld mehr Ofild 
zu macbeu. 

Wenn in der einfallen Cirkolation dw Werth dar Waaren iluem 
Öebraadtawerth gegeuHber höcbeteiu die BelbeUndiga Form dee Geldes 
erhUt, 80 stellt er eich hier plötzlich dar als eine proceesirende, sich 
selbst bewegende Substanz, fOi welche Waare nnd Geld beide blosse 
Formen. Aber noch mehr. Statt WaarenTeih&ltniau darznttellen, tritt 
er jetzt so zu sagen in ein Privat verh&ltniss tu sich selbst. Er nnter- 
Bcheidet sich als niBpritngUcher Werth von sich selbst als Mehrwertb, 
als Gott Vater von sich eelbst als Gottsohn, nnd beide sind vom selben 
Alter, und bilden in der That nur eine Person, denn nur durch dm 
Mehrwerth von 10 Pfd. Si werden die vorgeschossenen 100 Pfd. 8t. 
Kapital, oud sobald sie diess geworden, sobald der Sohn, und durch 
den Sohn der Tater erzeugt, verschwindet ihr Unterschied wieder nnd 
sind beide Eins, 110 Pfd. St. 

Der Werth wird also proceseirendar Werth, processirendea Geld 
nnd als solches Kapital. Er kommt ans der QrknlatJon her, geht 
wieder in sie ein, erhfilt nnd vervielf&IÜgt sich in ihr, kehrt ver^ssert 
auä ihr znr&ck und beginnt denselben Kreislauf stets wieder von 
neuem ^^. G — Q, geldheckendes Geld — moner which begets monej 
— lantet die Beschreibung des Kapitals im Monde seiner ersten Dol- 
metscher, der HerkantQisten. 

Kaufen nm zo verkanfen, »der voilat&udiger, kaufen nm thenrer 
va verkanfen, G — W — G', säieint zwar nur einer Art des Kapitale, 
dem Eaufmannskapital , eigenthQmJicbe Form. Aber anch das indn- 
strielle Kapital ist Geld, das sich in Waare verwandelt nnd dorch 
den Terhanf der Waare in mehr Geld rfickverwandelt. Akte, die etwa 
zwischen dem Kauf und dem Verhanfe, ausserhalb der Ctrkulationa- 
spb&re, voi^hn, ändern nichts an dieser Form der Bewegung. In dem 
zinstiagenden Kapital endlich stellt sich die Cirkulation G — W — G' 
abgekürzt dar, in ihrem Besultat ohne die Veimittlnng, so zu sagen 



") „Kapital . . . peTmanenter sich TervieimtJgender Wartli". (Siimoodit 
FriiicJ|ieB de 1'Ecod. Polit , t. I, p. 90.) 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 181 — 

im LapidaiBtyi, als Q — G', Odd, das gleidi mehr OtAd, Werth, der 
gFtaser als er selbet ist 

In der Xhat also ist G — W — G' die aUgemttne Fwmel des 
Kapitals, wie es imiuittelbar in der Cirknlationssplifin «steint. 

2. WidersprQche der allgemeinen Formel 
Die Cirknlationsform, wona eich das Geld zmn Kapital entpnppi. 
widerspiicht allen früher entwickelten Gesetzen über die Natnr ölt 
Waore, des Weitiia, des Geldes nnd der Cirkniation selbst. Was sie 
von der einfachen WaareneirknlaUon nntersobeidet, ist die umgekehrte 
Bähenfolge derselben zwei en^^engesetzten Frocesse, Verkauf nnd Kauf. 
Und wie sollte soldier rön formelle Unterschied die Natur dieser Pro- 
cesse nrnzanbem? 

Noch mehr. Diese ümkehmng existirt nnr fllr einM der drü 
Qeschäftsfreoade, die mit einander handeln. Als Kapitalist kaufe ich 
Waare von A nnd verkaufe sie wieder an B, vrährend ich als ein&chei 
Waarenbesitzer Waare an B mkanf» nnd dann Waare von A kaufe. 
FOr die Gesch&ftsfreunde A nnd B existirt dieser Unterschied nickt. 
Sie treten nnr als E&nfer oder Verkäufer von Waaren anf. Ich selbdl 
stehe ihnen jedesmal gegenfiber aJs einfacher Geldbesitzer oder Waaieu' 
besitzer, Käufer oder Verkäufer, und zwar tret« ich in beiden Beihen- 
folgen der einen Petson nnr als Käufisr and der andren nur als Ver- 
k&ufti gegenüber, der einen als nnr Geld, der andren als nur Waaie, 
keiner von beiden als Kapital oder Kapitalist oder Bepräsentant von 
irgend etwas, das mehr als Geld oder Waare wäre, od« eine andio 
Wirkung ausser der des Geldes oder der Waare ausüben kftnnte. Fflt 
mich bilden Kauf von A und Verkauf an B eine Beihenfolge. Aber der 
Zusammenhang zwischen diesen beiden Akten existirt nnr für mich. 
A scheert sich nicht nm meine Transaktion mit B, und B nicht am 
meine Transaktien mit A. Wollte ich ihnen etwa das besondre Verdienst 
klar machen, das. ich mir durch die Umkehrnng der Beihenfolge erwerb<>, 
so würden sie mir beweisen, dass ich mich in der Beihenfolge selbst 
irre und dasa die Gesamiattransaktion nicht mit einem Kanf begann 
und einem Verkauf endete, sondern umgekehrt mit einem Veikanf begaun 
und mit einem Kanf abschloss. In der That, mein erster Akt, tiur 
Eanf, war von A's Standpunkt ein Verkauf, und mein zweiter Ak^ 



lyGOOgIC 



der Tarkanf, war ron B'b Standpunkt eis Eanf. Nicht lofrieden damit, 
werden A und B erkl&reo, dass .die ganze Böhenfolgs Oberflfiflaig nnd 
Hokns Pokna war. A wird die Waare direkt an B verkaufen und B 
8ie direkt ron A kaufen. Damit Tereclirampft die ganze Transaktion 
in mnen «nseitigen Akt der gewOlmlichfln Waareucirknlation, Tom Stand- 
punkt A'e blosser Verkauf and rem Standpnnkt B's blosser Kanf. Wir 
sind also darch die ümkehning der Beihenfolge nicht über die Sphäre 
der einfachen Waarencirkolation hinausgekonunen nnd müssen vielmehr 
znsehn, ob eis ihrer Natnr nach Verwerthnng der in sie eingehenden 
Werthe nnd daher Bildung von Hehrwerth gestattet. 

Nehmen wir den Cirknlationsprocsse in einer Form, worin er sich 
als blosser WaarenaustauBch darstellt. Dies ist stets der Fall, wenn 
beide Waarenbeeitzer Waaren Ton ränander kaufen nnd die Bilanz ihrer 
wechselseitigen Oeldfordernngcn sich am Zahlnngatag ansgleicht Das 
Oeld dient hier als Bechengeld, um die Werthe der Waaren in ihren 
PrdBen anazudrOcken , tritt aber nicht den Waaren selbst dinglich 
gegenOher. Soweit es räch nm den Gebianchswerth handelt , ist es 
klar, dasa büde Anstanscher gewinnen könneo. Beide verinssera 
Waaren, die Urnen als Qebranchswerth nntzlos, nnd erhaltoi Waaren, 
dwen sie sum Oebranch bedflrfen. und dieser Nntsen mag nicht der 
einüge sein. A, der Wan verkauft nnd Getreide kauft, prodacirt 
vielleicht mehr Wän als Oetreidebauer B in derselben Arbeiteieit pro- 
dndren kOnnte, nnd Oetreidebaner B in derselben ArbütsEelt mehr 
Oetreide als Weinbauer A prodaciren kAnnte. A erh&lt also für 
daiselben Tanschwerth mehr Getreide und B melir Wein als wenn 
jeder von den böden, ohne Anstaasch, Wein und Getreide Kr sich 
selbst produören mflsste. Mit Bezug auf den Qebranchswerth also 
kann gesagt werden, dass „der Anstanscb eine Transaktion ist, worin 
bade Seiten gewinnen^*)." Anders mit dem Tanschwerth. „Ein 
Mann, der viel Wein und kein Getreide besitzt, handelt mit einem 
Mann, dra viel Oetreide nnd keinen Wein besitzt und .swischen ihnen 



**) „L'eohange e«t one InnsaotioD, admirable dani laqnelle las dsni ood- 
trsctantB gagnent — tonjoun (I)-" (Dwtatt de Tracj: Tnite de I» Volonti 
et de aat flffsta. Paris 182ß, q. 68.) Daaaslbe Bach erKhien spitar aU„Traita 



lyGOOgIC 



— 188 — 

irird saefT^tBnsctit Weisen zum Werth von SO gegen dnen Wertb tob 
50 in Wein. Dieser Angtanach ist keine Yennebmng dea Tausch- 
wertfaa weder für den einen, noch fdr den andren; denn bereits tot 
dem Aastansch beeaas jeder ron ihnen einen Werth gleich dem, den 
er sich TenuittelBt dieser Operation TerscbofFt hat"')." Es indeit nichts 
an der Sache, wann das Geld ala Cirknlationanittel zwischen die Waaren 
tdtt nnd die Akte des Eanfä und Verkaufs sinnlich anaeinanderfallen"). 
Der Werth der Waaren ist in ihren Preisen dargestellt, heror sie in 
die Cärkolation treten, also Voraossetiong und nicht Besultat der- 
selben^^. 

Abstrakt betrachtet, d. h. abgesebn Ton Umständen, die nicht ans 
den immanenten Oeeetien der einstehen Waarenturknlation heirorflieseen, 
geht ansser dem Ersatz eines Oebranchswerths durch einen anären 
nichts in ihr tot als eine Metamorphose, ein blosser Formwechsel da- 
Waore. Derselbe Werth, d. h. dasselbe Qnantnni vergegenntändlicbter 
geeellscbaftlicher Arbeit, bleibt in der Hand desselben Waarenbeetttera 
in QestaJt erst seiner Waare, dann des Geldes, worin sie sich Ter- 
wandelt, endlich der Waare, worin sich dies Oeld rDckverwandelt, 
Dieser Formwechsel ecbliesst keine Aendemng der WertbgrAsse dn. 
Der Wechsel aber, den der Wertii der Waare selbst in diesem Pro- 
cees dnrcblänft, beechrflnkt sich auf wnen Wechsel seiner Geld- 
form. Sie edstirt erat als Preis der znm Verkanf angebotenen Waare, 
dann als eine GeldsoiUBe, die aber schon im Prnse ansgedrOckt war, 
endlich als der Preis einer äqniTalenten Waare. Dieser Formwechsel 
schliesst an nnd tOx sich eben so wenig eine Aendemng der Werth- 
grOese tön, wie das Aoswechseln einer FOni^fandnote gegen SoTOreigns, 
halbe SoToreigns nnd Schillinge. Sofbm also die Cirknlation dw 
Waare nnr einen Fonnwechsel ihres Werths bedingt, bedingt sie, wenn 
das Phänomen rün Torgeht, Änstausch von AeqniTalenten. Die Tnl- 
g&rökonomie selbst, so wenig sie ahnt, was der Werth ist, unterstellt 



">} Herder de la BiTi^e I. e. p. 544. 

"i „Qoe 1*000 de ee« deoi Taleon Kit argent, on qn'alles soient toatea 
den! maichandiaes nenellei, rien de plni indifKrent en aoL" (Herder de la 
BiTi&re 1. o. p. 548.) 

") „Ce ne sont pu leg contractauti qnl prenonoent iot laTileor; eile eet 
dioid^ aTant la oonTention." (Le Troene p. 906) 



lyGOOgIC 



— 134 — 

daher, so oft de in ihrer Art du Phänomen lön betrachten will, dass 
KuiUrage und Zufuhr sich decken, d. L dan ihre Wirkung ftbeihanpt 
snfhfiit. Wenn alae mit Bezi^ aof den Oebraachawerth beide Ane- 
tmscher gewinnen können, können ne nicht beide gewinnen &n 
Tanachwerth. Hier tanast es vielmehr: „Wo Gleichheit ist, iet kein 
Gewinn"'^. Waaren können zwar in Preisen verkanft werden, die von 
ihren Werthen abweichen, aber diese Abweichnng erscheint ala Ver- 
letzung des Oesetzee dee WaarenanatanBehes "). In eoner r«nen 
Gestalt ist er ün Anstansch von Aeqnivalenten, also kein Mittel, sldi 
an Worth zo bereichern'"). 

Hinter den Versnchen, die Waarenärknlation als Qnelle von Hebr^ 
werth darznstellen, Innert daher möat ein quid pro qno, eine Ter- 
wecbaliu^f von Gebranchawerth und Tanscbwerth. So z. B. bei Con- 
^ac: „Ka ist falsch, daas man im Waarenanatansch gleichen Werth 
gegen gleichen Werth austanacht Umgekehrt. Jeder der beiden Kon- 
trahenten giebt immer einen kleineren fOr einen grösaeren Werth . . . 
Tauschte man in der That immer gleiche Werthe ana, ao wäre kdn 
Gewinn zn machen für ii^end einen Kontrahenten. Aber alle beide 
gewinnen oder sollten doch gewinnen. Wamm? Der Werth der Dinge 
besteht blosa in ihrer Beziehnng anf nnaere BsdOrfniaae. Was fUr 
den einen mehr, ist fQr den andren weniger, und umgekehrt . . . Man 
setzt nicht vorana, daae wir fQr nnsre Konanmtion nnentbehrliche Dinge 
znm Yerkanf ansbieten .... Wir wollen eine nns nntzlose Sache 
weggeben, nm eine nns nothwendige nt erhalten; wir wollen weniger 
fQr mehr geben ... Es war natürlich tu nrtheilen, dass man im Ana- 
taaaeh gleichen Werth fOr gleichen Wertli gebe, so oft jedes der ans- 
getanachten Dingo an Werth demselben Quantum Geld gleich war . . . 



") „Dovo i egnalittk, noT e Inoro" {OaÜBDi: Della MonetA, in Cnstodi: 
Psrt« Hodema, t IT, p. 2H.) 

'*) „L'^change devient deaaTSntageiu ponr Tane de* partieg, lorsqne qnelqno 
ohoBe «bangere vient diminner on eiagerer le prix: alon l'egalltä ett bleasde, 
mais la leuon procSde de oette canae et non de l'echaags." (Le Troane 1. c. 
p. 904.) 

*^ „L'echange ett de la natnre un oontrat d'^lite qni se ftüt de Tklnnr 
POQT TBleor igtXe. 11 n'a«t donc pas nn mojen de B'etuichir, paisqne Toa 
donne aatant qn» Ton refoit." (Le Troine 1. & p. 903.) 



lyGOOgIC 



— 135 — 

Aber dne andre Betnchtai^ mnss noch in die Bechnnng eingelia ; 
es fragt sich, ob wir bdde einen Üeberflnas gegen etwas Nothwendiges 
austauschen ")." Man rieht, wie Condillac nicht nur Qebranchs- 
werth nnd Tanschwerth dnicheinander wirft, sondern wahrhaft kind- 
lich einer Gesellschaft mit entwickelter Waarenprodnktion ünen Zu- 
stand nnterachiebt, wenn der Prodncent seine SnbBistenzmittel selbst 
prodneirt nnd nnr den üeberschnas ftber den eigenen Bedarf, des 
Ueberflnss, in die Cirknlation wirft '*). Dennoch wird Condillac's 
Argument h&nfig bei modernen Oekonomen wiederholt, namentlich 
wenn es gilt, die entwickelte Gestalt des WaarenauBtanschea , den 
Handel, als produktiv Ton Mehrwerth darzustellen. „Der Handel", 
heisst es z. B. „fOgt den Produkten Werth zn, denn dieselben Fro- 
dnkte haben mehr Werth in den Händen des Konsumenten als in 
den Händen des Frodncenten nnd er mnas daher wflrtlich (strictlj) 
als Produktionsakt betrachtet werden*^." Aber man zahlt die Waann 
nicht doppelt, das einemal ihren Gebrauchs werth nnd das andremal 
ihren Werth. Und wenn der Oebrauchswerth der Waare dem Känfer 
nützlicher als dem Verk&nfer, ist ihre Geldform dem Verkäufer nütz- 
licher als dem Käufer. Wflrde er sie sonst verkaufen? Und so kOnnte 
ebensowohl gas^ werden, dass der Känfer wOrtlich (atrictly) einen 
„Produktionsakt" vollbringt, indem er z. B. die Strümpfe des Kauf- 
manns in Geld verwandelt. 

Werden Waaren oder Waar«n nnd Geld von gleichem Tansch- 
werth, also Aequivalente anagetauscht, so zieht offenbar keiner mehr 
Werth ans der Cirkulaüon heraus als er in sie hineinwirft. Ea 



>') Condillae: „Le Commerce et le Goarememeut" (1776). Edit Daira 
et UoliDari in den „Melanfrea d'^eonomie Folittqns. Paria 1817", p. 297. 

**) Le Trosne antwortet daher seinsnt FTannde CondilUo sehr richtig: 
„Dane la aocieU formte il n'j a pu de sarabondant en auaan genre." Za- 
gleioh neckt er ihn mit der Glosse, dass „wenn beide Anitansoher gleich viel 
mehr fftr gleich viel weniger erhalten, sie beide gleich viel erhalten." Weil 
Conditlac noch nicht die geringste Ahnnag von der Natur des Taaschweithi be- 
sitzt, ist er der passende Qewähr^m&an des Herrn Prof Wilhelm Boachar fQi 
seine eignen Kinderbegriffo. Sieh dasaeo: „Die Grandlagen der Nationalöko- 
nomie. Dritte Auflage. 1858". 

") 8. P. Newman: Blementa of Polit Eoon. AoioTer and N ew-Tork 183& 



lyGOOgIC 



— 186 — 

findet dann keine Bildung von UehrwerUi statt, in eeiner reinen 
Form aber bedingt der CirknlationspTocesB der Waaren ÄnataiiBcb 
von AeqniTalentan. Jedoch gebn die Dinge in der WirUichkeit 
' nicht rein in. Unteistellen wir daher AastauBch von Nicht-Aeqni- 
mlenten. 

Jedenfalls steht auf dem WaaretunarU nur Waarenbeeitzer dem 
Waarenbesitier gegenOber, nnd die Macht, die diese Personen fib«r 
«nander ansllben, ist nur die Macht ihrer Waaren. Die stoffliche 
Verschiedenheit der Waaren ist das stoffliche Motiv des AnBtaascfas 
nnd macht die Waarenbeeitzer wechselseitig von einander abh&ngig, 
indem keiner von ihnen den Q^rBXstand sönee eignen Bedfirinissea und 
jeder von ihnen den G^enstand des BedflrfiiisBea des Andren in seiner 
Huid hält Ausser dieser stofflichen Verschiedenheit ihrer Oebranchs- 
werthe besteht nnr noch ein Unterschied unter den Waaren, der Unter- 
schied iwischen ihrer Natnralform und ihrer verwandelten Form, 
zwischen Waare nnd Geld. Und so nnteracheiden sich die Waaren- 
beeitier nnr als Verkäufer, Besitzer Ton Woare, nnd als Käufer, Beütser 
von Geld. 

Gesetzt nnn, es sei dnrch irgend ein unerklfirliches PriTÜegiom 
dem Verk&nfer gegeben, die Waare Ober ihrem Werthe zn reikanfen, 
zn 110, wenn sie lOO werth ist, also mit einem nominellen Freis- 
anfsehlage von 10 "/g. Der Verkäufer kassirt also einen Mehrwerth 
von 10 ein. Aber nachdem er Verkäufer war, wird er Käufer. Ein 
dritter Waorenbesitzer beg^net ihm jetzt als Verkäufer nnd genieest 
aeinersats das Pmileginm, die Waare 10% zn theuer zn Terkanfen. 
Unser Mann hat als Verkäufer 10 gewonnen, nm als Käufer 10 zv 
Terlieren **■). Das Ganze kömmt in der That darauf hinans, dase alle 
Waarenbesitier ihre Waaren einander 10°/, Sber dem Werth rerkanfen, 
was darchaus dasselbe ist, als ob sie die Waaren zu ihren Werthen 
verk&nflien. Ein solcher allgemeiner nomineller Preisanf schlag der 
Waaren bringt dieselbe Wirkung hervor, als ob die Waarenwerthe i. B. 



") „Hj the angmentatioD of tbe nominal Tslne of the prodoce 

seilen not enriched . . . bIum «hat the; gain m aellers, the; ptecisel; ezpend 
in th« quali^ of hnjors." (,.Tbe Eswntial Frinoiplet of tbe Weslth of Nationa 
«to. Lcndon 1797", p. SS.) 



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— 187 — - 

in Silber statt is Qold gesch&tst würden. Dia Geldnsmen, d. h. die 
Freise dar Waareu würden aoBchwellen, aber ihre WerthTerhftltnisw 
nnTOTäiidert bleiben. 

ÜnterateUen wir umgekehrt, ea sei das Prinl^nm des E&nfera, 
die Waaren nnter ihrem Werth zu kaufen. Hier ist es nicht einmal 
n&thig zn erinnern, dass der E&nfer wieder Verk&nftr wird. Er war 
Verkäufer, bevor er Kflnfer ward. Er hat bereits 10"/, als Verkäufer 
Terloren, beTor er lO"/, ala Kftnfer gewinnt'^). Alles bleibt wieder 
beim Alten. 

Die Bildung von Uebrwerth, nnd daher die Verwandlnng von Geld 
in Kapital, kann also weder dadurch erklftrt werden, ctass die Verkftnfer 
die Waaren Ober ihrem Werthe verkaufen, noch dadurch, daaa die 
Eänfer sie unter ihrem Werthe kaufen ■■). 

Daa Problem wird in keiner Weise dadurch vereinfacht, dass man 
fremde Beziehungen einschmuggelt, also etwa mit Oberst Torrens sagt: 
„Die effektive Nachfrage besteht in dem Vermögen und der Neigung 
(I) der EoDBmnentan, sei es durch unmittelbaren oder vemittelten Ans- 
tauBch, fOr Waaren eine gewisse grSssere Portion von allen Ingredienxien 
des Kapitale zu geben, ala ihre Produktion kostet*^." In der Cir- 
knlation etehn sich Fredncenteu und Konsamenten nur als Verk&nfer 
und Käufer gegenüber. Behaupten, der Mehrwerth fflr den Froducenten 
entspringe daraus, dass die Konsumenten die Waare ober dem Werth 
i^lan, heiset nur den einfachen Satz maskiien: Der Waarenbeaitzer 
beeitzt als Verkäufer das Privilegium zn thener zn verkaufen. Der 
Verkäufer hat die Waare selbst producirt oder vertritt ihren Froducenten, 



**) „Si Ton est toiti de donDer ponr 18 livrei nne qnutitd de teile pro- 
dncHon qni en vtiUit 24, lorsqn'on emplojera ce uieme argent i acheUr, on 
aura ^galement ponr 18 1. ce qne l'on payait 24". (Le Troine 1. o. p. 807.> 

**) „Chaqoe veodenr ne pent douo parrenir it reucherir babitaallement tea 
muchandiaefl, qn'en es Bournettant anaii i payei habitnellement ploi eher lea 
marefaandiMS des anties Tendeurs; et par U mSme ruBon, obsque consomma- 
tenr ne pent payei babitDellement moins chei oe qn'il aehit», qn'en ae aoa- 
mettant anwi ■ uoe diminntion lembUble anr le prix de« choaea qn'il veud," 
(Hercier de la Biviire 1. o. p. 656.) 

■^ B. ToireDa: ,>ii Eaaaf on Ihe Fnduction of Wealth." London 1821, 
p. S49. 



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abw der Käufer hat nicht minder die in sönem Gelde dargeetellte 
Waare selbst prodncirt oder vertritt ihren Prodacenten. Es steht also 
Frodncent dem Prodncenton gegenüber. Waa sie nntorecheidet, igt dass 
der ^e kauft nnd der andre rertauft. Bs bringt nns keinen Schritt 
weiter, dass der WaarenbesitEer nnter dem K&men FrodDCent die Waare 
fiber ihrem Wrathe verkauft und nnter dem Namoi Eonanment sie zu 
theaer zahlt *b). 

Die konsequenten Vertreter der Dlnsion, daaa der Mehrwerth aus 
einem nominellen PreiBznschlag entspringt, oder ans dem Frivileginm 
des Verkäufers die Waare zn tbeaer zu verkanfen, Daterstellen daher 
eine Klasse, die nur kauft ohne zn verkanfen, also auch nur konsumirt 
ohne zn prodnciron. Die Existenz einer solchen Klasse ist von unsrem 
bisher erreichten Standpunkt, dem der einfachen Cirkniation noch un- 
erklärlich. Äbir greifen wir vor Das Geld, womit eine solche Klasse 
beständig kanft, mnss ihr beständig, ohne Austausch, umsonst, auf 
beliebige Becbts- nnd Gewaltstitel hin, von den Waarenbeutzern selbst 
znfliessen. Dieser Klasse die Waaren ftber dem Werth verkaufen, heisst 
9ur, umsonst weggegebenes Geld sich zum Theil wieder znrAck- 
schwindeln ''). So zahlten die kleinasiatischen Städte jährlichen Geld- 
tribut an das alte Rom. Hit diesem Geld kaufte Born Waaren von 
ihnen und kaufte sie zn thener. Die Kleinasiaten prellten die BSmer, 
indem sie den Eroberem einen Theil des Tribute wieder ablndisten 
auf dem Wege des Handels. Aber dennoch blieben die Kleinasiaten 
die Geprellten. Ihre Waaren wurden ihnen nach wie vor mit ihrem 
eignen Oelde gezahlt Es ist diess keine Methode der Bereichernng 
oder der Bildung von Mehrwerth. 



**) ,.The idea of pniSts baing paid hj the eonaamers, is, aasnredlf, vei; ' 
aboard. Wbo are the Gonsomers?" (G. RamMf : An Ernay on the Distribation 
of Wealth. Edinbnrgh 1836, p. 184.) 

**) „Wbm) » man ii in want of demand, doea Mr. Halthn« recommend Um 
to pay Mme other peraon to take off hia ^ooda?", fragt sio entr6stater Ricar- 
diancr den Malthna, der wie aein Sehfllar, der Pfaffe Chalmers, die Elaase von 
blossen Efinfem oder Eonanmeaton ükonomiach verherrlicht. Sieb: „An In- 
qoii7 into tboae piinciples tespsating the Natora of Demand and the Neceaaity 
of ConsamptiOD, lately adrocated bj Mr. Malthu" etc. London 1821, p. 56. 



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— 139 — 

HaKfln wir nna also iimerhalb dar Schranken des Waarenana- 
tSD8cha, wo Verkäufer E&nfer und Käufer Verkäufer Bind. Dnsera 
Verlegenheit stammt vielleicht daher, dasa wir die Personen nnr als 
personiBcirte Kategorien, nicht indiTidaell, ^e&sat haben. 

Waarenbeeitzer Ä m^ so pflfSg sein seine Colle^n B oder C 
Obere Ohr m hanen, während sie trotz des besten Willens die Bevanche 
schuldig bleiben. Ä verkauft Wein zum Werth von 40 Pfi. 8t 
an B und erwirbt im Austansch Getreide znm Werth von 50 Pfd. St 
A hat seine 40 Pfd. 8t. in 50 Pfd. St verwandelt, mehr Geld ans 
weniger 0«1d gemacht and seine Waare in Kapital verwandelt. Sehn 
wir näher in. Vor dem Anstansch hatten wir flr 40 Pfd. St. 
Wein in der Hand von A nnd fßr 50 Pfd. St Getreide in der Hand 
von B, Geaanuntwerth von 90 Pfd. St Nach dem Anstansch haben 
wir denselben Gesammtwertii von 90 Pfd. St Der cirknlirende Werth 
hat sich um kein Atom vergrAssert, seine Vertheilnng zwischen A 
nnd B hat sich verändert. Anf der einen Seite erscheint als Mehr- 
worth, was anf der andren Hinderwerth ist, anf der einen Seite als 
Pins, was auf der andren als Minns. Derselbe Wechsel hätte dch 
ermgnet, wenn A. ohne die verhDllende Form des Anstanschs, don 
B 10 Pfd. direkt gestohlen hätte. Die Snmme der cirknlirenden 
Werthe kann offenbar durch keinen Wechsel in ihrer Vertheilnng ver- 
mehrt werden, so wenig wie ein Jnde die Masse der edlen tfetalle 
in einem Lande dadurch vermehrt, deas er einen Farthing ans der 
Zeit der Königin Anna fär eine Gninee verkauft. Die Gesammtheit 
der Kapitalistenklaase eines Landes kann sich nicht selbst Obervor- 
theilen'O). 

Man mag sich also drehen nnd wenden wie man will, das Facit 
bleibt dasselbe. Werden Aeqoivalente ansgetanscht, so entsteht k«n 
Mehrwerth, nnd werden Nicht-Aeqnivalente ausgetauscht, so entsteht 



") Deetntt de Traoj, obgleich, Tielleicbt weil Hombre de llnitttat, war 
umgekehrt )r Aniieht. Dia iudaatrielleD Kapitalisten, Hgt er, machen dadareh 
ihre Profite, daw „eie atl«i thearer verkaufen aU s« gekostet hat an prodaci- 
ren. und an wen vetkanfen tie? Ent«na an einander." (1. o. p, 289.) 



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— 140 — 

Hch kein Ifehrwertli *'). Die C^lnilation oder der WaarenanBtausch 
schafft keinen Werth'*). 

Man veretebt daher, warnm in nnsrer Analjee der Gnindfonn des 
Kapitals, der Form, worin es die Ckonomische Organisation der modernen 
Gesellschaft bestimmt, seine popnl&mi nnd so zd sagen antedilnnanischen 
Qestalten, Handelskapital nnd Wucherkapital, tnn&chst gftnslich nn- 
berQcksichtigt bleiben. 

Im eigentlichen Handelskapital erschönt die Form Q — W — d', 
kaufen nm theorer za verkanfen, am rnnsten. Andreraeits geht seine 
ganze Bewegung innerhalb der Cirknlationssphäre vor. Da es aber 
nnniflglich ist ans der Cirkulation selbst die Verwandlnng Ton Geld 
In Kapital, die Bildung von Mehrwertfa zu erklären, erscheiot das 
Handelskapital unmöglich, sobaJd Aeqnivalente an^tanscht werden'^, 
daher nnr ableitbar ans der doppelsmtigen üeberrorthrilnng der kaufenden 
und verksufenden Waarenproducenten dorcb den sich paraeitisch zwischen 
sie schiebenden Kaufinann. In dieeem Sinn sagt Franklin: „Krieg ist 
Sanh, Handel ist Prellerei >*)." Soll die TerwerUinng des Handels- 



*') „h'ieitMige qni m fait da deni nletiia egales n'angment« ni ue dinüno.« 
la mssse des vsleoiB Bnbsiat&nte« diiis Ib soeietd. L'ecbange de (Veni Talenrs 
inegales . . . ns cbanga rien non plog s la aomme des Taleora sociales, bien 
qn'il ajante ä la fortnne de l'nn ce qa'il öte de U fortane de rautze." (J.B, 
Saj 1. e. t I, p. 484, 485.) Sa;^) natürlich nnbekSinmert nm die ConBeqnen- 
len dieaea Satzes, entlehnt ihn ziemlich wörtlich den Phjgiokraten. Die Art, 
wie er ihre in seiner Zeit verachollenen Schriften za Tennehrnng geinea eige- 
nen „Werthes" ausgebentet hat, zeige folgendsa Beispiel. Der „berUhmteste" 
Satz des Honaiear Say: „On n'acbäte dea prodnita qu'avsc des prodnita" (L c. 
t. II, p. 488) lautet im pbyaiokratijiohen Original: „Les prodnctioiiB ne se 
paient qn'avec dea prodnctions." (Le Tnwne 1. o. p, 899.) 

") „Exchange confera no Tslne at all npon prodacta." (F. WajUnd: 
The Element! of Pol. Econ. Boston 1853, p. 168.) 

") „Under the nie of inrariable eqniTaiente eommeroe wonld bs impoaaible." 
(G. Opdjke: A Treatiee on polit Eeonomj. New- York 1851, p. 69.) „Dem 
ünteraohiede zwischen Realwerth und Tanschwerth iiagt eine Tbatsaehs zum 
Gnode — nlmlich daaa der Werth einer Sache versehiedeD iat Ton dem im 
Handel fQr aie gegebenen sogenannten AeqniTalent, d. h, daaa diese Aeqniva- 
lent kein AeqniTalent iaf (F. Engela L e. p. 96.) 

**) Benjamin Franklin: Werke, Tol. H, edit. Sparks In: „Positions to be 
eiamined conceming National WealUi." 



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— 141 _ 

kapitalB nicht ans blosser Prellerü der Waarenprodnoenten erklftrt werden, 
so gettOii dazn eine lai^ B«Uie ?on HiitelKliedem, die hier, wo die 
WasrencirkDlation and ihre einfachen Momente unsere einzige Yorane- 
setznng bilden, noch g&nzlich fehlt. 

Was vom Handelskapital, gilt noch mehr vom WncherkapitaL 
Im Handelskapital sind die Extreme, das Geld, das auf dea Harkt 
geworfen und das vennehrte Geld, das dem Markt entzogen wird, 
wenigstens TWmittelt durch Kauf nud Verkauf, dnrch die Bewegung 
der Cirkolaüon. Im Wncherk^ital ist die Form — W — O' ab- 
gäHrzt auf die unvermittelten iSxtreme G — G', Geld, das sich gegra 
mehr G«ld aoBtanscht, üne d«r Natur des Geldes widersprechende and 
daher Tom Standpunkt dea Waatenanstausdis unerkl&rlicbe Form. 
Daher Arietoteles: „da die Chrematiatik eine doppelte ist, die eine 
zum Handel, die andre zur Oekonomik gehörig, die letitere nothwendig 
und lobenewerth, die erstere auf die Cirknlation gegründet und mit 
Becht getadelt, (denn sie beruht nicht auf der Natur, eondem auf 
wechselseitiger PreUerü), so ist der Wacher nüt vollstem Becht verhaset, 
weil das Geld selbst hier die Qaelle dee Erwerbs nnd nicht daiu 
gebraucht wird, wozu es erfundeu ward. Denn fBr den Waorenanstaasch 
entstand es, der Zins aber macht aus Geld mehr Geld. Daher auch 
eein Name {töxog Zins and Geborenes). Denn die Geborenen sind den 
Erzeagem ähnlich. Der Zins aber ist Geld von Geld, eo dass von 
allen Erwerbsiweigen dieser der notonridrigste *")." 

Wie das Handelskapital werden wir das zinstragende Kapital im 
Verlauf unsrer Untersuchnug als abgelötete Formen vorfinden und zn- 
glffich sehn, warum sie historisch vor der modernen Grundform des 
Kapitals eracheinen. 

Es hat sich gezeigt, dass der Uehrweith nicht aus der Cirkn- 
lation entspringen kann, bei seiner Bildung also etwas hinter ihrem 
Bücken voTgehn muss, das in ihr selbst ansichtbar ist*^. Kann aber 
der Mehrwerth anders woher entspringen als ans der Cirknlation? 



") Ariat 1. c. c. iO. 

**) „Profit, in the osnal oondiläon of the market, ia not made by ezehaDg- 
ing. Had It not eiisted Defors, nüthei eoold it aftei that tnnaaation." (Bam- 
B»j 1. c. p. 184.) 



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— 142 — 

Die Ciiknlatiaii ist die Summe aller Wauwibeziehiingen ier Waaren- 
besitzer. Ausserhalb deraelben steht der WaarenbesitEer nur noch in 
Betiehong zu seiner eigoen Waare. Was ihren Werth an^ht, be- 
schitnlct sich das Verh&ltnisB darauf, dass si« dn nach bestimmten 
gesellachaftlicben Gesetzen gemessenes Quantum süner «gnen Arbeit 
enthält. Diese Qoantum Arbeit drDcU sicli aus in der Werthgr&sse 
Heiner Waara und da sich WerthgiOsse in Bechengeld darstellt, in 
einem Fieise von z. ß. 10 Pld. St Aber seine Arbeit stellt sich 
nicht dar im Wertbe def Waaie und einem üebeischuss Aber ihrem 
eignen Werth, nicht in einem Preise von 10, der zugleich ein Preis 
von 11, nicht in einem Werth, der grosser als er selbst iai Der 
Wurenbesitzer kann durch B«ne Arbeit Werthe bilden, aber keine sich 
verwerthenden Werthe. Er kann den Werth einer Waare erhöhen, indem 
er Torhandnem Werth neum Werth durch neue Arbeit zusetzt, z. B. ans 
Leder Stiefel macht Derselbe Stoff hat jetzt mehr Werth, wdl nr ein 
grltseereB Arbeitsquantnm enthtUt Der Stiefel hat daher mehr Werth 
als das Leder, aber der Werth des Leders ist geblieben, was er war. 
Er bat sich nicht verwerthet, niulit w&brend der Stiefel fabrikatiou einen 
Uehiwertb angesetzt. Er ist also nnmOglich, dass der Waarenprodncent 
ausserhalb der Ciikulationssph&re, ohne mit andien Waarenbesitzem in 
Bertthmng in treten, Werth verwerthe und daher Gold oder Waare in 
Kapital verwandle. 

Kapital kann also nicht aus der Cirkulation entspringen and es 
kann eben so wenig ans der Cirkulation nicht ent^ringen. Er muss 
zugleich in ihr und nicht in ihr entspringen. 

Ein deppeltes Besnltat hat sich also ergeben. 

Die Veiwandlnng des Oeldw in Kapital ist auf Onindlage dem 
Waaienaustansch immanenter Oesetze in entwickeln, so dass der Aos- 
taofich Ton Aequivalentea als Ausgangspunkt gilt'''). Dnser nur noch 

") Nach der gogebeoen AuasinandeiMtznng rentebt der Leaor, dsM die» 
nur beiaat: Die Kapital blld od g muss mSglich aein, auch wenn der Waarenprei* 
gloicb dem Waarenworth. Sie kann nicht ans der Abwoicbuug der Waareo- 
preiae von den Waarenwerthen erkl&rt werden Weichen die Preise von den 
Werthen wiiklich ab, aomasi mtn sie erst auf die letzteren redadren, d. *. Ton 
diosem Umatande ala einem loAlligen abseho, nm daa Phinomen der Kapital- 
bildaag auf Grundlage di» Waareuaustaugchs rein vor aioh la haben aod in 



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— 148 — ■ 

als K&pitaliBtesTanpe Torhondner Geldbesitter rnnsB die Wutsd zu ibism 
Werth kanfen, zu Uirem Werth verkaufen, and dennoch am Ende dos 
Proceeaee mehr Werth henoaziehn als ai hinemwarf. Seine Schmetter- 
lingeentfaltnng mnee in der Ciiknlationsaphäre nnd mnss nicht in der 
Ciiknlationraphitre vorgehn. Diees Bind die Bedingungen des Problems. 
Hie Bhodos, hie aaltal 

3. Kauf nnd Verkauf der Aibeitekraft. 
Die WerthTerftndernng des Oeldee, das sich in Kapital verwandeln 
soll, kann nicht an diesem Geld selbst rorgebn, denn als Kaniinittel 
nnd als Zahlangsmittel lealisirt es nur den Preis der Waare, die es 
kauft oder zahlt, während es, in seiner eignen Form verharrend, inm 
Petrefäkt von gletchblübender Werthgrösse erstarrt^*). Eben so wenig 
kann die Veräbdemng ans dem- zweiten CirlEulatioosakt, dem Wieder- 
veikanf der Waare, entspringen, denn dieser Akt verwandelt die Waare 
blasa aus der Natnralform zurück in die Qeldfarm. Die Veiäodeniug 
muBB sich also zutragen mit der Waaie, die im ersten Akt Q — W 
gekauft wird, aber nicht mit ihrem Werth, denn es weiden Aeqnivalente 
ausgetauscht, die Waare wird zu ihrem Werthe bezahlL Die Ver- 
ändemng kann also nur entspringen aus ihrem debranchaweitb als 
soldiem, d. h. aus ihrem Verbrancb. Um aus dem YerbTaneh einer 



seiner Beubachtung nicht durch störende nnd dem eigeDtlichen Verlauf fremde 
Neben umstände verwirrt zu werden. Man wbIbb Bbrigens, daaa dieRe EedakliüD 
keineswegs eine bloa wissen Ecbsftlicbe Frocedar ist. Die besUkndigen OscUla- 
tionen der Marktpreise, ihr Steigen nnd Sinken, kompensiren sich, beben sieb 
wecbaelseitig auf nnd rednciren sich selbst znm Dnrcbschnittepreis als ihrer 
inneren RegeL Diese bildet den Leitstern i. B. des Ksufmanns odei des Xd- 
dustriellen in jeder Untemebmung, die Ungeren Zeitranm nmfasst Er weiss 
also, dass eine längere Periode im Gsnsen betrachtet, die Wasren wirklieb weder 
unter, noch Über, sondern zu ihrem Durcbschnittepreis verksnfi werden. Wäre 
mteresseloses Denken sUo QberbsDpt sein Interesse, so mUsst er sich das Problem 
der Kapttalbildong so stellen : Wie kann Kapital entstehn bei der Beglosg der 
Preise dnreb den Dnrcbsctmittspreis, d. b. in letzter Instanz durch denWsrth 
der Waare? leb sage „in letzter Instanz," weil die Dorchschnittspreise niebt 
direkt mit den Wertbgt&iMn der Waaren, wie A.Smitb, Ricardo o. s. w. glan* 
ben, ztmammenfaUen. 

'*) nin tha form of money .... «qdtal is prodnotive of no profif* 
(Ricardo: Prino. of Pol. Ecou. p. 267.) 



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— 144 — 

W&an Werth henneiuziehn, mDsste miBer GaldboBitui so glflcklieh Min 
innerhalb der Cirkolationssph&re, snf don Markt, eine Waara in ent- 
decken, deren QebTaucluwerth selbst die eigmthflmlichD Beadiaffenheit 
beebae, Qnelle von Wertli tn sein, deren virklidier Verbranch also 
selbst Tergegenat&ndlichnng von Arbeit it&re, daher Werthgchöptbng. 
UDd der Qeldbeeitzer findet anf dem Harkt eine solche speciBsche Waan 
Tor — das Arbeitsrennögen oder die Arbeitskraft. 

Unter Arbeitekraft oder ArbeitsrermOgen Terstehn -wir den In- 
begriff der physischen nnd gnatigen F&higkeiteo, die in der Läblieh- 
kelt, der lebendigen PersönUchkeit eines Menschen existiren nnd die er 
in Bewegung setzt, so oft er Glebranäisverthe irgend einer Art 
prodneirt. 

Damit jedoch der Oeldbesätier die Arbdtskraft als Waare auf 
dem Harkt voifinde, mOssen verscbiedne Bedingungen erfOllt sein. 
Der Waarenanstansch schliesst an und für sich keine andren Abh&n^g- 
ke&tsverhSltnisse ein als die ans süner eignen Natur entspringenden. 
Unter dieser Voranssetinng kann die Arbeitskraft als Waare nnr anf 
dem Harkt erscheinen, sofern nnd weü sie von ihrem eignen Besitzer, 
der Person, deren Arbeitskraft de ist, als Waare feilgeboten oder vor- 
kanft wird. Damit ihr Besitzer äe als Waare verkanfe, mnss er Aber 
sie verfflgm können, also freier Eigenthflmer seines ArbeitsTennOgens, 
seiner Person sein'*). Er nnd der Oeldbesitier begegnen sich anf 
dem Markt und treten in Verh&ltniss zu einander als ebenbürtig» 
Waarenbesitier, nur dadurch nnterachieden, daas der eine Käofer, der 
andre Yerkänfer, beide also juristisch gleiche Personen sind. Die 
Fortdauer dieses Terhaitnissee erhäscht, dass der Eigenthflmer der 
Arbätskraft sie etete nnr fOr bestimmte Zeit verkaufe, dmn verkanft 
er üe in Bausch und Bogen, ein für allemal, so verkanft er sich 
selbst, verwandelt sich aus einem Freien in einen Sklaven, ans einem 
Waarenbesitzer in eine Waare. Er als Person mnss sich beständig zu 
aeiner Arbeitskraft als seinem Eigenthnm nnd daher seiner eignen Waare 



**) In BealenojUopädiao de« kUasiMhen Alterthonu kann man den Unünn 
lesen, dais in der antiken Welt das Kapital vQllig antmoksU war, „aoiser daas 
der freie Arlmter und daa Ereditif aien fehlten." Auch Herr Momnuen in seiner 
„Römlachsn Qeeoliiohte" begeht ein quid pro quo über dai andre. 



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— 145 — 

verhalten nnd das kuia er nur, so veit er sie dem E&nfer stets nnr 
vorflber^end, fflr einen taeetimmtoi Keittennin, zai Verfägung stellt, 
•sota VerbiHuch flbeilässt, also darch ihre VeränBaeniiig nicht auf sein 
Eigenthom an ihr venichtet *°). 

IMe Eweite weaentliche Bedinfrnng. damit der Oeldbautier dieArbeits- 
kiaft anf dem Markt als Waare Torfbde, ist die, dass ihr Besitzer, 
statt Waaren verkanfen zn kOnnen, worin sieh seine Arbät Tergegoi- 
stftndlicht hat, vielmehr seine Arbeitskraft selbst, die nur in seiner 
lebendigen Leiblichkeit eiistirt, als Waare fülbieten mnae. 

Damit Jemand von seiner Arbeitskraft unterschiedne Waaren ver- 
kaofe, mnsB er natürlich ProduktienemittAl besitzen, t. B. Bohatoffe, 
Arbeitsinstnimente n. a. w. Er kann keine Stiefel machen ohne Leder. 
Er bedarf ansserdem Lebensmittel. Niemand, selbst kein Znknnfts- 
mnaikant, kann von Prodokten der Zakonft zehren, also anch nicht von 
Gebraachswerüien, deren Produktion noch unfertig, nnd wie am ersten 
Tag seiner Erscheinung auf der ErdbQhne mnss der Mensch noch jeden 
Tag konsnmiren, bevor nnd während er prodnciri Werden die Produkte 
als Waaren produürt, so müssen sie verkanft werden, nachdem sie 



**) V«r*chiedne Oesetzgebnngen setzen dah«r ein Maximum fOrdanArbeita- 
kontrakt toti. Alle GeMtzbfloher bsiTSlkem freier Arbeit Kgeln Kflndigungs- 
bediogungen dos EoDtrakts. In verschiadnon Lindem, namantUch in Meiiko, 
(vor dem aniarikaniaohen Bfiigerkrieg auch in den von Meiiko losgorisBODon 
Tsmtorien, und dor Sich« nach bis za Kou'a ümwÄliaiig in dsn Donan- 
provinieo) ist dio Sklaverei nnt«r der Form von Peonage versteckt. Dutcli 
YorschüsBO, die in Arbeit abzutragen, und sich voa Generation za Generatioii 
fortwälzen, wird nicht ntir dor einzelne Arbeiter, londern seine Familie, that- 
si^ich das Eigenthnm andrer Personen und ibrsr Pamilien. Jaarez hatte die 
Peonage abgeschafft Der sogenannte Kaiser Haiimilian führte sie wieder ein 
<Iurch ein Dekret, daa im Eepräsentsntenhana zu Washington treffend als Dekret 
znr Wiedereinführe ng der Sklaverei in Meiiko denuncirt ward. „Von meinen 
besondren körperlichen nnd geistigen GeHchicklichkoiten und Möglichkeiten der 
Tb&tigkeit kann ich ... . einen in der Zeit beschränkten Gebrauch an einen 
Andren veränsaem,' weil eie nach dieser Beschränkang ein Susserliches Verhält- 
niis zn meiner TotaUtüt nnd Allgemeinheit erhalten. Darch die Veränaserung 
meiner ganzen durch die Arbeit konkreten Zeit und der Totalität meiner Pro- 
doktioQ wBrde ich das Sabslantielle derselben, meioe allgemeine Thütigkoit nnd 
Wirklichkeit, meine Persönlichkeit zum Eigenthnm eines Andren niachen.'- 
ilegel: „?hUosophie des Bechts. Berlin 1810", p. 104, §. 67. 

Man, Kapital 1. 10 



lyGOOgIC 



— 146 — 

prodDcdit nnd nnd kOnnen die Bed&r&üsfl des Prodncantoi erst nach 
dem VerkaTif befriedigen. Zur ProdnktionBzeit kommt die fOr den Ver- 
kauf nothige Zeit binin. 

Znr Yerwandliiiig von Geld in Kapital mnes der Qeldbesitxer also 
den freien Arbeiter anf dem Waarenmarkt vorfinden, frvi in dem Doppel- 
sinn, daas er als fr«e Person Aber seine Arbeitskraft als seine Waare 
verfllgt, dasB er andrerseits andre Waaren nickt zu verkaufen bat, log 
und ledig, &a ist von allen znr Verwirklichnng seiner Arbütskraft 
nOthigen Sachen. 

IKe Frage, wamm dieser freie Arbeiter ihm in der Cirknlstions- 
sph&i« gegendbertritt, interessirt den Geldbeaitser nicht, der den Arbcots- 
markt als öne besondre Abtheiinng des Waarenmarkts vorfindet. Und 
«nstweilen intereesirt sie nns eben so wenig. Wir halten theoretiach 
an der ThatBache fest, wie der Qeldbesitzer praktisch. Eins jedoch ist 
klar. Die Natar prodncirt nicht anf der onen Seite Geld- oder Waaren- 
besitzer nnd anf der andren blosse Besitzer der eignen Arbeitskräfte. 
Dieas Verbältniss ist kein natnrgeschichtlicheB nnd eben so wenig ein 
gesellschaftlichee, das allen Geechichtsperioden gemein wäre. Es ist 
offenbar selbst das Besnltat einer vorbergegangnen historischen Ent- 
wicklung, das Prodnkt vieler Ökonomischer ümwUznngen, des Unter- 
gangs einer ganzen Reihe älterer Formationen der gesellacliaftlichen 
Produktion. 

Aneh die ökonomischen Kat^orien , die wir früher betrachtet, 
tr^en ihre geschichtliche Spnr. Im Dasein des Produkts als Waare 
sind bestimmte historische Bedingungen eingehDllt. Um Waare zn 
werden, darf das Prodnkt nicht als unmittelbares Subsisteuzmittel fQr 
den Piodncentuk selbst prodncirt werden. H&tten wir weiter geforscht: 
Unter welchen Umständen nehmen alle oder mnimt snch nur die Mehr- 
zahl der Prodnkte die Form der Waare an, so h&tte sich gefunden, 
dass diess nur auf Grundlage einer ganz specifischen, der kapitalistiecben 
ProdttkUonBweise, geschieht. Eine solche Untersuchung lag jedoch der 
Analyse der Waare fem. Wsarenproduktion und Waarencirknlation 
kfinnen stattfinden, obgleich die weit flberwiegende Frodnktenmasse, 
unmittelbar auf den Selbstbedarf gerichtet, sich nicht in Waare ver- 
wandelt, der gesellschaftliche Produktionsprocess also noch lange nicht 
in seiner ganzen Breite nnd Tiefe vom Tanschwerth beherrscht ist Die 



lyGOOgIC 



— 147 — 

Darstellimg des Fiodnkta als Waare bedingt eine bo w«t entwickelte 
Theilimg der Arbeit innerhalb der Geaellscluft, daes die Schaidnng 
zwischen Gebranchsvertli nnd Tansohweith, lüe im omnittelbaren Tanach- 
bftndel erst be^nnt, bereite vollzogen ist. Eine solche EntwicUnngs- 
stnfe ist aber den geschichtlich verschiedensten Ökonomischen Geeell- 
Bchaftsformationen gemein. 

Oder betraditen wir das Qeld, so setzt es eine gewlBse Hohe des 
Waaienanstansches roraos. Die besondren Oeldformen, blosses Waaren- 
HqniTalent, oder Cirknlationsmittel, oder Zahlnngemittet, Schatz nnd 
Weltgeld, deotea, je nach dem verschiednen üm&ng nnd dem rela- 
tiven Vorwiegen einer oder der andren Funktion, auf sehr verechiedne 
Stafen dea gesellschaftlichen Pioduktioneproceesea. Dennoch genftgt 
erfiihmngHmässlg eine relativ schwach entwickelte Waarencirknlation 
znr BÜdnng aUer dieser Formen. Anders mit dem E^ital. Sdne 
tüstorischen Existenzbedingongen sind dnrchans nicht da mit der Waaren- 
nnd Ofitdcirknlation. Ee entsteht nur, wo der Besitzer von Pro* 
dnktioDB- nnd Lebensmitteln den &nen Arbiter als Yerkänfer seiner 
Arbeitskraft anf dem Markt vorfindet, nnd diese eine historische Be- 
dingung nmschliesst eine Weltgeschichte. Das Kapital kttndigt daher 
von vom herein eine Epoche des gesellschaftlichen ProdnkÜonspro- 
cesses an*>), nß^^f^ 

Diese eigenthOmliche Waare, die Arbeitekraft, ist nun n&her zu 
betrachten. Gleich allen andren Waaren besitzt ue einen Werth**). 
Wie wird er bestimmt? 

Der Werth der Arbätskraft, gleich dem jeder andren Waare, ist 
bestimmt durch die znr Produktion, also anch Beprodnktion, dieaee 
spedfischen Artikels nothwendige Arbeitszeit. Soweit sie Werth, re- 
pr&sentirt die Arbtitekraft selbet nur ein bestimmtes Quantum in ihr 



**) Wu alao die kapitalistische Epoche oharekteriairt, ist dasa die Aibeits- 
kiaft fUr den Arbeiter, selbst die Form einer ihm gehdrigen Waare, aeine Arbeit 
daher die Form der Lohnarbeit erhält. Andreneits verallgemeinert sich ent 
von diesem Augenblick die Waarenform der Arbeitaprodnkto. 

**i „Tha Talne or Worth of a man, ia aa of all other thingi, hie piioe: 
that is to say, so mach as woold be given for Uie ose of his power." 
Th. Eobbes: „Lariathan" in Works edit. Xolesworth. London 1SS9— 44, 
T. in, p. 76. 

10' 



lyGOOgIC 



— 148 — 

TB^agenat&ndlicliter geBellaohaftiicher DnrchBcbnittaarbeii Die Arbeits- 
krait eitstirt nur ale Anlage dos lebendigen Indiridnoma. Ihre Pro- 
duktion setzt ftlso seine Exiateiu Torana. Die Existenz deB IndividuuinB 
gegeben, besteht die Produktion der Arbeitakraft in seiner «gnen 
Bq)rodnktton odff Erhaltung. Zu seiner Erhaltung bedarf das leben- 
dige Indindnum einer gewissen Sonune Ton Lebemunittoln. Die zur 
Produktion der Arbeitskraft notbwendige Arbeitszeit ISst sich also auf 
in die znr Produktion dimer Lebensmittel noth wendige Arbeitszeit, 
oder der Werth der Arbeitekraft ist der Werth der zur Erhaltung 
ihres Besitzers nothwendigen Lebensmittel. Die Arbatskraft verwirk- 
Ilcht sich jedoch nur durch ihre Aensserung, bethlltigt sieb nur in der 
Arbeit. Durch ihre Bethätignng, die Arbeit, wird aber ein bestinuutos 
Quantum von menschlichem Huakel, Nerr, Hirn u. e. w. verausgabt, 
das wieder ersetzt werden mnsa. Diese vermehrte Anagabe bedingt 
eine vermehrte Einnahme*'). Wenn der Eigenthümer der Arbeitskraft 
heute gearbeitet hat, muss er denselben Procass morgen unter den- 
selben Bedingungen von Kraft und Qeeundheit wiederholen können. 
Die Summe der Lebensmittel mssa also hinreichen , das arbeitende 
Individmun als arb«tendes Individuum in seinem normalen Lebens- 
znstuid zu erhalten. Die natfirlichen Bedflrfnisse selbst, wie Nahrung, 
Eleidnng, Heizung, Wohnnng n. a. w. sind verBchieden je nach den 
klimatischen und andren natürlichen EigenthQmlichkeiten eines Landes. 
Andrerseite ist der Umfang s. g. nothwendiger BedQr&isse, wie die 
Art ihrer Befriedigung, selbst ein historisches Produkt und hängt daher 
grossentheilB von der Kulturstufe eines Landes , unter andrem anch 
veeentlich davon ab, unter welchen Bedingungen, nnd daher mit wel- 
chen Gewohnheiten und LebensansprQchen die Klasse der freien Arbeiter 
sich gebildet hat**). Im Gegensatz zn den andren Waaren enthält 
also die Werthbestimmong der Arbeitekraft ein historisches und mora- 
lisches Memeni Für ein bestimmtes Land, zo einer bestimmten Periode 



**) Der altrömisolie Tillicne, als Wirthscbafter an der Spitze der Ackerbau - 
aklaven, empfing daher, „weil erleichtere Arbeit hat als die Knechte, knapperes 
HbIb als disBc." (Th. Momnuen: R5m. Geschichte 1866, p. 810.) 

**) Vgl. „OverpapnUtiou and Ite Bemedv. London 1846" von W. Th. 
Thomteo. 



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— 149 — 

jedoch, ist der Dmcliscliiiittfi-Ümkras dei nothwendigen LebeDunittd 
gegeben. 

Der Sigenthflmer der Ärbeitakiaft ist sterblich. Ball al§o BtäoA 
ErBcheinniig auf dem Harlct eine kontinnirlicbe sein, wie die kontinnir- 
liche Verwandlung von Geld in Kapital Toransaetzt, so maea der Vert 
käoier der Arbütakraft sieh Terewigen, „wie jedee lebendige IndiTidanin 
sich rerewigt, durch Fortpflanzung'"}." Die durch Abnnttnng nnd Tod 
dem Markt entzogmien Arbeitskräfte mflssen znm allenuindeaten durch 
eine gleiche Zahl neuer ArbeitskiBile beständig ersrtzt werden. Die 
Summe der zur Produktion der Arbeitekraft nothwendigen Lebensnüttel 
schliesat also die Lebensmittel der Ersatzmänner ein, d. h. der Kinder 
der Arbüter, so dase sich diese Bace ügenthQmlicher Waarenbesitzer 
auf dem Waarenmarkt verewigt**). 

Um die allgemein menscblidie Natur so zn modifidien, dass sie 
Geschick und Fertigkdt in einem bestimmten Arbeitszweig erlangt, 
entwickelte nnd specifische Arbeitskraft wird, bedarf es einer bestimm- 
ten Bildung oder Erziehnng, welche ihrersaitB eine grCasere oder ge- 
ringere Snmme Ton WaarenäquiTalenten kostet. Je nadi dem mehr 
oder minder vermittelten Charakter der Aibeitekraft, sind ihre Bildnngs- 
koBten Terschieden. Diese Erlemnngskoaten, versäLWindend klein für 
die gewöhnliche Arbeitskraft, gehn also ein in den Umkreds der zu ihrer 
Frodoktion Terausgabten Wertbe. 

Der Werth der Arbeitskraft ICst sich auf in den Werth einer 
bestimmten Summe von Lebensmitteln. Er wechselt daher anch mit 
dem Werth dieser Lebensmittel, d, h. der OrOsse der zn ihrer Pro- 
duktion erheischten Arbeitszeit. 

Ein Theil der Lebensmittel, z. B. Nahrungsmittel, Hüzungsmittel 
n. 8. w., werden täglich neu verzehrt, und mflssen täglicb neu ersetzt 
werden. Andere Lebensmittel, wie Kleider, MObel n. s. w., verbrauchen 



") Petty. 

**) „Ita (Uboor'e) natural price . . . conaUts in »noh a qnantify of oeces- 
sariei, uid oomforts of lifo, la, from the natore of the climate, and the habits 
of the coQDtiy, are neceuar; to inpport the labottrer, and to enable bim to 
lear snch a family aa msj pieaerve, in the market, an nndiminiBhed auppl^ of 
laboui." B. Torrens: „An Em»; on the eitemal Com Trade. London 1815" 
p. 92. Das Wort Arbeit atdit hier EUscblioh fät Arbeitekiaft. 



lyGOOgIC 



— 150 — 

mch in lingerm Ztitr&nnieii, und Bind daher nnr in Ungwen Zeit- 
r&nmen zu ersetzen. Wuren einer Art mfiBBea tftglich, andere wöchent- 
lich, viertelj&hrlioh n. b. f . gekanft odw gezahlt worden. "Wie sidi 
die Summe dioBs AuBg&ben aber immn* vfthrend (Anae Jahres t. B. 
errtbalen mOge, sie mnss gedeckt sein durch die Dnrchaöhiiittsein- 
nahme Tag ein, Tag atu. W&re die Hasae der täglich inr Frodak- 
tion der Aibeitakraft erheischten Waaren ^ Ä, die der wOchentlich 
erheieehten ■= B, die der TierteU&hrlich erhäschten ^^ C n. a. w., so w&re 
der tagliche DnrchBchnitt dieser Waaren =. 865 A + 52 B + 4 C + n. a. w. 

366 
Gesetzt in dieser fOr den Ihirchachiiitta -Tag nOthigen Waaren- 
masse steckten 6 Standen geseUBchaftlicher Arbeit, so vei^genständ- 
licht sich in der Arbeitskraft tftglich ein halber Tag geeellechaftlicher 
DnrchBChnittBarbeit, oder ein halber Arbeitstag iat zur t&glichen Pro- 
duktion der Aibdtskraft erbracht. Diea zu ihrer t&glichen Produktion 
ertieifichte Arbeiteqnantnm bildet den Tageewerth der Arbeitskraft, oder 
den Werth der t&glich r^rodneirten Arbeitekraft. Wenn eich ein halber 
Tag geaellschaftlicher DnichachnittBarbeit ebentollB in einer Goldmasse 
von 8 sh. oder einem Thaler darstellt, so ist Ein Thaler der dem 
TageewerUi der Arbätskraft mteprechende iPreis. Bietet der Besitzer 
der Arbdtskraft sie feil fDi Einen Thaler täglich, so ist ihr Verkanfs- 
preiB gleich ihrem Werth und, nach nnsrer Voranesetznng, zahlt der 
auf Verwandlung seiner Thaler in Kapital erpichte Oeldbeeitzer diesen 
Wera. 

Die letzte Grenze oder Hinimolgrenze des Werths der Arbeitskraft 
wird gebildet durch den Werth einer WaarenmasBe, ohne deren tftgliche 
Zofnhr der Träger der Arbeitekraft, der Mensch, seinen Lebensprocess 
nicht emeuem kann, also durch den Werth der physisch unentbehrlichen 
LebenamitteL Sinkt der Preis der Arbätskiaft anf dieeea ICtnimnm, so 
sinkt er unter ihren Werth, denn sie kann sich so nur in TerkAnunertn 
Form erhalten und entwickeln. Der Werth jeder Waate ist aber be- 
stimmt durch die Arbeitszeit, erfordert um sie in normaler Güte zu 
liefnm. 

£e ist eine ausserordentlich wohlfeile Sentimentalit&t, diese aus 
d» Natnr der Sache Siessende WerthbCBtimmung der Arbeitskraft grob 
XU finden und etwa mit Bosä zu jammern: ,J)a8 Arhütsrermögen 



lyGOOgIC 



— 151 — 

^nisaance de travail) begreifen, w&hrend man von den Sobsistenz' 
Biittdn der Arbeit während des FrodoktionsprocesseB abBtmhirt, heisat 
ein Himgespinnst (Stre de rgison) begreifen. Wer Arbeit sagi, wer 
ArbeitsremiOgen sogt, sagt zugleich Arbeiter und Sobeiatenzmittel, 
Aibeitw and Arbeitalafan*^,^ Wer ArbtitsTermOgeo sagt, sagt nicht 
Arbeit, so wenig als wer VerdurnngaTermOgen eagt, Verdauen sagt. 
Zorn letztren Froeees ist bekanntlich mehr als ein guter Mi^en er- 
fordert Wer ArbeitsTermCgen sagt, abstrahirt nicht von den zu seiner 
Sabsistenz nothwendigen Lebensmitteln. Ihr Werth ist Yielmehr ans- 
gedrflckt in Beiaem Werth. Wird es nicht verkauft, so nützt es dem 
Arbeiter nichts, so empfindet er ee vielmehr als eine granasme Natnr- 
aothwendigkeit , dass sein ArbeitavermOgen ön bestimmtes Qnantum 
SnbBisteozmittel zn seiner Produktion erheischt hat und stets wieder 
Ton neuem zu söner Reproduktion erhascht. Er entdeckt dann mit 
ffismondi: ,jiu ÄrbeitsTonnOgen .... ist Nichte, wenn ee nicht ver- 
kauft wird*«)." 

Die eigenthflmliche Natur dieser speciüschen Waare, der Arbeit»' 
kraft, bringt es mit sich, daas mit der Abschliessung des Kontrakts 
zwischen Eänfer und Verkänfei ihr Qebrauchswerth noch nicht wirk- 
lich in die Hand des Känfers flbergegangen isL Ihr Wertb, gleich 
Ana jeder uidren Waare, war beatinunt, bevor sie in die Cirkalation 
trat, denn ein bestimmtes Quantum gesellschaftlicher Arbüt ward zur 
Produktion der Arbeitskraft veraasgabt, aber ihr ßebraschswerth besteht 
erst in der nachträglichen EraftäcBsernng. Die Veränsserung der Kraft 
und ihre wirkliche Aecsaemng, d. h. ihr Dasein als Gebrauchewerth, 
fiülen daher der Zeit nach ans einander. Bei solchen Waaren aber*^, 
wo die formelle Ver&nssenuig des Qebranchsweräis durch den Verkauf 



•') Boui: „Conn d'^n. Polit. Bmielle« 1842", p. 870. 

**) SiamoDdi: „Nonv. Frino. etc.", t. I, p. lia. 

**) „All Isboni ia paid, irter it has oeaied." („in Inqoir; into thoae 
PrinctplM rsipecting the Natnre of domand etc.", p. 104.) „Le credit com* 
mercial a dft oommencar an moment oii Tonviiar, premier utiMQ de la pio- 
dactioD, a pn, au mojen de Mi «conomiee, attendr« le ulaire de Bon travail 
jnsqa'ä Is fin de la lenutiDe, de U qninnine, du moia, da trimealze etc." 
<Ch. Ganilh: Dei Syrtämea de l'^oen. Folit 2ime ediL Paris 1881, t. I, 
f. 150.) 



lyGOOgIC 



— 152 — 

nnd seine wirkliche TJeberl&asnng an den Kfinfar der Zeit nach ans- 
einander E^en, fnnktionirt das Oeld des K&nfers meist aU Zahlongs- 
mittel. In allen L&ndem kapitalistischer ProduktionswedBe wird die 
Arbeitskraft erst gezahlt, nachdem sie bereits während des im KBof- 
kontr^ festgesetzten Termins fonktionirt hat, z. B. am Ende jeder 
Woche, Ueberall schiesst daher der Arbeiter dem Kapitalisten den 
Gebranchswerth der Arbeitskraft vor; er l&sst sie vom Käufer konsnmirenr 
bevor er ihren Preis bezahlt erhält, Oberall kreditirt daher der Arbeiter 
dem Kapitaliaten. Dass diess Kreditiren kein leerer Wahn ist, leigt 
nicht nnr der {^I^;entliche Verlost des kreditirten Lohns heim Bankerott 
des K^Lbtllsten'*'), sondern aneh eine Beihe mehr nachhaltiger Wir- 
kmigen'*). Indess ändert es an der Natur des WaarenaiiGtaaschs selbst 



*") „L'ouTiiei präte aon indiistrie", aber aotzt Storch achlaa hinzu: er 
„rükirt nichts" aiuBer „de perdra son aslaire . . , l'oQTriei ne tnuiBmot rien 
de materiel." (Storch: Conra d'^con. Polit. Pöteraboorg 1815, t. II. p. 37.) 

") Ein Beispiel. In London exiitiren zweierlei Sorten von Bäckern, die 
„All pTiced", die das Brod za seinem Tollen Werthe verkanfen, and die ,,ander- 
Seilers", die ea onter diesem Werthe verksofon. Letztere Klasse bildet tlber 7« 
der Oesammtzahl der BScker. (p. XXXirim „Beport" des Begiorungäkoimnis- 
aaira H. S. Tremenheere fibei die „GrieTsnces complained of b; the joumejmen 
bakers etc. London 1862."} Diese nnderaellere verkaufen, fast ansDahmslCB, 
Brod, das TerfiUacbt ist dntch Beimischnog von Alaun, Seife, Perlasche, Kalk, 
Derbyehire Steinmebl imd ähnlichen angenehmen, nahrhaften nnd gesunden In- 
grodieczien. (Sieh das oben citirte Blaabach, ebenso den Bericht des „Com- 
mittee of 1855 on the Adnlteratioa of Bread" und Dr. EaBeall's: „Adnltera- 
tioDS Detected," 2nd edit. London 1863.) Sir John Gordon erklärte vor dem 
Comite von 1855, dasa, ,4n Folge dieser FUsobnngen der Arme, der Ton 
zwei Pfnnd Brod täglich lebt, jetzt nicbt den vierten Tbeil dee Nahmngutoffea. 
wirklich erhält, abgeaehn von den schädlichen Wirkungen auf seine Geaand- 
heit" Als Grund, „warum ein aelir grosser Theil der Arbeiteiklasee", ob- 
gleich wohinnterriohtot ober di« Fälschungen, dennoch Alaun, Steinmehl etc. 
mit in den Kauf nimmt, führt Tremenheore (1. c p. XLVIII) an, dass ea fQr 
sie, „ein Ding der Noth wendigkeit ist, von ihrem Bäcker oder dem chandler'a 
shop das Biod zu nehmen, wie man es ihnen za geben beliebt." Da sie erst 
Ende der Arbeitswoche bezahlt werden, können sie anch „das während der 
Woche von ihren i'amüien verzehrt« Brod erst Ende der Woche zahlen" und 
fügt Tremenheere mit Anführang der Zeugenaussagen hinzu: „es ist notorisch, 
dass mit solchen Mixturen bereitetes Brod eipreas fOr diese Art Kunden ge- 
macht wird." („It is DOtorioQs that bread composed ofthoaemixtuiea, is mad« 



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— 158 — 

nichts, ob das OeM als Kanfmittet oder als Zahlungsmittel fanktionirt. 
Der Preis der ArbötsknA iat kontraktlich festgesetzt, obgleich er erst 
hinterher ruliairt wird, irie der Miethiveia eines Hauses. Die Arbeits- 
kraft ist Terkaaft, obgleich sie erst hinterher bezahlt wird. Fflr dio 
rmne Anffasenng des VerhältDisses ist es jedoch nQtzlich, einstweilen 
voranszQsatzen , dass der Besitzer der Arbeitskraft mit ihrem 
Terkanf jedesmal anch sogleidi den kontraktlich stipnlirtea Preis 
erhall 

Wir kennen nnn die Art nnd Weise der Bestimmung des Werths, 
welcher dem Besitzer dieser eigenthQntlichen Waare, der Arbeitekraft, 
vom Geldbesitzer gezahlt wird. Der Qebranchswertb , den letztrer 
seinerseits im Anstansch erhAlt, zeigt sich erst im wirklichen Yer- 
hraach , im Eonesmtionsprocess der Arbeitskraft. Alle za diesem 
Process nOthigen Dinge, wie Botunaterial n. s. w., kanfl der Qeld- 
beutzer anf dem Waarenmarkt nnd zahlt sie znm vollen Preis. Der 
Eonsnmtionsprocess der Arbeitskraft ist zugleich der Produktionaprocesa 



eipreulj for sale In this manner," „In Tielen engliBcbeo AgrikaltDidiatiikten 
(aber noch mehr in scbotUsobeD] wird der Arbeitilohn TierzehDtägig and selbst 
monatliob gezahlt. Uit diesen lugen Zahlungsfristen mnss der Agriknltnr- 
arbeiter seine Waarea auf Kredit kaafen ... Si hat h&here Preise in zahlen 
and ist thstsichlich an die Boetiqne gebondeo, die ihm pampL Sa kostet ihm 
z. B. ZD Homingsham in Witts, wo die Lühniuig moosUicb, dasselbe Mehl 
2ah.4 d. per itone, d&H er sonstwo mit t. ah. 10 d. znhlt" („Siith Report" 
on „Publie Health" by „The Uedicst Omcer of the FtItj Council etc. 1864", 
p. 2S4.) „Die Eattnn-Handdruclcer von Paialey nod EUmamock (Weitsohottlsiid) 
enwaogen 1858 durch einen Strike die Herabsetzung des Zahlongstemmis von 
einem Monat auf 14 Tage. („Beporte of the Inapectora of Factorie« for 81st 
Oct. 1853", p. 34.) Als eine weitere artige Entwicklueg des Kredit«, den der 
Arbeitw dem Kapitalisten giebt, kann mau die Methode vieler engUscb et Eoh- 
lenbeigwerksbesitzer betrschten, wonach der Arbeiter erst Ende des Monats be- 
zahlt wird, und in der Zwisohenzeit Torschüsse vom Kapitalisten erhält oft in 
Waaren, die ei über ihren Marktpreis zahlen muss fTmcksjtem). „It is a 
common practice wiUi the coal masters to pay oncesinonth, sndadvanceeath 
to their workmen at the end of eaeh intermediate week. The cash isgirenin 
the Shop (nämlieh dem tommy-ahop oder dem Meister selbst gebBrigen Kram- 
laden); the meu take it on one aide aud lay itonton tbeother." („Childnna' 
Employment Commission, HI. Report. Lond. 1864", p. 3?, n. 192.) 



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— 15* — 

TOD Waare und von Hehrwerth. Die Eonsnmtioii der Ärbeitaknft, 
gleitäi der KoDBamtion jeder andren Waare, rollzieht sich ausserhalb 
des Markts oder der CirlcDlatioiifisphäre. Diese gwfinachvoUe, anf der 
Oberfliche liansende nnd Aller Augen zngingliche Sphäre verlassen wir 
daher, xoeanunen mit Oeldbesitur nnd ÄrbeitekraftbesitEer, nm beiden 
nachzufolgen in die verborgne Stätte der Produktion, an deren Schwelle 
zn lesen steht: Ko admittanoe exoept on bnginess. Hier wiii sich 
zögen, nicht nnr wie dae Kapital prodncirt, eondem anch wie man 
«B selbst prodncirt, das Kapital. Das Qeheimnisa der Flusmacherei 
mnss üch endlich enthUlen. 

Die Sphäre der Cirknlation oder des WaarMianetanschs , inner- 
halb deren S<diranken Kanf und Verkauf der Arbeitskraft sich be- 
w^ war in der That an wahres Eden der angebomen Menschen- 
reäkte. Was allein hier herrscht, ist Freiheit, Gleichheit, Eigenthnm, 
und Bentham. Freiheit! denn Käufer nnd Verkäufer öner Waare, 
z. B. ' der Arbeitskraft, sind nur durch ihren freien WUlra bestimmt. 
Sie konttahiren als freie, recbtlidi ebenbOrtige Personen. Der Eon- 
trakt ist das Endresultat, worin sich ihre Willen einen gemeinsamen 
Bechtsansdruck geben. Qleichheit! Denn sie beziehen sich nnr als 
Waarenbeeitier anf einander und tauschen Aequivalent für Aeqni- 
Talent. Eigenthnm! Denn jeder verfOgt nur Ober das Snne. BdnthamI 
Denn jedem von den baden ist es nur um sich zu thun. Die ein- 
age Macht, die sie zusammen nnd in ein Verhältnias bringt, ist die 
ihres Eigennutzes, ihres SonderrortbeilB, ihrer Frivatintereesen. Und 
eben weil so jeder nur für sich nnd kuner fdr den andren kehrt, 
TOllbringen alle, in Folge einer pr&stabilirten Harmonie der Dinge, 
oder unter den Anspicien dner aUpfiffigen Torsehnng , nur das 
Werk ihres wechselseitigen Vortheils, des G^emönnntzens, des Gesammt- 
interesses. 

Beim Scheiden von dieser Sph&re der lunfachen Cirknlation odw 
de« Waarenanstanschs, werans der Freihändler vulgaris Anachanungen, 
Begriffe nnd Uafsstab fllr sein ürtheil Aber die Gesellschaft des 
Kapitals nnd der Lohnarbeit entlehnt, verwandelt eich, so scheint es, 
schon in etwas die Physiognomie nnaier dramatis personae. Der 
ehemalige Qeldbeeitzer schreitet voran als Kapitalist, der Aibeitskraft- 
fiesitzer folgt ihm nach als sein Arbeiter; der Eine bedentnngsvoll 



lyGOOgIC 



gohmunulnd und geecli&ftBeifrig, der Andre achen, widoBb^bsam, wie 
Jemaad, dw seme eif^e Haut zu Harkt getragen und nun nichts 
ondna sa «rwarten hat ala die — Gerberei 



Dritter Abschnitt. 
Die Frodulbrtion des absoluten Mehrwerths. 

Fünftes KapiteL 
Arbettsprocess und VerwerthangspToeeBa. 

Der Gflbrancli der Ärbeiteknft ist die Arbeit selbst. Der K&ator 
-der Arbeitskraft konanmirt ne, indem er ihren Yerkftnfer arbeiten llsat. 
Letztrer wird hierdurch actn sich beth&tigende Arbntskraft, Arbeiter, 
was w firflber nur potentia war. Um snne Arbeit in Waaren dam- 
stallen, muBB er sie vor allem in Gebranchswerthen darstellen, Sachen, 
die lur Befriedig'nng von BedQrfnissen irgend einer Art dienen. Ee ist 
also ma besondrer Oebranchswerth, rän bestinunter Artikel, den der^ 
EapitaUst Tom Arbeiter anfertigen l&sst Die Produktion von OebraachB- 
wffUien, oder Ofltem, Sodert ihre allgemeine Natnr nicht dadnrcb, dass 
Bie fDr dm Kapitalisten nnd onter süner Eontrole vorgeht. Der 
ArbeitsprocesB ist daher xnnächst nnabh&ngig von jeder beeünunten 
geeeUschaftlichen Form zn betrachten. 

Die Arbeit ist znn&chst ein Process zwischen Menst^ nnd Katar, 
ein Process, worin er seinen StoffweohBel mit der Natnr durch seine 
eigne That vermittelt, regelt nnd kontroUrt. Der Mensch tritt dem 
Natnratoff selbst als eine Natnrmacht gegenflber. Die seiner Leiblich- 
keit angehOrigen Natnrkräfte, Anne nnd Beine, Kopf und Hand, setzt 
tt in Bewegung, nm sich den NatnrstofF in einer fDr sein eignes Lebm 
branchbaren Form anzneignen. Indem er dnrch diese Bewegnng anf 
die Natnr anaser ihm wirkt nnd sie Ter&ndert, Ter&ndnt er zugleich 



lyGOOgIC 



— 156 — 

seine dgne Natur. Er entwickelt die in ihr schlammunden Potenzen 
und DDterwirft daa Spiel ihrer Kräfte BSioer eignen BotmSsügkeit Wir 
haben es hier nicht mit den erBten tliier&rti^ instinktmiangen Fommi 
der Aibeit zu thnn. Dem Zustand, worin der Arbeiter als Verkänfer 
seiner eignen Arbeitskraft anf dem Waarenmarkt anftritt, ist in nrzwt- 
licben Hintergrund der Znetand entrDckt, worin die menecMiche Aibät 
ihre erste inatinktartige Form noch nicht abgestreift hatte. Wir nnter- 
stelten die Arbeit in einer Form, worin sie Atm Henechen ausacUiesa- 
lieh angehört. Eine Spinne verrichtet Operationen, die denen des 
Webers ähneln, nnd eine Biens beschämt durch den Ban ihrer Wachs- 
zellen manchen menschlichen Baumeister. Was aber von vom hernn 
den Bchlechtesten Banmeister vor der beeten Biene anszeichnet, ist, dass 
er die Zelle in seinem Kopf gebant hat, bevor er sie in Wachs bant. 
Am Ende dee Arbeitsproceases kommt ein Besnltat herans, das btim 
Beginn desselben schon in der Yotgtellnng dos Arbiters, also schon 
ideell vorhanden war. Nicht dass er nur eine Formverändenmg des 
Katflrlichen bewirkt, verwirklicht er im KatQrlichen zngleich seinen 
Zweck, den er weiss, ä« die Art nnd Weise seines Thnns als Gesetz 
bestimmt nnd dem er seinen Willen nnterordnen mnss. und diese 
Unterordnung ist keLo vereinzelter Akt. Ansaer der Anstrengung der 
Organe, die arbeiten, ist der zweckmässige Wille, der sich als Anfraerk- 
samkeit änssert, fOr die ganze Daner der Arbeit erheischt, und nm so 
mehr, je weniger sie durch den eignen Inhalt und die Art ond Weise 
ihrer Ansfflhrang den Arbiter mit sich fortreisst, je weniger er sie 
daher als' Spiel seiner eignen körperlichen nnd geistigen Eräft» 
genieest. 

Die einfachen Momente des Arbaitsproceeees sind die iweck- 
massige Th&ügkeit oder die Arbeit selbst, ihr Gegenstand nnd ihr 
Mittel 

Die Elrde (womnter Ckonomisch anch das Wassw einbegriffen), 
wie sie den Mensehen nisprfinglich mit Proviant, ftttigen Lebensmitteln 
ansrfletet*), findet sich ohne sein Znthnn als der allgemeine G«g«Bstand 



') „The evth'fl ipontaaeona prodncüoiu being in small qnsntit;, and 
qnite independent of man, appeai aa it were, to b« faraished bj natnre, in the 
Mune wa; ae a small nun i» givN) to a poong man, in order to put him in a 



lyGOOgIC 



— 157 — 

der menachlicfaen Arbeit TOr. Alle IMi^, welche die Arbeit nnr von 
ihrem nnmittelharen ZnsammenhaDg mit dem ErdgaiiEen loslSat, sind 
Toa Natur vorgefandne Arbettagegenat&nde. So der Fiach, der Ton 
swnem Lebenselement, dem Waseer, getremit, gefangen wird, das H0I2, 
das im Urwald geßllt, das Erz, das ans seiner Ader losgebrochen wird. 
Ist der Arbeitagegenstand dag^en selbst schon sozneogen dnroh Mhere 
Arbrit Slbirt, so nennen wir ihn Rohmaterial. Z. B. das bereits los- 
gebrochene En, das ntm ansgewaechen wird. Alles Rohmaterial ist 
Arbätsgegenstand, aber nicht jeder Arbeitegegenstand ist Rohmaterial. 
Bohmaterial ist der Aibütsgegenstaad nnr, sobald er bereits eine dnrch 
Arbeit vermittelte Ver&nderang erfahren hat. 

Das Arbeitsmittel ist ein Ding oder «n Komplex von Dingen, die 
der Albeiter zwischen sich und den Arbeitagi^enstand schiebt nnd die 
ihm als Leiter seiner Thäügheit auf diesen Gegenstand dienen. Er 
benntit die mechanischen, physikalischen, chemischen Eigenschaften der 
IMnge, nm sie als Machtmittel aof andre Dinge, seinem Zweck gemäss, 
wirken zn lassen*). Der Gi^enstand, dessen sich der Arbeiter unmittel- 
bar bem&chtigt — abgesehn von der Ergreifung fertiger Lebensmittel, 
der Fr&chte a. B., wobei seine eignen Leibeeorgane allein als Arbeits- 
mittel dienen — ist nicht der Arbeitagegenstand, sondern das Arbeits- 
mittel. So wird das Natürliche selbst znm Organ seiner Thfttigknt, 
nn Organ, das er seinen eignen Leibeeorganen hinznfdgt, seine natDr- 
liche Gestalt verlängemd, trotz der Bil>el. Wie die Erde seine nrsprüng- 
liche Proviantkammer, ist sie sein nreprflngliches Arsenal von Arbeits- 
mitteln. Sie liefert ihm z. B. den Stein, womit er wirft, reibt, drflckt, 
schneidet n. s. w. Die Erde selbst ist ein Arbeitsmittel, setzt jedoch 
zn ihrem Dienst als Arbeitsmittel in der Agriknltnr wieder eine ganze 
Rahe andrer Arbeitsmittel nnd eine schon relativ hohe Entwicklung 



wa; of indoitry, and of making liia tartune." (Jamee Stenart: Principlea of 
Polit. Eoon. edit DubUn 1770, v. I, p. 116.) 

*) „Die Vornanft ist eben so listig als mSchlig. Die List besteht flber- 
hanpt in der vermittelodeD Thätigkeit, welche, indem sie die Objekte ihrer eige- 
nen Natur gemäss aaf einander einwirken nnd sich an einander akaibeitenlAst, 
ohne sich unmittelbar in diesen Frooess einEumischen, gleichwohl nur ihren 
Zweck lUT Aniführung bringt." (Hegel: Enajklopädie. Erstet TbeiL Die 
hagik. Berlin 1840, p. S82.) 



lyGOOgIC 



— 1B8 — 

der Arbeitskraft rorans'). Sobald übetitanpt der Arbeiteprocras nur 
einigemiasseit entwickelt ist, bedarf er bereite bearbeiteter Arbeits- 
mittel. In den Uteeten MensclienbShlea finden wir Steinwerkzenge und 
Steinwaffen. Neben bearbeitetem Stein, Holz, Knochen nnd Mnecbeln 
spielt im Anfang der Menscbengescbiehte das gezähmte, also selbst 
schon durch Arbeit ver&nderte, gezflchtete Thier die HanptroDe als 
Arbdtsmittel*), Der Gebranch und die Schöpfong 7oe Arbeitsmitteln, 
obgleich im Keim schon gewissen TUerarten eigen, eharakterisiren den 
specifisch mensäüichen Arlratsprocess nnd Franklin definirt daher den 
Henscheu als „a toolmaking animal", ein Werkzeuge fabriciraLdes Thier. 
Dieselbe Wichtigkdt, welche der Ban ron Knochenreliqnioi fDr die 
Erkenntniss der Organisation nntei^egangner Thiergeschlechter, haben 
Beliqnien TOn Arbeitsmitteln fOr die Beurtheilnng onterg^angner Öko- 
nomischer Gesellschaftsformationen. Nicht was gemacht wird, sondern 
wie^ mit welchen Arbeitsmitteln gemacht wird, nntereehädet die Öko- 
nomischen Epochen^). Die Arbeitsmittel sind nicht nnr Gradmesser der 
Entwicklnng der menschlichen Arbeitskraft, sondern anch Anzeiger iec 
gesellsobaftlichen Terh&ltnisae , worin gearbeitet wird. unter den 
Arbeitsmitteln selbst bieten die mechanischen Arbdtsmittel, deren Oe- 
sammtheit man das Knochen- und Unskelsystem der Fiodnktion nennen 
kann, viel entscheidendere Charaktwmerkmale einer gesellschafUiduD 
Prodnktionsepoche, als solide Arbeitsmittel, die nnr zu Beh&ltem des 
Atbeitsg^^etands dienen, nnd deren Gesanunthnt ganz allgemein als 
das QefilassTBtem der Produktion bezeichnet werden kann, wie i. B. 
Bohren, F&sser, EOrbe, Krflge n. s. w. Erat in der chunischen Fabrikation 
spielen de «ne bedentungsvoUe Bellet). 



•} In der sonst elenden Schrift: „Theorie de l'^con. Polit Paria 181S", 
zählt Gaollh den Pbjsioliratfln gegenüber treffend die grosse Beihe von Axbwts- 
proeessen aaf, welche die Yoruissetzang der eigentUdien Agrikoltnr bilden. 

*) In den „Befleiions sar U Formation et U Distribotion des Bichuses'* 
(1766) entwickelt Torgot gut die Wichtigkeit des gezfthmtenThiersfQi die An- 
fänge der Knitar. 

■) Ton allen Waaien sind eigentliche LuoBWuren die tmbsdentendsteu 
für die tMhnologische Vergleiehnng Teisohiedensr ProdoktionsepoobeD. 

*s) Note zu 2. Ausg. 3o wenig die bisherige Gesohiohtsschreibong die 
Entwicklung der materiellen Frodaktion, also die Grnndlsge alles gesellschaft- 



lyGOOglC 



— 159 — 

Im weitren Sinn zählt der ÄibeitsprocesB unter seine Mittel aussei 
den Dlngeo, welche die Wlrkmi^ dei Arbeit auf ihren Q^enBtand Tei- 
mitteln, nnd daher In räner oder der andren Weise als Leiter der Th&ti^' 
keit dienen, alle g^aietfindlichen Bedii^nn^n, die Oberhaupt erhäscht 
sind, damit der Frocess stattfinde. Sie ^ehn nicht direkt in ihn ein, 
aber er kann ohne sie gar nicht oderc nur unvollkommen vorgehn. Dos 
aUgemeine Arbeitsmittel dieeer Art ist wieder die Erde selbst, denn sie 
giebt dem Arbeiter den locus standi und seinem Proeess den Wirknngs- 
ranm (field of employment). Durch die Arbeit schon vennittelte 
Arbeitsmittel dieser Art sind z, B. ArbeitBgeb&ude , Eon&le, Strassen 
n. s. w. 

Im Aibeitepiocess bewirkt also die Th&tigkeit dee Menschen durch 
das Arbeitsmittel eine von vom herein beiweckte Yerfindening des 
ArbeitBge^nstandee. Der Frocesa erlischt im Produkt. Sein Produkt 
ist an Gebranchswerth, ein durch FormTer&ndemng menschüchen B&- 
dftr&iiBsen angeeigneter Natoretoff. Die Arbeit hat sich mit ihrem 
Gegenstand verbunden. Sie ist vergegenständlicht und der G^enstand 
ist verarbeitet. Was auf Seiten dee Arbeiters in der Form der ün- 
mhe erschien, erheischt nun als ruhende Eigenecbaft, in der Form des 
Seins, anf Seiten des Produkte. Er hat gesponnen nnd das Produkt 
ist ein Gespinst. 

Betrachtet man den ganzen Procesa vom Standpnnkt seines 8esnl- 
tate, des Produkts, so erscheinen beide, Arbeitsmittel nnd Arbüta- 
g^enstand, als Produktionemittel ^) und die Arbeit selbst als produktive 
Arbeit'). 



liehen Lebens nnd dsber aller wirklichen Geschichte kennt, hat man wenig- 
stens die vortiittorische Zeit anf Qmndlage nataiwiasenschaftliober, nicht 
sog. historischer Forschnngen, nach dem Material der Werkzeuge nnd Waffen 
in Steinalter, Bronzealter nnd Eisenalt^r abgetheilt. 

*) Es scheint paradox z. B. den Fisch, der noch nicht gefangen ist, ein 
Frodnktionsmittel fOi den Fisch&ng zu nennen. Bisher iat aber noch nicht 
die Knnst erfunden, Fische in GewässeTn zn fangen, in denen sie sich nieht 
vorfinden. 

') Diese Bestimmung pToduktiver Arbeit, wie sie sich vom Standpunkt 
des einfachen ArbelteprocesBes ergiebt, reicht keineswegs hin für den kapita> 
listisohen Frodakttonsprocesi. 



lyGOOgIC 



— 160 — 

Wenn ein Qebr&ncliawertb als Produkt aas dem Arbeitsprocws 
beranBkomint, gtihn andre Gebranchswertbe, Produkte frflhrer Arbeita- 
processe, als Produktionsmittel in ihn ön. Derselbe OebnnchBwerth, 
der dae Prodakt dieser, bildet das Prodaktioninittel jener Aib^ 
ProdokI« sind d^er nicht nnr Besoltat, sondern zugleich Bedingfnng 
des Arbeiteprocsasee. 

Mit Ansnahme der extraktiren Industrie, die ihren Arbeitag^en- 
Btand von Nator vorflndet, wie Bergban, Jagd, Fischfang n. s, w., (dv 
Ackerbau nur, soweit er in erster Instanz tue jnngfrinliche Erde selbst 
aufbricht), behandeln alle Industriezweige dnen Gegenstand, der Boh- 
materlal, d. h. bereits dnrch die Arbeit filtrirter Arbeitsgegenstand, 
selbst schon Arbeitsprodukt ist So z. B. der Samen in der Agri- 
kultur. Thiere und Pflanzen, die man als Naturprodakte an betrachten 
pflegt, sind nicht nnr Produkte vielleicht der Arbeit vom vorigen Jahr, 
sondern, in ihren jetzigen Formen, Prodokte einer durdt viele Genera- 
tionen, unter menschlicher Eontrole, vermittelst menschlicher Arbnt, 
fortgesetzten Umwandlung. Was aber die Arbeitsmittel insbesondre be- 
trifft, so zeigt ihre angeheure Hehtzahl dem oberfiäehlichBt«n Blick die 
Spur vergangner Arbeit 

Das Rohmaterial kann die Eaupteubstanz eines Produkts bilden, 
oder nur als HQUsstoff in seine Bildung «ngäin. Der HUfsatoff wird 
vom Arbeitsmittel konsumirt, wie Kohle von der Dampfmaschine, Oel 
vom Bade, Heu vom Zugpferd, oder dem Bohmaterial zogesetst, um 
darin eine stoffliche Veränderung zu bewirken, wie Chlor zur nnge- 
bleichten Leinwand, Eohle zum Eisen, Farbe zur Wolle, oder er unter- 
stützt die Verrichtung der Arbeit selbst, wie z. B. zur Beleuchtung 
und Heizung des Arbeitslokals verwandte Stoffe. Der Unterschied 
zwischen Hanptstoff nnd HOlfsstoff verschwimmt in der eigentlich chemi- 
schen Fabrikation, weil keines der angewandten Bohmaterialien als die 
Substanz des Produkts wieder erscheint^ 

Da jedes Ding vielerlei Eigenschaften besitzt nnd daher ver- 
schiedner Nutzanwendung fähig ist, kann dasselbe Produkt das Boh- 



*) Storch nntenoheidet dat eigentliche Bohmaterial als „matiäre" von den 
Hdl&stoffeii ala „materiani" : Cherbuliaz bezeichnet die Hüifutoffo als „matitres 
instrumentales." 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 161 — 

material sehr veraohiediiei Arbeitsprocesse bilden, Eom z. B, ist Boh- 
material für Malier, St&rkefabrUouit, DeBtillateur, Viehdlchter a. h. w. 
Es wird Bohmateml seiner eignen Produktion als Samen. Bo g«ht die 
Kohle als Produkt am der UinenindiiBtrie lierror und als Prodsktüns- 
mittel in sie ün. 

DoBselbe Frodokt mag in demselben Arbeitsprocees als Aibeita- 
mittel nnd BolunateriAl dienen. Bei der Yiehmut i. B. wo du Vieh, 
das bearbeitete Bohmaterial, zugleich Mittel der Düngerbereitnng ist. 

Ein Prodnkt, das in einer Ar die Konsomtion fertigen Form 
existirt, kann von neoem mm Rohmaterial eines andren Prodnkta 
werden, wie die Traabe znm Boltmaterial des Weins. Oder die 
Arbeit entltest ihr Produkt in Formen, worin ee nur wieder als Boh- 
material bisnehbar ist. Bohmaterial in diesem Znstand heiast Halb- 
fabrikat und hiesae besser Stofbn&brikat , wie i. 6. BaomwoUe, 
Faden, Qam o. s. w. Obglcneh selbst schon Produkt, mag das ur- 
eprflngliche Bohmaterial eine ganie Staffel verschiedner Proceese zu 
~ durchlaufen halran, worin es in stets verfinderter Gestalt stets Ton 
neuem als Bohmaterial funküonirt bis zum letzten Axbeitsprocesa, der 
es als fertiges Lebensmittel oder fertiges Arbeitsmittel Ton sich ab- 

StÖBSt. 

Man sieht; ob ein Oebrancbswerth als Bohmaterial, Arbeits- 
mittel oder Prodnkt erscheint, hfingt ganz und gar ab von ssiner be- 
stimmten Funktion im Arbeiteprocesse, von der Stelle, die er in ihm 
nnnimmt, nnd mit dem Wechsel dieser Stelle wechseln jene Be- 
stimmungen. 

Durch iliren Eintritt als Frodoktionsmittel in neue Arbeitsprozesse 
reilieren Produkte daher den Charakter dee Produkts. Sie fpnktioniren 
nur noch als gegenst&ndliche Faktoren der lebendigen Arbeit Der 
Spinner behandelt die Spindel nur als Mittel womit, den Flaclis nur 
als Qegenatand, den er spinnt. Allerdings kann man nicht spinneu 
ohne Spiunmatcilal und Spindel Das Vorhandensein dieser Pro- 
dukte ist daher Torausgesetzt beim Beginn dee Spinnens. In diesem 
FrocesB selbst aber ist es eben so glnohgllltig, dass Flachs nnd 
Spindel Produkte nrgangner Arbeit sind, wie es im Akt ia £r- 
n&hrung gleichgültig ist, dass Brod das Produkt der Tergaagnan 
Arbeiten von Bauer, HlÜler, Bfteker n. s. w. umgekehrt. Haehm 



lyGOOgIC 



— 162 — 

FrodnktionBiiiitt«! im Arbdtsproeess ihren Charikter als Produkte tw- 
guigner Arbeit gdtend, bo dnreh ihre lUngeL Ein Heeser, du nicht 
schneidet, Oam, du beet&ndi^ serrdsst n. a. w., erinDern lebhaft aa 
Hessenchmied A nnd Garnwichser E. Im gelungnen Produkt ist dw 
Tennittlnngr seiner Gebrauchseigenschaften durch vergangne Arbeit ans- 
gelfischt 

Eine Maschine, die nicht im Arbeitsproceas dient, ist nutzlos. 
Ansserdem Terf&llt sie der uratSrenden Gewalt des natDrlichen Btoff- 
wechsela. Das ESseu Terrostet, das Hole verfault, Gant, dos nicht 
verwebt oder verstrickt wird, ist verdorbne BanmwoUe. Die lebendige 
ArhMt musB diese Dinge ergreifen, sie von den Todten erwecken, ne 
aus nur möglichen in wirkliche nnd wirkende Gebranchswerthe verwanden. 
Vom Feuer der Arbeit beleckt, als Leiber derselben angeeignet, eu ihrem 
b^Tiffs- nnd berufsmässigen Funktionen im Frocese begeistet, werden 
eie Evr&r anch verz<<hrt, aber sweckvoU, als BUdungeeleraente neuer 
Gebranchswerthe, neuer Produkte, die Ohig sind als Lebensmittel in die 
individuelle Konsumtion oder als Produktionsmittel in neuen Aibeita- 
procesB einzugehen. 

Wenn also vorhaudne Prodnkte nicht nur Besultate, sondern auch 
Eiistenzbedingungen des Arbeitsprocesses sind, ist andrerseits ihr Hinein- 
-werfen in ihn, also ihr Kontakt mit lebendiger Arbeit, das einzige 
Hitid um diese Produkte vergangner Arbeit als Gebiauchswerthe in 
erhalten und zu verwirklicheo. 

Die Aibeit verbraucht ihre stofflichen Elemente, ihren Gegenstand 
und ihr Mittel, versptist dieaelbeu, und ist also Konaumtionsprocesa. 
Diese produktive Konsumtion unterscheidet sich dadurch von der 
individuellen Konsumtion, dasa letztere die Produkte als Lebensmittel 
des lebendigen Individuums, erstere sie als Lebensmittel der Arbdt, 
seiner sich beth&tigenden Aibeitekraft, verzehrt. Du Produkt da: 
iudividu^en Konsumtion ist daher der Konsummt selbst, das Besultat 
der produktiven Eoneumtion ein vom . Konsumenten nnterechiednea 
Produkt. 

Sofbm ihr Mittel und ihr Gegenstand selbst schon Prodnkte sbd, 
veraehrt die Arbeit Produkte um Produkte zu schaffen oder vemutst 
Prodnkte als Produktionsmittel von Produkten. Wie der Arbütsprocesa 
ab«- uisprltnglieh nur zwischm dam Henachen nnd der ohne s^ 



lyGOOgIC 



Znthtm vorhftndnen Erde vorgeht, dienen in ihm immer noch such solche 
Froduktionsmittd , die von Natur vorhanden, keine Verbindung von 
NatnretofF nnd menflchlicher Aibrät darBtetlon. 

Dfff ArtaeitaprocesB, wie wir ihn in seinen ünfschen und abstrakten 
Homenten dargestellt haben, ist zweckmässige ThStigkeit lur Herstellnng 
von GebranchBwerthen, Aneiguimg des NatOrlichen ftlr menschliche Be- 
dflrfnisae, allgemeine Bedii^^ung des StoffwechselB twisehen Henaoh and 
Natur, ewige Natnrbedingang des menschlichen Lebens nnd daher un- 
abhängig von jeder Form dieses Lehens, vielmehr allen »ünen Qeeell- 
sehaftsfonnen gleich gemeinsam. Wir hatten daher nicht nflthig, den 
Arbeiter im TerhUtnisB sn andren Arbeitein darzustellen. Der Uensch 
und seine Arbeit auf der einen, die Natu nnd ihre Stoffe anf der 
andren Seite, genflgten. So wenig man dem Wösen anschmeckt, wer 
ihn gebaut hat, so wenig sieht man diesem Frocess an, unter welchen 
Bedingungen er vorgeht, ob nnter der bmt&len Peitsche des Sklaven- 
ast^ehers oder nnter dem Ängstlichen Ange dee Kapitalisten, ob Cin- 
4Ünnatns ihn verrichtet in der Bestellung seiner paar jngera, oder der 
Wilde, der mit einem Stein eine Bestie erlegt"). 

Kehren wir in unarem Kapitalisten in ape znrDck. Wir verliessen 
ihn, nachdem er auf dem Waarenmarkt alle zn einem Arbeitaprocees 
nothwendigen Faktoren gekauft hatte, die gegenstftndlichen Faktoren 
oder die Produktionsmittel, den persönlichen Faktor oder die Arbeits- 
kraft. Er hat mit schlanem Kennerblick die für sein besondres öeschftft, 
Spinnerei, Stiefelfabrikation n. e. w. passenden Produktionsmittel nnd 
ArbrätekrUte ansgew&hlt unser Kapitalist setzt sich also daran, die 
von ihm gekaufte Waare, die Arbeitskraft, zu konsomiren, d. h. er 



*) Au diesem hOohit lofpaohen Grand «ntdeokt wohl Oberst Torrens in 
dem Stein de« Wilden — den ürapniiig des KapiUU. „In dem ersten Stein, 
den der Wilde anf die Bestie wirft, die er vetfolgt, in dem ersten Stock, den 
er ergreift, om die Fncht niederraziebn, die er nicht mit den Hftnden fassen 
kann, sebn wir die Ancignang eines Artikels inm Zweck der Erwerbung alnM 
andren nnd entdecken so — den Ursprnng des Espitsls." (E. Torron«: An 
Essay on the Prodnction of Wealth etc. p. 79.) Aus jenem eisten Steck ist 
wahraoheinliBb such zu erkUien, warum stock Im EngliBchen synonjm mit 
Kapital ist 

11- 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 164 — 

läast den Tr&ger der Aibtitakraft, den Arbeiter, die Prodnktionvnittel 
dnrdi seine Arbeit konanmiren. Die allgemeine Natur des Arbeits- 
processes &ndert sieh natürlich nicht dadnrch, dass der Arbtiter ihn 
täi den KapitaliMten, statt ftlr sicti selbst Temchtet Abei auch die 
beetiniinte Art nnd Weise wie man Stiefel macht oder Qam epimit, 
kann sich inn&cliet nicht ändern dnrch die Dazwiu^enlnituFt dea 
Kapitaliaten. Er muB# die Arbeitskraft znn&ohst nehmen, wie er eie 
snf dem Harkt vorfindet, also auch Ihre Arbst, wie sie in einer Periode 
entspn»^, wo es noch keine Kapitalisten gab. Die Verwandlung iet 
ProdnktionaweiBe selbst durch die naterordnnng der Arbüt nnter du 
Kapital kann eich ent später «eignen nnd ist daher erst später za 
betrachten. 

Der Arbeitsprocess, wie er als Eonenmtiongprocess der Arbeits- 
kraft dnrch den Kapitalisten vorgeht, zeigt nnn zwei eigenthfliuliohe 
Fbänomene. 

Der Arbeiter arbeitet nnt« der Kontrole des Sapitalisten, dem 
seine Arbeit gehört, Der Kapitalist passt anf, dasa die Arbeit orden^ 
lieh von statten geht und die Produktionemittel iweckm&aaig venrandt 
werden, also kein Bohmaterial vergendet nnd das Arbeitsinetnimeiit 
geechont, d. h. nur so wät zerstört wird, als sein Oebranch in der 
Arbeit emCthigt. 

Zweitens aber: das Produkt ist Eigenthnm des K^iitalisten, nicht 
des unmittelbaren Prodnoenten, des Arbeiterg, Der Kapitalist zahlt 
I. B. den Tageswerth der Arbeitskraft. Ihr Gebranch, wie der jeder 
andren Waare, z. B. eines Pferdes, das er für einen Tag gemiethet, 
gehört ihm also fOr den Tag. Dem Känfer der Waare gehört der 
Gebrauch der Waare, nnd der Besitzer der Arbeitskraft giebt in der 
That nur den von ihm verkauften Gebrahchswerth , indem er seine 
Arbeit giebt. Von dem Augenblicke, wo er in die Werkst&tte des 
Kapitalisten trat, gehörte der Oebranchswerth seiner Arbdtskraft, also 
ihr Gebraneh, die Arbeit, dem Kapitalisten, Der Kapitalidt hat dnrdi 
den Kauf der Arbeitskraft die Arbeit selbst als lebendigen Gährnngs- 
stoff den todten ihm gleichfalls gehOrigea Bildongselementen des Pro- 
dukts einverleibt. Von seinem Standpankt ist der AibeitsprooeBs nor 
die Konsumtion der von ihm gekauften Waare Aibeitskr^, die er jedoch 
nur konsnmiren kann, indem er ihr Produktionsmittel zusetzt Der 



lyGOOgIC 



-- 165 — 

AibffitBprocees ist ein Froceee iwischen Dingea, die der Kapitaliet 
gekauft hat, zwischen ihm g^Origen IHngen. Das Produkt dieeee 
Frocessea gehOrt ihm daher ganz eben so sehr als das FioduM des 
QähnmgspTOcesses in seinem Weinkeller >°). 

Das Produkt — das Eigenthnm des Kapitalisten — ist ^ Ge- 
branchswerth, Qani, Stiefel n. s. w. Aber obgluch Stiefel z. B. ge- 
wiSBermassen die Basis des gesellschaftlichen Fortscbritts bilden und 
unser Ki^italist ün entschiedner FortBchnttsmann ist, fabricirt er die 
Stiefel nicht ihrer selbst wegen. Der Oebrauchswerth ist Abeihanpt 
nicht das Ding „qn'on aime ponr Ini-meme" in der Waarenprodnktion. 
Gebraachswerthe werden lier Oberhaupt nur producü^ weil und sofBm 
sie materielles Substrat, Tr&ger des Tauschwerths sind. Und unsrem 
Kapitalisten handelt es sich um iweierlel Erstens will er einen Ge- 
branchswerih prodnciren, der einen Tanschwerth hat, einen zum Ver- 
Innf bestimmten Artikel, eine Waare. und zweitens will er eine Waare 
produciien, deren Wertb hCher als die Wnlhsumme der zn ihrer Pro- 
duktion erheischten Waareu , der Produktionsmittel und der Arbeite- 
kraft, für die er sein gutes Gteld auf dem Waarenmarkt rorschoes. Er 
will nicht nur einen Oebrauchswerth prodociren, aondero eine Waare, 
nicht nur Gebrauchswerth, sondern Werth, and nicht nur Werth, Boudem 
auch Hehrwerth.. 



") „Die Fiodokte sind approprüit, bevor aio in Eapital verwandelt wer- 
den; diese Terwandlung entlieht Bis nicht jener Appropriation." (Cherbnliei: 
Kche on Fanvre, edit Paris 1841, p. 68, 54.) „Indem der Proletarier leina 
Arbeit gegen ein beetimmtea Quantum Iiebensmittel (approviaionnement) varkaoft, 
verzichtet er Tollet&ndig auf jeden Antheil am Produkt. Die Appropriation der 
Frodokte bleibt dieselbe wie vorher; Aa ist in keiner Weise dorob die erwähnte 
Konvention verändert. Das Frodakt gebfirt anMchliesslich dem Kapitalisten, der 
die Rohstoffe and das Approvisionnement gelief ert hat. Es ist dieea eine strenge 
Konsequenz des Gestties der Appropriatioo, dessen Fandamentalpriucip umge- 
kehrt das ansBohlieeBliche Eigentbumarecht jedes Arbeiters an seinem Produkte 
war." (ibid. p. 58.) James MllI: Elements of Pol. Econ. etc. p. 75: „Wenn 
die Arbeiter fElr Arbeitslohn arbeiten, ist der Kapitalist Eigentbümer nicht am 
des Kapitals (meint hier die Produktionsmittel), sondern anch der Arbeit (of 
labenr also). Wenn man das, was fax Arbeitelohn gezahlt wird, wie dies 
gebrkncUiob, in den Begriff Kapital einscbliesst, ist es ahgeschmaelct, von der 
Arbeit getrennt vom Kapital zu sprechen. Das Wort Kapital in diesem Sinn 
sohlieaat beides ein, Kapital und Arbeit. 



lyGOOgIC 



In dar That, da es sich hier um Wurenprodnktion iiandelt, 
haben wir bisher offenbar nur eine Seite des FroceaseB betrachtet 
Wie die Waare selbst Einheit rnn Qebnnchawerth nnd Werth, mnss 
ihr ProdnUionBpTDceBa Einheit von AibeitspioceeB nnd WerthbUdungs- 
proceas sein. 

Betrachten wir den FroduktionsprocesB nnn anch ab Werthbil- 
don^procesB. 

Vir wissen, dass der Werth jeder Waare beatimmt ist dnrch das 
Qnantnm der in ihrem GebranchBwerth m&terialiairtsn Arbeit, dnrch die 
2n ihrer Prodn^ion geaellschaftlich nothwendige Arbeitszeit. Diee gilt 
auch für das Prodnkt, das sich nnsrem Kapitalisten als Beanltat des 
Aibeitsprocesses ergab. Es ist also tnn&chst ^e in diesem Pcodnkt 
vergegenständlichte Arbeit zu berechnen. 

Es sei z. B. Garn. 

Znr HeiBtellnng des Gams war znerst sein Bobmaterial nCthig, 
z. B. 10 Pfand BanmwoUe. Was der Werth der Baomwolle, ist nidit 
erst zn antersnclien, denn der E^italist hat sie anf dem Harkt zn 
ihrem Werth, z. B. zn 10 sb. gekauft. In dem Preise der Baumwolle 
ist die zn ihrer Prodnktton erheischte Ärb«t säion ^s allgemnn 
geeellBchaftliche Arbeit dargestellt. Wir wollen femer annehmen, dass 
dls in der Verarbeitnng der Banmwoüe verzehrte Spindelmasse, die ans 
alle andren anfgewandten Arbeitsmittel lepräsentirt, einen Werth von 
2 sh. besitzt. Ist eine Geldmasse von 12 sh. das Produkt von 24 
Arbsitsstnnden oder zwei Arbeitstagen, so folgt zun&chBt, dass im Qam 
zwei Arbätstage vergegenständlicht sind. 

Der Umstand, dass die Baumwolle ihre Fonn veiindert hat und 
die aufgezehrte Spindelmasse ganz verschwunden ist, darf nicht bmrren. 
Mach dem aUgemeinen Werthgesetz sind z. B 10 &. Garn ein Aeqni- 
valent für 10 &. Baumwolle und 7t'Spüi*lBli wenn der Werth 
von 40 it. Garn = dem Werth von 40 ti, Baumwolle + dem 
Werth einer ganzen Spindel, d. h. wenn diesdbe Arbeitszeit erfordert 
ist am beide Seiten dieser Gleichung in prodnciren. In diesem Fall 
stsllt sich dieselbe Arbeitszeit, das «nemal in dem Gebranchewerth 
Garn, das andremal in den Gebranohswerthen Banmwolle nnd Spindel 
jkr. Der Werth ist also glüchgOltig dagegen, ob er in Garn, Spindel 
oder BanmwoUe eischsint. Dass Spindel nnd Banmwolle, statt 



lyGOOgIC 



— 167 — 

ruhig neben einander la liegen, im SpinoprocesBe eiM Yerbindaag 
«öngebn, welche ihre Oebranchefonnen verAndert, sie in Qam ver- 
wandelt, berOhrt ihren Werth eben ao weni^, ala wenn eie dnrah ein- 
&cheD AnstaiiBch {fegen nn Aeqniralent na Garn nmgeeetit worden 
wfiren. 

Die znr Produktion der Baumwolle erheischte ÄibeitBuit ist Thal 
der xur Produktion dee Oams, dessen Bobnuteiial sie bildet, wheischtoi' 
Arbeitszeit nnd deeshalb im Qam enthalten. Ebenso rerh&lt es neh 
mit der Arbeitszeit, die zur Produktion der Spindelmaase erheischt ist, 
ohne deren YerschleisB oder £onsnm die Banmwolle nicht rersponnen 
werden kann"). 

So weit also der Werth des Qams, die in seiner Heratellang 
erheischte Arbeitszeit, in Betrachtnng kommt, kOnnen die verschiednen 
beeondren, der Zeit und dem fianm nach getrennt«! Arbeitsproceese, die 
durchlaufen werden müssen, Om die Banmwolle selbst nnd die Temutzte 
Spindelmaase zn piodnciren, endlich am Baumwolle nnd Spindel Garn 
zu machen, als verBchiedne auf einander folgende Phasen eines nnd 
desselben Arbeitaproceases betrachtet werden. Alle im Gam entlialtne 
Arbeit ist rei^ngne Arbeit. Daas die zur Produktion seiner Bildnngs- 
etnnente eiiteiadite ArbätsHit fiHber vergangen ist, im Pluequunpet- 
feetnm steht, dagegen die anm Schlnssproceaa, dem Spinnen, nnmittel- 
bar verwandte Arbeit dem Präsens näher, im Perfectnm steht, ist ein 
dnrchana gleichgültiger Umstand. Ist «ne bestimmte Hasse Arbeit, 
1. B. Ton 30 Arbeitstagen, zum Ban eines Hauses nOthig, so änd^ 
es nichts am Qeaammtqoantum der dem Hanse einverleibten Aibeitszät, 
dasB der 80. Arbeitstag 29 Tage später in die Produktion einging als 
der erste Arbeitstag. Und ao kann die im Arbeitsmaterial and 
Arbeitsmittel enthaltne Arbeitaaelt ganz so betrachtet werden , als 
wäre sie nur in einem frflheren Stadium des Spinnprocesses veraut^sht 
worden, vor der znletzt unter der {"onn des Spinnens zugesetzten 
Arbeit 

IKe Werthe der Prodoktiousmittel, der Banmwolle und der Spindel, 



'*) „Not otHj the labonr applied immediatelj to oommoditiei affect* thelr 
valne, %nt the labonr alao wbioh ie beotowed an ths implementa, tooli, anl 
bolldings with trhich sacb Uboui is auistad." Bicardo 1. c. p. 16. 



lyGOOgIC 



auigedrOcU in dem Preise von 12 sh., bilden &1bo BesUndtheile des 
Ounweithe, oder dea Werthe des Produkte. 

Nur Bind zw« B«dingiii^ffii in erfDIlen. Einsial mftssen Baum- 
wolle nnd Spindel wirklich znr Produktion eines OebranchswerUis 
gedient haben. Es rnnse in nnsrem Fall Garn bob ihnen geworden 
edn. Welcher OebranohHwerth ihn trftgt, ist dem Werth gleich^ltig, 
alwr ein GebrandiswerÜi miue ihn tragen. Zweitens ist TOranegesetet, 
da« nnr die nnter den gegebenen gesell Bohaftiichen Prodnktions- 
bedingnngen notliwendige Arbeitsieit verwandt wnrde. W&re also 
nur 1 Pfnud Baumwolle nCthig, nm 1 Pfand Qara m q)innen, so 
darf nur 1 Pfand Baumwolle rerzehrt sein in der Bildnng Ton 
1 Pftnd Oam. Ebenso v^hftlt es sich mit der Spindel. Hat der 
^pitalist die Phantasie goldne statt eiserner Spindeln aninwendem, so 
sShlt im Oamwerth dennoch nur die gveellBchaftlich noüiwendige 
Arbeit, d. h. die znr Produktion eiserner Spindeln nothwendige 
Arbeitaidt. 

Wir wissen jetzt welchen Theil des Oamwerths die Produktions- 
mittel, BanmwoUe nnd Spindel, bilden. Er ist glüch 12 eh., oder 
die Hateriator von zwei Arbeitstagen. £s huidelt sich ^so non nm 
den WerthÜieil, welchen die Arbeit des Spinners selbst der Banmwoll« 
zoaetzi 

Wir haben diese Arbeit jetzt von einem ganz andren Gesichts- 
pnnkte zn betrachten, als w&hrend des ÄrbdtsprocesBes. Dort handelt» 
ea sich nm die zweckmässige Th&tigkeit, Baumwolle in Qsm zd ver- 
wandeln. Je zweckmässiger die Arbüt, desto besser das Garn, alle 
andren Vmst&nde als gleiäibleibend ToransgeBetzt Die Arbtit des 
Spinners war specifisdi verschieden von andren produktiven Arbeiten, 
nnd diese Verschiedenheit offenbarte eich subjektiv nnd objektiv, im 
besondren Zweck des Spinnens, seiner besondren Operationsweise, der 
besondren Natnr seiner Produktionsmittel, dem besondren Gebranchewertli 
seines Produkts. Baomwolle und Spindel dienen als Lebensmittel dw 
Spinnarbeit, aber man kann mit ihnen keine gezogenen Kanonen machen. 
Sofern die Arbeit des Spinners dagegen werthbildend ist, d. h. Werth- 
quelle, ist sie durchaus nicht verschieden von der Arbeit des Kanonen- 
bohrers, oder, was uns hier nlher liegt, tou den in den Produktions- 
mitteln dea Garns venririJichtM Arbeiten des BaumwoUpflanzas und 



lyGOOgIC 



— 169 — 

des SpindebnacbeiB. Nur wegtai dieeer Identität können Baomwoll- 
pflanzm, Spindelmachen und Spinnen blos quantitativ verschiedne Theile 
desBelben Oessrnrntwerths , des QunweithB, bilden. Es liandelt sicli 
hier nicht mehr nm ^e Qnalitftt, die Beschaffenhut nnd den Inhalt dw 
Arbeit, sondern nur noch um ihre QnantitU. Diese ist einfach zu 
i&hlen. Wir nehmen an, daas die Spinnarbeit einbche Arbeit, ^eeell- 
Bchaftlicbe DnrehMhnittsarbät ist Man wird eptter aehn, dasa die 
gegMitheilige Annahme nichts an da- Sache ändert. 

W&hmd des Arbeitsprocessee setzt sich die Arbeit beständig ans 
der Form der Unrahe in die des Sons, ans der Form der Bewegung in 
die der Gegenständlichkeit nm. Am Ende einer Stunde ist die Spinn- 
bewegnn^ in einem gewiseen Quantum Gam dargestellt, also ein be- 
stimmtee Qnantmn Arbeit, eine Arbeitsstnnde, in der Baumwolle ver- 
gegenständlicht. Wir sagen Arbeitsstunde, d. h. die Verausgabung der 
Lebenskraft des Spinners während mner Stunde, denn die Spinnarbüt 
gilt hier nnr, so weit sie Terausgabung von Arbeitskraft, nicht so weit 
sie die speciflsche Arbeit des Spinnens ist. 

Es ist nun entscheidend wich^, dass w&hrraid der Dauer des 
ProeeSBee, d. h. der Yerwandlnng von BaumwoUe in Gam, nm die 
gesellsehaftlidi nothwen^ge Arbäteieit verzehrt wird. Mflssen natet 
normalen , d. h. durchschnittlichen gesell schaftlichen Produktionsbe- 
dingnngen, a Pfund Baumwolle während öner Arbeitsstunde in b Pfund 
Gam verwandelt sein, so gilt nur der Arbeitstag als Arbeitstag von 
12 Stunden, der 12 X a Pfund Baumwolle in 12 X b Pfand Gam 
vnwandelt. Denn nur die gesellschaftlich nothwendige Arbeitszeit z&hlt 
als werthbüdend. 

Wie die Arbeit selbst, so erscheint hier sntdi Eohmaterial und 
Produkt in einem gans anderes Licht als vom Standpunkt des eigent- 
lichen Arbeitsproceeses. Das Bohmaterial gilt hier nnr als An&anger 
eines bestimmten Quantums Arbeit. Durch diese Aufsangnng verwandelt 
es eich in der That in Gam, weil die ArbMtskraft in der Form der 
Spinnerei verausgabt und ihm ungesetzt wurda Aber das Produkt, da« 
Oam, ist jetzt nur noch Gradmesser der von der BanmwoUe «n- 
geeangten Arbeit Wird in einer Stande l*/s Ü- Baumwolle ver- 
eponnen oder in !*/■ &■ Gam verwandelt, so seigen 10 <f. Gam 
6 eingesaugte Arbeitabtonden an. Bestimmte nnd erTahrangsm&Bsig 



lyGOOgIC 



— 170 — 

feetgestellte Quanta Produkt stellen jetzt nichts dar als bestimmte 
Qouita Arbeit, bestimmte Masse festgeronnener Arbeitszeit. Sie sind 
nur noch Haterifttnr von einer Stunde, zwei Stunden, einem Tag gesell- 
schaftlicher Arbeit 

Dass die Arbeit ^de Spinnarbeit, ihr Material Baomwalle nnd 
ihr Produkt Qam, wird hier eben so gleid^omg, als dass der Arbeits- 
gegenstand selbst schon Produkt, also Bohmaterial ist. W&re der 
Arbeiter, statt in der Spinnerei, in der Kohlengrube beschäftigt, so 
wäre der Arbeitsgegenstand, die Kohle, von Natur vorbanden. Dennoch 
stellte ein bestimmtes Quantum ans dnn Bett losgebrochener Kohle, 
z. B. ein Centner, ein bestimmtes Qaantum anfgesangter Arbeit dar. 

Beim Verkauf der Arbeitskraft ward nnteretellt, dass ihr Tagee- 
woth iK 3 sh., und in den letztren 6 Arbeitsstnndon verkörpert sind, 
dies Ärbeitaqnantum also erhascht ist, um die Durchschnittssumme der 
Utglichm Lebenmuittel des Arbeiters in prodnciren. Verwandelt nneer 
Spincer nun w&hrend einer Arbeitsstunde 1 '/, &. Banmwolle in 1 */, ü. -^ 
(:(ara»), so in 6 Stunden 10 Ü. Banmwolle in 10 &. asm. Weinend 
der Dauer dee Spinnprocesses sangt die Baumwolle also 6 Arbeitsstunden 
ein. Dieselbe Arbeitszeit stellt sich in einem Ooldquantom von 3 sh. 
dar. Der Baumwolle wird also durch das Spinnen selbst ein Wertb 
Ton 3 sh. zugesetzt. 

Sehn wir uns nan den Qeeammtwerüi des Produkts, der 10 (t. 
Öam, an. In ihoen sind 2'/i Arbütstage vergegenständlicht, 2 Tage 
mthalten in Banmwolle nnd Spindelmuse, '/, Tag Arbeit eiugesaugt 
während des Spinnprocesses, Dieselbe Arbeitszeit stellt sich in einer 
Qoldmasso von 15 sh. dar. Der dem Werth der 10 it. Chun adä- 
quate Preis beträgt also 15 sh., der Preis eines &. Ctam 1 ah. 6 d. 

Unser Kapitalist stntzt. Der Wertb dos Produkts ist gleich dem 
Werth des vorgeschossenen EapitaU. Der Torgeschosaene Werth hat 
ddi nicht verwerthet, keinen Mehrwerth eizengt, Qeld sich also nic^t 
in Kapital verwandelt. Der Preis der 10 <f. Oani ist 15 sh. und 
15 sh. worden verausgabt auf dem Waarenmarkt fOr die Bildungs- 
elemente des Produkts oder, was dasselbe, die Faktoren des Arbeits- 
proceeses: 10 sh. fOr Baumwolle, 2 sh. Rtr die verzehrte Spindelmasse, 



'*) Die Zahlen hier sind ganz willkBrlich. 



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— 171 — 

und 3 8h. für Arbeitsknft Der anfgeschwollne Wertta dea QsmB hilft 
nichia, denn sein Werlb ist nur die Sninme der flrfiher anf Baumwolle, 
Bpindel und Arbeitekraft vertheilten Werthe, und tna einer solchen bloseen 
Addition Torhandner Werthe kann nna und nimmermehr ein Uehrverth 
enteprinecen"). Diese Werthe sind jetzt alle anf ein Ding koncanttirt, 
aber so waren sie in der Oeldsiinime von 15 sh., bevor diese sich 
durch drei Waarenk&nfa zersplitterte. 

An und Ar sich ist dies Besnltat nicht be&emdlich. Der Werth 
eines it. Garn ist 1 sh. 6 d. und fDr 10 <f. 6am müsste unser 
Kapitalist daher auf dem Waarenmarkt 15 sh. zahlen. Ob er sein 
FriTathans fertig auf dem Harkt kauft, oder es selbst banen l&sst, keine 
dieser Operationen wird das im Erwerb dee Hauses auBg;elegte Geld 
Termdiren. 

Der Espitaiist, der in der VnlgftrOkonomie Bescheid wdss, sagt 
vielleicht, er habe sein Geld mit der Absicht vorgesehoasen, mehr Geld 
daraus zn machen. Der Weg zur HSlle iet jedoch mit guten Absichten 
geipflastert and er konnte eben so gut der Absicht sein, Geld zu machen, 
ohne zn produciien^*). Er droht. Man werde ihn nicht wieder ertappen. 
Künftig werde «r die Waare fertig auf dem Uarict kaufte, statt sie 
eelbet zu fabricireu. Wenn aber alle seine Brflder Kapitalisten dess- 
glNchen thnn, wo soll er Waare anf dem Harkt finden? Und Geld 
kann er nicht essen. Er katechisirt. Han soll seine Abstinenz bedenken. 
Er konnte seine IS sh. verprassen. Statt dessen hat er sie produktiv 



") Dieas iat der FandamanUlMtz, woraaf die Lehre der Phyaiokraten von 
dsi ÜBprodaktirittt aller nicht agribolen Arbelt beruht and er ist nDumatösalich 
filr den Oekonomen — Ton Fach, „Cette &fOD d'impQter k nne seule ohose 
Ik tKloni de pluienrs untres (par eiempleaaUnUconiommatdxiu du tiuerand), 
d't^pUqaer, ponr ainsi dire, coaohe sot conohe, plmisorg valeuia snr ime aeule, 
ftii qne oelle-d gioasit d'antant . . . . Le terme d'additiou peint tree-bienla 
maniire dent ae forme le piii de* oanagei de main d'oeavre; oe prix n'eat 
qoVa total de plusieiin ralenrs eonaomneea et additionn^ enaemble; or, 
additionner D'sst pas nnltipliei." (Herder de U Ririire 1. e. p 699.) 

**) So z. B. eotzog er 1844—47 Theil aeinsB Kapitals dam prodaktiven 
Geeob&ft, nm ea in EiaenbahDaktien lu rsnpektJireo. So, zur Zeit desameii- 
kaoitebeD BQrgerkriega, aebloai er die Fabrik und warf den Fabrikarbeiter anf* 
Pflaster, nm an^ dei LiTsrpooler Baunwollberae la iptelen. 



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_ 172 — 

konsumirt und Gam dorane gemacht Aber dofllr ist er ja im Beaiti 
von Qain etatt tod OowiBBenabiBseD. Er njoea b«i Leibo nicht in die 
Bolle des Schatibildnara zurfickfallen, der nns zngte, was bei der Ascetik 
heraaekommt. Ansserdeni, wo nichts ist, hat der Eaisei sein Becbt 
rerloien. Welches immer das Verdienst seiner Entsagnnf;, es ist nichts 
da, am sie extra zn zahlen, da der Werth des Produkts, der aus dem 
Fiocess herauskommt, nnr gleich der Summe der hiueingewoifenen 
Waarenwerthe. Er beruhige eich also dabei, dass Tugend der Tugend 
Lohn. Statt dessen wird er zudringlich. Das Qani ist ihm unn&tE. 
Er hat ee für den Verkauf producirt. So verkaufe er es, oder, noch 
einfacher, produdre in Zukunft nur Dinge fOr seinen eignen fiedarf, 
ein Becept, das ihm bereits sein Hausarzt Uac CoUoch als probates 
Mittel gegen die Epidemie der Uebeiproduktion Terschrieben hat. Er 
stdlt sich tmtzig auf die Hinterbmne. Sollte der Arbäter mit sünen 
«gnen Oliedmassen in der blauen Luft Arbeitsgebilde sdiafCen, Waaien 
produciren? Qab er ihm nicht den Stoff, womit und worin er allein 
seine Arbeit verleiblicheu Icann? Da nun der grOsate Theil der 
Gesellschaft aus solchen Habenichtsen bestäit, hat er lücht der Gesell- 
schaft durch seine Froduktiomonittel, seine BanmwoUe und seine Spindd« 
einm unermesslichen Dienst erwiesen, nicht dem Arbeiter selbst, den er 
obendrein noch mit Lebensmitteln versah? und soll er den Dienst 
nicht bereclinen? Hat der Arbeiter ihm aber nicht den Gegendirast 
eiwiesen, Baumwolle und Spindel in Gom zn verwandeln? Ausserdon 
handelt es sich hier nicht um Dienste'^). Ein Dienst ist nichts als 



") ,J.aa da rhfimen, achmüclcen and patzen . . . Wer aber metu oder 
bwMrea nimpt (als er giBbt),.daa iat Wnelter, and heiut, nicht Dienst, Bon- 
dern Schaden gethan seinem Nehesten, als mit stelen imd lanben geaatiieht. 
Es ist nicht alles Dienst nud wolgethan dem Nehesten, was man haisst, Dienst 
ond wol^than. Denn eine Ehebiecbeiin und Ehebrecher Üaxn einander gTosoen 
Dienst ond wolgsfallen. Ein Beater thnt einem Uordbrenner groueD renter- 
dienet, das er im hilfit anff der stnaaen laaben, Land nud Lente bevehden. 
Die Papisten thon den nnsem grossen Dienst, das üe nicht alle ertrenken, 
verbrennen, ermorden, im Gefengnias verfaolsn IsMen, sondern lassen Aocb 
etliche leben, and verjagen sie, odsT nemen juen was sie haben. DerTenfiel 
thnt selber seinen Dienern grouen, oneimeBsIichen Dienst .... Snmma, die 
Welt ist voll grouer, tiefflicher, teglicher Dienst ond wolthaton." ^lartin 



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— 178 — 

die nfitiliche Wirknn^ eines Qebranchawerths, sei es der Waore, sei 
eB der Arbät^*). Bia aber gilt's den Tuischwerth. Er ishlte dem 
Arbeiter den WerUi von 8 ah. Der Arbeiter gab ihm ein exaktes 
AeqniTalent znrQck in dem der BaomwoUe mgesetiten Werth von 3 sh., 
Werth fUr Werth. unser Frennd , eben noch so kapitalftbennflthig, 
nimmt plOtilich die anapnicbslose Haltung seines eignen Ärbeitera an. 
Hat er nieht selbst gearbütet? nicht die Arbeit der Ueberwachnng, der 
OberanfMcht Ober den Spinner Tenichtet? Bildet diese s«ne Arbeit 
nicht anch Werth? Sein eigner overlooker nnd sein manager zucken 
die Achseis. ünterdeas bat er aber bemts mit heitrem L&cheln seine 
alte Physiognomie wieder tu^enommen. Er foppte uns mit der ganzen 
Litanö. Er giebt keinen Dent darum. Er fiberlftsst diese nnd ähnliche 
fanle Ansflitchte nnd hohle Flausen den dafllr eigens bezahlten Professoren 
der polttiachen Oekonomie. Er selbst ist ein praktisch«' Mann, der 
zwar nicht immer bedenkt, was er ansserhalb des Geech&fts sagt, abw 
Bteta weise, was er im Geschftft thnt. 

Sehn wir n&her zn. Der Togeswerth der Arbeitskraft betrog 
8 eh., weil in ihr selbst ün halber Arbätetag Terg^nst&ndlieht ist, 
d. h. weil die t&glich znr Produktion der Arbeitskraft nflthigen Lebens- 
mittel einen halben Arbeitstag kosten. Aber die Twgangne Arbeit, die 
in der Arbeitekraft steckt, und die lebendige Arbeit, die sie leisten 
kann, ihre tftglichen Erbaltnngskosten nnd ihre tfigliche Teransgabnng, 
Bind zwei ganz Terecbiedne 6r<tesen. Die erstere bestimmt ihren Tausch- 
nerth , die andre bildet ihren Gebrauchswerth. Dass ein halber 
Arbeitstag nOthig, nm ihn wfthrend 21 Standen am Leben zu erhalten, 
hindert den Arbeiter keineaw^ einen ganzen Tag zu arbeiten. Der 
Werth der Arbeitskraft und ihre Verwerthnng im Arbeitsprocess sind 
also zwei Terscliiedne GrOasen. Diese WerthdilTerenz hatte der Kapitalist 
im Äi^, als er die Arbeitsknft kaufte. Ihre nfltiliche Eigenschaft, 



Lnther; Ao die Pfarherm, wider den Wucher sn predigen etc. mttenbarg 
1540.) 

>*) leb bemerke darllbei in „Zur Kritik der Pol. Oek." p. 14. n. a.: 
»Uui begreift, welchen „Dienet" die Kategorie „Dlenat" (aerrioe) einer Sorte 
Oekonomen wie J, B. Saj und F. Bastiat leisten mnu," 



lyGOOgIC 



— 174 — 

Qam oder Stiefel zu machen, war nur eine conditio sine qoa, weil 
Arbeit in nfltzlicher Form veniiBgabt werden mass, nm Werth >q 
bilden. Was aber entschied, war der apedfische Qebranchawetth dieeer 
Wuat, Qnelle von Werth sa sein und von mehr Wertb als sie selbst 
liat. Kesa ist der speciflsche Dienst, den der Kapitalist von ihr er- 
wart«L Und er rerfährt dabei den ewigen Gesetzen des Waaren- 
anatanedts gemfias. In der That, der Terk&uftr der Arbeitakrafl, wie 
der Verkäufer jeder andren Waare, reaUaiit ihren Tanschwerth und 
yerfinsBert ihren Qebranchswerth. Er kann den einen nicht erhalten, 
ohne den andren wegsngeben. Der Oebrauchawerth der Arbeitskraft, 
die Arbeit selbst, gehört ebensowenig ihrem Verk&nfer, wie der Ge- 
branchsweith des verkanften Oels dem Oelh&ndler. Der Geldbeeitzer 
hat den Tageswerth der Arbeitskraft gezahlt; ihm gehört daher ihr 
Gebrauch w&hrend des Tages, die tagelange Arbeit. Der Umstand, 
dasB die tägliche Erhaltung der Arbeitskraft nur einen halben Aibeit»- 
tag kostet, obgleich die Arbeitskraft einen ganzen Tag wirken, arbeiten 
kann, dass daher der Werth, den ihr Gebranch w&hrend eines Tags 
Bchafft , doppelt so gross ist als ihr ägner Tageswerth , ist eis 
besondres GiDck ffir den K&nfer, aber durchaus kein Unrecht gegen den 
Verk&nfer. 

Unser Kapitalist hat den Casus, der ihn lachen macht, Torge- 
sehn. Der Aibeitei findet daher in der Werkst&tte die nSUugen 
Produktionsmittel nicht nnr ffli einen eechsstandigen , sondern fOr 
dnen zwOlfstündigen Arbeitaprocess. Saugten 10 it. Baumwolle 
6 Arbeitaatunden ein und verwandelseu sich in 10 CT. Garn, so 
werden 20 it. Baumwolle 12 Arbeitsatimden einsangen und in 20 <^ 
Garn verwandelt. Betrachten wir das Produkt des rertBngerten 
Arbeitaprocesses. In den 20 £f. Garn sind jetzt 5 Arbeitstage ver- 
gegenat&ndlicht , 4 in der verzehrten BaumwaU- und Spindelmasae, 
1 von der Banmwolle eingesaagt w&hrend des Spinnprocessee. Der 
Goldansdmck von 6 Arbeitstagen ist aber SO sh. oder 1 Pfd. St. 
10 8h. Dies also der Preis der 20 &. Garn. Das Ffnnd Garn 
kostet nach wie vor 1 sh. 6 d. Aber die Werthsnnmie der in den 
Procesa geworfenen Waaren betrag 27 sh. Der Werth dee Garns 
betrügt SO ah. Der Werth dee Produkts Ut um >/« gewachsen Uta 
den zn seiner Produktion Torgeschossraen Wertb. So haben eich 



lyGOOgIC 



— 176 — 

27 Bh. in 30 Bh. verwandelt. Sie haben ^en Hehrwerth von 3 eh. 
gesetrt. Bae SnnetstOelc ist endlich gelungen. Geld ist in Kapital 
verwandelt. 

Alle Bedingungen des Problems sind gel9st nnd die Oeaetze des 
Waarenanstasachs in keiner Weise rerletst Aequivalent wnrde 
gegen Aeqnivalent snagetanscht. Der Kapitalist sahlte als K&nfer 
jede Waare in üirem Werth, Baumwolle, Spindelmuse, ATbeitskraft. 
Et tbat dann, was jeder andre Xänfer ron Waaren that. Er kon- 
samiite ihren Gebranchawerth. Der Konenrntionsprocess der Arbeite- 
kraft, der ingleich Frodakücnaprocees der Waare, ergab ein Frodnkt 
Ton 20 a. Gam mit einem Werth von SO sh. Der Kapitalist kehrt 
nun znm Harkt inrflck und verkanft Waare, nacbdan er Waare ge- 
kauft hat. & verkauft das Ffimd Qam an 1 sh. 6 d., keinen Dent 
Ober oder nnter seinem Werth. Und doch Eieht er 8 sh. mehr ans 
der Cirknlation herans als er arsprünglich in sie hineinwarf. Keear 
ganze Verlauf, die Ywwandlnng eeinee Qeldee in Kapital, geht in der 
Cirkolationssph&re tot nnd geht nicht in ihr vor. Dorch die Ver- 
mittlnng der Oirknlation, weil bedingt dnrch den Kanf der Arbeite- 
krafl aof dem Waarenmarkt. Nicht in der Cirkulation, denn sie lutet 
nur den VerwerthungsprocesB ein, der sich in dw FrodnktionEaph&re 
latrfigt. und so ist „tont ponr le mienx dane le meillenr des mondee 
poBsibles." 

Indem der Kapitalist Geld in Waaren verwandelt, die als Stoff- 
bildner ^ea nenen Produkte oder als Faktoren des Arbeitsprocessea 
dienen, indem er ihrer todten Gegenstfindlichkeit lebendige Arbeitekraft 
«nverleibt, verwandelt er Werth, vergangne, vergegenständlichte, todte 
Arbeit in Kapital , sich eelbst verwerthenden Werth , ein beseeltes 
TJngehener, das zu „arbeiten" b^fmnt, als hUt' es Lieb' im Leibe. 

Yergleichen wir nun WerthbüdungBproceeB nnd Terwerthnngsprocesa, 
so ist der VerwerthnngsprocflSB nichts als ein Ober einen gewissen Fnnkt 
hinans verlängerter Werthbildongsproceee. Dauert der letztn nnr bis 
sn dem Punkt, wo der vom Kapital geiahlte Werth der Arbeitekiaft 
dnrch ein neues Aeqnivalent ersetzt ist, so tat er einfacher Werth- 
bildnugeprocess. Dsnert der WerthhildnngBprocesB Aber diesen Fnnkt 
hinans, so wird er Yerwerthungsprocess. 

Yergleichen wir ferner den WerthlMldnugaprocees mit dem Acbeits- 



lyGOOglC 



— 176 — 

proeess, ao besteht der letitre in der nOtElichen Aibtit, die 0«brsiichfl- 
werthe prodncirt. Die Bewegung wird hier qnalitatiT betrachtst, in 
ihrer besondren Art und Weise , nuh Zweck nnd Inhalt. Derselbe 
ArbeitsproeesB stellt sieh im WsrthbildnngBprocess nur von seiner 
quantitativen Seite dar. Es handelt sich nur noch nm die Zeit, welche 
die Arbeit zn ihrer Operation braucht, oder nm die Dauer, wfthrend 
deren die Arbeitskraft nDtilich reransgabt wird. Hier gelten anch die 
Woaren, die in den Arbeitsprocess eingvhn, nicht mdir als fnnktion«!! 
bestimmte, stoffliebe Faktoren der iweckmassig wirkenden Arbütskraft. 
Sie i&hlen unr noch als bestimmte Qoanta Tergegenst&ndliehter Arbeit 
Ob in den Frodnktionsmitteln enthalten oder durch die Arbätskraft 
zngeeetzt, die Arbeit zählt nnr noch nach ihrem Zeitmass. Sie beträgt 
so fiel Stnnden, Tage n. s. w. 

Sie zählt jedoch nnr, so weit die znr Produktion des Oebrancha- 
werths rerbranchte Z«t geseHschaftlieh nothwendig ist. Es nmfoSBt 
diesB yeraehiednes. Die Arbeitekraft maas nnter normalen Bedingungen 
ftmktioniren. Ist die Spinnmaschine das geBellBchaftlioh herrschende 
Arbeitsmittel fOi die Spinnerei, so darf dem Arbüter nicht ein 
Spinnrad in die Haai gegeben werden. Statt BanmwoUe von normaler 
OOte mnss er nicht Schund erhalten, der jeden Augenblick reisst 
In beiden FUIen wflrde «t mdtr als die geeellschafUich nothwendige 
Arbeitszeit zur Produktion eines Pfandes Qam verbrauchen, diese ftber- 
fich&asige Zeit aber nicht Werth oder Geld bilden. Der normale 
Charakter der gegenständlichen Arbntsfaktoren hängt jedoch nicht 
vom Arbeiter, sondern vom Kapitalisten ab. Fernere Bedingung ist 
der normale Charakter der Arbeitskraft selbst. In äem Fach, worin 
sie verwandt wird, mnss sie das herrschende Durchsdmittsmab von 
Geschick, Fert^keit und Baachb^t besitzen. Aber unser Kapitalist 
kanfte aof dem Arbeitemarkt Arbeitskraft von normaler GOte. Diese 
Kraft muss in dem gewChnlichen Dnrchscbnittsmab der Anstrengung, 
mit dem geeellschafUich üblichen Grad von Intenmtftt verausgabt 
werden. Darllber wacht der Kapitalist eben so ängstlich, als dass 
keine Zeit ohne Arbeit vergeudet wird. Er hat die Arbeitskraft fllr 
bestimmte Zeitfrist gekauft Er hUt darauf das Seine xn haben. Er 
will nicht beetohleu s^. Endlich — nnd hierfDr hat derselbe Herr 
einen eignen code p4nal — darf kein aweckwidriger Konsum von 



lyGOOgIC 



— 177 — 

BohmaterUl imd ATbeitemitteln gtattflnden, weil rergeadetaB Material 
oder Aibeitsinittel fiberfiflsaig verausgabte Qnanta TSTgegenatändliditer 
Arbeit dareteUen, also nicht z&hlen und nicht in das Produkt der 
Wflrthbildnog eiDgehn"). 

Man eialit: der frfiher ana der Analyse der Waare gewonnene 
Unterschied iwischen der Arbeit, soweit sie Qebt«achBwertli, and der- 
selben Arbeit, soweit eie Wertb schafft, bat sich jetzt als üntei- 



") Dteu iit einer der Draatinde, die auf Sklaverei gegründete FrodokUon 
Tertbenem. Der Arbeiter loll Bieh hier, naoh dem trefFenden Aludmok der 
Alten, noi al» instmmentnm vooale von dem Thier als initmmeatnm seoÜTOcala 
and dem todten Aibeltazeag als instrumentom motnin nntersoheiden. Er selbst 
aber läsat Thier und Arbeitazeng fühlen, dass er nicht Ihresgleichen, sondern 
ein Hensch ist. Er verschafft sieb das Selbstgefühl seines XJnterechieds van 
ihnen, indem er sie misshandelt and con amore verwüstet. Es gilt daher als 
□koDomisohes Prinoip in dieser Frodoktiotuweise, nur die rohesten, Bohwerf&l- 
ligsten, aber grads wegen ihrer onbebQlflicbeD Plompheit schwer m roinireuden 
Arbeitainstmmente anzuwenden. Bis zam Aosbrach des BOrgerkriegae fand man 
daher in den am Ueetboaen von Heiiko liegenden Skiarenstaaten FQüge alt- 
ohineaiacher Eonstmktion, die den Boden anfwühlen wie ein Sohwein oder HanU 
wnif, aber ihn oloht spalten und wenden. Ygl. J. C. Caims: „The Slave 
Power. London 1802", p. 46 sqq. In seinem „See Bord Slave States" er* 
B&blt Olmated d. A.; „I am here shewn tools that no man in hia sensee, wiüi 
US, woold sUow a labonier, for whom he was pajingwages, to be enoamberad 
with; and the eicessive weight and olnmüness ofwhich, Iwonld jadge, wonld 
mako work at least ten per cent greater than with thoee ordinaiilj nsod witb 
ns. And I am asanred Uiat, in the careless and clnms; waj Üiey mnst be 
nsed bj the slavee, anjthing Ijghter er Ibss mde oonld not be fomiahed them 
with good economj, and that such tools as we conatantlj give our labonreie, 
■nd find onr profit in giving them, wonld not last out a da; in a Virginia 
corofield — mnch lightor and mors free ftom stoneB thoogh it be than oors. 
So, too, when I aek whj moles ore so nniversall; eabiütnted for horsea on the 
farm, the flrst reason given, and confeBsedlj tb« niost coDcloaive one, is that 
hoTBos .cannot bear the treatment that tlie; always mDstgetfromtbenegroes; 
honee are always soon fonndered or crippled bj them, while mules will bear 
oudgelUng, or lose a meal or two now and then, and not be materisll; in- 
jnred, and thej do not take oold or get sick, if neglectad or overwoiked. Bat 
I do not need to go fnrther than to the window of the room in wbicb I am 
wiiting, to See at almost an; time, treatment of cattle that wonld insnre the 
immediate discharge of the driver bj almost any farmer owning them in the 
North." 

Umx, Bi^itil L 12 



lyGOOgIC 



— 178 — 

schflidung der verBcMednen Seiten des ProdnitioiiBprocesaeB dar- 
gestellt. 

Als Einlieit toh Arbeitsprocees imd WerthbildonggproceBa ist der 
ProdnktionsproceBa ProdoMionaproceBa von Waaren: als Einheit von 
Arbeitsprocsss nnd Terwerthnngsprocees ist er kapitalistischer Pro- 
dnktionsprocess, kapitalistische Fonn der Waarenprodnktion. 

Es wurde früher bemerkt, dasa es für den YemerthniigsproceaB 
durchaus gleidigflltig, ob die vom Kapitalisten angeeignete Arbeit ein- 
fache, geselle chaftliche Dnrchschnittsarbeit, oder komplicirtere Arbeit, 
Arbeit Ton bCherem specifiscben Gewicht isi Die Arbeit, die als höhere, 
komplicirtere Arbrit gegenflber der gesellschaftlichen Dnrehachnittsarbeit 
^t, ist die Aenasernng einer Arbeitskraft, worin habere Bildnngskosten 
eingehn, deren Produktion mehr Arbeitszeit kostet und die daher einen 
höheren Werth hat als die einfache Arbeitskraft. Ist der Werth dieser 
Kraft höher, so &neaert sie sich aber anch in höherer Arbeit und ver- 
g^enatändlicht sich daher, in denselben Zeiträumen, in verhiiltnlaem&ssig 
höheren Werthen. Welchee jedoch immer der Gradnnterachied zwischen 
Spinnaibejt and Juwelierarbeit, die Portion Arbeit, wodurch der Jnwelen- 
arbeiter nur den Werth seiner eignen Arbeitekraft ersetit, nnt«rBcheidet 
sich qualitativ in keiner Weise von der zusELtilichen Portion Arbeit, 
wodurch er Ifehiwerth schafft. Nach wie vor kommt der Hehrwerth 
nur herana durch einen quantitaüven üeberschnsa von Arbeit, durch die 
verl&ugerte Dauer deaaelben ÄrbeitaproceeaeB, in dem einen Fall Froceas 
der Qamprodnktion , in dem andren Fall Process der Jnwelenpro- 
duküon'*). 

") Der Unterschied Kwischen haberer und einfaoher Arbeit „sldlled" nnd„nn- 
skilled laboor", beroht nun Theil mal blDEBenüluaiaDeii, oder wenigstens Unter- 
schieden, die längtt aofgehSrt haben reell zn sein nnd nnr nocb in traditioneller 
Konvention fortleben; tarn Theil auf der bülfloHeren Lage gewisser Schichten 
der Arbeiterkbuse , die ihnen minder als andren erlanbt, den Werth ihrer 
Arbeitskraft zn ertrotzen. Zoffillige umstände spielen dabei so grosse BoUs, 
dus dieselben Arbsitsarten den Platz wechseln. Wo- z.B. die physiBohe Sub- 
stanz der Arbeiterklasse abgesohw&eht und relativ ertchSpft ist, wie in allen 
Lindem entwickelter kapitalistiseher Frodnktion, verkehren sich im Allgemeinen 
brntole Arbeiten, die viel HoBkelkraft erfordern, in habere gegenüber viel feineren 
Arbeiten, die aaf die Stofe einfacher Arbeit herabsinken, wie z. B, die Arbeit 
eines brioktayer (Haorer] in England eine viel höhere Stnfe einnimmt, als die 



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— 179 — 

Andrerseits mnss in jedem WerthbÜdnngBprocess die höhere Arbeit 
stets auf geseUschaftliclie Dnrchschnittoarb^t reduciit werden, i. B. ein 
Tag hSherer Arbeit anf x Tage einfacher Arbeit^'). Man erapart also 
eine aberfiOssige Operation and vereinfacht die Analyse dnrcb die An- 
nahme, dasB der vom Kapital verwandte Arbeiter einhche geselkchafl- 
liche Dnrchschnittearbeit verricbtet. 



Sechstes Kapitel. 
KonstanteB Kapital and rariablea Kapital. 

Die TCrschiednen Faktoren des Arbäteproceeses nehmen verschiednen 
Antheil an der Bildang des Prodnkten-Werths, 

Der Arbeiter setzt dem Arbdtsgegenetand neuen Werth zn dnrch 
Zusatz eiaes bestimmten Quantams von Arbnt, abgeeehn vom bestimmten 



eines DamAetwirkera. Aaf der andren Seit« flgurirt die Arbeit einee fnetiaD 
cntter (BBnmwoUaammtaohearera], obgleloh bIb viel körperliche Anstreogiuig 
kostet nnd obendrein sehr nagesond ist, als „einfache" Arbeit. üebii^DsmoK 
man eich nicht eiobilden, due die logensnnte „sVilled laboor" einen qnanti- 
tatiTbedenteDdenUmbngin derN&tionalarbeiteinuimnit. Laing rechnet, dass 
in England (and Wales) die Existenz von 11 Millionen auf einfacher Arbeit 
beruht. Nach Abzug einer Million Ton Aristokraten und einer andren Million 
Panpers, Tigabonden, Torbrecher, Proetitnirt« a. i. w. von dsn 18 Millionen 
der BeTülkeinngszahl, znr Zeit seiner Schrift, bleiben 4 Hillionen Mittelklasse 
mit Einschlnas kleinerer Rentner, Beamten, Schriftsteller, Künstler, Sohal- 
meister n. s. w. Um diese 4 Millionen heranszubekommeD, zählt er znm arbei- 
tenden Theil der Mittelklasse, ansser Banqnier« n. s. it. alle besser bezahlten 
„Fabrikarbeiter"! Auch die bricklayera fehlen nicht nnter den „potenzirten 
Arbeitern". Bleiben ihm dann die betagten 11 MUlionen. (8. Laing: Na- 
tional Distresa etc. London 1844.) „The great olaas, who have nothing to 
giTe foi food bat ordinär; labour, ars the great bnlk of the people. (James 
MiU in Art nColony". Supplement to the Encydop. Brit. 1881.) 

'*) „Where reference is made to labonr as a meaanre of valne, itneceu- 
arilj implles labonr of one particnlar kiod ... the proportion whioh the other 
kindf bear to it being easily aacertained." („Ontlines of Polit. Eoonom;. 
London 1888", p. 22, 2S.) 



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— 180 — 

Inhalt, Zweck imd technischen Charakter seiner Arbeit. Andrersäts 
Ad den wir die Wertbe der Tercehiten Frodnktionsmittel wieder aU 
Beatandthäle des Prodnkten-Werths, z. B. die Wertbe von BaomwoUe 
und Spindel im Öamwerth. Der Werth der Produktionamittel wird 
also erhalten durch seine üebertragiin^ auf das Prodnkt. Dies Ueber- 
tragm geschieht während der Verwandlung der Prodaktionemittel in 
Produkt, im Ärbeitsprocess. Es ist vermittelt durch die Arbeit 
Aber wie? 

Der Arbeiter arbeitet nicht doppelt in derselben Züt, nidit einmal 
um der Baumwolle durch seine Arbeit einen Werth znsnsetzen, and das 
andremal um ihren alten Werth zu erhalten, oder, was dasselbe, um 
den Werth der BanmwoUe, die er rerarb^tet, und der Spindel, womit 
er arbeitet, auf das Produkt, das Garn, zu flbertragen. Sondern durch 
blosses Zusetzen von neuem Werth erhält er den alten Werth. Da 
aber der Znsatz von neuem Werth zum Arbeitsgegenstand und die 
Erhaltung der alten Wertbe im Produkt zwei ganz verschiedne Beeultate 
nnd, die der Arbeiter in derselben Zeit heirorbnngt, obgleich er nur 
einmal in derselben Zeit arbeitet, kann diese Doppelsütigküt des 
Besultats offenbar nur aus der Doppelseitigkeit selaer Arbeit selbst 
erkl&rt werden. In demselben Zeitpunkt mnss sie in einer Eigenschaft 
Werth schaffen und in einer andren Eigenschaft Werth erhalten oder 
flbertn^en. 

Wie setzt jeder Arbeiter Arbeitszeit und daher Werth zu? Immer 
nur in der Porm seiner ögenthümlich produktiven Arbeitsweiss. Der 
Spinner setzt nnr Arbeitszeit zu, indem er £i)innt, äer Weber, indem er 
webt, der Schmied, indem er schmiedet. Durch die zweckbestimmte 
Form aber, worin sie Arbeit Überhaupt zusetzen und daher Nenwerth, 
durch daa Spinnen, Weben, Schmieden werden die Prodnktionsmittel, 
Baumwolle und Spindel, Garn und Webetnhl, Eisen und Ambosa, zn 
Bildnngselementen eines Produkts , eines neuen Gebrauchswerths *"). 
Die alte Form ihres Gebranchswerths vergeht, aber nur um in einer 
neuen Form von Gebrauch swerth aufzugehn. Bei Betrachtang des 
WerthbildmigBprocesses ergab sich aber, dasa so weit ein Gebranchs- 



**) „Laboni giTM a uew creation for one estiDguisbed." (An Essaj o 
the Polit. Econ. of Nationa. London 1821, p. 13.) 



lyGOOgIC 



" 181 — 

weith iweckgem&Bs Teruntzt wird tnr FrodnktioH eines nenen Oebrancha- 
wertha, die zur HersteUnng dee Ternntzten GebrauchswerUiB notbwendige 
ArbeitszMt einen Tb«I der zur HeratellnDg dea nenen Q«braiicliB- 
wertha notbwendigen Arbeitszeit bildet, also Arbettszeit ist, die rom 
vernutzten ProdnUionamittel anf das nene Prodidit flbertiagen wird. 
Der Arbäter erhält also die Werthe der vernntzten Produktionsmittel 
oder flberträgt sie als Werthbestandtlieile auf das Produkt, nicht dmoh 
sein Zusetzen von Arbeit Überhaupt, sondern durch den besondren 
nützlichen Charakter, durch die specifisch prodnkÜTe Form diesei za- 
s&tzlicben Arbeit Als solche zweckgem&sse prodnktive Th&tigkeit, 
Spinnen, Weben, Schmieden, erweckt die Arbeit dnich ihren blossen 
Kontakt die Produktionsmittel von den Todten, b^eistet sie zn 
Faktoren des Arbeiteprocesses nnd verbindet sich mit ihnen zn Pro- 
dukten. 

W&re die apeciSsche produktive Arbeit des Arbeiters nicht Spinnen, 
ao würde er die Baumwolle nicht in Garn verwandeln, also auch die 
Werthe Ton Banmwolle und Spindel nicht auf das Garn fibertragen. 
Wechselt dagegen derselbe Arbeiter das Metier und wird Tischler, so 
wird er nach wie tot durch einen Arbeitstag seinem Material Werth 
zusetzen. Er setzt ihn also zn durch seine Arbeit, nicht sowdt sie 
Spinnarbeit oder Tischlerarbeit, sondern soweit sie abstrakte, geaell- 
achaftliche Arbeit Oberhaupt, nnd er setzt eine bestimmte Werthgrösse 
2Q , nicht weil seine Arbeit einen besondren nfttzlichen Inhalt hat, 
sondern weil sie eine bestimmte Zeit dauert. In ihrer abstrakten 
allgemanen Eigenschaft also, als Verausgabung menachlicher Arbnta- 
kraft, setzt die Arbeit des Spinners den Werthen von Baumwolle 
nnd Spindel Neuwerth zu, und in ihrer konkreten, besondren, nfitz- 
lichen Eigenschaft als Spinnprocesa , fibertrftgt sie den Werth dieser 
Produktionsmittel auf das Produkt und erhält so ihren WerUi im 
Produkt. Daher die J)oppelBeitigkeit ihros Resultats in demselben 
Zeitpunkt 

Durch das bloss quantitative Znsetzen von Arbeit wird neuer Wertii 
Zugesetzt, durch die Qualität der zugesetzten Arbeit werden die alten 
Werthe der Prodaktionsmittel im Produkt erhalten. Diese doppelseitige 
Wirkung derselbeD Arbeit in Folge ihres doppelseitigen Charakters zeigt 
sich handgreiflich an verschiednen Erscheinungen. 



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— 182 ~ 

Nimm an, irgend eine Erfindung beAhige dea Spinner in 6 Stnoden 
Bo viel Banmwolle zn Terspinnen wie Mher in 36 Stunden. Als zweck- 
mässig nützliche, prednUdve Tb&tigkieit hat seine Arbeit ihre Kraft 
versechsfocht. Dir Produkt ist ein sechsfacbea, 86 statt 6 Ibs. Garn, 
Aber die 86 Pfand Baumwolle sangen jetzt nnT so viel Arbeitszeit ein 
als früher 6 Pfund. Sechsmal weniger nener Arbeit wird ibnen zu- 
gesetzt alB mit der alten Methode, daher nur noch ein Sechstel des 
froheren Wertiis. Andrereeita edetiTt jetzt der sechsfache Werth von 
Banmwolle im Prodnkt, den 3S Ffond Garn. In den 6 Spinnetnaden 
wird ein sechsmal grosserer Werth von Bohmaterial erhalten nnd auf 
das Produkt übertragen, obgleich demselben Bohmaterial ein sechsmal 
kleinerer Netiwerth zngesetzt wird. Dies zeigt, wie die Eigenschaft, 
worin die Arbeit während desselben nntheilbaren Processes Werthe erhUt, 
wesentlich unterschieden ist vou der Eigenschaft, worin sie Werth schafft. 
Je mehr nothwendige Arbeitszeit während der Spinnoperation auf dasselbe 
Quantum Banmwolle geht, desto grösser der Neuwerth, der der Baum- 
wolle zugesetzt wird, aber je mehr Pfunde Baumwolle in derselben 
Arbeitezeit versponnen werden, deeto grösser der alte Werth, der im 
Prodnkt erhalten wird. 

ITimm omgekehrt an, die Produktivität der Spinnarbeit bleibe nn- 
verSodert, der Spinner brauche aleo nach wie vor gleich viel Zeit, nm 
ein Pfand Baumwolle in Oam zn verwandeln. Aber der Tauschwerth 
der Banmwolle selbst wechsle, ein Pfand Baumwolle steige oder falle 
um das Sechsfache seines Preises, In beiden Fällen fährt der Spinner 
fort demselben Qnantnm Banmwolle dieselbe Arbeitszeit zuzusetzen, also 
denselben Wertb, und in beiden Fällen prodncirt er in gleicher Zeit 
gleich viel Garn. Dennoch ist der Wertli, den er von der Banmwolle 
anf das Qam, das Prodnkt, überträgt, das einemal sechsmal klaner, 
das andremal sechsmal grösser als znvor. Ebenso wenn die Arbeits- 
mittel sich verthenem oder vervrohlfbilem, aber etets denselben Dienst 
im Arbeitsprocees leisten. 

Bleiben die technischen Bedingungen des Spinnprocesaes unver- 
ändert nnd geht glüchfalls kein Werthwechsel mit seinen Froduktions- 
mittein vor, so verbraucht der Spinner nach wie vor in gleichen 
Arbeitszeiten gleiche Qnanta Bohmaterial- nnd Maschinerie von gleich- 
bleibenden Werthen. Der Werth, den er im Produkt erhält, steht dann 



lyGOOgIC 



— 188 — 

in direktem TeifaältnisB zd dem Keuwerth, den er ersetzt. In zwtä 
Wochen aetit er zweimal mehr Äibeil zn ale in einer Woche, also 
zweimfd mehr Weitb, und zngleioh venintEt er iweim&l mehr Material 
Ton zweimal mehr Wertb, nnd verachleiast zweimal mehr Maechinoie 
von zwdmal m^r Werth, erh&lt also im Produkt von zwei Wochen 
zweimal mehr Werth als im Produkt einra Woche. Unter gegebnen 
gleichbleibenden Prodnktionabedingangen erhält der Arbeiter nm eo mehr 
Werth, je mehr Werth er zneetzt, aber er erh&lt nicht mehr Werth, 
weil er mehr Werth zusetzt, sondern weil er ihn nnter gleichbleibenden 
und von seiner eignen Arbeit unabh&Dgigen Bedingimgen zusetzt 

Allerdings kann in einem relativen Sinn ges^ werden, daae der 
Arbeiter stets in derselben Proportion alte Werths erh&lt, worin er Nea- 
werth zusetzt. Ob die BanmwoUe von 1 ah. anf 2 sh. steige oder 
auf 6 d. falle, er erhält in dem Produkt einer Stnnde stete nur halb 
so Tiel BanmwoUwerth, wie der auch wechsle, als in dem Produkt von 
zwei Stunden. Wechselt femer die ProdüktivitSt seiner eignen Arbeit, 
sie steige eder falle, so wird er z. B. in einer Arbütestunde mehr oder 
weniger Baumwolle verspinnen als frfther, nud dem entsprechend mehr 
oder weniger BaumwoUworth im Produkt einer Aibeitastnude erhalten. 
Mit alle dem wird er in zwei Arbeitsstnuden zweimal mehr Werth 
erhalten als in einer Arbätastunde. 

Werth, von seiner nur symbolischen Darstellung im Werthzeichen 
abgesebn, eiistirt nur in einem Oebranchswerth , einem Ding. (Dw 
Mensch selbst, als blosses Dasein von Arbeitskraft betrachtet, ist ein 
NotntgegenBtand, ein Ding, wenn auch lebendiges, selbetbewosstes Ding, 
nnd die Arbüt selbst ist dingliche Aeuaserung jener Kraft). Geht 
d^er der Oebranchswerth verloren, ao geht auch der Werth ver- 
loren. Die Prodnktionamittel verlieren mit ihrem Oebrauchewerth nicht 
zngleich ihren Wertb, weil sie dnrch den Arbeiteprocosa die ursprflng- 
liche G^estalt ihres Gebraudiswerths in der That nni verlieren , nm 
im Produkt die Oeetalt «nes uidren Glebranchawertba zu gewinnen. So 
wicht^ es aber fbr den Werth ist in irgend eine» Oebranchswerth zn 
«xiatiren, so gleichgflltig ist es, in welchem er eriatirt, wie die Meta- 
morphose der Waaren zdgL Es folgt hieraus, dass im Arbütsprocees 
Werth vom Produktionsmittel auf das Produkt nur ftbei^eht, eo weit 
daa FTodnktionsmittd mit aeinna selbst&ndigen Oebraachewertb auch 



lyGOOgIC 



— 184 ~ 

seinen Tauschwerth verliert. Es ^ebt nnr den Werth an das Produkt 
ab, den es als Prodnktionsmittd rerliert. Die gegenständliclien Fak- 
toren des ArbeitsproceBBes Terbalten sich aber in dieser Hinsiebt Ter- 
scbieden. 

IKe KoMe, womit die Maschine geheizt wird, verschwindet spnrlos, 
ebenso das Oel, womit man die Axe des Bades schmiert n. b. w. 
Farbe nnd andre HDlbstoffe verschwinden, zeigen sich aber in den 
Eigenschaften des Produkts. Das Bohmaterial bildet die Snhstanz des 
Produkts, hat aber seine Form ver&ndert. Bohmaterial und HOlfsstoffe 
verlieren also die selbständige Gestalt, womit sie in den Arbeitsprocess 
als Gebranchswertbe eintraten. Anders mit den eigentlichen Aibeite- 
mitteln. Ein Instmment, eine Maschine, ein Fabrikgebäude, ein 
Gef&se n. s. w. dienen im Arlmtaproceas nur, so lange sie ihre ur- 
sprüngliche Gestalt bewahren nnd morgen wieder in eben derselben 
Form in den Arbeitsprocess eingebn, wie gestern. Wie sie während 
ihres Lebens, des Ärbeitsprocesses, ihre selbständige Gestalt dem Produkt 
gegentlber bewahren, eo ancb nach ihrem Tode. Die Leichen von 
Haschinen, Werkiengen, Arbeitsgebänden u, b. w. ezistiren immer noch 
getrennt von den Prodakten, die sie bilden halfen. Betrachten wir 
nun die ganze Periode, während deren ein solches Arbeitsmittel dient, 
von dem Tag seines Eintritte In die Werkstatt« bis zum Tage setner 
Verbannung in die BnmpelkammOT, so ist während dieser Periode eein 
Gebrauchswerth rou der Arbint vollständig verzehrt worden, nnd sein 
Tansdiwerth daher vollständig auf das Produkt übergegangen. Bat eine 
Spinnmascbine z. 6. in 10 Jahren ausgelebt, so ist während des zehn- 
jährigen Arbmtsprooeesee ihr Gesammtwerth auf das zehnjährige Produkt 
fibergegangen. Die Lebensperiode eines Arbeitsmittels umßngt also eine 
grossere oder kleinere Anzahl stets von neuem mit ihm wiederholter 
Aibeitsprocesse. Und es gebt dem Arbeitsmittel wie dem Menschen. 
Jeder Mensch etirbt täglich um 24 Stunden ab. Man sieht aber keinnn 
Menschen genau an, wie viel Tage er bereite verstorben ist. Dies ver- 
hindert LebensversicbemngBgeeellechafteu jedoch nicht, aus dem Durch- 
schnittsleben der Menschen sehr sichre, nnd was noch viel mehr ist, 
sehr profitliche Schlüsse m ziehn. So mit dem Arbeitsmittel. Man 
weiss ans der Erfiihmng, wie lang ein Arbeitsmittel, z. B. eine Masdiine 
von gewisser Art, durchschnittlich vorhält. Gesetzt sein Gebrauchswerth 



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— 186 — 

im Arbütsprocese danie nnr 6 Tage. So verliert ee im DnrchBChiiitt 
jeden Arbeitstag V« seines 6«branch&werths und giebt daher Vs seines 
Werths an das tftgliche Produkt ab. In dieser Art wird der Yer- 
Bchleise aller Atbütsmittel berechnet, also z. B. ihr tfiglicher Veilnet 
an a«branchBWerth , nnd ihre entsprechende t&gliche Werthabgabe an 
das Produkt. 

Ee zeigt äch so schlagend, dass ein Frodoktionsmittel nie mehr 
Werth an das Produkt abgiebt, als es im Arbeitsprocess durch Ver- 
lüchtong seines eignen Qebranchswerths verliert H&tte es kwien 
Werth zu Terlieren, d. b. w&re es nicht selbst Produkt menschlicher 
Arbeit, so wOrde es keinen Werth an das Produkt abgeben. Es 
diente als Bildner von Oebranchswerth, ohne als Bildner von TauBch- 
werth zu dieneD. Dies ist daher der Fall mit alten Prodoktions- 
niitteln, die von Natur, ohne menschliches Znthnn, vorhanden sind, 
mit Erde, Wind, Wasser, dem Eisen in der Ercader, dem Holze des 
Urwaldes n. b. w. 

Ein andres intereesantee Phänomen tritt uns hier entg^en. Eine 
Haschine sei z. B. 1000 Pfd. St. werth nnd schleisse sich in lOOO 
Tagen ab. In diesem Fall geht tägUch '■ji^^^ des Werths der Maschine 
von ihr selbst auf ihr t&glichee Produkt fiber. Zugleich, wenn auch 
mit abnehmender Lebenskraft, wirkt stets die Gesammtmoschine im 
Arbeitsprocess, Es zeigt sich also, dass ein Faktor des Arb^tsprocesses, 
ein Produktionsmittel, ganz in den Arbeitsprocess, aber nur zum Theil 
in den Verwerthuiigsprocess eingeht. Der Unterschied von Arbeits- 
process und VeriverthungBprocess reflektirt uch tiier an iliren gegen- 
st&ndlichen Faktoren, indem dasselbe Prodoktionsmittel als Element des 
Arbeitsprocesses ganz und als Element der Werthbildung nur stOckweis 
in demselben Produktionsprocess zählt*'). 

") El bandelt sich hier nicht am Beparatnren der Arbeitsmittel, Ha- 
schineo, BaDliehkeiton o. b. w. Eins Maschine, die leparirt «iid, fonktionirt 
nicht ds ArbeitBmittel , sondern als Arbeitamaterial. Ei wird nicht mit ihr 
gearbeitet, sondeni aie aelbat wird bearbeitet, um ihren Gehnnchswerth zu flicken. 
Solche Bflparatnrarbeiton kann man fBr nnsren Zweok immer eingescb losten 
denken in die zur Ptodaktioii des Arbeitsmittels erheischte Arbeit. Im Text 
handelt ee sieb un den TerBchlelsa, den kein Dootor knriren kann and der 
aUm&blig den Tod herbeifQhrt, um „tiiatkind of wear vhich cannot be repaired 



lyGOOgIC 



— 18tt — 

Andrerseits kann umgekehrt ein FrodnktionBmittel ganz in den 
Terwerthnngaproceas eingehn, ol^leich nur stflckweis in den Arbeite- 
procese. Nimm an, beim Verspinnen der Banrnwolle fielen täglich 
anf 115 Pfnnd 15 Pfund ab, die kein Qom, sondern nnr devil'a dnst 
bilden. Dennoch, wenn dieser Abfall von 15"/] normal, von der 
Durchschnitte -Yerarbeitong der BanmwoUe unzertrennlich ist, geht der 
Werth der 15 4t. Baumwolle, die kein Element dee Garns, gani eben 
Bo sehr in den Garnwerth ein, wie der Werth der 100 £f^ die söne 
Substanz bilden. Bei Oebranchswerth von 15 Ü. Baumwolle mnas 
verstauben, um 100 ü. Garn zu machen. Der ■ Untergang dieser 
Baumwolle ist also eine Prodnktionsbedingung des Garns. Eben des- 
wegen giebt sie ihren Werth an das Gam ab. Dies gilt von ollen 
Exkrementen dee Arbeitsprocesses, in dem Grad wenigstens, worin diese 
Exkrement« nicht wieder neue Prudnktionsmittel und daher nene 
selbständige Gebranchawerthe bilden. So sieht man in den groseoi 
Mssi^inenfabriken zu Manchester Berge von Eiem abfallen , durch c;- 
fclopiflche Maschmen gleich Hobelep&oen abgeschält, am Abend auf 
grossen Wagen ans der Fabrik in die Eisengiesserei wandern, nm den 
andren Tag wieder als massives Eisen ans der Eisengieserei in die 
Fabrik zarückzuwandem. 

Nnr soweit Produktionsmittel während des Arbeitsprocesses Werth 



fram time to time, and whicb, in the case of a keife, woold ultimatel? rodace 
it to a atate inwhich tbecntlei «ronld aa; of it, itis notwortba new blade." 
Man hat im Teit geaehn, daes eine Haachioe i. B. ganz in jeden einzelnen 
Arbeittproceas, aber nur atückweia in den gleich zeitigen YenrerthongsprooeM 
eingeht. Danach lubenitheilen die folgendoBegrifisverwechslang: „Mr. Bioardo 
apeaka of the portion of thelaboorof theengineeiiDmakingstockingmachineB" 
als z. B. eatbalten in dem Werth von ein paar StrQmpfeD. „Yet the total 
laboer that prodaced eooh aicgle pair of atookiDga . . . inclndes tho «hole 
labonr of tbeengineei, not a portion; for one maehinemakes many paira, and 
nane of those paira oould have been done withont any part of the mochine." 
(Obserrations od oartaln verbal diapatei in Pol. Ecod., partiealarf relating to 
Yaltae, and to demand and eappl;. London 1821, p. 54.) Der Verfoaaer, ein 
DOgemein aelbatgef&Uiger „wiaeacre," bat mit aeinar Konfnaiou und dabei mit 
Beiner Polemik nur ao weit Recht, ala weder Bicordo noch irgend ein andrer 
Oekonom, vor oder nach ihm, die beiden Seiten der Arbeit genan geachieden, 
dabei noch weniger ihre verschiedne Bolle in dei Weithbüdung analjaitt hat^ 



lyGOOgIC 



— 187 — 

in der Geetalt ihrer alten Gebranchswertbe verlieren, Obertr^«n Bie 
Werth anf die neue Gestalt des Prodokts. Das Maiimnjn des Werth- 
verlnstes, den sie im Arbeitsprocesa erleiden kOnnen, ist offenbar be- 
scbränkt dnrcb die nrsprOi^liche WertfagrOsse, womit sie in den 
Arbeiteproceee eintreten , oder dnrcb die zn ihrer eignen Produktion 
erbeischte Arbeitszeit. Produktionsmittel kennen dem Produkt daher 
nie mehr Werth zusetzen, als sie nnabb&ngig vom ArbeitspTooess, 
4em sie dienen, besitzen. Wie nfltzlich ancb ein Arbeitsmaterial , eine 
Maschine, ein Produktionsmittel: wenn es 150 Pfd. St., sa^ 500 
Aibeitstage, kostet, setzt es dem Oesanuutprodnkt, zu dessen Bildung 
es dient, nie mehr als 150 Pfd. St. zn. Sein Werth ist bestimmt 
nicht durch den Arbeitsprocess, worin es als Produktionsmittel eingeht, 
sondern dnrch den Arbeitsprocesa, woraus ee als Produkt herauskommt. 
In dem Arbeitsprocess dient es nur als Qebrauchswerth, als Ding mit 
nützlichen Eigenschaften, und gäbe daher keinen Werth an das Pro- 
dukt ab, h&tte es nicht Werth besessen vor seinem Eintritt in d«i 
Procees**). 



'*) Hau begreift daher die AbgeBOhmacktheit des faden J. B. Sa;, der 
den Hehrwerth (Zinn, Profit, Kente) aus den „Horvicee productifa" ableiten 
will, welche die Piodabtionsmittel , Erde, Instramente , Leder n. s. w. durch 
ihre Oebraa che werth e im Arbeitaproceaae leUteii. Herr Wilhelm Boscher, der 
es nicht leicht lüst, artige apologetlBcheEinfillo achwarz auf weiss in registri- 
ren, ruft aus: „Sehr richtig bemerkt J. B. Saj, Tratte, t. T. oh. 4: „der 
dnrch eine Oelmfihle nach Abzug aller Kosten hervorgebrachte Werth aei doch 
etwas Nenea, von der Arbeit, wodurch die OelmQhle eelbat geschaffen worden, 
wesentlich verschiedenes." (1. c. p. 82 Note.) Sehr richtig! Das von der Oel- 
raltble heiTorgebracbt« „Oel" iat etwas sehr Terachiednes von der Arbeit, welche 
der Bau der Hüble koBt«t. und unter „Werth" versteht Herr Bescher solches 
Zeng wie „Oel", da „Oel" Werth hat, „in der Natur" aber aioh Steinöl vor- 
findet, wenn auch relativ nicht „sehr viel", worauf wohl seine andre Bemer- 
kung abzielt: j.Tauscbwerthe bringt sie (die Natnrl) fast gar nicht hervor." 
Es geht der Boschei'saben Natur mit dem Tauacbwerth, wie der thärichten 
Juogfran mit dem Kind, das nur „ganz klein war." Derselbe „Geletute" 
(„eavant söieus") bemerkt noch bei oben erwkbnter Gelegenheit; „Die Sehnte 
Bieardo's pflegt auch dacKapltal unter den Begriff Arbeit zu anbaumiren als 
„aurgesparte Arbeit". Diese iat ungeschickt (!), weil(I) ja(I} der Eapitalbe- 
sitser(!)doch(I)m^(!) getbsn bat als die blasBe{?I}HeTvoTbringnng(?] nnd(??) 
Erhaltung desselben (wesselbigenf): eben(?!?) die Enthaltung vom eignen Ge- 



D,gt,7cdT:GOOglC 



— 188 — 

Indem die prodaktive Arbeit Prodoktionsmittel Id Bildnngeelemente 
eines neuen Produkts verwandelt, geht mit deren 'Werth eine Seelen- 
wandmng vor. Er geht ans dem Tenehrten Leib in den nea geetalteten 
Leib über. Aber diese Seelenwandmog ereignet sich gleichsam hinter 
dem Bficken der wirklichen Aibeii Der Arbeiter kann neue Arbeit 
nicht zusetzen , also nicht nenen Werth schaffen , ohne alte Werthe 
zu erhalten, denn er muss die Arbeit immer in bestimmter nQtzlicher 
Form EdBetten, nnd er kann sie nicht in nQtzlicher Form zusetzen, 
ohne Produkte zn Frodoktionsmitteln eines nenen Produkts zn machen, 
nnd dadurch ihren Werth auf das neue Produkt zu Qbertragen. Es ist 
also eine Naturgabe der sich beth&tigenden Arbeitskraft, der lebendigen 
Arbeit, Werth zn erhalten, indem sie Werth zusetzt, eine Naturgabe, 
die dem Arbeiter nichts kostet, aber dem Kapitalisten viel anbringt, 
die Krhaltnng des rorhandnen Kapitalwerths**»). So lange das G»- 
sch&ft flott g^t, ist der Kapitalist zu sehr in die Plnsmacherü ver- 
tieft, nm diese Graüsgabe der Arbeit zu sehn. Qewaltsame Unter- 
brechungen des Arbeitsprocessee, Krisen, machen sie ihm empfindlich 
bemerksam*^). 



nu«M, wofür er i. B. (!!!) Zinien verlangt," {1. o.) Wie „gescbickt"! dies« 
„anstomiacb-phyBblogiscbe Methode" der politdscben Oekonomie, die ans blos- 
sem „Terlangen" ja doch eben „Werth" entwiekelL 

*^) „Of sll the inatromeDte of the former's trade, tbe labaor of man . . . 
ia Ihat on which he is most to rel; for the re-pa;meDt of bis oapital. Tbs 
other two — the vorking stock of the catUe, and the . . . carts, plooghe, 
spades, and so forth — withoat a given portion of the first, are nothing at all." 
(Edmund Burke: Thooghts and Details onScarcitj, originaüj presented tothe 
KL Hon. W. Pitt in the Month of Norembor 1795, edit. London 1800", p. 10. 

**) In der Times vom 26. Nov. 1662 jammert ein Fabrikant, deaaen Spin- 
nerei 800 Arbeiter besoh&ftigt, and wöeheatlich im Dorcbschnitt 150 Ballon 
oGtiodischer oder od geführ ISO Ballen amerikaniacher Baumwolle verzehrt, dem 
Publikum die jährlichen StillstaDdakoateD seiner Fabrik vor. Er schlagt aie anf 
6000 Ffd, 8t an. Unter dieten Uekoaten befinden sich viele Posten, die nna 
hier niohta angebn, wie Grundrente, Steaem, VerBiohmQgspiftniien, Salaire für 
jihrlioh enga^rte Arbeiter, manager, Bnchhalter, Ingenieur a. s. w. Dann 
aber berechnet er fQr 150 Pfd. St. Sohlen, um die Fabrik von Zeit zd Zeit 
zo winnon and die Dampfmaschine gelegentlich in Gang zu setzen, aoaserdem 
Löhne für Arbeiter, die durch gelegentliche Arbeit die Haeohinerie „flAsaig" 
erbalten. Endlich 1200 Pfd. Si ftlr Tenehlechtemng dor Maschinerie, da 



lyGOOgIC 



— 189 — 

Was Oberhaupt an den Froduktionsmittelii verzehrt wird, ist ihr 
Oebranchswerth, durch dessen EonBumtioii die Arbeit Produkte bildet. 
Ihr Werth wird in der That nii^t Iconsnmirt**), kaan also auch nicht 
reprodncirt werden. Er wird erhalten, aber nicht wdl eine Operation 
mit ihm selbst im ArbeitBprocees vorgeht, sondern weil der Gebranehs- 
wertb, worin er nraprOn^ich existirt, zwar verschwindet, aber nnr 
in einen andren Oebranchswerth verschwindet. Der Werth der Pro- 
dnktionsmittel erscheint daher wieder im Werth des Prodnkte, aber 
er wird, genan gesprochen, nicht leproduclrt. Was prodocirt wird, 
ist der neue Oebranchsworth , worin der alte Tanschwerth wieder 
erscheint*'). 

Anders mit dem snbjektiven Faktor des Arbeitaprocesses, der sich 
beth&tigenden Arbeitskraft. Während die Arbeit durch ihre iweckmäasige 
Form den Werth der Piodoktionsmittel auf das Produkt überträgt und 



„tbe weather aod the nitaral principls of decaj do not auspend theii oporstious 
becansa the Bt«am-eDgiiie ceaaea to rovolve." Er bamerkt ausdrücklich, diese 
SanuDB von 1200 Pfd. St sei so gering angescbingen, weil sich di« Maschinerie 
bereite in sehr abganutitam Zostande befinde. 

**) „Productive ConsomptioD: where the consamptioD of a commodity is 
a part of tbe procasa of prnduction ... In these instances tbere ia no ood- 
snmption of valuo." S. P, Nawman I. c. p. 296. 

"} In einem nordamerikaniBchen Eompendiom, das vielleicht 20 Auflagen 
erlebt hat, liest man: „It mattere not in what form capital reappears." Nach 
einer mdaeligen Aufzählung aller mSglicheu PraduktionaiDgredienzieD, deren 
Werth im Produkt wiader ersobeint, haisat's Bchliesslich : „Tha varioue kinds 
of food, clothing, and shelter, necesaarj für the eiistence and comfort of the 
hnman being, are also cbanged. Thej are consumed frum time to time, and 
thait valne re-appeara, in tbat new vigonr imparted to hia body and mind, 
forming fresh capital, to ba employed again in the woik of produotiDn." 
(F. Weyland 1. c. p. Sl, 82.J Ton allen andren Wunderlichkeiten abgeaehn, 
iat as X. B. nicht der Preis des Brodos, der in der erneuten Kraft wieder er- 
Bcboint, sondern seine blutbildenden Substanzen. Was dagegen als Werth der 
Kraft niedererBcheint, sind nicht die Lebenamittel, sondern ibr Werth. Die- 
selben Lebensmittel, wenn sie nur die Hftifte kosten, prednclren ganz eben so 
viel Uuskel, Knochen d. s. n., kurz dieselbe Kraft, aber nicht Kraft vom 
salben Weitb. Dies umsetzen von „Werth" in „Kraft" und die ganze pha- 
rieäiscbe Unbestimmtheit Terstecken den allordings vergoblicbeu Versuch, aus 
blossem Wiedereracheinen vorgescbaasnoT Werthe einen Uebrwerth herauH lu 
drechseln. 



lyGOOgIC 



— ISO — 

erhält, bildet jedee Moment ihrer Bewe^D^ zuaätzlichen Werth, Neu- 
werth. Gesetzt der Prodaktionapracees breche ab beim Paukt, wo der 
Arbeiter «n AeqniTalent fOr den Werth seiner eignen Arbeitskraft 
producirt, dnrch sechsstündige Arbeit z. B. usen Werth Yon 3 sh. sn- 
gesetzt hat. Dieser Werth bildet den üebersohnes des Produktenwerths 
aber seine dem Werth der ProdaktioDsmittel geschnldeten Beetandtfaeile. 
Er ist der einzige Originalvertb, der innerhalb dieses Processes entstand, 
der einzige Werththeil des Produkts, der dnrch den Process selbst 
prodncirt ist. Allerdings ersetzt er nnr das vom Kapitalisten beim 
Kauf der Arbeitskraft vorgeschossne, vom Arbeiter seibat in Lebens- 
mitteln reransgabte Qeld. Mit Bezug aof die veransgabten 8 sh. 
erscheint der Nenwerth von 3 sh. nur als Beprodnktton. Aber er ist 
wirklich reprodncirt , nicht nnr scheinbar, wie der Werth der Fro- 
duktlonsmittel. Der Ersatz eines Werths dnreh den andren ist hier 
vermittelt durch neue WerthschCpfang. 

Wir wissen jedoch bereits, dass der Arbeitaprocass über den Punkt 
hinaus fortdauert , wo ein blosses Aeqnivalent fQr den Werth der 
Arbeitskraft reprodncirt und dem Arbeitsgegenstand zugesetzt w&re. 
Statt der 6 Stunden, die hierzu genll^en, währt der Process z. B. 
12 Stunden. Durch die Beth&tigung der Arbeitskraft wird also nicht 
nor ihr eigner Werth reprodncirt, sondern ein QberschOssiger Wertb 
prodncirt. Dieser Mehrwerth bildet den Ueberschoes des Produkten- 
werths Ober den Werth der verzehrten Prodnktbildner, d. h. der Pro- 
dnktionsmittel nnd der Arbeitskraft. 

Indem wir die verscbiednen Bollen dargestellt, welche die ver- 
schiedenen Faktoren des Arbeitsprocesses in der Bildui^ des Pro- 
duktenwerths spielen , haben wir in der That die Funktionen der 
verschiednen Bestandtheile des Kapitals in seinem eignen Verwer- 
thungsprocess cliarakterieirt. Der Ueberschuss des Qesanuntwerths des 
Produkts über die Werthsomme seiner Bildongselemente ist der 
Ueberschuss des verwertheten Kapitals Aber den nrsprOnglich vor- 
geechoBsnen Kapitalwerth. Produktionsmittel auf der einen Seite, 
Arbeitskraft auf der andren, fund nnr die verschiednen Existenzformen, 
die der Drsprflngliche Kapitalwerth annahm bei Abstreifung seinw 
Geldform nnd seiner Yerwandlnng in die Faktoren des Arbeitspro- 



lyGOOglC 



— 191 — 

Der Theil des Kapitals ulao, der sich in ProduktionBinittel, d. h. 
in Bolunaterial, Hfllfeatoffe und Aibeitamittel omsetit, verändert seine 
WeTthgrOsBe nicht im Frodüktionsprocess. Ich nenne ihn daher kon- 
gtanten Eapitaltheil, oder Icflrzer: konstantes Kapital. 

Der in Arbeitskraft umgesetzte Theil dea Kapitals verändert da- 
gegen seinen Werth im ProdnktionsproceBS, Ei reprodncirt snn eignes 
Aeqoivalent und einen üebersohnse darflber , Hehrwerth , der selbst 
wechseln, grösser oder kleiner sän kann. Ans einer konstanten QiOsse 
verwandelt sich dieen- Tbeil dee Kapitals fortwährend in eine variable, 
leh nenne ihn daher variablen Kapitaltheil , oder kUrtei: variables 
Kapital, Dieselben Kapitalbestandtheiie, die sich vom Standpunkt des 
Arbatsprocesaes als objektive nnd snbjektive Faktoren, als Produktions- 
mittel nnd Arbeitskraft unterscheiden, unterscheiden sich vom Stand- 
punkt des Terwerthnngaprocesaes als konstantes Kapital nnd variables 
Kapital. 

Der Begriff des konstanten Kapitals schliesst eine Werthrevolntion 
seiner Bestandtheile in keiner Weise ans. Nimm an, das Pfand Banm- 
wolle koste hente G d. und steige morgen, in Folge dnes Ansfalls der 
Banmwollemte, anf 1 sh. Die all« Baumwolle, die fortf&hrt verarbeitet 
zn weiden, ist enm Werth von 6 d. gekauft, ffigt aber jetzt dem 
Produkt nnen Werththeil von l sh. zu. Und die bereits versponnene, 
vielleicht schon als Oam anf dem Haikt ciiknlirende Baumwolle, fOgt 
dem Produkt ebenfalle das Doppelte ihres nrq>rQnglichen Wertha su. 
Man siebt jedoch, dass diese Werthwechsel unabhängig sind von der 
Verwerthnng der Baumwolle im Spinnprocess selbst Wäre die alte 
Baumwolle noch gar nicht in den Arbeitsprocess eingegangen, ao könnte 
sie jetzt zu 1 sh. statt zn 6 d. wieder verkauft werden, umgekehrt: 
Je weniger Arbeiteprocesse sie noch durchlaufen hat, desto sichrer ist 
dies Besnltat. Es ist daher Gesetz der Spekulation bei solchen Werth- 
revolntionen anf das Bohmaterial in seiner mindest verarbeiteten Form 
zn spekuliren, also eher auf Garn ala auf Gewebe und eher auf die 
Baumwolle selbst als auf das Garn. Die Werthändemng entspringt 
hier in dem Frocesa, der Baumwolle producirt, nicht in dem Proceaa, 
worin sie als Produktionsmittel und daher als konstantes Kapital 
funktionirt Der Weith öner Waore ist zwar bestimmt durch das 
Quantum der in ihr enthalten Arbüt, ab«- dies Quantum selbst ist 



lyGOOgIC 



— 192 — 

geBellBcbafthch beBtimmt. Hut itch die geeellBchaftlicb zo ihrer Pro- 
duktion erheischte Arbeitszeit verändert — nnd dasselbe QaBntniu 
Baumwolle z. B. stellt in nngUnsti^n Ernten grösseres Qn&ntnm 
Arbeit dar, als in gtknstigen — so findet eine Bflckwirknng auf die 
alte Waare statt, die immer nnr als einzelnes Exemplar ihrer Gattung 
gilt**), deren Werth stets dnrch geeellschaftlich noüiwendige, also auch 
atata nntei ^^lenwärtigen geBellBChaftlichoi Bediogtu^^en nothwendige 
Arbeit gemessen wird. 

Wie der Werth des Bohmaterials , mag der Werth bereite im 
Produktionsprocess dienender Arbeitsmittel, der Maschinerie n. s. w. 
wechseln, also anch der Werththeil, den sie dem Produkt abgeben. 
Wird z. B, in Folge einer neuen Erllndnng Maschinerie derselben 
Art mit vennindertei Ausgabe von Arbeit reprodncirt, so entwnrthet 
die alte Maschinerie mehr oder minder und flberträgt daher auch 
verhältnissmiasi^ weniger Werth anf das Produkt, Aber auch hier 
entspringt der Werthwechsel ausserhalb des Produktionsproceesee, worin 
die Maschine als Produktionsmittel fonktionirt. In diesem Proceas 
giebt sie nie mehr Werth ab als sie unabh&ng^ tou diesem Process 
bedtzt. 

Wie un Wechsel im Werth der Produktionsmittel, ob anch rück- 
wirkend nach ihrem bereits erfolgten Eintritt in den Process, ihren 
Charakter als konstantes Kapital nicht verändert, ebenso wenig berührt 
ein Wechsel in der Proportion zwischen konstanten nnd variablem 
Kapital ihren funktionellen Unterschied. Die technischen Bedingungen 
des Arbeitsprocesses mOgen z. B. so umgestaltet werden, dass wo frOher 
10 Arbeiter mit 10 Werkzeugen von geringem Werth eine rerhält- 
nissmftssig kleine Masse von Rohmaterial verarbeiteten, jetzt 1 Arbeit« 
mit uner theuren Maschine das hundertfache Rohmaterial verarbeitet 
In diesem Fall wäre das konstante Kapital, d. h. die Werthmasse der 
angewandten Produktionsmittel, sehr gewachsen, nnd der variable Theil 
des Kapitals, der in Arbeitskraft vorgeschossne, sehr gefallen. Dieser 



") „Toutea les productionH d'un meme genre ne forment proprement 
qn'ane maBse, dont le prii «e d^termine en general et suis egard atix circon- 
stancea partienliäiea." (I« Trosne 1. c. p. 89S.) 



lyGOOgIC 



— 193 — 

Wechsel ÖDdert jedoch nur dos GTOsaenverh&ltiiiSB iwUcben konstantnii 
and variablem Kapital, oder die Proportion, worin du Oesammtkaiätal 
in konstante nnd variable Beetandtheile zerSllt, berührt dagegra nicht 
im Unterschied von konstant snd Tuiabel. 



Siebentes Kapitel 
Die Kate des Hehrwerths. 

1. Der EiploitationB^rrsd der Arbeitskraft. 

Der Mehrwerth, den das vorgeschosene K^ital C im Frodaktions- 
process erzeogt hat, oder die Verwerthnng des vorgeechoaenen Eapital- 
werths C stellt sich znn&chat d&r als üeberschnes des WerUis des 
Produkts Über die 'Werthsnmme seiner Prodüktionseiemente. 

Das Kapital C zeriWt in zwei Theile, eine Geldsumme c, die fOr 
Produktionsmittel, nnd öjw andre Geldsumme t, die fdr Arbeits- 
kraft verans^bt wird; c stellt den in konstantes, t den in vari- 
ables Kapital verwandelten Werththeil vor, UrsprOnglich ist also 
C ^ c -j- V, z. 6. das vorgeechossne Kapital von 600 Pfd. St. ^= 

c V 

410 Pfd. St. -f- 90 Pfd. St. Am Ende des Frodnktionsprocesses kommt 
Waare herans, deren Werth = c -}- ? -j- m, wo m der Hehrwerth, z. B. 

4101.4-90 1. -f- 90 1. Das nreptOngliche Kapital C hat sich in ü 
verwandelt, ans 500 Pfd. St in 590 Pfd. St. Die Differenz zvrischen 
beiden ist = m, einem Mehrwerth yon 90. Da der Werth der Pro- 
dnküonselemente gleich dem Werth des vorgeachossnen Kapitals , so 
ist es in der That eine Tantelo^e, dass der üeherschnsa des Pro- 
dnktenwerths tlber den Werth seiner Prednktionselemente gleich der 
Verwerthnng des vorgeechossnen Kapitals oder glei<di dem prodncirten 
Mehrwerth. 

K«ri, Eapitill. 13 



lyGOOgIC 



— 194 — 

Indess erfordert diese Tautologie eine nähere Bestimmung. Wut 
mit dem Frodnktmiwertb Terglicben wird, ist der Werth der in seiner 
Bildung anfgezehrten Frodnktionselemente. Nan haben wir aber geeebn, 
dasB der ans Arbeitsmitteln bestehende Theil des angewandten konstanten 
Kapitals nnr ein StBcV seines Werths an das Produkt abgiebt, während 
dn andres Stück in seiner alten Existenzform fortdauert Da das 
letztre keine Bolle in dei WerthbUdnng spielt, ist hier davon zu ab- 
strahiren. Sein Hineinziehen in die Bechnong wOtde nichts ändern. 
Nimm an, c ^ 410 1. bestehe ans Bohmaterial zu 312 1., Hfllfs- 
stoffen zu 44 1. nnd im Proceas TerschleiBsender Maschinerie von 54 1-, 
der Werth der wirklich angewandten Haechinerie betrage aber 1054 1. 
Als Torgeschoseen zur Erzeugung des Prodnktenwerths berechnen wir 
nur den Werth von 54 I., den die Maschinerie durch ihre Funktion 
verliert und daher dem Produkt abgiebt. Bechneten wir die 1000 Pfd. 
St. mit, die in ihrer alten Form forteiistiren als Dampfmaschine n. s.w., 
so müssten wir sie auf beiden Seiten mitrechnen, anf Seite des vor" 
geschoBBuen Werths nnd auf Seite des Prodnktenwerths'^), und erhielten 
Bo reep. 1500 Pfd. St. und 1590 Pfd. St, Die Differenz oder der 
Mehrwerth wäre nach wie vor 90 Pfd. St. Unter dem zor Wertb- 
produktion vorgeechoBsnen konstanten Kapital verstehn wir daher, wo 
das Gegentheil nidit ans dem Zusammenhang erhellt, stets nnr den 
Werth der in der Produktion verzehrten Produktionsmittel. 

Diees vorausgesetzt, kehren wir znrflck zur Formel C = c + v, 
die sich iu C' =^ c -\- v -\- m nnd eben dadurch C in C' verwandelt. 
Man weiss, dass der Werth dee konstanten Kapitale im Produkt nur 
wieder erscheint Das im Process wirklich neu erzeugte Werthprodnkt 
ist also versi^eden von dem ans dem Process erhaltnen Produkten- 
werth, daher nicht, wie es anf den ersten Blick scheint, c -|- ^ -4~ ni oder 

c ' ' V m V ' ' m 

410 1.+ 901 + 90, sondern v + m oder 90 1. + 901., nicht 590 1., 



"a] „If we reckon the valae of tbo Sied citpital employed m a part of 
the advancea, we mnst reckon tha remaining valus of such capitjil at tbe end 
of the jear as a part of the annnal retum«." (Malthns: Princ. of Pol.Econ. 
2Dd, ed. London 1836, p. 269.) 



lyGOOgIC 



— 195 — 

Bondem 180 1. Wäre c, das konstante Kapital, = 0, in andern Worten, 
g&be ee IndnBtriesweige , worin der Kapitalist keine prodncirten 
Prodnktionsmitt«l, weder Bohmaterial, noch Hfilfeatoffe, noch Arbeits- 
ingtnimente, sondern nur von Natur Torhandne Stoffe nnd Aibeits- 
kraft anzuwenden hätte, so wfire kein konstanter Wertbtheil auf das 
Produkt zu fibertragm. Dies Blemmt des Prodnktenwerths , in 
nnsrem Beispiel 410 Pfd. St, fiele fort, aber dae Werthpiodnkt von 
180 Pfd. St., welches 90 Pfd. St. Mehrwerth enthält, bliebe ganz 
ebenso gross als ob c die grOsste Werthsumme darstellte. Wir 

hätten C = +T = T, und C', das »erwerthete Kapital, = v -j- m, 
C" — C nach wie tot ^ m- Wäre umgekehrt m = 0, in andren 
Worten, hätte die Arbeitskraft, deren Werth im variablen Kapital vor- 
geschossen wird, nur ein Aequivalent producirt, so C ^ c -)- v und C' 
(der Produktenwerth) = c -|~ v -)- 0, daher C '= (f. Das vorgeechossne 
Kapital hätte sich nicht verwerthet. 

Wir wissen in der That bereits, dass der Hebrwerth bloss Folge 
der Werthverändmng ist, die i{üt y, dem in Arbeitskraft umgesetzten 
Kapitaltheil vorgeht, dass also v-\~m='Y-\-^Y(\ plus Inkremeat 
von v) ist. Aber die wirkliche Werthverändening und das Verhältnise, 
worin sich der Werth ändert, werden dadurch verdunkelt, dass in 
Folge des Wachsthnms seines varürendm Bestand theils auch das 
rorgeschossne Gesammtkapital wächst Es war 500 nnd es wird 590. 
Die reine Analyse des Pioceasea erheischt aleo von dem Theil des 
Prodnktenwerths, worin nur konstanter Kapitalwerth wieder erscheint, 
ganz zu abstrahiren, also das konstante Kapital c = zu setzen, 
und damit ein GcBetz der Uathematik anzuwenden, wo sie mit 
variablen und konstanten Grössen operirt, nnd die konstante QrGsse 
nur durch Addition oder Subtraktion mit der variablen verbun- 
den ist. 

Eine andre Schwierigkeit entspringt ans der ursprfinglicben Form 
des variablen Kapitals. So im obigen Beispiel ist C* » 410 1. kon- 
stantos Kapital -{- 90 1. variables Kapital -}- 90 L Mehrwerth. Neunzig 
Pfd. St sind aber eine gegebne, also konstante OrOsse und es scheint 

daher nngereimt ue als variable Grösse zu behandek. Aber 90 1. oder 



lyGOOgIC 



— 196 — 

90 1. Tari&bles Kapital ist hier in der That nur Symbol fOr den Pn>- 
cess, im dieser Werth dnrdiläiift. Der im Ankauf der Arbeitskraft 
TOrgee^oasne E^italtheil iat tm bestimmtem Quantum vergegeustind- 
llchtflr Arbeit, also konstante WerthgrOBee, wie der Werth dei gekanf- 
ten Arbätakraft Im Prodoktionsprocees seibat aber tritt ao die Stelle 
der TOrgeschoBBuen 90 Pfd. St. die sich bethütigende Arbeitskraft, an 
die Stelle todter, lebendige Arbrät, an die Stelle einer mbendcn eine 
fließende GrCsBe, an die Stelle öner konstanten eine variable. Das 
Besnltat ist die Seproduktion von t plna Inkrement von v. Vom 
Standpunkt der kapitaUstiachen Produktion iat dieser ganie Verkauf 
Selbatbewegnng des in Arbeitekraft umgesetzten, nrsprünglii^ konstanten 
Werths. Ihm wird der Procese nnd sein Besnltat zn gut gescluieben. 
Erscheint die Fonnel 90 1. variables Kapital oder sich verwerthender 
Werth daher widerBpmchsvoll, bo drtlckt sie nnr einen der kapitalistiBchen 
Produktion immanenten Widerepmch aus. 

Die üleichsetzusg deB konstanten Kapitals mit befremdet auf 
den ersten Blick. Indess voUzieht man sie beständig im ÄUtagaleben. 
WiU Jemand i. B. Englands Gewinn an der BanmwolUndustrie berechnen, 
so zidit er vor allem den an die Verein^ton Staaten, Indien, Aegypten 
c 8. w. gezahlten Baumwollpreis ab; d. h. er setzt im Prodnktenwerth 
nnr wiedererBcheinenden Kapitalwerth = 0. 

Allerdings hat das Verhältniss des Hehrwerths, nicht nnr zum 
Kapitalthell, woraus er unmittelbar entspringt und dessen Werthveräudruug 
er darstellt, Bondem auch zum vorgeschossnen Oesanuntfeapital seine 
grosse Ökonomische Bedeutung. Wir behandeln dies Verhältniss daher 
ausführlich im dritten Buch. Um einen Theil des Kapitals durch seinen 
Umsatz in Arbeitskraft zu verwerthen, musa ein andrer Theil des 
Kapitals in Produktionsmittel verwandelt werden. Damit das variable 
Kapital fhnktionire, muss konstantes Kapital in entsprechenden Pro- 
portionen, je nach dem bestimmten technischen Charakter des Aibeits- 
proceaaes, vorgescboasen werden. Der [Jmstand jedoch, dass man lu 
einem chemischen Process Betorten und andre Gewisse braucht, verhindert 
nicht bei der Analyse von der Betorte selbst zn abstrahiren. Sofern 
Werthschöpfung nnd Werthver&ndrung für sich selbst, d. h. rein betrachtet 
werden, liefern die ProduktiooemitteJ , diese stofflichen Gestalten des 
konstanten Kapitals, nnr den Stoff, worin sich die flüssige, wertbbildende 



lyGOOgIC 



— 197 — 

Kraft fixiren Boll. Die N&tnr dieeea Stoffes ist dah«r anch gleichgflltig, 
ob Baumwolle oder Msen. Anch der Werth dieeee Stoffes tat gleicli- 
gOltig. Et muSB nur in hinreichend« Masse vorhanden sein, nm das 
während des Froduktionsproceases zu veraos^bende Arbeitsqnantnm 
einsangen m kCnnen. Diese Masse gegeben, mag ihr Werth st^en, 
oder fallen, oder sie mag werthlos sein, wie Erde nnd Meer, der Process 
der WerthschOpfuDg nnd Werthver&ndrnng wird nicht davon berfthrt'^. 
Wir setzen also zunächat den konstanten Kapitaltheil gleich Noll. 
Das ToigesdioBsne Kapital redncirt sich daher von c -{- v auf r, nnd der 
Frodnktenwertb c + v + m auf das Werthprodnkt T-Hm. Gegeben 
das Wertfaprodukt ^ 180 Pfd. St, worin sich die während der ganzen 
Daoer des FroduktionsproGessee flieesende Arbeit darstellt, so haben 
wir den Werth des variablen Kapitals = 90 Pfd. St. abznziehn, nm 
den Mehrwertb = 90 Pfd. St. zu erhalten. Die Zahl 90 Pfd. St. 
=•= m diflckt hier die abaolnte OrOsee des producirten Hehnverths 
ans. Seine proportionelle QrOsse aber, also das Verhältniss, worin 
das variable Kapital sich verwerthet hat, ist offenbar bestimmt durch 
das Verhältniss des Hehrwerths zum variablen Kapital, oder ist ans- 

gedrOckt in — . Im obigen Beispiel also in '"1,^ ^= lOO'/o- Diese 

verhältnissmäfsige Verwerthung des variablen Kapitals, oder die verhält- 
nissmätsige ärösse des MabrnerÜis, nenne ich Rate des Mehrwerths**). 
Wir haben geaehn, dass der Arbeiter während einee Abschnitts 
des Arbeitsproceeses nnr den Werth seiner Arbeitskraft producirt, 
d. h. den Werth seiner nothvendigen Lebensmittel. Da er in einem 
anf gesellschaftlicher Tbeilong der Arbeit beruhenden Znstand prodncirt, 
prodncirt er seine Lebensmittel nicht direkt, sondern, in Form einer 



*^ Note zur 2. Ausg. Es versteht sich von Bsllwt mit LncreÜus „nil 
poaae creari de nihilo". Ana nichts wird nichts. „WertliBCliSpfang" ist Um- 
satz von Arbeitaknft in Arbeit IlirerBeita Ut die Arbeitakraft vor allem in 
menachlioben OrganiimuB omgeBetzter Natnrstoff. 

**) In derselben Weise, wie der EnKl&ndsT „rate of pro&ts", „rate of 
intereit", a. b. w. braacbt. Mao wird aus Bnch III sehen, da« die Profitrate 
leicht en begreifen, sobald man die Gesetze des Mehrwerths kennt Auf dem 
nmgekehrten Weg begreift man ni Ton, ni l'autre. 



lyGOOgIC 



— 198 — 

besondien Waare, das Qarns z. B., ein«! Werth gleich dem Werth seiner 
Lebensmittel, odei dem Geld, womit er sie lucft. Der Theil seines 
Arbeitstags, den er hierzu verbraucht, ist giöBser oder kleiner, je nach 
dem Werth seiner darchschnittlichen täglichen Lebensmittel, also je nach 
der zn ihrer Produktion erheischten durchschnittlichen t&glichsn Arbeits- 
zeit. Wenn derWwtb seiner täglichen Lebensmittel im Dnrchschnitt 6 Ter- 
g^enat&ndlichte Arbeitsstonden darstellt, bo mnsa der Arbeiter im 
Darchflchtiitt täglich 6 Stunden arbeiten, um ihn zn produciren. Arbeitete 
er nicht ffir den Kapitalisten, sondern für sieh selbst, unabhängig, so 
mDsate er, nnter sonst gleichbleibenden umständen, nach wie vor im 
Dnrchschnitt denselben aliquoten Theil des Tage arbeiten, um den Werth 
seiner Arbeitskraft zu produciren, and dadurch dio zu seiner eignen 
Erhaltung oder beständigen Beproduktion nöthigen Lebensmittel ztt 
gewinnen. Ds er aber in dem Theil des Arbeitstags, worin er den 
Tageewerth der Arbeitskraft, sage 3 sb., prodncirt, nnr ein Aeqniralent 
fbr ihren Tom Kapitalisten bereits gezahlten**a) Werth producirt, also 
dnrch den neu geschaffnen Werth nur den vorgeschossnen variablen 
Kapitalworth ersetzt, erscheint diese Produktion von Werth als blosse 
Beproduktion. Den Theü des Arbeitstags also, worin diese Beprodnktion 
vorgeht, nenne ich nothwendige Arbeitszeit, die während derselben ver- 
ausgabte Arbeit nothwendige Arbeit*"). Nothwend^ für den Arbeiter, 
weil unabhängig von der gesellschaftlichen Form seiner Arbeit. Koth- 
wendig für das Kapital und seine Welt, weil dos beBtändige Dasein 
des Arbeiters ihre Basis. 



**) Wir hftben bisher in dieaer Schrift du Wort ,, nothwendige Arbeits- 
zeit" angewandt fOr die znr Produktion eber WsareüberhanptgeselLschftftUch 
Qothweodige Arbeitszeit Wir brauchen ea von jetzt ab anch fär die zur Pro- 
dnktion der speeifiichen Waare Arbeitskraft nothwendige Arbeitzeit Der Ge- 
brauch derselben termini tacbnioi in veraehiednem Sinn iat nÜMliob, aber in 
keiner Wiaaenachaft ganz zu vermeiden. Man vergleiche z. B. die höheren nnd 
niedren Theile der Mathematik. 

**a) Note zur 3. Anfl. Der Verfasaer gebraucht hier die landl&ofige 
Ökonomische Sprache. Man erinnert aich daaa auf S. 152 nachgewiesen, wie 
in ^^klichkeit nicht der Kapitalist dem Arbeiter, aondera der Arbeit«r dem 
Kapitalist«n „vorachiesat". (D. H.) 



D,gt,7cdT:GOOglC 



Die zweite Periode des IrbeiteprocASBee, die der Arbeiter fiber die 
Qrensen der oothwendigen Ärbat binansachanzt, kostet ihm zwar Arbeit, 
Teransgabung von Arbeitskraft, bildet aber keinen Werth für ihn. Sie 
bildet Mehrwerth, der den Eapitalistwi mit allem Beiz einer SchSpfang 
ans Nichts anlacht IKeeen Tbeil dee Arbwtsta^ nenne ich Snrplns- 
atbratszeit, ond die in ihr veransgabte Arbeit: Uehrarbeit (anrplns 
laboor). So entscheidend ee fQr die Erkenntniss des Wertha überhaupt, 
ihn als blosse Gerinnnng ron Arbeitszeit, als bloss vergegenständlichte 
Arbeit, so entscheidend ist es für die Grkenntniss des Uehrwerths, ihn 
als blosse Qerinnnng von Sntplnsarbeitszeit, als bloss vergegenständ- 
lichte Mehrarbeit zu begreifen. Nor die Form, wotin diese Uehrarbeit 
dem nnmittelbaien Producenten, dem Arbräter, abgepresat wird, nnter- 
scheidet die Ökonomischen Qesellschaftsformationen, z. B. die Geeellechaft 
der Sklaverei von der der Lohnarbeit'^. 

Da der Werth des variablen Eapitiüs s> Werth der von ihm 

gekauften Arbeitskraft, da der Werth dieser Arbeitskraft den noth- 

wendigen Theil des Arbeitstags bestimmt, der Mehrwerth seinerseits 

aber bestimmt ist dnrch den aberschüseigen Theil dee Arbeitstags, 

so folgt: Der Uehrwerth verhält sich znm variablen Kapital, wie die 

Mehrarbeit znr nothwendigen , oder die Bäte des Hehrwertlis 

m Mohntrboit 

— = —— --;-. Beide Proportionen drücken dasselbe Verhält- 

V Nothwendige Arbeit 

niss in verschiedner Form ans, das einmal in der Form vergegenst&nd- 

lichter, das andremal in der Form flfiBfnger Arbeit. 



*°) Mit wahrhaft Gottach ed'achet Genialität entdeckt Herr Wilhelm Thn- 
cydidee ßoscber, dau wenn die Bildung von Hehrwarth oder Mehrprodukt, und 
die damit verbandue Abkamalatioo , heorigen Tags der „Sparsamkeit" des 
Kapitalisten geBohnldet, der dafür „z. B. Zins verlangt", dagegen „auf den 
niedrigsten Koltnntnfea .... die Sohwächeren von den St&rkeren zur Spar- 
samkeit gezwongen wardea." (1. o. p. 78.) Zu Grepamog von Arbeit? oder 
nicht vorhandner überEchfi.uiger Produkte? Neben wirklicher Ignoranz ist es 
apologetische Sehen vor gewissenhafter Aaaljrse des Werths nnd Mehrwerths, 
nnd etwa verfänglich-polizeiwidrigem Baanitat, die einen Boaoher ond Cons. 
zwingt, die mehr oder mioder plausiblen Bechtfeitignngagründe dea Kapitalisten 
fär seine Aneignung voihuidtieT Hehrwerthe in Entatehmgagrlinde dea Mehr- 
wtirUu zu verdrehen. 



lyGOOgIC 



— 200 — 

Die Bäte dee Mehrwertha ist daher der exakte Äasdnick für deo 
Exploitaticmagnd der Arbeitskraft dnrch das Kapital oder des Arbeiteis 

dorcii den E^itaüBten '"a). 

c T 

Nach nnerer Annahme war der Werth des Produkts = 410 1. -}- 90 I. 
m 

-|-90, das vorgeschoBsne Kapital = 500 1. Da der Uebrwerth = 90 
nnd das Torgesctaoasne Kapital =^ 500, würde man nach der ^wQlin- 
lichen Art der Berechnan^ heiaaebekommen, dass die Rate des Mehr- 
weithe (die man mit der Profitrate verwechselt) = IS"/)» 4<do V'er- 
bJlltnisszahl , deren Niedrigkeit Herrn Care^ und andre Harmoniker 
rühren mttchte. In der That aber ist die Bäte des Hehrwerths 

90 
500 

^ lOO^/o, mehr als das Ffinffache dee scheinbaren Exploitationsgrads. 
Obgleif^ wir nun im gegebnen Fall die absolnte QrOsse des Arbäts- 
tags nicht kennen, auch nicht die Periode dee Atbeitsprocesses (Tag, 
Woche u. B. w.), endlich nicht die Anzahl der Arbeiter, die das 
variable Kapital von 90 1. gleichzeitig in Bew^fnng setzt, zeigt uns die 
Hehrarbeit 
Nothwendig€ 

genan das YerhSItniss der zwei Beatandtheile des Arbeitstags zu ein- 
ander. Es ist lOO^/g. Also arbeitete der Arbeiter die eine Hälfte des 
Tags für sich nnd die andre fOr den Kapitalisten. 

Die Methode znr Berechnnng der Bäte des Mehrwertha ist als» 
knrzgefasst diese: Wir nehmen den ganzen Produktenwerth und setzen 
den darin nur wiedereracheinenden konstanten K&pitalwerth gleich 



■*a) Note ZOT 2. Anag. Obgleich exakter Anadmek für den Exploitationi- 
giad der Arbätekiaft, ist die Rate des Hebrwerths kein Anadmek für die abso- 
lnte Oröase der ExploibtiaD. s. B. wenn die nothwendigs Arbeit •• S Standen 
nnd die Mehrarbeit ^ 5 Stunden, ist der Exploitationsgrad — 100°/,. Die 
Giöue der ExploitaüDn ist hier gemeuen dnrch 5 Standen. let dagegen die 
nothwandige Arbeit — 6 Stunden nnd die Hehrarbeit — 6 Stunden, so bleibt 
der Eiploitatiansgrad Ton lOO'/s nnvetindert, während die Qrösee der Exploi- 
tation nm 20*/, wächat, von 5 auf 6 Stunden. 



lyGOOgIC 



— 201 — 

Null. Die fibrigblsibende Wertbsumme ist das einzige im Bildungs- 
pioceas der Waaie wiTklicti erzeugte Werthprodnkt. Ist der Hehrwerth 
gegeben, bo ziebn wir ihn von diesem Wertbprodukt ab, um das variable 
Kapital in finden. Umgekehrt, wenn letztres gegeben und wir den 
Hehrwerth snehen. Sind beide g^eben, so ist nur noch die Schlnes- 
operation zn verrichten, das Verh&ltnisB des Hebrwertbe znm variablen 

Kapital, — , zn berechnen. 

T 

So ein&ch die Uethode, scheint es doch passend, den Leaer in 
die ihr zn Gmnde liegende nnd ihm ungewohnte Anschanongs weise 
dnrch einige Beispiele einznexerciren. 

Zunächst das Beispiel einer Spinnerei von 10,000 Unle-Spindeln, 
die No. S2 Qam ans amerikanischer Banmwolle spinnt nnd 1 Ü. 
Garn wöchentlich per Spindel prodocirt. Der Abfall ist G%. Also 
werden 10,600 &. Banmwolle wöchentlich in 10,000 Ü. Garn 
und 600 &. Abfall verarbeitet. Im Apnl 1871 kostet diese Banm- 
wolle 7^U d. per &., also für 10,600 &. mnd 342 Pfd. St. 
Die 10,000 Spindeln, inklusive VorBpinnmaschlnerie nnd Dampf- 
maschine kosten I Pfd. St per Spindel, also 10,000 Pfd. St. Dir 
Verschleisa betragt 10»/o = 1000 Pfd. 8t^ oder wöchentlich 20 Pfd. 
St. Die Uiethe des Fabrikgebändes war SOO Pfd. St. oder 6 Pfd. St. 
per Woche. Kohlen (4 Pfd. per Stande und Pferdekraft, auf 100 Pferde- 
kraft (Indikator), und 60 Stunden per Woche inklusive Heizung des 
Gebändee) 11 Tons per Woche, zn 8 sh. 6 d. die Tonne, kosten 
mnd 4V, Pfd. St. per Woche; Gas 1 Pfd. St. per Woche, Oel 
4V, Pfd. St. per Woche, also alle HülfsstofCe 10 Pfd. St. per 
Weche. Also ist der konstante Werththeil 378 Pfd. St. per Woche. 
Der Arbeitslohn betr&gt 52 Ffd. St. per Woche. Der Qampreie ist 
12'/* d. per «f. oder 10,000 &. = 510 Pfd. St., der Mehrwerth 
also 510—430 =. 80 Pfd. St. Wir setzen den konstanten Werth- 
theil von 378 = Pfd. St., da er in der wöchentlichen Werthbildnng 
nicht mitspielt. Bleibt das wöchentliche Werthprodukt von 132 

T m 

= 62+80 Pfd. St. Die Eate des Mehrwerths also =• ^o^^^ 
= 153"/,3'*/g. Bei zebnsttindigraa , dnichschnittlichem , Arbeitetag 



lyGOOgIC 



— 202 — 

ergiebt diees: Kothwendlge Arbeit = B^Vsa Stunden nnd Mehrarbeit 
= 6*/sa Stmiden^'a). 

Jacob g^ebt fOr das Jahr 1815 , bei Anaahme eiuea Wmen- 
preises tod 80 eh. per Qnaiter, und eiuea DnrchschnitteertragB von 
22 Bauhels per acre, so dase der acre 11 Pfd. St. einbringt, folgende 
durch vorherige EompensatJon verscliiedner Posten sehr mangtOh^ta, 
aber fOr unsren Zweck genögende Bechnnng. 

Werthproduktion per acre. 
Saroen (Weizen) 1 Pfd. St. 9 ah. 1 ZehateD, Ratea, Taiea 1 Pfd. St. 1 ah. 

Dünger 2 Pfd. St. 10 sh. Rente 1 Pfd. St. Ssh. 

Arbeitslohn .1 Pfd. St. 10 ah . Päcbter'sProfitii.Zlnfl 1 Pfd. St. 2 ah. 

Samma: 7' Pfd. St. 9 ah. I Samma: SPfd. St-llrfi. 

Der Mehrwerth, stets nnter der V'oraossetznng , dase Preis des 
Produkts = seinem Werth, wird hier unter die verschiednen Bnbriten 
Profit , Zins , Zehnten n. s. w. vertheUt. Diese Enbriken sind uns 
gleichgQltig. Wir addiren sie zusammen und erhalten einen Hehr- 
wertb von S Pfd. 11 sh. Die 3 Pfd. 19 sh. fOr Samen nnd Dfinger 
setzen wir als konstanten Eapitaltbeil gleich Nnlt. Bleibt vor- 
geschoBsnes variables Kapital von 8 Pfd. 10 sh., an dessen Stelle ein 
Neuwerth von 3 Pfd. 10 sh. + 3 Pfd. 11 sh. prodndrt worden isi 
3 Pfd. 11 sh. 
°3Pfd. 10 8h. ' 

mehr als die Hälfte seines Arbeitstags znr Produktion eines Mehr- 
werths, den verschiedne Personen auf verschiedne Vorwände hin unter 
sich vertheilen"). 



"a) Note zur 2. Anag. Das in der ersten Ausgabe gegebne Beispiel 
eioet Spionem fUr das Jahr 1860 enthielt einige faktische Irrthflmer. Die 
im Text gegebnen dorchatifi genanen Daten sind mir von einem Manchester 
Fabrikanten geliefert. — Es ist in bemerken, dsas in England die alte Pferde- 
kraft nach dem Darchsehnitt des CylinderB beieohnet wurde, die uene nach 
der witfcUchen Kraft t&hlt, die der Indikator anzeigt. 

") Die gegebnen Redmnngen gelten nm aU lUustcatiou. Es wird näm- 
lich nnterstellt, daas die Preise » den Werthen. Man wird in Bnch III sehn, 
dasa diese Gleichaetznng, aelbat fär die Darchachnittspreise, sich nicht in 
dieser einfachen Weise macht. 



lyGOOgIC 



2. Darstellung des Produktenwerths in proportioneilen 

Theilen des Produkts. 

Kehren wir nun mm Beispiel mrück das uns zeigte, wie der 

Kapitalist aus Geld Kapital macht. Die nothwendige Arbeit seinee 

Spinners betrug 6 Stunden, die Hehrarbeit deasgleichsn, der Explot- 

tationsgrad der Arbeitskraft daher lOO"/!!- 

Daa Produkt des zwolfetündigen Arbeitstags sind 20 Pfd. Garn 
zum Werth von 30 sh. Nicht weniger als %, dieses Gamwerths, 
(24 sh.) und gebildet durch den nur wieder erschnnenden Wertb der 
Terzehrten Prodnktionsmittet, (20 Pfd. fiacmwolle zn 20 eh., Spindel 
Q. 8. w. ZQ i sh.) oder bestehn ans konstantem Kapital. Die Übr^en 
V,g sind der während des Spinnproceesee entstandne Neowerth Ton 
6 sh., ffOTOn eine Hälfte den vorgeschossnen Tageswerth der Arbeits- 
kraft ersetzt oder das variable Kapital, und die andre Hälfte einen 
Mehrwerth von 3 sh. bildet. Der Gesanuntwerth der 20 Pfd. Garn ist 
also Eolgendermassen zusammengesetzt: 



Gwnwerth von 30 sh. = 24 sh. + 3 sh. + 8 sh. 

Da dieser Gesammtwerth sich in dem Gesammtprodnkt von 20 Pfd. 
Garn darstellt, m&ssen auch die versctuednen Werthelemente in pro- 
portioneUeu Theilen des Produkts darstellbar sein. 

Eiistirt ein Gamwerth von 30 sh. in 20 Pfd. Garn, so •/,„ dieses 
Werths, oder sein konstanter Theü von 24 sh., in */„ dee Produkts 
oder in 16 Pfd. Garn. Davon stellen 13Vi Pfd. den 'Werth dos Boh- 
materials dar, der versponnenen Baumwolle zn 20 eh., und 2V, Pfd. 
den Werth der verzehrten HttlfsstofTe und Arbeitsmittel, Spindel n. 8. w. 
zu 4 sh. 

IS'/i Pfund Gam stellen also alle im Gesammtprodnkt von 20 Pfd. 
Garn ver^nnene Baumwolle vor, das Bohmaterial des Qesanmtprodnkte, 
aber auch weiter nichts. In ihnen stecken zwar nur IS'I, Pfd. Banra- 
wolle zum Werth von 13V» sli-i »•»' ihr zusätzlicher Werth von 6V, ah. 
bildet ein Aequivalent für die in den andren 6Va Pfd. Oam versponnene 
Baumwolle. Es ist als ob letztren die WoUe ausgerupft und alle Wolle 
des Qesammtprodukts in 13'/« Pfd. Gam znsammengestopft wSre. Sie 



lyGOOgIC 



— 204 — 

enthalten dagegen jetzt kein Atom des Werths der Terbraachten HfllfE- 
Btoffe und Arbeitsmittel, noch des im Spinnprocess geeduflsen Ken- 
werthB. 

Ebenso stellen wdtre 2Vi Pfd. Garn, worin der Beat des kon- 
Btanten Kapitals (= 4 sh.) steckt, nichts dar ansser dem Weith der 
im Geeammtprodnkt von 20 Pfd. Gun Ternutzten HWsstoffe nnd 
Arbütsmittel. 

Acht Zehntel des Produkts, oder 16 Pfd. Garn, obgleich leib- 
lich, als Gebranchswerth betrachtet, als G&m, eben so sehr Gebilde 
der Spinnaibeit als die reetirenden Prodakttheile, enthalten daher in 
diesem Zusammenhang kmne Spinnarbeit, keine während des Spinn- 
processBB selbst eingesaugte Arbeit. Es ist als ob sie sich ohne 
Spinnen in Garn verwandelt hätten, nnd als wäre ihre Qamgeetalt 
reiner Lng und Trug. In der That, wenn der K^italist sie ver- 
kanft zn 24 sh. nnd damit seine Produktionsmittel znrflckkanft, xeigt 
sich, dasB 16 Pfd. Garn — nnr verkleidete BanmwoUe, Spindel, 
Kohle n. s. w. sind. 

Umgekehrt stellen die Dbrig bleibenden V» des Produkts oder 4 Pfd. 
Garn jetzt nichts dar ausser dem im zwölfstündigen Spinnprocess pro- 
dncirten Nenwerth von 6 sh. Was vom Werth der vemntzten Boh- 
matmlalien nnd Arbtttsmlttel in ihnen steckte, ward beräts ansgeweidet 
nnd den ersten 16 Pfd. dam «nrerlabt Die in 20 Pfd. Garn ver- 
körperte Spinnarbeit ist koncentrirt auf Via ^os Produkts. Es ist als 
ob der Spinner 4 Pfd. Garn in der Lnft gewirkt oder in Baumwolle 
nnd mit Spindeln, die ohne Zathat menschlicher Arbeit, von Natnr 
vorhanden, dem Produkt keinen Werth zusetzen. 

Ton den 4 Pfd. Garn, worin so das ganze Werthprodokt des täg- 
lichen Spinnproceseee emtirt, stellt die eine Hälfte nur den Ersatiwerth 
der vemntzten Arbeitslp^ dar, also das variable Kapital von 3 sh., 
die andren 2 Pfd. Garn nnr den Hehrwerth von 3 sh. 

Da 12 Arbeitsstunden des Spinners sich in 6 sh. vergegenständ- 
lichen, sind im Gamwerth von 30 sb. 60 Arbutsstunden vergegenständ- 
licht. Sie ezistiren in 20 Pfd. Garn, wovon 7„ oder 16 Pfd. die 
Materiatur von 48 vor dem Spinnprocess vei^ngnen Aibeitsstnnden 



lyGOOgIC 



— 205 — 

sind, nämlich der in den Frodnküonsnutteln dee Qame yergegenst&nd- 
lichten Arbeit, V» oder 4 Pfd. dagegen die Matenatnr der im Spinn- 
process selbst yeraosgabten 12 Arbeitsstunden. 

Früher sahen wir, dass der Gamwertli gleich der Snmme des in 
BÖner Produktion erzengten Nenwerthe pIns der bereite in seinen 
Prodoktionsmitteln präexistirenden Werthe ist. Jetzt hat eich geielgt, 
wie die funktionell oder begrifflich verschiednen Bestandtheüe des 
Prodnktenwertha in proportioneilen Tbeilen des Produkts selbst darstell* 
bar sind. 

Diese ZerfäUnng des Produkts — des Beaultats dee Fioduktions- 
processes — in ein Quantum Produkt, das nur die in den Prodnktione- 
mittflln enthaltne Arbeit oder den konstanten EapitaltheU, ein andres 
QQautnm, das nur die im Prodnktionsproceea zugesetzte nothwendige 
Arbeit oder den variablen Eapitaltheil, nnd an letztes Quantum Produkt, 
das nur die im selbrai Pioceea zugesetzte Hehrarbeit oder den Mehi- 
werth darstellt, ist ebenso einfach als wichtig, wie ihre spätre An- 
wendni^ auf vernickelte und noch ungelöste Probleme ze^en 

Wir betrachteten eben das Qesammtpradnkt als fertiges Beaultat 
des zwOlfstfindigen Arbeitstags. Wir können es aber auch in seinem 
Entstebnngsprooees begleiten, nnd dennoch die Ttieilprodnkte als funk- 
tionell unterachiedne Produktenfheile darstellen. 

Der Spinner producirt in 12 Stunden 20 Pfd. Garn, daher in einer 
Stnnde l'/s und in 8 Stunden IS'/i Pfd., also ein Tbeilprodnkt vom 
Gesammtwerth der Baumwolle , die während des ganzen Arbeitst^;« 
versponnen wird. In derselben Art nnd Weise ist das Theilprodnkt der 
folgenden Stunde und 86 Minuten ^ 2% Pfd. Garn nnd stellt daher 
den Werth der wahrend der 12 Arbeitsstunden vemntzten Produktions- 
mittel dar. Ebenso produciit der Spinner in der folgenden Stunde nnd 
12 Minuten 2 Pfd. Garn = 3 sh., ein Produkten werth gleich dem 
ganzen Werthprodnkt, das er in 6 Stunden nothwendiger Arbeit schafft. 
Endlich producirt er in den letzten % Stunden ebenfalls 2 Pfd. Garn, 
deren Werth gleich dem durch seine halbtägige Mehrarbeit erzeugten 
Hehrwerth. Diese Art Berechnnng dient dem engtischen Fabrikanten 
zum Hausgebrauch nnd er wird z. B. sagen, daes er in den ersten 
8 Standen oder '/■ des Arbeitstags seine Baumwolle herausschlägt u. s. w. 



lyGOOgIC 



— 206 — 

Man sieht, die Formel ist ncbüg, in der That nor die erste Fonnel, Ober- 
ttatzt aas dem Baum, wo die Theile des Piodakts f^i^ neben einander 
liegen, in die Zeit, wo sie anf einander folgen. Die Fonnel kann aber 
aach von sehr barbarischen Yorstellongen begleitet sein, namentlich in 
KOpfen, die eben so praktisch im VerwerthnngsprocesB intereseirt sind, 
als sie ein Interesse haben, ihn theoretisch miflsinverst^hn. So kann 
sich eii^bUdet werden, dass nnaer Spinner z. B. in den ersten 
8 Standen seines Arbeitstags den Werth der Eanmwolle, in der folgen- 
den Stunde ond 36 Minuten den Werth der verzehrten Ärbeitemittel, 
in der folgenden Stande nnd 12 Hinnten den Werth des Arbätelohns 
prodncirt oder ersetzt, nnd nnr die Tielberfihmte „letzte Stunde" dem 
Fsbrikherm, der Produktion von Mehtwarth widmet. Dem Spinner wird 
so das doppelte Wnnder unfgebfirdet , Baumwolle , Spindel , Dampf- 
maschine, Kohle, Oel n. a. w. in demselben Augenblick zu prodnciren, 
wo er mit ihnen spinnt, nnd ans Einem Arbeitstag von gegebnem 
Intensitätsgrad fQnf solcher T^e su machen. In nnsrem Fall nSmlicb 
erfordert die Produktion des Bohmaterials nnd der Arbeitsmittel 
'*/« = ^ zwölfstOndig« Arbeitstage und ihre Verwandlung in Garn «non 
andren zwOlfstflndigen Arbeitstag. Dass die Bauhgier aolcbe Wunder 
glaubt und nie den doktrinären Sykopbanten misst, der sie beweist, 
zeige nnn ein Beispiel von hiatoriscber Berfihmtbeit. 

3. Seniur's „Letzte Stunde." 

An einem schOuen Morgen des Jahres 1836 wurde der wegen 
seiner Ökonomischen Wissenschaft nnd seines «chönen Stjis berufene 
Nassau W. Senior, gewiasermassen der Clauren unter den englischen 
Oekonomen , von Oxford nach Manchester citirt , um hier politische 
Oekonomie za lernen, statt sie in Oxford zu lehren. Die Fabrikan- 
ten erkoren ihn zum Preiafechter gegen den neulich erlassnen 
Factory Act nnd die darGber noch hinausstrebende Zebnstundenagite- 
tion. Mit. gewohntem praktischen Scharfsinn hatten sie erkannt, dass 
der Herr Professor „wanted a good deal of finiahing". Sie verschrieben 
ihn daher nach Manchester. Dn Herr Professor seinerseits hat die 
zn Manchester von den Fabrikanten erbaltne Lektion stylisirt in dem 
Pamphlet: „Letters on the Factory Act, as it aCFecta the cetton 



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— 207 — 

laannfactDre. London 1837," Hier kann man u. a. folgendes Erbau- 
liche lesen: 

„Unt«' dem gegenwärtigen Gesetz kann Keine Fabrik, die Fereonen 
unter 18 Jahren beschäftigt, l&Dger als 11'/, Stunden tftglich arbeiten, 
<t. h. 12 Stunden während der ersten 5 Tage nnd 9 Stonden am 
Sonnabend. Die folgende Analyse (!) zeigt nun, das in einer solchen 
Fabrik der ganze Beingewinn tod der letzten Stunde abgeleitet ist. Ein 
Fabrikant legt 100,000 Pfd. St. ans — 80,000 Pfd. St. in Fabrik- 
geb&nde nnd Haschinen, 20,000 in Rohmaterial nnd Arbeitslohn. Der 
jährliche Umsatz der Fabrik, Toransgesetzt das Kapital schlage jährlich 
einmal nm nnd der Bruttogewinn betrage 15*/,, mnss sich auf Waaren 
zum Werth von 115,000 Pfd. Si belaufen ... Von diesen 115,000 
Pfd. St. prodncirt jede der 23 halben Arbeitsstunden täglich Vn» odör '/«. 
Von diesen ■*/„, die das Ganze der 115,000 Pfd. St. bilden (constitc- 
ting tbe whole 115,000 Pfd. St.), ersetzen ••/„, d. h, 100,000 von den 
115,000, nur das Kapital; '/« oder 5000 Pfd. St. von den 10,000 
Brutto>Gewinn (!) ersetzen die Abnutzung der Fabrik und Maschinerie. 
Die Übrigbleibenden Vui ^- h. die beiden letzten halben Stunden jeden 
Tf^ prodnciren den Beingewinn von 107»- Wenn daher bei gleich- 
bleibenden Preisen die Fabrik 13 Stunden statt ll'/g arbeiten dürfte, 
80 würde, mit einer Znlage von ungeßlhr 2600 Pfd. St, znm cirka- 
lirenden Kapital, der Beingewinn mehr als verdoppelt werden. Andrer- 
seits wenn die Arbeitsstunden täglich nm l Stunde redacirt würden, 
würde der Beingewinn verschwinden, wenn um l'/j Stunden, auch der 
Bruttogewinn ^')." 



'») Senior I. c, p. 12, 13. Wir groho auf dia für unsren Zweck gleich- 
gültigen Curiofla nicht ein, t. B. die Behaoptung, doss die Fabrikanten den 
Ersatz der TeraehliBinen MBKhinerie q. b. w., also eines KapitalbestandtheÜH, 
zum Gewinn, Brutto oder Netto, lehmntzig oder rein, rechnen. Auch nidit 
auf die Richtigkeit oder FaUchhoit der Zahlenangaben. Basa sie nicht mehr 
werth sind als die aogenaaute „Analyse", bewies Leonhard Horaer in: ,r&Letter 
to 'Hl. Senior etc. Lond. 18ST." Leonhaid Horner, einer der Factor; In quiry 
Commiasionera von 1883, uad Fabriliuspektor, in der That Fabrikcensor, bis 
1859, hat unsterbliche Verdienste um die englische Arbeit^rklaBBe gewonnen. 
Anaser mit den erbitterten Fabrikanten führte er einen lebenslangen Kampf mit 



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- 208 — 

Und das nennt der Herr Professor ^e .Analyse"! Glaubte er 
den Fabrikanten] ammer, dass die Arbeiter die beste Zeit dee Tags in 
der Frednktion, daher der Beprodnktion oder dem Eisatz dee Wertba 
von Baalicbkeiten, Maechinen, Baumirolle, Sohle n. s. w. verwenden, so 
war jede ÄnalyBe flberflflselg. Er hatte einfach zu antworten: Uüqb 
Herren 1 Wenn Bir 10 Snnden arbeiten laast statt 11'/« wird, iuit«r 
sonst gleichbMbendw Umst&aden, der t&gliche Verzehr von SanmwoUe, 
Uaschinerie u. s. w. nm 1 '/, Stunden abnehmen. Ihr gewinnt also grade 
so viel als Ihr verliert. Eure Arbeiter werden in Zukunft l'U Stunden 
weniger fllr Beprodnktion oder Eisatz dea vorgeschoaenen Kapitalwerths 
vergeuden. Glaubte er ihnen nicht anfs Wort, sondern hielt als Sach- 
verständiger eine Analyse für nCthig, so musste er vor allem, in einer 
Frage, die eich auaschlieeslich um das Yerbältniss des Beingewinns 
zur Grösse des Arbeitet!^ dreht, die Herren Fabrikanten ersuchen, 
Uaschinerie und Fabrikgeb&nde, Rohmaterial nad Arbeit nicht konter- 
bunt darcheinander za wirren, sondern gefölligst das in Fabrikgebäude, 
Maschinerie, Bohmaterial d. s. w. entbaltue konstante Kapital anf die 
eine, das in Arbütslohn roi^eschosane Kapital anf die andre Seite zn 
stellen. Ergab sich dann etwa, daas nach der Fabrikantenrechnnng 



den Uiniitom, für die ea nogleicb wiobti^r war, „die StimmeD" derFabrik- 
henn im Untorhftos ab die ArbeiteBtunden der „Hände" in dot F&brik za zählen, 
Zusatz zur Note 82. Seniar's Daratellong ist kenfue, ganz abgosehn von 
der Falschheit ifares Inhalts. Was er eigentlich sagen wollte, war diess: Der 
Fabrikant beschäftigt die Arbeitoi täglich ll'/, edor '■/, Stunden. Wie der 
einzelne Arbeitstag, so besteht die Jahresarbeit ans Il'/t oder "/, Standen 
(moltiplicirt mit der Anzahl der Arbeitstage während des Jahrs.) Dies vor- 
ausgesetzt, produciicn die "/, Arbeits slundeu das Jahresprodukt von 115,000 
Pfd. 81.; V, Arbeitsstunde producirt '/„XUS-OOO Pfd. St; "% Arbeit«- 
stunden produciten "/,,X 115,000 Pfd. St. = 100,000 Pfd. St., d. h. sin 
ersetzen nur das vorgcschessne Kapital. Bleiben 7« AibeitastuDden, die '/u 
X 115,000 Pfd. St- — 15,000 produciren, d, h. den Bruttogewinn. Von diesin 
'/, Ärboiteatnnden producirt V, ArbeiUstunde '/«XllS.OOO Pfd. St, — 5000 
Pfd. St., d. b. sie producirt nur den Eraatz f(ii den Verschleiss der Fabrik 
und der Maschiucrio. Die letzten zwei halben Arbeitastundeu, d, b, die letzte 
Arbeitsstunde, producirt '/«X 115,000 Pf. St — 10,000 Pfd. St, d. h. den 
Kettoprofit. Im Text verwandelt Senior die letzten '/u des Produkte in Theüe 
des Arbeitstags selbst. 



lyGOOgIC 



— 209 — 

der Arbiter in % Arbeitflstnndfln , odor io mm Stunde, den 
Arbütelohn reprodacirt oder ereettt, bo hatte igt Analjtikw fort- 
znbbren: 

Nach Eurer Angabe prodncirt der Arbeiter in der TdrletzteD Stande 
seinen Aibeitalohn und in der letitm Enron Hehrwerth oder der Bein- 
gewinn. Da er in glmchen Zeitr&nmen gleiche Werthe prodncirt, hat 
das Produkt der vorletzten Stande denselben Werth wie das der letzten. 
Er prodncirt femer nnr Werth, so weit er Arbeit Teraasgabt nnd das 
Qnantom seinw Artmt ist gemessen dorch säne Arbeitsxeit. Diese 
betrftgt nach Enrer Angabe llVt Stand« per Tag. Einen Theil dieser 
I IV« Standen yerbrancht er inr Prodnktion oder sam Ersati seines 
Arbeitelohns, den andren zur Prodnktion Earea Beingewinne. Weiter 
thnt er nichts w&hrend des Arbeitstags. Da aber, nach Angabe, sein 
Lohn nnd der von ihm gelieferte Hehrwerth gleich grosse Werthe sind, 
prodncirt er offenbar seinen Arbeitslohn in 5Vi Stunden nnd Boren 
Beingewinn in andren SV« Standen. Da femer der Werth des zwei- 
stündigen Oampiodnkts gleich der Werthsomme seines Arbeitslohns plus 
Enres Beingewians ist, mnss dieser Qamwerth dnrch ll'/i Arbeita- 
atnnden gemessen sein, das Prodnkt der Torletiten Stande dnrch 5*/( 
Arbeitsstnnden, das d« letzten ditto. Wir kommen jetzt za einem 
h&klichen Pnnkt. Also anfgepasstl Die Torletzte Arbeitastande ist 
eine gewöhnliche Arbeiteatonde wie die erste. Ni plas, ni moins. Wie 
kann dw Spinner dabei is Einer Arbutastonde «nen Qamwerth pro- 
dndien, der &*/< Arbeitsstnnden darstellt? Er verrichtet in der That 
kein solches Wunder. Was er in Einer Aibeitsstnnde an Oebranchs- 
wertb pradnöit, ist ein bestimmtes Qoantnm Garn. Der Werth diesee 
Oams ist gemessen dnrch 5*/« Arbütestnnden , wovon 4'/« ohne sein 
Znthan in den atandlich verzehrten Prodaktionsmittehi stecken, in 
Baumwolle, Maschinerie n. s. w-, */> oder eine Stande von ihm selbst 
zugesetzt ist Da also sein Arbatslohn in 5'/« Stunden prodncirt wird 
uad das aamprodnkt Einer Spinnstunde ebeuMs 5*/« Arbeitsstunden 
enthftlt, ist es durchaus keine Hexerü, daas das Werthprodukt seiner 
5*/« Spinnstunden gleich dem Prodnktenwerth Einer Spinustande. Dir 
sdd aber daichaas auf dem Holzweg, wenn Dir meint, er verliere ein 
tinz^ies Zätatom seines Arbeitstags mit der Beproduktion oder dem 
„Ersatz" der Werthe Ton Baumwolle, Maschinerie n, s. w. Dadurch 
Man, K^ltül. U 



lyGOOgIC 



— 210 — 

dUB Beine Arbeit ans Baumwolle ood Spindel Oam macht, dadurch 
due er epinnt, g«ht der Wwth von BanmwoUe und Spindel Ton lelbet 
anf das Garn Aber. £s i§t dies der Qnalit&t seiner Arbeit geachnldet, 
nicht ihrer Qoantit&t AUer^nge wird er in einer Stnnde mehr Banm- 
wollwtttb n. a. w. auf Garn überta-agen als in '/■ Stande, aber imr 
weil er in 1 Stunde mehr Baumwolle rerspinnt als in '/i' Qu^ begreift 
also: Ener Aoedrack, der Arbeiter prodncirt in der vorletiten Stnnde 
den Werth seines Arbflitalohns nnd in da: letiten den Beingewinn, 
heisat weiter nichts, als daas in dem GunprodnU von zwei Stmiden 
seines Arbeitstt^cs, ob eie vomod«' hinten stehen. IV/^ Arbeitastiinden 
rerkörpert sind, .grade so vid Stondeo als eein ganzer Arbeitetag i&hli 
Und der Ansdnick, dass er in den erstw 5Vt Standen seinen Arbeits- 
lohn nnd in den letzten 5'/, Standen Ennn Beingewinn prodncirt, 
heiest wieder nichte, als dass Ihr die ersten 5*/^ Stunden zahlt nnd die 
letzten SV« Stunden nicht zahlt. Ich spreche von Zohlang der Arbeit, 
statt der Arbeitekraft, nm Euren slang zu reden. Vergleicht Ihr Hwren 
nun das VerhältniBS der Arbtitsznt, die Ihr zahlt, znr Arbeitezeit, die 
Ihr nitdit zahlt, so werdet Ihr finden, daes es halber Tag zu halbem 
Tag ist, also 1007*, was allerdingB ein artiger Procenteatz. Es unter- 
liegt anch nicht dem geringsten Zmä&i, dnss wenn Ihr Eure „Hände" 
statt 11V, Stunden 13 abschanzt and, was Euch so ähnlich sieht, wie 
tan Ei dem andren, die flberschflssigen 1'/, Stunden znr blossen Hehr- 
arbrit schlagt, letztre von 5Vt Standen auf ?'/> Standen wachsen wird, 
die Bäte des Hehrwerths daher von lOO'/, auf 126Vii%- Dagegen seid 
Hur gar zu teile SaDguii)iker, wenn Ihr hofft, sie werde durch dw Zn- 
eatz Tön l'/i Standen Ton 100 auf 2007« im^ K^ ni^ als 200% 
steigen, d. h. sich „mdir als Terdoppeln''. Andrerseite — des Menschen 
Herz ist ein wonderlich Ding, namentlich wenn der Ueusch sein Herz 
im Beutel trfigt, — B«d Ihr gar zu verrilckto Pessimisten, wenn Ihr 
ntrchtet, mit der Beduktion dee Arbeitstags von ll'/i anf 10'/, Stunden 
werde Euer ganzer Beingewinn in die Brüche gebn. Bei Leibe nicht. 
Alle andren umstände als gleichbleibend vorausgesetzt, wird die Mehr- 
&Theit von S'/i auf 4'/t Standen fallen, was immer noch eine ganz 
erkleckliche Bäte des Hehrwerths giebt, nämlich 62>ViiVo. Die Ter- 
b&ngniasTOlle .fetzte Stande" aber, TOn dw Ihr mehr gofalMlt babt als 
die Chiliasten vom Weltuntergang, ist i,all bosh". Ihr Yerlnst wird 



lyGOOgIC 



— 211 — 

weder Bucb den ,,Beiiigewiim" noch den von Euch verarbeiteten Xindera 
beiderlei Oeechlechts die „Seelenreinheit" kosten"»). 

Wenn einmal Eaer „letztes Stflndlein" wirklich schiigt, denkt ui 
den Professor von Oxford. Und nun: In einei bcssm Welt wünsch' 



"a) Wann Senior bewies, dua an „der latzten Aibeitutnnde" der Bein- 
gewinn der FabrilcAnten, die Eiistenz der englischen BaomwoIlindnatTie, Eng- 
lands Weltmukt^rSBBe hängen, bewies dahinwiedenun Dr. Andrew üre in den 
Eftof, dasB Fabrikkinder onfl junge Personen unter 18 Jahren, welche nun 
nicht volle 12 Stunden in die warme und reine HoT&Uiift der Fabrikstube bannt, 
sondern „eine Stunde" früher in die gemtlthskalte and Mvole AoBaenwelt Tor- 
Btöut, TOD Hfissiggsng und Laster am ihr Seelenheil geprellt werden. Seit 
1S48 werden die Fabrlkinspektoren nicht müde, in ihren halbjährlichen i^^porte" 
die Fabrikanten mit „der letzten", der „rerhKngnisBTollen Stunde" zo necken. 
So sagt Herr HowoU, in seinem Fabrikbericbt vom 81. Hai 1855: „W&redie 
folgende scb arf sinnige Berechnung (er citirt Senior) richtig, so hitte jede Banm- 
woU&brik im Vet. Eanigreich seit 1850 mit Verlust gearbeitet." (Beporta of 
tho Insp. of Fact. for the half ^sar ending 30th AprU 1855" p. IS, 20.) Als 
im Jahr 1848 die ZehnstandenhilldarohaFarlamentgingiOktroTirten die Fabri- 
kanten einigen Normals rbeitem in den ländlichen, zwischen den Onibohaften 
Doraet und Somerset zeratreot liegenden Flachsspinnereien eine Gegenpetition, 
worin es n. A. heisit: „Eure Bittsteller, Eltern, glanben, dass eine zusätzliche 
UnsseHtonde weiter keinen Erfolg haben kann, als die DemoratiBation ihrer 
Kinder, denn Hüssiggang ist alles Lasters Anfang." Hierzu bemerkt der Fabrik- 
bericht vom Sl, Oktober 1848: „Die Atmosphäre der Flachsapinneroien, worin 
die Kinder dieser tngendhaft-zärtlichen Eltern arbeiten, ist geschwlngert mit so 
onz&hligen Staub- and Faaerpartikelchen des Bohmaterials, dass es ausaetordent- 
lich unangenehm ist, auch nur 10 Minuten in den Spinnstnben zuzubringen, 
denn ihr künnt das nicht ohne die peinlichste Empfindung, indem Auge, Ohr, 
NssenliScher und Uund sich sofort fSllen mit Flachsstaubwolken, vor denen 
kein Entrinnen iat. Die Arbeit selbst erheischt, wegen der Fieberhast der Ma- 
schinerie, rastlosen Aufwand von Qeachick und Bewegung, unter der Kontrole 
nie ermüdender Aufmerksamkeit, und es seheint etwas hart, Eltern den Aus- 
druck „Fanllenzerei'.' auf die eignen Kinder anwenden za lassen, die, nach 
Abzug der Essenszeit, 10 voUo Standen an solche Besch&ftdgang, in einer solchen 
Atmosphäre, geschmiedet sind . . . Diese Kinder arbeiten länger alsdie Acker- 
knechte in den Nachbardarfem . . . Soloh liebloses Oekohl über ,JIüssiggaDK 
nnd Laster" mnss als der reinste cant und die schamloseste Heuchelei gebrand- 
mAtkt werden . . . Der TheU des PabUkams, der vor ungefähr zwOlf Jahren 
auffuhr über die Zuversicht, womit man 5ffentlich nnd ganz ernsthaft proklamirte, 
unter der Sanktion hoher Antoritit, dass der ganse „Beingewinn" des Fabri- 



lyGOOglC 



— 212 — 

ich mir mahr Ton Eneni werthm TJntgang. Addio*^! . . Das Signal 
dar von Sonioi 18&6 mtdeckten ,^gitiai Stunde" ward am 15. April 
1848, polemisch gegen du ZehnstimdengasetE, Ton Jtunee 'Wilson, täaeta 
ÜBT SkonomiBohen HanptmandariBe, im „London EeonomiBt" von nmmn 



kknton aus „der letitm Stnnde" Arbeit fliesst, nad d&hsr die BednUJon doa 
Arb^tatags om eineBtunde den Bsingeviiui vemiehtet; dieier Theil dai Pobli- 
kaiDH, Mgen wü, wird kanm Beinen Angen traoen, wenn er nun findet, deae 
die Original-Entdeeknng ftber die Tngenden da „letiten Stande" aeitdem Mwait 
verbesBert worden ist „Honl" und „Frafit" gleichmbaig einniHlilieaBen; eo 
don wenn die DMer der Kindetarbeit aof volle 10 Standen rsdocirt wird, die 
Mioral der Kinder zogleich mit dem Nettogewinn ihrer Anwender flSten geht^ 
beide «bb&ngig von dieser letzten, dieser btilen Stnnde." („Bepte of Inap. 
of Faot for Slet Ost 184B", p. 101.) Derselbe Fabrikbaricht giebt dann 
Proben von der „Moral" nnd „Tagend" dieser Eerm Fabrikanten, von des 
Sehliohen, Pfiffen, Looknngen, Drohmitteln, F&lgebnngen n, a. w., die aie an- 
wandten, om von wenigen gani verwahrlosten Arbeitern dergtetohen Petitionen 
unteneiohnen n maehen, un aie dann als Petitionen einea gaoien Indoitria- 
zweige, ganzer Grafeeliaften, dem Parlament anbnbinden. — Höchst cbarak- 
teriatieeh bleibt es für den heatigen Stand der sogenannten ökonomischen „Wis> 
aeniehaft", dasa weder Senior selbst, der ap&ter >n seinsr Ehre energifoh tOz 
die Fabrikgeeetzgebang »nfbat, nooh seine nnpr&ngliehen nnd spttren Widar- 
saeher, die lYogsohlSsse der „Originalentdeoknng" anfznl&een wnssten. Sie 
appelllrten an die tbats&ebliohe Brfahmng. Dss wh; nnd wherefore blieb 
Hjrsterinm. 

**) Indees hatte dar Herr Professor doch etwas bei seinem Kanchester Ana- 
flng profitirt! In den „Letten on the Faetorf Aot" h&ngt der ganie Rein- 
gewinn, „Profit" nnd „Zini" nnd eogar ,tomething moie* an einer nnbesahltan 
Arbeiteetnnde des Arbeiters! Ein Jahr nvor, in smnen inm Gemeinbestan 
Oxforder Studenten nnd gebildeter Philieter verfusten „Ontlines of Politioal 
Eoonomj" hatte er oaoh gegenüber Bioardo's Werthbeatimmang dnroh die 
Arbeitaseit „entdaokt", daas der Profit aoe der Arbeit das Kapitalisten nnd der 
Zins an* seiner AMetik, seiner „Abatinens" hentamme. Die Flanse selbst war 
alt, aber das Wort ,^bBtineni" nen. Ben Bosoher verdentsoht es richtig dnroh 
^nthaltnog". Seine minder mit Latein beeohlagnen Kompatrioten, Wiithe, 
SchitUan und andre Michels, tuüwn es in „Entaagnng" vennttncht 



lyGOOgIC 



4. Das Hehiprodakt 

Den Thail dee Produkts (>/» von 20 Pfd. Gftm oder 2 Pfd. Own 
in dem Bsiepiel sab 2), worin eich der Hehrwerth dusteUt, nennen 
wir H^TprodnU (enipluB prodnce, produit net). Wie die Bste dee 
HehrwerüiE durch sdn Terhältnise nicht zor Geeammtaamme, sondern 
zniD Tftriablen Beetandtheil dee Kapitale beetimmt wird, so die H^he 
des MehrprodnUs durch sein YerhUtiüss nicht zum Best dee Oesammt- 
prodakte, sondern zum Prodnkttheil, worin sich die nothwendige Arbeit 
danrteUt. Wie die Produktion von Hehrwerth der bestimmende Zweck 
der kapitalistischen Produktion, so nusst nicht die absolute Grösse deo 
Produkte, sondern die relatire QrCsse dee Hehrprodukts, den SChegrad 
des EMchthums**). 

Die Summe der nothwendigen Arbeit und der Hehrarbeit, der Zeit- 
abeohnitte, worin der Arbeiter den Ersatzwerth suner Arbmtskraft und 
den Hehrwerth produciit, bildet die absolute GrOsse seiner Arbätszeit 
— den Arbötstag (working day). 



H) „FOi ein IndiTidnoin mit einem Kapital von 20,000 Pfd. St., desMn 
Profite 3000 Pfd. 8t. j&brlich betragen, w&re ee ein dnichaoa gleichgültig Ding, 
ob sein Kapital 100 odei 1000 Arbeiter beechftfligt, ob die prodncirten Waaren 
■ich zu 10,000 oder 20,000 Pfd. St TaAanfen, immer vorauageaetrt, daes seine 
Profite in allen Pfillen nicht unter 2000 Pfd. St fallen. Iit du reale Intereaie 
siaei Nation nicht daaaalbe? Torauagnetit ihr reales Netteeinkomman, ihre 
Renten und Profite bleiben dieselben, so ist es nicht Ton der geringsten Wich- 
tigkait, ob die Nation ans 10 oder 12 Uillionen Einwohner besteht" (Ric. 
1. e. p. 416.) Lange vor Ricardo sagte der Fanatiker des HehrprodoktB. 
Artbar Young, ein abrigens sehwatischweiflger, kritikloser Sohriftstoller, dessen 
Sof in umgekehrtem TerhftltDise zu emnem Verdienst steht n. A.: „Ton wel- 
chem Nutzen würde in einem modernen Königreich eine ganze Prorinz sein, 
deren Boden in albtCmischerHanier, Ton kleinen, unabhängigen Bauern, meinet' 
wegen noch so gut bebaut würde? Ton welchem Zwecke, ausser dem einzigen, 
Henschen zu eraengen („the mere puipose of breeding men'O, was an ond tBa 
ijch gar keinen Zweck haV (,4b a most useless poipose"). Arthur Young: 
Folitieal Arithmetio etc. London 1774, p. 47. 

Znsatz an Note 34. Bonderbar iat „tbe etrong inclination to represent 
Dpt wealth as benefidal te the labonring das« , . . thougb it is eridenUj not 
on acoount of belüg net" (Th. Hopkins: On Rent of Land ete. London 
1S23, p. 12«,) 



n,gti7ccT:G00glc 



Achtes Kapitel 
Der Arbeitstag. 

1. Di« Grenzen des Arbeitstags. 

Vir gingm Ton der Voranssetzung ans, dasB die Arbeitskraft in 
ihrem Werthe gekanft nnd rerkaoft wird. Ihr Werth, wie der jeder 
andren Waare, wird bestimmt dnrch die zn ihrer Produktion nffthige 
Arbeitszeit Erheischt also die Produktion der durchschnittlichen tftg- 
lichen Lebensmittel des Arbäters 6 Stunden, so mnss er im Dnichachnitt 
6 Standen per Tag arbeiten, um seine Arbeitskraft täglich ni pr«- 
dttciren oder den in ihrem Verkauf eriialtnen Werth zu reprodnciren. 
Dnr nothwendige Theil seines Arbatstags beträgt dann 6 Stunden, und 
ist itiier , unter sonst gleichbleibenden Uraständen , eine gegebne 
CMsse. Aber damit ist die GrOsse des Arbeitstags seihst noch nicht 
gegeben. 

Nehmen wir an, die Linie a b stelle die Daner odsr 

Länge der nothwendigen Arbeitszeit tw, sage 6 Standen. Je nach- 
dem die Arbtit Aber a b nm 1, 3 oder 6 Stunden u. s. w. rerlkngwt 
wird, erhalten wir die 3 verschiednen Linien: 



nnd a — 



die drei verschiedne Arbeitstage ron 7, 9 nnd 12 Standen Torstellen. 
Die VerlängnmgBlinie b c stellt die Länge der Mehrarbeit vor. Da 
der Arbeitstag = u b + t> c oder a c ist, Tariirt er mit der variablen 
ürSsse b c. Da a b gegeben ist, kann das Verhältniss von b c zn 
a b stets gemessen werden. Es beträgt in Arbeitstag I 'i„ in Arbeits- 
tag n '/« und in Arbeitetag IIl V» »ob " 1>- Da femer die Proportion 



Mehrarbeitezeit 
Nftihwendige Arbeitsieit 



- die Bäte des Hehrwerths beet'unmt. ist letrtit 



lyGOOgIC 



— 215 — 

g^ben dnrch jeaea VerbKltniBB. Sie betr&gt in dm ^i venchiedBen 
Arbeitstag«! reepektiTe 16'/i. 50 nnd 1007d- Umgekehrt würde die 
Bäte des Mehrfrerths allein uns nicht die Ortaae des AibätetAge geben. 
Wäre sie z. B. gleich lOO*/,, so Umite der Arbeitstag 6-, 10-, 
I2stündig o. s. w. sein. Sie wArde anie^m, dase die iwei Beettnd- 
theile dee Arbeitstags, nothwendige Arbeit nnd Hehrarbeit, gleich grose 
sind, aber nicht wie groes jeder dieser Theile. 

Dar Arbeitet^ ist also keine konstante, eondem eine variable 
Grosse. Einer seiner Theile ist iwar beetinunt dnrch die eot beetftn- 
digen Reproduktion dee Arbeiters selbst erheischte Arbeiteieit, aber seine 
OeeammtgrösBe wechselt mit der Länge oder Dauer der Mehrarbeit. 
Der Arbeitstag ist äaher bestimmbar, abw an und Kr sich on- 
bestimmt**). 

Obgldeb nun der Arbeitstag k«ne fiwte, sondenm eine fliessende 
Grosse ist , kann er andrerseits nnr innerhalb gewisser Schnaken 
Tariiren. Seine Minim&lBchranke ist jedeeh nnbestimmbar. AUenüiigB, 
setzen wir die Verlingrungslinie b c, oder die Mehrarbeit, — 0, lo 
erhalten wir eine Hinimalschranke, n&mtich den Theil des Tags, 4« 
der .Arbeiter nothwendig in aeiner Selbsterhaltong arbeiten rnnss. Anf 
Grundlage der kapitalistischen Prodaktions weise kann die nothwendige 
Arbeit aber immer nnr einen Theil seines Arbeatstags bildn, itx 
Arbeitstag äeh also nie anf dies Htnimnm vH'kflrzen. Dagegen beeitit 
der Arbeitstag eine Maximalschranke. Er ist Ober eine gewisse Gmue 
hinans nicht rerl&ngerbar. Diese Mazimalschranke ist doppelt bestimmt. 
Einmal dnrch die phjsiscbe Schranke der Arbeitskraft. Ein Mensch 
kann während dee natfirlichen Tags von 21 Stiindai nnr ein bestimm- 
tes Qnnnttun Lebenskraft Teransgaben. So kann ein Ffbrd Tag ans Tag 
ein nnr 8 Stunden arbeiten. Während eines Theils des Tags mnss 
die Kraft rohen, schlafen, während eines andren Theils hat der Mensdi 
andre physische BedOrfnisse zn befriedigen, sich sa nähren, reinigm, 
klüden n. s. w. Ausser dieser rein physischen Schranke stOsst die 
Veriängmng dee Arbeitstags anf moralische Schranken. Der Arbeiter 



") „A daj'a Uboor ia ragae, it m«j be latig or Bhort." „An Esaa; ou 
Trade and Commerce, containing Obwrratiotis od Tsiatioa etc. London ITTV' 
p. 78. 



D,gt,7cdT:GOOglC 



— 216 — 

biancht Zeit edt Befriedigoag göatigar und socialw BedOi&isse, denn 
Umiiuig nnd Zahl durch den lUgemeinoi EnltnnnHUnd bestimmt sind. 
Die Variation dee Arbeitgtags bewegt sich daher innerhalb physischer 
nnd BOtäaler Schlanken. Bnde Schranken sind aber sehr elastischer 
Natnr und erlanben den grOssten Spielnnm. So finden wir Arbeits- 
tage Ton 8, 10, 12, 14, 16, 18 Stnnden, also von der verBchieden- 
sten L&nge. 

Der K^ütalist hat die Arbeitskraft m ihrem Tageswerth gekauft. 
Dim gehört ihr Oebranchswerth w&hrend eines Arbeitstags. Er hat 
also das Beeht erlangt, den Arbeitw wfihreBd eines Tags fßr sich 
arbeiten za lasB«i. Aber was ist ein Arbeitstag'^? JedenbUs weniger 
als ein natflrlicher Lebenatag. um wie viel? Der Kapitalist hat 
seine eigne Ansicht über diese nltima Thnle, die nothwendige Schranke 
des Aibeitstags. Als Kapitalist ist ei nnr personiflcirtee Kapital. 
Sräie Seele ist die Kspitalseäe. Das Kapital hat aber einen einzigen 
Lebenstiieb, den Trieb, sich zn verwerthen, Hehrwerth zu schaffen, mit 
seinem konstanten Theil, den Prodoktionsmitteln , die grOsstmOgUche 
Masse Hdnarbeit eiuznsaiigen '^. Das Kapital ist verstorbne Arbeit, 
die sich nnr Tampjrm&BBig belebt durch EinsaQgnng lebendiger Arbnt, 
nnd nm so mehr lebt, je mehr sie davon cnnsangt Die Zeit, während 
deren der Arbeiter arbütet, ist die Zeit, wfthrend deren der Eqiitalist 
die TOD ihm gekaufte Aibätekraft konsnmirt ^^). Konsnmirt der Arbeiter 



**) DieM Fnge ist unendlich wichtiger als die berühmte Frage Sir Robert 
Peel's an die BirmiDgliamet Huidelskammer: „What ie aponnd?" eine Frage, 
die nur gestellt werden konnte, wril Peel Aber die Nator des Oeldes eben BO 
onklai war als die ,4ittle ahilÜDg men" von Birmingham. 

") „Es ist die Aufgabe des Eapitaliaten mit dem Teramgabten Kapital 
die giOsttmögliehe Snmme Arbeit heranamschlagen." (.J^'obteeir du capital 
apeaei la plus forte somme de tiavail poasible.") J. G. ConioeUe-Seneoil: 
„Tnite thäoriqae et pratiqne des entreprieeB indoBtrielleB. 2üme ädit. Paris 
1857", p. 68. 

**) „An Honi'a Laboor lost in a daj is a piodigione injniy toa commer- 
oiat State." .jThere ia a Tory great eonsomption of lanuiei uoong the 
lalmiuiiig pooi of this kingdom; paitjenlarly among the mannfsctaring 
popnlace; bywhicdi the; also oonamne theii time, the moat fatal of consmup- 
Üons." An Essay on TnAe and Commeroe etc. p. 47 n. 163. 



lyGOOgIC 



— 217 — 

läne disponible Zeit fSr sich selbst , so beatJehlt er den K&pita- 
listens»). 

Der Kapitalist bernft sich also aoi dae Gesetz des Waaienaos- 
tansche. Kr, wie jeder andre E&ofbr, sacht den grOBstmOglichsten 
Nutun ans dem Gebranchswertb seiner Waara heranszoschlagen. FlOti- 
lich aber erhebt sich die Stimme des Arbeiters, die im Sturm nnd Drang 
des Frodoktionsprocesaee reiBtommt war:. 

Die Waare, die ich dir Terkanft habe, anterachüdet sich von dem 
andren WaarenpObel dadurch , dass ihr Gebranch Wolih schi^ und 
grOssren Werth als sie selbst kostet. Dies war der Gmnd, wanim da 
sie kanftest. Was aof deiner Seite als Verwerthnng von Kapital er- 
scheint, ist auf meiner Swte fLberBchflssige Veiaosgabni^ von Arbeits- 
kraft. Dn und ich kennen auf dem Marktplati noi ein Gesetz, das 
des Waarenaustanschs. und der Konsum der Waare gehOrt ni<dit dem 
Verkäufer, der sie reräuBsert, sondern dem Käufer, der sie erwirbt. 
Dir gehört daher der Gebrauch meiner täglichen Arbätskraft. Aber 
vermittelst ihree tftglicheo Terkaubpreises muss ich sie täglich repro- 
duoiren and daher ron nenem verkaufen können. Abgesehn von dem 
natfirlichen Verschleiss dnrcb Alter u. s. w., moss ich fthig s«n, 
morgen mit demselben Normalzustand von Kraft, Geenndhat nnd Frische 
zu arbeiten, wie heute. Dn predigst mir beständig das Evangelium der 
„Sparsamkeit" nnd „Enthaltung". Nun gutl loh will vrie ein ver- 
nOnftiger, sparsamer Wiith mein einrages YenuOgen, die Arbeitskntft, 
haushalten und mich jeder tollen Verschwendung derselben enthalten. 
Ich will täglich nur soviel von ihr flflsaig madien, in Bewegung, in 
Arbeit umsetzen, als sich mit ihrer Kormaldaoer und geennden Ent- 
wicklung verträgt. Durch mablose Yerlängmng des Arbeitstags kannst 
du in Einem Tage ein gr<)ssres Quantum meiner Arbeitskraft flOssig 
machen, als ich in drei Tagen ersetzen kann. Was du so an Arbeit 
gewinnst, verUere ich an Arbsitssubstanz. Die Benutzung möner Arbeits- 
kraft und die Beraubung derselben eind ganz veischiedne Dinge. Wenn 
die Durchschnittsperiode, die ein Durdischnittsarbeiter bei vernünftigem 



■^ „Si le muonvriei übie piend un instant de repoa, röeononde «udide 
qni le niit de« 7001 avec inqnietnde, prätend qu'il la role." N. Ungset: 
„Theorie des Loü Civiles etc. London 1767", t II, p. 4M.) 



lyGOOgIC' 



ÄrbeitsmaTB leben kann, SO Jahre betrfigt, iat der Werth meiner Arbötsknft, 

den du mir einen Tag in den andren zahlst, — ^—oder'/,o,j, ihres 

365 X 30 

GesammtwwthB. EonBomiret du sie aber in 10 Jahreo, so zahlst dn 
mir täglich '/io«Bg statt Vsi&o i^"^ GesaiBiutwerths, also nur Vs üu^ 
Tageswerths , imd stiehlst mir daher tSglich */, des Wertfas meiner 
Wsare. Bn zahlet mir eintägige Arbeitskraft, wo dn dreitäg« ver- 
biBuchst. Du iat wider nnsren Vertrag nnd das Oesetz des Waaren- 
anatanschs. Ich Tsrlange also ränen Arbeitstag von normaler Länge 
nnd ich Torlange ihn ohne Appell an dein Herz, denn in Geldsachen 
hfirt die QemDthlichheit anf. Dn magst ein Hnaterbürger sein, vielleicht 
Hi^ed des Vereins snr Ahschaffong dar Thierqn&lerei and obendrein 
im Gernch der Heiligkeit stehn, aber dem Ding, das du mir gegen- 
ftber r^rSsRitirst , schlägt kein Ken in seiner Brust. Was darin 
sn pocheo scheint, ist mein eigner Herzschlag. Ich verlange den 
Nonnalarbeitatag, weil ich den Werth meiner Wsare veiiange, wie jeder 
andre Verk&nfer*"). 

Hftn sieht: von ganz elaatiscben Schranken abgesehn, ergiebt sii^ 
ans der Natnr des Waarenaostanschs selbst keine Grenze des Arbeits- 
tags, also keine Grenze der Mehrarbeit Der K^iitaliet behauptet sein 
Recht als Käufer, wenn er den Arbeitstag ao lange als möglich und 
wo möglich aus Einem Arbeitstag zwei zn machen ancht. Andrerseits 
achlieest die apecifiacbe Natur der verkauften Waare eine Schranlte ihre« 
Eonsnras durch den Käufer an, und der Arbeiter behauptet sein Becht 
als Verkäufer, wenn er den Arbeitstag anf eine bestimmte Nonnalgrösae 
bcBchränken will. Es findet hier also eine Antinomie statt, Becht wider 
Bedit, beide gteichmässig durch das Gesetz des WssienaaBtauschs 
besi^lt. Zwischm gleichen Sechten entscheidet die Gewalt. Und 30 
stellt sich in der Geechichte der kapitalistischen Produktion die Normiraog 



**) ^^hiend dM grauen Stiike du London buüden, 1860—61, zur Ite- 
dnktioD des Arbeitstage anf 9 Stunden, veiöftsnUiehte ibi Komite eine Er- 
kUmng, die halb und halb aof das Flaidojei onsres Arbeiten hinaoHUnft. 
Die£iklining apielt nicht ohne Ironie daianf an, daae der Profitwüthigste der 
„bnUding mastara" — ein gewiuer Sir U. Feto — im „Qemcb der Heiligkeit" 
Stehe. (Dersalb« Peto kam nach 1867 zn einem Ende mit — StrooBBbergl) 



lyGOOgIC 



des Arbeitstags als Kampf nm die Schlanken des Arbeitstage dar — 
ein Kampf swischen dem OMammt^iipiUI infam , d. b. der Klasse der 
Kapitalisten, und dem Qeeammtarbeiter, oder der ArbeiterUasee. 

2. Der Heisshnnger nach Mehrarbeit. Fabrikant 
und Bojar. 
Das Kapital hat die Uehraibeit nicht erfimdm. neberall, wo ein 
'Tbeil der GeeeUficboft das Monopol der Frodoktionsmittel beeitzt, mtiM 
der Arbeiter, frei oder unfrei, der zu seiner Sdbrterhalttmg noth- 
ifaodigen Arbätazeit DberBchflesige Arbeitezeit zDsati«!, um die Lebens- 
mittel für den Eigner der Produktionsmittel zn prodndren*'), m äkaat 
Eigenthfimer nun atheDieoBischer rialog viaya&^ös, etonskiBcher Theokiat, 
ciris romanna, normfinnischer Baron, amerikanischer SUaraihaltar, 
walaiddschei Bojar, moderner Landlord oder Kqtitalist**). Indess ist 
klar, dase wenn in einer ökonoroiechen Qeeellschaftsformation nicht der 
Taoschwerth, sondern der Oebranchswwth dee Produkts vorwiegt, die 
Mehrarbeit dnrch einen engem oder wwtem Kreis ron BedOr&issen 
beschränkt ist , aber kein schrankenloses Bedlimias nach Hehrarbeit 
ans dem Charakter der Piodoktion selbst entspringt Entsetzlich lägt 
sich daher im Alterthom die Ueberarbeit, wo es gilt dm Tansäiwnth 
in seiner selbständigen Oeldgeetalt in gemnnen, in äst Prodnktion von 
Gold und Silber. Gewaltsames zn Tod arbeiten ist hier die offtcielle 
Form dra Ueberarbeit. Man lese nor den Diodoma Sicolns*^. Doch 

*') „Thoae who labonr ... in reality feed both ths penaioDer« calied the 
rioh, and thenuelTes." (Edmund Borke L c. p. 2.) 

**) Sehr DUT beme^ Niabnhr in teinar ,^iaiacbeii GeMhiehto": uMan 

. kann nah nii^t verhehlen, dau Weike wie die etnukiMhen, die in ihren 

TiQnmem eratanneu, ia kleinen (1) Staaten Fiohnherm und Knechte voians- 

setzen." Viel liefer lagte Siamondi, daaa „BrtUeeler Spitien" Lobnbem nnd 

Lohndiener ToraOMetaen. 

") ,3fan kann diese nnglfliAlichen ^ den Goldbergwerken xwiachen 
Aegypten, Aethiopien nnd Arabien), die nicht einmal ihren KSTper reinlich 
haltoi, noch ihre Blöa*« de<dien können, nicht ansehen, ohno ihr janunerrollea 
Schicksal zn beklagen. Denn da findet keine Nachsicht and keine Schonung 
statt fOr Kranke, fBi Gebrechliche, fti Greise, fOr die weibliche Schwachheit. 
AUe müssen, durah Schiige gezwungen, fortarbeiteu, bis der Tod ihren 
Qualen nnd ihrer Noth ein Ende macht." Diod. Sic. Rletoriscbe Bibliothek, 
Buch 3, c. 13. 



lyGOOgIC 



sind diee AasnalimeD in der alten Welt. Sobkld aber Volker, deren 
Produktion eich noch in den niedritrren Fonnen der SUarenarbät, Frohn- 
arbeit u. s. w. bewegt, hineingezogen werden in einen dnrch die k^ii- 
tBliatieche Prodnktionawetse beberrechten Weltmarkt, der den Yerkanf 
ihrer Produkte ins Ausland znm rorvriegenden Interesse entwickelt, wird 
den barbariscben Greneln der SklaTnm, Leibeigenschaft n. s. w. der 
crriliürte Oreael der üeberarbät aofgepfropft. Daher bewahrte die Neger- 
arbeit in den südlichen Staaten der araerifauiischen Union einen gemUdgt 
patriarchalischen Charakter, so lange die Produktion hanptsächlich aof 
den immittelbaren Selb§tbedarf gerichtet war. In dem Grade aber wie 
der Batunwollexport inm LebenBintereese jener Staaten, ward die üeber- 
arlmtung des Negers, hier and da die Eonsmntion seines Lebens in 
sieben Arbütsjahren , Faktor eines berechneten und berechnenden 
Systems. Eb galt nicht mehr tön» gewisse Hasse nützlicher Produkte 
ans ihm beransznschl^en. Es galt non der Produktion des Hehrwerths 
eelbst. Aehnlich mit der Frohnarbeit, z. B. in den DonanfDrstenüiflmem. 

Die Ver^eichnng des Beisshungers nach Hehrarbnt in den Donau- 
fDrstmitbflmem mit demselben Heisshnnger in englischen Fabriken bietet 
ein besondres Interesse, weil die Mehrarbeit in der Frohnarbeit eine 
selbst^dige, sinnlich wahrnehmbare Form beeitzL 

Gesettt der Arbeitstag zähle 6 Stunden nothwendiger Arbeit and 
6 Stunden Hehrarbeii So liefert der freie Arbeiter dem Kapitalisten 
wOohmUich 6x6, oder 36 Stunden Mehrarbeit Es ist dasselbe, als 
arbeite er 3 Tage in der Woche für sich und 3 Tage in der Woche 
umsonst für den Kapitalisten. Aber dies ist nicht sichtbar. Mehrarbeit 
und nothwendige Arbeit verschwimmen in ünander. Ich kann daher 
dasselbe TerhUtniss z. B. anch so ausdr&cken, dass der Arbeiter in 
fiä.er Minute 30 Sekunden für sich und 30 für den Kapitalisten 
arbeitet n. s. w. Anders mit der Frohnarbat. Die nothwendige Arbüt, 
die der walachische Bauer z. B. tu seiner Selbst«ifaaltung Terrichtet, 
ist nämlich getrennt tou seiner Hehrarbeit f&r den Bojaren. Die one 
Terrichtet er auf seinem «gnen Felde, die andre auf dem herrschaft- 
lichen Gut. Beide Theile der Arbeitszät eiistiien daher selbständig 
neben einander. In der Form der Frohnarbeit ist die Mehrarbeit genau 
abgeschieden von der nothwendigen Arbeit. An dem qnantitatiTOt 
VerhältnisG von Mehrarbeit und nothwend^;er Arbeit Ändert diese rer- 



lyGOOglC 



— 221 — 

BcliiediM Emdieüiinigsfbrm offenlnr DichtB. Drei Tage MehrorMt in 
der Woche bleiben drei Tage Arbeit die kön Aeqniralent fDr dm 
Arbeiter seLbet bildet, ob sie Frohnarbeit hÜBM oder Lobnarbnt. Bü 
dem Eapitalisten jedoch OTBcheint der Heisahnnger nach Mehrubeit im 
Drang zn mablossr Yerlbigning des Arbätetags, bei dem Bojaren «n- 
taeher in nnmittelbarer Jagd anf Frohntoge **). 

Die Frohnarbüt war in den> DonanfltrBtenthflmem rerknOpK mit 
Natoralrenten nnd sonetigem ZnbehOr tos Leibeigenschaft, bildete aber 
den entechrndenden Tribut an die heirschende Elasae. Wo dies der 
Fall, entqirang die Frohnarbot selten aas der LeibdgeDBchaft, Leib- 
eigeoBchaft vielmehr meist umgekehrt ans der Frohoarbeit'^a). 80 in 
den nunänischen Pronnzen. Ihre nreprllngliche Prodnktionswnse war 
auf Qemöntigenthnm gegrOndet, aber nicht auf Oemeineigentham in 
BbtTiseher oder gar indischer Form. Ein Theil der Ländereien wnrde 
als freiee PriTateigenthnm von den Mitgliedem der Gemeinde selbst&ndig 
bewirthschaAet, ein andm Thnl — der ager poblicus — gemeinBam 
von ihnen bestellt. Die Prodnkte dieser gemeineamen Arbeit dienten 
theils als Beaervefonds fDr Missemten und andre Zuf&lle, theils als 
StaatBsobati znr Decknng für die Kosten von Krieg, Beligion nad andre 
Gttneindeanagaben Im Laufe der Zeit neorpirten kriegerische und 
kirchliche WflrdentrAger mit dem Qsmeinngenthnm die Leistungen fllr 



**} Das Nachfolgende beiieht sich auf die Ziutände der nunänUchati 
Fiomien, wie sie aioh vor dar nmwUiang seit dem Krimbieg gestaltet 
hatten. 

"ft] Note nr 3. AdB.) Diee gilt ebenfills f&r Dentechland und apeeiall 
für du oatalbiMhe PieiuMn. Im 15. Jahihnndart war der deateehe Baner 
fut dberall ein, gewiaaen Leiatangen in Produkt nnd Arbeit imtenrorfjnar, 
aber sonst wenigstena faktisch freisi Mano. Die daataohen Kolonialen in 
Biandenbu]^, Pommern, Sohleaien nnd Oatpreossen waren sogar rechtlich ala 
Freie anerkannt. Der Sieg des Adels im Baoeinkrieg machte dem ein Ende. 
Sieht nnr die besiegten aüddentschen Bauen worden wieder leibeigen. 
Sebon seit Hitte dea 16. Jabihnnderts werden die ostpreoaaiacheti, brvideii- 
bnrgiachan, pemmerMhen nnd aehlealMihen, nnd bald darauf auch die achleawig- 
holateiuisohen freien Bauern in Leibeignen erniedrigt. (Haarer, Pionhafe 
IT. Bd. — Heitsen, der Boden dea pi. Staats. — Hansen, Leibeigenachsft 
in SoUetwig-HoIatdn). — D. H. 



lyGOOgIC 



— 222 — 

daasdbe. Die Arbeit der freien Bauern anf ihrem Oemondeland ver- 
wandelte sich in Frohnarbüt t&r die Siebe des Owieinäelandes. Damit 
entwickelten sich zugleich Leibügenechaflfl-Terh&ltnifiee, jodocb nur that- 
sfichlicb, nicht gesetilicb, bis du waltbefretraide BnsBland nnter dem 
Yorwand, die LeibögenBohaft abzuschaffen, sie zum Gesetz ertkob. Der 
Kodex der Frohnarbeit, den der rassische General KiBseleff 1881 pr&- 
Uamirte, war natflriich von den Sojaren sdbst diktirt. Bnsstand er- 
oberte so mit «sem Schlag die Magnaten der DonanfQrstenthtLmer und 
den BeifBÜBklatacb der liberalen Crötins von ganz Enropa. 

Nach dem ,3^1ement oiganiqne", so heiast jener Kodex der Frohn- 
arbeit, schuldet jeder walachiadie Baner, ausser einer Haase dMiUJlirter 
Katoralabgaben, dem s. g. Omndeigflnthflmor 1) 12 Arbeitstage über- 
haupt, 2) änen Tag Feldarbeit imd S) einen Tag Holzfuhre. Snmma 
Snmmanmi 14 Tage im Jahte. Hit tirfn: BSnsicht in die politische 
Oekonomie wird jedoch der Arbütstag nicht in seinem ordinären Sinn 
genommen, sondern der snr Heretellnng eines tfiglichen Dnrchschnitts- 
prodnkts nothwendige Arbeitstag, aber das tif^iche Dnrchschnittsprodukt 
ist pfiffiger Weise so bestimmt, dass kein C;^lope in 24 Standen damit 
fertig würde. In den dflnen Worten echt mssischer Ironie erklärt daher 
das „B^lement" seihet, nnter 12 Arbeitstagen sei das Produkt etaer 
Bandarbeit von 36 Tagen zu verstehn, nnter eiaem Tag Feldarbeit drei 
Tage, nnd unter einem Tag Holzfahr ebenfalls das Dreifache. Summa: 
42 Frohntoge. Es kommt aber hinzn die e. g. Jobagie, Dienstleistungen, 
die dem Gmndberm fQr aneserordentlicbe Produktionsbedfirfnisse ge- 
b&hren. Im Verhältniss znr GrSsse seiner Bevölkernng hat jedee Dorf 
jährlich ein bestimmtes Kontingent znr Job^e zu stellen. Diese zu- 
sätzliche Frobnaibeit wird tQr jeden walachischen Bauer auf 14 Tage 
geschätzt. So beträgt die vorgeschriebne Frohnarbeit 56 Arbeitstage 
jährlich. Das Ackerbanjahr zählt aber in der Walachei wegen des 
schlechten Klima's nur 210 Tage, wovon 40 fOr Sonn- and Feier- 
tage, 30 durchschnittlich fär Unwetter, zusammen 70 Tage ausfaUen. 
Bleiben 140 Arbeitstage. Das Verhältniss der Frohnarbeit znr noth- 

wendigen Arbeit, — , oder 66*/iYa> drOckt eine viel kleinere Bäte dee 

Hehrwerths ans als die, welche die Arb^t des engliBchen Agriknltur- 
oder Fabrikarbeiters regulirt. Dies ist jedoch nur die gesetzlich 



lyGOOgIC 



— 223 — 

rorgnchriebiie Frohiuibeit. Und id noch ^ibenloan" Oöst als 
die engliKhe FabrikgOBat^bnug bat das „B^lement o^^qne" eeme 
eigne Dmgebiuig n erlnditran geirnsst Ngchdem w ana 12 T^fen 
54 genuGht, wird das nominelle T^werk jedes der 54 Frohntage 
wieder so beBtimmt, daas mne ZnbuBse anf die folgendm Tage fallen 
muBfl. In einem Tag z. B. soll eine Landstrecke anagej&tet werden, 
<Ue zn dieser Operation, namentUcb anf den Haispflanznngen, doppelt 
so viel Zeit erheiscbt. Daa gesetzlicbe Tagwerk fttr einzelne Agri- 
knltnraibeitm ist so anslegbar, dass der Tag im Honat Mai anfängt 
und im Honat Oktober ufhOrt. Fflr die Moldau und die Be- 
stimmungen noch härter. „Die zwOlf Frobntage des S^lement orgs- 
niqne", rief ein Biegtninkner Bojar, „belaufen sich anf 365 Tage im 
Jahr!"*») 

War das Reglement organiqne der Donau forsten thümer ein poei- 
tiTor Äasdrnck des BäBahnngers nach Mehrarbeit, den jeder Paragr^h 
legalisiit, bo mnd die englisdien Factory-Acta negative Aosdracke des- 
selben HeiBshnngeis. Dies« Gesetze zügeln den Drang dee Kapitals 
noch marsloser Anasangnng der Arbeitskraft dnrcb gewaltsame Be- 
schränkung des Arbeitstags von Staatsw^en, und zwar von Seit«n 
eines Staate, den Kapitalist und Landlord beherrschen. Von einer 
täglich bedrohlicher anschwellenden Arbeiterbewegung abgeeebn , war 
die Beschränkung der Fsbrikarbeit diktirt dnrcb dieselbe Hothwendig- 
keit, welche den Guano anf die englischen Felder ansgoas. Dieselbe 
blinde Kaubgier, die in dem einen Fall die Erde erschSpft, hatte in 
dem andren die Lebenskraft der Nation an der Wnrzel ergriffen. 
Periodische Epidemien sprachen hier eben so denüicb als das ab- 
nehmende SoldatenmaTs in Deutschland und Frankrdch**). 



**) Weitere Details findet man in: „E Bognsnlt: Hiatoire poiitiqne et 
sociale des Frinoipftatea Danabiennee. Paria 1865." 

**) , Jm Aligemeinen spricht innerhalb gewisser Grenzen fär du Qeddhen 
organischer Weseu das Debendireiten des Uittelmatsea ihrer All Fäi den 
Henaeben verkleinert sicli sein KDrpeimafa, wenn sein Gedeihen beeinträchtigt 
ist, aei ea darob phjaiscbe öder sociale Terhältaissa. In allen enrapäischeD 
L&ndem, wo Konskription besteht, hat seit EinfUimng derselben daa mittlere 
KOrpermab der erwschsnen Mlnnsr nnd im Ganzen ihre Tangliehkeit inm 



lyGOOgIC 



— 224 — 

Der jetBt (1867) grftende Factory-Act tob 1860 erlaubt für den 
dnrebschmttlichen Wochentag 10 Standen , nSmlich für die ersten 5 
Wochentage 12 Standen, von 6 UIit Hoi^ena bia 6 Dhi Abends, wo- 
von aber Vi Stnnde fOr FrflliBtacfc und eine Stunde ttr MittagseBoen 
gesetzlich abgehn, alscf lO'/i AibeitestDnden bleiben, and 8 Standen 
tüi den Samstag , von 6 Uhr Morgens bis 2 ühr Nachmittags, wo- 
von Vi Stande für FrAhstfick abgeht. BMbeo 60 Arbeitsstanden, 
lOVi fOr die ersten filnf Wochentage, 7V| fflr den letzten Wochra- 
tag*'). Es sind Mgne Wfichter des Oeaetzea beetellt, die dem Kini- 
sterinm des Innern direkt ontergeordneten Fabrikinspektoren , deren 
Berichte halbjährig von Parlamentewegen veröffentlicht werden. Sie 
liefern also eine fortlantände and officielle Statistik über den Eapita- 
liatenheisshanger nach Mehrarbeit. 

HOren wir einen Augenblick die Fabrikinspektoren*"). 

KiiegadieDit abgenommen. Vor der Bevolntion (1786) war du Mirimnm tut 
den Infanteiioten in Fiankräiah 16fi Centimettr; 1818 (Gesetz vom 10. Ubz) 
167, nach dem Gesetz vom 21. März 1852, 166 CentimeteT; dnicIuchnitUieh 
in Frankreich wegen mangelnder GrOasa und Gebrechen Ober die Eftlfte aiu- 
gemnetert. Daa HilitärmaCs war in Sachsen 1780: 178 Centimeter, jetzt 155. 
In Frenssen ist es 1S7. Nach Angabe in der Bayriioben Zeitung vom 9. Mai 
1882 von Dr. Meyer, staUt sich nach einem 9jährigen Dniohiohnitt heraus, 
dass in FraOBsen tod 1000 KcnikribirteD 716 untauglich zum Hilit&rdisfut: 
317 wegen MiadermafB nnd 399 wegen Gebrechen .... Berlin konnte 1868 
sein Kontingent an Ersatz-Msnnachaft nicht »tsllen, ea fehlten 156 Mann." 
(J. V. Liebig: „Die Chemie in ihrer Anwendung auf Agrikultur und Fhytiio- 
logie. 1862. T.Anfl." Band f, p. 117, 118.) 

") Die Qeachichte de« Fabrikakte von 1850 folgt im Verlauf dieses 
Kapitels. 

*") Auf die Periode vom Beginn der gioeten Industrie in England bis 
1845 gehe ich nur hier und da ein, und verweise den Leser darttber anf: 
„Die Lage der arbeitenden Klaaae in England. Von Friedrich Engels. Leip- 
zig 1B46." Wie tief Engels den Geist der kapitalistiscbsn Produktionsweise 
begriff zeigen die Faotorj Beports, Beports ob Minea n. a. w.. die seit 1845 
erschienen sind, nnd wie bewundrungawQrdig er dieZnat&nde im Detail malt«, 
seigt der oberflächlichste Vergleich aeiner Schrift mit den IS bis 20 Jahre 
spater veräffentlichten cfficiellen Beports der „Children's Employment Com- 
mission." (186S— 67.) Diese handeln n&mlioh von Indnatrie zw eigen, worin die 
Fabrikgesetzgebung bis 1862 nosh nicht eingeführt war, zum Theil noch nicht 
efaigefDhrt ist. Hier wurde also den von Engels geschilderten Zustftndeu 



lyGOOgIC 



— 225 — 

„Der betrOgerische Fabiikant b^innt die Arbeit eine Yiertelstimde, 
manchmal Mher, manchmal später, vor 6 ühr Morgens, nnd achlieBst 
sie eine Yiertelstnnde, manehmal froher, manchmal spftter, nach 6 Dbr 
Nachmittags. Er nimmt 5 Minoten weg Tom Anfang ond Ende der 
nominell fOr das FrtUutäck anbraanrnten halben Stunde, and knappt 
10 Minoten ab tu Anfang nnd Ende der fllr Mittagseesoi anbeiwimten 
Stünde. Samstag arbeitet er eine Viertelstnade, manchmal mehr, manch- 
mal weniger, nach 2 Uhr Nachmittims- So betrl^ eeia Gewinn: 
Tor 6 Uhr Hoigeiu . . ISMinnteo. 
Nsch 6 Uhr NacfamitUgs 15 „ 
FOt FrBhat&clueit . . 10 „ 
Beim Hittagseas«! 



MinnteD. 



Bnmma in 5 Tagen : SOO Hinaten. 



Wöchentlicher GMommtgei 
340 HioateD. 



An Samstagen. 
Tor 6 übi Morgens . . ISMinnteo. 
Für Frühitüok .... 10 
Nach 2 Uhr NaohmittagB 15 

Oder 5 Standen 40 Minnten wfichentlich , was mit 50 Aibäta- 
wochen moltiplicirt , nach Abiug von 2 Wochen für Feiertage oder 
gelegentliche Unterbrechnngeo, 27 Aibntstage giebt")." 

„Wird der Arbeitstag täglich 5 Minnten über die Normaldaner 
verlängert, so giebt da8'2Vi Fradnktionstoge im Jahr.'^" „Eine sn- 
sätEliche Stunde tftglich, dadurch gewonnen, dasa bald hier ein Stfick- 
chen Zeit erhascht wird, b^d dort ein andres StSckchen, macht ans 
den 12 Monaton des Jahree 18'"'). 



mehr oder minder groBBe Aendrnng nicht TOD anssen anfgehenseht. Heine 
Beiipielo entlehne ich haoptaächlieb der FrelhaDdelflperiode nioh 1848, jener 
paradieaischen Zeit, wotod eben ao groeemäolige ale wissenachafUioh Terwahr- 
loste FioihaDdelahsnaiibQrscheD den Dentachen so fabelhaft riel TOrfanohen. 
— Uebrigens flgurirt England hier nur im Tordeigrond, weil es die kapi* 
taliatiseke Produktion klaoBisah repr&sentirt nnd allein eins of&dell fortlaofende 
Statistik der behandelten Gegenstände beaitit, 

") „SnggestioDB etc. b; Mr. L. Homer, Inspector of FaetorieH", im; 
„Factory Segolation's Act. Ordered by the House of Commons to be printed 
fl. Aog. 1859", p. 4, 5. 

*") „Reports of the Insp. of Fsot. for the half jaar ended 1866", p. 34. 

") .^porta etc. SOth April 1858", p. B. 

K.II, Smpltü I. 15 



lyGOOgIC 



— 226 — 

Krisen, worin die Produktion onterbroclieii nnd nur „karze Zeit", 
nur während einiger Tage in der Woclie, gearbeitet wird, ändern natür- 
lich nichts an dem Trieb nach Verlängeniiig dea Arbeitstags. Je 
weniger Gesch&fte gemacht werden, desto grösser soll der Gewinn auf 
das gemachte Geschäft sein. Je weniger Zeit gearbeitet werden kann, 
desto mehr Sarplnsarbaitszeit [soll gearbeitet werden. So berichten die 
Pabrikinspektoren Aber die Periode der Krise von 1857 bis 1858: 

„Man mag es fOi eine Inkonsequenz halten, dass ii^nd welche 
Deberarbeit zn einer Zeit stattfinde, wo der Handel so schlecht geht, 
aber sein schlechter Znstand spornt rQckeicbtslose Lente zu Ueber- 
schreitnngen; sie sichern sich so einen Extraprofit . . ." „Zor selben 
Züt", sagt Leonhard Homer, „wo 122 Fabriken in meinem Distrikt 
ganz aufgegeben sind, 143 still stehn nnd alle andren kurze Zeit 
arbeiten, wird die Ueberarbeit über die gesetzlich bestimmte Zeit fort- 
gesetzt^*). „Obgleicli", sag^ Herr Howell, „in den meisten Fabriken 
des schlechten Geschäfts stonds wegen nnr halbe Zeit gearbeitet wird, 
erbalte ich nach wie vor dieselbe Anzahl von Klagen, dass eine balbo 
Stunde oder '/^ Stnnden täglich den Arbeitern weggeschnappt (snatched) 
werden dnrch Eingriffe in die ihnen gesetzlich gesicherten Fristen töi 
Mahlzeit und Erholnng '^)". 

Dasselbe Phänomen wiederholt sich anf kleinerer Stafenleiter 
während der furchtbaren Baumwollkrise von 1861 bis 1865'*). 

„Es wird zuweilen vorgeschützt, wenn wir Arbeiter während der 
Speisestanden oder sonst za ungesetzlicher Zeit am Work ertappen, 
dass sie die Fabrik dnrcbans nicht verlassen wollen, und dass es des 
Zwangs bedarf, nm ihre Arbeit (Beinigen d r Maschinen n. s. w.) zn 
nnterbrechm, namentlich Samstag Nachmittags. Aber wenn die „Hände" 
nach Stillsetzung der Maschinerie in der Fabrik bleiben, geschieht es 
nnr, weil ihnen zwischen 6 übr Motens nnd 6 Uhr Abends, in den 



") „Reports ete." 1. o. p. 48. 

*') „Boports atc." 1. c. p. 25. 

") „Reports etc. for half jeftr ending 30th April 1861." Sieh Appendii 
No. 2; „Reporte eto. 31at Octob. 1863", p. 7, 52, 53. Die üeberschreitQngen 
werden wieder zahlreioher mit dem letzten Halbjahr 1863. Vgl. „Reports etc. 
ending 3lBt Oct 1868", p. 7. 



lyGOOgIC 



— 227 — 

geeetzlidi bestimmten Arbeitestanden, keine Frist zur Verriclitiiiig solcher 
Geschäfte gestattet worden iat^^)". 

,J>er dnrch TTeberarbeit fiber die gesetzllcbe Zeit in machende 
Bstraproflt sclieint fflr viele Fabrikanten eine zn grosse Versnchnngr, 
um ihr iriderstehn zu können. Sie rechnen anf die Chance nicht ana- 
gefnnden zn werden nnd berechnen , d&ss selbst im Fall der Ent- 
deckung die Geringfügigkeit der Geldstrafen nnd Gerichtskosten ihneu 
imnter noch eine Qewinubilanz sichert^^". „Wo die zosfitzliche Zeit 
dnrch Mnltiplikation kleiner Diebstahle („a mnltiplikation of small 
thefts") im Lanfe des Tages gewonnen wird, stehn den Inspektoren fast 
nnübemindliche Schwierigkeiten der Beweisfdhnmg im Weg^^". Diese 
„kleinen Diebstähle" des Kapitals an der Mahlzeit nnd Erholnngszeit 
der Arbeiter bezeichnen die Fabiikinspektoren auch als „petty pilferings 
of minntes", Mansereien von Minnten**), „snatching a few miniites", 

") „Reports etc. Slst Oct. 1S60", p. 2S. Mit welchem FanatisiDUs, uacli 
gerichtlichen Aussagen der Fabrikanteo, ihre Fabrikhände sich jeder Üntct- 
braohong der Fabrikarbeit widersetxen, zeige folgendes Kuriosam: Aufaug 
Jani 1836 gingen den Magistrates Ton Dewsbnr; (Yarkshite) Denunciationeu 
ze, wonach die Eigner von 8 grossen Fabriken in der NShe von Bstley d»a 
Fabrikakt TerUtzt hätten. Ein Theil dieser Herren war angeklagt, 5 ^aben 
zwischen 12 nnd 15 Jahren von 6 ühr Morgen des Freitags bis 4 ühr Nach- 
mittag des folgenden Samstage abg'BBrbeitet zu haben, ohne irgend eine Er- 
holung zu gestatten, ansser ffir Mahlzeiten nnd Eine Stande Schlaf am Mitter- 
nacht, und diose Kinder hatUn die raatloae, SO atündigo Arbeit zq Terricbten 
in dem „shoddj-hole", wie die Hohle heisst, worin WoUenlnmpen anfgerisaen 
werden und wo ein Lnftmeer von Stanb, Abfällen n. s. w. selbst den erwacba- 
nen Arbeiter zwingt, den Mond beständig mit ScbnapftQchem la veibinden, 
zum Schutz seiner Lnnge ! Die Herren Angeklagten versiciierten an Eides- 
statt — ale Quäker waren sie zn skrapolüa religiöse Männer einen Eid zu 
leisten, — sie hätten in ihrer grossen Barmherzigkeit den elenden Kindern 
4 Standen Schlaf erlaubt, aber die Starrkiipfe von Kindern wollten doichana 
nicht zn Bett gobn! Die Herrn Quäker wurden zn 20 Ff. St. Geldbnsse rer- 
nrtheilt Drjden ahnte diese Quäker: 

„Fol fall fraught in seeming tancti^, 
That feared an oath, but like the devil wonld lie, 
That look'd like Lent, and had the holj leer, 
And dnrat not sin! before he said his fitj«t\ 

"1 „Eep. et*!. 81. Oct 1856" p. 34. 

■') 1. e. p. 35. 

"^ L c. p. 48. 



n,gt,7cdT:G00glc 



Wegschnappen von Uinnten'*), oder wie die Arbuter es techniscti heisseo, 
„nibbling and cribblisg at meal tifflee"*)". 

Han Bi^t, in dieser Atmosph&re ist die Bildung dea Hehrwerths 
dnTcli die Mehrarbeit kein Geheimnies. „Wenn Sie mir erlaoben," sagte 
mir an sehr respektabler Fabrikheir, „täglich nnr 10 Hinnten üeberzeit 
arbeiten zu laasea, stecken Sie jfihriitji 1000 Pfd. St. in möne 
Tasche'*)'^ „Zeitatome sind die Elemente des Qewinns**)". 

Nichts ist in dieser Hinsicht charakteristischer als die Bezeichnung 
der Arbeiter, die volle Zeit arbeiten, dorcli „fall timea" nnd die der 
Kinder ontw 13 Jahren, die nnr 6 Standen arbeiten dflrfan, als „half- 
times'^". Der Arbeiter ist hier nichts mehr als personificirte Äibdte- 
zeit Alle indindnellen unterschiede lOsen sich anf in die von „Voll- 
zeitler" nnd „Halbzeitler". 

3. Englische Indnstrieiweige ohne legale Schranke der 
Exploitation. 
Den Trieb nach Verl&Dgrang des Arbeitstags, den Wehrwolfsheiss- 
hnnger für Mehrarbeit, beobachteten wir bisher anf «nem Gebiet, wo 
masslose Ansschreitungen, nicht flbergiplblt, bo sagt ein bflrgerlicher 
englischer Oekonom , von den Granaamkeitrai der Spanier gegen die 
Bothhänte Ameiika'a**), das Kapital endlich an die Kette gesetzlicher 
Regulation gelegt habm. Werfte wir jetzt den Blick anf einige Pro- 
dnktionazweige, wo die Anssangnng der Arbrätekraft entweder noch heute 
i ist oder es gestern noch war. 



»} 1. c. 

") 1. c p. 48. 

**) „Moments are tho elementa of proflt," „Bep. of tbe Inap. etc. SOth 
April 1860", p. 56. 

**) Der Anadrook hat of&delle« Bürgerrecht, wie in der Fabrik, bo in 
den FabrikbeticbtbD. 

**) „The copiditj of mill-ownera, wbose crneltiM in pnrsult of gun, 
bave bardl; been ezoeeded b; those perpetratod b; the Spaniarda on tbe con- 
qaest of Amerioa, in the poranit of gold." Jobn Wsde: „Histerj of the 
Middle and Working Cluses. 8d ed. Lond. 1836," p. 114. Der theoretische 
Theil dieaes Bache, eine Axt GmndriH der politiaeben Oekonomie, enthält fOi 
seine Zeit einiges Originelle, t. B. fiber HandelskriseD. Der bistoriiche Thail 



lyGOOgIC 



— 229 — 

„Herr Brooghton, ein Connty Magistrate, erkl&rte als Präsident 
eines Meetings, abgehalten in der Stadthalle von Nottingham, am 
14. Jannar 1860, dass in dem mit der Spitzenfabrikation besch&f- 
tigten Thals der st&dtischen BevOlkenmg ein der Qbrigsn clrilisirten 
Welt unbekannter Qrad von Ltid und Entbehnmg vorherrscht . . . 
Um 2, 3, i Xnxr des Morgens werden Kinder von 9 — 10 Jahren 
iliren scbmatzigfln Betten entrisssn nnd gezwungen, fflr die nackte 
SiÜMistotz bis 10, 11, 12 Uhr Nachts zu arbeiten, w&hrend ihre 
Glieder wegechwinden, ihre Geetalt losammenschrumpft, ihre Gesichts- 
zfige abstumpfen und ihr menschlichee Wesen ganz nnd gar in einem 
steinfthnlichen Toipor erstarrt, dessen blosser Anblick schauderhaft ist. 
Wir sind nicht Oberrascht, dass Herr Mallet nnd andre Fabrikanten 
anftraten, um Protest gegm jede Diskussion eininl^en .... Das 
Sjstam, vrie der Bev. Montagn Valpu es beschrieb, ist ein System im- 
beschr&nkter Sklaverei, Sklaverei in socialer, physisclier, moralischer und 
intellektueller Beziehnng .... Was soll man denken von ein» Stadt, 
die ün Offentlichee Meeting abhält, nm in petitioniren, dass die Arbmts- 
zeit fOr M&ooer t&glich anf 18 Stunden besehr&nkt werden solle! .... 
Wir deklamiren gegen die virginiscben und karolinischen Pflanzer. Ist 
jedoch ihr N^^ermarkt, mit allen Schrecken der Peitsche und dem 
Schacher in Henschenfleisch, abscheolicher als diese langsame Menschen- 
abeoblachtnng, die vor sich geht, damit Schleier and Kragen zmn V or- 
theil von Kapitalisten fobrieirt werden^^?" * 

Die Töpferei (Pottery) von Staffoidshire hat während der letiten 
22 Jahie den Gegenstand drüer parlamentarischen Untersuchungen ge- 
bildet. Die Besnltate und niedergel^ im Bericht des Herrn Schven 
von 1841 an die „Children's Bmploymeut Commissioners", im Bwicht 
des Dt. Greenhow von 1860, veröffentlicht auf Befehl des &rrtUchen 
Beamten des Privy Council (Public Heatth, 8rd Beport, 1, 112—113), 
endlieh im Bericht des Herrn Longe von 1863, in „First Beport of 
the Childrak's Employment Commission" vom 13. Juni 1863. Für 
meine Aolijiinbe genügt es, den Berichten von 1860 und 1868 einige 



leidet an ■ohamloBem Pltgiarismu aas Sir H. Bden'B; „Hiitorj ot the Poor. 
London 1799." 

**) London Daily Telegraph vom U. Jannai 1860. 



lyGOOgIC 



ZeugenansBagen der exploitirten Kinder setbat zn entlehnen. Von den 
Kindern mag man anf die Erwachsenen schlieesen, namentlich M&dchen 
nnd Tranen, und zwar in einem Indnetriezweig, woneben Banmwoll- 
Bpinnerei u. d. g. als ein sehr angenehmes nnd gesundes Qeschüft er- 
scheint**). 

Wilhelm Wood, nenig&hrig, „war 7 Jahre 10 Monate alt, als er 
zn arbeiten h^ann." Er „ran monlds" (tmg die fbrtig geformte Waare 
in die Trodrenstnbe, nm nachher die leere Form znrOckznbringen) von 
Anfang an. Er kommt jeden Tag in der Woche nm 6 ühr Motgena 
nnd hOrt anf ungef^r 9 Uhr Abends. „Ich arbeite bis 9 Uhr Abends 
jeden Tag in der Woche. So z. B. während der letzten 7 — 8 Wochen.'- 
Also fOnfzehnstfindige Arbeit für ein siebenjähriges Kind! J. Mnrraj, 
ein zwölfjähriger Knabe, sagt ans: „I mn monlds and tnm jigger 
(drehe das Bad). Ich komme um 6 ühr, manchmal um 4 Uhr Hoi^ena. 
Ich habe während der ganzen letzten Nacht bis diesen Morgen 8 Uhr 
gearbeitet. Ich war nicht im Bett seit der letzten Nacht. Ausser mir 
arbeiteten 8 oder 9 andre Knaben die letzte Nacht dnrch. Alle anaser 
Einem sind diesen Morgen wieder gekommen. Ich bekomme - wöchent- 
lich 3 ah. 6 d. (1 Tha]er 5 Oioscben). Ich bekomme nicht mdtr, 
wram ich die ganze Nacht durcharbeite. Ich habe in der letzten Woche 
zwti Nächte durebgearbätet." Femyhongh, ein zehnjähriger Knabe: 
„Ich habe nicht immer eine ganze Stonde fQr das Mittagaessen; oft nur 
etae halbe Stunde; jeden Donnerstag, Freitag nnd Samstag*^." 

Dr. Greenhow erklärt die Lebenszeit in den Topferdistrikten von 
Stoke-upon-Trent nnd Wolstanton fOr ansssrordenüich korz. Ot^leich 
im Distrikt Stoke nnr 30.6V., nnd in Wolstanton nur S0,47. der männ- 
lichen Bevölkerung Ober 20 Jahre in den Töpfereien beachäftigt sind, 
fillt unter Männern dieser Kategorie, im ersten Distrikt mehr sJs die 
Hälfte, im zweiten ungefähr Vs der Todeefälle in Folge von Bmstkrank- 
heiten auf die TOpfer. Dr. Boothroyd, praktischer Arzt zu Hanlej, sagt 
aus: „Jede snccessive Generation der TOpfer ist zweighafter and 
schwächer als die vorhergehende." Ebenso ein andrer Arzt, Herr 
HcBean: „Seit ich vor 25 Jahren meine Praxis anter den TOpfem 



•^ Vgl. Engels „Lage etc." p. 249—51. 

•T „Children's Emplojment Conunission. Pirat Report etc. 1863", Appen- 
dii p. 16, 19, 18. 



lyGOOgIC 



— 231 — 

bsgann, hat sich die anffallende Entartung dieser Klasse fortechrntend 
in AbDahme toh Gestalt und Gewicht gezeig:t." Diese Änssa^n sind 
dem Bericht des Dr. Greenhow von 1860 entnommen *B). 

Ans dem Bericht der EommiBsäre Ton 1868 folgendes: Dr. J. 
T. Ariedge, Oberarzt des North Stoffordshire ErtmkenhaoseB, sagt: „Als 
eine Klasse repräsentiren die TOpfer, Männer und Franen . . . eine 
entartete Bevaikerang phjsisch nnd moraliach. Sie sind in der Begel 
verzwergt, schlecht gebant, nnd oft an der Brost verwachsen. Sie 
altem vorzeitig nnd sind korzlob^; phlegmatisch nnd blutlos, verrathen 
sie die Schwäche ihrer Eonsldtation dnrch hartnäckige AnlWe von 
Dyspepsie, Leber- nnd Nierenstöningen nnd Bhenmatismns. Vor allem 
aber sind sie Bmstkrankheiten unterworfen, der Fnenmonie, Phtbais, 
Bronchitis und dem Asthma. Eine Form des letztren ist ihnen eigon- 
thümlich und bekannt unter dem Namen des Töpfto-Asthma oder der 
TCpfer-Scbwindancht. Skrophnloae, die Mandeln, Knochen oder andre 
EOrpertheile angreift, ist eine Krankheit von mehr als zwei Dritteln 
der TOpfer . . . Dasa die Entartung (Degenerescence) der Bevölkerung 
dieses Distrikte nicht noch viel grosser ist, verdankt sie ansachliesslicb 
der Bekrntirang aus den unüi^enden Landdiatrikten und den Zwiachen- 
heirathen mit gesnndren Bacen." Herr Charles Fearaon, vor kurzem 
noch Honse Surgeon derselben Krankenanstalt, schreibt in einem Briefe 
an den Kommissär Longe u. a.: „Ich kann nur aua persönlicher 
Beobachtung, nicht statistisch sprechen, aber ich stehe nicht an zn 
versichern, dass meine EmpOning wieder nnd wieder anfkochte bei dem 
Anblick dieser annen Kind«', deren Gesundheit geopfert wurde, nm der 
Habgier ihrer Eltern nnd Arbeitsgeber zu frShnen." Ei zählt die 
Ursachen der TOpferkrankhät«n auf nnd scUiesst sie knlmuiirend ab 
mit „Long Houis" („langen Arbeitsstunden"). Der Kommissionsbericht 
hofft, dass „eine Manufaktur von so hervorragender Stellong in den 
Aogen der Welt nicht lange mehr den Makel tragen wird, daas ihr 
grosser Erfolg begleitet ist von phTsischer Entartung, vielverzweigten 
körperlichen Leiden, nnd frühem Tode der ArbeiterbevÖlkemiig, durch 
deren Arbeit und Geschick so grosse Besoltate erzielt worden sind*^)". 



•^ „PnbUc Health. 3d Report etc.", p. 102, 104, 105. 
•^ „Children'B Employm. Commisdon. 1863", p. 24, 22 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 282 — 

Wu Ton den Töpfereien in £nglftnd, gilt von denen in Schott- 
land"). 

Die MannhUar TOn SchvefeltiClzeni datirt von 1833, von der 
Erfindung, den Phosphor auf die Zandmthe Balbgt anzubringen. Seit 
1845 hat 810 sich rasch in England entwickelt und von den dicht- 
berOlkerten Theilen Londons namentlich ancb nach HuicheBter, Birming- 
ham, Iiirerpool, Bristol, Norwiäi, Nswcastle, Qlasgow verbrntet, mit 
ihr die Hnndsperre, die ein Wiener Ant schon 1845 als eigenthfim- 
Ucbe Erankh^ der Schwefelhol imscher entdeckte. Die Hillfle der 
Arbiter sind Ejnder nnter IS nnd jnnge Personen nnter 18 Jahren. 
Die Hannfaktnr ist wegoi ihrer Ungesnndheit nnd Widerwärtigkeit a» 
vermfen, dass nnr der Torkommenate Theil der Arbeiterklasse, halb- 
lerhimgerte Wittwen u. s. w., Kinder fUr sie hergiebt, „zerlnmpte, halb 
Terbnngerte, ganz verwahrloste and unerzogne Einder^')." Von den 
%mgm, die Eommiss&r Wbite (1863) verbfirte, waren 270 nnter 18 J., 
50 anter 10 J., 10 nnr 8 nnd 5 nnr 6 J. alt. Wechsel des Arbeite- 
te^ von 12 anf 14 nnd 15 Stnnden, Nachtarbeit, onregelmSse^ 
Uahlzaten. meiat in den Arbeitsränmen selbst, die vom Phosphor ver- 
pestet sind''). Duite wfirde in dieser Hannfaktnr seine graosaniBten 
HCIlenpbantaüen flbertrofTen finden. 

In der Tapetenfabrik werden die graberen Sorten mit Maschinen, 
die feineren mit der Hand (block piinting) gedmckt. Die lebhufteeteu 
QeschiLAsmonate fallen z wischen Anfang Oktober nnd Ende April. 
W&hrend dieser Periode dauert diese Arbeit h&nflg nnd fast ohne 
Unterbrechung von 6 Uhr Yonnitt^ bis 10 Uhr Abends und tief«' 
in die Nachi 

J. Leach sagt ans: „Letsten Winter (1862) blieben von 19 
Mädchen 6 w^ In Folge durch Ueboarbätnng zngezogner Eisnk- 
hräten. Um sie wach in halten, mnss ich sie anschreien." W. Dn^: 
„Die Kinder konnten oft vor Müdigkeit die Angen nicht aufhalten, 
in der That, wir selbst kßnnen es oft kaum." J. Lightbonme: „Ich 
bin 13 Jahre alt . . . Wir arbdteten letsten Winter bie 9 Uhr Abends 
nnd den Wintw vorher bie 10 Uhr. Ich pflegte letzten Winter fast 

") 1. c. p. XLTU. 
") 1. c. p. LIT. 



D,gt,7cdT:GOOglC 



— 2S8 — 

jeden Abend rom Schmerz wnnder FOsse zn Bchieiea." 0. Apsden: 
,, Diesen meinen Jnngen pflegte ich, als er 7 Jahre alt war, aof meinem 
Bücken hin nnd her Aber den Schnee za tragen, nnd er pflegte 16 
Stnnden zn arbeiten! . . . Ich habe oft nieder gekniet, nm ihn zu 
Attem, vfihiend er an der Hascfaine atand, denn er durfte sie nicht 
verlaaeen, oder Btülsetzen." Smith, der geech&ftafflhrende Associä einw 
Mancheater-Fabiik: „Wir (er meint seine „Hände," die für „uns" 
arbräten) arbeiten ohne Unterbrechung für Mahlzeiten , so dass die 
Tageearbeit von lOVi Stnnden nm 4Vi Uhr Nschmittaga fertig ist, nnd 
alles Sp&tere ist üebeizeit^^. (Ob dieser Herr Smith wohl ktine 
Hahlzrit w&hiend lO'/i Stnnden in sich nimmt?) Wir (derselbe Smith) 
hOren selten auf vor ti Uhr Abends (er meint mit der Eonsnmtion 
„unsrer" ArbeitskraftBmaschinen), so dass wir (itemm Crispinas) in der 
That das ganze Jahr durch tJeberzeit arbeiten . . . Die Kinder nnd 
Erwschsnen (152 Kinder und junge Personen nnter 18 Jahren nnd 
140 Erwacfasne) haben gleichm&ssig während der letzten 18 Monate im 
Dnichschnitt allermindeatens 7 Tage nnd 5 Stnnden in der Woche ge- 
arbeitet, oder 78Vi Stnnden wöchentlich. Fflr die 6 Wochen endend am 
2. Mai dieses Jahres (186S) war der Durchschnitt hOher — 8 Tt^ 
oder 84 Standen in der Woche!" Doch fflgt derselbe Herr Smith, der 
dem pluralis m^estatis so sehr ergeben ist, schmunzelnd hinzn: 
„Hasclunenarbeit ist leicht" Und so sagen die Anwender des Block 
Printing: „Handarbeit ist gesunder ale Maschinenarbeit." Im Ganzen 
erkl&ren sich die Herrn Fabrikanten mit Entrostung gegen den Vor- 
schlag, „die Maschinen wenigstens w&hrend der Mahlzeiten still zu 
setzen". ,3in Qesetz," sagt Herr Ofley, der manager dner Tapeten- 
fabrik im Borongh (in London), das „Arbeitsstunden von 6 Uhr 
Morgens bis 9 TJhr Abends erlaubte, wOrde uns (l) sehr wohl zusagen. 

") Dieu ist nicht in nnBrem Sinn der SnTpluBarbeitazeit zn nefanen. 
Diese Herrn betrachten die lOViBtündige Arbeit ak Normalarbeitatag, der also 
aueh die nonnale Mehrubeit eiuBchliesat. Duin beginnt „die Veberzeit," die 
etwas bsMer bezahlt wird. Man wird bei einer ap&tren Gelegenheit sehn, dtsa 
die TerwenduDg der Attwitikraft während dea sogenuinteu Normaltagee onter 
•lemWerthe bezahlt wird, so dasa die „Ueberzeit" ein blower KspitaliatenpfliT 
iit, nn mehr „Mehrarbeit" anainpreesen, waa ea ftbrigens seibat danti bleibt, 
wenn die wihrend des „Nonnalttgea" Terwandte Aibeitskrafi wirkliob voll be- 
zahlt wird. 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 234 — 

aber die Stenden des Factor^ Act von 6 Uhr Morgens bia 6 Uhr Abende 
passen uns (l) nicht . . . Unsre Maschine wird während des Mittag- 
essens (welche Grossmuthl) still gesetzt. Das Stillsetzen Terarsacht 
keinen nennenswertben Verlnst an Papier nnd Farbe. „Aber," fOgt 
er eympatbetisch hlnzn, „ich kann veretehn. dass der damit verbnndne 
Verlnst nicht geliebt wird.'' Der Eommissionebericfat mein naiv, die 
Fnrcht eini^r „leitender Finnen" Zeit, d. h. Aneignongsseit fremder 
Arbeit, und dadurch „Profit zu verlieren," sei kein ..hinreichender Onmd." 
nm Kinder unter 13 nnd jange Personen unter IS Jahren w&hrend 
12 — 16 Stnnden ihr Uittagsmahl „verlieren zn lassen", oder es ihnen 
znznsetzen. wie man der Dampfmaschine Kohle nnd Wasser, der Wolle 
Seife, dem Bad Oel n. b, w. zusetzt. — während des Prodnktions- 
processes selbst, als blossen Hfilftetoff dee Arbeitsmittels'*). 

Kein Indnstriezweig in England — (wir sehn von dem erst neuer- 
dings sich bahnbrechenden Haschinenbrod ab) — hat so altertfafimliche. 
ja, wie man aus den Dichtem der römischen Kaiserzeit ersehn kann. 
TOrchristliche Produktionsweise bis beute beibehalten, als die B&ckerei. 
Aber das Kapital, wie ftoher bemerkt, ist zunächst gleichgültig gegen 
den technischen Charakter des Arbeitsprocesses, dessen es sich bemäch- 
tigt- £!s nimmt ihn zanächst, wie es ihn vorfindet 

Die unglaubliche BrodverfälBchung. namenüicb in London, wurde 
zuerst enthüllt durch das KomM des Unterhauses „Aber die Verfälschang 
von Nahrangsmitteln" (1855 — 56) und Dr. Bassall'a Schrift: ,.Ädnltera- 
tions detected^*)". Die Folge dieser Enthüllnngen war das Gesetz vom 
6. August 1860: ,.for prerenting the adnlteration of articles of food 
and drink," ein wirknngaloses Gesetz . da es natOrlich die bOcbste 
Delikatesse g^en jeden free-trader beobachtet, der sich vornimmt dnrcb 
Kauf und Verkauf gefälschter Waaren ,.to tum an honest penny'^)." 



") 1. 0. Äppondii p. 128, 124, 126, 140 u. LIV. 

'*} Alsnn, fein gerieben, oder mit Süz gemischt, ist ein normaler Handela- 
artikel, der den bezeichnenden Namen „bkker's Btnff" führt. 

^'J Easa iat bekanntlich eino sehr energische Form des Koblenstoffa nnd 
bildet ein DQngmittel, diu kapitalistiacbe Schornsteinfeger an eaglLsobe Pächter 
rorkaofen Eb hatte nun 1862 der britieche „Jaiyman" in einem Procesa zn 
entscheiden, ob Bus«, woldiom ohne Wissen des EäufeTa 60% Stanb ond Sand 
beigemiecbt abd, „wirklicher" RnsE im „komm erci eilen" Sinn oder „geflUscbter" 



lyGOOgIC 



— 235 — 

Das Komitä selbst fonnulirte mehr oder minder naiv seine üeber- 
xeugung, d&ss Preihandel wesentlich den Handel mit ^fälschten, oder 
wie der Engländer es witzig nennt, ..sophisticirten Stoffen" bedeute. 
In der That. diese Axt „Sophiaük" versteht es besser als Protagoras 
echwarz ana weiss und weiss aus schwarx zu machen, und besser als 
die Eleaten den blossen Schein alles Bealen ad ocnloa zu demon- 
striren^"). 

Jedenfalls hatte das Eomit^ die Ängen des Fnbliknms anf sein 
„tägliches Brod" and damit anf die BSckerei gelenkt Gleichzeitig 
erscholl in öfFentUchen Meetings nnd Petitionen an das Parlament der 
Schrei der Londoner Bäckergesellen Aber TTeberarbeitnng n. s. w. Der 
Schrei wnrde so dringend, dass Herr H. S. Tremenheeie, auch Uitglied 
der mehrerw&hnten Kommission ron 1868, zum königlichen Cntar- 
sncbnngekommiesär bestallt wurde. Sein Bericht'^) sammt Zengen- 
aossagen, regte das Pobtiknm aof, nicht sein Herz, sondern seinen 
Magen. Der bibelibste Engländer wnsste zwar, dass der Mensch, wenn 
nicht durch Onadenwahl Kapitalist oder Landlord oder Sineknrist, dazu 
berufen ist, sein Brod im Scbwose seines Angesichts zu essen, aber er 
wnasto nicht, dass er in seinem Brode täglich ein gewisses Quantum 
Menschenschweiss essen muss, getränkt mit Eiterbealenanaleening, Spinn- 
web, schwarzen E&fer-Lfflchnamen und fauler deutscher Hefe, abgeaebn 
von Alaun, Sandstein nnd sonstigen angenehmen mineralischen Ingredien- 



Buss im „gesetzliobeo" Sinn sei. Die „amis dn commerce" entschieden, es 
Bei „wirklieber" kommeroielter Boa», und wiesen den klagenden Pächter ab, 
der noch obendrein die Prooeukoiten za zahlen hatte. 

'*) Der ftanzSeieahe Chemiker Chev&llier, in einer Abhandlang über die 
.^ophieticatioDA" der Waaien, zählt unter 600 nnd einigen Artikeln, die er 
Ite?ne paseiiea lÄHit, fQt riete derselben 10, SO, 30 verecbiedne Methoden der 
Filachnng anf. Er fGgt hinzu, er kenne nicht alle Methoden und erwäbno 
nicht alle, die er kenne. FOr den Zucker giebt er 6 E^Iaohnngaarten, 9 far 
daa OUvenSl, 10 ftlr die Butter, 13 f&i daa Salz, 19 fflr die HUch, 20 täi 
das Brod, 23 für den Branntwein, 24 fär Mehl, 28 für ChokoUde, 30 fOr 
Wein, 82 fOt Kaffee etc. Selbst der liebe Herrgott entgeht dieeem Schicksal 
nicht Sieh: Ronard de Card, de la faleificatlon des subetanoee eacramentelles. 
Paris I8&6. 

") „Report etc. relating to ths Örievanccs complained of bj theJonmey' 
men Baker« etc. London 1862" nnd „Seeond Report etc. London 18SS." 



lyGOOgIC 



— 236 — 

zien. OhDO alle Rücksicht auf Seine Heiligkeit, den „Freetiade", wiirile 
daher die anhero „freie" B&ckerai der Anfeicht von Stutainspektoren 
unterworfen (Ende der Farlamentesiteiing 1863) nnd durch denselben 
Parlamentsakt die Arbeitszeit von 9 ühr Abenda bis 5 Uhr Motens 
für B&ckergeeetlen nnter 18 Jahren verboten. Die letxtre ElanBel spricht 
B&nde flbra die Ueberarbstnng in diesem uns so alträterisch anhrämeln- 
den Geschäftsiwug. 

„Die Arbeit ebee Londoner Bäckergeaellen beginnt in der Bega! 
nm 11 Dhr Nachte. Za dieser Stunde macht er den Teig, ein sehr 
mühsamer Process, der Vi ^iB 'U Btnnden währt, je nach der Grtlsse 
des Qeb&cks und s^er Feinheit. Er legt sich dann nieder auf das 
Knetbrett, das zugleich als Deckel des Trogs dient, worin der Tüg 
gemacht wird , nnd schläft ein paar Standen mit einem Hehlsack 
anter dem Eopf und lünem andren Hehlsat^ anf dem Leib. Dann 
bq^nt eine rasche nnd ununterbrodine Arbeit von 4 Standen, Werfbn, 
Wägen, Formen, in den Ofm schieben, aus dem Ofen holen n. h. w. 
des Teiges. Die Temperatur einee Backhauses beträgt von 75 bis 
90 Grad nnd in den kleinen BackhäuBem dier mehr als woniger. 
Wenn das Geschäft Brod, Wecken u. s. w. zu machen vollbracht ist, 
b^iont die Vertheilong des Brods; and ein beträchtlicher Theil der 
TaglOhner, nachdem er die beschriebne harte Nachtarbeit vollbracht, 
trägt während des Tags das Bred in Körben , oder schiebt es in 
Eatren , von Hans za Haas and operirt dazwischen auch manchmal 
im Backhans. Je nach der JahresEcit nnd dem ümfhng des Qeachäfls 
endet die Arbeit, zwiachen 1 und 6 Uhr Nachmittags, während ein 
andrer Theil der Gesellen bis sp&t nm Mittemacht im Backhaus be- 
schäftigt ist")". „Während der Londoner Saigon beginnen die Qe- 
sellen der Bäcker lo „vollen" Brodprasen im Westend r^müssig 
nm 11 Uhr Nachte, nnd sind mit dem Brodbacken, nnterbrochen durch 
einen oder zwei oft sehr kurze Zwischen ränme, bis 8 Uhr des näch- 
sten Hoi^ens beschäftigt. Sie werden dann bis 4, 5, 6 Ja 7 Uhr 
zur Brodheramträgerei vemutit oder manchmal mit Biscnitbackffli im 
Backhans. Nach vollbrachtem Werk gemessen sie einen Schlaf von 
6, oft nur von 5 und 4 Standen, Freitags beginnt die Arbeit stets 

'*) L e. First Beport eto. p. XL. 



D,gt,7cdT:GOOglC 



— 287 — 

froher, sage Abende 10 Uhr und danert ohne Unterlaae, sei ee in der 
Zubereitung, sei es in der Kolportirung dee Broda, bis den folgend« 
Samstag Abend 8 IJhr, aber meist bis i oder 5 übr in Sonntag Nacht 
hinün. Anch in den vornehmen BäcVereieu, die das Brod lum „vollen 
Prräse" verkaufen, mosa wieder 4 — fi Stunden am Sonntag vorbereitende 
Arbeit fBr den nächsten Tag verrichtet werden . . . Die Bäclergesellen 
dar „nnderselling masters" (die das Brod nnter dem vollen Preis ver- 
kaufen), nnd diese betragen, wie Mher bemerkt. Aber 'Ji der Londoner 
B&cker, haben noch l&ngere Arbeitsstnnden, aber ihre Arbeit ist hat 
ganz auf das Backhaus beschränkt, da ihre Heister, die Liefernng an 
kleine Eraml&dsn ansgenommen, nur in der eignen Boutiqoe verkaufen. 
Gegen „Ende" der Woche, d. h. am Donnerstag, b^innt hier die Arbeit 
um 10 Uhr in der Nacht und dauert bis tief in Sonntag Nacht 
hinein^*)." 

You den „nnderselling masters" begreift selbst der bOrgerliche 
Standpunkt: „die nnhezahlte Arbeit der Geselleu (the nnpaid lahonr 
of tha men) bildet die Grundlage ihrer Eonkurrenz" "]. Und der 
„foU priced baker" deouncirt seine „nnderselling" Eonkurrenten dn 
TJutersuchungekommiBsion als Diebe fremder Arbeit und Fälscher. ,^16 
reussiren nur dnrch den Betrag des Pnbliknms nnd dadurch dass sie 
IS Standen ans ihren Gesellen f&r einen Ijohn von 12 Standen herans- 
schlagen ' ')." 

Die Brodftlschnng und die Bildung einer B&ckerklasse, die das 
Brod unter dem vollen Preis verkanft, entwickelten sich in England 
seit Anfang des 18. Jahrhunderts, sobald der Zunftcharakter des Gewerba 
verfiel and der Kapitalist in der Gestalt von Hflller oder Hehlfaktor 
hinter den nominellen B&ckenneister trat"*). Damit war die Grundlage 

'•) 1. c. p LISI. 

••) Oooi^ Read: „The History of Baki -g. Loodon 1848," p. 16. 

"1 Beport (First) eto. Evidence. Aassage des „fntl prieed baker" Cbeeae- 
mau p. 106. 

*■) George Bead 1. c. Ende dea 17. und Anfangs des 18. Jahrbnaderta 
worden die in alle mSglioben Gewerbe eich eindrAngeaden Factor« (Agenten) 
noch offleiell aU „Public Noluncei" deimncirt So erliesB z. B. die Grand 
Jury, bei der vierteljährigen Frieden arictiteraitzang in der UrafBchHftSiimeraet, 
ein „presentment" an da« Unterhane, worin es n, a beisst; „that thei'' factura 
of Blaokirell Hall mre a Fnblick Nnisance and Prejodice to the Clotbing Trade 



lyGOOgIC 



znr kapitaUstiachen FrodaktioD. zur nuttBloaan Verlängrnng dee Arbeits- 
tages und Nachtarbeit gelegt, obgleich letztre selbst in London «rgt 
1824 ernsthaft Fass fasete^^). 

Man wird nach dem Vorhei^henden verBtehn.. dass der Eommis- 
sioDsbericlit die Bäckeigesellen zu den kurzlebigen Arbeitern zählt , die 
nacbdem sie der unter allen Tbeilen der Arbeiterklasse normalen Eindcr- 
decimation glacklich entwiecht sind , selten äas 42. Lebensjihr erreichen. 
Nichte desto weniger ist das Bfickergeweib stete mit Kandidaten Oberfflllt. 
Die Znfnhrquellen dieser ..Arbeitekräfte" fiir London sind Schottland , die 
weetljchen Agriknlturdistrikte Englands und — Deutschland. 

In den Jahren 1858 — 1860 oi^nisirten die Bäckergesellen in Ir- 
land auf ihre eignen Kosten grosse Meetings zur Agitation gegen die 
Nacht- und Sonntagsarbeit, Das Publikum, z, B. auf dem Maimeeting zu 
Dublin. 1860, ergriff mit irischer Wärme Partei fUr sie. AusBchliesslicIie 
Tagarbeit wurde durch diese Bewegung in der That erfolgreich durch- 
gesetzt zu Weiford, Kilkennj, Clonmel, Waterford u. s. w. ..Zu Limerick. 
wo die Qualen der Lohngesellen bekanntennassen ;ilteü Mass überstiegen, 
scheiterte die Bew^ung an der Opposition der BBckermeister, namentlich 
der Bäcker-MfUler. Das Beispiel Limerick'a führte zum BDckscbritt in 
EnnJs nnd Tipperarj*, Zu Cork, wo der fififentliche Unwille sich in der 
l^haftest«n Form kundgab, vereitelten die Meister die Bewegung durch den 
Gebrauch ihrer Macht die Gesellen an die Luft zu setzen. Zu Dublin 
leisteten die Meister den entschiedensten Widerstand und zwangen ~ durch 
Verfolgung der Gesellen, die an der Spitze der Agitation standen, den Best 
zum Nachgeben , zur Fügung in die Nacht- und Sonntagsarbeit**). ■■ Die 
Kommission der in Irhmd bis an die Zähne gewaiBieten cnghschen Begie- 
rung remonstrirt leichenbitterlich gegen die unerbittlichen Bäckermeister v<»i 
Dublin, Limerick, Cork u. s, w.: „Das Komite glaubt, dass die Ärbeita- 
stunden durch Naturgesetze beschränkt sind, die nicht ungestraft verletzt 
werden. Indon die Meister durch die Drohung sie fortzi^agen, ihre Ar- 
beiter zur Verletzung ihrer religiösen TJebenengong, zum ungehorsam gegm 



and ought to be pnt down aa a Naisance." („The Cage of onr English Wool 
etc. London 1685", p. 6, 7.) 

") Fiiat Report etc. p. VEI. 

■ ) „Beport of Committee od the Baking Trade in Ireland for 1861." 



lyGOOgIC 



(las Landesgesete und die Verachtung der öffentlichen Meinung zwingen." 
(diee letztre bezieht sicli all« auf die Sonntagsarbeit) , ,^tzen sie bö«i» 
Blut zwischen Kapital und Arbeit und geben ein Beispiel, gefülirlich für 
Religion. Horalität und öffentliche Ordnung . . . Das Eomite glaubt, daiis 
{lie Verlängerung des Arbeitstags Qber 12 Stunden ein usurpatorischer Eiii- 
trriff in das häusliche und Privatleben des Arbeiters ist und zu unheilvollen 
moralischen Resultaten fQhrt, durch Einmischung in die Häuslichkeit eines 
Mannes und die Erfüllung seiner Familienpflichten als Sohn, Bruder, Gatte 
und Vater. Arbeit über 12 Stunden hat die Tendenz die Gesundheit des 
Arbeitere zu untergraben, ffthrt zu vorzeitiger Alterung und frühem Tod 
lind daher zum Unglück der Arbeiterfamilien, die der Vorsorge und der 
Stütze des Familieuliaupts grade im noth wendigsten Äi^nblick beraubt 
werden" („are deprived") *'•). 

Wir waren eben in Irland. Auf der andren Seite des Kanals, in 
Schottland, dennncirt der Ackerbauarbeiter, der Mann des Pfluges, seine 13 
bis 14stilndige Arbeit, im nuihsten Klima, mit vierstDodiger Zusatzarbeit 
für den Sonntag (in diesem Lande der Sabbat^Heiligen!)**). während toi' 
einer Londoner Grand Jury gleichzeitig drei Eisenbabnarbeiter stehn. ein 
Fersonenk(mdnktenr, ein Lokomotivführer und ein Signalgeber. Ein grosses 
Eisenbahnunglück hat Hunderte von Passagieren in die andre Welt eipe- 
(lirt. Die Nachlässigkeit der Eisenbabnarbeiter ist die Ursache des Un- 



")1. c 

"*) Oeffentliches Meetiog dor Agrikultuiarbeiter iu Laaswade, bei QIu- 
gow, vom 5. Jan. 1866. (Sieh „Workman's Advocitta" vom IS. Jan. 1366.) 
Die Bildung, seit Ende 1865, einer Trade's Union unter den AgriknltararbfliteTD, 
zunächst in Schottland, ist ein hiBtoriscbes Ereignias. In einem der nnter- 
drilcktesten Agrikultnrdigtrikte EngUnda, in Bnckinghamsbire , machten die 
Lohnarbeiter Hüz 1867 einen grossen Sbike zur Erhübung des Wocbenlohna 
TOD 9—10 st auf 12 at. — (Man sieht aus Torateheadem, dus die Bewegung 
des engliaalien AckerbaDpraletatiats , seit Unterilrückang aeiner gewaltsamen 
Demanstrationen nach 1830 nnd nameutlicb seit Einführung des nenen Armen- 
gesetzes ganz nnd gar gebrochen, in den secbsziger Jahren wieder beginnt, 
bis sie endlich 1672 epochemachend wird. Iah komme hierauf im IL Band 
znrBok, ebenso auf die seit 1867 erschienenen BlanbQcher Qber die Lage dea 
englischen Landarbeitera. Zusatz zur 8. Anfl.) 



lyGOOgIC 



— 240 — 

glucks, Sie eitllii«!! vor den Ocecbwomen einstiininig, vor 10 — 12 Jahren 
habe ihre Aiheit nur 8 Stoiulen täglich gedaneri Wfthmid der letrten 
5 — 6 Jahre habe man sie anf 14, 18 and 20 Stnndot an^eechraobt und 
bei beeondeis lebhaihm Zudrang der Beiselnstigen, wie in den Fehodfoi der 
Eikimiione-trainB , w&hre sie oft ununterbrochen 40 — 60 Stunden. Sie 
seien gewflholiche Menschen und keine Cjklopen. Auf einem gegebeneQ 
Punkt versage ihre Arbeitakraft. Torpor ergreife sie. Ihr Hirn höre auf 
EU denken und ihr Auge zu sehn. ' Der ganz und gar „reepectable British 
Jniynian" antworiet dorch ein Verdikt, das sie wegen „manalaughter' 
(Todtschlag) vor die nfichsten Assisen schickt, und in einem milden An- 
hang den frommen Wnnsch Äussert, die Herren Kapitalmagnaten der 
Eisenbahn mOchten doch in Zukunft verschwenderiBcher im Ankauf der 
nCthigen Anrjthl von „ArbeitskrÜlen'' und „entlialtstuner'* oder „mtsagen- 
dei" oder „sparsamer" in der Auasangung der bezahlten Ärbeitekraft 
sein "). 



"») „Rejnold»' Papet" vom 20. Jan 1866. Woche flir Woche bringt das- 
aelbe WoobenMatt gleich darauf, unter den „seiiBatiaDal heading«": „Fearfol 
and fatal secidants" „Appalüng tragedieB" u. b. w., eine ganie LiBte neuer 
EiaeDbahnkatastrophen. Darauf antwortet ein Arbeiter von der North Stafford- 
tinie: „Jedermann kennt die Folgen, wenn die Anfmerksamkeit Ton Lokomo- 
tiTenfObrer und Hei:eT einen AugBobliek erlahmt. Und wie ist bb anders mög- 
licb bei marnloser YcrläDgerong der Arbeit, im ranhBten Wetter, ohne Fanee 
und £rhoIang? Nehmt als ein Baispiel, wie es tiglich Torkonunt, folgenden 
Fall. Letzten Hontag begann ein Heizer sehr frDh Horgens sein Tagewerk. 
Ei endete es nach 14 Standsu, SOHinnten. BeTOr er anch nur die Zeithatto, 
seinen Thee zn nebmeo, rief man ihn von nenem an die Arbeit. Er hatte alao 
29 Stunden, 15 Minuten nnaeterbrocben darehznBohanzen, Der Beat seines 
Wocbenwerksaargemauht wie folgt: Mittwoch ISStnnden; Donnentag 15 Stan- 
den, 35 Minateoj Freitag 14V| Standen; Sonnahend 14 Stunden, 10 Hinuten; 
zueanmen ffli die Woche SB Stundae, 40 Miauten. Und rnn denkt euch Bein 
Erstaanen, als er nnt Zahlung ffli 6 Arbeitstage erhielt. Der Mann war ein 
Neuling and fragte, was man nnt«r einem Tagewerk Terstebe. Antwort: ISStun- 
deo, atao 78 Standen per Woche. Aber wie mit der Zahlung fUr die flber- 
■chUssigen 10 Stunden, 40 Minn'en? Nacb langen Hader erhielt er etneTer- 
g&tung Ton 10 d. (noch nioht 10 Siibergcoscheu)." L c. Nr. Tom 4. Februar, 



lyGOOgIC 



— 241 — 

Aqb dem buntscbeckigen Haufen der Arbeiter von allen ProfeeBkHun, 
Altern, Qeechlechtsm, die eifriger auf uns andrftngen ais die Sedm der 
ETBchlaf^enen auf den OdjssenB, und denen man, ohne die BlanbOchei oster 
ihrrai Armen, anf den ersten Blick die üeberarbeit ansieht, greifen wir noch 
zwei F^nren heraus, deren frappante Kontrast beweist, daa9 vor dem Ea- 
pital ^e Menschen gldch sind, — eine Fnizmachnin und einen Qrob- 



In den letzten Wochen vom Joni 1863 brachtrai alle Londoner Tages- 
bl&tter einen Paragraph mit dem „eensational" Anshängeschild: „Death 
&om simple Orerwoik" (Tod von einfacher üeberarbeit). Es handelte sich 
am den Tod der Fntzmachein Hai; Anne Walkley, Ewanzigj&hrig , be- 
achfiftigt in einer sehr rt^i^rtablen Ho^tzmannfoktnr , eiploitirt von einer 
Dame mit dem gemfithlichen Namen Elise. Die alte oft erzfthlto G^ 
schichte ward nun neu entdeckt'*), dass diese MOdchen dnichschnitUich 
16V| Standen, w&brend der Saison aber oft 30 Standen ononterbrodten 
aitwiten, indem ihre versagende „Arbeitsknift" durch gelegentliche Zufuhr 
von Sheny, Portwein oder Eafiee flOseig erhalten wird. Und es war grade 
die Hohe der Saison. Es galt die Prachtkteider edler Ladies fOr den Hui- 
digungsball bei der frisch impordrten Frinzeeain von Wales im ümsehn 
fertig zu zaubern. Mai? Anne Walkley hatte 26 '/^ Stunden ohne Unter- 
lass gearbeitet zusammen mit 60 andren Mädchen, je 30 in einem Zim- 
mer, das kaum '/, der nOthigm EnhikzoUe Lnft gev&hrte, während sie 
N^achts zwei zu zwei Ein Bett theilten in einem der SticklOcher, worin ein 
Schla&immer durch veischiedne Bretterwände abgepfeicht ist"*). Und dies 



") Vgl. F. EngdB 1. 0. p. 853, 254. 

") Dt. Lethebr, beim Board of Health fankldoDirendei Arzt, erklärte da- 
mals: „Du Minimnm fQr die ETvocbBenen sollte in einem Schlafzimmer 300 
KnbibfoM and in einem Wohnzimmer 500 Eubikfuss Loft sein." Dr. Bichard- 
lon, Oberarzt einea Londoner Hoipitala: „Näherinnen aller Art, Potzmaoherin* 
Den, Eleidermaoherinnen nnd gewähnliche Näherinnon leiden an dreifachem 
Elend — üeberarbeit, Lnftmangel nnd Mangel an Nabnmg oder Mangel an 
Yerdanong. Im Ganzen pasat diese Art Arbeit miter allen ünutSndeB beaaer 
ffir Weiber als f&r Hinner. Aber ee iat das Unheil des Oeich&fta, daaa es, 
DunentUch in der Haoptatadt, von einigen S6 Kapitalisten monopolisirt wird, 
die dnicb Machtmittel, welche dem Kapital entspringen (that spring from 
capital), Oekonomie ans der Arbeit heranazwingen (force economy oat of laboor; 
Hux, K^oü I. Id 



lyGOOgIC 



— 242 — 

war cue der besseren PutzmacheTeien Londons. Mary Anne Wiilkley 
erkrankte am Freitag und starb am Somitag, ohne, zom Erstaonen tdh 
Frau Elise, atudt mir vorbw das letete Fatietflck fertig zu macbeo. Dar 
zu qifit ans Sterb^wtt gemfDe Äizt, ^rr K^s, beseugle vor der Conm»-'& 
Jniy in dfinen Worten: „Maty Anne Wajkle; sei gestorben au langen Ar- 
baisstundan in einem aberffilltem Aibeitezimmer und Qbemigem Bchlecht- 
ventilirtem Schlafgemach." Um dem Aizt eine Leirtion in guter Lobensajt 
zu geben, OTklärte dagegen die „Coronra's Jm;": ,J>ie Hingeechiedne sei 
gestorben an der Ap(q>lexie, ab« ee sei Gnmd, zu fürchten, dass ihr Tod 
dnrcb Uebeiaibeit in einer ftbeifUlten Werkstatt u. s. v. beschleunigt 
worden sei." Unsre „weissen Sblaven", rief der Moming Star, das OrgsD 
der Freihanddahenn Cobdoi nnd Bright, „nnare weissen Sklaven werden in 
das Grab hinöngearbeitet nnd verdaten und sterben ohne Sang nnd 
Klang ")". 



er meint. Analagen äkanomiiiren dnroh VerschwendaDg der Arbeitskraft,] Ihre 
Mftdit wird im Bereich dieaer ganzen Kl&sse von ArbeiterinDeD gefohlt. Kann 
eine Kludetmocherin einen kleiaen Eieie von Kunden gewinnen, so zwingt die 
Konkorrenz üe, sich zn Hange todt zu arbeiten, um ihn zu erhalten, und mit 
derselben üeberaibeit mass sie nothirendig ihre Gohülfionen hoimBacben. Hias- 
lingt ihr Geschäft oder kiuin sie sich nicht Belbat&ndig etablirea, so wendet 
sie sich an ein EtAhliasemant, wo die Arbeit nioht geringer, aber die Zahlung 
aioher ist. So gestellt wird aie eine reine Sklavin, hin nnd her geMhlandert 
von jeder Flnthung dei Geeellschaft; bald zuEanae in einem kleinen Zimmer 
verhongemd, oder nahe so; dann wieder von 24 Stunden 15, 16, ja 18 Stan- 
den beschäftigt in kaum erträglieher Lnft nnd mit einer Nahrung, die, seibat 
wenn gut, wegen Abwesenheit reiner Loft nicht verdaut werden kann. Ton 
diesen Opfern lebt die Sohwindsncht, welche nichts all eine Luftkrankheit ist." 
(Dt, lUt^aidsoD: „DeaÜi fivm simple Overwork" in „Social Science Bevisw", 
Juliheft, 1803.) 

M) Homing Star, 23. Joni 1893. Die Times benutzte den Vorfall lor 
Verthaidignng der amerikanisohen Sklavenhalter gegen Bright a. a. w. „Sehr 
viele von nna", sagt sie, „meinen, dass so lange wir nnsre eignen jungen 
Franensinuner zu Tode arbeiten, mit der Geissel desHnogera statt dem Knall 
der Feitache, wir kaum daa Becht hatwn, Feuer and Schwert auf Familien 
zu hetzen, die als Sklavenhalter geboren waren und ihre Sklaven mindosteua 
. gut nihren nnd m&sdg arbeiten lassen." (Times, Jnli 2, 1833.) In derselben 
Weise kanzelte der Standard, ein TorjbUtt, den Bev. Newman Hall ab: „Er 
eikommunicirc die Sklavenhalter, bete aber mit den braven Leuten, die Kot- 



lyGOOglC 



— 243 — 

„Zu Tod itfbeiten ist die Tagcsordnong, nicht aur in der Werkstätte 
d» Putzmadtennnen, sondern in tansmd Flfttzen , ja aa jedem Platz , wo 
dae Geschäft im Zog ist . . . Lasst uns den Grobechmied ata Beispiel 
nehmai. Wenn man den Dichtem glaube darf, giebt es kdnen so 
lebenskrfiAigffii, lustigen Uann als den Grobechmied. £r erhebt sidi frOh 
und schlfigt Fanken vor dei Sonne; er isst and tiinkt und si^äft vie 
kein andrer Mensch. Bein phj'sisch betrachtet, befindet er sich, bei 
mitsBiger Arbeit, in der That in einer der besten maischÜchen Stellungen. 
Aber wir folgen ihm in die Stadt mtd sehn die Arbeitslast, die anf den 
Stadien Mann gewälEt wird, und welchen Bang nimmt er ein in den St«rb- 
liofakeitBlisten nnsres Landes? Zu Marjlebone (einem der grössten Stadtviertel 
Londons) sterben Grobechmiede in dem Verhältnise von Sl per lOOO jähr- 
lich, oder 11 über der Durchscbnittssterblichkeit erwachsner Uäoncr in 
England. Die Beech&fligung, eine &st instinkliTe Ennst der Menschheit, 
an und für sich bdetlos, wird durch Uoese Uebertrabnng der Arbeit d«- 
ZeratQrer des Mannes. Er kann so viel Uammerschlfige täglich sohlaj^, 
so viel Schritte gehn, so Tiel Alhemiilge holen, so viel Werk Tenichten, 
and durchsdmittjich sage 50 Jahre l^ien. Man swingt ihn, so riel mehr 
Schläge zu schlagen, so viel mehr Schritte zu gf^, so viel Qfler des 
Tags zu athmen, und alles zusammen seine Lebensaufgabe tägüch nm ein 
Viertel zu Termehien. Er macht den Veisnch, und das BesniHat i^t, dass 
er fQi eine beschränkte Periode dn Viertel mehr We:^ verrichtet und im 
87. Jahre statt im 50. stirbt *i)." 



■eher und OmnibaBfQhier von London o. b. w. nur 16 Stunden ti^ch tax 
einen Hondelohn arbaiteii lieasen." Endlich sprach das Orakel, Heir Thomaa 
Carijle, von dem ich schon 1850 drucken Uesa: „Zum Teufel ist der Geniiu, 
der Kultus ist geblieben." In einer Irarzeu Parabel reductrt er das einzig 
grossaitige Ereigniss dei Zeitgngohicbte , den amdrikamschen Bürgerkrieg, 
darauf, dus der Pet«r vom Norden dem Paul vom SSden mit aller Gewalt 
den Hiroach&del einacUagen will, weil der Petei vom Norden seinen Arbeiter 
„tägliob" and der Faul vom Süden ihn f(ir „Lebzeit miethef '. (Macmillan'B 
Magazine. Iliae American» in nuce. Ängostbeft 18G3.) So ist endlich die 
Sohanmblase der Torjsympathie für den Btädtäachen, bei Leibe nicht den 
ländlicfaeul — Lohnaibeiter gepiatei Der Kern heisit — Sklaverei! 
") Dr. Richaidson L o. 

16* 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 244 — 

4. Tag- und Nachtarbeit. Daa ÄblOsunf^BSystein. 
Das tranetante Kapital , die FrodnktioDsmitte), Bind, vom Standpunkt 
dee VerwertliuiigBproceBsee betrachtet, anr da, um Arbeit und mit jedem 
Tropfen Arbeit ein pToportifxiellee Quantum Mäiiarbeit einzusau^n. So 
weit sie das nicht thnn, bildet ihre bloese Existenz einen negativen Ver- 
lugt f&T den Kapitalisten, denn de repr&sentiien während äer Zeit, wo sie 
brach liegen, nutzlosen Kapitalvoischuss, und dieser Verlust wird pa«tiT, 
sobald die Unterbiechnng zusAtzliche Auslagen nSthig madit für den Wie- 
derbeginn dee Werk». Die Verlängerung des Arbeitstags Aber die Clrenzm 
des natürlichen Tags in die Nacht hinein wirkt nur als Palliativ, stillt 
nur amÜLhemd den Vampyidoist nach lebendigem Arbeitsblut Arbeit 
während aller 24 Standen dee l^igs aozaaignen, ist daher der immanente 
Trieb der kapitalistischen ProdnktiDn. Da diess aber physisch oninAglich, 
wfirdea dieselben Arbeitskräfte Tag und Nacht fortwäbrdnd ausgesangt, so 
bedarf ee, inr Uebra-windnng dee physischen Hindemisses, der Abwechslung 
zwischen den bä Tag und Nacht veispeisten Arbeitskräften, eine Abwechs- 
lung, die Terschiedne Methoden zuläast, z. B. so geordnet sein kann, dass 
ein Theil dee Ärbeiterpeisonala eine Woche Tagdienst, Nachtdienst die 
andre Woche versieht u. s. w. Man weiss, dass diess AblOsungseystem. 
diese Wechselwirthschaft, in der Tollbtfltigen Jngeodperiode der engliscdien 
Baumwollindustrie n. s. w. Toiiterrschte, und u. a. gegenwärtig in den 
Baumwollspinnereien dee GonTemements Moskau blOht Als System eiistirt 
dieser 24Btflndige Prodnktionsprocees heute noch in vielen bis jetzt „freien" 
Industriezweigen Grossbritanniens, u. a. in den Hochofen, Schmieden, Walz- 
werken und andrm Metalloiannfakturen von England, Wales nnd Schott- 
land. Der Arbeitsprocess umfesst hier ausser den 24 Stunden der 6 
Werkeltage groesenth^ auch die 24 Stunden des Sonntags. Die Ar^ 
beiter bestehen aus Männern und Weibern, Erwachsnen und Kindern bei- 
derlei Qeschlechts. Das Alter der Kinder nnd jungen Personen dorch- 
täufl alle Zwischenstnfen vom 8. (in einigen Fällen vom 6.) bis zum 18. 
Jahr^'). In einigen Branchen arbeit«a auch die Mädchen und Weiher 
des Nachte zusammen mit dem männlichen Personal*'). 



**) „Children'B Emplojment Commiwion." Third Report. Lond. 1864, 
p. IV, V, VII. 

") ,,Botb in StaffordaMie and in Soath Wales yonng giili and womeu 



lyGOOgIC 



— 245 — 

Von den all^meinen schSdUchen Wirkangen der Nachtarbeit ab- 
geeetin**), bietet die nDunterbrochne , TJenindzwanzigstOudige Bauer dee 
ProdaktionsprozeBses hodist wiUkonuuDe Gelc^'eiiheJt, die Qrenz« dee nomi- 
nelleo AibeitstagB xn Qberadumteii. Z.B. in den Torhin erw&hnten, sehr an- 
ettengenden Industriezweigen bebigt der ofSdelle Arbeitstag für jeden Ar- 
bäter meist 12 Standen, Ntichtstanden oder Tagstnnden. Aber die Ueber- 
aibeit Ober dicee Gr^ize hinaus ist in vielen Fällen, um die Worte dee 



Are employed on the pit banks ud on tbe ecke beftps, not only b; i%j, bat 
klso bj night. Thia practioe has beec ofteu uoticBd in Reports pteaented to 
Pailiament, as being attended with great and notoriona evils. These femalea, 
emplojed with the mea, haidl; distingaiehed from tbem in thelr dresB, and 
b^rimed with dirt and smoke, ue eiposed to the deteiioratioa of eharacter 
arising fcora tHe Iohh of Mlf-reapect which oan hardlj fall to foUow from 
their anfeminine occapatioa." I. o. 194, p. XSVI. Vgl. Foorth Report 
(1866) 61, p. Xni. Ebetiaa in Glasfabriken. 

**) „£b scheint natoilich", bemerkte ein Stahlfabrikant, der Kinder aur 
Naohtaitteit verwendet, „dass die Jongen, die Nachts arbeiten, bei Tag aicht 
schlafen nnd keine ordentliche Bohe finden kSnnsn, sondern rastlos am nftoh- 
Bt«n Tag henunlanfen." 1. c Fonrtfa Bep. S3, p. XTJT , Ueher die Wichtig- 
keit dee äonnenlichta zu Eihaltong ond Eatwieklong des EOrpen bemerkt 
ein Arzt n. a.: „Licht wirkt anch direkt auf die Gewebe des Leibes, denen 
es Härte nnd Elasticitit giebt Die Unskeln von Thieren, denen mab das 
normale Qnantnm Lioht vorenthält, weiden schwammig nnd anelastisch, die 
Nervenkraft verliert ihren Ton dnrch Uangel an Stimolirnng , und die Aob- 
aibeitong von allem, was im WaobaUinm begriffen ist, wird verkämiaert . . . 
Im Fall von Kindern ist bestAndiger Zatritt von reichlichem Tageslicht und 
der direkten Sonnenstrahlen während eines Theils dee Tags dorohaas wesent- 
lich für die Gesundheit. Licht hilft die Speisen zu gnt«m plastischen Blnt 
verarbeiten nnd härtet die Fiber, nachdeni sie gebildet ist. Es wirkt ebenso 
als Bözmittel anf die Sehorgane nnd ruft hierdurch grössere TUtigkeit in 
verschiednen Himfonktionen hervor." Herr W. Strange, Oberont des Wor- 
ceater „General Hespit«!", aas dessen Schrift Aber „Geanndhelt" (1864) diese 
Stelle entlehnt ist, schreibt is einem Brief an einen der üntersnohnngskom- 
missire, Herrn White: ,Jch habe ft^er in Lancashire Gelegenheit gehabt, 
die Wirkungen der Nachtarbeit anf Fabrikkinder zn beobachten, nnd im Wi- 
dersprach zu der beliebten Tenicberung einiger Arbeilageber erkläre ich mit 
Entsohiedenheit, dsss die Gesundheit der Kinder schwer davon leidet" 0- '■ 
284, p. 55.) D&ss solche Dinge überhaupt den Gegenstand ernsthafter Kon- 
troversen bilden, zeigt am besten, wie die kapitaliatiache Produktion anf die 
,,Gehimfiuiktionen" der Kapitalisten und ihrer retainers wirkt. 



n,gt,7cdT:G00glc 



d 



~ 246 — 

engliBchen ofSciellen Berichte zu bTauchen, „wirklich schauderhaft" („tnily 
ftaxfol") ^*). „Kam menscbliches Gemüth". heisst ee, „kann die Arijeite- 
masso, die nach den Zeugenaussagen durch Knaben Ton 9 bis 12 Jahien 
reniditet wird, flberdenken, ohne unwiderstehlich zum Schloss lu konuneo, 
daas dieser UachtiDiaä>rauch der Eltern und Arbei1;;^eber nicht länger er- 
laubt weiden darf^*)." 

,J>ie Uethode, Knaben Qberhaupt abwediaelnd Tag und Nacht arbeiten 
zu lassen, fQhrt, sowohl M-&hrend des Gesch&ftedrangs als während des ge- 
wöhnliche Verlauis der Dinge, zu schmählicher Verlängerung des Arbeits- 
tags. Diese Verlängerung ist in Tielen Fällen nicht nur gransam, son- 
dern gradezu unglaublich. Es kann nicht fehlen, dass aus einer oder der 
andren Ursache an AblCsungsknabe hier und da wegbleibt. Einer oder 
mehr»» der anwesenden Knaben, die ihren Arbeitstag bereits Tfdlbracht, 
mflssen dami den Ans&ll gut machen. Oiees Sj^m ist so allgemein be- 
kannt, dasa der manager eines Walzwerks auf meine Frage, wie die Stelle 
der abwesraden Ersatzknaben ausgeflillt wQrde. antwortete: Ich weiss wohl, 
dass Sie das eben so gut wissen als ich, und er nahm keinen AnstancI, 
die Thatsache zu geetehn"')," 

„In einem Walzwerke, wo der nominelle Arbeitstag fDr den einzeliten 
Arbeiter 11 '/j Stunden war, arbeitete ein Junge 4 Nächte jede Woche 
bis mindestens 8 Vi I^ Abends des nächsten Tags und dieas während der 
6 Monate, wo er engagirt war." „Ein Andrer arbeitete im Alter von 9 
Jahren mandimal drei zwOlbtOndige AblSfiangstermine nach ränander and 
im Alter von 10 Jahren zwei Tage und zwei Nächte nach einander." „Ein 
Dritter, jetzt 10 Jahre, arbeitde Ton Morgens 6 Uhr bis 12 Uhr in die 
Nacht drei Nächte durch und bis 9 Uhr Abends wälirend der andren 
Nächte." „Ein Vierter, jebt 13 Jahie, arbeitete i<m 6 Uhr Nachmittags 
bis den andren Tag 12 Uhr Mittags währrad einer ganzen Woche, und 
manchmal drei Abtfieungstennine nach einander, von Montag Morgen bis 
Dienstag Nacht" „Ein Fünfter, jetzt 12 Jahie, arbeitete in einer Eisen - 
giesserei zu Stavelf von 6 Uhr Morgens bis 12 Uhr Nachts während 14 
Tagen, ist nnfähig, es länger zu t^un." „Qeoige Allinsworth, iteUiyälirig: 



'•) L c. p. 57, Xn. 

•*) 1. 0. (4th Bep. 18S6) S 

-") 1. c. 



lyGOOgIC 



— 247 — 

„leb kam hierhin tetstm FreUi«. Nftchsten Tag hatten wir am 3 Uhr 
Morgans anza&ngen. leb blieb daher die ganie Nacht hier. Wohne 5 
Meilen ton hier. Schlief ani der Flur mit einem SchunfeU mtter mir 
und einer kleinen Jacke tkber mir. Die Evei andren Tage war ich hier 
nm 6 Uhr Hoigeis. Jal dieea ist ein heiBser Platz I Bevor ich berfcam, 
arbeitete ich «ben&lls w&hnnd eines ganzen Jahrea in einran Hochofen. 
Es war ein sehr ^nssee Werk, auf dem Lande. Begann anch Samstags 
Mocgins nm 3 Uhr, ^ler ich konnte wenigstens nach Hanse schlafen 
gehn, weil ea nah war. Am andren Tage fing ich 6 Uhr Morgens an 
nnd endete 6 oder 7 Dhr Abends" n. s. w. "). 



*^ L c. p. XIIL Die BildimgBBtnfe dieser „Arbeitakrifte" mnas natOiIiab 
Bo sein, wie sie in folgendai Dialogen mit einem dsi UntennDhiuigskommissite 
erscheint! „Jeremiu Haynes, 12 Jahie alt: . . Tieimal vier ist acht, abei 
Tier Tierer (4 toun) sind 16 . . . Ein König ist ihm , der alles Geld und 
Gold hat. (A king is bim that haa all the mone; and gold.) Wir haben 
einen KSnig , man sagt , er ist eine Königin , sie nennen sie Fiinsessin 
Alexandra. Man sagt, ue heirathete der Königin Ekihn. Eine Prinseasin ist 
sin Hann." Wm^ Toner, swül^ährig: „Lebe nicht in England. Denke, es 
giebt solch ein Land, wssste nichts davon zdtot." John Horris, vierzehn- 
jährig: „Habe sagen hören, dsss Gott die Welt gemacht und dass alles Volk 
«TBoff, anster einem; habe gehört, dass einer ein kleiner Togel war." Wil- 
liam Smith, fiin&ebniUirig; „Gott machte den Hann; der Hann machte das 
Weib." Edward Tajh», fttnbehnjähiig: „Wdu nichts toq London." Henry 
Hatthewman, siebzchnjUuig: „Geh' manchmal in die Kirche . . , Ein Name, 
worüber sie predigen , war ein gewisser Jeans Christ , aber ich kann keine 
andren Namen nennen, nnd ich kann anch nichts Aber ihn sagen. Erwnrde 
nicht gemordet, sondern starb wie andre Lente. Et war nicht so wie andre 
Leute in gewisser Art, weil er religiöe war in gewisser Art, nnd andre ist 
•s nicht." (He was not tbe same «s other people in some wajs, becanse he 
was rsligions in some waja, and others is n't,") (1, c. 74, p. KT.) „Der 
Teufel ist eine gnte Person. Ich weiss nicht, wo er lebt. Christas war ein 
schlechter Kerl." G>The devil ia a good porsou. I don't know where he 
lives." „Christ was a wicked man."] „Diess H&dchen (10 Jahre) buchstabirt 
Qod Dog nnd kumte den Namen der Königin nicht." (Ch. Emph Comm. T. 
Bsp. 1866, p. SG, n. 278.) Dasselbe Sjstem, das in den erwUmten HetaU- 
mannfaVtnren, berneht in den Glas- nnd Fapier&briken. In den Papier- 
fabriken , wo das Papier mit Uascbinen gemacht wird , ist Nachtarbeit die 
Begel fSr alle Processe anssei dem der Lnropensortimng. In einigen FlUen 
wird die Nachtarbeit, Termittelst Ablösungen, nnaafhörlioh die ganze Woche 



lyGOOgIC 



— 246 — 

I/tfist mts nun hOren, wie das Kapital eelbet diees YienindzwaoEig- 
Stnndansystem anffoast Bie üebeitreibuDgai des^stems, gein«i Uissbiaocb 
ZOT „gransamen ond nnglainblichm" Verlfingenuig des Arbeitsb^ &b«^t 
es natOrlich mit Stillschweigen. Es spricht nur von dem System in seiner 
t^oimal^" Form, 

,J)ie Herren Naylor und Yickera, Stahl&brikanten, die zwischen 600 
und 700 Peraonen anwenden, und daninter nur lO^/g unter 18 Jahren, 
und hiervon wieder nur 20 Knaben zum Nachtperaonal, änssem sich, wie 
folgt: „Die Knaben leid» durchaus nicht von der Hitze. Die Temperatur 

ist irahrscheinlich S6" bis 90* In den HEunmer- und Walz- 

weten arbeiten die Hände Tag mid Nacht ablOenngsweise, aber dahinges^ 
ist auch allee andre Werk Tagwerk, von 6 Dhr Morgens bis 6 Uhr 
Abmda. In der Schmiede wird von 12 Uhr bis 12 Uhr gearbeitet Einige 
Hftnde arbeiten fortwährend des Nachts ohne Wechsel zwischen Tag- und 



dnich fortgesetzt, gewShnUcb «on Sanntag Nacht bie 12 Uhr Nacht des fol- 
genden SanietagB. Die Hannicbaft , die eich Ka der Tageareihe beBodet, 
arbeitet 5 Tage von 12 und einen von 18 Stunden, and die der Nachtreihe 
5 Nächte von 12 Sümden ond eine von 6 Standen, in jeder Woche. In 
andren fällen ubeitet jede Beihe 24 Standen, die eine nach der andren , an 
Wecheeltagen. Eine Beihe arbeitst 6 Standen un Montag nnd 16 am Sams- 
tag, um 24 Standen volbnimaehen. In audiea Fällen ist sin Zwl8chens;etem 
eingefätirt , worin alle an der Fapiennachei-MaBchinerie Angeatellten jeden 
Tag in der Woche 15—16 Stunden arbeiten. Dieaa S^steni, sagt ünter- 
snchungakommiuär Lord, scheint alle üebel der ZwüUstanden- nnd Tiemnd- 
zwauzigatondeD- Ablösung zn vereinigen. Kinder unter 13 Jahren , junge Per* 
BOnen nnter 18 Jahren nnd Weiber arbeiten unter dieaem Nachtsjetem. Mandi- 
mal, in dem ZwSlfstnndene^tem, mossten sie, wegen Aoebleibeni der Ab- 
ISset, die doppelte Beihe von 24 Standen arbeiten. Zeugenaussagen be- 
weisen, dasa Knaben nnd H&dohen sehr oft Uebeizeit arbeiten, die sich nicht 
selten la 24, ja 86 Standen anonterbroohner Arbeit ausdehnt In dem „kon- 
tinairlichen und nnver&nderllchen" Procese der Olasirränme fladet man Mäd- 
chen von 12 Jahren, die den ganzen Monat durch täglich 14 Stunden arbei- 
ten, „ohne irgend eine regelmässige Erholung oder Unterbrechong ausser 
zwei , höchstens drei halbstOndigen Aasfällen fUr Mahlzeiten." In einigen 
Fabriken, wo man die reguläre Neohtarbeit ganz aufgegeben, wird entsetzlich 
viel Ueberzeit gearbeitet und „dies häufig in den scfamatxigst«n, heissesten 
nnd monot<msten Prooesien." <„Children's Empleyment Commission. Beport 
IV, 1866," p. XXXVIII and XXXIX.) 



lyGOOgIC 



— 249 — 

Nachlzdt .... Wir änden nicht, dass Tag- oder Nachtarbeit irgend 
einen Dntenichied in der Geenndheit (der Herren Naylor and VickeiG?) 
niacfat, nnd wabischeinlich schlafen Lente besser, wenn sie dieselbe Rnhe- 
periode genieasm, als wenn sie wechselt .... Ungeßthr zwanzig Knaben 
unter 18 Jahren arbmten mit der Nachtmannechaft .... Wir kOnnten's 
nicht recht thon, (not well do] ohne die Kachtarbeit von Jungen unter 
18 Jahmi. Unser Einwurf ist — die Vennehnmg der FrodnktionskoeteD. 
. . . Geschickte H&nde nnd H&npter von Departemente sind schwer zu 
baben, aber Jnngens kri^ man, so viel man will .... NatOilich, in 
Anbetracht der gelingen Proportion von Jungen, die wir verwenden, wären 
BeBchränknngen der Nachtarbeit von wenig Wichtigkeit oder Interesse 
fOr nns*")." 

„Herr J. Ellis, von der Firma der Herren John Brown et Co., 
Stahl- und läaenwerke, die 3000 Männer und Jungen anwenden, nnd 
zwar für Theil der schweren Stahl- und Eisenaib^t „Tag nnd Nacht, 
in Ablösungen", erklärt, dass in den schweren Stahlwerken ein oder 
zwei Jungen auf zwei Männer kommen. Ihr Geschäft z&hlt 500 Jungen 
unter 18 Jahren nnd davon ungeffihr Vti o^^ 170, unter 13 Jabroi. 
Hit Bezug auf die verschlagne Oesetzändemng meint Herr Ellis: 
,.lGh glaube nicht, dass es sehr tadelhaft (ver; objectionable) w&re, keine 
Person unter 18 Jahren aber 12 Stnnden ans den 24 arbeiten zu 
lassen. Aber ich glaube nicht, dasa man irgend eine Linie ziehen kann 
fllr die Entbehrlichkeit von Jungen tlber 12 Jahren fOi die Nachtarbeit. 
Wir vflrden sogar eher ein Gesetz annehmen, Qherhanpt keine Jungen 
unter 13 Jahren oder selbst unter 15 Jahren zu verwenden, als ein 
Verbot die Jungen, die vir einmal haben, während der Nacht zu 
brauchen. Die Jungen , die in der . Tagesreihe , mflssen wechgelveie 
auch in der Nachtreihe arbeiten, weil die H&nner nicht nnanfhSrlich 
Nachtarbeit verrichten kOnnen; es würde ihre Gesundheit mimien. 
Wir glauben jedoch, dass NachtarbMt, wenn die Woche daffir wechselt, 
keinen Sdiaden thut. (IMe Herren Naylor nnd Vickers glaubten, ßber- 
einatimmend mit dem Besten ihres Geschäfts, umgekehrt, dass statt der 
fortwährenden, grade die periodisch wechselnde Nachtarbeit möglicher 
Weise Schaden anrichtet.) Wir finden die Leute, die die altemirende 



") Foorth Report etc. 1865, 79, p. XVI. 



n,gti7ccT:G00glc 



— 250 — 

Nachtarbfflt verrichten, gerade bo geeand sla die, die nur un Tage 
arbeiten .... ünere Einvflrfe gegen die Nichtanvendimg Ton Jnugmi 
anter 18 Jahren zur Nachtarbeit wikrden gemacht werden von wegen 
Vennebnmg der Anslage, aber diees ist anoh der einzige önmd. (Wie 
cynisch naivl) Wir gUnben, dase diese Vermehnuig grosser w&re, aU 
das Geschäft (tbe trade) mit schuldiger Bitckrächt wd aöne erfolg 
reiche Ausfflhning biUiger Weise tragen könnte, (As üie trade with 
duB r^ard to etc. conld fkirlj bearl Welche breim&nlige Phraseologie t) 
Arbeit ist hier rar und konnte ' unzureichend werden nntnr einer solcken 
Begnlation" (d. h. EUia, Brown et Co. konnten in die fatale Verlegen- 
heit kommen, den Werth der Arbeitskraft voll zahlen zu mDasen) ^*<'). 

Die „Cjlüop; Stahl- nnd Eisenwerke" der Herren Cammell et Oo. 
werden anf derselben grossen Stnf^eiter aosgefllhrt, wie die dee be- 
sagten John Brown et Co. Der gesch&ftsfOhrende Direktor hatt« dem 
Begiernngskommissfit White seine Zengenanesage schrifOich «ngeh&ndigt, 
fand es aber sp&ter passend, das zur Bevision ihm wieder mrDck- 
gestellte Manuskript zo nnterachlagan. Jedoch Herr White hat ein 
nachhaltig Ged&chtniss. Er erinnert sich ganz graan, das» für diese 
Herrn Cjklopen das Verbot der Nachtarbeit von Kindern nnd* jnngUL 
Personen „ein Ding der TJnmaglichkeit; ee w&re dasselbe, als setzte 
man ihre Werke BtUl", nnd dennoch zählt ihr Geschäft wenig mäir 
als 6'/a Jungen unter 18 und nur 1% unter 13 Jahren"*)! 

Ueber denselben G^enstand erklärt Herr E. F. Sanderson, von der 
firma Sanderson. Bros, et Co., Stahl-Walz- und Schmiedewerke, in 
AttCTcliffe-. „QroBse Schwierigkeiten würden entspringen ans dem Verbot, 
Jungen unter 18 Jahran dee Nachte arbeiten zn lassen, die Haopt- 
achwierigkeit ans der Vermehrung der Kosten, welche ein Eraatz der 
Enabenarbeit durch Männerarbeit nothwendig nach sich zöge. Wie viel 
das betragen würde, kann ich nicht sagen, aber wahrscheinlich wäre 
es nicht so viel, dass der Fabrikant den Stahlpr^ erhöhen kOnnte, 
und folglich fiele der Verlust auf ihn, da die Männer (welch querkOp% 
Volk!) natürlich weigern würden, ihn zn tragen." Herr Sanderson 
weiss nicht, wienel er den Kindern zahlt, aber „vielleicht beträgt es 4 



'») 1. c. i 
'") 1. c. 1 



lyGOOgIC 



— 251 — 

bis 5 sh. per Kopf die Woche . . . Die Knaben&rbeit ist Ton einer 
Art, wofQi im Allgemeinen („generally", natfirlich nicht immer, .,im 
Beeondem") die Kraft der Jnngen gerade anereicht, und folglich würde 
kffin Gewinn aas der grösBren Kraft der Männer flieasen, um den Verlost 
zu kompensiren, oder dodi uar in den wenigen Fällen, wo daa Uetall 
sehr schwer isi Die Männer würden ea auch minder lieben, keine 
Entben nnter sich zu haben, da MAnner minder gehorsam sind. Aosser- 
dem mOssen die Jnngen jung anfangen, nm das Geschäft zu lernen. 
Die Besohränknng der Jnngen anf blosse Tagarbeit wOrde diesen Zweck 
nicht erfOUen." Und warum nicht? Warum können Jnngen ihr Hand- 
werk nicht bü Tag lernen? Deinen Onind? „Weil dadurch die Hänner, 
die in Wechselwochen bald den Tag, bald die Nacht arbeiten, von den 
Jougen ihrer Beihe während derselben Zeit getrennt, halb den Profit 
verlieren würden, den sie aus ihnen herausschlagen. Die Anleitung, die 
sie den Jnngen geben, wird nämlich aJe Theil des Arbeitslohns dieser 
Jnngen berechnet und befähigt die Hänner daher, die Jongenarbeit wohl- 
feiler zu bekommen. Jeder Mann würde seinen halben Profit verlieren. 
(In andren Worten, die Herren Sanderaou mflesten einen Theil des 
Arbätslobns der erwachsnen Männer ans eigner Tasche statt mit der 
Nachtarbeit der Jnngen zahlen. Der Profit der Herren Sanderson würde 
bei dieser Gelegenheit etwas fallen und dies iat dN Sauderson'sche gute 
Gmnd, warum Jnngen ihr Handwerk nicht bei Tag leriwn kCnnen^***). 
Ausserdem würde diess reguläre Nachtarbeit anf die Männer werfen, 
die nun von den Jnngen abgelöst werden, und sie würden das nicht 
aushalten. Kurz und gnt, die Schwierigkeiten wären so gross, dass 
sie wahrscheinlich zur gänzlichen Unterdrückung der Nachtarbeit führen 
würden." „Was die Produktion tou Stahl selbst angeht," sagt £. F. 
Sanderson, „würde es nicht den geringsten Unterschied machen, aberl" 
Aber die Herren Sanderson haben mehr zu thnn als Stahl zu machen. 
Die Stahlmacherei ist blosser Vorwand der Plusmacherei. Die Schmelz- 



"") „In uurar TeflenoDereiaheu und raigonuirenden Zeit mnia ea £iner 
noch nicht weit gebracht haben, der nicht fOr Allee, auch das Schlechteete 
nnd Verkehiteate, einen guten Grand auzogeben weiea. Alles, wu in dar 
Welt verdorben worden i«t, das iat »us guten Gründen Terdorbeu wotden." 
(Hagel 1. c. p. 249.) 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 252 — 

ftfen, Walzwerke n. s. w., die Baulichkeiten, die Huchinerie, du Eisea. 
die Kohle n. b. w. babea mehr 211 thiin als dch in Stahl m Tenraudela. 
Sie ränd d&, um Kehnrlwit eiozimugen, und sangoi natOrlich mebr in 
24 Stunden al» in 12. Sie gtibea in der Tli&t von Gottes und Beclite- 
vegea den Sandersons räne Anweisung anf die Arbeitaieit «ner gewissen 
Anzahl von H&nden für volle 24 Standen dee Tags nnd wlinen Ihivn 
Kapit&lcharakter, sind daher für die Sandersons reiner Verlust, sobsld 
ihre Funktion der Arbeitaeinsangong nntorbrochen wird. „Aber dann 
w&ie da der Tetinst so viel kostspieliger Haschinerie, welche die halbe 
Zeit brach läge, nnd für eine solche Produktenmasse, wie wir fiihig 
sind, sie bei dem gegenwärtigen Systena m leisten, mOssten wir Bfinm- 
lichkeiten nnd Kaechinenwerke verdoppeln, was die Auslage verdoppeln 
wOide." Aber wanun beanspmchen grade dieee Suidersons ein Privi- 
leginm vor den andren Kapitalisten, die nnr bei Tag arbeiten lassen 
dflrfeu nnd deren Banlichknten, Kaachinerie, Bohmaterial daher bei 
NadLt „bnch" li^en? „Es ist vrahi", antwortet E. F. Sanderson im 
Namen aller Sandeisons, „es ist wahr, dasa dieser Yerlust von brach- 
liegender Haeehinerie alle Mannfaktnren trifft, worin nnr bei Tag 
gearbeitet wird. Aber der Qebrandi der Schmelzofen wfirde in nnsrem 
Fall ^en Eitraverlnst vemrsachen. Hält man äe im Qang, so wird 
Brenn mateiial verwüstet (statt dass jetzt das LebenBmat«rial der 
Arbeiter verwtkstet wird), and hUt man sie nicht im Gang, so setzt 
das Zeitverlnst im Wiederanlegen des Feneis und znr Gewinnung 
des nOthigen Hitzegrads (während der Yerlnst, selbst Acfatg&hriger. an 
Schlabeit Gewinn von Arbeitszeit für die Sandersonsippe) nnd die 
Oefen seibat würden vom Temperatnrwechsel leiden" (während doch 
dieaelbigen Oefen nichts laden vom Tag- und Nachtwechsel der 
Arbeit)"»»). 

'°*) L c. p. 85. Auf ihnlichee zartes Bedenken deBEerm Glufabrikanten, 
das« „regelmässige Hahlzsiten" der Kinder „tmmSglich dnd, weil dadurch ein 
bestimmtes „Qnantam Hitze", du die Oefen »lustrahlen, „reiner Yerlmt"wftrQ 
oder „verwfiatet" würde, antwortet UntennchtuigskommissiT White, dnichaoa 
nicht gleich Ure, Senior etc. tind ihren MbnulBo deutsehen Nachkliffem, wie 
RoBcher et«., gerfthrt >ron der ,3ntbaltsamkeit", „Entsagung" und „Bpanam- 
keit^' der Kapitalisten in Teransgahnng ihres Geldes tind ihrer Timor-Tamer- 
Janeoben „TerscbwendiiDg" von Hensehenleben: ,^in gewisses Quanttun 



lyGOOgIC 



5. Der Kampf am den Normalarbettstag. Zwangsgesetze znr 
Verl&ngeraag des Arbeitstage von det Mitte des 14. bis zu 
Ende des 17. Jahrhunderts. 
„Was ist ein Arbeitstag?" Wie gross ist die Zeit, während deren das 
Kapital die Aibeitskiaft, deren Tageswerth ee zahlt, ktHisaiiiiiBii darf? Wie 
weit kann der Arbeitstag verlfingert werd^ aber die zur Beprodnktion der 
Arbeitskraft selbst nothwradige Arbeitszeit? Auf diese Fragrai, man hat es 
geeehn, antwortet das Ka]ntal: der Arbeitstag s&blt tftglich volle 24 Stan- 
den nach Abzug der wenigen Bohestunden, ohne welche die Arbeitskraft 
ihren emenerten Dioist absolut versgi Es rersteht sich zonftchst von 



Hitze mag aber du jetzige Haaa hinau TerwQetet «erdeu, in Folge von 
Sicherung Te^nlirer Hahlzeiten, aber selbat in Goldwerth ist es nichts vei- 
gliohen mit der TsmUatimf vod Lebenskraft („the waate of auimal power"), 
die jetzt dem Königreich darana erwKchst, daw in den Glaehfitten bwehiftigte 
und im Wachathnm begriffene Kinder niobt einmal die Haue finden, ihre Speisen 
bequem einzunehmen und zn yerdanen." (L c. p, XLV.) Und du im „Fort- 
scbiittfljahr" 18651 Abgeeehn von der Kiaftauagabe im Heben and Tragen, 
marackirt ein Bolehea Kind in den Hütten, die Fluchen und Flintglu machen, 
wahrend der konünnirliehen Verrichtung aeiner Arbeit, 15 bii 20 (englische) 
Heilen in 6 Btondenl Und die Arbeit dauert oft 14 bis 15 Btunden! In vielen 
dieser Glashütten herrscht, wie in den Spinnereien van Moskau, daa Sjstem 
eecheetündiger AblSaungen. „Wihrend der Arbeitszeit der Woche sind sechs 
Stunden die ftnuerate ununterbrochene Bastperiode, und davon geht ab die Zeit 
zur und von der Fabrik xa gehn, Waschen, Kleiden, Speiaen, was alles Zeit 
kostet. So bleibt in der That nur die kürzeste Ruhezeit. Keine Zeit für Spiel 
und frische Luft, ausser auf Kosten des Schlafs, so unentbehrlioh für Kinder, 

die in solch heiiser Atmosphäre solch anstrengendea Werk verrichten Selbst 

der kaue Schlsf ist dadurch unterbrochen, dass du Sind sich selbst wecken 
muaa bei Nacht, oder bei Tag vom Anseenllrm geweckt wird." Herr White 
giebt Fälle, wo ein Juuge 86 Stunden nach einander arbeitete; andre, wo 
Knaben von 12 Jahren bis 2 Uhr Nachts schanzen nnd dann in der Hütte 
schlafen bis 5 Ukr Morgens (S Stunden!), nra du Tagwerk von neuem zn 
beginnenl „Die Hasse Arbeit," sagen die Bedactenre des allgemeinen Be- 
richts, Tremenheere and Tu&iell, „die Knaben, M&defaen nnd Weiber im Lauf 
ihres täglichen oder nächtlichen Arbeitabanns („spell of labour") Terrichten, 
ist fabelhaft." (1. c. XLin und KLIT.) ünterdeas wankt vielleicht eines Abends 
s[Ate du „entsagunga volle" Glukapital, portweinduslig, aus dem Klub nach 
Hans, idiotisch vor sich hersnmmsnd: „Britons never, uever shall be slaves!" 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 254 — 

selbst, daas der Ariwiter seinen ganzen Lebenstag durch nichls ist ansser 
Aibeitskralt, dass daher alle seine disponible Zeit von Natur und ßechls 
wegen Arbeitezeit ist, also der Selbatverwertlnuig des £<qiitals angehört. 
Zeit zu menschlicher Bildung, zu geistiger Entwicklung, zur ErfUlnng 
socialer Funktionen, za geeelligem Teikehr, zum &«ien Spiel der physischen 
und geistigen Leben^rfifte, sdbst die Feirazdt dee Sonntags — nnd wäre 
es im Lande der Sahbathheiligen''*) — reiner Firlefeozl Aber in seinem 
massloe blinden Trieb, seinem WehrweUB-HcdBEJinnger nach MdDart)eit, 
flbfflrennt das Kapital nidit nnr die moralischen, sondern auch die rein- 
phjsisdiai Maximalschrankm des Arbeitstaga. Es nsnrpitt die Zeit fttr 
Wachstlinm, Kitwieklnng nnd gesunde Erhaltung des KOrpers. Es rantrt 
die Zeit, erhdscht zum Verzehr von freier Luft nnd Sonnenlicht Es 
knickert ab an der Mahlzeit und einvedeibt me wo mSglich dem Produk- 
tionsprocess selbst, so dass dem Arbeiter als blossen Produktionsmittel 
Speisen zugesetzt werden, wie dem Dampfkessel Kohle und der Maschinerie 
Talg oder Oel. Den gesonden Schlaf mr Sammlung, Emeurung nnd Er- 
frischmkg der Lebenskraft redncirt es auf so viel Standen Erstamng, .ils 
die Wiederbelebnng eines absolut erschöpften Organränus unentbehrlich 
macht Statt dass die normale Erhaltung der Arbeitskraft hier die Schianke 
des Arbeitst^B, bestimmt umgekciiit die grOsste t&glich mögliche Veraus- 
gabung der Ariieitskraft, wie krankhaft gewaltsam nnd peinlich auch immer, 
die Schranke tlr die Rastzeit des Arbeiters. Das Kapital fragt nicht nach 

'**) In England z. B. wird immer noch hier nnd da auf dem Lande ein 
Ailmter in Ge&Dgnissatnfe venrtheilt wegen Entheiligung des Skblutlu durch 
Arbeit auf dem Gärtchen vor seinem Hanse. Derselbe Arbeiter wird wegen 
EontraktbncheB bestraft, bleibt er des Sonnt^s, sei es sellwt ans religi&sen 
Uucken, vom HetaU-, Papier- oder Glaswerk weg. Du orthodoie Parlament 
bat kein Ohr fOr Sabbathentheillgung, wenn sieim„TerwerthDng8process"dea 
Kapitals verebt. In einer Denkschrift (Angnst I8Q8), worin die Londoner 
Taglohner in Fisch- und OeOfigelladen AbBchaffung der Sonntagaarbeit ver- 
langen, heisst es, ihre Arbeit daure während der ersten 6 Wochentage durch- 
schnittlich 15 Stunden t&glieh und am Sonntag 8— 10 Standen. Man entnimmt 
zugleich ans dieser Denkschrift, dass namentlich die kitzlige Gourmandise der 
aristokratiBchen Mucker von Eieter Hall diese „Sonntagsarbeit" ermnthigt. 
Dieee „Heiligen", so eifrig ,4n cnte onranda", bewähren ihr Christenthnm durch 
die Ergebung, womit sie die üebetarbeh, die Entbehrungen nnd den Hunger 
' dritter Personen ertragen. Obsequiun ventris istia (den Arbeitern] pemicio- 



lyGOOglC 



— 255 — 

der Lebensdauer der Arbeitskraft. Was es intereesirt, ist einzig und allein 
das Haiimimi nm Arbeitskraft, das in einem Arbeitstag flOssig gemacht 
wm^en kann. £^ eneidit diess Ziel durdi VerkOrzung der Dauer der Ar- 
beitskraft, wie ein habgieriger Landwirth gesteigerten Bodenertrag durch 
Beranbnog der Bodraifinditba^elt erreidit 

Die kapitalistische Produktion, die wesentlich Produktion von Helir- 
werth, Einsaagong von Ikhiarbeit ist, producirt also mit der Verlängerung 
des Arbeitstags nicht nur die Vertritnunerong der menschlichen Arbeitskraft, 
welche ihrer normalai moralischrai und physisdien Bntwicklungs- und Be- 
th&tigungsbedingnngen tieraubt wird. Sie producirt die voiTdtige Eischöpfhng 
und AbtAdtung der Arbeitskraft selbsf ^). Sie verlängert die Froduktioos- 
SEdt des Aibeitere w&hrend eines gegebenen TenninR durch Yerkfirzung 
Beiner LebenszeiL 

Der Werth der Arbeitskiaft sdüieest aber den Werth der Waaren ein. 
welche zur Beproduktion des Arbeiters oder zur Portpflanzung der Ar- 
beiterklasse erheischt sind. Wenn also die naturwidrige Vedängenuig des 
Arbeitstags, die das Kapital in seinem maasloeen Trieb nach Selbstverwer- 
thung nothweodig anstrebt, die Lebensperiode der einzelnen Arbeiter und 
damit die Dauer ihrer Arbeitskraft Terkürzt, wird rascherer Eraatz der Ver- 
schliaseaen nöihig, also das Eingehn grösserer VerEchleisskoBten in die Re- 
produktion der Arbeitskraft, ganz wie der täglich zu reproducirende Werth- 
t^eil einer Haai^iine um so grOsser ist, je rascher sie verechleisst. Das 
K^ilal scheint daher durch sein eignes Intere^e auf einen Nonnatarbeits- 
tag hingewiteen. 

Der Sklavenhalter kauft seinen Arbeiter, wie er sein Pferd kauft. 
Mit dem E^ven variiert er ein Ka]^tal, das durch neue Auslage auf dem 
Sklavenmarkt «setzt werden muBs. Aber „die Reisfelder von Georgien und 
die Sümpfe des Mississippi mOgen fatalistisch zerstikend auf die mensch- 
liche Eonstitation wirken; dennoch ist diese Verwtlstang von menschlichem 
Leben nicht so gross, dasa sie nicht gut gemacht werden kCnnt« ans den 
strotzenden Gehegen von Virginien und Kentucky. Oekonomische ßOck- 
sicfatsn. die eine Art Sicherheit fftr die menschliche Behandlung des Skla- 



'") »We tiave given in onr previoui repotts the Btstemants of Beveral 
eiperienced mannfactnrera to the effect thnt oTer-honis .... eerbÜDlj tend 
premttuiel; to eihauat the working power of the men." 1. c. 94, p. XTTT . 



lyGOOgIC 



— 256 — 

ven bieten kQnnten, Bofem sie das Interesse des Herrn mit der Erhaltong 
des Sklaven identifidrsn, venrandeln sich, nach Ri n f Ohmng des Sklaven- 
handels, nmgekehtt in Orfinde der extien^ten Zngranderichtang desSklaveo, 
denn eohald sein Platt einmal durch Zufuhr aus fremden Negergehegm 
BDsgeflUlt werden kann, wird die Daner seines Lebens minder wichtig als 
dessen Frodnktivitit, so lange es dauert Es ist daher wie Mamne der 
Sklavenwiithschaft in Ländern der Sklaveneinfnhr , dass die wirksamste 
Oekonomie darin besteht, diB grÖsstmOglichste Masse Leistung in möglichst 
kurzer Zeit dem Menachenvieh (human chattle) anszupresaen. Giade in 
tropischer Kultur, wo die jäbrlichen Profit« oft dem Geaammtinpilal der 
Pflanzungen gleich sind, winl das Negerleben am rücksichtslosesten ge- 
opfert Es ist die Agrikultur Westindieim, seit Jahrhunderten die Wiege 
^belhaflen ßeichtfaums, die Millionen der afrikanischen Bace veischlnngen 
hat Es ist hsat zuTage in Cnba, dessen Revenuen nach Hillionen z&hlen, 
und dessen Pflanier FfliHten sind, vo wir bei der Sklavenklaase ausser der 
gröbsten Nahrung, der erschöpfendsten und unabläEsigsten Plackerei einen 
grossen Theil durch die langsame Tortur von üeberarbeit und Mangel an 
Schlaf und Erholung jährlich direkt zerstört sehn" *<"). 

Untato nomine de te fabnla nanatnri Lies statt Sklavenhimdel 
Arbeitsmarkt, statt Kentnck; und Tirginien Irland nnd die A^knltnr- 
distrikte von England, Schottland nnd Wales, statt Afrika Deotscb^ 
landl Wir hOrten, wie die Üeberarbeit mit den B&ckem in London 
auMnmt, und dennoch ist der Londoner Arbütsmarkt stets fiberfBllt 
mit deutechen nnd andren Todeskandidaten fOr die Bäckerei. Die 
Töpferei, wie wir sahen, ist einer der kurzlebigsten Industriezweige. 
Fehlt es deeswegen an Töpfern? Josiah Wedgwood, der Erfinder der 
modernen Töpferei, von Haus seihst ein gewöhnlicher Arbeiter, erklärte 
1786 vor dem Hanse der Gemeinen, dass die ganze Mannfaktui IG bis 
20.000 Personen beschäftige '°^). Im Jahr 1861 betrug die Bs' 
vClkerung allein der atädtiscbeo Sitze dieser Indnstrie in Grossbritannien 
101.802. ,J)ie Baumwollindufitrie zählt 90 Jahre . , . In drei 
Generationen der englischen Bace hat sie nenn Qenerationen von Banm- 



■■») Cairaa 1. c. p. 110, 111. 

'") John Ward: „Hiatory of the Borongh of Stoke-npon-Trent, London 
8", p. 42. 



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— 257 — 

wollarbdteni TerepeiBt^^')." Allerdings, io einaelneD Bpoehen fleber- 
hkftaa ÄnfBchwunga zeigte der Aibeitenurkt bedankliche LflckOL So 
2. B, 1834. Aber die Herren Fabrikanten schlagen nnn den Poor Uat 
Commissionere toi, die „tJebervOlkening" der Ackerbandistiikte nach dem 
Norden zu schicken, mit der EiUäning, d&ss die Fabrikanten sie ab- 
sorbiren und konsnmiren würden^"*). Dies waren ihre eigensten Worte. 
„Agentnt wurden zn Manchester bestallt mit I^willignng der Poor Law 
Comoiissimiers. Agriknltnrarbeiterlisten worden ansgefertigt nnd dieera 
Agenten flbermacbt. Die Fabrikanten liefen in die BOreanz, nnd nach- 
dem sie, was ihnen passte, ausgewählt, wnrden die Familien vom Sfldm 
Englands Terschickt. Diese Henschenpackete wordoi geUefert mit Eti- 
qnetten gleich so viel QflterbaUen, anf Kanal nnd Lastwagoi, — einige 
strolchten ta Fdss nach imd viele irrten verloren nnd halbverhungert 
in den Hannfaktnrdistrikten umher. Dies entwickelte sich zn einem 
wahren Handelszweig. Das Hans der Gemeinen wird es kaum glauben. 
Dieser regelmässige Handel, dieser Schacher in Uenachenfleiach dauerte 
fort, und diese Lent« wnrden gekauft nnd verkanft von den Hanchester 
Agenten an die Hanchester Fabrikanten, ganz ho regelmässig wie Neger 
an die Baumwollpflanzer der afldlichen Staaten .... Das Jahr 1860 
bezeichnet das Zenith der BanmwoUindustrie. Es fehlte wieder an 
Händen. Die Fabrikant«n wandten sich wieder an die Fleischagenten 
nnd dieee durehstdbwtai die Dflnen von Dorset, die HOgel von Devon 
nnd die Ebnen von Wilts, aber die TTebervOlkwnng war bereits verspeist ' 
Der „Buiy Guardian" jammerte, daas 10,000 zusätzliche H&nde nach 
Abschlass des englisch-französischen Handelsvertrags absorbirt werden 
könnten und bald an 30 oder 40,000 mehr nOthig sein würden. Nach- 
dem die Agenten und Snbagenten des Fleischhandels die Agrihnltu» 
distrikte 1860 ziemlich reanltatlos dnrchgefegt, wandte sich mne Fabri- 
kaotendeputation an Herrn THIiers, PrSaidentm dee Poor Law Board, 
mit dem Gesuch, die Zufuhr der Armm- nnd Waisenkinder ans den 
Workhooses vrieder zu erlauben""). 

>«^ Fenand'a Bed« im „Hovse of Commom" vom 27. April 186S. 

"*] „Thftt the msDn&cturerfi would absorb it and use it np. Those were 
the verj woids naed hj the ootton mannfactnien." L e. 

"*) 1. 0. Tillie», trots bestem Willen, war „gecetilich" in der Lage, 
das Fabilkant«DanUegen absdüagen m mQsaen. Die Heini erreichteD jedoch 

Utii, Etfittl I. 17 



lyGOOgIC 



Wae di€ Erfahmng: dem Eapitalüteu im Allgemeinen zei^, ist 
«ne best&ndigfl UeberrOltoning, d. h. üebervOlkeniDg im VerhältnisB 
snm an^nblicUiehen VerwerthiingebedflrfiiisB des Kapitals, obgleich sie 



ihre Zwecke dnreh die Willftbrigbit der lok&len AimenTennltuiigeD. Herr 
A. BedgT&Te, Fftbrikmipector, versicbeit, dus diesmal du Sjatom, woDKh 
die Waiaen and Panpei'B Kinder „gesettlioli" als apprenticeB (Lehrlinge) gelten, 
,^eht begleitet var Ton den alten Hisut&nden" ~- (aber diese „XiaMtlnde" 
Tgl. EngeU 1. e.) — , obgleich allerdingi in einem Fall „Hiaabraneh mit dem 
Sjst«m gefarieben worden iat, in Bezng anf H&dchen nod junge Weiber, die 
von den AgrüraltaTdistriUen Schottlands nach LancasMre uid Cheahire ge- 
bracht wurden." In dieiem „System" Bcfalieaat der Fabrihaot einen Kontralit 
mit den BehSrden der AimsnhAnaer ffir bettimmte Perioden. Ernährt, klddet 
and logirt die Kinder nnd giebt ihnen einen kleinen Zaschiiu in Geld. Son- 
derbar klingt folgende Bemerknng des Herrn KedgraTo, namentlich wenn man 
bedenkt, das« selbet anter den Frosperit&tsjaliren der englischen BanmwoU- 
indnitris das Jahr 1860 einüg dasteht und die Ärbeitalöbne ausserdem hoch 
atanden, weil die aoNorordentlieha ArtMitsnBchfrageaDfEntr&lkerang in Irland 
stieis, anf beispiellose Aaawudarang ans englischen nnd schottiBchen Agriknl- 
tardiattiktdn nach Anstaalien and Amerika, anf poBitiva Abnahme der Bav51k- 
rnag in einigen englischen Agriknltardistrikten in Folge theils glüoklich ersiel- 
ten Brncha der Lebenskraft, theils des früheren Abscböpfens der disponiblen 
BeTSlknmg dardi die ffiüidlet in Henschenfleisch. Und trotz alledem sagt 
Herr Bedgrave: ,J)iese Art Arbeit (der Armenhanekinder) wird jedoch nnrge- 
aocht, wenn keine andre gefunden werden kann, denn ea iat thenre Arbeit 
(high-priced laboni). Der gewfihnliohe Arbeitslohn f&r einen Jnngen Ton IS 
Jahren ist nngefähr 4 sb. «Öohentlich ; aber 50 oder 100 solcher Jongen logireo, 
kleiden, nihren, mit Lrxtlioher Holfileiatang and passender OberantUobt rer- 
sehn, nnd ihnen obendrein eine kleine Zabosse in Geld geben, ist nnthobar 
fftr 4 ah. per Kopf wöofaentlioh." („Bsp- of tbe Insp. of Fact«riee for SOth 
April 1860" p. 27.) Herr RedgiaTo ve^iaat in ssgen, wie dir Arbeiter selbst 
dies aUes seinen Jangen ttz ihre 4 sh. Arbeitelohn leisten kann, wenn es der 
Fabrikant nicht kann fQi 50 oder 100 Jangen, die gemeinsam logirt, beköstigt 
nnd beaolsi^tigt werden. Zar Abwehr falscher Schlnssfolgerangen aus dem 
Teit musB ich hier aoeh bemerken, dass die englische Baum wollin das trie, seit 
ihrer UntsTwerfnog anter den Factory Act von 1850 mit seiner Beglnng der 
Arbeitsseit n. s. w., als die englische Musterindoatrie betrachtet werden mnss. 
Der englische Banmwollarbeiter stobt in jeder Hinsicht höher als sein konti- 
nentaler Schicksalsgenosse. „Der prenssiscbe Fabrikarbeiter arbeitet mindestens 
10 Standen mehr per Woche als sein englischer Sival, nnd wenn er an seinem 
eignen Webstahl cn Hause beschäftigt wird, tÄüt selbst diese Schranke seiner 
. lasätilichen Arbeitsstunden weg." („Bep. of Insp. of Faot, 31st OcL 1855" 



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— 259 — 

ans Terkftmmerten, schnell hinlebrnden, uch raacli Terdrängenden, so zn 
sagen nnreif gepflückten Henschengenerationen ihren Strom bildet"*). 
Allerdinge zeigt die Erfthning dem Tentändigen Beobachter anf der 
andren Seite, wie rasch nnd tief die kapitalistische Produktion, die, 
geschichtlich gesprochen, kanm Ton gestern daürt, die Volkekraft an 
der Lebenawurzel ergriffen hat, wie die Degeneration der indnstriellen 
BerAlkemng nnr durch beständige Absorption natnrwOchaiger Lebens- 
elemente Tom Lande verlangsamt wird, und wie selbst die ländlichen 
Arbeiter, trotz freier Lnft nnd des nnter ihren so allmächtig waltenden 
prindple of natnial selection, das nur die kriftigHtm Individnen auf- 
kommen löset, schon ahxnleben beginnen*^*). Das Kapital, das so 
„gnte OrOnde" hat, die Leiden der es umgebenden Arbeitergeneration 
zn l&ngnen, wird in seiner praktischen Bewegung dnrch die Aussicht 
faxt znkOaftige Terfanlang der Menschheit und schliesslioh doch nuauf- 
haltsame EntrOlkerang so wenig nnd so viel bestimmt als durch den 
möglichen Fall der Erde in die Sonne. In jeder Aktienschwiadelet 



p, lOS,) Der obenerwlhnte FftbrikinEpektoT Bedgrave reiste nach der Indvstrie- 
knwtollDng Ton 1851 anf dem Kontinent, speeiell in Fiankreieh und Frenassn, 
um die dortigen Fabrikcait&iide zn antennohen. Er sagt von dem prauatBchen 
Fabrikarbeiter: ,J!i erhält einen Lohn ansreichend snr Tersohaffong einboher 
EoBt nlid des wenigen Komforta, woran er gewBbnt nnd womit er zafriedMi 
ist .... Er lebt schlechter nnd arbratet h&rt«r als sein engliacher RiTale." 
(„Rep. of Insp. of Fact. Slat Oet. 1858" p. 86.) 

'") „Die TJetMiarbeiteten sterben mit be&emdliohsT Basehheit; aber die 
Platze derer, die nnteigehii, lind sofort wieder sosgefOUt, nnd ein hftnflger 
Wechsel der Personen bringt keine Aenderang anf der Bühne herror." ,^g- 
Isnd and America. London 18S3", t I. 55. (Tarfssser E. G. Wakefleld.) 

"■) Siehe: „PnbUc Hesltb. Slxth Keport of the Medieal Offloer of tbe 
PriTy ConncU. 1863." VeTSfTentlicht London, 1864. Dieser Report handelt 
namentlich von den Agriknlturaibeitem. „Man hat die Grafaebaft Sntberland 
all eine sehr verbesaerte Grafschaft dargestellt, aber sine nenerliehe TTnter- 
ancbnng hat entdeckt, daas hier in Diataikten, einst so berfihmt wegen HcbBner 
HKnner nnd tapfrer Soldaten, die Einwohner degenerirt aind m einer magren 
nnd TerkDmnieTt«n Bace. In den geraudesten I^gST), anf EOgelabhingen im 
Angeüeht des Ueerei, sind die Gesichter ihrer Kinder ao dflnn nnd blaaa, wie 
sie nni in der fanlen Abnosphlre einer Londoner Wlnkelgass« s^ können." 
(Tbomton 1. o. p. 74, 75.) Sie gleichen in der Tbat den 80,000 „gaOant 
Higblandera", die Glaigow in aeinen wynda nnd oloaea mit ProstitDiiten md 
Dieben lasammenbettet. 



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weise jeder, daes das Unwetter eininid einBchlageii moBe, «ber jeder 
hofft, dus es das Haupt aeinea N&chiten trifFt, nachdem er eelbBt den 
Qoldregm aufgefangen und in Sicherheit gebracht hat. Apiia mei le 
dringe! ist der Wahlnif jedes Kapitalisten und jeder Kapitaüstennatian. 
Das Kapital ist daher rfickmchtslos gegm (itesandheit und Lebensdaner 
des Arbiters, wo es nicht durch die OeeeUschaft zur Bflcksieht ge- 
iwnngen wird^**). Der Klage Ober physische nnd geistige Terldlmmnuig. 
Toneitigen Tod, Tortur der üeberarbeit, antwortet es: Sollte diese Qual 
nns qn&len. da sie nnsre Lust (den Profit) vermehrt? Im Qroaaen nnd 
Ganzen hingt dies aber auch nicht Tom gnten oder Usen Willen des 
einzelnen Kapitalisten ah. Die fireie Konkurrenz macht die immanenten 
Qesetie der kapitalistischen Prodoktion dem einzelnen Kapitalisten gegen- 
Aber als &iisserliohes Zwaogsgeseti geltend^'*). 



"*) nObgleich die Gasondheit dar Berölkerang ein ao wiehtigea Element 
d«a natioiulen Kapitals ist, fOrchten wii geatehn sd mOauD, daaa die Kapite- 
lieten dniahana nicht bei der Hand aiad, diesen Scbati zn erhalten and werth 
ze achten. Die Baoksieht auf die Geinndheit der Arbeiter worde dea Fabri- 
kanten anfgezwDDgen." („Times", Oktober 1861.) „Die Männer dei Weit Bi- 
ding wurden die Tnchmacher der Hetuohheit, die Geanndheit des Arbeiteirolki 
wurde geopfert, und in ein paar Gonerstioneii w&re die Kace degenerirt, aber 
eine Beaktkm trat ein. Die Stnoden der Kinderarbeit wurden besehÄnkt n. h. w." 
(„Bepoit of th« Begistrar General for öotober 18S1.") 

'") Wir finden daher i. B^ daas Anfang 1863 26 Finnen, welche aoa- 
gedehnte Töpfereien in Staffordshire besitzen, danntor auch J. Wedgwood nnd 
Söhne, in einer Denkachrift „am gewaltsame Einmisahong dea Staate" petitio- 
niren. Die „Konkorrena mit andren Kapitaliaten" erlanbe ihnen keine „fr«- 
willige" Beachiinkting der Arbeitazeit der Kinder o. s. w. „So sehr wir daher 
die oben erwähnten Uebel beklagen, würde ei onmüglich aein, de dnicb irgend 
eine Art Uebereinknnft onter den Fabrikanten in verhindern .... In Anbe- 
tracht aller dieier Fonkte, sind wir zur Osbenengnng gelangt, daas ein Zwanga- 
gesetz QOthig ist." Children's Emp. Comm. Bep. I. 1868, p. 822. 

Znsata in Note 114. Ein viel frappantrea Beispiel bat die jüngste Ter- 
gangenheit Die HShe der Baomwollpreiae, in einer Bpoefae fieberhaften Ge- 
■ebifte, hatte die Beaitter von Banmwollwebereien in Blackbnm Teranlasat dnrch 
gemeinachaftüche üebereinkmift die Arbeitazeit inihrenFabrikeD während eines 
bestimmten Termins absnkOiaen. Dieser Termin lief ab nngeföhr Ende Kfo- 
vember (1871). ünterdeaa benatcten die reicbrsn Fabrikanten, welche Spinnerei 
mit Weberei verUnden, den dnroh jene Vebereinkonft Teranlaisten Ana&U der 



lyGOOgIC 



— 261 — 

Die FeatBetzong dues ncHHuleD Arbeitstags ist du BMDlt«t cdnea 
TiflUmndtalj&hiigm Eampfw zwischen Kapitalist und Arbdter, Doch 
uigt die Geschichte dieses Etunpfes awei entgegengesetite StiSmimgen. 
Hiui verglüche z. B. die englische F&brikges^gebnng nnsier Zeit mit 
den e&glischen Arbeitsstatnten vom 14. bis tief in die Mitte des 
18. Jahrhunderts**^). Wfthrend das moderne Fabrikgosetz den Arbeits- 
tag gewaltsam abkflrzt, suchen ihn jene Statute gewaltsam zu m- 
Ungem. Allerdings erscheinen die AneprOobe des Kapitals im Embryo- 
instamd, wo es erst wird, also noch nicht dnrch blosse Gewalt der 
ökonomischen Verhältnisse, sondern ancb dnich HtÜfe der Staatsmacht 
sein Einsangnu gerecht eines genügenden Qaantnma Mduarbeit sichert, 
ganz and gar bescheiden, Te^läi^t man üe mit den Xoncessionen, die 
es in sünem Haiinesalter knarrend nsd widersbvhig nuwlien mnes. 
Es kostet Jahihnnderte, bis der „freie" Arbeiter in Folge entwickelter 
kapitalistischer ProdnktionsweiBe sich freiwillig dam verst^t, d. h. gesell- 
BchafUich gezwungen ist, fttr dm Pres seiner gewohnheitsmlssigeu 
Lebensmittel seine ganze aktive Lebenszeit, ja seine Arbrätsfthigkeit 
selbst, seine Erstgeburt tbi ein Gericht Linsen zu verkanfen. Es ist 
daher natCrlieh, dass die Verl&ngmng des Arbeitstags, die das Kapital 
Ton Mitte des 14. bis Snde des 17. Jahrhunderts staatsgewaltig den 
Tollj&hrigen Arbeitern aufzudringen sucht, ungefähr mit der Schranke 
der ArbeitezMt zusammenAllt, die in der zweiten HSlfte dee 19. Jahr- 
hunderts der Verwandlung von Kinderblat in Kapital hier nnd da von 
Staats wegen gezogen wird. Was hente, z. B. im Staate Massachusetts, 
bis jüngst dem freisten Staate der nordameiikanischen Bepublik, als 
Staatsschranke der Arbeit von Kindern nnter 12 Jahren proklamirt ist, 
war in England noch Mitte des 17. Jahrhunderts der normale Arbeite- 



Frodnktion daza, ihr eignes Geiehäft aiuzadehnen nnd u> auf Kosten der kleinen 
Meister grosse Profite zn machen. Letetre wandten sich nun in ihrer Noth — 
■n die Fabrikarbeiter, riefen de anf, dia Nemutondenagitation araathaft zn be- 
treiben, nnd Taisprachen Geldbeitr&ge za diesem Behof! 

"") Dieae Arbeitentatnte, die man gleichzaitig aneh in Frankreich, den 
Niederlanden o, a. w. findet, wurden in England ent 181S formell aufgehoben, 
nachdem lia Ungst von den ProdahtioDaTerhUtniaseD beaeitigt waren. 



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tag votlblfitiger Hiuidwerker, roboater Ackerknechte nnd riesenliafter 
Grobschmiede ' ' '). 

Das eiHte „Statute of Labourers" (28 Eduard DL 1349) fond seinen 
unmittelbaren Vorwand (ni(dit seine üisacbe, denn die Gesetzgebung dieser 
Art dauert Jahrhonderte fort ohne den Vorwand) in der grossen Pest, 
welche die BerOlkerong decimirt«, so dass, wie ein Tory-Schrifleteller sagt, 
„die Schwierigkeit, Arbeiter zu raisonablen Preisen (1 h. zu Prmseu, die 
ihren Anwendern ein raisonables Qnantum Hehrarbwt liissen) an die Arbeit 
zu setien, in der That nnertiiglich wurde *'^)". Baisonable ArbeitBlOhne 
wurden daher zwangsgesetzlich ^ktirt, ebenso wie die Grenze des ArbeitB- 
t^B. Der letatre Punkt, der uns hier allein intereesirt, ist wiederholt in 
dem Statut von 1496 (unter Henry VIIL). Der Arbeitstag Ar aUe Hand- 
werker (artificeis) und Ackerbaoaibeiter vom USn bis September sollte d»- 
mals, was jedoch nie durchgeeekt wurde, dauern von 5 Uhr Moigens bis 
zwischen 7 und 8 Uhr Abends, aber die Stunden fOr Mahlzeiten betragen 
1 StoDde t^ FrühstOdi, l'/i Stnnden fQi Hittagsefiseu, nnd ^/, Stunde 
tnr Vieruhrbrod, also grade doppelt so viel als nach dem jetzt gOltigon 



*") „No oliild ander the age of 12 jeara ahall be emplojed in any mann- 
faotimng eatabliahment mor« than 10 honrB in one day." „General Statutes 
of Hassachnaetti. 63, oh. 12. (Die Ordamianxen wurden arlasBen 1836— 
1858.) „Lationr performed dnring a period of 10 houn an any daj in all 
cotton, wooUbd, sUk, papei, glau, and flat faetories, or in manataotorie» of 
iron and brass, ahall be considerad a legal da;'s labour. And be it enaoted, 
that heieaft«! no minor angaged in any factoiy ahall be holden or reqnired to 
work moie than 10 hoora in any day, or 60 hoora in any week; and Qkat 
heieaftar no minor shall be adnütted as a worlcei under the age of 10 yeara 
in any factory within this »täte." „State ot New Jersey. An oet to limitthe 
honra of labonr etc., 61 nnd 2." (Gesetz vom 11. M&rz 1855.) „No minor 
who has attained the age of 12 yeare, «nd ia ander theageof 15yeiTs, ahall 
be Bmployed in any tnanafactnring eatabliahment more than 11 honie in any 
one day, nor befote 5 o'clook in the morning, nor after ?'/■ in the evening." 
„Beviaed SUtutea of the State of Bhode Island etc. c)|. 3», g. 23, lat 
Jnly 1857." 

■") „Sophiama of Free Trade. 7th edit. Lond. 1850", p. 305. Der- 
aalbe Tory giebt übrigena in: „Parlamentaakte, die die ArbeitalShne gegen 
die Arbeiter an Gnnaten der Aibeitaaowender regnlirtan, wihrten fOr die 
lange Periode von 464 Jahren. Die Bevülkening wuchs. Diese Geaetze wur- 
den nun Qber&Qaug und Uatig." (l- «■ P' ^'^■) 



lyGOOgIC 



— 268 — 

Fabrikakt ^'^. Im Winter sollte geaiteitet werden von 5 Uhr Uo^oos 
bis znm Dunkeln, mit denselben Unterbrechungen. Ein Statut der Elisa- 
betti von 1S62 für alle Arbeiter ..gedungen für Lohn per Tag oder Woche", 
ISast die Unge des Arbeitstags unberührt, sacht aber die Zwischeni^nme 
za beecbiänken auf 2'/, Stunden flir den Sommer nnd 2 fUr den Winter. 
Das Mittagseeeen soll nur eine Stunde dauern und „der Nachmittagsadilaf 
vtya */,Stnnde" nur zwischen Mitte Mai und Mitte August erlaubt mn. 
Fflr jede Stunde Abwesenheit soll 1 d. (etwa 10 Pfennige) vom Lcdm ab- 
gehn. In der Praxis jedoch war das YerhUtnisB den Arbeitern viel gltn- 
stiger als im StatntatbndL Der Vater der politischen O^notuie und ge- 
wissermaesen der Erfinder der Statistik, William Petty, sagt in einer Sclirift, 
die er im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts verOfibutiichte: „Arbeiter 
(labouring men, eigraitlicb damals Ackeitauarbeiter) arbeiten 10 Stunden 
täglich und nehmen wöchentlich 20 Mahlzeiten ein, n&mlich an Arbeito- 
tagen tSglich drei nnd an Sonntagen zwei; worans man klärlich eidit, dass, 
wenn sie an Freitag -Abenden &sten wollten und in anderthalb Sbmden zu 
Mittag speisen wollten, während de jetzt zn dieser Iblilzeit zwei Standen 
brauchen, von 11 bis 1 Uhr Morgens, wenn sie also ^/,o mehr arbeitrtm 
und >/,, weniger verzehrten, das Z^tel der otnn enAhnten Steuer auf- 
bringliar wäre'")". Hatte Dr. Andrew Ure nicht Bedit, die Zw&lfetandm- 
bill von 1833 als BQckgaog in die Zeiten der Finstemiss zu verschFeien? 
Allerdings gelten die in den Statuten and von Pett; erwähnten Beeümmnn- 
gen auch fOr „apprentices" (Lehrlinge). Wie es aber noch Ende des 17. 
Jahrhunderts mit der Einderarbeit stand, eraietat man aus folgender Klage: 



"*) 1. Wftde bemerkt mit Recht in Bezug auf diw Statet: „Aus dem 
Statut von 149Q geht hervor, dasa die Nahrang aU Asquivalent für ■/■ des 
Einiommeae einet Handwerkers and */■ das Einkomnieni eines Agrümltai- 
arbeiten galt, und dies leigt eine gröwere Stnfe von ünabhingigkeit anter 
den Aibeitsm au, als jetzt vorheRsoht, wo die Nahinng der Arbeiter in Agri- 
koltoi und Mannfaktnr ein viel h&heres Terh&lbuia in ihren Lcthnsn bildet." 
(J. Wade 1. o. p. 24, 25 nnd 577.) Die Meinung , ala sei diese Dlfferena 
etwa der Differens im Preisverb&ltaiu zwischen NahrougBmittaln nnd Klei- 
dongsitUoken, jetit und damals, gesoholdet, widedegt der oberflichliohsta 
Blisk auf: „Chronicon Fretioaum etc. 3j Bishop Fletwood. Ist edit. Lon- 
don 1707. 2nd. edit. London 174S." 

"^ „W. Petty: PoUtioal Anatomy of Ireland. 1672. edit 1691 ", p. 10. 



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— 264 — 

tiÜflsre Jugend, bier in Eng^d, trabt gai nidits biB zu der Zeit, wo sie 
Lehriinge weiden, und dann bntudien sie nstfirlich lang« Zeit — sieben 
Jahre — , nm eich tu TOllliiHniimen Handwerkern zn bilden". DeutBchland 
wird dagegen gerühmt, weil dort die Kinder von der Wiege aof wwigstens 
in „ran bischen BeechSftigiing erzogt werden" *»*), 

Noch wahrend dee grCssten Theils des 18. JahriinndertB , bis zur 
Epoche der gnwaen Industrie, war ee dem Kapital in England nicht go- 
loDgeD, dnrch Zahltmg des wOchentlii^en Werihs der Arbeitskraft sich Ößt 



"*) „A DifCiiuion on the Neceuit; of Encovraging Mechaniok Indaatiy, 
London 1689", p. 13. Haeanlaj, der die engluohe Qesahioht« im Whig- nnd 
Bonrgeoiunteresae zniechtgeßUacht hat, deklamirt, wie folgt-. „DieFraiU, Kin- 
der voneitdg an die Arbeit zn setzen, herrschte im 17. Jahrhimdert in einem 
fOr den damaligen Znataud der Industrie fast nnglaablichen Grad vor. Zn 
Norwieh, dem Hauptsitz der Wollindustrie, wurde ein Kind von 6 Jahren fOr 
arbeitifUdg gehalten, Teraohiedne Sobriftateller jener Zeit , and darunter 
manche, die ali aaUKtordentlich wohlgesinnt betrachtet wurden, erWiÜiDen mit 
,3xaltatL0D" (Entz&eken) die Thatsache, dass. in ^eser Stadt allein Knaben 
und M&dcben einen Beichthum schaffen , der über ihren eig^ien XJnteriialt 
hinaus 12,000 Pfd. St. in einem Jahr betrug. Je genauer wir die Oeschichte 
der Teigangenheit untersuchen, desto mehr Qrund finden wir, die Ansicht 
derer in verwerfen, die unser Zeitalter f5r fraohtbar an neuen socialen Oebeln 
halten. Du, wu nan ist, ist die Intelligena, die die üebel entdeckt, nnd die 
Hnmanitat, die sie heilt" („Hiatory of England", v. I, p. 419.) Macanlay 
hätte weiter berichten kSnnen, das« „aasserordentlich wohlgesinnte" amis du 
commerce im 17. Jahrhundert mit „Exoltation" erzählen, wie in einem Armen- 
hans in Holland ein Kind von 4 Jahren beschSftigt wurde, nnd daas dieaa 
Beispiel der „vertu mise en piatique" in allen Sohriften von Humanitaiien 
ä la Maoaolaf Muster paseirt bis zur Zeit A. Smith'a. Es ist rishtig, das* 
mit dem Aufkommen der Hannfaktnr, im Untencbied zum Handwerk, sieh 
Spuren der Kindereiploitalion zeigen, die von jeher bis zu einem gewiiaen 
&ad bei den Bauern eiistirt nnd um so entwickelter, je härter das Joch, daa 
auf dem Landmann lastet Die Tendens des Kapitals ist nnverkennbar, aber 
die Thatsaohen selbst stehn noch so vereinzelt, wie die Enaheinnng iwei> 
kSpfiger Kinder. Sie worden daher „mit Eiultation", als besonders merk- 
wflrdig nnd bewnudemawerth, von ahnungsvollen „amis dn commerce" fOr 
Hit- nnd Nachwelt anfgeieichnet und zur Naohahmong empfohlen. Derselbe 
schottische Sjkophant und 8oh5nredner Hacaolay tagt: ,rUan höre heute nur 
von BDckschiitt nnd sehe nur Fortechritt". Was für Augen und namentlich 
WM fär Ohren! 



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— 265 — 

guizflD Wodie dw Arbeitere, Ausnahme bilden jedoch die Agrikoltniaibeiter, 
lu bemächtigen. Der Umstand, dasa sie eine ganse Woche mit dem Lcdin 
v(m i Tagen leben konnten, echien den Arbeitern kein hinieichender Orund, 
anch die andren zwei Tage fBr den E^titalisten zn arfaeitrai. Eine Seite 
der «glischen Oekonomoi deniindrte im Dienst des Kipit&ls diesen Eigen- 
sinn aufs wfttbendfite, eine andre Seite vertheidigte die Arbeiter, ^ren 
irir E. R die Ptdemik zwischen Foetletfawaite, dessen Handels -Diktiomiar 
damals denselben finf geaoBs wie heut zu Tage &hnli<^ Schriften von Hac 
Ollloch nnd Hac Gregor, and dem frflh^ dtdrten Ver&sser des ,iBesB.y on 
frade and Commerce" ^*^). 

Poetlethwaite sagt n. a.: ,Jdi ktmn dieae wenigen Bemerkungen nicht 
abschlieesen , ohne Notiz zn nehmen von der trivialen fiedensait in dem 
Monde zu vieler, daffi, wenn der Arbeiter (industrious poor) in 5 Tagen 
genug erhalten kann, um zu leben, er nicht volle 6 l^ige arbeiten will. 
Daher scUiesaen sie auf die Nothwendigkeit, selbst die nothwendigen Lebens- 
mittel durch Steuern oder iigend welche andre Mittel zu verttieneni, um 
dem Handwerker und Mannfiiktnrarbeiter zu unausgesetzter sechstägiger Ar- 
beit in der Woche zu zwingen, fch muss um die Erlaubniss bitten, andrer 
Meinung zu sein ale diese groeeen Politiker, welche fOr die beständige 
Sklaverei der ArbeiterbevOlkemug dieses Königreichs („the peipetual slavery 
of the worting people") die Lbdeo einlegen; sie vergessen das Sprii^wort 
„all wOTk and no plaj" (nur Arbeit und kdn Spiel, macht dumm). 
BrOsten sich die Engländer nicht mit der Qenialität und Gewandtheit ihrer 



'") Unter den Ankl&g«TD dev Arbeiter ist der grimmigst« der im Teit 
erw&lmte anonyme Terfasaei von: „An figiaj o» Tmde and Conmiarce, con- 
toming ObwrrationB on Taiataon elc London 1770". Schon &llher in Beiner 
Schrift: „ConsideratioDa on Taies. London 1TS5". Aach PoIodidb Arthnr 
Toimg, der nnaägliche Btstistisohe Schwätzer, folgt in derselben Linie, unter 
den Vertheidigem der Arbeiter atehn oben an; Jacob Vanderlint in: „Money 
anewen all things. London 1734", Bev. Nathanjel FoTBter, D. D. in: „An 
Enqniiy into tho Cmam of the Freaent Piice of Frovieione. London 17d6", 
Dr. Piice, und namentlloh anoh Poatlethwaite , Bowohl in einem Supplement 
zn seinem „ünivenal Dictionaiy of Trade and Commeroa" alsin: „GreatBri- 
tain'a Commercial lutereet explaioed and improved. 2nd. edit Lond. 1755". 
Die Thataachen selbst findet man bei vielen andren gleichzeitigen Schrift- 
Htellem konat&tirt, o. a. bei Josiah Tncker, 



lyGOOgIC 



— 266 — 

Handwerker und MaDU&ctaiartwiter , die bisher den biiüschen Weareo all- 
gmieineii Kredit tind Buf Tsrechafft haben? WeMem Umabad mi dies 
geachnldet? Wahrscheinlich keinem andr^t als der Art und Weise, wie 
nneer ArbeitBVolk, eigeniannig, sich za zeiatrenen weise. WBtbii aie ge- 
zwungen, das ganze Jahr durchzuarbeiten, alle sechs Tage in der Wocbf. 
in steter Wiederholung deesdben Weito, würde das nicht ihre Genialilit 
abetompfen und sie dunun-bäg statt munter und gewandt machen; anA 
wfirden nnsre Arbeiter in Yoige solcher ewig«n Sklaverei ihren Bnl nidd 
vniieren statt erhalten? Wddte Art Ennetgeschii^ kSnnten wir erwartai 
von Bolch hart geplackten Thieren (hard diiven animals)? . . . Viele voa 
^hnen verrichten soviel Arbeit in 4 Tagen als ein IVamoee in 6 oder 6. 
atenn Engländer ewige Schanzarbeiter sein sollen, so steht za ffiichtm. 
F-die Franzosen entarten (degenemte) «erden. Woui 
unser Volk wegen seiner Tapferkeit im Krieg berühmt ist, sagen wir nicht 
dass diee einerseils dem guten englischen Beastbeef und Pudding in seinem 
Leibe, andreiseite nicht minder unsrem kmistitutionellen Qeiste der Freüieit 
geschuldet ist? Und worum BoUte die grossere Genialität, Energie und Oewandtliät 
unsrei Handwerker und Mannfaktararbeiter nicht der Freiheit geediuldet 
sein, womit sie sich in ihrer eignen Art und Weise zerstreuen? Ich bsße. 
sie werden nie wieder diese PrivU^en verliere, noch das gut» Leben. 
woraus ihre ArbeitstQchtigkeit und ihr Uuth gleichmSesig herstammen"!'") 
Darauf antwortet der Veriasser dee „Essay on Trade and C(«mna«"' 
..Wenn ee fOr eine gQtUiche Einriditang gilt, den siebenten Tag der 
Woche zu feiern, so schüeaat diee ein, dass die andren Wochentage der 
Arbeit (er meint dem Kapiti^, wie man gleich sehn wird) angehören, und 
es kann nicht grausam gescholten werden, diee Gebot Gottee zu erzwingen. 
.... Dass die Menschheit im Allgemeinen von Natur zur Bequemlichkeit 
und Trägheit neigt, davon machen wir die tätale Er&hrung im Beb'sgen 
unsres Manufiürtuipöbels, der durchschnltUich nicht Über 4 Tage die Woche 
arbeitet, ausser im Fall einer Theumng der Lebensmittel .... Gesetzt 
ein Busbel Weizen repriksentire alle Lebensmittel dee Aiteiters, kete 5 sh.. 
und der Arbeiter verdime einen Schilling Ulglich durch seine Arbät Dann 
braucht er bloss 5 Tage in der Woche zn arbeiten; nur 4, wenn dw 
Bu^hel 4 sb. betiSgt .... Da^ber der Arbeitelohn in diesem ^nigreicJi 

'") Postletbwaite 1. c „First Preliminarj Diocoune". p. 14. 



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— 267 — 

viel höber steht, vei^licbsn mit dem Preise der Lebensmittel, so besitzt der 
Uaou&ktoiarbeiter, dar 4 Tage arbeitet, einoi Oeldflbeischosa, womit er 
während des Beste der Woche mOseig lebt .... Ich hoffe, ich habe ge- 
nug gesagt, am klar eu machen, dass m&SBige Arbeit lAhiend 6 Tagen in 
der Woche keine Sklaverei ist ünsre Agriknltorarbeiter tiion dies und, 
allem Anschein nach, auid sie die Olßcklichsten nnter den Arbeitern (labou- 
ring poor)^'^, aber die Hidlftnder Üian ra in den Manu&ktoien und schei- 
nen ein sehr glückliches Volk. Die Franzosen tbun es, so weit nii^t die 
vielen Feiertage dazwischen ktHomen'**) . . . Aber unser Mann&ktnrpGbel 
hat sich die fixe Idee in den Kopf gesetzt, daas ihm ^ Engländer durch 
das Eecht der Gebart das Frivileginm zakommt, freier und unabhängiger 
zu sein als das Arbeitervolk in ii^^eud einem andren Lande von Europa. 
Nun, diese Idee, so weit sie auf die Tapfeiteit unsrer Seddaten einwirkt, 
mag von einigem Nutzen sein; aber je wenige' die MaHnfiüttnrarbäter aar 
von haben, desto besser für sie selbst und den Staat Arbeiter sollten sich 
nie f&r aoabMngig von ihren Torgesetzten („independent of their saperiora") 
halten .... & ist ausserordentlich ge&hrlich, mobe in einem kommer- 
ciellen Staat wie dem unsrigen zu enkouragiren, wo vielleicht 7 Theile von 
den 8 der QesammtbevOlkernng Leute mit wenig oder keinem Eigentham 
sind ^") .... Die Kur wird nicht voUstfindig sein, bis unsre induBtdelleu 
Armen sich bescheiden, 6 l^ge fllr dieselbe Summe zu arbeiten, die sie 
Dan in 4 Tagen verdienen" ***). Zu diesem Zwecke, wie zur „Ausrottung 
der Fanllemeiei, Aasschweifimg und romantischen Freiheitadnselei" , ditto 
„zur IQnderung der Annentaxe. Forderung des Geistes der Industrie und 



'*0 „An Earajr ete.", Er lelbit erzählt p. 96, worin BChon 1770 „du 
Glflck^ der englbohen A^cnlturarbeiter bestand. „Ihre Aibeitskr&fta („their 
woiking powers") sind gteta aof du Aeaueiste angeapaunt („on the Htretoh"); 
gis können nicht schlechter laben, als sie thun („Üiay cannot live chaaper than 
they do"), noch hbiei arbeiton" („nor work harder"). 

"*} Dei Protestaatjamna spielt ichon durch seine Terwandlnng fut aller 
traditionellen Feiertage in Werbtage eine wichtige KoUe in der Genen« det 
Kapitals. 

'") „An Kaaay ete." p. 15 — 57 passim. 

"") 1. e, p. 69. Jacob Vanderliut erklärte schon 1784, du äeheinmiu 
der Eapitaliatenklags Über die Fanllanierei des Aibeitervolka sei einbch, dau 
sie fOr danselben Lohn 6 atatt 4 Aibeitetage beanspruchten. 



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Berabdrückimg dee ArbeitspreiBea in den Manu&kturen" , schlägt uneer 
treuer Et^art des KapiialB das probate Mittel vor, solche Aibeitar, die der 
^fentÜcben WoUthätiglieit anheimfiillen , in einem Wort, pattpera, einzu- 
spenran in ein „ideales Arbeitshaus" (an ideal Woikhoose). ,Jän solchen 
Haas rnnsB in einem Hanse das Schreckens (Houae of Terror) gemacht 
werden*")- ^ diesem „Eaase dee Schreckeiw", dieeem ,Jdeal von einem 
Varkhonse", eoll gearbeitet werden 14 Standen täglich mit Einbegriff 
jedoch der paseend^ Mahlzeiten, so dafis volle 12 Arbeitsstunden abrig 
blähen" "»). 

Zwölf Arbeitffitonden täglich im Jdaal-WoTkhonse" . im Hause des 
Schieckens von 1770! Dmi und sechzig Jahre siAter, 1SS3, als das en^ 
liache Parlament in vier Fabrikzweigen den Aibeitsbig fOr Kinder von 13 
bis 18 Jahren auf zwOlf volle Arbeitsstunden herabeetzte, schien der jfingste 
Tag der englischen Indostrie angebrochrai! 1852, als L. Bonaparte bfiiger- 
Ijch Fnae zn fassen snchte durch B&ttebi am geeetzlidten Arbeitstag, schrie 
das französische Volk aas einem Monde: ,J)as Gesetz, das den Arbntstag 
auf 12 Stunden veitürzt, ist das einzige Gut, das mis von der Gesetz- 
gebung der Itepublik blieb"»*)! In ZDrich ist die Arbdit yw Kindern über 
10 Jahren auf 12 Stunden beschi^lnkt; Im Aargan wurde 1862 die Af- 



"*) L c. p. 260: „Snah idetJ woikhonie mnst be made s „Honaa of 
Tenor", and not an aajlnm for the poor, where thej ara b) be plentifoUf fed, 
wannlf and deoentlj dothed, and whete they do bat little worb." 

"■) ,Jn thia ideal «orkboUH the poor shall work 14 honi« in a da;, 
allowing proper Idme for meals , in auch rnsmier that there «hall remain 12 
honrs of neat labonr." (1. o.) ,J)ie Franzosen", sagt er, ,4achen über nnare 
enthnaiaatiBchen Ideen von Freiheit." (L e. p. 78.) 

'") „They eepedally objected to work bejond the 12 hoars per day, 
becauee the law whioh flzed thoae hoora is the only good whieh remains to 
them of the legialation of the Bepnblic." (Bep. of luip, of FacL 31at Octob. 
1856, p. 80.) Bas franiöslBehe ZwSUatnndeDgesetz vom 5. September 1850, 
eine verbOrgerlichte Ausgabe dea Dekrete der proviaoriachen Begienmg vom 
2. lUrz 1848, erstieckt üoh auf alle Ateliera ohne Unteraohied. Tor diesem 
Gesetz war der Arbeitatag in Frankieioh onbeaahr&okt Er wihtte in den 
Fabiiken 14, 15 nnd mehr Stunden. Siehe ,^as dasaea oovrierea en Franoe, 
pendant l'annee 1848. Far M. Blanqsi." Herr Blanqni, der Oekonom, nicht 
der Bevolntion&r, war von Begierunga wegen mit der Enqafit« Aber die Är- 
beiteizuatfiade betraut. 



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beit von Kindern zwisctien IS und 16 Jahren von 12*/, auf 12 Standen 
reducdrt, in Owtreicb 1860 fOr Kinder swiacben 14 und 16 Jahren 
ditto aaf 12 Standen""). Welch ein ,^rtBcliritt seit 1770", wörde 
MAcauIaj „mit Ezultution'* Mi^auchzenl 

Das ,^Qfi des Schreckes" fUr Paupers, wovon die Kapitalseele 1770 
noch titmnte, erhob sich wenige Jahre sfAter als nesiges „ÄibeitshauB" fßr 
die Hano&ktuiaiteiter selbst & hiew Pabiik. Und diesmal .erbluste 
dftB Ideal vor der Wirklichkeit 



6. Der Kampf um den Normalarbeitstag. Zwangsgesetzlicbe 
Beschränkung der Arbeitszeit Die englische Fabrikgesetz- 
gebung von 1833—1864. 
Nachdem das Kapital Jahrhunderte gebiancht, am den Arbeitstag bis 
zu seinen nonnolen Ujudmalgrenzen und dami Aber diese hinana, bis sn 
den Grenzen des natflrlichen Tage von 12 Stunden in verlängern "^), er- 



' "^ Belgien bewfthrt sich auch mit Bezug auf die Begulation de« Arbeiti- 
tagB all b&jgerlieher Mnaterstut. Lord Howard de Weiden, englischer Be- 
vollmlchligter in Brüssel, berichtet dem Foreign OfBce d. d. 13. Hai 1862: 
„Der Kiniater Bogiei erklbte mir, dass weder ein allgemeine! Geaetz noch 
Lokalreg alationen die Kinderarbeit irgendwie besohrinken; da» die Bagiemng 
•ich w&hrend der letzten S Jahre in jeder Sitinng mit dem Gedanken bug, 
den Kammern ein Gesetz aber den Gegenstand vorznlegen, dass sie aber stets 
ein un&berwindliohes Einderaisa fand an der eifersfiohtigen Angst gegen 
irgend welehe Geaetigebong im Widerspraoh mit dem Prinoip vollkommaer 
Freiheit der Arbeit"! 

"*] „Es ist sicher sehr bedanerlicb, dass irgend eine Klasse von Per- 
sonen 12 Stnnden t^lioh sich abplaoken mosa. Beohnet man die Uahlieitaii 
sn nnd die Zeit, nm in nnd von der Werkstatt zn gehn, so beträgt diess in 
der Tbat 14 von den 24 Tagesstnnden . . . Abgesehn von der Gesondheit, 
wird Niemand, ich hoffe, anstelm nungeben, dass vom moralischen Qesiobta- 
ponkt eine so gtmliehe Absorption der Zeit der arbeitenden Klassen, ohne 
Ünterlass, vom frühen Alter von 13 Jsliren, und in den „freien" Indnstrie- 
zweigen selbst von viel fr&hrem Alter an, ausserordentUoh sohidlieh nnd ein 
(drehtbares Uehel ist Im Interesse der öfTentliohen Moral, für die Anfsiehnng 
einer tttchtigen BeveUorung, nnd nm der grossen Uosse des Volks einen ver- 
nOuftigen Lebensgenma zn verschaffen, moss darmof gedrungen werden, dass 
ia allen Qesohiftstweigen ein Thell jedes Arbeitstags leservirt werde fOr 



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— 270 — ■ 

folgte nnn. seit der Geburt dar groeeen Industrie im letzten Drittel d€s 
18. Jahrhnnderte, oine lawinaiartig gewaltsame und malBloee UeberetOizniig. 
Jede Sdiranke von Sitte nnd Nfitnr, Alter und Geedtlecht, Tag und Nacht, 
wurde zertrfliniuert. Selbst die B^rriffe von Tag und Nacht, bftnerlich ein- 
fxh in den alten Statoten, verBchvammen ao sehr, dass ein englischer 
Riditer noch 1860 wahrhaft talmndistiBchen Schai&iim aofbieton mnsete, 
um „nrtheilakiSftig" zn erklären, wa£ Tag und Nacht sei "*). Das Ka- 
pital feierte seine Oigien. 

Sobald die vom ProdnktionslArm ObertClpelte Äitteiterklasse wieder 
eini^>enna(^ zur Besinnung kam, begann ihr Widerstand, zun&chst im 
(leburtsland der groeBen ^dustrie, in England. Während drei Decennien 
jedoch t^eben die von ihr ertrotzten EonceesJonen rän nominell. Das Kit- 
lammt erliees 5 Arbeits-Akte von 1802 bis 188S, war aber so schlau 
keinen Pfennig f&r ihre zwanganSesige Ansffihning, das oOthige Beamten- 
pereonal d. s. w. zu votiien'*^. Sie blieben ein todter Buchstabe. ,J>ie 
Tbatsache ist, daes vor dem Akt von 1833 Kinder und junge Per«»en 
al^eaiteitet worden („were worked") die ganze Nacht, den ganzen Tag, 
oder beide ad libitum"^'*). 

Erst seit dem Fabrikakt von 1833 ~ umtassend BanmwoU-, Wolle-, 
Fbcha- und Seideniabriken — datirt filr die moderne Industhe an Nor- 



Erholong and UaaM." (Leonhud Eomw in: „Inip. of Fsct. Beporia. Slat 
Dec. 1841") 

'") Sieh „jDdgmeDt of Mr. J. H. Otwey, Belfut, Bäaiy Setdons, 1860." 
>^ Sehr chftrakteriatiech ist «s fär das Begime Lonis PhiUppe's, des loi 
booigeoia, daas das einiige unter ihm erltsaene Fabrikgegeti vom 22. Hin 
1841 niemtls dnrohgefthrt worden iat. Und dies Gesetz betrifft nar Kinder 
arbeit. Es setzt 8 Stunden fhi Kinder zwischen S nnd 12, zwtUf Btonden ffir 
Kinder zwischen 12 nnd 16 Jahren n. s. w. (est, mit vielen Ananshmen, 
welche die Nachtarbeit selbst fOr Ach^ährige erUaben. Ueherwschong nnd 
Enwingnng des Gesetzes blieben in einem Lande', wo jede Msus polizeilich 
adminiatrirt wird, dem gaten Willen der „amis dn commerce" Oberlsasen. 
ErBt seit 1858 giebt es in einem einzigeD IMpartement, dem Departement dn 
Nord, einen bezahlten Regiernngsinspektor. Nicht minder charakteriatdEch fOr die 
Entwieklong der französischen Gesellschaft Überhaiipt ist ea, dass Louis Pbj- 
lippe'a Gesetz bis zur Bevolution von 1848 siniig dastand in der alles am- 
Bpinnenden franzSsisehen Oeoetzfsbrik! 

'") ,iR«p. ot Insp. of Fact 30th April 18Ö0", p. 61. 



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— 271 — 

matarbeitstag. Nichts cbarakteriBirt den Geist des Kapitale besser aln die 
Oeschicbte der englischen Fabrikgeeetzgvbtmg: von 1833 bis 18611 

Das 0«setz Ton 1833 eikl&rt, „der gewöhnliche Fabrik-Arbeitstag solbt 
beginnen um halb 6 Uhr Mor^ns and enden halb {* TJhr Abends, nnd 
inserbalb dieser Schianken, einer Periode von 15 Stunden, solle ee gesetz- 
lich sein, junge Personen (d. h. Personen zwischen 13 und 18 Jahmnt ?.n 
ii^^d einer Zeit des Tags anzuwenden, immer vontu^resetzt, dass ein und 
dieselbe junge Pereon nii^t mehr als 12 Stunden innerhalb Einee Tag!^ 
arbeite, mit Ausnahme gewisser speciell vorgesehener Mle". IMe 6. Sek- 
tion dee Akts bestunnit, .,^^^8 im Laufe jedes Tags jeder solchen Person 
von beecbTftnkter Arbeitszät nundestenü 1^/, Stunden fQr Mahlzeiten ein- 
gerftomt werden soUen". Die Anwendung von Kindern tinter 9 Jahren, 
mit spUer zu erwAhnemder Ausnahme, ward verboten, die Arbeit der Kinder 
von 9 bis 13 Jahren auf 8 Stunden tSglich beschrfinkt. Nachtarbeit, d. h. 
nach diesem Gesetz, Arbeit zwischen halb 9 Uhr Abends und halb 6 Ulir 
Morgens, ward verboten f^r alle Personen zwischen S und 18 Jahren. 

Die Gesetzgeber waren so weit entfernt, die Freiheit des Kapitals in 
Aussaogiing der erwachsnen Arbeitskraft oder, wie sie es nannten, „die 
Freiheit der Arbeit" antasten zu wollen, das» sie ein eignes System aus- 
heckten, um solcher haaistrfiubenden Konsequenz des Fabrikakts vorzubeugen. 

,JJas grosse Uebel des Fabriksystems, wie es g^enwjlrtig eingerichtet 
ist", betset es im ersten Bericht des Centralraths der Kommission vom 
25. Juni 1883, „besteht darin, dass es die Nothwendigkeit schafft, die 
Kinderarbeit zur äussersten Unge des Arbeitstags der lürwachsenen auszu- 
dehnen. Das einzige Heilmittel für dies Uebel, ohne Beschränkung der 
Arbeit der Erwachsenen, woraus ein Uebel entspringen wfirde, grOeser als 
das, dem vorgebeugt werden soll, scheint der Plan, doppelte Reihen von 
Kindern zu verwenden". Unter dem Namen ßelaissysteni (..System of 
Bdays"; Relay heisst im Englischen wie im Französischen: Asa Wechseln 
der Poetpferde auf verschiednen Stationen) wurde daher dieser „Plan" ans- 
gefOhrt, so dass z. B. von halb 6 Uhr Moigens bis halb 2 Uhr Nach- 
mittags eine Beihe von Kindern zwischen 9 und 13 Jahren, von halb 
zwei Uhr Nachmittags bis halb 9 Uhr Abends eine andre Beihe vorge- 
spannt wird u. s. w. 

Zur Belohnung dafür, dass die Herrn FiUirilQuiten alle wilhrend der 
letzten 22 Jahre erUssnen Gesetze über Kiadeiarbeit aufe frechste ignorirt 



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— 272 — 

hatten, ward ihnen jetzt aber an^ die Pille Tergoldet Das ItelatDent 
bestimnite, dass nach dem 1. M&rz 1884 kein Kind unter 11 Jahren, 
nach dem 1. SAn 1835 bein Kind nnter 12 Jahren nnd nacä dem 
1. HSn 18S6 kein Kind unter 13 Jahren über 8 Stunden in einR' 
Fabrik u-beitan wdlel Dieeer fllr das „Ki^ital" so schonangsn^e „Libonlis- 
mus" var om so anerirannenawerther, als Dr. Faire, Sir A. Carlide, Sir 
B. Brodle, Sir C. Bell, Hr. Guthrie u. s. w., knn die bedentendeten pfay- 
siGians und sai;gwnB London's in ifarmi ZeogenanfiBageo tot dem Unterhaus 
ertdlbt hatten, daw pericnlnm in mor&t Dr. Farre dritckt« dch noch etnsB 
giQber dahin aoe: „OeBetzgebong ist gleich nothvendig fllr die VoTbengan^ 
dw Tods in allcoi Fennen, worin er vorzeitig angethan werden Irann, und 
sicher dieeer (der Fabrikmedns) muss als eine der grausamsten Methoden 
ihn anzuthim betrachtet werden ^^')." Dasselbe „reformirte" Itelament, das 
ans Zartann fOr die Herm Fabrikanten Kinder unter 13 Jahrm noch 
Jahre lang in die HSlle 72stündiger Fabrikarbeit per Woche fesä»iinte, 
verbot dagegen in dem Emancipationsakt, der audi die Freiheit tropfenireise 
eingab, von vomhraeia den Pflanzern, irgend einen Negersklaven ISager als 
45 Standen per Wodie abzuarbeiten! 

Aber keinsBwegs gesOhnt, ertfEnete das Ktqntal jetct eine mehijShiige 
und geifiuflchYoUe Agitatacm. Se dnlite siidi hauptdcUich um das Alter 
der Kategonen, die unter dem Namen Kinder auf SstOndige Arbeit be- 
schiänkt und einem gewissen Schalzwang unterworfen worden waren. Nach 
der ktqtitalistiscben Antiuvpologie hörte das Kindeealter im 10. oder, wenn 
ee hoch ging, im 11. Jahre auf. Je nBher der Termin der vollen Ans- 
flUmmg des Fabrikakts, das Terhangnissvolle Jahr 1836 rOckte, um ao wil- 
der isste der F^hrikantenmob. Es gelang ihm in der That, die Itegierong 
so weit oinzQSchflchtem , daag sie 1835 den Termin des Kindesalters von 
IS auf 12 Jahre herabzusetKoi voisdilng. Indess wncha die pressure 
from witfaont dndiend an. Der Mnth versagte dem Unterhause. Es ver^ 
weigerte, Dreizehiyährige lAnger als 8 Stunden täglich unter das Juggw- 
nautntd des Kcytitals zu werfen, und der Akt von 1833 trat in volle 
Wirkung. Er blieb mivei&Ddert bis Juni 1844. 



'") „Legislation is aqnall; necesMry fer the prevention of desth, in anj 
form in which it cid be piematnrel; inflicted, and certaml; thla niust Ite 
viowsd ai a most ciuel mode of infticting it." 



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— 273 — 

Während dee DecenmumB , worin er eist tfaeilweise, dann gEinz die 
l'nbrikarbeit Fegniirtei strotzen die officieUen Beridite der Fabrikinspektoren 
von Klagen Aber die TJnmO^ichbeit seiner ÄuBfflhning. Da das Gesetz von 
1833 es nämlich den Herrn Tom Kapital freistellte, in der fOn^ehnstündigen 
Periode von halb 6 Cbr Morgens bis halb 9 ühr Abends jede ,Jange Per- 
son" und , jedes Kind" zn irgend beUebiger Zeit die zwQlf-, reepektive 
SstOndige Artwit beginnen, unterbrechen, „enden zu laasen, und ebenso den 
verschiedoen Personen vraschiedne Stunden der Mahlzeiten anzaveisen, fim- 
den die Herrn bald ein neues „Belaissyst^n" aus, wonach die ArbeitspEarde 
nicht an bestinunten Stationen gewechselt, Gondem an wechselnden Stationen 
stets wieder von neuem vorgespannt werden. Wir rorwellen nidit weit» 
bei der Schönheit dieses Systems, da wir spater darauf zurückkommen 
müssen. So viel ist aber auf ifsa ersten Blick klar, dass es den ganzen 
Fabrikakt nicht nur seinem Geist, sondern auch seinem Buchstabm nach 
aufhob. Wie sollten die Fabrildnspektoren bei dieser komplicirten Bnch- 
fOhrong Aber jedee einzelne Kind und jede junge Person die geeetzLch be- 
stimmt« Arbeitszeit und die Gewähnmg der gesetzlichen Mahlzeiten erzwin- 
gen? In einem grcssen Theil der Fabriken blähte der alte brutale ünfiig 
Imld wieder ungestraft auf. In einer Znsammenkunft mit dem Minister des 
Innern (1844) bewiesen die Fabnkinspektoren die Unmöglichkeit jeder Ktn- 
ti-ole unter dem nenansgeheckten Relaissystem^'*). TJnterdees hatten sidi 
aber die Umstände sehr geändert Die Fabrikarbeiter, namentlich seit 1838, 
hatten die Zehnstimdenbill zu ihrem ökonomischen, wie die Charter zu 
ihmn politischen Wahlaufruf gemacht. Ein Theil der Fabrikanten selbst, 
der den Fabrikbetrieb dem Akt von 1883 gemäss geregelt hatte, Oberwarf 
das Parlament mit Denkschriften Aber die unsittliche ,JCDoknrrenz" der 
„falschen Brüder", denen grOeeere Frediheit oder glflcklichere LokalumstSnde 
den Geeetzesbnidi erlaubten. Zudem, wie sehr immeriiin der einz^e 
Fabrikant der alten Baubgier den Ztige) frei schiessen laasm mocht«, die 
WortfShrer und pditischai Ldter der Pabrikantenklasse geboten eine ver- 
änderte Haltung und veränderte Sprache gegenQber den Arbeitern. Sie 
hatten äea Feldzng zur Abschaffimg der Komgeeetxe eröfhet und bedurften 
der HfUfe der Arbeiter znm Si^! Sie versprachen daher nicht nur Ver- 



I „Rep. of InBp. of Fut 3 Ist October 1849", p.S. 
:. Etpltd 1. 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 274 — 

^q)plimg des Laibes Brod, sondern Annahme der Zehnstundenbill unter 
dem taosen^jSluigen Keich dee Free Trade' ^'). Sie durften also nm so 
weniger eine Massn^l bdtOinpfeii, die nur den Akt von 1883 zur Wahr- 
heit machen Bollte. In ihrem heiligste« Intereeae, der Gmndrmte, bedroht, 
donnerten endlich die TorieB entrflstet philanthropisch Qber die „inEamen 
Praktiken"'**) ihrer Feinde. 

So kam der zneätzliche t^brikakt vom 7. Juni 1844 zn Stande. Er 
trat am 10. Septemb» 1844 in Wirkung. £r gmppirt eine neue Kate- 
gorie von ArbmterD unter die ßeschfltztrai, nämlich die Franeniimmer flbPr 
16 Jahre. Sie wurden in jeder Rücksicht den Jungen Pereonen gleich- 
gteetzt, ihre Arbeitszeit auf 12 Stunden bescbrSnkt, Nachtarbeit ihnen 
untersagt u. s. w. Zum erstenmal sah sich die Gesetzgebung also ge- 
zwungen, aneh die Arbeit Volljähriger direkt und ofBciell lu kontroliren. 
In dem Fabrikbericht von 1844 — 45 heisst es ironisch: ,iEB ist kein ein- 
ziger Fall zu unsrer Kenstniss gekommen, vo erwachsne Weiber sich über 
diesen Eingriff in ihre Eechte beschwert hätten'*^." Die Arbeit von 
Kindern unter 13 Jahren wurde auf 6'/j und, unter gewissen Bedingun- 
gen, 7 Standen tAglicb reducirt'*"). 

Um die Iffissbiänche des „feischen ItelaissTstems" zu beseitigen, traf 
das Gesetz u. a. folgende wichtige Detailbestünmungen: „Der Arbeitstag fQr 
Kinder und junge Personen ist von der Zeit an zu zählen, wo irgend ein 
Kind oder eine junge Peraon des Morgras in der Fabrik zu arbeiten an- 
fangt." So dass wenn A z. B. um 8 Dhr Morgens die Arbeit beginnt, 
und B um 10 Uhr. der Arbeitstag dennodi fQr B zur selben Stunde 
onden muss wie flir A. „Der Anfang des Arbeitetags soll angezeigt wer- 
dra durch eine OfientUi^e Uhr, z. B. die nSchste Eisenbahnohr, wonach di«( 
Fabrikglocke zu richten. Der Fabrikant hat eine grossgedruckte Notiz in 
der Fabrik aufzuhängen, worin An&ng, Ende, Funsen des Arbeitstags ange- 



"•) „Eep. of Insp. of Fact. Slst Oct. 1848", p. 88. 

"*) Uebrigeas brauclil LconbaidUonier den Ausdruck „nefariona practices'' 
offidcü. („HeporU of lugp. of Fact Slat Ootober 1859', p. 7.) 

"•) „Rep- etc. for 30th Sept 1844", p. 15. 

'") Der Akt erlaubt Kinder 10 Stauden anzuwenden, wei^n eieniehtTag 
1 ach Tig, »indem nur einen Tag über den andren arbeiten. Im Ganzen blieb 
dioee Klausel wirkungsloB. 



n,gt,7cdT:G00glc 



.- 275 — 

gebcD änd. Kinder, die ihre Arbeit dee VormitUgB vor 12 Uhr beginnen, 
dürfen nicht wieder nach 1 Uhr Mittags venrandt werden. Die Nach- 
niittagsreihe ninsB also ans andren Kindern beetehn als die Vormittagsreihe. 
Die 1>/, Stunden für Mahlzeit müssen allen beechfitEten Arbeitern zu den- 
selben Tageepeiioden eingeräumt werden, eine Stunde wenigstens vor 3 übr 
Nachmittags. Kinder oder junge Pereenen dürfen nicht l&nger als 5 Stan- 
den vor 1 TJhr Mittags verwandt werden, ohne eine mindestens balbetün- 
dige Pause ffir Mahlzeit Kinder, jnnge Persanen oder Fianeuzimmer dür- 
fen wahrend keiner Mahlzeit in einer Fabiikstube bleiben, worin irgend ein 
Arbeitsprocess vorgeht <a. s. w." 

Man bat gesehn: Diese minntiOaea BeetimuiungeD, welche die Periode, 
Qrenzen, Pausen der Arbeit so militärisch imiform nach dem GlotkenacUag 
r^n, waren keineewe^ Produkt« parlamentarischer Hirnweberei. Sie ent- 
wickelten sich allmälig ans den TeiMltnissen heraus, als Naturgesetze der 
modernen Produktionsweise. Ihre Fonnnlirung, officielle Anerkennung uad 
staatliche Proklamation waren Ergebniss langwieriger KlassenkSmpfe. Eiue 
ihrer nächsten Folgen war, dass die Praxis auch den Arbeitstag der er- 
wachsenen männlichen Fabrikarbeiter denselben Schranken nnterwarf, da in 
den meisten Produktionsprocessen die Kooperation der Kinder, jnngoi Per- 
sonen und Frauenzimmer unentbehrlich. Im Qroesen und Ganzen galt da- 
her wahrend der Periode von 1844 — 47 der zwQlfetfindige Arbeitstag all- 
gemein und uniform in allen der Fabrikgesetzgebung unterworfenen In- 
dustriezweigen. 

Die Fabrikant(!n erlaubten diesen „Fortechritt" jedoch nicht ohne einen 
bompensircnden „Rückschritt". Auf ihren Antrieb reducirte das Unterhaus 
Aan Mininulalter der zu verarbeitenden Kinder von 9 Jahren auf 8, zur 
Sicherung der dem Kapital von Gott und Rechte wegen geschuldeten .,ad- 
ditionellen Fabrikkinderanfuhr"^**), 

Die Jahre 1846^47 machen Epoche in der Ökonomischen Geschieht« 
Englands. Widerruf der Komg(«etze, die EininhnSUe auf Baumwolle und 



'*'] „Aa a redncUon in theii honra of woik would oaiue a lafge numbei 
(of ohildreu) to be emplojed, it was thooght that the additdonal snpplj of 
childr«n froni eight to nice ;ean ofage, would meet th« increased demand." 
(1. c. p. 13.) 

18' 



lyGOOgIC 



— 276 — 

andre Rohmaterialim abgeechi^, der Freihandel zum Leitsteni dar Gesetz- 
gebung erklärt! Kurz, das tfinaen^j'^i^^ B«icb brach an. Andrerseits 
erreichtei in denselben Jahren ChartHtenbewegung und Zrimstundensgi- 
tation ihren Höhepunkt. Sie fanden Bnodesgenoesen in den racbeecbnau- 
benden Toriee. Trotz dee fenatiBChen Widerstands des wortbrüchigen Fiei- 
handelflheers, mit Bright und Cobden an der Spitze, gii^ die so laiiK 
erstrebte Zehnstundenbill durch das Parlament 

Der neue Fabrikakt Tom 8. Juni 1847 setzte fest, dass am 1. Juli 
1847 eine vorläufige Verkürzung des Arbeitstags der .jungen Personen" 
(Ton 13 Me zu 18 Jahren) und aller jVrbeiterinnen auf 11 Stunden, am 
1. Hai 1848 aber die definitive Beschränkung auf 10 Stunden eintreten 
solle. Im übrigen war der Akt nur ein amendirender Zusatz der Gksetae 
von 1838 und 1844. 

Das Kapital untemi^un einen vorläufigen Feldiug. um die volle Aus- 
führung dee Akts am 1. Mai 1848 zu verhindern. Und zwar sollten die 
Arbeiter selbst, angeblich durch die Erlahrung gewitzigt, ihr eignes Werk 
wieder zerstören helfen. Der AugenbUck war geschickt gewählt „Man 
mnss sich erinnern, dass in Folge der furchtbar«) Krise von 1S46 — 47 
grosses Leid unter den Fabrikarbeitern vorherrschte, da viele Fabriken nur 
fflr kurze Zeit gearbeitet, andre ganz still gestanden hatten. Eine beträcht- 
liche Anzahl der Arbeiter befand sich daher m dräckendster Lage, viele in 
Schulden. Hau konnte daher mit ziemlicher Qewissheit annehmen, dass sie 
die längere Arbeitszeit vorziehen würden, um die vergangnen Verluste gut 
zu machen, vielleicht Schulden abzuzahlen, oder ihre Möbel ans dem P&nd- 
haus zu holen, oder verkaufte Habseligkeiten zu ersetzen, oder neue Klei- 
dungsstücke sich selbst und ihren Familien zu verschi^n" • **). Die Herrn 
>'abrikant«n suchten die natürliche Wirkung dieser Umstände zu steigern 
durch eine allgemeine Lohnherabsetzung von 10%. Dies geschah so zu 
sagen zur Einweihungsfeier der nenen Freibandelsara. Dann folgte weitre 
Herabsetzung um 8^/g7a, sobald der Arbeitstag auf 11, und um das Dop- 
pelte, sobald er definitiv auf 10 Stunden verkürzt wurde. Wo ee daher 
irgendwie die Verhältniese zulieesen, &nd eine Lohnherabsetzung von 



'") „Rop. of Inap. of Faot. 31st Oct 1848", p. 16. 



lyGOOgIC 



— 277 — 

) 25% stott»*'). Unter so gflnstig vorbereiteten Chancen b^ann 
man die Agitation unter den Arbeitern fllr Widerruf dee Akts von 1847. 
Kein Mittel des Betrnge, .dei' VerfOhnuig nnd der Drohnng wurde dabei 
veracbmllht, aber alles umsonst. Hit Bezug auf das hiübe Dutzend Pe- 
titionen, worin die Arbeiter klagen mussten über ,^iae Unterdrückung durch 
den Akt^', erklärten die Bittsteller selbst, bei mOndlichem Verhör, ihre 
Unterschriften seien al^enOthigt worden. „Sie seien unterdrückt aber von 
Jemand anders als dem Fabrikakf"*'). Wenn t>s aber den Fabrikanten 
nicht gelang, die Arheiter in ihrem Sinn sprechen zu machen, schrieen sie 
selbst nur um so laoter in Presse nnd Parlament im Namen der Arbäter. 
Sie denuncirten die FabrikiDSpektoren als eine Art Konvent^omni isttre, die 
ihrer Weltverbeeseningsgrille den unglficklichen Arbeiter unbexmhei^ig auf- 
opferten. Auch dies Manöver schlug fehl. Fabrikinspektor Leonhard 
Homer stellte in eigner Person und durch seine Unterinspektoren zahlreiche 
Zengenverhöre in den Fabriken lancashire's an. Unge&hr 70% der ver- 
hörten Arbeiter erkl&rten sich filr 10 Stunden, eine viel geringere Procent- 
zafal für 11 und eine ganz unbedeutende Minorität flir die alten 12 
Standen!"). 

Ein andifK „gaUiches" Manöver war, die erwachsnen mBnnlichen Ar- 
beiter 12 bis 15 Stunden arbeiten zu lassen und dann die:» Thatsadie 
filr den besten Ausdruck der proletarischen Herzenswünsche zu erklären. 
Aber der „unbarmherzige" Fabritdnapektor Leonhard Homer war wieder an 
Ort und Stelle. Die meisten .,üeberBtündigeD" sagten aus, „sie würden es 



'") „lob bnd, daaa man Leuten, die 10 eh. w5ahcntlkh erbalten hatten, 
1 sh. absog auf BechnnDg' der «Ugemeinen Lohnherabeetiang von 10V*i und 
wnitre I sh. 6 d. für die ZeitverkQiziiog , zusammen 2 sh. 6 d., and trotz 
alledem hielt die Mehrzahl fest an der ZehnatundenbUl." (L c.) 

'") „Als ich die Petition auterzelohnete, erU&rte ich zugleich, ich thue 
damit etwas Schleohte». — Warum habt Ihr üe denn untoneiohnet? — Weil 
mau mich im Weigerungafall auf das Pflaeter gawotfen hätte. — Der Bitt- 
steller fhhlte sich in der That „unterdrückt", aber nicht grade durch den 
Fabrikakt," (1. c. p. 102) 

'*^ p, 17 1. c. Id Herrn Homer'« Diatrikt wurden ao 10,270 erwachaue 
m&noliohe Arbeiter in 181 Fabräen rerhort. Man findet ihre Anaaagen im 
Appendix des Fabakreport* (&r da« Halbjahr endend Ootoher 1848. Diese 
Zeugenverb&re bieten aach in andrer Beaiehung achatzharea Material. 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 278 — 

bei weitem romehn. 10 Stunden fSr geringren Arbeitslohn zu arbütea, 
aber sie hätten keine Wahl ; so rip)e von ihnen seien arbeitslos, so viele 
Spinner gezwungen, als blosse piecers zu arbeiten, dass, wenn sie die 
l&ngre Arbeitszeit verweigerten, andre sofort ihre Rtellen einnehmen wiliden, 
so daas die I'Vage so fOr sie stehe: entweder die längre Zeit arbeilen oder 
auf dem Pflaster liegen'"**). 

Der vorlänfige Feldzag des Kapitals war missgiückt und das Zehn- 
stnndengesetz trat am 1, Hai 1848 in Krafl ünterdeas hatte jedoch das 
Fiasko der Chartistenpartei , deren FDhrer eingekerkert und deren 0^:ani- 
sation zersprengt, bereits das Selbstvertrauen der englischen Arbeiterklasse 
erschüttert. Bald darauf vereinigte die Pariser Junünsurrektion und ihre 
blutige Erstidning, wie im kontinentalen Europa so in Enghnd, alle Frak- 
tionen der henscbenden Klassen, OnmdeigenthOmer and Kapitalisten, BOr- 
senwtUfe nnd KiSmer, Prot^rtionisten und Freihändler, B^erung und Oppo- 
sition, PMen nnd Freigeister, junge Huien und alte Nonnen, anter dera 
gemeinschaftlichen Ruf zur Bettung des Eigenthums. der Beligion, der Fa- 
miUe, der Gesellschaft! Die Arbeiterklasse wurde Qberall verfehmt, in dm 
Bann getfaan, unter das „loi des suspecte" gestellt Die Herrn Fabrikantm 
brauchten sich also nicht lOnger zu geniren. Sie brachen in ofhe Bevolte 
ans, nicht nur wider das Zehnstnndengeseta, sonderu wider die ganze Qe- 
setzgebung, welche seit 1833 die „freie" Anssaugong der Arbeitskraft 
einigermassen zu zflgeln suchte. Es war eine Proelavery Rebellion in Miniatur, 
während m^ als zwei Jiüiren durchgeführt mit cyniacher Rficksichtsloeig- 
kot, mit terroristischer £n«^e, beide um so wohlfeiler, als der rebellische 
Kapitalist nichts riskirte ausser der Eant seiner Arbeiter. 

Zum VeiBt&ndniss des Nachfolgenden muss man sich erinnern, dass 
die Fabrikakte von 1883, 1844 und 1847 alle drei in Rechtskraft, so 
- weit der eine nicht den midren amradirt; dass keiner derselben den Ai^ 
beitstag des männlichen Arbeiters über 18 Jahre beschränkt, und dass 
seit 1883 die ffin&^mstOndige Periode von halb 6 Uhr Morgens bis halb 



"*) t. 0. Siehe die von Leoahuä Homer wlbst geaammelteu Aosiagen 
Ko. 69,' 70, 71, 72, 93, 98 und die von Babinspekt«! A. gesunmelten No. 51, 
62, 58, 69, 62, 70 des „Appendix". Ein F»brikant aclienkte selbst kU»n 
Wein eia. Siahe No. 14 oseh No. 2SS 1. c. 



lyGOOgIC 



— 279 — 

9 Uhr Abends der geaeblicbe „Tag" blieb, innerhatb dessen erst die 
zwOlf-, sjAter die zehnstQndige Arbeit der Jungen Feisonen nnd Pranen- 
Zimmer nntor den voi^feschriebnen Bedinfranewn zn veirichtoi war. 

Die Fabrikanten b^^nnen liier und da mit Entlassung eine« Tlieils, 
manchmal der HiUfl«, der von ihnen beechäiljgten jnngen Personen und 
ATbeiterinnen und stellten dagegen die fitst verschoUne Nachtarbeit unter 
den erwacbsnen männlichen Arbeitern wieder her. Das Zehnstnndengesetz, 
riefen sie, lasse ihnen keine andre Alternative"')! 

Der zweite Schritt bezog sich auf die gesetzlichen Pansen fOr Mahl- 
zeiten. HGren wir die Fabrikinspektoren. ,^t der Beechillnknng der Ar- 
beitsstunden anf 10 behaupten die Fabrikanten, obgleich sie praktisch ihre 
Ansicht noch nicht bis zur letzten Kcmseqnenz durchfuhren, dass, wmn 
z. B. von 9 Uhi Morgens bis 7 Uhr Abends gearbeitet wird, sie den ge- 
sctzliijien Vorschriften genug thun, indem sie eine Stunde fOr Bl&hlzeit vor 
'S TJhr Morgens und eine halbe Stunde nach 7 Uhr Abends, also 1'/% Stun- 
den nir Mahlzeiten geben. In einigen FSilen erlauben sie jetzt eine b^be 
Stunde fSr Mittagseesen, beetehn aber zugleich daranf, sie seien durchaus 
nicht verpflichtet, irgend einen Theil der iVi Stunden im Laflf des zehn- 
stündigen Arbeitstags einznrSumen'"**). Die Herrn Fabrikanten behaupteten 
also, die peinlich genauen Bestimmungen des Akts von IS 44 Qber Mahl- 
zeiten gaben den Arbeitern nnr die Erlaabnias, vor ihrem Eintritt in die 
Fabrik nnd noch ihrem Austritt ans der Fabrik, also bei sich zu Hanse, 
zu essen nnd zu trinken! Und warum sollten die Arbeiter auch nicht vor 
9 Uhr Morgens ihr Mittagaessen einnehmen? Die Kronjuristen entschieden 
jedoch, dass die voi^eechrleboien Hahlseiten „in Pausen während des wirk- 
lichen Arbeitstags g^ben weiden mfissen, und dass es ungesetzlich, 10 
Stunden nach einander von 9 Uhr Morgens bis 7 Uhr Abends ohne Unter- 
brechnng arbeiten zn lassen"'**).! 

Nadi diesen gemüthlichen Demonstiationen leitete das Kapital seine 
Revolte ein durch einen Schritt, der dem Buchstaben des Qesetzes von 1844 
«ntsprach, also legal war. 



■"] „B«porta atc. for Slfit October 1848", p. 183, 184. 
■") „Eeporta etc. for 80th April 1848", p. 47. 
'•^ „Eeports ete. for Slat Oct. 1848«, p. 180. 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 280 — 

Das Gesetz von 1844 verbot allerdings, Kinder von 8 bis 13 Jabrpn, 
die vor 12 Uhr Vormittage beacMfügt wOi^en, wieder nacb 1 Uhr Hit- 
tags ZQ beschäftigen. Aber es regelte in keiner Weise i^e S'/ist&ndig^ 
Arbeit der Kinder, deren Arbeitszeit um 12 Ohr Vormittags o«ler spSt«r 
begann! AcbtjShrige Kinder konnten d^dier, wenn sie die Arbeit nm 12 Ubr 
Vcmnitlags b^ann«!, v(hi 12 his 1 Uhr verwandt werden, 1 Stunde; von 
2 Uhr bis 4 Uhr Nachmittags, 2 Standen, nnd von 5 Uhr bis halb 9 Uhr 
Abends, 3Vi Standen; alle in allem die g«6etslichen 6Vi Stunden! Oder 
noch beeser. Um ihre Verwendung der Arbeit erwachsner männlicher Ar- 
beitä' bis halb 9 übr Abends anznpaBsen, brauchten ihnen die Fabrikanten 
bin Werk zd geben vor 2 Uhr Nachmittags, nnd konnten sie dann an- 
nntertmwhen in der Fabrik- halten bis halb 9 Uhr Abends! .,Und es 
wird jetzt ansdrOcklicb zugestanden, dass neuerdings in Folge der Fabrikan- 
tengier, ihre Maschinerie länger als 10 Stunden lanfen zn lassen, sich die 
Praxis in England eingeschlichm hat, acht- bis dieiKehqjährige Kinder 
beiderlei Geechlechts nach Entfernung aller jungen Personen und Weiber 
ans der Fabrik allein mit den erwachsnen Männern bis halb 9 Uhr Abends 
arbeiten za lassen"*^. Arbeiter imd Fabrikinspektoreu protestirten ans 
hygienischen und moralischen Gründen. Aber das Kapital antwortete: 

„Heine Thateo auf mein Haapt ! Mein Recht verlang ich 1 
Die BuBSB und Terpßndung meines Scheins!" 

In der Tbat waren nach statistischer Vorlage an das Unterhnns vom 
26. Juli 1850, trotz aller Proteste, am 15. Juli 1850 3742 Kinder in 
276 Fabriken dieser „Praxis" unterworfen'"). Noch nicht genug! Das 
Luchsauge des Kapitals entdeckte, dass der Akt von 1844 fflnfständige 
Arbeit des Vormittags nidit ohne Pause von wenigstens 80 Minuten fiir 
Eririschung erlaubt, aber nichte der Art flir die Nacbmittagsnrtteit vor- 
schreibt. Es verlangte und ertrotzte daher den Genuas, achtjährige Ar- 
beiterkinder nnansgesetzt von 2 bis halb 9 Uhr Abends nicht nur schan- 
zen, sondern anch hungern zu lassen! 

„Ja, die Bnut, 

So sagt det Schein"'"). 



'") „Report« etc." 1. c. p. 42. 

"■) „Reports etc. for Ölst Oct. 1850", p, 5, 6. 

'») Die Natur des Kapitals bleibt dieselbe, in s 



lyGOOgIC 



— 281 — 

Diese Shylock'sche Festldammem am Budißtabeii des Geseteee von 
1844, soweit es die Einderarbfit Kgdt, sollte jedocli nur die offne Bevolte 
g^gea dasselbe G«setz vermitteln, soweit es die Arbeit von , jungen Per- 
sonen und Franenzimmem" r^lt Man erinnert sich, dass die Abschaffnng 
des i^Jalschen ßelaissystems" Hauptzweck und Hauptinhalt jenes Qeeetzes 
bildet. Die Fabrikanten erfi^eten ihre Bevolte nüt der anfachen Er- 
klSmi^, die Sektionen des Akts ron 1844. welche belisbigen Hiess- 
bran<di der jungen Personen und Franenzimmer in beliebigen kürzeren 
Abschnitten des fünf zehnstündigen Fabriktags verbieten, seien ..ver- 
gleichungsweise harmlos (comparatively harmless) geblieben, so lange die 
Arbeitszeit auf 12 Stunden eingeschränkt war. Unter dem Kehnstunden- 
gesetz seien sie eine unerträgliche Unbill" diardship)'^^). Sie ze^en 
daher den Inspektoren in der ktthlsten Weise an, dass sie sich fiber 
den Bnchstaben des Gesetzes hinwegsetzen nnd das alte System auf 
«gne Faust wieder einfahren würden"'*). Es geschehe im Interesse der 
ftbelberathenen Arbeiter selbst, „um ihnen höhere LOhne zahlen zu können." 
„Es sei der einzig mögliche Plan, nm unter dem Zehnstundengesetz die 
industrielle Suprematie Qrossbritanniens zu erhalten' ^^)." „Bs möge 
etwas schwer sein, Unregelmässigkeiten unter dem UeiaisEystem zu ent- 
decken, aber was beisse das? (what of that?) Soll das grosse Fabrik- 



in «einen entwickelten Farmen. In dem GeMtzbuch, das der GioilueB der 
SklBTenhaltei kori vor Aasbrnch des amerikanischen Bürgerkriegs demTerri- 
torinm Ton New'Meiioo anfherrsohte, heisst es: der Arbeiter, so weit der Ka- 
pitalist seine Arbeitskraft gekaaft hat, „ist sein (des Kapitalisten) Geld." 
(„The labonier is hii (the capitalist'a) mone;".) Dieselbe Anschanang war 
gangbar bei den römischen Patriciem. Das Geld, das sie dem plebejischen 
Schuldner vorgeschossen, hatte sich vermittelst seiner Lsbensmittel in Fleisch 
und Bht des Scholdners verwandelt Diess „Fleisch and Blut" war daher 
„ihr Geld". Daher das Shylock'scha Gesetz der 10 Tafeln' Lingnet's Ejpo- 
theae, dass die patriei«chen Gläubiger von Zeit lu Zeit jenseits der Tiber 
FeetschmSuse in gekochtem Schuldnerfieisch veranstalteten, bleibe ebenso 
dahingestellt, wie Danmer's HypoÜieee über das christliche Abendmahl 

'") „Beports etc. for Slst Oct. 18*8", p. 133. 

'^) So unter andren Philanthrop Ashworth in einem qnikerbaft widrigen 
Brief au Leonhard Horner. 

'••) 1. c. p. 184. 



lyGOOgIC 



— 282 — 

iateresse dieees Landes als ein sekand&rea Dii^ b«haDdelt werden, am 
den Fabnkinsp«ktoren und Sabinspektoren ein biechen mebr Hßhe (aome 
little trouble) zn sparen"'*®)? 

Alle diese Flaneen halfen natOrlich nichts. Die Fabrikinspektonn 
schritten gerichtlich ein. Bald aber Qberschüttete eine solche Staub- 
wolke von Fabrikantenpetitionen den Minister des Innern, Sir Qeorge 
Grey, dass er in einem Cirknlar vom 5. Aagnst 1648 die Inspektoren 
anwies, „im Allgemeinen nicht einzuschreiten wegen Verletznng dee 
Bnchstabens dee Akts, so oft das Seiaissystem nicht erwieBenermasan 
missbrancht werde, om jnnge Personen nnd Frauenzimmer aber 
10 Stunden arbeiten zn lassen". Hieranf erlaubte Fabrildnspektor 
J, Stuart das so^nanute AblSsnogssystem w&hreud der fQnftehnstOB- 
digen Periode dee Fabrilrtags in ganz Scbottlanii, wo es bald wieder 
in alter Weise anfblflhte. Die engliechen Fabrikinapektoren dagegen 
erklärten, der Minister besitze keine diktatorische Qewalt zur Sospenuon 
der Gesetze, und fuhren mit gerichtlicher Procednr wider die ProslaTOi? 
Bebellen fort. 

Wozu jedoch alle Ladnng ror's Gericht, sobald die Gerichte, 
die coQoty magistrates'"^) freisprachen? In diesen Gerichten sassen 
die Herrn Fabrikanten Aber sich selbst zn Gericht. Ein Beispiel. Ein 
gewisser Eskri^e, Bamnwot Ispinner von dar Firma Kershaw, Leeae et Co., 
hatte dem Fabriklnspektor seines Distrikts das Schema eines fflr seine 
Fabrik bestimmten Belüasyetems vorgelegt. Abschlägig beschieden, 
verhielt er sich zunächst passiv. Wenige Monate später stand ein 
Individuum Namens Bobinson, ebenfalls Baum Wollspinner, und wenn 
nicht der Freitag, so jedenfalls der Verwandte des Eskrigge, vor den 
Borongh Jnstices zn Stockport, wegen Einfabrung des identischen, von 
Eskrigge ausgeheckten Belaisplane. Es sassen i Richter, darunter 
3 Baumwollapinner, an ihrer Spitze derselbe unvermeidliche Eskrigge. 
Eskrigge sprach den Bobinson frei and erklärte nnn, was dem Bobinson 



'«) 1. 0. p. 1«. 

'") Diese „coaety magUtrates", dl« „great anpaid", wie W. Cobb«tt sie 
nennt, sind eine Art mibezahlter friedensriohter, aas den Eonoratioreii der 
GrofBchaften gebildet. Sie bilden in der That die Patrimonialgeriohte der 
herraohenden Klauen. 



lyGOOgIC 



— 283 — 

recht, sei dem Eskh^e billig. Auf seine eigne rechtskräftige Ent< 
echeiduug geetfttzt, ftUirte er sofort das System in seiner eignen Fabrik 
ein'^"). Ällerdiogs war schon die Zusammensetzung dieser Gerichte 
eine offne Verletzung des Oesetzes ^^*). ..Biese Art gerichtlicher Fucen", 
ruft Inspektor Howell ans, „schreien nach einem Heilmittel .... ent- 
weder passt das Gesetz diesen Urtheilsaprachen an, oder lasst es ver* 
walten durch ein minder fehlbares Tribnnal, das seine Entscheidungen 
dem Gesetz anpasst .... In allen solchen FUlen, wie sehnt man sich 
nach einem bezahlten Bichter'*"]!" 

Die Kropjnristen erklärten die Fabrikanten-Interpretation des Aktes 
von 1848 für abgeschmackt, aber die Gesell schaftBretter Hessen sich 
nicht bdrren. ..Nachdem ich", berichtet Leonhard Homer, „durch 
10 Verfolgungen in 7 verschiednen Geriehtabezirken versucht habe, das 
Gesetz zu erzwingen, und nnr in dnem Fall von den Hagistraten unter- 
stützt warde, halte ich weitere Verfolgung wegen Umgehung des Gesetzes 
fbr nutzlos. Der Theil des Akts, der verfosst wurde, um üniformität 
in den Arbeitsstunden zu schaffen, existirt nicht mehr in lAncoahire. 
Auch besitze ich mit meinen Ünterogenten dnrchaue kein Mittel, nns zu 
versichern, dasa Fabriken, wo das sog. Belaissystem herrscht, jnoge 
Personen und Fmnenzimmer nicht Aber 10 Standen heschäfügen . . , 
Ende April 1849 arbeiteten schon 118 Fabriken in meinem Distrikt 
nach dieser Methode, und ihre Anzahl nimmt in der letzten Zeit reissend 
zu. Im Allgemeinen arbeiten sie jetzt 18*/, Stunden, von 6 Uhr 
Morgens bis halb 8 Uhr Abends; in einigen Fällen 15 Stunden, von. 
halb 6 Uhr Morgens bis halb 9 ülir Abends"'"). Schon December 
1848 besasB Leonhard Homei eine Liste von 65 Fabrikanten nnd 
29 Fabrikaufsehem, die einstimmig erklärten, kein System der Ober- 
an&icht kCnne onter diesem Belaissystem die extensivste üeberarbeit 



■*■) „BepOTts eU. for SOtb April 1S49", p. 21, 2S. VgL äholicbe Bei- 
apiele ibid. p. 4, 5. 

"^ Durch 1 nnd 2 Tm. IV. c. 24, b. 10, bekannt als Sir John Hobhonse's 
Facteiy Act, wird verboteD, data irgend ein Bedtzer einer BaumvoUipinnerai 
oder Weberei, oder Vater, Sohn nnd Brader einea aolchen Bautzera in Fragen, 
die den FaotoTj Act betreffen, als Friedensrichter fnnktioniteii. 

"°) 1. c. 

'*') „Reporte ete. for SOtb April 1S49", p. 5. 



lyGOOgIC 



— 284 — 

Terbindeni " *). Bald wurden dieselbeo Kinder und jungen Personea 
ans der Spinnstube in die Webeetube u. b. w„ bald, während 15 Stunden, 
aus einer Fabrik in die andre geschoben (Bhifted)^^'). Wie ein System 
kontroliren, „welches das Wort Ablösung missbraucM, um die Hände 
in endloser Mannichfaltigkeit wie Karten dnrcbeinander zu mischen und 
die Stnndmi der Arbeit nnd der Bast Ar die verschiednen Individnen 
täglich so zn verschieben, daas ein und dasselbe roÜBtändige Assorti- 
ment von Händen niemals an demselben Platz zur selben Zeit zusammen- 
wirkt«»")! 

Aber ganz abgesehn von wirklicher üeberarbeitnng, war dies 
sog. Belüssystem üne Ausgeburt der Eapitalphantasie, wie sie Fonrier 
in seinen humorietischen Skizzen der „courtw s^ancea" nie flbertroffen 
hat, nnr dass die Attraktion der Arbeit verwandelt war in die Attraktion 
des Kapitals. Man sehe sich jene Fabrikantenschemas an, welche die 
gute Presse pries als Hnster von dem, „was eis vernünftiger Grad von 
Soi^l^t und Methode anarichten kann" („what a reasonable degree «f 
care and method can accomplish"). Das Arbeiterpersonal wurde manch- 
mal in 12 bis 14 Kategorien vertheüt, die selbst wieder ihre Bestand- 
theile beständig wechselten. Während der fQnfzehnstfindigen Periode 
des FabriktagH zog das Kapital den Arbeiter jetzt für 30 Minaten, jetzt 
för eine Stunde an und atiese ihn dann wieder ab, nm ihn von neuem 
in die Fabrik zu ziehn und aus der Fabrik zn stossen, ihn bin und 
her hetzend in zerstreuten Zätfetzen, ohne je den Halt auf ihn in 
verlieren, bis die zehnstOndige Arbeit vollgemacht. Wie auf der BOhne 
hatten dieselben Personen abwechselnd in den verschiednen Scenen der 
verschiednen Akte aufzutreten. Aber wie ein Schauspieler während der 
ganzen Daner des Dramas der Bohne gehOrt, so gehörten die Arbeiter 
jetzt während 15 Stunden der Fabrik, nicht eingerechnet die Zeit, nm 
von und zu ihr zu gehn. Die Stunden der Bast verwandelten sich so 
in Stunden erzwnngnen Hflssiggangs, welche den jungen Arbeiter in die 
Knäpe und die jnnge Arbeiterin in das Bordell trieben. Bei jedem 
nenen Ein&ll, den der Kapitalist täglich ausheckte, um seine Maschinerie 



'•») „Bep. 6tc. for Slst Oot 1849", p. 6. 
■*>) „Bep. etc. for 30 th April 1849", p. 21. 
'") „Bep. etc. 1. Dbo. 18*8", p. 95. 



lyGOOgIC 



ohne Vermetining des Ärbeiterpeimnals 12 oder 15 Stunden im Gang 
zTi halten, hatte der Arbeiter bald in diesem Stflcfc Zeitabfall, bald in 
jenem seine Mahlzeit einzoschlncken. Znr Zeit der Zehnstnndena^tation 
schrien die Fabrikanten, das Ärbeiterpack petitionire, in der Srwartnng, 
«wMfetfindigen Arbeitslohn fQr zehnatdiidige Arbeit zn erhalten. Sie 
hatten jetzt die Medaille umgekehrt. Sie zahlten lOatündigen Arbeits- 
lohn fbr zwölf- nnd fdnfzehnstfindige TerfQgnng Aber die Arbeits- 
krftfte^*')! Dies war des Fadels Kern, -diea die Fabrikantenansgabe 
des Zehnstnndengesetzee! Eb waren dieselben aalbangsvollen, Menschen- 
liebe triefenden Freihändler, die den Arbeitern IQ volle Jahre, während 
der Anticomlaw-AgLtation, anf Heller nnd Pfennig vorgerechnet, dasa 
bei freier Komelnftahr eine zehnstündige Arbeit, mit den Mitteln der 
engÜHchen Industrie, vollständig genüge, nm die Kapitalisten zo be- 
reichern •*'). 

Die zweijährige Eapitalrevolte wurde endlich gekrSnt durch den ür- 
tbeilsspTuch eines der vier höchsten Oerichtah&fo von England, dee Court of 
Eichequer, der in einem vor ihn gebrachten Fall am S. Februar 1850 
entschied, dass die Fabrikanten zwar wider den Sinn dee Akts von 1844 
handelten, dieser Akt selbst aber gewisse Worte enthalte, die ihn sinnlos 
machten, „Mit dieser Entscheidung war das Zebnstnndengeeetz abgeschafft"**'). 
Eine Masse t^brikanlen, die bisher noch das BelaissfBtem für junge Per- 
sonen nnd Arbeiterinnen gescheut, griffen nun mit beiden Händen zu'**). 

Hit diesem schdnbar definitiven Sieg des Kapitals trat aber sofort ein 
Umschlag ein. Die Aiheiter hatten bisher passiven, obgleich unbeugsamen 

■**) Siehe „Bepoita eto. for 30th April 1849", p. 6 nnd die weitläufige 
Aiueinandereetzang des „shiftmg sjatem" durch die Fabrildnspektoren Hawell 
und Saunders in „Reporte etc. for 3Ut Oct 1848." Siehe auch die Petition 
der Gei4Iichkeit tod Aahton und Nachbarschaft, Frühling 1849, an die Königio, 
gegen das „shift gjatem". 

"*) ^e^- >• B' »The FBctOT7 Qaeetion and the Ten Hoors ffill. Bj B. 
H. Greg. 1837." 

'*') F. Eogels: „Die englisobe ZehDstnndenI>ill" (in der von mir herana- 
gegebeaen: „Neuon Rb. Zeitung. Politisch -Skonomieohe Rerae. Aprilheft 1850", 
p. IS). Derselbe „hohe" Gerichtshof entdeckte ebenfalls während des smeri- 
kaeischen Bürgerkriegs eine Wortscbranb«, die das Gesetz gegen AngrlUtnsg 
von Piratenacbiffen in's direkte Gegentheil verkehrt. 

■**) „Bep. etc. for 80th April IBBO." 



lyGOOgIC 



— 286 — 

und taglich erneuten Widerstiuid gpl^istet Hie protestirten jetzt in biit 
drohenden Meetings in I^ncashire unO Torkshire. Jha angeblicbe Zelin- 
stundengceetz sei also bloeaer Hambug, parhmentarieche Prellerei, und luibe 
nie eiiBtirt! Die FabhkiiiBpebtoren warnten dringend die Regierung, der 
Elassenantagonismofi sei zu einet unglaublichen HObe gtepannt Ein Theil 
der Fabrikanten selbst murrte: ,J>urch die wideispractaenden EntBcbeidungai 
der Magistrate beirscbe ein ganz abnormer und anarchischer Zustand. Ein 
andres Gesetz gelte in Torksbire, ein uidree in I^nca^iire, ein andns 6»- 
Betz in einer Pferrei von I^ncashire, ein andres in ihrer omnittelbaren 
Nachbarschaft Der Fabrikant in groraen Städten kOnne das Gesetz nnt- 
gohn, der in Landflecken finde nicht das nOthige Peraonal filr das Belais- 
s<rstem und noch minder zur Verschiebung der Arbeiter aus ei&er fvbrik 
in die andre u. s. w." Und gleiche Exploitation der Arbeitakraft ist das 
«rsti; Hensclienrecht dee Kapitals. 

ünt«r diesen Umstunden kam es zu einem Kompromiß) zwisdion 
Fabrikanten und Arbeitern, der in dem neuen zu^tzlichen Pabrikakt toui 
5, August 1850 parlamentarisch besiegelt ist Ftir , junge Peraonen und 
Frauenzimmer" wurde der Arbeitstag in den eisten 5 Wochentagen von 10 
auf lO'/i Stunden erbOht, für den Samstag auf 7Vi Standen beechilbikt. 
Die Arbeit muss in der Periode von 6 Uhr Morgens bis 6 Uhr Abends 
vorRphn'*"), mit iVistOndigen Pansen fBr Mahlzeiten, die gleichzeitig mid 
gemiisn den Bestimmungen von IS44 einzui^unien sind u. s. w. Damit war 
ilem iteiaissystem ein fllr allemal ein Ende gemacht'"). FQr die Kinder- 
iirbeit blieb das Gesetz von 18-14 in Kraft. 

Eine Fabri kanten kat*^rie sicherte sich diesmal, wie früher, besondere 
Seipnenrialrochte auf Proletarierkinder, Sa waren dies die .Seidentäbrikanten. 
Im Jahr 1833 hatten sie drohend geheult, „wenn man ihnen die Freiheit 
raul», Kinder jedes Alters iä^ich 10 Stunden abzurackern, wetze man ihre 
Fabriken still' lif thc libertj- nf working children nf anv age for 10 



'**} Im Winter kann die Periode zwischen 7 Uhr Morgens und 7 Uhr 
Abends an die Stelle traten. 

"*) The preaent law (of 1850) was a compromiae wherebf tlie employed 
inirendered the beueät of tbs Ten Honrs' Act for the advantage of one uni- 
form peiiod for the commenoement andtermination of thelaboarofthose whoxe 
labour 19 restricted." (Reports etc. for 30th April 1852", p. 14) 



lyGOOgIC 



— 287 — 

hotuB a day was taken away, it would stop their works). Es s«i ihnon 
onmaglicti, eine hinreichende Anzahl von Kindern über 13 Jahren zu 
kaufen. Sie erpreesten das gewflnschte Privil^tim. Der Yonrand stallte 
sich bei ^trer UntersuchDng als baare Lüge heraus"'), was eie jedocb 
nicht verhinderte, wShrend einee Dec^nnirnns aus dem Blut kleiner Kinder, 
die ZOT Verrichtni^ ihrer Arbeit anf Stühle gestellt werdeu mussten, tag- 
lich 10 Stunden Seide zu spinnen*"). Der Akt von 1S44 „beraubte" sie 
zwar der „Freiheit", Kinder unter 11 Jahren Unger als 6'/i Stunden, 
sicherte ihnen dagegen das Privil^mn, Kinder zwischen II und IS Jah- 
ren 10 Stunden täglich zu verarbeiten, und kassiFt» den für andre I^brik- 
kjnder vorgesdiriebeDen Schulzwang. Dieesmal der Yorwand: „Die Delikat- 
esse des Gewebes erheische eine Fingerzartheit, die nur durch frohen Eb- 
tritt in die Fabrik zu sicheni""'). Der delikaten Finger wegen wurden 
die Rinder ganz geschlachtet, wie Hornvieh in Südrussland wegen Haut 
und Talg. Endlich, 1850, wurde das 1844 eingeräumte Privilegium auf 
die Departements der Seidenz wimerei und Seidenhaspelei beechiflnkt, hier 
aber, zum Schadenersatz des seiner „Freiheit" beraubton Kapitals, die Ar- 
beitszeit fflr Kinder von 11 bis 13 Jahren von tO anf ]OVi Stnnden er- 
höht. Vorwand: „Die Arbeit sei leichter in Seidenfiibriken als in den 
andren Fabriken und in keiner Weise so nachtheihg für die Geaundheif '"*). 
Offidetle ärztliche Untersuchung bewies hinterher, dass umgekehrt „die 
durchsrhnittUche Sterblichkeitsrate in den Seideadistrikten ausnahmsweise 
hoch und unter dem weiblichen Theil der Bevttikerung selbst h5her ist als 
in den Baumwolldistrikten von Lancashire" '"). Trotz der halbjährlich wie- 



'") „Reports etc. for 30th Sept ie44", p. 13. 

"») I. 0. 

*") „The delicate teiture of the&bricin which tbey weroemployedrequit- 
ing a lightnees of touch, onlj to be acqnbed b; their early introduction to 
theee factories." (1. c. p. 20.) 

'") „ReportH eto. for Slat Oot 1861", p. 2«. 

"^ I. c. p. 27. Im Allgemeinen bat sich die dem Fabrikgesetz nnter- 
H'otfene Arbeiterbevalkernng physisch sebr verbesaert. Alle SrztUohen Zeugnisse 
atimmen darin übereiu und eigne penöaliche ADSchsnung zn verachiednen 
Perioden bat mich davon Überzeagt. Dennoch, und abgeaehn von der unge- 
henren atetblichkeitsrate der Kinder in den ersten LBbensjahren, zeigen die 
officiellen Berichte dea Dr. Greenhow den ungünstigen Gesundheitszustand der 



lyGOOgIC 



derholten Proteste der FabrikinspektoreD dauert der Unfug bis zur Stunde 
fort'"). 

Das Gesetz von 1850 verwandelte nur für .junge Personen und 
Frauenzimmer" die fanfeehnstündige Periode tob halb 6 tJlir Morgens bis 
halb 9 ühr Abends in die zwOl&tQndige Periode von 6 Dhr Morgens bis 
6 Dhr Abends. Also nicht flir Kinder, die immer noch eine halbe Stunde 
vor Bf^nn und 2'U Stunden nach Schluss dieser Periode verwertbbar blie- 
ben, wenn auch die Geeammtdaoer ihrer Arbeit 6'/i Stunden nicht über- 
schreiten durfte. Wtlbrend der Diskussion d(?s Gesetzes wurde dem I^ria- 
ment von den Fabrikinspektoren eine Statistik Qber die in&men Missbiänche 
jener Anomalie unterbreitet. Jedoch umsonst. Im Hintergrund - lauerte die 
Absicht, den Arbeitstag der erwachsnen Arbeiter mit Beihilfe der Kinder 
in Prosperitäitqahren wieder auf 15 Stunden zu schrauben. Die Er&hnuig 
der folgenden 3 Jaliie zeigte, dass solcher Versuch am Widerstand der er- 
wachsnen männlichen Arbeiter scheitern müsse*"). Der Akt von 1850 



Fabrik distrikte, verglichen roit„AgrJkoltnrdistrifaten von normaler Gesandheit". 
Zam Beneis u. a. folgende Tabelle aas seinem Bericht toq 1861: 



Prooanlsah 
dsTin dei 
HuDruknu 
bweliltÖK- 


stOTbiioh; 

™ Longeü- 

airSktioü rar 

ja 100,000 

mnaei. 


Nuns dM Dtotiikt». 


StoibUdi- 

leitBiMeTOU 

Lnngen- 
sftektion m 

nmm«. 


du lud« 

tan Bmiä. 

omm«. 


AR d« nib- 

tidMQ 

BMehitiiciu«. 


14.9 


598 


Wigan 


644 


18.0 


BanmwoUe 


42.6 


708 


Bhickburn 


7S4 


34.9 


ditto 


37.3 


S47 


Halifax 


564 


20.4 


Worated 


41.9 


611 


Bradford 


603 


30.0 


ditto 


31.0 


691 


MacoleBfield 


804 


26.0 


Seile 


14.9 


588 


Leek 


705 


17.2 


ditto 


36.6 


721 


Stoke-DpoD-Trent 


665 


19.3 


Erdanwaare 


30.4 


728 


WooletantoD 


727 


13.9 


ditto 




305 


Acht geiunde Ägri- 

kaltardiatrikte 


340 







"*) Man weiss, wie widerstrebend die angUaeheii „Freihändler" dem Sohotz- 
zoll fOr Seidenmanufaktar entaagten. Statt des Schataea gegen f 
Einfahr dient aun die Sohotzlosigkeit englischer Fahrikkiader. 

■") „BeportB et«, for 30th AprU 1858", p. 31. 



lyGOOgIC 



wurde daher 1858 endlich ergiUizt durch dae Verbot, „KlDder des Mor- 
freos vor und dee Abends nach den jungen Personen und Frauonzimmeni 
zu verwenden". Von nun an r^elte, mit wenigen Ausnahmen, der Fabrib- 
akt von 1850 in den ihm unterworfenen Industriezweigen den Ärbeitatag 
aller Arbeiter"*). Seit dem Erlass de« ersten Fabrikakts war jetzt ein 
halbes Jahrhundert Yerfloasen*"). 

TJeber iliro ursprüngliche Sphäre griff die Fabrikgesetzgebung zuerst 
hinaus durch den J>rintworkB' Act' (Gesetz Über Eattundruckereien n. s. w.) 
TOD 1845. Die TJnlnst, womit das Kapital diese neue „Extravaganz" 
zuliees, spricht ans jeder Zeile des Akts! Er beschränkt den Arbeits- 
tag für Kinder von 8 — 13 Jahren und für Frauenzimmer auf 16 Stunden 
Ewischen 6 tJhr Motens and 10 TJhr Abends, ohne irgend eine gesetz- 
liche Pause für Mahlzeiten. Er erlaubt männliche Arbeiter Aber 13 Jahre 
Tag und Nacht hindurch beliebig abzuarbeiten'*"). Er ist ein parla- 
mentarischer Abort^''). 



'") Während der ZeDithjfthre der englischen Banrnwollindaatrie, 1859 und 

1860, versuchten einige Fabrikanten dnrch die Lockaaget hoher Arbeitslähue 
für £itraz<^it die erwachaaea minnlichon Spinner n, a. w. zur Verlingoraog 
des Aibeitstaga zu beatimmen. Die Eand-Muln Spinnere and 8iitf-Act«i Mie- 
ders machten dorn Experiment ein Ende durch eine Donkeohrift an ihre An- 
wonder, worin es a. a. heiaat: „Grad herausgeBprochen , unser Leben ist ans 
zur Lost, und so lange wir fast 2 Tage die Woche (20 Standen) länger an 
die Fabrik gekettet sind als die andren Arbeiter, fühlen wit uoa gleich lidloten 
im Lande und werfen uns selbst vor, ein System zu verewigen, da^ uns eelbat 
und nnsre Naebhoininon pbfaiaob und moralisch beschildigt . . . Daher geben 
wir hiermit respektvolle Notiz, daas wir von Neuj^hrstag an keine Miaato mehr 
als 30 Standen wSchentlioh, von 6 Dhr bia 6 Uhr, mit Abzug der gesetzlichen 
Pausen von 1'/, Stunden, arbeiten werden." („Bepoita eto. for 30th April 
1860", p. 80.) 

'") Urber die Mittel, die die Fasaong dieges Gesetzes für seinen Bmcb 
gewährt, cf. dec Parliaroeot^ir; Retarn; „Factor; Begalations Acts" (6. Aug. 
1859) und darin Leonhard HoTnor's „Suggeationa for Ämending the Factor}^ 
Acts te enable the Inapoctors to prevent illegal working, now become vecy 
prevalent". 

"*) , .Kinder von 6 Jahren und darUber sind in der That von 6 Uhr 
Morgens bis 9 Uhr Abends während dos letzten Halbjahrs (1357) in meinem 
Distrikt abgerackert worden." („Reports etc. for Slat Oct 1857", p. 89.) 

'") „The Printworks' Act ia admitted to be a failore, botli with reference 

Haix, Kapital I. 19 



lyGOOgIC 



— 290 — 

Dennoch hatte das Princip geäegt mit aeinem Sieg in den grossen 
Indnstiiezweigen, welche das eigenate CteschCpf der modernen Prodnk- 
tioTisweiBe. Ihre wnndervolle Entwickln!^ von 1858— 1S60, Hand in 
Hand mit der phymschen und moralischen Wiedergehnrt der Fabrik- 
arbeitAT, schlug das bIMeste Äuge. Die Fabrikanten selbst, denen £e 
gesetzliche Schranke und B^el dea Arbeitsti^ durch halbhandert- 
jährigen Bflrgerkrieg Schritt fdr Schritt abgetrotzt, viesen prahlend 
snf den Kontrast "tait den noch „freien" Exploitatiossgebieten hin*^*). 
Die Pharisäer der „politischen Oekonomie" proklunirten nnn die Ein- 
sicht in die Nothwendigkeit dnee gesetzlich geregelten Arbeitatags als 
charakteristische Neaerrnngensehoft ihrer „Wissenschaft"' ^ '). Hui 
verateht leicht, daaa nachdem sich die Fabrikmagnaten in das unver- 
meidliche gefügt ond mit ihm ansgeeOhnt, die Widerstandskraft daa 
Kapitala graduell abschwächte, während mgleich die Ängriffskraft der 
Arbeiterklasse wnchs mit der Zahl ihrer Terbflndeten in den nidit 
nnmittelbar interessirten OeaeUachaftsschichten. Daher vergleichni^s- 
wds rascher Fortechritt aeit 1860. 

Die F&rbereien nnd Bleichereien^**) worden 1860, die Spitsea- 



to ita ednoaüanal and protMtii'e proriBionB," („Beports etc. för Slst Oot. 
1862", p. 68.) 

"^ So I. B. E. Potter in Brief as Times vom 24. Harz 1863. IKe TimsK 
eiiBDert ihn an die FabrikutenreTolte gegen dss ZehnitimdengeMti. 

■**) So 9. V Henr W. Newmanb, Uitubeiter an nod Heransgeber von- 
Tooke's: „WtHorj of Prioes". Ist es wiuensotutfäioher Fortschritt, dar KSont- 
licben Meinnng feige Konceaaionen m mBohen? 

'**) Der 1840 erlaasne Akt Qber Bleiehereioi nnd FäibeieüD bestimmt, 
dosB der ArbeiUtag am 1. Angiut 1861 TorUnflg anf 12, am 1. Aagnst 1863 
deflnilJT anf 10 Standen, d. h. lO'/i f^ Werkeltage nnd T'/i tAr Samstage 
berabgesetit werde. Als non daa bOse Jahr 1803 anbiaeh, wiederholte sieh die 
alte Farce. Die Hern Fabrikanten peütioniitoa dts Parlament, nni noebffir 
ein Junges Jahr Ibigei die Ew6lhtBDdigeBe8ch&nigang Ton jangenPeimnen 
nnd S^neniinimeni n dulden .... ,,Beim gegenwärtigen Znetand dea Ge- 
gohifts (snr Zeit der Banmwollnotb) sei es ein grosser Tortheil für die Aibeitvr, 
wenn man ihnen arlanbt, 12 Stunden (ftglich so arbeiten nnd so Tiel Arbeite- 
lohn als mSglieh heraaatmchl^en ... Es war bereits gelnogen, eine Bill in 
diesem tiinn ins Dntnhans in bringen. Sie fiel vor der Agitation der Arbeitar 
in den Bleichereien ikhottlands." G>Beports eto. £>r Slst Oot 1862", p. 14, 



lyGOOgIC 



— 291 — 

fabriken und Stnunpfwirkerei«! 1861 dem Fabrikakt von 1850 nnter- 
HQiffln. In Folge dee «nten Beriäits der „KoBuniesiim über die Be- 
sohBJü^ung der Kinder" (1863) üiolten dnaeelbe ScMckaal die Mann- 
faktnr sller Brdenwaaien (nicht nnr TOpfarelen), der ScbwefelhOlzer, 
ZOndbatcbai, Patronen, T^Mten&brik, Banmwolleuunt-Scheereni (fOBtiui 
catting) nsd latalreiclie Proeaaee, die anter dem Anedmok „flnishii^ 
Qetzte Appretor) zasammenge&eat sind. Im Jahre 1863 wurden die 
„Blmcherei in offner LntV'^"') and die B&ckerei unter eigne Akte 



15.) 8o gwchlagen von den Arbätem ielbet, in dsren Nmusd ee zu Bprechen 
TOrgab, entdeckte daa Kapit»! nun, mitHfllfe jnilBtiBchei Brillsn, daasderAkt 
Ton 1860, gleich allen ParlamentMkten >nm „Sehnte derAibeil^, in dnnTer- 
wlirtan WortsehnHitningen al^eliuat, einen Tonrand gebe, die „oalenderen" 
und „finishera" ven leiner Wiikiing aoantoUieuen. Die angliache Jnziadiktdon, 
itets getrenei Kneoht des Xapitala, uoktionirte dnsoh den Hof der „Common 
Pleaa" die BabuliBteroL „Es hat groase Unznfriedenbeit unter den Aibeitern 
enegt and ist sehr bedanerlicb, daM die klare Abüoht der Gesetzgebnog auf 
Torwand einer mangelhaften Wortdeflnitdon vermtelt wird." (L o. p. 18.) 

>**) Die nBleieher in offiier Lnft^' hatten eiob dem Geeeta Ton ISdOfLbei 
i^fitoieherai" durch die Lttge entiogen, daas lie. keine Waber dei Naohta ver- 
aibaitetML Die Lüge wurde Ton den Fabrikinspektoren anfgedeekt, angleieh 
aber das Parlament dnrch ArbelterpetitioneD seiner wieeendnftigklLhlen Tor* 
stelliingeD TOn ,31eloheiei in offner Luft" beraubt. In diasMr LsftlileiQheiei 
werden Trookeniinuner von 90 bis 100 Giad Fahrecheit angewandt, worin 
hauptaiohlich HUohen arbeiten. „Cooling" (Abk&hlmig) ist dei teohnieohe 
Anadraek für ihr gel^entliehee Entrimen ani dem Trodeniinimer In die freie 
Loft. „Ffinfuhn Midehen m den Trookeniimmam. Hitie Ton 80 in 90* Or 
Leinwand, von lOO* nnd mehr fBr Cambrics. ZwÖlfHidalienbügelnnndlegen 
aaf (die Cambrioe etc.) in einem kl^en Zimmer Ton nngelUr 10 Fnw im Quadrat, 
in dar Hitte ein enggeaobloaeoer Ofan. Die Hadchen stehn rund om den Ofen 
henun, der eine acbreokliche Glnth anaatrahlt nnd die Cambiios laoehfllrdie 
Bfiglerinnon trocknet Die Stundennh] ffli dieaa H&nde iet nnbeeohriokt. 
Wenn geachiftig, arbeiten üe bis 9 oder ISÜhr Nachte TieleTagebintareia- 
ander." (Beporta etc. for Slst Oot 1868", p. 60.) Ein Arrt erUbt: „Fttr 
die AbkOhlnng dnd keine beeondren Standen erlaubt, iber wenn die Tempera- 
tur sn ooerttigliob wird, oder die Binde der Arbeiterinnen «ich von Sehwedie 
beieluniitien, iat ihnen geatattet, ein paarUinuten fi»taugeha . . . Meinet- 
fahmng in der Betiandlong der Krankheiten dieser Arbeiterinnen iwisgtmieh 
zu konatatiren, dau ihr Oenrndbeitsitutand ütf unter dem der Baomwollarbei- 
terinneo suht (und das Kapital hatte ne in eeinen Bittaehiiften an dai Parlament 

19* 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 292 — 

grateilt, wovon der erste a. a. die Arbeit von Eindern, jDngen Personen 
und Weibern zur Nachtzeit (von 8 Uhr Abends bis 6 ühr Morgens) 
und der zweite die Anwendung von BäckergeaeUm anter 18 Jahren 
zwischen 9 Uhr Abends und 5 Uhr Uorgens verbietet. Auf die sp&tren 
YorschlEtge der erwähnten Kommission, weiche, mit Ausnahme des 
Acherbans, der Minen and des Transportwesens, alle wichtigen engliscbeo 
Inda striez weige der „Freiheit" zn berauben drohen, kommen wir 
/nrOck^ * H). 

7. Der Kampf um den Normalarbeitstag. BDckwirkung 
der englischen Fabrikgesetzgebung auf andre L&nder. 

Der Leser erinoert sich, daea die Produktion von Mehrwerth oder 
lue Extraktion von Mehrarbeit den specifischen lobalt und Zweck der 
kapital istlechea Produktion bildet, abgesehn von jedweder ans der Onter- 
ordnuDg der Arbeit unter das Kapital etwa entspringenden Umgestaltnng 
der Produktionsweise selbst. Er erinnert sich, dasa auf dem bisher 



Inder Manier von Kobens übergesnnd gemalt!). Ihre auffalleudaten Kranlcfaeiteo 
sind Phthifiis, Bronchitis, Ute link ran kbeiten, Hysterie in der scheasalichstMi 
Form und Rheamatiamua. Alle dioso entspringen, wie ich glaabe, diraictoder 
indirekt, ans der überhitzten Luft ihrer Arbeitszimnior nnd dem Msngel genB- 
gender komfortabler Kleidung, nm sie beim Nachhausegehen wahrend dar Wio- 
termonate vor der kalttenchten Atmosphäre zu achütioD." {I. c. p. 56, 57 ) Die 
FabrikioBpektoren bemerken über das den jovialen „Bleichern in offner Lnff ' 
nachträglich abgetrotzt« Geaetz von 1 8611: „Dieser Akt bat nicht nur verfehlt, 
den Arbeitern den Schutz zn gewahren, den er zu gewähren Bcheiot .... er 
ist so formnlirt, dass der Schutz erst eintritt, sobald man Kinder und Fraoen- 
zimmer nach 8 ühr Abends au der Arbeit ertappt, und seihst dann ist die vor- 
geschriebno Beweiamethode so vorklau snlirt, daas Bestrafung kaum erfolgen 
kann." (1. c p. 52.) „Als oin Akt mit hnmanon nnd auf Erziehung gerich- 
teten Zwecken ist er ganz nnd gar verfehlt Man wird ea doch kaum bnman 
nennen, Weibern nnd Kindern zn erlauben, oder, was auf dasselbe hinaus- 
kommt, sie zu zwingen, 14 Stunden täglich, mit oder ohne Mahlzeiten, wie es 
sich treffen mag, nnd vielleicht noch längere Stunden zn arbeiten, ohne Schranke 
mit Bezug auf das Alter, ohne Unterschied dos G schlecht« nnd ohne Rück- 
sicht auf die gesellschaftlichen Gewohnheiten der Familien der Nachbarschaft, 
worin die Bleicbwerke liegen." („Reports etc. for 30th April 1863", p. 40.) 
'"a.) Note zni 2. Ausg. Seit 1860, wo ich das im Text Befindliche schrieb, 
ist wieder eine Beaktion eingetreten. 



lyGOOgIC 



— 293 — 

entwickelten Standpunkt nur der selbständige and daher gesetzlich 
mündige Aibeiter als Waaren Verkäufer mit dem Kapitalisten kontrahirt. 
Wenn also in nnsrer historischen Skizze einerseits die moderne Industrie 
üne Hauptrolle spielt, andrerseits die Arbeit physisch nnd rechtlieh 
unmündiger, so galt uns die eine nnr als besondre Sph&re, die andre 
nnr als besonders schlagendes Beispiel der ÄtbeitBaussangung. Ohne 
Jedoch der spätren Entwicklung vorzugreifen, folgt ans dem blossen 
Znsunmenhang der geschichtlichen Tbatsachen: 

Erstens: In den durch Wasser, Dampf and Hoschinerie zunächst 
revoluüonirten Industrien, in diesen ersten Schöpfungen der mi>denien 
Produktionsweise, den Baumwolle-, Wolle-, Flachs-, Seide-Spinnereieu 
und Webereien wird der Trieb dee Kapitals nach mass- und rück- 
sichtsloaer Verlängerung des Arbeitst^ zuerst befriedigt. Die ver- 
änderte materielle Produktionswtise und die ihr entsprechend veränderten 
sodaleD Verhältnisse der Prodnoenten^ ^ ') schaffen erst die masslose 
Aosschreitnng und mfen dann im Gegensatz die geseilschaftliche Eon- 
trole hervor, welche d^ Arbeitstag mit seinen Pansen gesetzlich be- 
schränkt, regnlirt und nniformirt. Diese Eontrole erscheint daher 
während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bloss als Ausnahms- 
gesetzgebnug»"'). Sobald sie das ITrgebiet der neuen Produktionsweise 
erobeit hatte, fand sich, dass nnterdees nicht uur viele andre Produk- 
tionszweige in das eigentliche Fabrikregime eingetreten, sondern dass 
Manufakturen mit mehr oder mindw verjährter Betriebsweise, wie 
Töpfereiea, Qlaaereien o. s. w., dass altmodische Handwerke, wie die 
Bäckerei, und endlich selbst die zerstrente sog. Hausarbeit, wie Nägel- 
macherei u. s. w.'^^, seit lauge der kapitalistischen Exploitation eben 

"^ „The conduct of «ach of tbese clsMea (capitaÜBte uid woikmen) has 
been Ihe resolt of tho relative eitnation in whioh they have been placed." 
(„Reports etc. for Slst Oct. 1848", p. 112.) 

'*') „The emplojments placed uader restiiotioD were connected with the 
mano&otata of teitile fabricB b; the aid of ataam <a water power. There weie 
two conditioDB to which an emplojment must b« iiibjeot to caiue it to be in- 
Bpected, viz. the nse of ateam or water power, and the mannfacture of oertaio 
Bpeciflad fibrea." („Reports etc. for Bist October 1864", p. 8.) 

"*) ÜBber den Znatand dieser sogenannten hkualichen lodoatrie iaaaer^ 
reichhaltiges ^I^terisl in den letiteo Berichten der „Children's Emplojr 



lyGOOgIC 



— 294 — 

so sehr ver&ilen waren als die Fabrik. Die tieeetegebang ward datier 
gezwungsn, ihren AnaiiabDiaGharsktv allm&hlig abmetreifen, oder, wo 
aü rbniadi kamistisch T«^hrt. irie in Bn^fluid, irgend ein Haas, 
worin maa arbäM, nadi Belieben für eine Fabrik (factorj) m er- 
klären»*"). 

Zweitens: Die äi^tiictite der Beglnng dee Arbntstags in «nigen 
FrodoktionBweiflan, in andren der noch fortdauernde Kampf nm diese 
Beglnng, beweisen handgreiflich, dass der rerein zelte Arbeiter, der 
Arbeiter als „£reier" Verkäofer seiner Arbeitskraft, anf gewiseer Beife- 
stofe der kapitaliatiBchen Prodnktion, widerstandslos unterliegt. Ke 
SdiOpfong eines Normal -Arbeitstags ist daher das Produkt eines lang- 
wierigen, mehr oder minder versteckten Bürgerkriegs zwischen der 
Eapitalistenklasse and der Aibeiterklasse. Wie der Kampf aöSmH 
wird im Umkreis der modernen InduBtne, so spielt er saerat in ihrem 
Heimathsland, England""). Die englischen Fabrikarbeiter waren die 
Preisfochter nüht nnr der englischen, sondern der modernen Arb«ter- 
klosse flberhanpt, wie aifch ihre Theoretiker dqr Theorie des Kapitals 
inerst den Fehdehaudschnh hinwarfen'"). Der Fabnkphilosopb Dre 



"*) „He Acte of last Session (1864) . . . ombrace a divereity of ocen- 
patäanB the coatonu in which differ greatly, luid the tue of meohanioU powar 
U) give motion to mtchinery is no longer oae of the elements neosagar;, a* 
formerlj, bi conitittit« in l^ial phrase a Factor?.'^ (Reports etc. fot 3Ut Oct. 
1864, p. 8.) 

"*) Belgien, das Paradiw des konÜnantalsD Liberalismus, zeigt anob keine 
Spar dieeer Bew^nng. Selbst in seinen Eahlengraben nnd Metallminen werden 
Arbeiter beider Oeachlechter and van jeder Altersatnfe mit Tollkommner „Frei- 
heit" fBr jede Zeitdauer ond Zeitperiode konanmirt Anf je 1000 darin be- 
achäftigte PersoneD kommen 788 Männer, BS Weiber, 135 Jongen ond 44 
Midehen nnter 16 Jahren; in den Hochöfen a. s.w. kommen anf je lOOOMinnoT 
149 Wmber, 96 Jangen und 86 H&dcben anter 16 Jahren. Eommt nun noch 
hinia niedriger Aibeitslohn für enorme Ansbentnng reifer und nnieifei Arbeits- 
kräfte, im Tageednrobsohnitt 2 eh. 8 d. für Männer, 1 sh. 8 d. für Waiber. 
1 sh. 9Vi d. iOx Jnngen. Daf&r hat Beigion aber anch 1863, Terglioheo mit 
1860, Qoantnm und Wcrth Keiner Anifabr von Kohlen, Eisen a. b. w. nemlich 
verdoppelt 

"') Als Bobert Owen kon nai^ dem ersten Deoenniam dieses J^irbnn- 
derte die Noth wendigkeit einer Beschränknng des Arbeitstags nicht nnr theore- 
tiacb vertrat, sondern den Zebnstnndentag wirklich in seine Fabrik an New- 



lyGOOglC 



— 295 — 

denimcirt ee daher als unauslöschliche Schmach der engliechen Arbiter- 
Uasse, dass sie „die Sklaferü der Fahrikakte" auf ihre Fahoe schrieb 
g^enübei dem Kapital, das m&nnlich flir „Toltkommne FreUiwt der 
Arbät" stritt"*), 

Frankrwch hinkt langsam hinter England her. Es bedarf der 
Fehnuuievolntion zur Qebnit des Zwölätnndengeeetiea'*^, das rial 
mwigelhafter ist als B«n engliachas Original. Trotzdau macht die 
französische revolntionäre Methode anch ihre eigenthOmliehen YorzQge 
geltend. Mit ffinem Schlag diktirt sie allOL Ateliers nnd Fabriken ohne 
Qnterechied dieselbe Sdiranke des Arbeitstags, wähimd die «oglische 
Geaetzgebm^ bald an diesem Pnnkt, bald an jenem, dem Dmck der 
VerhUtnisse widerwillig w«cht and anf dem besten Weg lEt, mnen 
nenen juristischen BattenkOnig ansznbrüten^^*). Andrerseits proklamirt 

LanBjk ^linfOhrte, ward das als kommiinutische Utopie vetlaoht, ganz m irie 
aeioe „Verbindnog tou prodaktiver AibeitmitEniehmigdeiKinder", gani wie 
die von ihni iaa Leben gerofenen Eoopentiaiisgesohifte der Arbeiter. Heat- 
catage iit die erste Utopie Fabrikgesota, die iweite flgniiit als offlcielle Pfaraae 
in allen „Factoi; Aots" nnd die dritte dient sogar schon zam Deckmantel 
reaktionärer Schwindeleien. 

"*) Ure fiB. Uebers. „Philosophie des Mannfactniea. Paris 183S", t. 
U, p. 39, 40, 67, 77 etc. 

"*) In dem Compt« Bendn des ,JntemationaIen Statistischen Eongiesses 
lu Paris, 18G5", heisst es n. a.: „Das franiosische Qeeeti, das die Daner der 
täglichen Arbeit in Fabriken nnd Werkstätten auf 12 Stauden boschr&nkt, be- 
grenzt diese Arbeit nicht innerhalb bestimmtor fiiar Stnnden (Zeitperioden), 
indem nnr fOr die Einderarbeit die Periode zwischen 6 Ubr Vormittag" und 
9 Uhr Abends rorgesohrieben ist. Daher bedient eich ein Theü der Fabri- 
kanten des Bechte, welches ihnen diess TerhingniasToUe Schweigen giebt, oni 
Tag aus, Tag ein, rielleioht mit Ausnahme der Sonntage, ohne Unterbrechung 
arbeiten eu lassen. Sie wenden dain zwei verscbiedne Arbeiterreihen an, 
von denen keine mehr als 12 Stnnden in der Werkstitte zubringt, aber das 
Werk des Etabliseeroenta dauert Tag und Noeht. Das Geseti ist b«6iedigt, 
aber ist es die Homanitit ebenfalls?" Ausser dem „zerstörenden Einfioss der 
Nachtarbeit anf den menschlichen Organismus", wird auch „der fatale Einfloss 
der nächtlichen Assooiation beider Geechlechter in denselben trQb erlsnchteten 
WerksUtten" betont 

***) „Z. B. in meinem Distrikt, in denselben Fabrikbanlichkeiten, ist der- 
wlb« Fabrikant Bleicher nnd Färber unt«r dem „Bleicherei- nnd Färbeiei- 
Akt", Drucker unter dem „Printworks' Act" und finisher unter dem „Fabrik- 
akt" . . . (Report of Hr. Bedf^sre in ..Beports etc. for SIst OcL I8S1", 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 296 — 

das französische Gesetz principiel], was in England nor im Namen tob 
Kindern, ünmQiidigen nnd Fraoenzimmern erkämpft und erst nenerdings 
als altgemeinee fiecbt beanepracht irird^^^). 

In Am Vereinigten Staaten von Nordamerika blieb jede selbatfindige 
Arbeit«rbew%nng gelähmt, so la:^ die Sklaverei einen Tbül der 
Bepnblik verunstaltete. Die Arbeit in weisser Hant kann sich nicht 
dort emancipiren, wo sie in Bchwarzer Hant gebrandmarkt wird. Aber 
ans dem Tod der Sklaverei enteproes sofort ein nen veijOngtes Leben. 
Die erbte Fmcht des BOrgerkriegs war die Achtstnndenagitation, mit 
den SiebenmeUenstiefeln der Lokomotive vom atlantischen bis zum 
stillen Ocean anaschreitend, von Nenengland bis nach Kalifornien. Der 
uUgemune Arbeiterkongress zu Baltimore (16. Aug. 1866) erklärt: 
„Das erste nnd grosse Erheischniss der Gegenwart, nm die Arbeit 
dieses Landes von der kapitalistischen Sklaverei zn befreien, ist der 
ErlasB eines Gesetzes, wodurch 8 Standen den Noimal-Arbeitstag in 
allen Staaten der amerikanischen Union bilden sollen. Wir sind ent- 
schlossen, alle nnere Macht aufzubieten, bis dies glorreiche Besoltat 
erreicht ist'"*^. Gleichzeitig (Anfang Sept. 1866) beachloss der 



p. 20.) Nach Aubählang der Tersobiednan BeatimmnngeD dieser Akte and 
der daher folgenden Eompliktlion, sagt Herr Bedgrave; „Man eicht, wie 
Echwer es sein miae, die Vollziebung dieser S PailamentEakte la aicheni, 
wenn der Fabrikeigner das Gesetz zu umgehen beliebt'' Was aber den 
Herrn Juristen dadurch gesichert ist, sind Proceaae. 

"*) So getrauen aicb endlich die Fabrikinapektoreo zu sagen: „These 
objectiana (des Eapitala gegen legale BoBCbriakniig der Arbeitszeit) mnst 
succnmb before the broad principie of tbe rights of labour . . . thereiaatime 
when the maater's right in lüs workman's laboar ceaaea and bis time beoomee 
bis own, even if there was no eihaostion in the qaeation'." („Reporta etc. 
for aist Oot 1882", p. 54.) 

"*) „Wir, die Arbeiter toh Dunkirk, erklären, dass die unter dem jetzi- 
<;en Sjstem erheiacbte Länge der Arbeitszeit zn gross iat und dem Arbeiter 
keine Zeit fOr Erholnng und Entwicklung läsat, ihn vielmehr auf einen Zn- 
atand der Enechtschaft herabdr&ckt, der wenig besser als die Sklaverei iat 
(„a condition af servitude but little hetter tban alavery"). Deaabalb be- 
scbloasen, dass 8 Stunden fQr einen Arbeitstag genügen und legal ala ge- 
nügend anerkannt werden müssen; dass wir in anarem Beistand die Fresse 
anrufen, den gewaltigen Hebel . . , und alle, die diesen Beistand versagen. 



lyGOOgIC 



— 297 — 

„Internationale Arbeiterkongrcas" zu G«nt aaf Vorschiag aes Londoner 
Oflnantlraths: „Wir erklären die Beachränhnng des Aibeitstaga fQr eine 
Torl&n^ie Bedingung, ohne welche alle andren Bestrebungen nach 
Emoncipation Bcheitam miUaen . . . Wir schlagen 8 Ärbeiteatunden ala 
legale Schranke dee Arbeitstage vor". 

So besiegelt die auf beiden Seiten des atlantischun Ueers inaünküv 
an8 den ProdnktionsTerhältniBsen selbst ernachsne Arbeiterbewegung 
den Aosepmch dee englischen Fabrikinapektors K. J. Saunders: „Weitere 
Schritte znr Beform der Gesellschaft sind niemals mit iigend einer 
Aussicht auf Erfolg dnrchzuf Ohren, wenn nicht zuvor der Arbeitstag 
beschränkt and seine Torgeechriebne Schranke strikt erzwungen wird"*^^). 

Man muBS gestehn, das« unser Arbeiter anders aus dem Produktionti- 
procees herauakonimt, ala er in ihn eintrat. Auf dem Markt trat er ak 
B<»itzer der Waari' „Arbeitskraft" imdreii Waareiil^esitzern gegenflber, 
Waarenbeaitzer dem Waarenbesitzer. Der Kontrakt, »odurch er dem Ka- 
pitalisten seine Arbeitskraft verkauft?, bewies so zu sagen schwarz auf weiss, 
dass er frei über sich selbst verfligt. Nach geschlossenem Handel wird 
entdeckt, dass er „kein freier Agent" war, dass die Zeit, wofür ee ihm 
freisteht, seine Arbeitskraft zu retkaufen, die Zeit ist, wofür er 
gezwangen ist, sie zu verkaufen""), das» in der That sein Sauger 
nicht loslässt, „so lange not^ ein Muskel, eine Sehne, ein Tropfen Blnts 
auszubeuten""*). Zum „Schulz" g^n die Schlange ihrer Qualen mfisaen 
die Arbeiter ihre KOptb zusammenrotten und uIk Klasse ein StitatRgi?eet£ 

als Feinde der Arbeitsreform und Arbeite riech te beüMcliten." (Beschlüsse der 
Arbeiter zu Dunkirk, Staat New- York, 1866.) 

■") „Reports etc. for 31. Oct. 1848". p. 112. 

"*) „These piDceedings (die Manöver des Kapitüta z. B. 1848— SO) have 
afforded, moieover, incontrovertible proof of the fallaey of tbo atsertion bd 
i>flen advanced, that operatiTes oeed ao pratcction, l)ut may be considered w 
free agents in the disposal of the onl; property tb>'y possess, tho laboor of 
thoir band«, and tbo sweat of thcii brows." („lieports etc. for 30. April 
I6S0", p. 45.) „Free Labonr, if so it may bc termed, even in a free oonnti7 
requires tiie strong aim of the law to prutect it." („Ueporis etc. for 31. Oct. 
1864", p. 34.1 „To permit, whicb is taatamount to compelling . . . to work 
14 hoors a day with or withont meala etc." („Beporta etc. for 80. April 
1883". p. 40.) 

'••) Friedrich Engels 1. c. p. ö. 



lyGOOgIC 



«Dzwiugen, ein Übennftchtigee gesellschaflUchee fimdemiBS, daa äe selbst 
verhindert, doich fmwillig«i Kimtiakt siit dem Eapi^ sich und ihr Ue>- 
Klilecht in IM nitd SUaTerei zu veitaufen*"). Au die Stelle des iHnnk- 
votten Katalogs der „unverftiuaerlichen Mensctaenrechte" tritt die bescheidne 
Magna Charta eines gceetElich beechi9nkteia Arbeitetags, die „mdlich klar 
macht, wann die Zeit, die der Arbeiter verkauft, endet, und wann die ihm 
iwlbat gebOrigp Zeit b^nnt""'!. Qnantoni mutatos ab illo! 



Ne untes Kapitel. 
Bäte und Masse des Mehrwerths. 

Wie bisher, winl in dipaem Kapitt^l der Wertli An Arbeitskraft, al^ 
der zur Reproduktion »der Erhaltung der Arhpitiikraft nothwendige Thcil 
dee Arbeitstags, als gcRohno, konstantem Grüate imti>rt)tellt. 

*") Die Zetuutandenbill hat in den ihr unter «orfnen IndoitrieEweigen 
„die Arbeiter vor ^Löslicher Degeneration gerottet and ihien plijnaoben Zu- 
stand beKhfttzt" (Beportfi et«, for 31. Oct. 1859", p. 47— 52.J „Dm Ka- 
pital (in den Fabriken) kann niomalH die Maecbinerie in Bewegung hklten 
über eine begrenzte Zoitperiode, ohne die beschUtigten Arbeiter an ihrer Ge- 
sundheit und ihrer Moral zu beschädigen > und sie dnd nicht in einer Idge, 
sich selbst in achfitzen." (i. e. p. 8.) 

*") ,^ still great«r boon is, the distinetion at least made clear botween 
ttie worker'i own time and bis maater's. The worker knows now when that 
which he sells is ended, and «hen bis own begins, and bj poseeesiog a eure 
foreksowlodge of tliia, is enabled to pre-arraags hi» own miuutM for hia owd 
pnrpoMe." (1. e. p. 5S.) „B; makiiig tbem maaters of Uieir own Urne, th«; 
{die Fabrikgesetze) fanve giren üiem a moral energy which is directing tfaem 
hl the e?entnal posseadon of political power." (1. c. p. 47.) Hit verhaltner 
Ironie und in aehr ronichtigen Ausdrücken deuten die Fabrüdaspektoren an, 
daas daa jetiige Zahnstandengeseta auch den Kapitalisten einigermaasen tod 
»unsr naturwüchsigen Brutalität als blouei Terkfirpeiung des Kapitals befreit 
und ihm Zeit zu einiger „BUdoBg" gegeben gegeben habe. Torher „the 
mastei had oo Urne for anjthing but money: the serrant had no time for 
anythiag but labour." (L c. p. 48.) 



lyGOOgIC 



Dies also ?oraiiHgesetzt, iet mit der Rate zugleich die Mofiae dee 
UehrwetüiB giegebm, die der einzeine Arbeiter dem Kapitalisten in bestimm- 
ter Zeitperiode liefert. Beti%t z. B. die nothweodige Arbeit tSgiich 6 
Standen, auagedrflckt in einem OoldqnantniD von 3 Bh. ^ 1 Thaler, ao 
ist der Thaler der Tageenerth einer Arbeitskr^, oder der im Ankauf einer 
Arbeitskraft voi^eschoesne Eapitalverth. Ist femer die Bäte dee Uehrwerths 
1007«, so prodiieirt dies variable Kapital von 1 Thaler eine Masse Mehi^ 
werth von 1 Thaler, oder der Arbeiter liefert tSglirb eine Masse Hehrarbeit 
von S Stunden. 

Das variable Kapital ist aber der Oeldanadmck ffir den Gceammt- 
werth aller Arbatakiäfte, die der Kapitalist gMchzeiti? verwendet. Sein 
Werth ist also frleich dem DnrchBctanittswerth einer Arbeitskraft, multi- 
plicirt mit der Anzahl der verwandten Arbentabrüfle. Bei gegebnem 
Werth der Arbeitskraft steht also die GrSsse dee variaUen Kapitals in 
direktem Verhältniss znr Anzahl der gleichzeitig besdiSftigten Arbeiter. 
Ist der Tageewerth einer Arbeitskraft ^ 1 Thaler, so ist also em Ka- 
pital vorznschiessen von 100 Tfa., nm 100, von n Tb., nm n Arbräts- 
kiäflc täglich zu eiploitiren. 

Ebenso: Prodncirt ein variables Kapital von 1 Th^er, der Tageewerth 
einer Arbeitskraft, einen 1%lichen Mehrwerth von 1 Thaler, so ein variables 
Eapitul von 100 Thalem einen täglichen Mehrwertli von 100, und eins von n 
lUem einen täglichen Mehrwerth von 1 Thaler X n. Die Masse des produ- 
cirten Mehrwertha ist also gleich dem Mehrwerth, den der Arbeitstag 
dee einzelnen Arbeitern liefert, mnltiplüurt mit der Anzahl der ange- 
wandten Arbdt«r. Da aber femer die Masse Mehrwerth, die der ma- 
zelne Arbeiter prodncirt, bei gegebnem Werth der Arbeitskraft, dnrch 
die Bäte des Mehrwerths bestimmt ist, so folgt dies Oeseti; Die Masse 
des prodncirten Mehrwerths ist gleich der Qrtase dee vargeschossnen variablen 
Kapitale mnltiplieirt mit der Bäte des Mehrwerths oder ist bestimmt 
dnrch das zusammengesetzte Verhältniss zwischen dar Anzahl der von 
demselben Kapit^isten gleichzeitig eiploitirten Arbeitskräfte und dem 
Exploitationsgrad der einzelnen Arbtitskraft. 

Nennen wir also die Masse des Mehrwerths M, den vom einzelnen 
Arbiter im l^tgesdoicbacbnitt gelieferten Mehrwerth m, das im Ankanf 
der einzelnen Arbeitskraft täglich vorgeschossne variable Kapital v, die 
Geeammtsnmme df« variablen Kapitals V, den Werth einer Durchschnitts- 



n,gt,7cdT:G00^lc 



300 



Arbeit^raft k, ihren Eiploitationsgrud 



l Nolhwendige Arbeit/ 
die Anzahl der angewandten Arbeiter n, so erhalten wir : 

l m 
- X V 

k X "^ X n. 

Ee wird foitwäfarend unterstellt, nicht nur dass der Wertb einer Dnrch- 
schnitts-Aibeitskraft konftant ist, sondern dass die von einem Kapitalisten 
angewandten Arbeiter anf DnrchBchnitta-Arbeiter redncirt sind. Es giebt 
Anenahmefille, wo der pTodncirto Mehrwerth nicht Terbultnissnüssig zur 
Anzahl der exploitirten Arbeiter wächBt, aber dann bleibt anch der Weith 
der Arbeitekrafl nicht konstant 

In der Produktion einer beatinunten Masse Mehrwerth kann daher 
die Abnahme dee einen Faktors durch Znnahme des andren ersetzt wer- 
den. Wird das variable Kapital vermindert und gleichzeitig in dem- 
selben Terhültniss die Bäte des Mehrwertfas erhöht, so bleibt die Hasse 
des prodncirten Mehrwerths anverändert. Mass unter den Mhem An- 
nahmen der Kapitalist lOO Thaler vorschiessen, nm 100 Arbeiter täg- 
lich in eiploltiren, nnd betraf die Bäte des Mehiwerths 507«, s» 
wirft dies variable Kapital von lOO einen Mehrwerth von 50 Th. ab, oder 
von 100 X 3 Arbeitsstunden. Wird die Bäte dee Mehiwerths verdop- 
pelt, oder der Arbeitstag, statt von 6 zn 9, von 6 zu 12 Stnnden ver- 
längert, so wirft das um die H&lfte verminderte variable Kapital von 
SO Ttialem ebenfalls ünen Mehrwerth von 50 Thalem ab oder von 50 
X 6 Arbeitsstunden. Termindemng des variablen Kapitals ist also 
ansgleichbar dnrdi inroportionelle Erhfthnng Im Eiptoitationsgrad der 
Arbeitskraft, oder die Abnahme in der Anzahl der beschäftigten Ar- 
beiter durch proportionelle Verlängerung des Arbeitstags. Innerhalb 
gewisser Grenzen wird die vom Kapital ecpressbare Zufuhr der Arb^t 
also unabhängig von der Arbeiterznfnhr '""). umgekehrt lässt Abnahme 



*") Dies Blement&rg«9etz scheint dan Herren von der Vulg&tökonomie 
nnbekaont, dio, umgekehrte Arcbimedee, in der Bcsümmuag der Marktpreise 
der Arbeit durah Nachfrego and Zufuhr den Ponkt gefundon in liaben 



lyGOOgIC 



— 301 — 

in der Bäte des Hehrwerths die Masse des prodncirten Mehrwerths nn- 
Terändeit, wenn proportionell die QrSsse des variablen Kapitale eder die 
Anzahl der beecb&ftigten Arbeiter w&chst 

IndesB hat der Ersatz von Ärbeiteranzahl oder GrOsse des variablen 
Kapital» duich gesteifforte Bäte des Mehrwerths oder YerllngeraDg des 
Arbeitstags nnflberspri Dgbare Schranken. Welches immer der Werth der 
Arbeitskraft sei, ob daher die znr Erhaltung des Arbeiters nothwendige 
Arbeitszeit 2 oder 10 Standen betrage, der Gesammtwerth, den ein Ar- 
beiter, Tag aus, Tag ein, prodnciren kann, ist immer kleiner als der 
Werth, worin sich 24 Arbeitsstanden vergegenständlichen, kleiner als 
12 sh. oder 4 Thaler, wenn dies der Qeldansdrack von 24 vergegen- 
Btändlichten ArbeitsstandeiL TJoter nnsrer frflhem Annahme, wonach 
täglich € Arbeitsstanden erheischt, nm die Arbeitskraft selbst zu repro- 
dnciien oder den in ihrem Ankauf vorgeechossnen Kapitalwerth zn er- 
setzen, prodncirt ein variables Kapital von 500 Tbalera, das 500 Ar- 
beiter zur Mehrwerthsrate von 1007d oder mit zwClfetandigem Arbeitstag 
verwendet, täglich einen Mehrworth von 500 Thalem oder 6 X 500 
Aibeitsstmiden. Ein Kapital von 100 Thalern, das 100 Arbeiter täg- 
lich verwendet znr Mehrwerthsrate von 200% oder mit ISetandigem 
Arbeitstag, prodncirt nnr eine Hebrwertbsmasse von 200 Tha'em oder 
12 X 100 Arbeitsstnnden. Und sein gesammtes Wertbprodukt, Aequi- 
valont des vorgeschossnen Kapitals pltia Mehrworth, kann Tag ans, Tag 
ein, niemals die Summe von 400 Thalern oder 24 X 100 Arbeitsstun- 
den erreichen. Die absolnto Schranke des dorcb schnittlichen Arbeitstags, 
der von Natnr immer kleiner ist als 24 Stunden, bildet eine absolate 
Schranke für den Ersatz von variablem Kapital durdi gesteigerte Rate 
des Mehrwerths, oder von eiploitirter Arbeitoranzahl durch erhöhton 
foploitationsgrad der Arbeitskraft. Dieaa hand;jreifliche Gesetz ist wich- 
tig znr Erklärung vieler Erscheinungen, entspringend aus der siäter zn 
entwickelnden Tendenz des Kapitals, die von ihm beschäftigte Arbeitor- 
anzahl oder seinen variablen in Arbeitskraft umgesetzten Bestandtheil so 
viel als immer ihöglich zu redociren, im Widersprach za seiner andren Ten- 
denz, die möglichst grosse Masse von Mehrwerth zn prodnciren. Umgs- 

gl&nben, nicht nm die Welt ans den Angeln su heben, sondern nm sie still- 
znsetzen. 



lyGOOgIC 



— 502 — 

kebrt. Wächst die Masse der rerwaadten Arbeitskräfle , oder die Griisse 
des vatisblen Kapitals, aber nicht rerhältnissniassig Eur Abnahme id der 
Bäte des HehrwerUie, so sinkt die Uasse des prodnciiten MshTwertha. 

&n drittes Gesetz ergebt sich aus der BeatJmmnng der Masse des 
pndncijten Mdirwerüis dorch die zwei Faktoren, Bäte des Mehrwerths 
und Gifiase des vorgeschossnen Tambleo Kapitals. Die Bäte des Mehr- 
werths oder dm Eiploitationsgrad der Arbeitskraft, und den Werth der 
Arbeitskraft oder die GrOase der notbwendigeu Arbeitsieit g^eben, ist 
es eelbstrerstBadlich, daas, je giesser dos raiiable Kapital, desto giOeam 
die Masse des prodncirten Wertha und Hehrworthe. Ist die Grenze des 
Arbeitstags gegeben, ebenso, die Qrenze seines nothwoidigen Bestaod- 
thüls, so h&ngt die Masse von Werth and Mehrwerth, die ein einzelner 
Kapilalist prodnciit, offenbar aosschliesslidi ab von aar Masse Arbdt, 
die er in Bewegung setzL Diese aber hftngt, imter den gegebnen An- 
nahmen, ab Ton der Masse Arbeitaknft oder der Arbeiteianuhl, die er 
exploitiit, oud diese Anzahl ihrerseits ist bestimmt durch die Grosse des 
ron ihm voigeschossnen variablen Kapitals. Bei gegebner Bäte des Mehr- 
werths nnd gBg^baim Werth der Arbeitakiaft veiiialten sich also die 
MsBBcn des producirten Mehrwerths direkt wie die Gilteen der TOTgO' 
achossnen Toriablen Kapitale. Nun weiss man ober, dass der Kx^taiiet 
sein Kaintal in zwA Thelle theilt Einen Theii 1^ er ans in Frodok- 
tionsmittetn. Dieea ist der konstante Theil seines Kapitals. Dm andm 
Ühül setzt er am in lebendige Arbritskr^. Dieser Theil tnldet sein 
vuriahlee Kapital Anf Basis detselben Produktionsweise findet in ver> 
schiednsn Prodnktionszwsigen verschisdne Theilong des Kai»tals in k<Hi- 
stanten und variablen BestandÜteil statL Innerhalb desselben ProdoktioBB- 
swogs wechselt dieea Verh&ltaisa mit wechselnder technischer Grundlage 
and gMeUsehaftlicher Kombination des Prodaetionsprocesses. Wie abra- 
ein gegebnes Kapital immer zerfalle in konetaiiteD und variablen Bestaad- 
tJieil, ob der letitre sieb zum ersben verhalte wie 1:2, 1 : 10, 
oder 1 : X, das (Htm aufgestellte Gesett wird nicht davon berOhrt^ da 
&flherer Anel^ gemAss der Werth des konstanten Kapitale im ProdnktoDr 
werth zwar wiederersdieint, aber nicht in das nengebildete Werthprodukt 
ongftht. Um 1000 Spinner zu verwende, sind nattiriich mehr Boh- 
mateiialien, Spindeln n. s. w. erheischt, als nm 100 zu verwenden. Der 
Werth dieser nuasetzendeo Produktionsmittel aber mag steigen, fsllen. 



lyGOOgIC 



niiTflTbidert bleiben, groes oder fclein Bein, er bleibt ohne irgend eineu 
Ginflnae auf den VerwerthTingeproceas der sie bewegenden ArbeitebrSfte. 
Dafl oben kouBtatirte Oeeeti nimmt also die Form an: Die von Terechiecl- 
neo Kapitalen prodncirten Ha»en yaa Werth nnd Uriirwerth rerhalten 
aicb bei gegebnem Woth and gleich grossem Ezploitationsgrad der Ar- 
bpitekraft direkt wie dio Grössen der variablen Bestandtheile dieser Ka- 
pitale, d. h. ihrer in lebendige Arbeitskraft omgeeetrten Beetandtheile. 

Di» Gesetz widerspricht offenbar aller auf dm Aogenschein ge- 
grüadetm Erbhrung. Jederraann weiss, dass ein Baomwidlspiiuier, der, 
die Prooenttbeile des angewudten GeoEmimtki^itals bOTeehnet, relativ fiel 
konstantes and wenig variableg Kapital anwendet, deeswegw keinen Uein- 
ran Oewinn oder Mehrwerth erbeutet als ein B&eker, der rdatiT viel 
variables und wenig koDstantee Kapital in Bew^nng setzt Znr LOsmig 
dieses scheinbaren Widerspruchs bedarf es noch vieler Hittel^eder, wie 
es vom Standpunkt der elementaren Algebr« vieler Hittelglieder bedarf, 


nm EU lerstehn, dass - eine wirkliche GrOase daisteUcn kann. Obgleich 

sie das Oeeeta nie formnliit hat, h&ngt die klasstsche Ökonomie instinktiv 
daran fest, weil ee eine nothwendige Konsequenz des Wertbgeaetzes flber- 
hanpt ist. Sie sacht es durch gewa^teame Abetnktion vor den Wider- 
sprtkchen der Ersdieinuug zn retten. Haa wird spSter*") sehn, wie 
die RicMdo'sche Schule an diesem Stein des Anstosses geetdpert ist. 
Die ValgftrOkonomie, die „wirklieh anch nichts gelAnt hat", pocht hin-, 
wie überall, auf den Sohon gegen das Oeseti der Erscheinung. Sie 
glaubt im Gegensats in Sinnoia, dass „die Unvrissenhrtt ein hinräehen- 
der Gmnd ist". 

Die Arbüt, die vom Oesammtk^ntal einer Gesellschaft Tag aus, 
Tag SB, in Bewegung gesetit wird, kann als ein einnger Arbätstag 
betrachtet werden. Ist z. B. die Zahl ia Arbeiter eine Million und 
betrfigt der I>nrch8ehiiitfeBarb(itBtag eines Arbeit«« 10 Standen, so be- 
steht der gesdlsßhaftliebe Arbrntstog ans 10 Millionen Stnndoi. Bei 
g^ebner LBnge dieses Arbeitstags, seien seine Grenzen phTsisch oder 
social gezogen, kann die Masse des MehrwerUis nnr vermehrt werden 
durch Vermehrung der Arbeiteranzahl, d. h. der ArbtiterbevOIkenug. 



■■^ Nftherea darabei im „Vierten Bnch". 



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— 304 — 

Baa Wachsthnm der Berölkemng bildet hier die mathematiHche Crisnze 
für Prodaktion des Mohrwerths durch du gesell Bcbaflliche Gasammi- 
kapital. ümgekelirt. Bei gegebner GrOsae der Bevßlkrnng wird diese 
Grenze gebildet dnrcli die mOgliche Verl&ngeraDg des Arbeitetaga***). 
Hau wird im folgenden Kapitel sehn, dass dies Gesetz nnr für die bis- 
her behandelte Form des Hehrwerthg gilt. 

Ads der bisherigen Betiachtnog der Produktion dea Hehrwerthf 
orgiebt sich, dass nicht jede beliebige Geld- oder Werthsnmme in Ka- 
pital Ter wandelbar, zn dieser Verwandlung rielmebr ein bestimmtee Hini- 
mnm von Geld oder Tauschwerth in der Hand des einzelnen Geld- oder 
Waarenbeaitzera voranagesetzt ist. Das Hinimom von variablem Kapital 
ist der Koatenpreis einer einzelnen Arbeitskraft, die das ganze Jahr 
dnrch, Tag ans, Tag ein, znr Gewinnung Ton Mehrwerth vernntzt wird. 
Wäre dieser Arbeiter im Besitz seiner eignen Produktionsmittel and. 
begnügte er sich, als Arbeiter zn leben, so genügte ihm die zor Repro- 
duktion seiner Lebensmittel nothwendige Arbeitszeit, sage von 8 Standen 
täglich. Er brauchte also auch nnr Prodaktioufimittel für 8 Arbeits- 
stunden. Der Kapitalist dagegen, der ihn ansser diesen 8 Stunden 
sage 4 Stunden Mehrarbeit verrichten lässt, bedarf einer zusätzlichen 
(Toldsumme zai Beschaffung der zusätzlichen Produktionsmittel. Unter 
nnsrer Annahme jedoch müsste er schon zwei Arbeiter anwenden, um 
vnn dem täglich angeeigneten Mehrwerth wie ein Arbeiter leben, d. h. 
seine nothwondigen Bodflrfnisse befriedigen zn ki^nnen. In diesem Fall 
wäre blosser Lebensunterhalt der Zweck seiner Produktion, nicht Ver- 
mehrung des Beichthums, und das letztre ist unterstellt bei der kapi- 
talistischen Produktion, Damit er nur doppelt so gut lebe wie ein ge- 
wöhnlicher Arbeiter, ond die Hälfte des pioducirten Mehrwerths in 
KHpital zarhck verwandle, mfisate er zugleich mit der Arbeiterzobl das 
Minimum des vorgeschossnen Kapitals nm das Achtfache steigern. Allor- 
diugs kann er seihst, gleich soinem Arbeiter, unmittelbar Hand im Pro- 
dukttonspro cesse anlegen, aber ist dann auch nnr ein Hittelding zwischen 

*''*).,Tha labour, that ia the oconamic time, ot societj, ia agiven portion, 
aaj ten hoars a. da^ of a million of peoplo or ten miiliona hoara .... Ca- 
pital hus its honndary of increase. Tbe boandarj □>&;, at any given period, 
be attained in tbe actnal eitont of economic tiuie employad." („&a Esaay. on 
the Politicü Economf of Hationa, London 1821", p. 48, 49.) 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 308 — 

KapituJist uad Aibäter, «n „klemei MaiBter". Ein gewisser HDhe^rad 
der kapitsUstiscbea Frodoktioit bedingt, dasa der K^titalist die ganze 
Zeit, nährend deren er als Kapitalist, d. li. als personificirtes Kapital 
fnnktionirt, zur Aneignung und daher Eoatrote fiemder Arbeit ond anm 
Verkauf der Produkte dieser Arbeit »erwenden könne"*). Die Ver- 
wandlung des Handwerksmeisters in den Eapitnlisten snchte das Zunft- 
wesen des Hittelalters dadurch gewaltsam zu verhindern, daas es die 
Arboiteranzahl, die ein einzelner Heister beschäftigen dnrfte, anf ein uehr 
geringes Maximum beschränkte. Der Geld- oder Waarenbesitzei verwan- 
delt sich erst wirklich in einen Kapitalisten, wo die für die Produktion 
Torgescbossno Hinimalenmme weit Aber dem mittelaltrigen Maximum 
ütebt. Hier, wie in der Natnrwiaeenschaft, bewährt sich die Richtigkeit 
des von Hegel in seiner Logik entdeckten Gesetzes, dass bloss quanti- 
tative Veränderungen auf einem gewi^wn Punkt in qualitative Unter- 
schiede umschlage "'^a). 



***) „The farmer cannot tsI; od his own labont; aod if he doea, 1 will 
maintua that he is a loset by it Hi« omplojemeDt atioald be, a genatal 
attention to the whole: bis thrBshei muet be watched, or he will aoon lose 
bia wogOH in com not Uiraahed oat ; hia mowers, reapers etc. muat be looked 
after; he muBt conatanUy go roand hia fences; he taait eee there is no neg- 
loct; which woold be the case if he was confinad 1« an; oue spot." „An 
Eaquir; into the Connection between tha Price of Provisione, and tho Siie 
of Facms etc. B; a FannsT. London I77Ü", p. 13. Dieae Sohrift ist sehr 
interessant Hau kann darin die Genesis des „capitaliet farmer" oder „mei- 
uhant farmei", wie er aosdiQcklich genannt wird, stadiren und seiner Selbst- 
vcrhertlichnng gegenDber dorn „small farmei", dem es wesentlich nm die 
KabBistenz in tban ist, zuhOren. „Die Kapital istenk lasse wird zuerst Ukeil- 
wcitia und ecbliosBlich ganz nnd gar entbanden von der Noth wendigkeit der 
Handarbeit." (Teitbook of Lectaros on the Fallt. Econom; of Natioos. B; 
the Bev. Bichard Jones. HertCoid 1852. Lectare III.) 

*°*a) Die in dei modernen Chemie angewandte, von Laurent nnd Ger- 
hardt morst wissenschaftlich entwickelte Uoleknlartheorie beruht anf keinem 
andien Gesetze. (Znsatz sor 3. Anag. — Wir bemeiken zur Erklärung dieser 
für den Nichtchemiher ziemlich dnnklen Anmsrknug, dass der Terfaaaer hier 
von den von C. Uerbardt 1343 zuerst so benannten „homologen Beihen" vou 
Kohlen Wasserstoff Tcrbindnngen spricht, von denen jede eine eigne alge- 
braische ZnsammensetznngsforDiel hat. So die Beihe der Paraffine: Cd, Hin + a' 
die der normalen Alkohole: Cn, Han -f- d, 0; die der normalen fetten 
KitI, Kapital 1. SO 



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— S06 — 

Du Kininrain der WerthsDmme, worflber der einielne Gt\i- oder 
WunnbeBitier nifflgen idqbb, mn sieh in einen EApitalisten zu ent~ 
pnppen, wechselt anf Terschiednen EstwicUongsstofen der b^talistisdien 
Prodnktion und ist, bei gegebner Entwicklnngsstiiift, Terschieden in Ter- 
schiednen ProdoktionsspbiJ-en, je nach ihren beaondien techmschen Be- 
dingungen. Gewisse ProdnUionssphären erhüschm sclion in den Anfin- 
gen der kapitaÜBtiedten Frodoktion ein Hinimnnt von Kapital, das aieh 
noch nicht in der Hand einzelner Indiiidnen voiflndet. Dies Teranlasst 
theilB Staatssnbsidira an solche Private, wie in Frankreich eot Zeit 
Colbert'B und wie in manchen deutschen Staaten bis in nnsre Bpoehe 
hinün, theils die Bildung von OeeellBchaften mit geeetzlicfaem Monopol 
fOr den Betrieb gewisser Industrie- und Handelsiweige "^, — die Yor- 
läafer der modernen AktiengeeeUschaften. 



Wir haltm uns nicht beim Detul der Vsr&ndnuigen anf, die das 
Verh&ltnisB von Kapitalist und Lohnarbeiter im Verlanfe des Prodnk> 
tionsprocessee erfuhr, also auch nicht bei den wrätren FMbestimfflu^ceD 
des Kapitals selbst. Nur wenige Hauptpunkte seisn hier betont. 

Innerhalb des Prodoktionsprocesses entwickelte sich das Kapital 
zum Kommando Aber die Arbeit, d. h. Aber die sich betbätigende Ar- 
beitskraft oder den Arbeiter selbst. Das personifltirte E^ital, äa Ka- 
pitalist, passt auf, dass der Arbeiter sein Werk ordentlich nnd mit den 
gehörigen Grad von Liten3ität Terricbte. 

Das Kapital entwickelte eich femer zu einem ZwaogsTerhUtniss, 
welches die Arbeiterklasse nfithigt, mehr Arbeit tu verrichten, als der 
ei^ Umkreis ihrer eignen Lebensbedflrfiiisse Torscbrieb. Und als Pm- 

Sänren Cn, Hsn, 02 und riele andre. In obijjren Baispielen wird duteb 
«infachen qnaDtitatiTen Zoiati toq C Ha zar Moleknlarfonnel jed^amsl ein 
([nalitati* Teiechiedner Kfirper gebildet Ueber di«, von Man ttbenehitite, 
Theiloabme Ii&nrent's und Gerhardt'a an der F«etstellaag dieser wichtägen 
Thfttauhe Tgl. Kopp, Entwieklnng der Chemie, München 1873, S. TW und 
71S, nnd Schorlemmei, Bise ftnd Fragressof Oiganic ChemUtr;, London 1879, 
p H. — D. HJ 

■*■) „Die QeeeUeehift HonopeUa" nennt Martin Lnther derartige In- 



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— S07 — 

dncent firemder Arboitsunkeit, ala Auspnmper von Hdmrbeit und Ei- 
ploitenr toh Arbeitsbift Abe^püBlt ee an Energie, Hablosigkeit and 
'Wirksamkeit alle ftuhem auf direkter Zwangsarbeit beruhenden Prndnk- 
tienssysteme. 

Das Kapital ordnet sicli znnSchst die Arbeit unter mit den tecfa- 
niaelien Bedingiingen, worin es sie historisch rorflndet. Es ver&ndert 
dahn nicht unmittelbar die Prodnktionsweise. Die Frodnktion von 
Hehrwerth in der bisher betrachteten Form, durch einfache Verl&nginng^ 
dee Arbeitstags, erachien daher von jedem Wechsel der Frodnktionsweiae 
selbst unabhängig. Sie war in der altmodischen Bäckerei nicht minder 
wirksam als in der modernen Banmwollspinnerei. 

Betrachten wir den Produktionsprocesa unter dem Geeichtspunkt 
des Arbeitsproceeses, so verhielt sich der ArbeiteT in den Produktions- 
mitteln nicht als Kapital, sondern als blossem Mittel nnd Uaterial 
seiner iweekm&ssigen produktiven Th&tigkeit. In einer Qerberei i. B. 
behandalt er die Felle als stinen blossen Arbeitsgegenstand. Es ist 
nicht der Ki^italist, dem er das Fell gerbt. Anders, sobald wir den 
ProduktionsprocesB unter dem Gesidttspnnkt des Verwerthnngsprocesses 
betrachteten. Die Produktionsmittel verwandelten eich sofort in Mittel 
rar Einsangang fremder Ärlmt. Ea ist nidit mehr der Arbeiter, der 
die Produktionsmittel anwendet, sondern es sind die Produktionsmittel, 
die den Arbeiter anwenden. Statt von ihm als etoffliehe Momente 
seiner prodnkttven Th&tigkeit veriehrt in werdim, Twzehren sie ihn als 
Ferment ihres eignen Lebensprocessca, nnd itir Lebensprocees dee Ka- 
pitale besteht nnr in seinwr Bewegung als ädi seihet verwerthender 
Werth. 8«äimels0feu und Arbeitsgeb&nde, die des Nachts nthn und 
k^e lebendige Arbeit einsaugen, sind „reiner Verlnst" („mere losa") 
fOr den Kapitalisten. Damm konstitniren SchmeliOfen und Arbeits- 
geb&nde «nen „Anspruch auf die Nachtarbeit" der Arbeitskräfte. Die 
blosse Verwandlung des Oeldee in gegenständliche Faktoren des Pro- 
duktionsprocesses, in Produktionsmittel, verwandelt letztre m Bechts- 
titel nnd Zwangstitel anf fremde Arbeit und Mehrarbeit. Wie diese der 
kapitalisttacben Produktion ngenthOmliche nnl sie charakterisirende 
Verkehmng, ja Verrflcknng dee Terhältniases von todter nnd lebendiger 
Arbeit, von Werth imd werthschOpferischer Kraft, sich im Bewnsstsein 
der EapitalistenkOpfe absiuegelt, seige schlieeslidi noch ein Beispiel. 



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— 308 — 

Wühlend der engliachen Fftbrikantenrerolte ¥on 1848 — 50 aehneb „dw 
Chef der Leinen- tmd Btumwollapinnwei xn Faialey, einer der iltesten 
und respektabelsten Finnen von WeBtsehottlMid, der Kompapüe Cwlile, 
Söhne und Co., die seit 1752 besteht nnd Qeoeration nuh Oeneration 
von derselben Familie gefOhrt wird", — dieser änsaerst inteUigntte 
Gentleman also schrieb in die „Glasgow Duly Mail" vom 25. April 
1849 einen Brief*"^ nntei dem Titel: „Dos Belaisaystem", worin o. &. 
folgende grotesk naiTe Stelle nnterl&uft: „Lasst nns nun die Uebd 
betrachten, die ans einer Bednktion der AxbeitsKeit von 12 auf 10 Stondea 
flieseen .... Sie „belaufen" sich auf die alleremsthafteBte Beschidignag 
der Aosaichten und des E^enthums des Fabrikanten. Arbeitete er (d. h. 
seine ,3ände") 12 Standen nnd wird er anf 10 beechr&nkt, dann 
schrumpfen je 12 Haschinen oder Spindeln sdues Btabliasements anf 
lO zusammen (,,then everj 12 machines or apindlss, in bis setablish- 
ment, shrink to 10"), nnd wollt« er seine Fabnk rerk&nfen, so wArdeo 
sie nnr als 10 gewertbsch&tEt werden, so dass so ein sechster Theil 
von Werth einer jeden Fabrik im ganzen Lande abgezogen wflrde"*^ 
Diesem erbangeetammten E^italbim von Westsohottliuid rer- 
schwimmt der Werth der Produktionsmittel, Spindeln n. s. w., so sehr 
mit ihrer Eapitaleigenschaft, sieb selbst so verwerthen, oder täglich 
ein bestimmtes Qnantom fremder Gratlsarbeit einzuscblncken, dass der 
Chef des Haosee CarlUe nnd Co. in der That w&hnt, beim Terkanf 
scöner Fabrik werde ihm nicht nur der Werth der Spindeln gezahlt, 
sondern obendrein ihre Verwertbong, nicht nnr die Arbeit, die in ihnen 
steckt nnd znr Produktion Yon Spindeln derselben Art nOthig ist, 
sondern auch die Mehrarbeit, die üe täglich ans den braven Weet^ 
schotten von Paisley auspumpen hdfen, und eben desshalb, meint er, 
scbmmpfe mit der Yerkttrznng des Arbeitstags nm zwei Stund«i der 
Verkaufspreis von je 12 Spinnmaschinen anf den von je 10 snsammen! 

*°^ „BeporU of Insp. of Fact. foi 80th April 1849", p. 59. 

***) L c. p. 60. Fabrikiuspektoi Stnart, selbst Schotte, und im Qegenaatz 
zu den engliachen Fabiikinspektoren gajix in Ifapitaligtischer Denkart befangen, 
bemerkt ansdiücldich, dieser Brief, den ei seinem Bericht einverleibt, „«et dio 
allern&tilichste Mittheilnng, dia irgend einer dar FabrilisuteD, velche das Belais- 
syatem anwenden, gemacht, und ganz besonders daraaf berechnet, die Tonirthoile 
nnd Bedenkeii gegen jenes System zn beseitigen." 



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Tierier Absehnitt. 

Die Produktion des relativen Hehrwertlu. 

Zehntes Kapitel 

Begriff des relatlTeii Hehrwerths. 

Der Tbeil dee Arbeitstags, der bloss ein ÄequiTslent fBr den vom 
Kapital gezahlten Werth der Arbeitskraft prodndrt, ^t nna bisher als 
konstante arOeae, was er in der That ist unter gegebnen ProdnUions- 
bediogongen, aof einer vorhandnen OkononÜBcben Entwicklnngsatnfe der 
Qeaellacliaft. lieber dieee seine nothwendi^ Arbeitszüt hinaoB konnte 
der Arbeiter 2, 3, 4, 6 n. b. w. Standen arbeiten. Von der OrCsGO 
dieser Verlängning hingen Bäte des Mehrwerths nnd QTÖsse des Arbeits- 
tags ab. War die nothwendige Arbeitszeit konstant, so dagegen der 
Geeammtarbeiteti^ variabel, unterstelle jetzt einen Arbeitstag, dessen 
OrOese nnd dessen Theilnng in nothwendige Arbeit and Mehrarbeit 

gegeben sind. Die Ijnie a c, a. b— c, stelle a. B. anen 

iwOlfstOndigen Arbeitstag vor, das Stflck a b 10 Stnnden nothwendige 
Arbeit, das Stflck b c 2 Stnnden Hehrarbeit. Wie kann nnn dio 
Produktion von Hehrwerth vei^iOssert, d. h. die Mehrarbeit verlängert 
werden, ohne jede weitere Verl&ngrang oder anabhängig von jeder 
weiteren Yerlüngrung von a c? 

Trotz g^bner Grenzen dee Arbeitstage a c scheint b c verlängei- 
bar, wenn nicht durch Ansdehnnng Aber seinen Endpunkt e, der zu- 
gleich der Endpnnkt des Arb^tstags a c ist, so durch Verschiebung 
seines Anfangspunkts b in entg^fengesetzter Richtung nach a hin. 

Nimm an, b' — b in a- b' — b- c sei gleich der Hülfte von 

b c oder gleich «ner Arbdtsstande. Wird nun in dem zwOlfsUndigen 
Arbeitstag a c der Punkt b nach b' verrBckt, so dehnt sich b c ans 



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- 310 — 

ZD b' c, die Mehrarbeit wächst um die U&lfte, tod 2 nuf 3 Standen, 
obgleich der Arbeitstag noch wie tot hui 12 Stnndeo z&hit. Dieea 
Ausdehnung der Hahnibeit von b c anf b' c, yon 2 aof 3 Stnnden, 
ist aber otTenbar unmöglich ohne gleichzeitige ZaBammeniiehung der 
nothwendigen Arbeit von a b auf a b', von 10 auf 9 Stunden. Der 
Terlöugnuig der Uehiarbeit entapr&che die Verkürznng der nothwendigen 
Arbeit, oder ein Theil der Arbrätazeit, die der Arbiter bisher in der 
That f&r sich aelbat verbraucht, verwandelt sich in Arbeitszeit fflr den 
Kapitalisten. Was verändert, wäre nicht die Länge dee Arbeitstag«, 
sondern seine Theilung in nothwendige Aibät nnd HehrarbeiL 

Andrerstits ist die OrOase der Hehrarbeit offenbar selbst gogtboo 
mit gegebner Grfisae des Arbeitstags und gegebnem Werth der Arbeite- 
kraft. Der Werth der Arbeitekraft, d. h. die zu ihrer Produktion 
erheischte Arbeitazeit, bestimmt die zur Beproduktion ibres Wertha 
nothwendige Arbeitszeit. Stellt sich eine Arbeitestonde in einem Gold- 
(juantum von einem halben Shilling oder 6 d. dar, nnd beträgt der 
Tageawerth. der Arbeitskraft 5 sh., so muss der Arbüter täglich 
10 Standen arbeiten, um den ihm vom Kapital gezahlten Tageawerth 
seiner Arbeitskraft zu ersetzen oder ein Aeqoivalent fOr den Werth 
smner nothnoidigen täglichen Lebensmittal zu prodnciren. Wt d«n 
Werth dieser Ijebensmittel ist der Werth seiner Arbeitskraft'), mit d«B 
Werth seiner Arbeitskraft ist die GrOsse seiner nothwendigen Arbeit»- 
/.eit gegeben. Die Grosse der Hehrarbeit aber wird erhalten dnrch 



') Der Waith des tägliehen Duichsduiittalohiu ist bestimmt dnrob du, wu 
der Arbeiter braaoht „so ai to live, labour, and generat«." (William Fettj: 
,J>olil3cal Anatom; of Ireland" 1672, p. 04.) „The Price of Labonr is alwaja 
uonstitated of the prioe of necessariea." Der Arbeiter erhält nicht den ent- 
aprechenden Lohn „whenever .... the laboiiring man'« wages will nol,Baitablj 
Ui hia low rank and Station, aa a labooring man, sapport Bnofa a famiij as u 
often th« lot of man; of them to have." (J. Tanderlint I. c p. 19.) „Le 
dimple oQvrier, qui a'a qae aei bias et son indnstrie, n'a rien qn'antant qal] 
parvieot ä vendre ä d'antres sa peine . . . En tont genre de travail il doit 
acriver et il arrive en elTet, que le salaire de l'ouTrier aa bome a ee qni Inj 
'^tneoeuaireponrlnipTOearer lasabüBtauce." (Tnrgot: „Bäfleiiona stc. OÖdvtm 
ed. Daire, t. I, p. 10.) „The prioe of the oecaBaariei of lifo ig, iu tut, the oort 
of prodneing laboar." (Ibklthiu: „Inquirf into etc. Bent" Lond. 18IS, 
p. 48 Note.) 



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— 3U — 

Sobtraktion der nothwflndigen ArbeitBwit toid GeBunrntarbeitstag. Zehn 
Stnnden BDbtrahiit von zwfilf lassen svei, nnd ee ist nicht abznsehu, 
wie die Hehrarbeit unter den gegebnen Bedingnngm Aber zwei Stunden 
hiuans verlängert werden kann. Allerdings mag der Kapitalist statt 
5 ab. dem Arbeiter nor 4 sb. 6 d. oder noch weniger Kahlen. Zar 
Keprodnküon dieses Werths von 4 sh. 6 d. wQrden 9 Arbeltestanden 
genügen, von dem zwOl&tDndigen Arbeitstag dalier 3 statt 2 Stimdmi 
der Mehrarbeit anheünfallen ond der Mebiwertb selbst von 1 sb. auf 
1 Bh. 6 d. steigen. Dies Besnltat wäre jedoch nur enielt durch Herab- 
drackang des Lohns des Arbeiters unter den Werth seiner Arbeitskiatt. 
Hit den 4 sb. 6 d., die er in 9 Stunden prodncirt, verfflgt er Qber 
Via weniger Lebensmittel als vorher und so findet nur eine verkBrnmerte 
Keprodnktion seiner Arbeitskraft statt Die Mehrarbeit würde hier nnr 
▼erlängert durch Deberschreitang Uirer normiden Qrensen, ihre Domfioe 
nnr ausgedehnt durch nsiirpatorisehen Abbruch von der Dom&ne der 
nothwendigen Arbeitszeit. Trotx der wichtigen Bolle, welche diese 
Methode in der wirklichen Bew^nng des Arbeitslohnes spielt, ist sie 
hier ausgeschlossen durch die VoransBatzimg, dass die Waaren, also 
auch die Arbeitskraft, zu ihrem vollen Werth gekauft und verkanft 
werdm. Dies einmal nnterstellt, kann die zur Produktion der Arbüts- 
kraft oder znr iteproduktion ihres Werths nothwendige Arbeitezeit nicht 
abnehmen, weil der Lohn des Arbeiters unter den Werth seiner Arbeits- 
kraft, sondern nor wenn dieser Werth selbst sinkt. Bei g^^ebner L&nge 
des Arbülstags mnes die TerlAngnmg der Hehrarbeit ans der Ver- 
kürzung der nothwendigen Arbntsieit entspringen, nicht umgekehrt dio 
VerkDriDDg der nothwendigen Arbeitszeit aus der Verl&ngmng der 
Uehraibeit. In nnsrem Bäspiel mnse der Werth der Arbeitskraft wirk- 
lich nm ^/ig sinken, damit die nothwendige Arbeitsieit um */io sbnebme, 
vnn 10 anf 9 Standen, nnd daher die Uehiarbeit sich von 2 onf 
It Stunden verlängre. 

Eüne solche Senknng des Werths der Arbeitskraft um '/lo bedingt 
aber ihrerseits, dass dieselbe Masse Lebensmittel, die früher in 10, jetzt 
in 9 Stunden prodncirt wird. Dies ist jedoch unmöglich ohne eine 
Erhöhung de'' Produktivkraft der Arbeit. Mit gegebnen Mitteln kann 
ein Schnster z. B. ein Paar Stiefel in einem Arbeitstag von 12 Stunden 
machen. Soll er in derselben Zeit zwei Paar Stiefel machen, so mnss 



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— 312 — 

sich die Prodnktivkraft seiner Arbeit Tardoppeln, und sie kann aicb 
nicht verdoppeln ohne eine Aendernng in seinen Arbeitamitteln oder 
seiner Arbeitsmethode oder Imden ingleich. Es mnas daher eine Ba- 
Tolntion in den Prodnktionsbedingangen seiner Arbeit eintteten, d. h. in 
aäner Prodaktionsweise nnd daher im Arbeitsprocess selbst, unter 
Erhöhung der Prodnktivkraft der Arbeit Teistebn wir hier flberhanpt 
eine Ver&ndnmg im Arbeiteproceea, wodurch die znr Produktion einer 
Waare gesellschaftlich erhaschte Arbeiteieit TerkQrrt wird, ein kleinree 
Qnantnm Arbeit also die Kraft erwirbt, ein grOseres Qnantnm Oebranehs- 
werth xn prodndren"). Wührend also bd der Prodnlction des Htiir- 
wurths in der bisher betraditetflii Form die Produktionsweise als g^ben 
antereteUt war, gentigt es fflr die Produktion von Hehrwertfa dnrch 
Verwandlung nothwendiger Arbeit in Mehrarbeit keineswegs, dass das 
Kapital sich dee Arbeiteprooesses in sraner historisch Dberlieferten oder 
Torhandnen Qeetalt bemächtigt und nor seine Dauer verlängert. ¥-s 
muss die technischen und gesellschaAlichen Bedingungen dee Arbeits- 
processes, also die Produktionsweise selbst umwälzen, um die Produktiv- 
kraft der Arbeit zu erhohn, dnrcb die ErhObnng der Prodnktivkraft der 
Arbeit den Werth der Arbeitskraft zn senken nnd so den zur Be- 
prodnktion dieeee Werths nothwendigw Th«l des Arbeitstags zn ver- 
kflnen. 

Dnrch Verlfingning des Arbeitstags prodncirten HehrwerUi nenne 
ich absoluten Mehiwerth; den Uebrwerth dag^^, der aus Verkürzung 
der nothwendigen Arbeitszeit und entsprechender Verftndmng im OrOasen- 
verhUtnisB der bädm Bestandtheile des Arbeitstags entspringt — 
relatiTen Uehrwerth. 

um den Werth der Arbeitskraft zu senken, muss die Ste^e^u^; 
der FrodukÜTkraft Indnstriezwöge ergreifen, deren Produkte den Werth 
der Arbatskraft bestimmen, also entweder dem Umkreis der gewöhn- 
heitsmätaigfln Lebensmittel ai^ehoren oder me ersetzen kOnnen. Der 
Werth einer Waare ist aber nicht nur bestimmt durch das Qnantnm 



'} „Qvando si perfeiioaano le arti, cfae non h altio che Is scoperta di 
nnove vie, onde ri poeaa oompiere ana mannfattura eon meno gente o (che ö 
lo stsaao) in minor tempo di prima." Galiani 1. e. p. 159. „L'economie bot 
leg frais de prodnction ne pent £tre aatre chOM qua reconamiesailaqDantitn 
de travail employe pour prodoire." Sisniondi: Ktndes stc, t. I, p. 22.) 



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— 313 — 

der Arbeit, welche ihr die letzte Ponn ^ebt, sondern ebensowohl dnreti 
die in ihren Produktionemitteln enthaltne AibeitsmasBO. Z, B. der 
Werth eines Stiefels nicht nur durch die Schnsterarbeit, sondeni anoh 
durch dffli Werth tob Leder, Pech, Draht u. a. w. Steigemng der Pn>- 
dnktiTkraft und entsprechende Terwohlfeilening der Waann in des 
Indnetrien, welche die stofflidien Elranente des konstanten Ekpitals. die 
Arfaatsmittd und das Arbeiteinateria], znr Erzeu^ng der nclhwendigen 
Lebensmittel litfern, senken also ebenfolls den Werth der Aibeitaknft. 
In ProdnktionsEW^en dag^vn, die weder noth wendige Lebensmittel 
liefern, noch Produktionsmittel zn ihrer Herstellung, tftaet die erhöhte 
ProdnktiTkraft den Werth der Arbeitskraft nnberOhrt. 

Die verwohlfeilerte Waore senkt natOrlich den Werth der Arbeits- 
kraft nur pro tanto, d. h. nur im VerhÜltniss, worin sie in die Re- 
produktion der Arbeitskraft eingeht. Hemden z. B. sind ein noäi- 
wendigea Lebensmittel, aher nnr eins ron vielen. Ihre Verwohlftüerung 
vermindert bloss die Ausgabe des Arbeiters für Hemden. Die Gesammt- 
snnune der noüiwend^en Lebensmittel besteht jedoch nur ans ver- 
schiednen Waaren, lanter Produkten besondrer Indnetrien, und der 
Werth jeder solchen Waare bildet stets einen aliqneten Theil vom 
Wertb der Arbeitskraft. Dieser Werth nimmt ab mit der sn seiner 
Reproduktion nothwendigen Arbeitszeit, deren OesammtverkGranng gleich 
der Summe ilirer VerkOrzungen in allen jenen besondren Produktions- 
zweigen ist Wir bebandeln dies allgemeine Besnltat hier so, als wäre 
es unmittelbares Beenltat nnd unmittelbarer Zweck in jedem einzelnen 
Fall. Wenn ein einzelner Kapitalist durch Stngening der Produktiv- 
kraft der Arbeit i. B. Hemden verwohlfeilert, schwebt ihm keineswega 
nothwendig der Zweä vor, den Werth der Arbeitskraft nnd daher die 
nothwendige Arbwtaieit pro tanto in senken, aber nur eowcät er schlieas- 
lieb zn diesem Beenltat beitr&gt, trftgt er bei zur Brhffhnng der all- 
gmnnnen Kate des Uehrwerths *). Die allgemeinen und nothwendigea 
Tradenzen des Kapitals sind zu unterscheidoi von ihren Brechsinung»- 
formen. 

') „Wenn der Fabrikant dnreb TeibesMmng der Maschinerie »sine Pro- 
dokte verdoppelt .... gewinnt er (MhliestlichJ blow, gofern er dadnroli be- 
£Uiigt wird, den Arbeiter wohlfeiler in kleiden n, «. w. nnd w ein kleinver 
Theil dM Geaammtertraga mt den Aibeiter fillt" (Baniaaj L & p. 168.) 



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— 314 — 

Die Art nad Weise, wie die imuuuicaten üeeete« der lupibliBtisRben 
Produktion in der änssem Bewegung der Kapitale erscheinen, sich als 
ZvangBgeeebe der Eonlninenz geltend machen und daher nls treibende 
XottTe dem indJvidneUen ^pitaliBten zum Bewusstsein kommoi. ist jetet 
nicfat EU betrachten, aber so viel erhellt von vom herein: wissenschafllicho 
Analyse der KonkorrenE ist nar mOglich, sobald die innere Nator dee Kä- 
(utals begriflto ist, ganz wie die scheinbare Bewegung der Himmelskörper 
nur dem vfüst&ndlich, der ihre wirkliche, aber mnnlich nicht wahrnehm- 
bare Bewegung kennt. Dennoch ist zum Veist&ndniss der Produktion dw 
rriativen MehrwertbR und bloss anf Gnmdlage der berpitx gewounenfii 
RcBoltate Folgendes zu bemerken. 

Stellt sich eine Aib^tsstunde in einem Goldqnantam von 6 d. oder 
'/, sh. dar, so wird in znnlfstandigem Arbeitstag ein Werth von 6 sta. 
prodncirt. Gresetzt, mit der gegebnen Prodnktivkraft der Arbeit w&rden 
12 Stflck Waaren in diesen 12 ArbeitsstundM verfertigt. Der Werth 
der in jedem Stßck vemutzten Produktionsmittel, Bohmaterial u. s. w. 
'«« 6 d. Unter diesen Umständen kostet die einzelne Waare 1 sli., 
nämlich 6 d. fflr den Werth der Prodaktionsmtttel, 6 d. für den in 
ihnr Verarbeitung neu zugesetzten Werth. Es gelinge nnn einem Ka- 
pitalisten , die Prodnktivkraft der Arbeit zu verdoppeln und daher 24 
statt 12 Stock dieser Waarenart in dem zwOlfstOndigen Arbeitstag zu 
pioduoren. Bm unverändertem Werth der Prodnctionsmittel sinkt der 
Werth der einzelnen Waare jetzt anf 9 d., n&mlich 6 d. für den Werth 
der Produktionsmittel, 3 d. fSr den durch die letzte Arbeit neu zuge- 
setzten Werth. Trotz der verdoppelten Prodnktivkraft schafft der Ar- 
beitstag nach wie vor nur einen Neuwertb von 6 sh., welcher eich jedoch 
jetzt anf doppelt so viel Produkte vertheilt. Auf jedes einzelne Produkt 
mit daher nur noch V» statt 'Ai dieses Gesammtwertbs, 3 d. statt 6 d. 
oder, was dasselbe ist,' den Produktionsmitteln wird bei ihrer Verwand- 
Imig in Produkt, Jedes StQek berechnet, jetzt nur noch eine halbe statt 
wie Mher eine ganze Arbeitsstunde zugeaetit. Der individuelle Werth 
dieser Waare steht nun unter ihrem gesellschaftlichen Weith, d. h. sie 
kostet weniger Arbeitszeit als der grosss Haufen derselben Artikel, pro- 
dncirt unter den gesellschaftlichen Dorchschnittsbedingungeu. DosStQck 
kostet im Durchschnitt 1 sh. oder stellt 2 Stunden gesellschaftlicher Ar- 
beit dar; mit der veränderten Produktionsweise kostet es nur 9 d. oder 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 315 — 

«näiSlt mn iVi AxbeitastoDdan. Der wirkliche Werth nner Waare iet 
aber Dicht ihi individueller, sondwn ihr geeellBchaftlicher Werth, d. h. 
er wird oidit doreh die Arbeitszeit gemessen, die sie im einzelnen Fall 
dem Prodncenten thaitsSchlich lostet, sondern durch die geseUBChaftlich 
in üirer Produktion erheisdite Arbeitsz^t. Verkauft also der Kapitalist, 
der die nene Methode anwendet, geioe Waare zn ihrem gesellBchaftlicheu 
Werth von 1 ah., so verkanft er sie 3 d. über ihrem indiiiduellen Werth 
und realimrt so önen Exkamehrwerth von 3 d. Andrerseits stellt sich 
aber der zwölfMfindige Arbeitstag jetzt fOr ihn iu 24 Stfick Waare d^ 
statt Mher in 12. um also das Produkt eines Arbeitstags zn vor- 
kanfen. bedarf er doppelten Absatzes oder ones xweifach grossem 
Markts. Unter sonst gleidLbleibenden Umst&ndeu erobern seine Waaren 
nnr grossem Harktraum durch Kontraktion ihrer Preise. Er wird sie 
daher Über ihrem individnellen, aber nnter ihrem gesellschaftlichen Werth 
rerkaufen, sage zu 10 d. das StOck. So schl&gt er an jedem einzelnen 
Stfick immer noch einen Eztramehrwerth von 1 d. heraus. Diese 
Steigoung des Mehrwerths findet &t ihn statt, ob oder ob nicht seine 
Waare dem Umkreis der nothwendigen Lehensmittel angehört nnd daher 
beetimmend in den aUgemainen Werth der Arbeitskraft eingeht. Vom 
letztren Umstand abgeaebn, existirt also fOr jeden einzelnen K^italiaten 
das Moti?, die Waare durch erhShte Produktivkraft der Arbeit zu ver- 
wohlfeilem. 

Indess entspringt selbst in diesem Fall die gesteigerte Produktion 
von Uehrwerth ans der Verkürzung der nothwendigen Aibeitszät nnd 
entsprechender Verlängmng der Mehrarbnt^). Die nothwendige Ar- 
beitszeit betrage 10 Stunden oder der Tageswerth der Arbeitskraft 5 sh., 
die Hehrarbeit 2 Stunden, dar t&glieh prodncirte Uehrwerth daher 1 sh. 
TTnser Kapitelist prodndrt aber jetzt 24 Stflek, die er zn 10 A. per 



*b) „A man'a proflt dow not dep«nil apon bis oommaud of the produc« 
of other men'a labonr, bnt apon his oommand of laboar itwlf. If he can 
xell his good« at a bigher price, whila hie woikmen's wages remain uoaltered, 
he ia clearly beuefited . . . A amallar piopoition of what he prodooea ia 
safSdent to put that labonr into motion, and a larger proportian oonw- 
qaently remaina for himaelf." („Outlinaa of Pollt. Ecod." London 1833, 
p. 49, 50.) 



lyGOOgIC 



— 316 — 

Stack oder znaafflmeii zu 20 sh. verkauft. Da der Werth der Pn>- 
dnktioDsiiuttel gleich 12 sh., ersetien 14*/b Stfick Waare nur das toi^ 
geecbossas kouetante Kapital. Der zwOlfatDndig^e Arbeitstag stellt sieb 
in den flbi^blabenden 9'/^ ^tifick dar. Da der Preis der Arbeiteb:^! 
= 5 sh., stellt sich im Produlct von 6 Stück die nothwendige Arbeits- 
zeit dar nnd in Z% StQck die Hehrarbeit. Da« Verhältnise der nothweo- 
digen Arbeit mr Mehrarbeit, welcboa unter deo geeellschaftlicheD Dnrch- 
schnittabedingimgea 5 : 1 betrag, beträgt jetzt nur noch 5 : 3. Das- 
selbe Besnltat erbalt man so: Der Prodnktenwertb des zvSlMandigen 
Arbeitstags ist 20 ah. Davon geh/Iren 12 sh. dem nnr wieder erschn- 
nanden Werth der Prodnktiansmittel. Bleiben also 8 sh. als äeldaus- 
drack des Werths, worin sich der Arbeitstag darstellt Dieser Geld- 
aosdruck ist hoher als der Qeldausdrnck der gesell schafUichpn Durch- 
Hcbnittsarbeit von derselben Sorte, wovon sich 12 Stunden nnr in 6 ah. 
ansdT&cken. Die Arbeit von ansnabmsweiser Prodnkttvkraft wirkt alf 
potenzirta Arböt oder schafft in gleiches Zätr&umen höhere Werthe aU 
die gesellschaflJiche Dorchschnittsubeit derselben Art. Aber unser Ka- 
pitalst zahlt nach wie vor nnr 5 sh. ffit den Togeswerth der Arbrits- 
kraft. Der Arbeiter bedarf daher, statt frflber 10, Jetzt nnr noch 7*A 
Stunden zor Beprodoktion dieses Werths. Seine Uebrarbeit wichst da- 
her nm 2Vs Stnnden, der von ihm prodnctrte Mehrwerth von I aof 
3 sh. Der Kapitalist, der die verbesserte Produktiansweise anwendet, 
eignet sich daher einen gilSBBem Theil des Arbntatags fflr die Mehrarbeit 
an, als die Qbrigen KapitaUst«n in demHelben Geschäft Er thnt im 
Bmzdnen, was das Kapital hei d^ Produktion des relativeD Mehrwcitiis 
im Gnssen nnd Ganzen thnt AndraiBeits aber veiscbwindet jener Extra- 
mehrwerth, sobald die neoe ProdnktionsweisG sich verallgemeinert und damit 
die Difierenz zwisdien dem individn^en Werth der wohlfeiler prododrten 
Waaren und ihrem goaellschafUichen Werth verschwindet Dasselbe Qeaetz 
der Werthbestimmung dnicb die Arbeitszeit, das dem Kapitalisten mit der 
neuen Methode in der Fonn fSfalbar wird, dass er seioi? Wttare nnter 
ihrem gesellschaftlichen Werth verkaufen muss, treibt soiiu.' Hjtlwwerber 
als ZwangEf;<e8etx der Konkurrenz zur Ginitlhning der nonen Produkticais- 
weise*). Die allgemeine Bäte des Mehrwerths wird also durch den gaiaeo 

') „If my neighbooi by doing mucfa with littlo labour, am seil cheap, I 
moit oontrive to seil m eheap as lie. Bo that ever; art, trade, or engine. 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 317 — 

ProcesB BchliceBlicb nur berOlut, wenn die ErhChnng der Prodnktdvkraft 
der Arbeit FroduktkniBzweige ergriffen, also Waaren TerwohiroÜert bat, die 
in den Krds der nothvendigen Lebensmittel eingäm, daher Elemente des 
Werths der Ärbeitekraft bilden. 

Der Werth der Waaren steht in umgekehrtem VerhältnisB zur 
FrodnktiTkraft der Arbeit Ebenso, weil durch Waarenwerthe bestimmt, 
der Werth der Arbeitskraft Dagegen steht der relative Hehiwerth in 
direktem YerhältnisB znr Froduktdikraft der Arbeit Er steigt mit stei- 
gender und ffillt mit foUcndei ProdaktiTkrafL Ein gesellschafllicher Darch- 
schnittsaibeitstag von 12 Stunden, Qeldnertb als gleichbleibend vorauBge- 
setzt, produdrt stets dasselbe Weithprodnkt von 6 ah., wie diese Werth- 
snmme sich immer vertheile zwischen Aequivalent tHi den Weith ixs 
Arbeitskraft and Mehrwerth. Fällt aber in Folge gesteigerter Prodnktiv- 
kraft der Werth der täglichen Lsbeosmittel ond daher der Tageswerth d«' 
Arbeitskraft von 5 ah, auf 3 sh., so wÄchst der Mehrwerth von I ah, 
auf 3 sh. Um den Werth der Arbeitakraft zu reprodnciren, warra 10 
und sind jetzt nur noch 6 Arbeitsstunden nSthig. Vier Arbeitsstundai 
)und &iä geworden ond kennen der Domäne der Mehrart>eit annedit wer- 
deiL Es ist daher der immanente Trieb und die beständige Tendenz dos 
Kapitals, die Prodnktivkraft der Arbeit zn steigern, nm die Waare ond 
dnrcb die Verwohlfeilernng der Waare den Arbeiter selbst zu verwohl- 
feilem *). 



doing woik with labonr of fewer h&nda.fand consequently cheaper, begets im 
otheia a kind of neceuity and emnlation, eithei of osing the aame art, tcadti, 
or engice, or of inTeuting sotoethiog like it, that everj man ma; bo npon 
Ihn Bquare, that no man may he able to nnderaell hia neighbour." („Tbo 
Advantages nf the Eaatrindia Trade to England. Lond. 1720", p. 67.) 

') „In vrhat«ver proporüon the eipeniee of a laboorer are «liminished, in 
the same pioportion will bis wagea be diminisbed, if tha rostraints upon in- 
doBtry are at the same time takeu off," („Considerations oonceming taking 
off the Boant; on Com ejported etc. Lond. 1762", p. 7.) „The interest of 
trade reqnire«, that com and all proiiaiona shoold be as cheap aa pouible; 
for whaterer makee them dear, mnst make laboor desi also ... in all coon- 
triea, where indostr; is not reetrained, the price of proTisioDH most affect the 
Frios of LabooT. This will alwaja be diminished when the neceuariei of 
lifo grow cheapei." (L o. p. 3.) „Wages are decreised in the same pro- 
partlon aa Uie powera of prodoction iucieaae. Hachinerj, it ia tme, eheapena 



lyGOOgIC 



— 31d — 

Ha abfiolDte 'Wertli dw "Watae ist dem KapitaliBton, der sie pro- 
docirt, an und flir ätb gleichgültig. Ihn intereesirt nnr der in ihr 
steckende und im Verkauf realiärbare Hehiwertb. Bealisinuig von Hdir- 
««lih Bchüeest von selbst Ersate des vorgmchoBsnen Wertbe ein. Da mu 
der relative Mehrwerth in direktem VerhUtniss zar Entwicklung der Pro- 
duktivkraft der Arbeit wächst, w3;lirend der Werth der Waaren in nm- 
^ekehrtem VcrhältniBs zur selben Entwicklung fUlt, da also derselbe 
ideattache Ptdcgss die Waaren verwohlfeilert und den in ihnen enätaltnco 
Mehrwerth steigert, Itet täctt dae R&tbsel, dass der Kapitalist, dem es nur 
um die Produktion von Tauschwerth zu thnn ist, den "ftiuschwOTth der 
Waareo beständig m senken strebt, ein WidM«pruch, womit einer der 
Uründer der politischen Oe&onomio, Qneenay, seine G^ner quälte und 
worauf sie ihm die Antwort schuldig blieben. „Ihr gebt vi", sagt 
Quesoa;, „dass, je mehr man, ohne Nachtheil fflr die K^)dnktion. Koetoi 
oder kostspielige ArbuitAu in der Fabrikation induBtrieller Produkte er- 
sparen kann, desto vortheilbaftor diese Emparung, weil sie den Preis des 
Machwerks vermindert Und trotzdem glaobt ihr, dass die Produktion 
des Baichtlinma, der ans den Arbeiten der Industriellai heritommt in der 
Vermehrung des Tanschwertlia ihres Hachweiks besteht"^. 

Ökonomie der Arbeit durch Entwicklung der Prodoktivkraft der Ar- 
beit*) bezweckt in der kapitalistiscben Produktion also durchans nicht 



the neaessrnriee of Ufc, bnt it tlio cbakpens the labouier too." („A Pri«a 
Eauj on the compuative merita of Campetition and Ooopention. London 
18S4", p. 27.) 

*) ,fie convicnnent que plus od pent, saus prejudioe, epargoer do früs 
oTt de travanz diBpendieai dans ta hbrioation des oavngw dee artiwuis, plus 
oette epirgne est profitable pai la diminntion dea prtx de eee onvragea. 
Cependaut IIa cmient qne la prcdnctJon de rioheese qul reaalte dea travau 
des srtiMUis ooniitte dana raogmautation da la valaoi v^Dale de lenn 
OBTiage«." (Qneena;: „Dialognes snr U Commerce et sni laa Travaux dea 
Artisana", p. 186, 189.] 

^ „Ces speCDlateora ü economea da tTavail des oavriera qu*il faudndt 
qn'ila pajaaMDt" (J. N. Bidault: „Du Monopole qni a'^tablit dass les aita 
indnatriellea et la oommeioe. Paria 1838", p. 13.) „The employei will be 
alwaya on the atretoh to eoonomise time and labour." (Dngald Stewart: 
Vorka ed. bj Sit W. Humlton. Edinburgh, v. m, 18&S, „Leetutes on Pdit 



lyGOOgIC 



— 319 — 

VöitöncDg' des Arbeitstags. Sie bezweckt nur VerkOrzong der ffir Pru- 
tiiiktiou eioee bestimmten WoareoqiuiitiunB iiothw«mdigen ArbeilszeiL Daw 
d?r Arbj>it«r bei gesteigerter Prodaktivkralt Beiner Arbeit in einer Stunde 
t. B. 10 mal metir Waare als Mber pi-udncirt, also fllr jedes StOck 
Waare 10 mal veniger Arbeitsmt brancht, verhindert durchaus Diclit. 
ihn nach wie vor 12 Stunden aiteit«) und in den 12 Stondm 1200 
Rtutt früher 120 StOck prodociren zn lassen. Ja sein Arbeitstag mag 
gleichzeitig verlSiigert werden, so dass er jetct in 14 Standen 1400 
Sfdck prodacirt u. s. w. Mui kann daher bei Oeknnomai vom Sdilag 
cinee Mac Cnllocta, Üre, Senior und tntti qnanti anf einer Seite lesen, 
dosB der Arbeiter dem Kapital fQr die Entwicklnng der Produktivkräfte 
Dank schuldet, weil sie die Dothwendige Arbeitszeit verkarst, und ant 
der nächsten Seite, daea er diesen Duik beveiaen muas, indem er statt 
lO k&nftig 15 Standen arbeitet. Die Entwicklnng der ProdnktiTkrafl der 
Arbeit, innerhalb der kapitaliettsehen Produktion, becweckt, den Theü des 
Arbeitstags, den der Aibuter fllr eich selbst wb^ten mosa, zu verkflnen, 
um grade dadurch den andren Th«l des Arbeitetags, den er ftlr den Kar 
pitaliBten omsonet arbeiten kann, zu veiiängem. Wie w«t dies Besnttat 
auch ohne Verwohlfaüening der Waaira erreichbar, wird eich zeig«i in 
den besceidrEn Prodnktionsmettaoden das relativen Uehnrertln, zu deren Be- 
traobtnng wir jetzt Obngehn. 



Elftes Kapitel. 

Kooperation. 

Die kapitalistis^ Produktion beginnt, wie wir aghoii, in der That 
erst, wo dasaelbe individneUe Kapital eilte grOasere Anzahl Aibdtn gleicb- 
zeitig beschäftig^ der Aibntsprooees also sranen Um&ng erweitert und 



Eoon.", p. 318.) „Their (the capitalists') inteieat i> that the prodnotive 
powera of th« tabonrera the; emploj shonld be the greatast poaaible. On 
pnHnotüig that power their uttention ia fliid nnd nlmoat esclnaivfllr flxed." 
(B. JoDM 1. c. Leotnre lU.) 



lyGOOgIC 



— 320 — 

l'rodnkt auf grOnrer quimtitativor Stufenleiter liriort. Du Wiiinn aner 
grOffiern Aiteitaanuhl zur selbeo Zeit, in dnuaelbeai Buim (odw, ««m 
man will, anf demselbeD Aifaeitsfeld), lor Prodoktiixi dereelbeo Wiaren- 
•mrte, ontcr dem Kommando deaaelbai E^italistm, bildet tuBtoria^ und 
b^fiiSlicIi dm AoBgangqKmkt dar k^tadistiflchai Produktion. Hit fieii^ 
anf die FrodoktionBweise selbst luiteracheidrt sich b. it. die Hann&ktnr in 
ihreo As&ngBn laam aodeis von der iflnfligeti HandveitsinduHtrie als 
dnreh die grOaaere Zahl dar glöchzeitig v<m demselben Kapibl besdiifligteii 
Arböter. Die WoAstatt dee ZmiftnuiBten ist nor enreitert 

Der Dnleischied ist also zonächst bloee quautitaÜT. Man sah, dm 
die Masse des Hehrwertlia, welche ein gegebnes K^ital prodncirt, glüch 
dem Hdirwertli, den der önzelne Arbeiter liefert, mnltiplicirt mit der An- 
sahl der gleichzeitig bescb&ftigten Aibeitw. Diese Anzahl ändert an und 
fär sich nichts an der Bäte des Mehrwerths oder dem KiploitatioB^nd 
der Arbeitskraft, und mit Bemg auf die Frodnktion von Waarenwnth 
überhaupt acheint jede qualitative Verändenmg des Arbeiteproceesee gkucb- 
gSltig. Es folgt dies aus der Natur dee Werlha. Vergegenständlicht sich 
ein zwSlbtfindiger Arbeitstag in 6 sL, so 1200 solcher Arbeitstage in 6 sh. 
X 1200. In dem einen Fall habrai sich 12 X 1200, in dem andren 
12 Arbeitestimden den Prodokten einverleibt. In der Werthprodnfctioii 
sahlen Viele immer nor als viele Einzelne. Pfir die Wertbprodnktiioa 
macht es also keinoD Unterschied, ob 1200 Arbeiter vereinzelt prodadren 
oder ver^t unter dem Kommando desselben Kapitals. 

Indess findet doch innerhalb geivieser Grenzea eine ModifilratJon stall. 
In VVcrtb veig^nständlichte Arbeit ist Arbeit von gesetlschaftlidier Dorcb- 
Hchnittsqoalität, also die Aeossemng einer daidiadmittlidien ArbeÜdaalt 
Eine DorchschnittegrOsse eiistirt aber immer nur als Dorchschnitt videi 
VLiEchiedner GrOssenindividnen derselben Art In jedem Industrieiwag 
weicht der individoelle Arbeitfir, Peter oder Paul, mehr oder minder vom 
üarchsdmittsarbeiter ab. Dicee individuellen AbweichuigeD, welche matbe- 
uaüsch „Fehler" hoissen, kompensiren sich ond verschwinden, sobald mau 
eute grössere Anzahl Arbeiter znaammennimmt. Der berühmte Sophist 
und Sjkophant Edmund Borke will aus seinen praktischoi Sr- 
fohmngen als Pächter sogar wissen, dass schon „ftix ein so geringes 
Peloton" wie 5 Ackerknechte aller individnelle ünteischied der Arbeit 
verschwindet , also die ersten besten im Hannesalter befindlidieD fOnf 



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— 821 — 

ei^liBchen Acke^nechte znsuamengaummaD in denBlbm Zeit giad so viel 
Arbeit veniditen lia beliebige andre fBiif «mgliBche Ackerlcneehte '). W» 
4ea. anch Bei, es ist klar, da» der Oeeammtarbeitstag: 'eiiiar grSeBroi An- 
zahl gleieluaitig beachUligter Arbeiter, dividirt durch die Amahl der Ai^ 
belter, aji und fllr sich ein Tag geeellsduftlieher Dmehaehnittsarbeit ist 
Der Arbeitstag des Binzelnen sei i. B. xwölätDndig. So bildet der Ar- 
beitstag Ton 12 gleichzeitig beschäftigtai Arbdteni einen GeBammtorbeils- 
tag von 144 Standen, und obgleich die Arbeit ein« Jeden des DntMod 
mehr oder minder von der gesell8(diafliliGlHD DarchschrnttsBibeit abwöchcn, 
der Einzdne daher etwas mehr oder wenige Zeit m derselben TfflriehtaDg 
brannten mag, besitat der Arbeitstag jedes ESnxelnco als dn Zwölftel dee 
G«eammtarbeitBtagB von 144 Standen die gewdtediBftlidie DorchachnlttB- 
qoalii&L Für den Eapitaüsten aber, der ein Dataoid beachSfÜgt, existirt 
der Arbeitstag als Geeammtsrbeitatag des Datioid. Der Aiteitstag jedes 
Einzelnen existirt als aliquoter Theil des Gesammtazbeitetags, ganz unab- 
hängig davon, ob die Zwölf einander in die Hand arbeiten oder ob dw 
ganze Znsammmbang ihrer Arbeiten nur darin besteh^ dass sie tOz doo- 
selben Kapitalisten arbeiten. Wecdoi dagegen na den 12 Aibeitem je 
zwei von einem kleinen Meister beachAftigt, so wird es znftllig, ob jeder 
einzelne Heister dieselbe Werthmasee prodndrt nnd daher die allgemeine 
Bäte des Hahrwerths realisirt Es &nden individuelle Abweichiiagai statt. 
Terbranchte ein Arbeiter bedentend mdir Zeit in dtf Prodnkti<ai einer 
Waare, a)s geeellschaftlich eHirascht is^ wiche die für ihn indindoeO nofii- 
«endige Arbeitszeit bedentend ab von der gesdlschaftlich nothwend^ftn 
oder der Dnrdischnitts-ArbeitBzeit, so gälte seine Arbeit nicht als Durch- 
schnittsaibeit, seine Arbnitäraft nicht als dnrchschnittlicbe Aibeitakraft 
Sie veriuuillt) sich gar nicht odo- nur nnter dem Dnrchschniltiiirerth dir 

*) „ÜnqoMtionEblj, there Ib a gr^ii, deal of diffarenc« betwwn tbe nloe 
of one man'a labonr and that of aoothor, froin itrea^h, deiteritj »od honest 
applieation. Bat I am qnita iure, from m; bcat observatioD, tbat anj gifen 
five men will, in their total, afford a proportion of lahour eqnal to an; other 
Are within the periods of lite I have atated; tbat ia, that amoeg sonh flve 
men there will be one poueuing all the qnalifleationa of a good workman, 
«ne bad, and the other three middUog, and approiimating b> the Srit and 
the last. So that in m nnall a plaloon aa that of even Bre, j<nx will find 
the fall eomplement of all that five mea oan eam." (E. Borke L o. p. 16.) 
ef. Qnetelet flbei du DurohaohnittiiDdlTidaam. 

Harx, XtglUl I. 21 



lyGOOgIC 



— 322 — 

AttieitEkraft. Ein bestunrates Minimnin der Arbeitetertig'keit ist nlao vor- 
aoBgcsetzt, und wir werden später sehn, dass die kapitalistiBche ProdoktitHi 
Mittet findet, dies Minimom zn miesen. Nichte desto wenij^r weicht das 
Mi n iirm ni vom Dorchschnitt ab, obgleich auf der andren Seite der Dureh- 
schnittswerth der Arbeitekrafl gezahlt werden moss. Von den seche Ktein- 
meiBtern wflrde der eine daher mehr, der andre weniger als die allgemeine 
Rate des Mehiwerths herausschlagen. Die Ungleichheiten wflrden »ich fBr 
die Oeeellschaft kompensireo, aber nicht flir den einwlnen Meister. Dae ■ 
Qeeetz der Yerwatiiung fiberhaupt realisiri sich also ffir den einzelnen Pro- 
dncenten erst ToUsUitdig, sobald er als Kapitalist prodncirt, riele Arbeiter 
gleidizeitig anwendet^ also von vom herein ResellschafOiche Ihut'h Schnitts- 
arbeit in Bewegung setzt*). 

Äoch bei gleichbleibender ArbetteweiBe bewirkt die gleichzeitige Aih 
Wendung einer grtiasren Ärbeiteranzahl eine Bevolntion in den geji^enst&nd- 
lichen Bedingungen dee Arbejtaproc^eeee. Baulichkeiten, worin Viele arfaei- 
tra, Lager für Botamatarial u. s. w., Oeßsse, bistnimente. Apparate u. e. w., 
die Vielm gl^chzeitig oder abwechselnd dienen, kurz ein Theil der Pro- 
duktionsmittel wird jetzt gemeinsam im Arbeitsprocess konsumirt. Giner- 
aeite wird der Tanschwerth von Waaren, also auch von ProduktionsmittiilD. 
durchaus nicht ^höht durch irgend welche erhöhte Ausbeutung ihres G«- 
braucbswerths. Andrraaeits wächst der Halsstab der gemeinsam gebrauchten 
Pniduktionstaittel. Ein Zimmer, worin 20 Weber mit ihren 20 WebstOh- 
len arbeiten, muss weiter gestreckt sein aia das Zimmer eines onabhängigsi 
Webers mit zwei Oesellen. Aber die' Produktion einer Werkstatt für 20 
Personen kostet wemger Arbeit als die von 10 Werkstitten ffii je zwei 
Persooeo, und so wichst tlberhanpt der Wertta massenwose koncentrirter 
und genHdnsamar ProdnktionBmittel nicht TerbältnifiBmisaig mit üuem IJm- 
fiuig ond ihrem Nulz^ekt. Oemeinsam Temutzte Produktionsmittel geben 
graingren WerthbeBtandthell an das einzelne Produkt ab, theUs wral der 



*) Herr Profeasor BoMher will entdeckt haben, dus eine Nihmuniall, 
die wihrend rwei Ttgan tod dei Frau Profeiitorin beflohUti^ wird, mehr 
Arbeit liefert, als zwei Nihmamsellen, welche die Frau ProfeHoriu am ■elbon 
Tage beschäftigt. Dar Herr FioIesMr steUe teme Beotnohtnngon über den 
kapitaliitUaheo ProduktioniprooeM nicht in dvr Kindentabe an und nidit 
unter Umatänden, worin die Hanptpenon fehlt, dm Kapitalitt. 



lyGOOgIC 



GesEunmtwcrth, dea eie al^geben, Bich gleichzeitig' auf eine gröBsre Prodokteii' 
Busse Tertheilt. tbeUs weil sie, im Vei^leich zu veroinzelten Prodoktiona- 
mitteln, zwar mit aheolat grOBerem, aber, ihren WirkungBireia betrachtBt, 
mit relatJT kleinrem Werth in des Prodaktionspracees eintretrai. Damit 
Biokt ein Wetthbestajidtheil dee bonstejiten Kapital», also pioportionell zu 
seiner Grösse, auch der Gfsammtwerth der Waare. Die Wirkong ist dio- 
sdbe, als ob die Prodolitioiiemittel der Waare wohlfeiler prodocirt wflrden. 
Dieee Ockonomie in der Anwendung der ProdnktioDsmittel entspringt nur 
aus ihrem gemeinsamen Konsum im Arbeitsprocees Vieler. Und sie fH' 
halten diesen Charakter als Bedingungen geseUschafUicheF Arbeit odw ge- 
seltschaftliche Bedingungen der Aibdt im Unterschied von den zersplitterten 
und relativ kostspieligen Preduktionsmitteln vereinzelter selbständiger Ai- 
bfflter oder SleinmeiBter, selbst warn die Vielen nur räumlich zusamnw«, 
nicht mit einander arbeiten. Ein Theil der Arbeitsmittel erwirbt diesen 
gesellschaftlichen Charakter, bevor ihn der Arbeilsprocees selbst erwirbt. 

Die Oekonomie der Produktionsmittel ist flberhaupt von doppeltem 
Gesichtspunkt zu betraditeD. Das eine Mal, soweit sie Waaren verwohl- 
feilert und dadurch den Werth der Aibätskraft senkt Das andre Hai, so 
weit sie das Verb&ltniss dee Mehrwertlis zum voigeechossnen Gesammtr 
kapital, d. h. zur Wetthsumme seiner konstanten und variablen Beetand- 
äieile, verändert Der lelztre Punkt wird erst im dritten Buch dieses 
Weite er^irtert, wohin wir des Zusammenhangs wc^en' andi manches schon 
hierher OehCrige verweisen. Der Gang der Analyse gebietot dieee Zer- 
rdssung des Gegenstands, die zugleich dem Geist der kapitalistiBchen Pro- 
duktion entspricht Da hier nämlich die Arbeitsbedingungen dem Arbeiter 
selbetsändig gegenübertreten, erscheint auch ihre Oekonomie als ^e be- 
BDudre Operation, die ihn lüchts angeht und daher getiennt ist von den 
Methoden, welche seine persönliche Prodoktivität erhöhen. 

Die Fonn der Arbeit Vieler, die in demselben Produktionsiirocees oder 
in verschiednen, aber EOBammenhängeiLd^ Produktionsproceaaen, planmfissig 
aeben ond mit einander arimten, hdsst Kooperation *"). 

Wie die Angri&kraft einer Eavalerieschwadnm oder die Widerstands- 
kraft eines In&nterieregimenta wesentlich veiBChieden ist von der Summe 
dar von jedem Kavaleristen nnd In&nteriHtm vereinzält entwickelten An- 



'*) „Concoore de farees." (Dertatt de Tiac; L e. p. 78.) 



lyGOOgIC 



— 884 

gnl^ nnd Widaretandeikräfle, bo < 
Arbeite- von der gesell Bchaftliclieit Eraftpotenz, die sich entwitlelt, man 
viele ffilnde gleichzeitig in deradbra migeliieiltei Operation znsammai- 
wiAen, z. B. wenn es ^ilt eine Last in heben, eine Korbel sa drdm ods 
einen Widerstand ans dem Weg xa rftnmoi'*). Die Wirtning der fem- 
binirten Arbeit konnte hier von der verainzelten gar nicht oder nnr in 
viel l&ngren Zdtiflafflen oder nur auf einem Zwergmtütetab hervorgeteadft 
werden. Es handelt sich hier nicht nur nm Eritöhnng der individadUB 
Fiodnktivknift durch die KooperaÜcm, «mdera nm die Schl^ifnng einv 
ProdnktiTkntfl, die an nnd fflr aieh tbaeenkiaft aein mnn'^). 

Äbgeaehn von der nenoi Eiaftpotnu, die ans der Verachmelniiis 
vieler £räfte in eine Oceammtfaaft entspringt^ erzeugt bei den meäata 
prodnktiTeD Äriwilen der bloeee geeellBchafUiehe Eraitakt onen Wettnfer 
und eine eigne EnegDng der Lebensgeister (animal spirits), welche die in- 
diTidoelle LetstnngsMigkeit der Einzelnen erhöhen, so daas an Ihitiaiid 
PetBonen zosammea in einem glachzeitigen Ärbwtatag Ton 144 Stondv 
ein viel grttesreB Gesammtprodnkt liefern als iwQlf vereinzelte AibeÜB', 
von denen jeder 12 Standen, oder als ein Arbeite, der 12 Tago nack 
einander arbeitet '*). Dies rflhrt daher, dass der Heosch vtm Katar, wenn 



") „There an anmeroiu operAtions of ao simple a Und aa not to adnit 
a diviaion into parte, whioh cansot be perlormed withont the cooperatjon vf 
manj pairs of handa. For iiutaaae the lifting of a large tna on a wain . . . 
ever; thing in ahort, which cauiat be done onlea« a gieat maaj paira of 
haada help each othar in the aama nndinded emplojment, and at the sam» 
time." (E. Q. Wakefield : „A Tiew of the Art of Coloniiation. London 1849", 
p. 16a) 

"a) „Ab ene man oannot, and 10 men mut strain, to lift a ton of 
weight, fet one bondted man oan do it onlj bf the etrength of a finger of 
each of tbem." (Jobn Bellen: „Fropoaala for raising a colledge of inda*ti7. 
London 169S", p. 21,} 

**) „Tbere ü also" (wenn dieselbe Arbeitenahl von einem Pächter anf 
300, atatt von 10 Piofatern anf je SO aciea angewandt wird] „an advantage 
in the Proportion of Berraota, whioh will not eaiily be onderatood bot bj 
practjoal men; for itiBoatoraltosa;, as 1 Ib to 4, ao areS:12: bntthia will 
not hold good in pracUoe; for in barveat-time aod man; other operationa 
nhieh reqnfre that kind of deapatoh, by the tbrowing manj handa together, 
the work ia better, and more eipeditionat; done: f. i, in harreat, 3 driveca, 
2 loaden, 2 pitehera, 2 raken, and the leat at the liok, » in the bam, will 



lyGOOgIC 



sieht, vie Äiütotetes meiot, ein politiBebee ^*), jedenMls ein geeellscbaft- 
lidKB Thier ist 

Ob^eicb Viele Dasselbe oder Qldchartiges gldcbzeitig mit einandei- 
TsnicfateD, kann die individaelle Arbeit eines Jeden dennoch als Theil der 
Gennuntarbeät verschiedne Phasen des Aibrätaproceeaee selbst darsteUeo, die 
dar Aibeit^egenstBod, in Folge der Eo<9eratiixi, lascher dorchtänfL %. B., 
wenn Maorei eine Beibe von H&ndfii tülden, nm Baoeträne vom FnsN 
änes OeeteUs tüs zn seiner ^ötze zn beßrdeni, tiiiit jeder von ihnen das- 
siU», aber dennoch Mlden die einzelnen VerrichtongHi bmtinniFliche Tbril«' 
nner Otsammtrernchbrng, beeondTe Fhasm, die jedm: Baosträn im ArfoeilB- 
joDoeBB darchlanfen nrnss, und «odorch ihn etwa die 24 Hände des Qe- 
flunmterbeibas rascher fiti^em, als die zwei Hände jedee einz^nen Aiba- 
tera, der das Qerflst aof- und absti^^*). Der Aibeitsgegenstand dnrch- 
Iftoft denadben Banm in Idlnerer Zeit Andrereeita findet Eombinaition da- 
Arbeit statt, wenn ein Bau z. B. von veiechiednen Seiten gletchzütig an- 
gegrif^ wird, ob^ch die Eooperirenden Dasselbe oder Gleichartigee Quin. 
Der bombinirte Atbeitetag von 144 Stnndm, der den Aibutsgegaistand 
fielaeitig im Banm angreift, weil der kom&inirte Arbeiter oder Qesammt- 
aibciter vom nnd hinten Angen and Hinde hat nnd in gewissem Orad 



diapatcli doable tb« work, that the ume namber of handa vonld do, if diri- 
ded into diffeient gaiigs, od diSerent bima." („An Enqoiiy int« the Con- 
Boction betwMn the preaent piioe of praviüona uid the slie of (kinu. Bj a 
Pamier. London 1778", p. 7, 8.) 

") Aristotelee' Definition ist ei^entüeh die, dan der Henach von Natur 
Stadtbür^er. Sie ist ffir das kUsaiache Alterthnm ebenso chankteriatiBch. 
ala franklin'a Definition, daaa der Uenaoh Ton Nator Inatnunentanmaeher, (ttr 
Am Tankeetbnm. 

") „On doit enoom nmarqner qne cetta dinnon partielle da tiavail peat 
ae faire qnand mime loa onmen sont oampM d'nne mSme besocfne. Deama- 
fona par eumple, oecnpes de &iie paaaer de maina en maina dea briqaes ä 
nn eohafsadage sap6iienj, fönt ton* la meme beaogne, et ponrtant il eiiate 
parmi eni ane eipioe de diTiaion de traraO, qni oonaiate en oe qne ohaanD 
d'eex fait paasar la briqne par on eapace donn^ et qne tona enaamble la Tont 
parrenir beaseonp plu promptement i l'endroit marqne qn'lla ne feraient ai 
ehaeoo d'eni portait aa briqne aeparement joaqa'i rsohafaudage anperieor." 
(F. Skarbek: ..TUorie dea rioheaaea aoeialea. Same 6d. Paria 1840," t I, 
p. 97, 98.) 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 326 — 

Allgegenwart besiüt, fönlert das Geeammtprodokt mscher als 12 zwölf- 
stQndigfi Arbeitstage mehr oder minder vereinzelter Arbeiter, die ihr Wert 
einseitiger iingreifen mOseen. In dcrwiben Zeit reifrn verscbiedne Itaum- 
theile des ProduktB. 

Wir betonten, dass die Vielen, die einander ergSnzen, Dasselbe odw 
Gleichartiges thuu, weil diese einiactaste Form gemeinsajner Arbrät anch in 
der ansgebildetsten G«Etalt der EooperatioD eine grosse Rolle spielt. Ist der 
AxbeilsprocesB complicirt. so ertaabt die blosse Masse der Zusammenarbei- 
tenden die rersdiiednen Operationen unter verschiedne Hände zu \-ertheU(ni, 
daher gleichzeitig zu verricht«n und dadurch die zur HersteUnne da> Oe- 
samml^Todukts nStliige Arbeitszeit zu verkfirzen^^). 

In vielen Produktionszweigen giebt es kritjscho Momente, d. b. dun^li 
die Natur des Arbeitsprocesses selbst bestimmte Zeitepochen, währmd deren 
bestimmte Arbeitsresnltate erzielt werden müssen. Soll z. ß. mne Ueerde 
Schafe goscboren oder eine Morgenanzahl Koml^d gemäht imd geberbsti^ 
werden, so hängt Quantität und Qualität des Produkts davon ab. dass die 
Operation zu einer gewissen Zeit begonnen und zu einer gewissen Zeit be- 
, endet wird. Der Zeitraum, den der Arboitspiweßs einnehmen darf, ist hier 
voi^cschrieben, wie etwa beim Härings^anf. Der Einzelne kann aus eiwm 
Tag nur einen Arbeitstag hetausschnoiden. s^e von 12 Standen, aber die 
Kooperation von 100 z. B. erweitert einen zwöHstündigen Tag zu einem 
Arbeitstag von 1200 Stundeu. Die Kftrzo der Arbeitsfrist wird kompensirt 
durch' die Grösse der Arbeitemasse, die im entscheidenden Augt>nhlick auf 
das Produktionsfeld geworfen wird. Die rechtzeitige Wirkung hängt hier 
ab von der gleichzeitigen Anwendung vieler kombinirten Arbeitstage, der 
Umlang des Nutzeffekts von der Arbeiteranzabl, die jedoch stets kleiner 
bleibt als die Anzahl der Arbeiter, die vereinzelt in demselben Zeitraum 
Wirkungsnium ausrollen würden'*). Es ist der Mangel direer 



") „Est-il qnestJbD d'eiecnter un trav&il comptiqui'. piusieorB choses 
doivent gtre bitea simultanemeut L'un «n fait une pendant que l'antre en 
fait une antre, et tons contribaent ä l'effet qn'nu aeul bomnie n'aurait po 
(irodoire. L'mi rame pendant que Tsatre tient le gouvemail, et <iD~aD 
troiüäme jetto le filet oq faarponne le poisson, et la peche a un succi^s im- 
posaible sana ce concoua." (Dwtntt de Trac; 1. c.) 

'•) „The doiog o£ it (dw Arbeit in d« Agrikultor) at the criäoal junc- 
ture, ia of ao mach thc greater conaeqnence." (An Inqairv ioto the Coanec- 



lyGOOglC 



— 827 — 

Kooperation, wodurch im Weeten der Vereinigten Staateo einp Masse Ecnt 
und iD den 'nieil<?n Ostindiens, wo engliscbe Eemchaft äiis alte GomHn- 
weeen zcretört hat, eine Masse BaumvoUe j&hrlich verwftBtet wird "). 

Auf der einen Seite erlaubt die Kooperation die RaumspMre der Ar- 
beit iinsznrecken nnd wird daher fOr gewisse Arbeitsproccsse schon durch 
den rwunlichen Ziisanuiienliaiig des Arbeit^«gensbuid«e erheischt, wie bei 
Trockenlc^iing von Land. Eind&mmung, BewSssning, Kanal-, Strassen-, 
EisenbahnbanteD u. a. w. Andrerseits ermögLcht sie, Terbältnisemäsaig zur 
Stnfeniäter der Prodoktion, räomliebe Verengung des Produktionsgebiete. 
Dieee Beschränkung der ßaumspbäre der Arbeit bei gleichzeitiger Ansdoh- 
nnng ihrer Wirkungsephäre, wodurch eine Masse bischer Kosten (&iu 
frais) erspart werden, entspringt aus der Konglomeiation der Arbeite«', dem 
Zusammonracken veischiedner .^rbeitsprocfsse und der Konceotmtion der 
Produktionsmitt«! '*), 

Vei^licheu mit einer gleich groeeen Summe vereinzetter indiTidudler 
Arbeitstage, prodocirt der kombinirte Arbeitstag grOssre Massen von Ge- 
brauchswertli mid vermindert daher die zur Produktion eines bestimmten 



tiOD between the present price etc., p. 9.) ,^(11 der Agriknltor giebt es keinen 
wiclitignren Faktor, als den Faktor der Zeit" (Liebig: „Ueber Theorie and 
Praxis in der Landwirthachaft. 1856", p. 23.) 

") „The aeit evil is one which one wonld acarcel; eipect to find io a 
conntiy whioh eiports more laboni than anj oUier in the world, with tlip 
ciception perhapB of China and England — the iiopoaaibili^ of procaring a 
9ufQdent niunber of handa to clean the cotton. The coiueqnenca of this is 
that large quantiÜea of the erop ara left onpicked, whtls anotber portion iE 
gatherod from the gionnd, when it haa fallen, and is of conrse dlscolonrcd 
and partiall; rotted, so that fot want of laboar at the proper seaaon the cnl- 
ttvator iB actuall; forced to aabmit to the lou of a large part of that ciop 
for ivhich England ia so aniionaly looUng," (Bengal Hnrcnra. Bi-Montlilj 
Overland Summar; of News. 22nd Julj 1861.) 

") „In the pragreM of coltora all, and perhaps more thao all the capi- 
tal and labooi which once looBely oocnpied 500 aeros, ars uow ooncentiated 
for the more complete tillage of 100." Obgleich „lelatävel; to the amount 
of eapital and laboar emplojed, apace b ooncentrated, it ia an enlarged 
Bpbeie of productioD, ae compared to the apbere of prodnction tormcrl; 
ocoapied or worked npon b.v ODe aingle, independent agent of producticu.'' 
(K. Jonea: „On Beut London 1831", p. 191, 199.) 



n,gt,7cdT:G00glc 



_ 828 — 

KntaeMtB nOÜäge Arbeitneit Ob er im gesebnoi FaU dieae gesteigerte 
I^odoktiTkraft eriiUt, weü er die mectaanwche EiaftpoteoE der Arbeit tr- 
hOlit, oder ihre rftumliclie WiTfenngsapliSre «uddint; od« (las räumlicbp 
FiodoktioiiEEald im TeiliUtiiifla mr Stnfenleiter dw Prodnktioa vemigt, 
oder im kritiacbBa Moment rid Arbeit in wenig Zeit flflssig madit, oder 
den Wetteifer der Einzefaiai erregt imd ihre Lebenegraster spiumt, oder den 
gleichart^ffli TenicIitaDgen Tiäer dm Stempel der Eontiiiiiit&t mid Vid- 
aeitigkeit anHrüek^ oder vsecbiedne Operatioiien glddueitig vraiichtet, ods 
die FrodnktÜDBmittd dorch ihim gemnnsäiaftlichen Gebrauch Ohmomiairt 
oder der indiTidneUen Arbeit dm Charakter geedischafUicbeT DnndiechnittB- 
ubat Teriöht, imtea- allen UmBtinden ist die qrecifia^e FrodnktiTktaft 
des komKnirten Aibätstags geeeÜBchaftiiche ProduktivkrKft der Arbeit odo- 
Prodnktirtaaft geedbehafflicher Arbüt Sie aitspringt ans da- EoopoatioD 
Hdbek Im plmmiiiwigTO Znaammmwiikoi mit Andern stiafl; der Arbeiter 
aöne individneUen Sdunmkai ab ood entiridkelt sein CbttongsTermOgrai **). 

Warn Arbeitar Obeituipt nicht mmiittdbar msammenwiiken kOnnen. 
ohne icuunmai sn eein, ihre Konglomaration auf bestimmtem Baum daher 
Bedingung ihrer Kmqieration ist, können Lohnarbeiter nicht kooperirai. 
(dme dasB dasadbe E^tital, deraelbe Kapitalist 'sie ^chzeitig imwendet. 
also ihre Arbeitakr&fte gleichzeitig kauft. Der Geeammtifertli dieser Ar- 
beitskriAe, oder die Lohnsiunme der Aibäter fDr den Tag, die Woche 
a a. w., mnsB daher in der Tasche des Kapitalisten vereint sein, bevor die 
AibeitBkiftfte adbat im ProdnkticmBpioceGB vereint »erdan. Tahlnng nm 
300 Arbeitern anf dnmal, anch nur tb einen Tag, bedingt mehr Eapital- 
anslage als Zahlung weniger Arbeiter Woche für Woche wShtend des gan- 
zen Jahrs. Die Ansah! der koopeiirenden Arbäter, od^ die Stnfeoleitv 
du- Kocqieiation, hingt also nmSdffit ab von der OriiBse des Kapitals, das 
der einzelne Kapitalist im Ankauf T<ni Arbeitskraft anstegen kann, d. L 
von dem üm&ng, worin je an Kapitalist Bber die Letonmittei vider 
Aibdter verfflgt 

Und wie mit dem variaUo, vertiilt es sich mit dem konRtautai 



") „La fona di daaeano somo k miaiwa, ma la rinnione delle minime 
föne fbraa ima ftffu totale maggiore ancke deUa Knama dolla fone medeiini« 
fino a ehe le fone poi Mien rionite possono diminnere 11 tempo ed aociH- 
cen 1d ipaiia della Ion arione." (Q. S. CarU L L L KT, p. 176 NoteJ 



lyGOOgIC 



— 329 — 

K^faU. Die Auslage für Bohmaterial z. B. ist 30 mal grOaeer ffir den 
äoBD EapitaliBten. 4er 800, ala fOi jed«i der 30 KapitaliBtai, der je 10 
Aiboiter beBchäftigL Weithamfong und StofhaasBe äor gemeinsam be- 
nntitw Aibtttamittel irachaen zwar nicht in demselben Qrad wie die be- 
sddftigte Ariwitenuizah], aber sie «acfason betrftchtlich. Kmoentratioii 
grOssrer Haasen toi Prodnktionamitteltt in der Hand einzelner Kapitalisteo 
ist also materielle Bedingung fQr die Koopeiatioii von Lohnarbdteni, und 
der umfang der Kooperation, oder die Stofenleiter der Prodnktiui, hftngt 
ab T<nn umfang dieser Koncentiation. 

TIi^irQn^icti erschien eine gewisse MinimalgrOwe des indiridnellen 
KjQutals notiiwendig, damit die Anzahl der ^iidaätig aoagebeateten Ar- 
beitm', daher die Masse des prodneirten MehrwerÜiB hinieicbe, den Arbeits- 
anwaidar selbet ma der Handarbeit zn entinndan, ans einem Kleinmeister 
einm Kapitalisten zn nuchen nnd so das K^talTerhältnisa formell her- 
tnsbdloi. Sie ersdteint jetzt als materielle Bedingong fOr die Verwand- 
hing rieler zeisplitterter imd von einander unabhängiger individueller Ar- 
bettaprooesse in einen kombiniilm gesellBcbaflUcben Arbeitsprooess. 

Ebuisa erschien ur^rttn^ch das Konunando des Kapilals Über die 
Arbeit nur als fonnüle Folge davon, dass der Arbeiter statt ffir aidi, fOr 
den Kapitalisten tmd daher ontor dem Kapitalisten tubateL Mit der Koo- 
peration vieler Lobnarbeiter entwickelt sich das Kommando des Kqütals 
zun Ertieisclmiss tOr die AnafOhnitig dee Arbeitsprooeeses selbst, zu einer 
wirilidten Piodoktionsbedingmig. Der BeMl dee Kapitalisten anf dem 
Prodnktionflfeld wird jetat so miontbehrlich wie der Befehl dea Generals auf 
don Säilachtfeld. 

Alle anmittdbar gesell schafUiiiie oder gemeinschaftlidie Arbeit auf 
grUasrem Maisstab bedarf mehr oder minder einer Direktion, welche die 
Hamumie der individuellen Thatigheiten vermittolt und die allgemeiBea 
Funktionen vollzieht, die ans der Bew^nng dee produktiven QeaammttSr- 
pers im ünteiscbied von der Bevr^nng seiner selbständigen Organe ent- 
springen. Ein einzelner Vioünspieler dirigirt sich selbst, ein Orchester 
bedarf des Mosikdirektoni. Diese Funktion der Leitung, Uebnwschung and 
Vermittlnng wird zur Funktion dee Kapitals, sobald die ihm untergeord- 
nete Arbeit kooperativ wird. Als speciflsche Funktion des Kapitale eibUt 
die Fui^on der Leitung apeciSBche (3iaraktermale. 

Zankebst ist das treibende Motiv und der bestimmeode Zweck dea 



lyGOOgIC 



— 330 — 

kapitalistischen ProduJrtionspri>cf««eK niösliphst prosse Selbstyerwerthung dm 
Kapitals ••), d.h. müglidiat grosse Produktion von Mphrwerth, also mJ^licbRt 
KTOsae Ausboiitiing der Arfopitskraft durch den Kapitalisten. Mit Apt Hrhsc 
der gieich/.eitig lx«chäftigt«n i\rheiter irtlchst. ihr Widerstand und damit 
nothwsndig der Dmck des Kapitals zur Bewältigung dieses Widerstendt^. 
Die Leitnng des Kiipilalisten ist nicbt nur eine aus der Natur des gesell- 
sc.haftlichen Ärlieitsprocpsses entspringendo und ihm an^hBrig* besondre 
h^nnktion, sie ist zugleich Funktion der Ausbeutung eines gesoltsclial^lichen 
Arbeitsprocesses und daher bedingt durch den unvenn eidlichen ^Intagonich 
mus zwischen dem Ausbeuter und dem Rohmaterial seiner Ausbeutung. 
Ebenso wächst mit dem Umfang der Produirtionsmittej. die dem Ixihnarlwi- 
ter als fremdes Eigenthum gegenOberstahn, die Nothwendiglipit der Kim- 
trole Aber deren saehgi>m;issp Verwendung*'!. Die Kooperation der Lohn- 
arbeitPT ist femer blosse Wirknng des Kapitals, das sie gleichzeitig anwen- 
det. Der Zusammenhang ihrer Punktionen und ihre Einheit als produktiver 
ties^Dintk&rper liegen nnsser ihnen, im Kapital, das sie zusammenbringt 
und zuBanuneuhTilt. Her Zusammenbang ihrer Arbeiten tritt ihnen daher 
ideell als Plan, praktiscli als Autoritjlt den Kajiitalisten gegenflber, als Macht 
flinw fremden Willens, der ihr Thun seinem Zweck [mtffi^nrft. Wenn 
daher die kapitalistische Leitung dem Inhalt nach zwieechlächtig ist wegen 
Her Zwieschläctatigkeit des zu leitenden Produktionsprocessefl selbst, welcher 
eiDerseits gesellschaftlicher Arbeitsprocns!^ zur Hen^llnng eines Produkt-i. 

") „Profite . . . iB the sole eod of trade," (J. Vanderlint 1. c. j.. 11.) 
") Ein englisches Philisterblatt, det Spectator vom 3. Jnni 185tt, l>e- 
richt«t, dasa mich EinfShnmg einer Art von Eompaguiegeschüft zwiechen 
Kapitalist and Arbeitern in der „wirework compajij of Uanchester"; „the 
flret renilt waa a sadden decrease in waste, the meu not seeing vhj thev 
ahonld waste theii own propert; anj- more than any other maatars, uid wagte 
is perbaps, next to bad debts, the greateat aource of mamifBCturiiig lou:." 
Dasselbe Blatt entdeckt als G-mndmangel der Bochdale cooporative eipcri- 
ments: „They ahowed that aaaoeiationB ofworkmen conldman^e shops, miÜB, 
and almost all forms of indaetry with anocasa, and the; Innuenael; impTOT«d 
tbe eonditioii of tbe men, but then ikey did oot leave a olaar piftce for 
nuMtera." (,^ie bewiesen, dasa ArbeiteraaaociatioDenBontiqneD. Fabriken and 
beinahe alle Formen der Induatrie mit Erfolg handhaben können, und sie 
verbewerten anaaerordentlich die Lage der Leute nelbst, aber!, aber duui 
UeMen sie keinen sichtbaren Platz fQr Kapitalisten offen." Qaelle horrearl) 



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— 331 — 

andrerscils VpTwerthnngsprocees dee Kapitals, so ist sie der Form oadi 
drepotisch. Mit der Entwicklung der Kooperation auf ffTtteerera Mafsstab 
entwii^elt dieser Deepotieinns seine eigenthflmlichen Formen. Wie der 
Kapitalist zunächst entbunden wird von der Handarbeit sobald mn Ka- 
pital jene Minimalgrösse erreicht hat, womit die eigentlich kapitalistiaclie 
Produktion erst beginnt, so tritt er jetzt die Funktion immittcl barer und 
fortwShrender Beaiifsiclitignng der einzebien Arbmter und Arbpif*>r(?ruppen 
Melbst wieder ab an eine besondre Sorte von Lohnarbeitern. Wie eine 
Armee raililäiischer, bedarf eine unter dran Kommando desselben Kapitals 
zusammen wirkende Ärbeitemiasse industrieller OberoflBciere (Dirigenten, 
managers) und Dnterofiiciere (Arbeitsaufäeber, foremen, overlookers, contre- 
raaltres), die während des Arheiteprocesses im Namen des Kapitals kum- 
mandiren. Die Arbeit der Oberanfeicht befestigt Mch zu ihrer ausachlieas- 
lichon Funktion. Bei Vergleichung der Produktionsweise unabhangiser 
Banem oder selhetSndiger Handwerker mit der auf Sklaverei beruhenden 
Plantageuwirtbsebaft, zählt der politische Oekonom diese Arbeit der Ober- 
aufsicht zu den feuj frais de prodnction *'a). Bei Betrachtung der kapi- 
talistischen Produktionsweise identificirt er dagt^n die Punktion der Lei- 
tung, so weit sie aus der Natnr des gemeinschaftlichen Arbeiteprocess»« 
entspringt, mit derselben Funktion, so weit sie durch den k'apitalistiachen 
und daher antagonistischen Charaktw dieses Proceases bedingt wird "). 
Der Kapitalist ist nicht Kapitalist, weil er industrieller Leiter ist. sondern 
er wird industrieller Befehlshaber, weil er Kapitalist ist. Der Ober- 
befehl in der Industrie wird Attribut des KApitnls, wie zur Feudal- 



"k^ Nachdem Profestor Cairaea die „superintendence of laboar" ah 
einen Hanptcharakter der SklaveoprodoktioD in d«n eüdlieben Staaten von 
Nordamerika dargestellt hat, fShrt er fort: „Thepeasaut proprietor (des Nor- 
dens) appropriatiDg the wbole prodnce of lii« soll, aeeds no other etimuln« 
to eiertion. Superin teodencc is tiere completely dispeuaed nith." .(Ciümee 
l e. p, 48, 49.) 

**) Sir James Steoart, Überhaupt ausgezeichnet durch offiiea Auge ftti 
die charabteristiHeli-gesellBchaftlicheD Unterschiede verachiednar PToduktions- 
weisen, bemerkt: „Ponrqaai riadastrie des partdeuliers est-elle nünee par dac 
giandes entreprisea en mannfaetures, si cen'estparca qne celleH^i se rappro- 
ehest davantage de la simpliclt^ du regime des esolavee?" („Prioc. of Pol; 
Econ." Fzs, XTebcrs. Paria 178i>, t. I, p. 308, SOO.'- 



lyGOOgIC 



— S82 — 

HÜ der Oborbefeb] in Krieg und Oorielit Attribut des Gnmdeigan- 
thamB war**a). 

ESgenOiflmfli seiner Axbtitsknft ist der Aiböter, so lange er als 
VerUnfer derselben mit dem Kapitalist marktet, und er kann nor ver- 
kaufen, was er besitzt, seine individuelle, voreinEelte Arbeitskraft. Dies 
VerhUtnise wird in keiner Weise dadurch verändert, dass der Kapitalist 
100 ArbätekraAe statt einer kauft oder mit 100 von einander nnab- 
Ungigen Arbeitern Kontrakt« sehliesst statt mit täaem mnielnen. 1& 
kann die 100 Arbeäter anwenden, ohne sie kooperiren sn lassen. Der 
Kapitalist sahlt daher den Werth der 100 selbatkndigoi Arbeitskräfte, 
aber er lahlt nicht die kombinirte Arbcätskiaft der Hundert. Als nnab- 
h&flgige Pereonen Bind die Arbeiter Vereinnlte, die in ein Verh&ltniBs 
in demselben Kapital, aber nicht zu einander treten. Ihre Kooporation 
b^nnt erst im Arbeitsprocess, abn im Arbtitsprocess haben sie benits 
anij^ört, eich selbst sa gehören. Hit dem Eintritt in denselben sind 
sie dem Kapital einverleibt. Als Kooperirende, als Glieder eines weii- 
th&tigen Organismus, sind sie selbst nur eine besendie KöstenaweiM 
des Kapitals. Sie Froduktivkiaft, die dw Arbeiter als geeeUschaftlieher 
Arbeiter mtwiekelt, ist daher Frodnktivknft dee Kq»it^. Die ^eeell- 
sobaftliche Produküvkraft der Arbeit entwickelt sich unentgeltlich, so- 
bald die Arbättt unter bOBtinuate Bediiq^gen gesteUt sind, und das 
Kjqtital stellt sie unter diese BedingnngoL Weil die geeeUschaftliche 
Produklivkraft der Arbeit dem Kqtital nidits kostet, wäl äe audrw- 
seite nicht von dem Arbeiter entwickelt wird, bevor s«ne Arbeit sdbat 
don K^ital gehOrt. nvchönt sie als Prodnküvkraft, die dee Kapital 
von Nator beatat, als seine immaamte Prodnktivkraft. 

Kolossal le^ sich die Wirkung der einfachen Koopnation in den 
Keeenwerken der alten Asiatm, Aegjpter, Etmsker u. s. w. „Es ge- 
schah in Tsrgangnen Zeiten, dass diese asiatischen Staaten nach Beafani- 
tnng ihrer Civil- und XUitiransgaben, sich im Besitn eines üebet- 
sehnssee von Lebensmitteln bebnden, die sie fOr Werke dar Pracht und 
des Nutzens vwan^aben konnten. Ihr Kommando Aber die Binde und 



*H.) Aagnate Comte nnd Min« Sohnla hittan daher in detialban Art die 
ewige NothwendigkMt von Fndalbam bewdiaa kOnnen, wie de diw ftr die 
Kapitalhaira getban. 



lyGOOgIC 



Arme bat dei g«uun nicht aekerbaaendat BnölkniDg und die aus- 
eehlieesliche TerfDgnng des UoDsichen und der PiieBtewhAft Ober jenen 
üeberachiiBs boten ihnen die Uittel znr Emehtong jener m&chtigeB 
Monumente, womit sie du Land ernilten , . . In dnr Bewegung der 
kolossalen Statnen und der enormen Hassen, deren Transport Stannes 
erregt, wnrde fast mir menschliche Arbeit Terscbwenderisch angewandt. 
Die Zahl der Arbeiter nnd die Eoncentration ihrer Hflhen genttgte. So 
sehn wir mächtige KonllairiSb ans den Tiefen, des Oceans lo Inseln 
anschwellen nnd festes Land bilden, obgleich jeder indindoelle Ablagrv 
(depoflitarj) winaig, schwach nnd rerfichtlich ist Die nicht acker- 
baneDdoi Arbeiter nner asiatiachen Monarchie haben ansser ihren indiri- 
dnellen kOTpCTliohen BemOhnngen wenig znm Werk in bringen, abo- 
ihre Zahl ist ihre Kraft, and die Macht der Direktion flbei diose Massen 
gab jenen KesMiwerken den Urspmng. Es war die Koncratration der 
Berentken, wovon die Arbeiter leben, in eine Hand oder wenige H&nde, 
welche solche Unternehmungen mOglich machte"*'). Diese Macht asia- 
tischer nnd Ägyptischer Könige oder etmskiacher Theokraten n. b. w. ist 
in der modernen Gesellschaft anf den Khpitaliaten flbergegangen, ob er 
non als vereinielter Kapitalist auftritt, oder, wie bü Aktiengesellschaften, 
als kombinirter Kapitalist. 

Die Kooperation im Aibntaprocess, wie wii sie in den Knltor- 
anAngen der Menschhdt, bei JfigerrOikem^'a) oder etwa in der Agii- 
knltnr indischer OemeinwesSL Torhenschend finden, beruht einerseits 
anf dem Gtemeineigenthnm an den Produktionsbedingnngen, andierseite 
darauf, dass das einzelne ludiridnnm sich TOn der Nabelsdmnr des 
Stammes oder des Gemeinwesens nodi ebensowenig lo^erissen hat, wie 
dae BieuenindiTidnum vom Bienenstock. Beides nnterscheidet sie von 
der kapitalistischen Kooperation. Die sporadische Anwendung der Ko- 
operation auf grossem Halästab in der antikra Welt, dem Mittelalter 
und den modemm Kolonien, beruht auf unmittelbaren Herrschafl»- nnd 



■*] B. Jones: Textbook of LeotniN etc., p. 77, 78. Di» altaisTiisoben, 
ig^ptlaehen n. i.w. Sammlangen in London nnd andrsn enropUHhen Hanpt- 
■tUten machen lyu eh AngenieDgai janer koopentiTen Arbsitsprocease. 

*'a) Lingaet in «einer „Thiorin d«a Lola ciTÜee" hat rieileioht nkht 
Unrecht, wenn er die Jagd fDr die erste Form der Kooperation und Meniehen- 
jigd (Kritg) fOr ^e der «nten Formen der Jagd etÜftrt. 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 334 — 

£iieclii«diaftB-yeiiiält[iiBseii, zumeiet aaf der Sklaverei. Bie kapitalistjische 
Foim setot, ättgtgea von Tornherein den freien Lohnarbeiter vonuis, der 
seine Arbeitskraft dem Ef^ital verkauft. Hiatoiiech jedoch entwickelt 
sie sich im Qegensatc znr Banemwirthschaft und xum anabhängigen 
Handwerksbetrieb, ob dieser zfinftige Farm besitze oder nicht**). Ihnen 
gegenüber erseheint die kapitaLisüsche Koopwation nicht als eine besondre 
historische Form der Kooperation, sondern die l^ooperation selbst als eine 
dem kapitalistischen Frodoktionaprocess ^enUi&mliche und ihn specifisdi 
unterscheidende histonache Form. 

Wie die durch die Kooperation entwickelte geaeUachaftliche Pn>- 
daktivkiaft der Arbeit als Prodaktivkraft des Kapitals erscheint, so 
die Kooperation selbst als eine specifische Form des kapitalistischen 
ProdoktiansproceeBee im Gegensatz zum Piodaktionsprocess vereinzelter 
nnabh&n^ger Arbiter oder auch Kleinmeister. Es ist die erste 
Aendemng, welclie dei wirkliche Arbütsprooeas dnrch seine SnbenmtioD 
nnter das Kapital erAhrt Diese Aendemng geht natnrwflchsig vor 
sich. Ihre Toraussetzong, gleichzeitige Beschäftigung einer grJlssnn 
Anzahl von Lohnarbeitern in demselben Arbeitsproceas, bildet den 
Ansgaogspnnkt der kapitalistischen Produktion. Dieser Mit mit dem 
Dasun dee Kapitale selbst zusammen. Wenn sich die kapitalistische 
Produktionsweise daher einerseits als historische Nothwradigkeit fUr die 
Verwandlung des Aibeitsprocesses in einen gesellschaftlichen Procesa 
darstält, so andrenieits diese gesellschaftliche Form dee Arbeitaprocessea 
als eine vom Kapital angewandte Methode, um ihn durch Stügemng 
seiner Prodnktivkraft proflUicher anszubenten. 

In ihrer bisher betrachteten anfachen Oeetslt Mit die Kooperation 
zusammen mit der Produktion auf grOssrer Stufenlüter, bildet aber keine 
ftete, charakteristische Form einer besondren Entwicklungsepocbe der 
bqdtaliatisdien Produktionsweise. Höchstens erscheint öe un&henid so 



**) Die kleine Bsaemwirthsohaft and der anabhängige Handwerksbetrieb, 
die beide theiU die Basis der feadaleo ProdahtioDswebe bilden, theila nach 
deren ÄDflOBong neben dun kapitaliatisohen Botrieb enchainen, bildet) zogleiob 
die Ökonomische Grondlsge der klssaiacben Gemeinwesen la ihrer betten Zeit, 
osohdem sich das orsprÜDglich orientalische Gemeiuaigeuthatn aufgelöst, ond 
bevor lieh die Sklaverei der Piodaktion enuthaft bemOcIitigt bat 



lyGOOgIC 



— 335 — 

in äea noch handwarkamä^geu An^gen der Manufaktur*^) und in 
jener Art grosBW Agrikultur, wdche der Manufakturperiode eiitq)ricbt 
and sich wesentlich nur durch die MaBBe der gleichzeitig angewandten 
Arbeiter nnd den Umfang der koncentrirten Produktion emittel von der 
Bauern wirthBchatt unterscheidet. Die einfache Kooperation ist stets 
noch vorherrschende Foim solcher Produktionszweige, worin das Kapital 
auf grosser Stufenleiter operirt, ohne doss TheÜnng der Arbeit oder 
Maschinerie eine bedeutende Bolle spielte. 

Die Kooperation bleibt die Grundform der kapitalistischen Pro- 
duktionsweise, obgleich ihre einfache Gestalt selbst als besondre Form 
neben ihren weiter entwickelten Formen eischelnt. 



Zwölftes Kapitel. 
llieUiiiig der Arbelt und Nuinfaktnr. 

1. Doppelter Ursprung der Mannfaktur. 

Die auf Theilung der Arbeit henthende Kooperation schafft sich 
ihre klassische Gestalt in der Mannfaktnr. Als charakteristische Form 
des kapitalistischen Prodoktionsprocesges herrscht sie vor während der 
ägentlichen Mannfaktnrperiode, die, rauh angeschlagen, von Mäte dee 
Iti. Jahrhunderts bis zum letzten Drittheil des achtzehnten w&hrt 

Die Manufaktur entspringt auf doppelte Weise. 

Entweder werden Arbeiter von versdiiedenartigen, eelbstftndigm 
Handwerken, durch deren Hände ein Produkt bis za seiner letiten Beife 
laufen muss, in eine Werkstatt unter dem Kommando desselben Kapita- 
listen Teruiügt. Z. B. nne Kutsche war das Qesammtprodnkt dw 



**) „Whether the nnited skill, indastr; ud emnlation of man; togetber 
OD Uie oiune work be not the waj to adTanee it? And wbother it had beop 
otherwiae poioible for England, to hsTe carried on her Woollen Mannftctnie 
to H great ■ peifeotion ?'^ (Berkele;: „The Qaerist." Lond. 1760, p. 521.) 



lyGOOgIC 



- 386 - 

Arbaten ainer groBam Anzahl nnabUagiger Handwnker, wie SteQ- 
nucher, Sattler, Scfaneidor, SehloBser, Qflrtler, Drechsler, Poesmentirar, 
Olaeer, Haler, Lackirer, Ter^lder n. s. w. Die Katsehenmanufaktar 
vereinigt alle diese Tasdüodnen Handweriier in ein Arbeitstaane, wo äe 
einander gleicluätig in die Hand arbeiten. Han kann öne Kntsdu 
zwar nicht vergolden, bevor aie gemacht ist Werden aber vide 
Kutschen gleichseitig gonacht, so kann ün Theil best&ndig Tngoldet 
werden, w&hrend ön andrer Thöl eine fMihre Fhaae dee Prodnktioni- 
proceaees dnrchUnft. So wüt stehn wir noch &nf dem Bod«i der an- 
fachen Kooperation, die ihr Material an Ueneohoi nnd Dingra varfindet. 
IndesB tritt sehr bald eine wesentliche Terändening ein. Der Schneider, 
Schloeser, GfirÜer n. s. w., der nnr im Kntschnunaohm besehUtigt ist, 
vediert nach nnd nach mit der Oewohnhent auch die Fähigkeit, snn 
altes Handwerk in seiner ganzen Anedehnnng sn betreiben. Andrew 
seitB erh&lt sein Tereinseitigtes Thnn jetct die cwecbn&sngate Form fOr 
4lie verengte Wirknngsaph&re. ürsprflnglich erschien die KntschflD- 
manofaktnr als dne Kombination selbstftndiger Handwerka Sie wird 
allmSlig Theilnng der KntechenprodnktiQn in ihre verschiednen Sonder- 
operationen, woTon jede einulne znr ansschliessliehen Funktion önae 
Arbeiters krTstalUsirt nnd deren Oeeammtheit vom Verein dieser TheQ- 
arbeiter vemchtet wird. Ebenso entstand die Tnchmumfaktor und eine 
ganze Beihe andrer Hanofaktnren ans dw Kombination verschiedner 
Handwerke nnter dem Kommando desselben Kapitats"). 

Die Uuinfaktnr entspringt aber auch anf entgegengesetztem Wege. 



*■) Um ein mehr modemea Baispiel dieser Bildnagurt der Hannfaktni 
■umfuhren, folgendes Citat Die SeidenipiDnerei nnd Webeiei von Ljon nnd 
Xlmea „est tonte patriaicale; eile emploie bsanoonp de femmea et d'enlanti, 
maia aans l«a dpniaar ni Ist corrompre; eile lea laiase dani lenre bellee vamei 
de la DiAme, doTar, de Ilaire, dsTaacltise, ponrjäsver dei ven et d^vider 
lenn cooons; jamali eile n'entre dana nue veritable fabriqoe. Foni itoe aoin 
bim obmrvä . , , le principe de la diviaiou da travail, a'j revSt d'nn oarae- 
tbn BpMsL n 7 B bien de« dividenwi, dea moolineon, dei teintorien, des 
•ncoUenra, piiia de« tiaaenod«; mai« ils ne tont paa lännia dao« nn mSme 
Mabliaaement, ne däpendent pa« d'nn m4me maltre; tona ü« wnt indepen- 
dants." (A. Blanqni: ,,Coara d'Goon. Indattrielle. BecneiUi par A. BIww. 
Paria (1SS8 — 39)", p. 44—60 paaaimO Seit Blanqoi diea aehrieb, aind die 
Tenchiednen Bnabhingigeo Arbuter inm Heil in Fabriken rarünigt wotden. 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 337 - 

Eb werden viele Handwerker, die Dasselbe oder Oleich&rtiges thnn, 
I. B. Papier oder TTpen oder Nadeln maclieii, von demaelben Kapital 
gleichzeitig in derselben Werkstatt beschäftigt Es ist dies Kooperation 
in der einfacbeten Form. Jeder dieser Handwerkw (vielleicht mit einem 
oder iw« Gleaellen) macht die ganze Waare nnd vollbringt also die 
verschiednen, zu ihrer Herstellnng erböechten Operationen der Reihe 
nach. Er arbeitet in seiner altm handwerksm&rsigen Weise fort. 
IndefB veranlassen bald äussere Umstände, die Koncentiation der Arbeiter 
in demselben Baum nnd die Gleichzeitigkeit ihrer Arbeiten anders zv 
vemntzen. Es soll z. B. ein grCaseros Quantnm fertiger Waare in einer 
bestimmten Zütfriet geliefert werden. Die Arbeit wird daher vertheili 
Statt die verschiednen Operationen von demeolben Handwerker in einer 
zeitlichen Beihenfolge verrichten zu lassen, werden sie von einander los- 
gelöst, isolirt, ränmlich nebra einander gestellt, jede derselben einem 
andren Handwerker zDgnwieaen nnd alle znsammen von den Kooperiren- 
den gleichzeitig ansgeführt Diese inSlIige Tertholnng wiederholt sich, 
zeigt ihre eigentbflmlichen Vortheile nnd verknöchert nach nnd nach zor 
systematischen Theilung der Arbät. Ans dem individnellen Prodnkt 
eines selbständigen Handwerkers, der Vielerlei thnt, verwandelt sich die 
Waare in daa gesellschaftliche Frodokt eines Vereins von Handwerken, 
von denen jeder furtwährend nnr eine nnd dieselbe Theiloperation ver- 
richtet. Dieselben Operationen, die in einander flössen als Hucwssive 
Verrichtnogea des deutschen zUnftigen Faplermachers, verselbständigten 
sich in dw holländischen Fapiermanufaktnr sn neben einander lanfen- 
den Theiloperat Ionen vieler kooperirenden Arbeiter. Der zflnftige Kadler 
von Nürnberg bildet das Gmndelement der englischen Nadel mannfaktnr. 
Während aber jener eine Nodler eine Beihe von ^elleicbt 20 Opera- 
tionen nach einander dnrchlief, verrichteten hier bald 20 Nadler neben 
einander, jeder nur eine der 20 Operationen, die in Folge von Erfah- 
mngen noch viel wnter gespaltet, isollrt nnd zn anssobliesslichen Fnnk- 
tionm einzelner Arbeiter verselbständigt wurden. 

Die Drsprangsweise der Hannfaktnr, ihre Heransbildung aus dem 
Handwerk ist also awiesohlächtig. Einerseits geht sie von der Kom- 
bination VOTSchiedenartiger, selbständiger Handwerke ans, die bis zn 
dem Fnnkt vemnselbst&ndigt nnd vereinseitigt werden, wo sie nnr noch 
«inander ergänzende Thdioperationen im Frodnktionsprocess einer nnd 
Harz, Evltal I. 83 



lyGOOgIC 



— 888 — 

denalbai Wwra bild«. AsdrarBÜtB g^t Bie von der Soopontioa 
glflichaitiger Handwerker aos, wraetst dasselbe individnelle Handwerk 
in anne venchiednen braondren Operationen und iBoIiit and vet- 
salbstindigt diese bis cn dem Punkt, wo jede derselben zur snsacUiess- 
lichen Funktion einee besondran Arbeltera wird. Eineraeits fflhrt daher 
die Hannfoktnr Theilnng dv Arbeit in einen ProdnktionsproceaB ün 
oder entwickelt sie wdter, andrerseitB kombinlrt sie früher geschiedn» 
Handwerke. Weläiee aber immer ihr besondrer Ansgangspimkt, ihre 
Schlns8g<eetalt ist dieselbe — ein ProdoktionBrnechaniernnB, deasen 
Organe Henschen sind. 

Zum richtigen VerBt&ndniBS der TheUnng der Arbeit in der Hann- 
&ktnr ist ee wesentUoh, folgende Pirnkte feetEnhiilten: Znn&chBt flUlt 
die Analyee des Frodnktionaprooeflses in smne besondren Phasen hier 
ganz und gar Eusammen mit der Zvsetznng «ner handwerkemäfsigen 
ThStigkät in ihre verediiednen Theilopo^tionen. Znaammengeeetst oder 
einfach, die Veiriefatnng bleibt handwerkemfUslg und daher abhängig 
Ton Kraft, Geschick, Schnelle, SicheAeit dee EinzelarbeiterB in Hand- 
habung seines Instrnments. Das Handwerk bldbt die Barns. Diese 
enge techniache Basis schliesst wirklich wissenschaftliche Analyse des 
Prodnktionsprocessee ans, da jeder TbmlpTOcees, den das Produkt dnrch- 
mach^ als handwerksm&C^dge Theilarbeit ausführbar sdn mnss. Eben 
wril das han4werlcamSfBigB Oeschick so die Grundlage dee Prodnktions- 
processes bleibt, wird jeder Arbeiter ausscbliesslidi üner Thnlfunktion 
angeeignet und «eine Atbtitakraft in das lebenslängliche Organ dieser 
Tb«lfunktion rerwandelt Endlich ist dieee Thdlnng der Arbeit «tw 
beeondie Art der Kooperation, und manche ihrer Yortheile entspringen ' 
US dem allganeinett Weeen, nicht ans dieser besondren Form der 
KoqMration. 

2. Der Theilarbeiter und sein Werkzeug. 
Oehn wir nun n&her auf das Knzelne ein, so ist Ennftehst klu. 
dasB ein Arbeit«r, der lebenslang eine und dieselbe ein&äie Operation 
Temehtet, sünen ganzoi KOrper in ihr automatisch einseitiges Oi^an 
Terwandelt und daher weniger Ztäi dazu Terbrancht als der Handweiker, 
der nne ganze Beihe von Operationen abwecLselnd ausführt. D«- kon- 
binirta Qeaammtaibeiter, der den lebendigen Hechanismue der Uanufalrtnr 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 889 — 

büdet, besMit aber ans lauter solchen dnseitigen llirilartKitem. Im Ver- 
gleich mm aenstandigen Handwett wird daher mehr in weniger Zeit 
prodiicirt oder die FiDdnktiTkraft der Arbeit gesteigert'^. Auch rerroU- 
konmuwt ach die Meüuide der Theilarbett, nachdem sie znr anseiMeBSücben 
Fonktion einer Person TeroelbBUndigt ist Die stete WiedffirhDlnng de»- 
adhen beschi&nkten Tlmns mid die Ecmcoiteition . da* Anfine^mmkeit anf 
dieeee Beschrinkte läiren erfithrnnganObig den bezweckten Nutzeffekt mit 
gwingstem Eraftanfnand erreichen. Da aber immer verachiedne Aitoiter- 
gmenttionen gleidueitig' lasammenlebeu und in deneelben Hann&ktoren zn- 
eammenwlAen, befeBtigen, hSofen ond flbertrngen dch beld die so gemm- 
Deoen technischen Ennstgiiffe*^. Die Mann&ktnr prodndrt in der That 
die ^itoceiat des Detailarixöteie, indem äe die natnrwfiäiBige Sonderong 
äet Qewerbe, die sie in der OeseUschaft Torbnd, im Innnem dar Werk- 
fjfadt reprodndrt ond STStematiach mm Extron tndbt Andrasüte ent^ 
iqtricht ihre Verwandlniig der Theilarbdt in den Lebend>emf einee Hen- 
Bcben dem Trieb froherer GeeeUschaftm, die Oewerbe nUich za machen, 
eie ia Easton m versteinem oder in ZQnfte zn TerknUchran, &Ub bestimmte 
historisch^ Bedingungen dem Kasteirweaeo widrasprechende Toriabilitftt doe 
bidiTidniniis eizengm. Easten und Zflnfte mtapringon ana demselben Na- 
toigoaetz, «elehes die Sondenmg ran Pflanzen und lUeren in Arten und 
Untsrutem regelt, nur dass auf «nem gewieaes Entwiddnugsgiad die Ert>- 
lichkeit der Eastm oder die AnsaiMesalichkdt der Zfinfte als gesellschaft- 
Uches Geaete ddoetirt wird**). ,J)ie Mnaline von Dakka sind an Jän- 



**) „The more taj manofketnn of mnoh Tirietr ihall be distribnted and. 
Mtlgned to differmt aitiita, the eune mnat needi be better done and with 
greatar expeditüoD, with lew loia of time aod labonr." („The AdTantagea of 
Om Eut India Tntde. Lond. 1720", p. 71.) 

■^ „Easj UboDT ii transmitted lUU.« (Th. Hodgikin 1. o. p. 135.)' 
**) „Aneli dis SQnate nnd ... in Aegypten m dorn geh&rigen Giad ron 
ToUkommenheit gediehn. Denn in dteeem Lands allein dQrfeu die Hand- 
weAer dorobiiia nicht in die GeschAft« eisei andren BdrgerklaisB eingreifen, 
Kwdem bloK den nach dem Geaetz ihrem Stamme erbliah sogehSrigen Benif 
treiben ... Bei andren TOIkem findet mau, dau die Gewerbtlente ihre Auf- 
merksamkeit anf in riele Gegenstinde veitheiten . . . Bnld versnchen ne sa 
mit dem Landban, bald lauen sie sich In Eandeligeschlfte ein, bald bebssen 
■ie sich mit iwei oder drei Kflniten nsrleieb. In Freiataaten laufen de 



lyGOOgIC 



— 840 — 

bot, dia Kattune und andte Zeuge ma EonnoaDdel aa Fniäit nnd Duh- 
hafiigkdt ia Farben niemalH Obertroffen irarden. Und deanoch weidn 
sie iHt)dQcirt ohne Kapit^ HaacfaiDsrie, TheÜung der Aibot oder irgend 
flinB der andren BGttel, die der Künikation in Europa bo viele Tortlidle 
bieten. Der Weber ist ein TneiSEältcs ladividaioo, der das Gewebe sof 
fiesteUang einee SJuden verfertigt nnd mit einem Webstahl vm der eü- 
bchsten Eonstrnklion, mnffttfiny^i nur beetodiaad ans b&lzenien, rob msam- 
mengefligtea Stangen. Er besitzt nidit einmal einen Apparat zam Äof- 
xiebn der Kette, dv Webstobl nmaa daher in seiner ganzen Unge aas- 
gostreckt bleibe uad wird so onEBnnlicli nnd wffili das er keinen BaniD 
findet in der HUte dea Prodncentoi, der seine Arbeit daher in frei« Jjolt 
verrichten moss, wo äe dnrcb jede Wetter&ndnmg untwbrodten wird"'") 
Es ist nur das von Qeneratian anf Generation gehänfle and von Vater 
anf Sohn vererbte Sondogeachicb, das dem Hindn wie der Spinne diese 
VirtDoaität vnleiht Und dauoch wrichtet ein solcher indischer Weber 
sehr komfAicirtB Arbeit, vsn^dien mit der Mehrzahl der Hann&ktair- 
aibffito'. 

Ein Handvertair, der die varaehiednen Tbeüprocesse in dv Produktion 
eines Machwerks nach einander ausfBhrt, mos bald dm Fiats, bald die 
Instrumente wschmln. Dar Uebergang von einer Operation inr andreo 
unterbricht den flnss seiner Arinit und bildet gewiBaemubra I^Rm in 
annon Arbeitstag. Diese Poien vsidichten, sobald er den ganien Tag 
ein and dieadbe Operatim kontinuiilich verrichtet, oder sie veisäiwindoii in 
dem Habe, wie der Wechsd aeiner Operation atmimmt Die gesteigerte 
Prodaktivitit ist hier entweder der znnehmenden Aaagabe von Arbeitskraft 
in einem geg^nen Zritraom gesdinldet, also wschsraider Intensität aar 



meist in die VolkirerMmmlangeo ... In Aegjpten dagegen verflUIt jeder 
Haodirerkar in aohwere Strafen, wenn er üch in Btaatageaehftft« miwht, oder 
mehrere KOneta lagleich treibt. Bo kann nicht« ihren Bemfafleiu stBren. . . 
Zndem, wie sie von ilireo Torfahren viele Begeln haben, sind na eifrig dar- 
anf bedaobt, noch nene Tortfaeila anfinfindeD." (DiodoniBSiealai: Hiitoriaobe 
mbliothak ]. I, & 74 ) 

**) „Hiatorieal and deMriptive Aoooont of Brit. India ete. bj Hngh 
Hnrraf, JainM Wilnon ote." Edinbargh 1833, v. II, p. 440. Der indiaohe 
Webatobl iit hoehMhlftig, d. h. die Kette iat vertikal anfgwpannt 



lyGOOgIC 



- 341 — 

Artnit, oder einer Alniahiiie am nnprodakldTen Venehnt von Arbeitokratt. 
Der UebersdiuBS von EraÜaiifwand oBmlicb, den jeder üebergaog aus der 
Rohe tu die Bene^ung erlöscht, kompemrt sich bei Ifio^Fer Fortdauer der 
einmal erreichtat NornialgGechwindigkeit Andrerseits zetstSrt die Eco- 
tindtät gleicbiSmuger Arbeit die Spann- und Schvun^raft der Lebens- 
geister, die im Wechsel der Thätig^eit aelbet ihre Erliolnng und ihrwi 
Reiz finden. 

Die ProduktiTitSt der Arbeit hängt nicht nur von der Virtuoeit&t de^ 
AifaeiteraabtSondemaiichvonderVollkomnienheitseinerWeitzeoge. Werkzeuge 
derselben Art, wie Schneide-, Bohr-, Stoas-, Schlaginstnimente u. a. w., 
werden in verschiednen Arbeltsproceesen gobrancht, und in demselben Ar- 
beitsprocess dient dasselbe Instmment zn. verschiednen Verrichtungen. So- 
bald jedoch die TerschiedneD Operationen eines Aibeiteproceases von ^n- 
ander losgelCst sind und jede Theilopcration in der Huid des Theilarbei- 
teni eine m^lichst eDtsprechende und daher anaschlieesliche Form gewinnt, 
worden Verändrungen der verhör zu verschiednen Zwecken dienenden 
Werkzeuge Qotbwoidig. Die Itichtung ihres 1^'ormwechsels etgiebt sich aus 
der Er^tbrung der besondren Schwierigkeiten, welche die unveränderte Fenn 
IQ den Weg legt Dto Differenzirung der Arbeitnnstrumente, wodurch In- 
strumente derselben Art bosondre ftfite Formen ffir jede bescHidie Nutz- 
anwendung erhalten, und ihre Specialjsinmg, wodurch jedes solches Son- 
derinstrument nur in der Hand specifischer Tfaeilarbeiter in seinem ganzen 
Um&ng wiitt, charaktorisiren die Manufaktur. Zn Birmingham allein pro- 
dttcirt man etwa 500 Varietäten von Hämmern, wovon jeder nicht nur 
fBr einen besondren Produktiimsprocess, sondern eine Anzahl Variotäteo oft 
nur fär verschiedne Operationen in demselben Process dient Die Hanu- 
fakturperiode vereinfacht, verbeesort und vennannigfacht die Arbeilsweifc- 
EODge durch deren Anpassung an die awuchliesslichen SonderfiinktJonen dw 
Theilarträter ^^). Sie scbafR damit zugleich eine der materiellai Be- 



■*) Dftnrin bemerkt in aeinem Epoche mluihendeu Werk über „die Ent- 
■tefaong der Arten" mit Beng auf die natOrlichen Organe der Pflanzen und 
Thiere: „So lange ein und dasselbe Organ Terschiedne Arbeiten in verrichten 
hat, lädt lieh ein Gnud fOi aeioo Ter&ndeiliohkeit vielludit darin finden, 
daa« DatfiiUehe Zächtnug jede kleine AbweiehuDg der Form weniger sorgAl- 
tjg erhält oder unterdrückt, als wenn daaselbe Organ nnr zd einem beiondren 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 342 — 

dingungen der Maschinerie, die aas einer Kombination dnfecher Instr 
besteht 

Der Detailaibeitet and sein Instnunoit bilden die ednädten 
der Mann&ktnr. Wenden wii uns jetzt m ihr«- GfeammtgesUt 



3. Die beiden Grnndformoii der Hannfaktnr — . heterogene 
Hannfabtnr and organische Hannfaktnr. 

Die Oliedenmg der ManoMtor beeittt zmä Qmiidformea, die tnti 
gelq^tlicher TeiBchlingiing zwei wesentlich Terachiedne Arten bilden and 
namentlich auch bei der epBtren Verwandlang der Uana&ktor in die 
maschinenartig betriebne, grosse Indnatdo eine ganz verschiedne Bolle 
sptelen. Dieser Doppelchaiakter entspringt ans der Natur dee MachweilB 
selbst Es wird entweder gebildet dorch bloss mechanische Zasammen- 
setznng selbständiger Theilprodnkte oder verdankt seine fertige (Üestalt 
einer Belhenfolge zasammenh&ngender Frooease und Manipulationen. 

Eine Lokomotive z. B. besteht ans mehr als 5000 selbet&ndigeD 
Theilen. ^ kann jedoch nicht als Beispiel der eisten Art der eigentlidieo 
Hann&ktur gelten, weil sie ein Gebilde der grossen Indostrie ist Wohl 
aber die TJhr, an welcher auch William Fetty die nunu&ktnrmfilsige llni- 
Inng der Arbeit renutschaalicht Aas dem indiridndlen Werk eines NOm- 
berger Bandweikers verwandelte ai<^ die Tllir in das geaellschaftliche Pro- 
dakt einer Unzahl von Theilarbeitem, wie Bohwerkmacher, ütarfedramachw, 
Zi^blattmacfaer, Spiialfedermacher, Stdnloch- nnd Bnlnnhebelmanlier, Zu' 
gennacher, CMtBnseonacber, Schtaabenmacbjra', Vergolder, mit vielen Unter- 
abtheünngen, wie z. B. i^der&brikant (Messing- nnd Stafalifider wied« 
geschieden), Triebmacher, Zeigerwerkmacher, achevenr de pignon (befeetigt 
die Bider auf den Trieben, poliri; die bcettes n. a. w.), Zapfenmacher, 
plantenr de finisaage (setzt verschiedne B&der nnd Triebe in das Werk), 
finisHeur de barillet (ISsst Zähne einschneiden, macht die LOcher zor ricli- 
tigen Weite, hGrt«t Stellnng und Oeeperr), Hemmungmacher, bei dec 

Zwecke allein bestimmt wäre. So mögen Messer, welche allerlei Dinge iti 
aohneiden beatimmt sind, im Guixen so liemliob von einedei Form sein, 
irthread ein nur ta. einerlei Gebraooh bestimmtes Werkieng für jeden andren 
Gebranoh auch eine andre Form haben rnoss." 



lyGOOglC- 



- S4S — 

Gj^nderiianmiing wieder Qj-lindemudm, Stogiadnucher, nnrnhemachor, 
Itaqnettanacher (das RQckwerk, woran die Uhr regnlirt wird), planteor 
d'jd^ppement (eigentliebe HemmimgniBCbsr); dann der lepassenr de barillet 
(macht Federhans mid Stellmijr ganz fertig), StahlpoÜFer, RädwpoliTer, 
SchiatibaipoliTes', Zahlenmaler, Blatbnacher (echmilzt das Email auf das 
Kupfer), ftiniomt de pendants (macht bloss die BOgel des QehSoBee), 
finiseenr de chamidre (steckt den Hessingstift in die Mtte des Qeb&as« etc.), 
faisear de secret (macht die Federn int Oohftnae, die den Deckel ansprin- 
gen machen), gravenr, ciselenr, polissear de holte n. s. «., n. s. w., end- 
lich der repasseor, der die ganze Uhr zoBominenBetzt nnd sie gebend ab- 
liefert. Not wenige TheÜe der Uhr laufen dnich yerschiedne HSnde, nnd 
alle diese m«nbra dl^eda sammeln eich erst in der Hand, die sie schliee»- 
lidi in ein mechanisches Ganzes verbindet Dies ausBerliche YerhUtnins 
des fertigen Prodnkts zu seinen veiBchiedenarlägen Elementen Usat hier, 
wie bei Umlichem Uachwerk, die Kombination der TheilaibeiteT in dei^ 
selben Werkstatt zufällig. Die Theilarbeiten kCnnen selbst wieder ats von 
«inander unabhängige Handwerke betrieben werden, wie im Kanton Waadt 
imd Nenchatel, wEifarend in Genf z. B. groesae Uhiwimanofektnran be- 
stehn, d. fa. nnmittelbare Kooperation der TheOarbeiter nnter dem Kom- 
mando eines K^itals stattfindet. Anch im letztren Fall werden ZiSerUatt 
Feder und G«iiftase selten in der Mannfaktnr selbst verfertigt. Der kom- 
binirte manufaktniraaisige Betrieb ist hier nor nnter aoBnahminraiBen Ter- 
h&ltnissen profiüich, weD die Konkurrenz unter den Arbeitern, die zu 
Hanse arbeiten wollen, am giijssten ist, die Zersplittrnng der Produktion 
in eine Hasse heterogener Froceese wenig Verwendung gemeinscJiafUicher 
Arbeitsmittel erlaubt und der Kapitalist bei der zerstienten Fabrikatkni die 
Ansktge fDr Arbeitsgeb&ude u. a w. ctspart"). Indesa ist andi die 



") Gvit hat im Jahr 1S64 80,000 Uhren producirt, noch nicht ein Ftknf- 
theil der UhreQprodnktio& dM Kutan Henobatal. Chaui-de-Fonda, du man 
als eine einüge UhremnuiafBktnr betraohten kann, liefert allein jfthrlioh dop- 
pelt M viel all Genf. Ton 1860—61 liefeijte Genf 750,000 Uhren. Siehe: 
„Beport from Genera od the Watch Trade" in ,3eportB bj H. H'i. Soeie- 
tariea <tf Embu«j and Legatioa oa the HanofactoTBe, CommsTee ete. No. 6. 
1883." Wenn die ZueammenhiuigBlfMiglceit derProceue, worin die FrodnktiaD 
nar znaanunengetettter Haohwarke zerftllt, an und fdi sich die Terwandlang 
solober Hanufaktaren in den Hasohinenbetrieb der gtouen Indaatrie sehr 



lyGOOgIC 



— 344 — 

Stelliutg dieser Detailarbeiter, die zn Haoae, aber ffir eisen EapitaÜBten 
(Fabrik&nt, ötabUaaenr) arbeiten, gaoE ond gar yerschieden von der d«fi 
selbständig'en HandwOTtos, weither fQr aeine eignen Knnden arbeitet^^. 

Die zweite Art der ManolaktDr, ihre vollendete Fonn, prodncirt Uach- 
werke, die zusBnmnnhfiagende Entwicklungsphasen, eine Beibenfolge von 
atafenproceBsaa dnrchlanfen, wie z. B. der Draht in der Näbnadelmann- 
faktur die fiSnde von 72 und selbst 92 specifischen Theilaiteitem dnrcäiauft. 

Sovreit soldie Uanufoktnr oisprün^ich zerstreute Handwerke kom- 
binirt, vermindert sie die räumliche Tnumong zwischen den besondren Pro- 
doktionephaaen dee Hachwerka. Die Zeit seines üebeigangB aus einon 
Stadinm in das andre wird verkürzt, ebenso die Arbeit,' welche diese üebnr- 
gänge vermittelt^*), Im Vergloicb znm Handwerk wird ao Produktivkraft 
gewonnm, und zwar entspringt dieser Gewinn aiiR dem allgemeinen koo- 
perativen Charakter der MaDufHktor. Andrereeits bedingt ihr eigenäifim- 
lichee Princip der Theilnng der Arbeit eine Isolimug der verechiednen 
ProdukUonspfaasen, die als eben so viele handwerksmarsige Theilarbeiten 
geg«i einander veisetbständigt sind. T>ie Henitellmig and Erhaltung dm 
Zusammenhangs zwischen den iaolirten Funktionen emOthigt best&ndignn 
Transport des Machwerks ans einer Hand in die andre und ans einem 
FrocesB in den andren. Vom Stuidpnnkt der grassm Indnstiie tritt dräs 
ab eine <diarakteriatiBcbe, kost^ielige und dem Princip d«<r Manufaktur 
inunanentr* Bes^rSnktheit hervor'^). 

enebwert, kommen bei der Uhr noch zwei andre Hindernisse hinzu, die Klein- 
heit und Delikatesse ihrer Elemente, und ihr Lnioacharakter, daher ihre Va- 
rietät, so dass z. B. in den besten Londoner Hänsem das ganze Jalir hin- 
dntch kaam ein Dutzend Uhren gemacht wird, die sieh ähnlich sehn. Die 
Uhrenfabrik von Taoheron &, Constuitin, die mit Erfolg Hasehinerie anwendet, 
liefert auch hSelutens 3—4 verscbledne Variet&ten von GrösBo und Form. 

") In der Uhrmaeherei, diesem klassischen Beispiel der heterogenen 
Hannfaktnr, kann mau sehr genao die oben erwähnte, ans der Zeiaetznng 
der bandwerkemärsigen Thätigkeit entspringende DifFerenzirang und Speciali- 
sirun^ der ArbeitainstmmeDte studiren. 

") „In so close a cohabitation of the People, the carriage most needs be 
less." („The Advantages of the Fast India l'rade", p. 186.) 

") „The iaolation of the different stages of manofaetiiTe eoniequent upon 
the employmeat of tlie mannal labooi adds immeneel; to the cost of pro- 
dootion, the less mainly arising from the meie removals from one process to 
another." („The Indostry of NatioDB, Lond. 18(5", Part. II, p. 800.) 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 345 — 

Betrachtet man ein beetimmtse Qoantam Bohmaterud, z. B. von Lum- 
pen in der RipiennaDDbfctiir oder von Draht in der Nadelmannfaktur, m 
dnnM&nft es in den Hfioden der yerscbiednen Theikrbeiter eine zeitliche 
Stufenfolge von ProdnktionfiphaB«! bis za seiner Schlassgntatt. Betrachtet 
mtat dagegen die Werkstatt als einen OesammtniecbaniamiiH, ao beflndet 
sich das Bohmateriftl gleichzeitig in allen seinen Produktionephasen ani' 
eiomaL Mit einon TbeÜ seiner vielen instrumentbewaffiieten ffindo r.ieht 
' der ane den Detailartieitern kombinirte Oeeammtarbetter den Draht^ wab- 
rmd er gleichieitig mit andren ffinden und Werkzeugen ihn streckt, mit 
andren schneidet, spitzt etc. Aus einem zeitliche Nacheinander sind die 
verBchiedn«! Stn^proceese in ein länndiches KeheneinaudeT verwandelt. Da- 
her liefemng von mehr fertiger Wanre in demselben Zeitraum^*). Je»' 
Oleiehzeitigkdt entspringt zwar ans der allgemeinen kooperativen Fomi 
des Oesammtprocesses, aber die Hanu&ktnr findet nicht nur die Rodin- 
gongen der Kooperation vor, sond«ii schafit sie tbeilweise erst durch die 
Z«degung der bandwerksmäbigen Th&tigkeit. Andrerseits erreicht sie diene 
graellschaftliche Organisation des ArbeitsproceeaeR nur durch FestsrJimieden 
desselben AtbeiterH an dasselbe Detail. 

Da das Theilprodnkt jedes Theilarböters zugleich nur eine besondre 
Entwicklungsstufe desselben Machwerks ist, lieterl ein Arbeiter dem 
andren oder eine Arbeitergruppe der andren ihr Bohmatenal. Dae 
Arbeitsresnltat des änen bildet den Ansgangspankt fllr die Arbeit des 
andren. Do' eine Arbeiter beschäftigt daher hier unmittelbar den 
EuidreD. Die notfawend^ Arbeitszeit zur Grreichnng des bezweckten 
Nntzeffekts in jedem Theilproceas wird erfahningsmäbig festgestellt 
nnd der Gesammbnechaiüsmus der Manufaktur berubt anf der Voraiu- 
Setzung, daas in g^bner Arbeitezeit ein g^ebnea Resultat erzielt 
wird. Nur nnter dieser VoTsoasetznng kOnnen die verschiednen, ein- 



") »It (the diviaion of laboor) prodnces also an eooHmj of time, by ev- 
parating Um work into ita diffsrent braaches, all of vrhich may be carried od 
into eiecntion at the um« moment . . . Bycarrjing on all the differentpn- 
eessM at once, wbieh an individual murthaveeieeuted separate!;, U becomm 
potaible to prodnce a multitnde of pins for instance completelj finiahed ia 
the Same time aa a nugle piu night have be«a eiUier cut or poisted" 
(Dagald Stewart 1. c. p. 319.) 



lyGOOgIC 



— 3*6 — 

ander erginsoiden ArbrntaprocesBe nmmtarbrochm, glnohiatig nnd 
liunlich iwbflii tinandar fortgehn. Ea ist klw, dasa diese aaimttelbara 
Abh&ngfigkeit dv Arbcdtei und daher dar Arbäter von eiiuuuler jeden 
Ginidnea iwingt, nur die nothweadige Zät m annsr Funktion in ver* 
wanden, und bo eine gans andre Eontinoit&t, GlcäehfQrmigküt, KegA- 
in&&iglcdt, Ordnung'^ nnd namentlich anch IntmaitU der Arbeit er- 
lengi wird als im nnabh£ngi{!<Bi Handwerk oder eäbst der etnAehen 
Kooperation. Dass anf eine Waare nur die n ihrer Heratellnng geeell- 
schaAlick nothwendige Aiiteitsseit Tanrandt wird, erseheint bei dar 
Vaamprodnktion flberhanpt als Snssrer Zwang der Konknrrenx, weil, 
oberitilnhlich aosgedrOekt, jeder einielne Prodnewt die Waare in ihrem 
Uarktpreia wkanfen mius. Lieferung Ton gegebnen Prodnktenqnantna 
m gegebner ArbrätsEeit wird dagegen in der Mannfiiktor techniscbee 
Oeeetz dea ProdnktioneprooesseB selbst**). 

Terschiedne Operationen bedürfen jedoch migleiehfli ZeitUagen und 
Itefem daher in gleiohni Zäkftomen migleichB Qnanta von Thülprodokten. 
Soll also deraelbe Arbeiter Tag ans, Tag ün stets unr dieselbe Operation 
Terriohten, so mflssen flir Terschiedne Operationen Terschiedne Verh&lfr- 
nisBiahlen von Arbeitern verwandt werden, z. B. 4 Giesser und 2 Ab> 
brecber anf einm Frottirar in einer Typenmanafaktnr, wo der Oieeeer 
standlich 2000 Typen gieest, dn Abbrecher 4000 abbricht nnd der 
Prottiter 8000 blank reibt. Hier kehrt das Princip der Kooperation 
in amner «nfaehsten Form znrflck, gleichMitige Beech&ftignng Vieler, 
die GlächartigeB thon, aber jetzt als Anadnu^ eines organischen Yer- 
hUtniflsee. Sie nunnfaktarm&CBige Theiliing der Arbüt vereinfocht nnd 
Termannigbcht also nicht nnr die qualitativ nnterschiednen Organe des 
geaellschaftiichen Gesammtarbsiters, sondern achaffl aoeh ein mathe- 
matisch festes Verh&ltniss fBr den quantitativen Umfang dieser Organe, 
d. h. für die lelatiTe Arbeiterzahl oder relative GrOaae der Arbäter- 



") „The moie vaiieQ of artüta to avar; niannfactnre . . . the greiiar 
the wder and regolarit? of «vei; work, tiie same mut naed« be done in lew 
ttme, the laboor mnat be leu." („The Advantagea etc." p. 6B.) 

**] Indeas erreicht der mannfRUnrmäfiige Betrieb dies Baanltat in vielen 
Zweigen nur nnvollhommen, weil er die allgamainen chemiachen nnd phj- 
eikaliiohen Bedingnngen dee ProdnhtioMpToee M ee nioht mit Sicherheit zn 
kontroliren wein. 



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— 347 — 

giujfpea in jeder SondetftmktioiL Sie entwiddt mit der quItt&tiTen 
Oliederong die qnastitaitiTe Begel md Proportioiulität des geMdlsehaft- 
licben ArtMitsprocesses. 

iBt die pasaandste TerbÜtoiaeuU der verschiedneD Onippen tob 
Tbeilarbenteni erfohnmgBm&lfdg faBtgasetEt fDr eine beatinunte Stufen- 
leiter der Frodnktioii, so kann maa dieae Stnftnläter nur tusdehneD, 
indon man an Multipel jeder beeondron Arbntergmppe verwendet"). 
Es kommt hinin, dass dasselbe Indiridnitm gewiBse Arbeiten eben so 
gnt auf KrOeaertr als Uönerer StafKd aosfOhrt, z. B. die Arb«it der 
Oberan&idit, den Transport der Theilprodnkte ans einer Prodnktions- 
phase in die andre a. b. w. Die Versdbst&ndigting (Ueser PonktioneD, 
oder ilire Znwösimg an besondre Arbeiter, wird also erst vorthailhaft 
mit VergrDesenmg äa beschäftigten ArbeitenaU, aber diese Vwgrössunng 
rnnss sofort alle Gruppen proportionell ergreift 

Die cüuelne Gmppe, eine Aniahl von Aibeitem, die dieselbe Theü- 
f^inktion Terrichten, besteht ans homc^enen Eüementen nnd bildet tm 
besondres Organ des Oesammtmechanismus. In Terachiednan Uann- 
fiiktnren jedoch ist die Oroppe selbst an gegliederter ÄrbeitsUrper, 
wUirend der OeBammbnechanismns durch die Wiedvtaolnng oder Yn- 
vielfiUtignng dieser prodnktiTen Elementaro^canismen gebildet wird. 
N'ehmen wir s. B. die Hann&ktar tos Qlasflaschen. Sie xeifftllt in 
drei wesentlioh mtersclüedne Phasen. Erstens die Torbwätaide Phase, 
wie Bereitung der Glaskomposition, HeBgnng Ton Sand, Kalk n. e. w. 
und Schmelning dieser Kompodtion sn einer flüssigen Glasmasse**). 
In dies«: srsten Phase sind Terschiedne Theilarbäter heech&ftigt, ebenso 
in der Sohlnssphaso, der Entbmung der Flaschen aus den Troeken- 
Ofen, ihrer Sorümng, Teipachung n. b. w. Zwischen bödea Phasen 



") „Wenn dieEi&hnmg, je naoh der beeoudranNfttiii der Frodokte jeder 
Hann&ktnr, sowolil die TortheiUiafteate Art, die Fabrikation in TheQoperatiimen 
in spalten, aU anoh die fttr de niSthige Aibeiteizmhl kennen gelehrt hat, werden 
alle EtobliMements, die kein exaktee Hnltipel dieeer Zahl anwenden, mit 
weniger Oekononüe bbrieiien .... Diei ist eine der Dieaohen der koloualen 
Ansdehnong indiutrieller EtabliMementa." (Ch. Babbage; „On the Eaenornj 
of Haehineir." 2nd ed. Lond. 18S2, eb. XX.) 

**) In En^and iit der Schmeliofen getrennt yom Qlaaitfen, an dem daa 
Gl» verarbeitet wird, in Belgien i. B. dient deraelbeOfen inbeüenF 



n,gt,7cdT:G00glc 



— S48 — 

steht in der Hitte die eigenüiche Olasmacharai odor V(H:srl>eitii[ig der 
flflBBigen Glasmasee. An demselben Hunde eines Glasof^s aibeitot 
eine Gmppo, die in England das ,^ele" (Loch) hräset, und ans einem 
bottle maker oder Ünishei, einem blovei, einem sstheier, einem pntter 
np oder whetter off nnd einem taker in znamnmengeeetzt ist. Dieee 
fünf Theilarbeiter bilden eben so viele Bonderorgane eines einzigen 
AibtitekOrperB, der nnr ale Einheit, siso nnr dnroh immittelbare Ko- 
operation der PDnf wirken kann. Fehlt ein Glied des f&nfUiffi%en 
Kilipers, BO ist er paralfBiii. Dorselbe Glaaofen hat aber verschiedne 
Oefibnngen, in England z. B. i — 6, deren jede einen irdenen Scfamelz- 
tiegel mit flflssigem Glas bii^, nnd wovon jede eine ügne Arbeiter- 
giuppe von derselbm ftinfgliedrigen Form besch&ftigt. IMe Gliedemn^ 
jeder einzelnen Gmppe bernht hier nnmittelbar auf der Theilnng der 
Aibeit, während das Band zwischen den verschiednen gleichartigen 
Gmppen onf^he Kooperation ist, die eins der Produktionsmittel, hier 
den Glasofen, dnrch gemeinsamen Konsum Ökonomischer verbraucht, 
^n selcher Glaaofen mit seinen 4 — 6 Gmppen bildet eine GlashOtte, 
und eine Glasmannfoktnr nmfasst öne Mehrzahl solcher Hfltten, zngleich 
mit den Vorrichtnngen nnd Arbeitern fftr die einlntenden und ab- 
schlieesenden Prodnktionsphasen. 

Bndlich kann die Hannfaktnr, wie sie theilweis ans der Kom- 
bination verschiedner Handwerke entspringt, sich zn einer Kombination 
verschiedner Hannfaktnren entwickeln. Die grSBsren englischen Glas- 
hBtten z. B. fabritüren ihre irdenen SchmeUtäegel selbst, weil von deren 
Güte das Gelingen oder Misaüngai des Produkts wesentlich abhängt. 
Die Mannfaktnr eines ProdukÜonsmittels wird hier mit der Mamfhktnr 
des Produkte verbunden. Umgekehrt kann die Hannfaktur des Produkts 
verbanden werden mit Hannfakturen, worin es selbst wieder als Boh- 
material dient, oder mit dovn Produkten ee sp&ter zusammengesetzt 
wird. So findet man z. B. die Mtuinfaktnr von Flintglas kombiniit 
mit der Glasschleiferei nnd der Gelbgiesserei, letztre fOr die metallische 
Einfassung mannigfacher Glasartikel. Die verschiednen kombinirteu 
Hannfaktnren bilden dann mehr oder minder ränmlich getrennte De- 
partemente ^er Gesammtmannfaktai. znglach von ränander unabhängige 
Prodnktionsproceese, jeder mit ögner Theilung der Arbeit. Trotz 
mancher Vortheile, welche die kombinirt« Hannbktnr birtet, gewinnt 



lyGOOgIC 



— 349 — 

sie, auf eigner Onmdlage, keine wirUieh teehnieche Binheit. Dieee 
onteteht erat bei ihrer Verwandlung in den maacliiiienia&bigen Betrieb. 
Die Hannfoh:tniperiode, welche VermiDdening der zur Waarm- 
prodoktion nothwendigen Aibätazeit bald als bewnsstee Princip aaa- 
sprioht*'), eiftwickelt Bporadiach anch den Gebranch von Haecbinea, 
namenUioh fBr gewisse einfache erste Proceese, die masHenhaft nnd mit 
groBBom Kraftaufwand anaiufflhren sind. So wird i. B. bald in der 
Papiennannfaktur dae Zennalmen der Lumpen durch PapienuDhleu und 
in der Hetolluigie du Zeistoeaen der Erze dorch s(^nannte Pochmtihlen 
verrietet* *). Die elementariBche Form aller Msschinerie hatte d&B 
rj^mische Kaiserreich ftbwliefert in dei WasMrmflhle*'). Die Hand- 
wetksperiode vermachte die grossen Erfindimgen dee Kompaaeea, des 
Pulvers, der Buchdruekerei und der antomatischen Uhr. Im Grossen 
ond Oanien jedoch spielt die Hosdunerie jene Nebenrolle, die Adam 
Smith ihr neben der Theilnng der Arbeit anweist**). Sehr wichtig 
wurde die sporadische Anwendung der Uasdiiaerie im 17. Jahrhundert, 
wml sie den groasen Uathematikem jener Zeit praktische Anhaltspunkte 
nnd Beizmittel zur Schöpfung der modernen Hechanik darbot 

") Uan kann diw anter andiea arsehn aaa W. Pet^, John Bellers, 
Andrew tarraoton, „The Adraotages of tbe Eut India Trade" nnd J. Tanderünt 

**) Noch gagen Ende des 16. Jahrhandarta bedient tieh Franknioh der 
Härser und Siebe mm Pochen und Wasehen der Ene. 

**) Die ganze EntwickluogsgesohichtederHaschineiie liut aich Teifalgen 
an der Geschichte der GetreidemDhlen, Die Fabrik helut im Englfschan immer 
noch rnill. In deutachrn technologiaehen Schriften au den ergten Deeenniea 
dee 19. Jatirhnnderta findet man noch den Aoadinck Mohle niabt nur fftralle 
mit Natarkritten getriebne Uaeohinerie, aondera Hlbet für alle MannUtnren, 
die maaelünenartige Apparate anwenden. 

") Wie man ans dem Tieiten Bach dieier Sehritt n&her eehn wbd, hat 
A. Smith keinen eincigen neaen Sata Aber dieThellang dsi Arbeit anfgeetellt 
Was ihn aber als den znsammenfassenden politiachea Oekonomen der Uann- 
faktnrperiode oharakterisirt, tat der Acoant, den er anf die Theilnng der Arbeit 
legt. Die nntergeordnete Bolle, die er der Masehioerie anweist, rief im Beginn 
der grossen Indostiie Landerdale's, in einer weiter entwickelten Epoche Uie'i 
Polemik herror. A. Smith Terweohselt nach die Differenairang dar Iiutmmente, 
wobei die Theilarbeiter der Hanofaktnr selbat ariir tbttig waren, mit derHa- 
•ehtnenerfindnng. Es sind nicht Hsnafaktnrarbeitar, aondem Gelehrte, Hand- 
werker, selbst Baaem (Btiodley) o. a. w. die hier eine BoUe spielen. 



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— 860 — 

Dio speciflBclu Mudünoris der MurafiLktniperioda blübt der »he 
fielen ThcnlwbciterD kombinirte aesammUrbeiter selbst. Sie tv- 
BebMnm OpvatümeD, die der Prodnoad nner Waare abweefamliid Ter- 
riehtet und die sieh im Gauen seisos Arbeitsprooesaee TerscUingen, 
nelmeii ihn Tenohiedenartig in ABSpnielL In der einen mnss n mehr 
Xraft entwickeln, in der andren mehr Qewandüieit, in der dritten mehr 
gösUge Anfinerkfounkeit n. b. w., nnd dasselbe Individnnm besitzt diese 
Eigenschaften nicht in gldchem Omd. Nai^ der Trennung, Ver- 
sdbetAsdignng and Isolinmg dar Tersohiednen OperatioBen werden die 
Aibeitw ihren rorwiegaiden Eigenschaflen gemib getheilt, klasdflcirt 
md gnppirt Bilden ihre Natoibeeondorheiten die Onmdlage, wwanf 
sieh die Thdlimg der Arbeit pfropft, so entwickelt die Haonikktnr, 
einmal «ngefDhrt, Arbdtskr&fts, die Ton Natur nur ni rinmtiger 
SondraAinktion taugen. Der Oeeammtarfoeiter beeitst jetit alle prodok- 
tiren Eigouchaften in gleich hohem Grad der ^itnodtU und rerans- 
gabt sie sogleich aofa Ökonomischste, indem «r alle snne Otgane, in- 
findaalimit in besondren Aibütern oder Arbntergmppen, ausschliesslich 
so ihren spedflechen Fimktionen rerwendet*'). Bie Einseitigkeit nnd 
selbst die UnToUkommenheit des ThölarMters werden m swier VoQ- 
kommenheit als Glied des OeBammtatbeiters"). IHe Gewohnhrit üner 
einseitigen Funktion verwandelt ihn in ihr natnrgmcATs sicher wirkendes 
Organ, wUtrend der Zusammenhang dee Qesammtmechanismos ihn twingt, 
mit der B^lmafeigkeit cinee Haschinenth^s zu wirken'^. Da die 



'^) gjndem man duHkohwerk in mehren venchiedne Operationen thoilt, 
deren jede venohiedne Grade von GnrandUielt und Kraft aifaeiBcht, kam der 
UannfaktnrbeTi dofa genan das jeder Operation entapreohende Qoaatiini von 
Knft Dod Gewandthait Tsnehaffen. Wlre dagegen du ganze Werk tod einem 
Arbeitor n Tsniobten, ao mfiiete dasselbe lodiTidmin genug Gewandtbeit fllr 
die delikateaten nnd genng Kraft ffir die mQbieligsten OpentioDen beütien." 
<Cb. Babbage 1. c. eh. XIX.) 

**) Z. B. einseitige MnsketentwicUnng, KnocheDTerkrfimmmig n. s. «. 

") Sehr rinhtig antwortet Henr Wm. Hanball, der general manager eiaer 
GlBsmanalUttir, auf die Frage des üatwnchnngakom miware, wie die Arbeit- 
samkeit noter den beeehlftigten langen anfrecht erhalten werde: „Thajeaimot 
well negleot theii work; wfaen thej once b<«in, thej muat go on; the; are 
jsat the aame aa parte of a maehine." („Child. Empl, Comm, Fonith Bapoit^ 
18SS, p. S47.) 



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— 351 — 

Terschiednn Funktionell des Gfleammtarlieiten ernfMlm oder aiunminsii- 
geeebter, niedrig oder hOher, wheisehen seine Orgine, die individuellen 
^britskififte, sohr Tcraohiedne Qtade der Ausbildung und beBttun itim 
sehr Terschiedne Werthe. Die Mannbktar entwiekelt also eine Hieranifaie 
der ArbätekiiAe, der eine StnAnlöter der Arbmtslfihne entspiicbt. 
'Wird eineramtB der indindoelle Arbätor nuer einseitigen Fonktioo an- 
gedgnet und lebenslang uineiirt, so werden eben so sehi die ver- 
Bchiednoi ArbeiteTemchtiingen jener Hierarchie der natQilichm nnd 
«rworbnen Oesehioklichkdten angepassf). Jeder Produktionsprocesa 
bedingt indess gewisse einfache Hanthiemngm, dnen jeder Mensch, wie 
er geht nnd steht, fihig. ist Anch räe werden jetxt von ihrem flOssigen 
Zneammenhang mit den inhaltvoUren Momenten der ThAügküt losgelöst 
nnd ni ansschliesslichen Funktionen rerknOch^ IHe Mannfaktnr erxengt 
daher in jednn Handwerk, das sie ergreift, eine Klasse sogsuumter 
nngesehickter Arbeiter, die der Handwerksbetrieb streng anaschloss. 
Wenn sie die dnrchans Tertinsedtigte Specialit&t anf Kosten dee ganiea 
ArbeitsrermCgenB zur Virtnoütftt entiriokelt, beginnt sie anch schon 
den Mangel aller -Entiricklnng m einer Specialit&t xa machen. Neben 
die hieraTdüsche Abstnfnng tritt die dn&che Scheidong der Arb«tei in 
geschickte nnd ungeschickte. Fftr letstre fallen die Erlemnngskosten 
gans weg, für erstre sinken sie, im Vergleich inm Handwerker, in 
Folge Tereinfachtn Funktion. In bdden Fillen sinkt der Weith der 
Arbeitskraft"). Ansoahme findet statt, soweit die Zersetiong des 



**) Dt. üre in seiner Apotfaeow der gToesenludiutrieflUiltdia eiganthOm- 
licfaen Charaktere der Hanafsktor «diftrfar henna als fr&here Oakonomeo, die 
nieht eein pokmischei lateresM batt«D, nnd «elbrt als leine Zeitgenossen, i.B. 
Babbage, der ihm iwar tklwrlegen ist als MathematikeT tmd Hediaotker, aber 
'. deoDOch die grone ludiutrie eigentlioh nur Tom Standpunkt der Hannhktnr 
anffiMBt üre bemerkt; „Die Aneigsmig der Arbeiter an jede Sonderoperation 
bildet das Wesen der Terthailaiig der Arbeiten. " Asdrerseite beieichnat er 
liete TeitheiloDg all „AnpasenDg der Arbeiten an die Tersduednenindiridnellon 
'^Ihigkeiten" und obankteriiirt endlich du gauie MannhUnnjitem als „ein 
'jBtem Ton Gradationen nach dem Bang der Geschicklichkeit^', als „eine Thei- 
<Dg der Arbeit ntoh den rerscliiediien Graden des Qeechioka" n. s. «. Uie 
e. t. I, p, £8 — 85 paadm. 

") „ÜD oQTrier, an se perfectionnaiit par la pratiqae surnn aeul et mSme 
nt, devient . . . moina eoüteni." C^^re. L c. p. 28) 



t: Google 



— 352 — 

Arbeitspioceeses nena zasammenfassraida Fonktioneo arzeagt, die im 
Handwerkibetrieb gar Dicht oder nicht in demaelben ümfong Torksraen. 
Die »laäTS Entwerthung der Arbeitskraft, die ans d«n WegfoU oder 
der yenaindemng der Erlenrnngskoaten entspringt, BcUiesat biiinittelbar 
höhe» Terwerthnng des Kapitale ein, denn alles, was die inr Bepro- 
(inktion der Arbntskraft notbirendige Zeit verkürzt, Terlängert die 
Domaine der HBtaTarbüL 

4. Theilnng der Arbeit innerhalb der Hannfaktnr nnd 
Theilang der Arbeit innerhalb der Gesellechaft 
Wir betrachteten eret den ürspmng der Hannfaktnr, dann ihre 
einfachen Elemente, den Theilarbetter nnd sein Werkieog, endlich ihrm 
deaammtmechanismns. Wir berfihren jetzt knra das Verh&ltniss zwischen 
Her mannfaktnnnäbigen Thnlnng der Arbeit nud der gaseltschaftlicheo 
Theilnng der Arbeit, welche die allgemeine Omndlage aller Waaren- 
prodaktion bildet. 

Hält man nnr die Ärbdt selbst im Aag^ so kann man die 
Trennung der geeellschafttichen Prodnktign in ihre grossen Gattungen, 
wie Agriknltar, Industrie n. s. w., als Thülnng der Arbeit im All- 
gemeinen, die Sondemng dieser Produktionsgattnngen in Arten nnd 
Unterarten als Theilnng der Arbeit im Sesondren, nnd die Theilnng der 
Arbeit innerhalb einer Werkstatt als Theilnng der Arbwt im Einseinen 
bezeichnen*"). 



'*) ,fiie Theüang der Arbeit gebt von der Trenenng der verichieden- 
»rügaten Professionen fort bis m jener Theilnng, wo mehrere Arbeiter sicli 
in die Anfertignng eines nnd desselben Prodakts theilen, vis in der Hsnn- 
fftktnr." {Storch: „Conrs d'^n. Pol." Pariser Angabe,! I,p.I73) „Nons 
TSDConbrons chei les penplea jurrenns i an certain degri de eiTÜisstioD trofs 
genres de divisions d'indostrie: U premiäie, qae neos nammons gäaimle, 
amine la distinotjon des prodacteois en agrioaltonn, mannfactnrlers et con- 
merfans, eile se rapporte au troia prindpalee bianobes d'indostrie nstion^e; 
la seoonde, qn'on ponrrait sppeler apteiUe, est la division de ehaqoe genra 
d'indostrie en espices . . . Is traininie diTiiion d'indoitrie, eelle enfin qn'tn 
(loTTsit qaalifier de diTisions de la beeogne en de ttarail pioprem^nt dit, est 
oelle qoi s'etablit dsns les srts et les metien s^psräs , . , qai s'^tablit dana 
U plopart des mumhctares et des atelieis." (Skaibeok L e. p. 84, 86.) 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 353 — 

Die Theilnng dar Arbeit innerhalb der Gesellschaft und die ent- 
sprechende Beschränfaing dw Indindaen auf besondre Bernfsaphären 
entwickelt sich, wie die Theilung der Arbeit innerhalb der UTannfaktur, 
Ton entg:egengeBetzten AnsgangspnnUen. Innerhalb nner FamiÜe'^''a), 
weiter entwickelt «nee StammeB, entspringt eine natnrwachnge Theilnng 
der Arbeit ans den (Jeschlechts- nnd AltersTerBchiedenheiten, also anf 
rein pbjBi »logischer Ornndlaga, die mit der Ansdehnong des Oemein- 
weeena, der Zunahme der BevOlkening and namentlich dem Konflikt 
zwischen verachiednen Stämmen nnd der Unterjochung eines Stamms 
durch den andren ihr Hateriul answeitet. Andrerseits, wie ich frOher 
bemerkt, entspringt der Proänktenauatansch an den Punkten, wo ver- 
schiedne Familien, Stämme, Oumi'inwesen in Kontakt kommen, denn 
nicht Frivatpereonen, sondern Familien, Stämme n. a. w. treten sich in 
den Anfängen der Enltar selbständig gegenfiber. Tersclüedne Qemein- 
wesen finden Teiechiedne Produktionsmittel nnd verscbiedne Lebensmittel 
in ihrer Natnmmgebnng vor. Ibre ProdnktionsweiBe, Lebensweise nnd 
Prodokte sind daher verschieden. Ee ist diese natnrwfichsige Yer- 
Bcbiedenheit, die bei ilem Kontakt der Oemeinwaaen den Austausch dw 
wechselseitigen Prodakte nnd daher die aUmälige Verwandlung dieser 
Frodnkte in Waaren herrorrnft. Der Aastauach schafft nicht den Unter- 
schied der Prndnktionaapliärea, sondern setEt die nnterschiednen in 
Beziehung nnd verwandelt sie so in mehr oder minder von einander 
abhängige Zweige einer geaellscbaftlichen Oesammtproduktion. Hier 
entsteht die geaellschaftlicbe Theilung der Arbeit dnrdi den Anstansch 
nrspiQcglich verschiedner, aber von einander nnabhäugiger Produktions- 
Sphären. Dort, wo die physiologische Theilung der Arbeit den Aus- 
gangspunkt bildet, lOuen aich die besondren Organe eines unmittelbar 
Busammengebörigen Garnen von einander ab, lersetsen sich, zn welchem 
ZersetzangspracesB der Waarenaastansch mit fremden Gemeinwesen den 

"*) Note lar S. Aufl. — Spätere sehr gründliche Studien der mensoh- 
liehen Drinatinde fllhrten dun Verfiuaer intn ErgebninB, dass nraprüngltch 
nicht din Familie «ich znm Stamm aungebildet, lODdem omgekehrt, der 
Stamm die am prang liebe nktnrwtichniga Form der aaf BlatsverwandUchaft 
berobenden mensohliebm VorgexalUebartting war, Bodaat ana der beginnendan 
Anfiüsung der SiammealiRiido erst xpäter die vielfach Terschiednen Formea 
der Familio sich entwickelten. (D. H.) 

Xaix, Ka^tal I. 23 



lyGOOgIC 



— 384 — 

HanptanBtoBs ^ebt, und TeiselbsUadigen üät bis za dem Funkt, vt> 
der Znaammenbang der Teracbiednen Arbeiten durch des Anstansch der 
Prodokte ala Wiuen TSrmittelt vird. Es ist in dem einen Fall Ter- 
nQBelfaat&ndignng der frflher Selbständigen, in dem andren Yereelbstfin- 
di^nng der frflher Vnselbstfindigen. 

Die Grundlage aller entwickelten und dnreh WaarenanstauBcb rer- 
mittAlten Theilniig der Arbeit ist die Scbädimg ron Stadt nnd Land^*). 
Xan kann sagen, dass die ganse Okonomisdie Oeschicbte der Oesell- 
schaft Hieb in der Bewegtug dieses GegoiBatzea reellmirt, auf den wir 
jedoch hier nicht weiter nngehn. 

Wie für ^ Theilnsg der Arbeit innerhalb der Mannfkktnr eine 
gewisse Ansabl glüchzeitig angewandter Arbeiter die materielle Tcnns- 
eetinng bildet, so fflr die Theilnng der Arbeit innerhalb der Geeell- 
Bchaft die GrCsee der BerOlkemtig nnd ihre Sichtigkeit, die hier an die 
Stelle der Agglomeration in derselben Werkstatt tritt^*]. Indees ist 
diese Dichtigkeit etwas Belativee. Gin relativ spärlich berölkertes lAnd 
mit entwickdten Konunnnikationsmitteln besitzt eine dichtere BevSIkenmg 
als ein mehr heTOlkertee Land mit nnentwickelten KomntnnLkatiDnB- 
nitteln, nnd in dieeer Art sind z. B. die nördlichen Staaten der ameri- 
kanischen Union dichter berfilkert als Indien^^. 



") Sil James Steoart hat diesen Pnnkt tm besten behandelt Wie weni^ 
sein Werk, welches 10 Jahre vor dem „Weilth of NatiooB" enohian, hent zn 
Tage bekannt iit, lieht man o, a. daraiu, dass die Bewundrer des Ualthna 
nicht einmal wiuen, dass dieser in der ersten Anagalw Miuei Schrift aber die 
,,PopaIation", vom rein deklamatoiiachen Tbeil abgeaeho, neben den P&ffaD 
Wallkce nnd Townaend tut nnr den Stenart abschreibt. 

"] „There ia a certain density of popnlaüon whicb ia oonTenient, botb 
for BCKÖal inteiooiuse, and for that combination of powen bj which the pro- 
dnce of labonr !■ inereased." (James MiU 1. o. p. 60.) „Ab the nnmber of 
labonren increaaci, the prodactire power of Bodetf augment« in the oompotmd 
ntio of thot ineroaae, mnltipüed bj the effects of the dinaioD of hbonr." 
(Th. Hodgskin L c p. 125, 136.) 

**] In Folge dei grOBsen BatunwoDnschfnge seit 1861 worde in einigen 
sonst aahlrelch hoTölkerten Distrikten Oetindlens die Baomwollprodoktion anC 
Kosten der Beisprodnktion ansgedehnL Es entstand daher partielle UungeiS' 
Doth, weil wegen mangBlnder Kommunikationenüttal nnd daher mangelnden 
phyBischeo Zuammenhsnga der Beisansfall In einem Bisttikt nicht dnrch 
Zofuhr ans andren Distnkt«n ansgeglichen werden konnte. 



lyGOOgIC 



— 355 — 

Da Wurenpiodoktion und Waarencirknktion die allgantise Yor- 
«läsatziuig te kspitalbtiflchen Produktionsweise, erhäflcht manafaktur- 
mfitsige Th^img dei Aibeit eine bcIiod bU m gewissem Entwicklungsgrad 
gereifte Tbellnng der Arbeit im Innern der Oesellschoft. umgekehrt 
entwickelt und wridAltigt die manufitktnnubsige Thnlnng der Arbät 
rfickwirkend jene geeellschaftlicbe Tbeilot^ der Aibent. Ifit der Sifferen- 
dmng der Arbeitsinstniinente difibrenziroi sich mebi und mehr die 
Gewerbe, welche diese Instmmento prodsdren"). Eh^röft der manu- 
foktnrmäseige Betrieb an Oewet, das bieber als Hanpi* oder Neben- 
gewerb mit andrm iuBBmmenlmig]|Tmd von demselben Prodnoenten ans- 
grfDlirt wsrde, so findet sofort Schndnng und g^oisritige Tersdbst&ndigung 
BtatL Ergröft er eine besondre Prodoktionsstote riner Waare, so ver- 
wandeln sich ihre verschiednen FrodnktionBBtiifen in verBohiedne unab- 
hfingige Oewerbe. Es ward bereits angedeutet, dasa, wo das Mochweric 
ein bloss mechanisch znsauunengesetztes Gaaw von Tbeilprodukten, die 
Thcälarbeiten sich sdbst wieder in engnen Handwerken verselbstandigeii 
kdnnai. Um die TbeOnng der Aibeit voUkoomtneT innerhalb einer 
Hann&ktor anszofllhren, wird derselbe Frodnktionsiweig, je nach der 
Tersehiedenheit seiner Bohetoffe oder der venchiednen Formen, die der- 
selbe Rohstoff erhaltffii kann, in verschiedne inm Theil ganz neue Mann- 
fakturen gespaltet. So wurden berüts in der ersten HSlfte des 18. Jahr- 
tannderts in Frankreich allein Aber 100 verschiedenartige Seidenteoge 
gewebt, und in Avignon z. B. war es Gesetz, dass Jeder Lehrling sich 
immer nur «ner Fabrikationsart widmen und nicht die Terfertigong 
mehrerer Zengarten zugleich lernen dorfta" Die territoriale Theilung 
Her Arböt, welche beeondre Produktionszweige an besondre Distrikte 
önee Landes bannt, erhält neuen Anstoss dnrcb den mannfaktaniifissigen 
Betiieb, der alle Beeonderheiten ansbentet'^). Beichea Material zur 
Theiinng der Aibeit innerhalb der Geeellschaft liefert der Hannfaktur- 

") So bildete die VabrikatiDn der Weborschifichen aebon v&hrend dea 
17. Jahrhundarti einan bwondren Indostrieiwrig in Holltnd. 

**) „Whether the Woollen Hannficlnra of England is aot divided into 
■everal jiarts or branehes appropriated to particnlar pUoea, wbere tbey are onlj 
or prinoipallr nanufaetnred; Ana ciotbi in SomcneUbire, coaise in Yorlcahiie, 
long ellfl it Ezetei, soies at Sandbnrj, crspeg at Norwich, linsojB at Kendal, 
blanketa at Whitney, and m forthl" (Berkele?: „The Qseriat" 1750, p. 520.) 



lyGOOgIC 



— 856 — 

Periode die ErweiteruDg des Weltnuilcta nnd das Kolonülsystem, die 
Knm Umkreis ihrer aUgamunen Biistenibeüingiingaa gehören. Es kt 
hier nicht der Ort, weiter ntichiawÜMii, wie sie neben der Okononüscfaen 
jede andre Sphftre dw 6«B6llBchaft ergreift nnd fiberall die Qrondltge 
in jener Ansbildnng des Fachweseiu, der SpecialitUm, und nner Far- 
ceUimng des Menschen legt, die schon A. Feigasan, den Lehm A. Sniths, 
in den Aasrof ausbrechen Hess: „Wir sind ganie Nationen von Heloten, 
und ee gtebt keine Freien unter nns""). 

Trotz der lablreichan Analogien jedoch und dw Zosammenh&nge 
zwischen der Theilnng der Arb«t im Innern der OasePschaft und dar 
Theilnng ionerhalb einer Werkstatt, sind beide nicht nur gradneU, bibl- 
dem weHontlich nnterschieden. Am schlagendsten scheint die Analogie 
unstreitig, wo ein inoree Band Terschiedne Qeaehäftszweige verschlingL 
Der ViebzOchter i. B. prodncirt H&ate, der Gerber rerwandelt die H&nte 
in Leder, der Schnater dm Leder in Stiefel. Jeder prodncirt hi«- ein 
Stnfenprodnkt und die letite fertige Qestalt ist das kombinirte Produkt 
ihrer Sonderarbeiten. Bs kommen hintn die manntg&chen Arbeitsiwmgt^ 
die dem ViehzBichter, Oerber, Schaster Prodnktionsraittel liefern. Man 
kann sich nim mit A. Smith einbild«], diese gesellschaftlieha Theilnng 
der Arbeit nnterarheide sich Ton der munnFaktarmäfaigan nnr subjekti?, 
nämlich fDr den Beobachter, der hier die mannigfachen TheiUrbaiten 
auf einen Blick r&nmlich zasammentieht, während dort ihre Zerstreunng 
Aber grosse Flächen nnd die grosse Zahl der in jedem Sondarzweig 
Beschäftigt«! den Znsammonhang Tardnnklen^''). Was aber stellt den 



**) A. Fergnaon: „Hiatorf of Ciril Societj", Part IV, eh. n. 

") la den oigentlichea HaDufalttnrcn, sagt er, Kbeint die Theilnng der 
Arbeit grOaBer, weil „those employeil in evTj different branoh of the work chl 
often be collected into tbe same wurkbonae, and piMed atotice ander theriew 
of the spectator. In tbose great nianufa«tDre« (1), on the oontrarj, whiohare 
deetined to anppi; the great waeta of tba greathidjDf thepeoplefeverjdiib- 
Tent branck of tlia work emploja bo great a namber of wurkmen, tbat it is 
impoaaibls to collect tham all into tbe aama workhouae . . . tbe dirision ianot 
oear bo obTiona" (&. Sroitb: „Wealth of NaUana", b. I, eh. I.) Dar be- 
rühmte Faaana in damtelben Kapitel, dar mit dm Worten beginnt: ,,0b9errc 
the BCcomodation of the niost common artifloer or da; Uboorer in a civiliied 
and thriving conntrj etc." nnd dann weiter ausmalt, wie zahlloamannigfaltigo 



lyGOOgIC 



— 367 — 

f hur zwischen den nnabhKngigaD Arbeiten TOn \^obzflc1itei'. 
Geiber, Sehiister? Du Dasein ibrer reBpeUiven ProdnU» als Wuren. 
Wu diKnUarinrt dagegen die mannfoktnnn&taige Theilang der Arbeit? 
DuB der Tbeilarbeiter knne Wasre prodncirt"). Erat das gemeinsame 
FrodnU der Theüaibeiter verwandelt neb in Waare^H). Die Theilnng 
der Arbeit im Innern der Oeaellschaft ist TOrmittelt durch den Kauf 
nnd Tsrkanf der Produkte Terschiedner Arbeitacweige, dar Zusammen- 
hang der Tbölarbeiten in der Hannfaktnr dnrcb den Verkanf ver- 
Bchiedner Arbeitskräfte an denselben Kapitalisten, der sie als kombinirte 
Arbffltekntft verwendet Die maanbktonnfibige Tbeilnng der Arbeit 
unterstellt Eoncentration der Prodaktionsmittel in der Hand «nee 
Kqütaliaten, die gesellBchaftlicbe Thölang der Arbeit Zerqilittening der 



Gewerbe inr Befriedigung derBed&r&iMe unasgewÖbnUchen Arbeiters insam- 
moBwirken, iat ziemlich wörtlioh kopirt au B. de Handenlle'B Bemarka in 
•Üner: „Table of the Ben, oi Private Tiow, Pablick Beoefits," (Ente Ans- 
galM ohne Bemarke 1706, mit den Bemarka 1714.) 

■*) „There ia no longor anjthing whieh we can oall tbe natural reward 
^ individoat Isbonr. Each labonrer prodooes odIj aome part of a «hole, and 
aaeta put, having no valne or ntilitj of itsel^ tfaere ie nothing on wliich the 
labouier ean seüe, and say: it ia my prodnct, thia I will keep for m;*elf." 
(.Jiabonr defended agsinat the eliüniB of CapitaL Lond. 1825", p. 25.) Der 
THfaaaer dieaei vonQglicben Schrift iat der frOher dtirte Th. Hodgakin. 

'^) Note Eor 2. Anagabe. Dieaer Unteraohied zwischen geaellBohaftliotter 
nnd mannfaktnimiaaiger ThaÜDOg der Arbeit wurde den Yankeei praktiacb 
illnatrirt. Eine der wihrend de« BSrgerkriega xn Waahington neu aasgeheoktan 
Stenem war die Aodae von 6*/« auf i>a]le indnatrielle Frodokta." Frage: 
Was iat ein indnatriellea Produkt? Antwort dea Geaetzgebera: Bin Ding ift pn>- 
dncirt, „wenn es gemacht iat" (when it ia made) nnd ea iat gemacht, wenn 
fllt den Tarkanf fertig. Nun ein Baiapiel ans vielen. Mannfakt&ren zu New 
Tork nnd Philadelphia hatten frOher Begenschirme mit allem Zubehör ,««- 
nacht". Da ein Begenschirm aber ün Jlixtnm CompoBitnm ganz heterogener 
Beatandtbeile, wurden letatre nach nnd nach in Hachworken nnabhingig von 
dnander and an verachlednen Orden betriahner Qsaehiftazweige. Ihre Thsil- 
prodnkte pngen nnn ala aelbaaDdige Waareo ein in die BegenBchirm-UanQ' 
Uttar, welche sie nnr noch in ein Ganzes inaammenaebt. Die Yankeea haben 
derartige Artikel „aaaemblad uüclea" (versammelte Artikol) getanft, was aie 
namentlich verdienen »Ia Ssmmelplktze von Steuern. So „veraammelt" der 
1 erstens 6*/« Aecäae auf den Preis jedes seiner Elemente nnd hin- 
B 8*/. auf seinen eignen Gesammtpreis. 



lyGOOgIC 



— SS8 — 

Frodoktionsmittel ontar viele von eiiiander unabhimgige Waaranprodn- 
centea Statt daBS in der Sfaan&ktar das eherne Oesetz der YtitbUi~ 
nisasaU oder Proportionalität bestinunte Ärbeitannaesen unter beetinimte 
Fonktionm sabsonürt, trüben Zu&ll nnd Willkfihr ihr bontes Spiel in 
der VertheilDBg der Waarenproduoenten und ihrer Frodnktionsnittel unter 
die verschiednen geaeUachaftlicIien Arbätsurage. Zwar Bachen sieh die 
veraohiednen FrodnktionaaphAren beetfindig ine Gleichgewicht zu aatm, 
indem eineneita jeder Waarenprodncent einen Oebranchawerth prodnciren, 
also ein besondres geaellachaRIiches BedOrfiüss befiriedigan mtus, der 
(ImfaDg ^es« Bedtkr&iaae aber qnantitatiT Tttachieden ist nnd ein innres 
Band die verschiednen BedttifhiBsmaseen m einan natarwOchsigen System 
verlcettet; indem andrerseits das WerthgeseiB der Waaren bestimmt, 
wie viel die Qesellechafl Ton ihrer ganien disponiblen Arbeitezeit auf 
die Prodnküon jedw besondren Woarenart retanegsben kann. Aber 
dieee beetftndige Tendenz dur rerachiednen Prodnktionsqih&ren, aich ins 
Oleicbgewieht zn setzen, bethUigt sich nnr als Beaktion gegen die 
beetfindige Anfhebnng dieses Gleichgewichts. Die bei der Thcälui^ der 
Arbüt im Innern da Werkstatt a prigri nnd pIuun&Tdg befolgte ^ßgü 
wirkt bei äer Tbeilnng der Arbeit im Innern der Oeaellschaft nnr 
a. posteriori als innre, stumme, im Barometerwechsel der Hark^neise 
wahrnehmbare, die regellose Willkflhr der Waarenprodnoenten fiber- 
wfiltigmde Natamothwmdigkeit. Die mannfaktnrmftbige Thrilmig der 
Arbeit antnsteUt die nnbedingte Autorität des Kapitalisten Aber Henschen. 
die blosse Glieder eines ihm gehörigen Geeammtmechanismns bUden; die 
geseUechaftlidie Tbeilnng der Arbeit stellt nnabhfingige Waarenprodn- 
oenten ranander gegenftber, die keine andre Antorit&t anerkcamen als die 
dar Konkurrenz, den Zwang, den der Dmck ihrer wechselseitigen Interessm 
auf sie anaftbt, wie anch im Thierreich das bellnm omnium contra omnes 
die Existenzbedingnngen aller Arten mehr oder minder erhält. Dasselbe 
bO^erlicbe Bewusstsein, das die mannfiiktannärsige Theünng der Arbeit, 
die lebenslängliche Annezation des Arbeiters an eine DetaÜTerrichtnng 
nnd die nnbedingte Unterordnung der Theilarbeiter nnter das E^ital 
als üne Organisation der Arbeit fmert, welche ihre Prodnktivknft 
stffigre, donnneirt daher eben so lant jede bewnsste geaellechaftlidie 
Kontrole nnd Beglnng des gesellsebaftliehen ProdnkttongprocesBea als 
einen Eingriff in die anyerletzlichen Bgcothnmsrechte, Frrihdt und neh 



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— 359 — 

selbst bestiiiimende „Genialitüt" des individiullai Eapitalisten. £b ist 
aehr chankteristiaeh. dus die begnsterten Apologeten des F&bhk- 
aystems nichta Aergree gegen jede allgemeine O^anisation der geeell- 
sohaftliclini Arbelt in sagen wiBam, als dase sie die ganie Gesdlsohaft 
1d eine Fabrik rmraadelii würdet 

Wenn die Anarchie der geeeUechaftlichen nnd die Despotie der 
mannfaktnnnftOngen Arbeitetheilnng einander in dar Geeellsolialt der 
kapitalistüchen ProdnktionawBise bedii^en, bieten dagegen frfiliwe Ge- 
eellBcQiaflBfonnen, voiin die Beeondening der Gewerbe eich natnrwOcheig 
wtwidcelt, dann krystalliBirt nnd endlicb gwetilieh beftatigt bat, einw- 
aeits das Bild einer plan- und antorit&tsm&Esigen Organisation der 
geseUflchaftliclien Arbeit, während rie aaianäU die Theilnng der Arbeit 
innerhalb der Werkstatt ganz ansaehlieBsen, oder nnr anf tinem Zwe^- 
maCsstab, oder nur aporadisoh nnd sofiUig entwickeln"). 

Jene nralterttaflnüichen, kleinen indischen Gemeinweeen z. B^ die 
zum TbeO noch fortenstiren, berohn auf gemeinsehaftlichan Beeits des 
Qnmd nnd Bodens, anf munittelbarer Terbindnng von Agiiknltvr und 
Handwerk and anf einer ftoten Theilnng der Arbeit, die bei Anlage 
nenei Oemönweeen als gegebner Plan nnd Grundrisg dient Sie bilden 
sieh selbst genügende Prodnktionaganie, deren Prodnktionsgebiet Ton 
100 bis anf einige 1000 Acres wechselt Die Haaptmasse der Prodnkta 
wird fdr den nnmitteibaren Selbstbedarf der Gemrinde prodncirt, nicht 
als Waara, nnd die Prodnktion sdbat ist daher nnabhtngig Ton der 
dnrch Waarenanstansch Tnmüttelten Tbölung der Arbeit hn Grossen nnd 
Gänsen der indischen Gesellschaft. Nnr der UebersdinsB der Produkte 
verwandelt sich in Waare, zum Theil selbst wieder erst in der Hand 
des Staats, dem ein bestimmtes Qnantnm sdt nndmklichen Zatnt als 
Naturalrente znfliesst TerscMedna Theil« Indiens beeitaen rvsehiedne 
Formen des GemnnweBens. In der eintaehsten Form bebant die Oemeinde 
das Land gemeinschaftlieh and Tertheilt seine Produkte nnter ihre 

*^ „On pent . . . etablir en ligla gänenJe, qne moini raatoritS prteide 
ä 1» diviüon dn travail daiu rinUrienr de la aoäiti, plos U diTision daba- 
rail ae dereloppe dans llntärieni de I'atelier, et plos eile jeatsonmiwäraii- 
toTite d'on seol. Ainai Taubiritä daiu I'atelier et oelle daas la aoeieti, par 
rmpport ik la diTiaion da tcanil, aont en raiMn inTarse rone de Taatre." (Karl 
Ulan 1. c. p. 130, 131.) 



lyGOOgIC 



— 860 — 

Glieder, wUireod jede Familie SpiimeD, Weben n. s. w. als binslicheB 
Nebraigewerb trabt Neben dieser glnchartig beschUtigteii Huse finden 
vir den ,3&iipteinwolmer", fficbter, Polizei und Stenereinnäimer in 
wner Pereon; den Buchhalter, der die Bechnan^ Ober den Äckerban 
führt nnd alles darauf BeiQgliche katastrirt nnd registrirt; einen dritten 
Beamten, der Terbiechei verfolgt und fremde Beiunde beschfitit nnd 
von önem Dorf zum andren geleitet; den Grennnann, der die Grenzen 
der Gemeinde gegen die Nachbargemebden bewacht; dm Wasseranfkeher, 
der das Wasser ans den gemeinaehaftlioheu Wasaerbehältem an Acker- 
baoiwecken verthtilt; den Braminen, der die Funktionen des reUgiOsos 
Enltae Tenicbtet; den Sehnlmneter, der die Gemöndekinder im Sand 
schreiben nnd lesen lehrt; den KalendeTbiamtnen, der als Asttolog die 
Zeiten für Saat, Ernte und die guten oder bOsen Stunden fllr alle be- 
sondren Ackerbanarbeitfln anglebt; einen Säunied und änen Zimmer- 
mann, welche alle Ackeibanworkieuge verfertigen nnd «asbesBeni; deo 
Tfipfer, der alle GeAsse ffir dag Dorf macht; den Barbier, den W&scher 
{Qt ^e Bein^ng der Kleider, den Silberschmied, hier und da den 
Poeten, der in nnigen Gemeinden den Silberschmied, in andren doi 
Schulmeister ersetit. Dies Dutzend Personen wird auf Kosten der ganaen 
Gemeinde erhalten. W&chst die Bevölkerung, so wird eine nene Gemeinde 
nach dem Huster der alten auf nnbebautem Boden angesiedelt. Der 
Qemeindemechanismus zögt ptanmiTsige TheUnng der Arbeit, aber ihre 
manufaktnrm&rdge Theilnng ist unmöglich, indem da Harkt fOr Schmied, 
Zimmermann u. s. w. unverändert bleibt und hOehBtens, je nach dem 
GiAssenuntwscliied der DOrf«, statt eines Schmieds, Töpfers u. a. w. 
ihrer zwei oder drei Torkommen*"). Daa Gesetz, das die Thwlnng der 
Gemdnde arbeit i^elt, wiikt hier mit der unverbrDchlichrai Autorit&t eines 
Naturgesetzes, während jeder beeoudre Handwerker, wie Schmied u. s. w., 
nach flberlieferter Art, aber selbatftodig and ohne Anerkennung irgend 
einer Autorit&t in söner Werkstatt, alle tu seinem Fach gehörigen 
Operationen verrichtet. Der anfache produktive Organismus dieser selbst- 
genflgenden Qemönwesen, die sich best&ndig in derselben Form repro- 



»*) Lient CoL Mark WUka: „Historical Sketchei of the South of India. 
Load. 1810—17", *. I, p. 118 — 20. Eine gnt« ZntunmeiiBtellDiig dsr v«- 
sehiednen Formen de« indiicben Gemeinweeeos findet man in Oeoige Camp- 
bell's: ..Hodem Indift. London 1852." 



lyGOOgIC 



— 361 — 

dnciren and, wenn znOUig zwstßrt, an demeelben Ort, mit denselben 
Namen, wieder uifbauea*^), liefert den ScblQBSel zum OeheimmsB der 
UnTer&nderlichkeit uiatisclier OeeellBcfiaften, so ftntbUend kontraatirt 
dnrcfa die beetfindige AnflSanng mtä Neubildung asiatiacfaer Staaten nnd 
raatloeen ßTnastenwechael. Die Strnktnr der Okonomiw^en Onnd- 
elumente der Oeaellsohaft bleibt tod dw Stflnnen der politisidien Wolken- 
i^ion nnberShrt. 

Die Znnftgeeetie, wie schon ftUher bemerkt, verhiaderten plan- 
m&RÜg, darcti Snsaerst« Besebrftnkang der Gfleellenzahl, die ein öoielner 
Zonftmeister beschäftigen dorfte, seine Terwandlung in mnen EapitaUston , 
Ebenso konnte er Oeeeilen nur beecb^gen in dem anaschlioBsliolien 
Handwerk, worin er selbst Heieter war. Die Znnft wehrte eifeisftchtig 
jeden üebergriff dee Eanfinannskapitals ab, der tmz'ig freien Form den 
Kapitals, die ihr gegenfiberstand. Der Kaufmann konnte alle Waaren 
kanfen, nnr nicht die Aibfut als Waaie. Er war nur geduldet idü 
Verleger der Handwerksprodnkte. Riefen äussere ümst&nde «ne fort- 
schreitende Theilnng der Arbeit hervor, so zerspalteten sich bestehende 
ZOnfte in Unterarten oder lagerten sich seno Zünfte neben die alten 
hin, jedoch ohne Zosanunra&seung TOschiednei Handwerke in einer 
Wwkstatt. Die Znnftoiganisation, so sehr ihre Beeondening, Isolining 
nnd Atuibildnng der Qewerbe ta den materiellen £xistenzbedingnngea 
der Maanfaktnrperiode gehOren, sofaloss daher die manufaktnrm&CBige 
Thmlnng der Arbeit ans. Im Grossen nnd Ganzen blieben der Arbeiter 
nnd seine Produktionsmittel mit ünander Terbnnden, wie die Schnecke 
mit dem Sc^eckenbans, nnd so fehlte die erste Omndlage der Mann- 
bktnr, die Veiselbst&ndignng der Produktionsmittel als Kapital ge^en- 
4ber dem Arbeiter. 



*') „Onder tbia umple form . . . the inhabitants of Uie conntrj' baie 
Uved ainoe time immemorial, Tbe bODodariea of tbe villagea hare be«n bot 
Mldom alterrd; and thoogh Ute villagea themBslTes liaTe been sometimee inju- 
nd, and «Ten desolated \>j war, famitie, and diaeasc, the same name, the 3ami> 
limiti, tha »ams intereata, and even tbe same f&milies, have coutjnnedfoiages. 
The iobabitantB give tbenuetves no tronble abont thebreakingopanddinsion 
of kingdoniB; wbUe the village remaina entite, thsy care not to wbat power 
it is transferred or to wbat Bovereign it derulves; ita internal eccmomy remaina 
uwtaanged." (Tb. Stanford Baffiea, Jat« Lieut. Oot. of Java: „The Hiftor; 
of Java. Land. 1817", t. U. p. 2S5, 286.) 



lyGOOgIC 



— 362 — 

Während die TheÜnng da- Arbeit im Oanien einer Gesellachaft, ob 
«ennittät oder nnTennittelt dnrch den WasrenaastaiiBch, den veiBehieden' 
artigsten Ökonomischen GesellschAftsformationen angehört, ist die nunn- 
taktnimiUelge Thmlnng der Arbät nne gnnz Bpoöfleelie Sdiöpfong der 
hapitaUstischen Prodnktionsweise. 

5. Der kapitalistiBche Charakter der Uannfaktnr. 

Eine grAsaere Arbüteranuh] unter dem EtHnmando deaaelben Ke^tats 
bildet den natnrw&chsigen Ausgangspunkt, wie der Koopwation flber- 
hanpt, so der Mamifidrtnr. Umgekehrt entwickelt die mannMinrmtosigs 
Theilnng der Arbeit das Wachsthnm der angewandtoi Arbeitmsalil n>r 
teebnischen Notfawendigkat. Das ArbütKnünimnm, das ein mmdner 
Kapitalist anwenden mnss, ist ihm jetrt dnrch die vorhandne Thnlnng 
der Arbät Torgeschrieben. Andrerseits sind die Vorthole weitrar Thn- 
Inng bedingt dnrch weitre Termdunng der Arbeitenuuahl, die nnr noch 
in Vielfachoi ansfthrbar. Hit dem variablen mnss aber auch der kon- 
stante Beetandtheil des Kapitals wachsen, neben dem Qmfimg der 
gemeinsamen Produktionsbedingnngen, wie BanlicHküten, Oelm n. a. w., 
namentlich anch nnd viel rascher als die Arbeiteranzahl, dae Bohmaterial. 
Seine Masse, veriahrt in gegebner Zeit dnrch g^ebnee Arbätsqnantnm, 
nimmt in demselben YerhUtniss zn wie die Produktärkraft ia Arbeit 
in Folge ihrer Theilnng. Wachs«ider Minimalnm&ng yon Ka^tal in 
4er Hand dv «nzelnen Kspitaligten, oder waohsoide Yerwandlnng der 
gesellschaftlichen Lebensmittel nnd Produktionsmittel in Kapital ist also 
ein ans dem technischen Charakter der Mannfiiktw entspringoidea 
«eeetB«»). 



**) „Ea genügt nicht, daas das lar ITnterabtheilimg der Handwerke 
nöthig« Kapital (sollte heiuen, die dain oBthigBn Lebens- und ProdaktioDH- 
nittel) sich in der Gteaellschaft Torhanden vorfinde; es ist anaaeidem nötfaig, 
dui ee in den Häodan der ÜnteroehnMr in hinreichend betrftohtlichen Muaen 
Akkamnlirt sei, nm sie zar Azbait auf groster Stufenleiter in bef&higon . . . 
Je mehr die ^eüoiig lonimmt, erhelMbt die beetiadige BoMhUtignng einer 
MAen Zahl *on Arbeitern immer beMkabtlicheree Kapit^ in Werkseagen, 
Rohstoffen n. a. w." (Storch: „Conis d'^oon. Polit." Patiaer Ausg. t. 1, 
p. 2S0, 251.) „La «onccntration des instruments de production et la diTision 



lyGOOgIC 



— 368 — 

Wie in der eiii&ches Kaopnation ist in ^ Jfamibktiir te fnni- 
tioniieade Arbeitakaiper am Ezstemfonn des EiB{>ital§. Der am vielea 
indlTidndlai TheOarbedteni lasammaigceetzte gsBellsdiaftlicbe Prodnktioi»- 
nMPhaniBwi rB gebOrt dem K^ntalisten. Die aus der Konünn&tion der Ar- 
beiteD €OttspnngeiidB ProduktiTknift eracheint iahgr tüa PiudnktivknA Am 
EqiiWs. Die eigenUiclw Maanfalctar unterwirft nicht nur im &flher 
adbstSndigen Arbeits dem Konmiando mtd der Disciidin des E^itab, tmt- 
don Bchaflt IQirodQm eine hieraichiaciie Oliedenmg nnter den Aibeitem 
i'elbflt. WBhrend die einfiiche Kooperation die Aibataweiae der EioKlDen 
im Gromen mid Oaiuea mrveiftiidert ISast, rerolntionirt die Hannfitktnr äe 
nm Onmd axa mid «greift die indinduelle Aibeitskiaft an ihier Worzd. 
Sie ToifcrQppelt den Arbeitn' in nne Abnormit&t^ indem sie sein Delail- 
gendiiclt treJUansmäbig fStdert dnrdi ünterdr&ckang einer Welt von pro- 
dnktiven Trieben ond Anlagen, wie man in dm la Flata Staaten ön 
gajuee Tbier aJMehlachtet, um sein Fell oder seinen Tdlg zn rabenten. Die 
besondren Theilarbeüen «erden niclit nnr nnter Terachiedne ^tdividneii tct- 
theilt, HOndem das Individniun [selbst wird geUieilt, in das antomatisdie 
Triebwerk mar Theilail^ voiranddt"') imd die abgeschmackte Paixi des 
Menenins Agrippa verwirUidit, die ranen HeoBchen als Uomea Fragment 
aeiiiCB eignen EQrpers darstellf ). Wenn der Arbeiter nmprOn^ch sräne 
Aibeittiraft an das Kapital ve^anft, weil ihm die matoielko Mittel snr 
Produktion einer Waaie fehlen, versagt jetzt seine individoelle Arbeitdnft 
selbst ihren Dienst, sobald sie nidit an das Kapital veiteHift wird. Sie 
ftinl rtHiiiiT i Dm nocb in einem Z nwamniB nhangi der erst nach ihrem VeAanf 
existirt, in der Werkstatt des Sapitalisten. Seiner natftrlichm Beachaffen - 
beit nadi Temofihigt, etwas SeUniandigee zn machet, oitwickelt der Ha- 
nn&ktnrarbeiter produktive ThUi^eit nnr noch als ZnbdtSr znr WeAstatt 



da traToU sont auBsi insepuablei l'nne de rantra qne le aont, dana le ligine 
politJqoe, la eoDcentratiou dea ponroin pnblica et Is dirinon des intäiöta 
priT^-' (Karl Karx 1. c p. 1B4.} 

•^ Dngald Stewart nennt die Hann&etnrarbeiter „living antomatou . . . 
amplojed in the detaila of the woik." (I. c. p. 818.) 

") B«i den Karallan löldet jedes IqdlTldnam in derThat den Hagan fSr 
dis gaaie Gnippa. Ei fährt ihr aber Nabmogutoff zu, itatt wie der rBmiiclu 
Patricier ihn wegzufahren. 



n,gt,7cdT:G00glc 



364 

des Ei^HfaüiBtoa *^). Wie dem aDfienrthltoi Voik auf ds Stim gwdineben 
stand, dasB ee das Eigenthom JebovBS, so drückt die Theüang den: Aibeit 
dem Uann&ktaraitieiter einen Stranpel auf, dar ihn znm EigHitbom des 
E^itale brandmarkL 

Die Keanlnisse, die Einmcht nnd der Wille, die der aelbetSndige 
Bauer oder Handirarker, wenn anch auf kletnan Halsstab, entwickelt, wie 
am Wilde alle EmiBt des Eiiegs als peiBOnliche List ausübt, sind jetzt 
nur noch ffii das Ganze der Weitotatt erheisdit. Die geistigeD Poteozai 
am Prodnfalitm erweitern ibroi Maßstab auf der aneo Seite, weil sie tof 
viden Seitoi verachwindai. Was die Theilarbeiter veriioWL koncentriit 
sich ihnen gegentlber im Kapital"). Es ist ein Prodnkt der manoMtai' 
rnftlsigeD IMlnng der Arbeit, ihnen die geistigen PotHnzcn des materiellen 
Pn)diiktionq>n)cceBes als fremdes Eigenthom nnd sie beherradtende Macht 
gegenüb«- zu stell«!. Dieser Scheidongsproce&s beginnt in da- ein&cben 
Koopa!atioii, wo d^ Kapitalist den einzelnen Arbeitern gegenQber die Ein- 
bat nnd den Willen des geeeUschaftlichea ArbütsUlTpers vertritt Er ent- 
wickelt sich in der Hann&ktur, die dea Arbeiter zum Tbeilarbäter ver- 
stOmmelt. Er rollendet täch in der grossen Indostrie, welche die Wissec 
Schaft als selbetftndige ProdnktionBpatenz von der Arbeit tremit und in den 
Dienat des Kapitals ja^BSt'''). 

In der Hann&kttir ist die Bereidienuig des OeBammtarbuteis and 
dah» des Kapitale an geeellschafUicber Prodoktivkraft bedingt dorch die 



"} „L'oamer qtü parte dans ses t>ru tont un metser, poat aller putont 
ezBrcei son indiutrie et tronver des mojens de BiilMistai: rantre (du Hann- 
footurarlMitei) n'eat qn'nn scMSSoire qni, sipaie de us confrini, n'a plus oi 
eapadt^, ni independaoee, et qni se bronve foroe d'aeeepter la loi qu'on jng« 
l ptopM dB loi impoBer." (Storch 1. o. Fetonb. edit 181S, t I, p. 204.) 

■^ A. Fergoson 1. c. Fcs. Uebers. 1783, t II, p. 136, 136. „Lan pent 
avoir gagnö ce qne Taato a perdn." 

") i,Der Mann des Wiaaena nnd der prodnktive Arbeiter sind weit tob 
einander gebannt, und die WiMenschaft, statt in der Hand dea AilwiteTB 
HBine eignen Prodnktivkräft« fUi ihn selbst laTennebrec, hat eich faatDberall 
ihm gegenftbergwtellt .... KenntniH wird ein Initnunent, QUiig von der 
Aiheit getrennt nnd ilu entgegengeietit lu werden." (W. Tbompiou: „An 
Inqniry into the Principles of the Diatiibation of Wealth. IiondoD 1824". 
p. 274.) 



lyGOOgIC 



— 365 — 

Verannimg dee AibeiteiB an indiTidneUeo ProdoktivkijlSen. ,fiK ünwiaaeB- 
beit ist die Hntter der Industrie wie dee Äbeiglaobens. Nachdenke« nnd 
Einbildungskraft sind dem Irrthmn unterworfen; aber die Gewohnheit, den 
Fnss oder die Hand za bewegen, hängt weder von dem einen, noch tob 
der andren ab. So kOnnte man sagen, dase mit Bezog auf ManD&ktom 
ihre Vollkommenheit darin besteht, sich dee Geistes entechlagen m kOamn, 
in der Art, daas die Werkstatt als eine Maschine betrachtet werden kann, 
deren Theüe Menschen sind" ''). In der That wandten einige Manu&ktnmi 
in der Mitte des 18. Jahrhnndeits fBr gewisse ein&che Operationai, welche 
über FabrikgehdmniBse bildeten, mit Vorliebe halbe Idioten an"). 

„Der Geist der groesen Meteahl dra- Menscben", sagt Ä. Smith, „nt- 
trickelt sich nothwendig ans nnd an ihren AUtagvrerriditnngen. Bin 
Mensch, der sein ganzes Leben in der Verrichtung weniger einbcber 
Operationen Teiaosgabt ... hat keine Gdegenbeit, sräneu Verstand zn 
flben. . . Er wird im Allgemänen so stnpid and unwissend, wie ee ßlr 
eine meaaddiche Kreatur mOglicb ist" Nachdem Smith den Stnmp&imi 
dee Theilarbeiteis geschildert^ Khrt er fort: ,J)ie Einförmigkeit seines sta- 
tionären Lebens verdirbt nalflrlich aoch den Mntb eeines Geistes ... Sie 
zerstßrt selbst die Energie sainee KOrpeis und Teninfilhigt ihn, seine Knft 
schwunghaft und ausdauernd anzuwenden ansaer in der DetailbeechSftigang, 
wozu er Iwrangezt^en ist Sein Geschick in seinem besondren GeweAe 
scheint so erworben aof Kosten seiner intellektuellen, socialen und krie- 
gerischen Togenden. Aber in jeder industriellen nnd dviliBirten Geedlschaft 
ist dies der Zustand, worin der arbrntende Arme (the labooring poOT), d. L 
die grosse Masse des Volks noUiwendig veiMen mosH"^**)' Um die ans 



"^T A. Fergown 1. c p. 184, 185. 

*■) J. D. Tuoicett: „k Hiatorj of the Paat and Praiant 8t«te of tho 
Laboaring Population. Lond. 1816", t. I, p. 149. 

") A. Smith: „Wealth of Nationa". B. V, di I, art. II, AI« BohUaT 
A, Fergnaon's, der die nachthoUigea Folgen der Theilnng der Arbeit ent- 
wickelt hatt«, war A. Smith Qber diMso Paokt dnrchaaa klar. Im Eingang 
seineB Werki, wo die Theilnng der Arbeit ei profeuo gefeiert wird, deutet 
«r sie nni rorQbergahend aU Quelle der gasollMihaftlioheD UDgleiehheiten an. 
Erst im 5. Bnch über das Staataeinkommen reprodocirt er FergaMQ. Ich 
habe ia „Miaeic de la FbiloaOjihie" das Nöthige Qber Am historische Ver- 
bältnisa TOB Ferguson, A. Smttb, Lomcutoy und Say in ibier Kritik deiThei- 



lyGOOgIC 



der nuihmg ä«r Arbeit entspringende vtUige VerkBrnmatnng dv Volk»- 
maae ed veriiiiideii, empMiIt A. Smith VoUuuuhJrridit von Staats «egcn, 
wenn aodi in vonichti^ luHnöopstfaia^ien Dobco. EbnaeqiMDt polmnirt 
dagegen sein ftamgaachgr Vebanetixr und EtHnmentiitor, G. Ganiier, der 
sich unter dem «rstm ßwuCmacheii Kaissrthnm natarganB& zum Senator 
en^ppte. ToUujUDtunicht Terstcne wider die eisten Geeetee da* ThaOnng 
der Arbeit and mit demselben „prosmbii« man unser gansee GeacUsehafto- 
^fston". „Wie alle andren Theflongen der Arbeit", sagt er, „wird die 
iwiflchen Handaiteit nnd VerBtandesEtibeit ^^) ansgnprochDer nnd oitBchied- 
ner im Habe wie die Gesellschaft (er wendet richtdg cUeeen Aoadnidf an 
fOr das Kiqntal, das Gmndeigentlimn nnd itarm Staat) isichar wird. CHedcfa 
jeder andim irt diese Theilnng der Arbüt eine Wiiknng y^rgatsgaa und 
eine Üisadie kOnftieer Fortschritte . . . Darf die Btsiemng denn dieser 
Theilong der Arbeit oitgegHiwiiien und me in ihrem natm^anüaseD Gang 
aufhalten? Darf sie einen Thal der Staateeinnahme zum Versnch Terwen- 
den, zwei Klassen von Arbeit, die ihre Theilnng und Tieimimg erstreben, 
m verwirreu mid zn vemüBclien?"^*) 

Eine gewisse geistige nnd körperliche Veifaflppehing ist nnzolimnlich 
selbst von der Theilnng der Arbeit im Ganzen nnd Qrofisen dra Gesellschaft. 
Da aber die Mann&ktniperiode diese gesdlschaftliche Zerspaltung übt Ar- 
faeitstwage viel weiter ftlhii, aodreiseite eoA mit der ihr eigEEthflmlidKm 
TbeQnng das Individanm an saner Lebeoswurzel ergreift, liefert sie andi 
inent das Material and den Anstoss znr indnatriellen Pathologie^*). 

long dar Arbeit gegeben and dort anch «leift die mannfaktarmiCuge Tliu- 
Inng der Arbeit als apocifliche Form der kapitaliatiMheD ProdnktioDsweisfr 
dargeetellt. (1. e. p. 122 sq.) 

") FsrgnM»! Mgt bereits : „l'art de penser, dias nn perlode oii tout eat 
läpare, pent lni-m£me former an melier h part." 

'*) G. Garnier, t V seiner Vebenetsnng, p. 2—5. 

'*) Banwcniii, Professor dar prftktiaohea Medicin in Fadna, Tsreffentlichto 
171S sein Wra't: „De morbü artiSonm", 1781 in's FraniüdBohe Sbenelzt, 
wieder abgedraekt 1841 in der „Encjelopedie des Soiencea Medicalei. 7mc 
Dia. Anten» ClassIqQee." Die Periode der grossen Indaitrie hat seinen Ka- 
talog der Arbeiterkrankheiten natOrlitäi eehr vermehrt Siehe n. a. „Bygiöno 
ph;eiqna et moisle de l'ouTrier dana Ici grandes Tillei en giairtl, et dans 
la Tille de Lyon an psrticnlier. Par le Dr.A. L. Fonterei. Paris l&IS" nod 
„Die Eranklieiteti, welche TerBchiednon Stinden, Altoin nnd Gesohlscfatem 



lyGOOgIC 



— 367 — 

„KinpTi Menschen unterabllieilen, heisst ihn hiniicUeii, nenn er daa 
Todesorthoil verdioit, ihn menchelinordBa, wom er ee nicht «ndient Dif^ 
üntarabtheilung der Arbeit iat der Heoclielmoid eines VolkB"^*), 

Die auf Theilung der Arbeit bemhende Kooperation oder die Haotu- 
faktor ist in ihioi Aofiiagen ein natonrttchsigee Getnld. Sfiaii sie dnige 
Konsistenz und Breite dee Daseins gewonnen, wird m zur bewnssten, plan- 
mäsagen und systematisäien Form der kapitalistischen ProduktionsweiBe. 
Die Geschichte der eigentüchen Hann&ktar zeigt, wie die ihr eigmäittan- 
liche Theilnng der Arbeit znnSchst er&hmngsmä&ig, gleichsHm hinter doo 
Bücken der handelnden Personen, die sachgemSssen Formen gewinnt, dann 
aber, ^äcb das zOnttigen Eandweito, die eionial gcAindne Form tradi- 
tionell festzuhalten stritt nnd in einidnen F&llen jahrhnndertlang feeUdIt 
Aendert sich diese Form, so anssra- in Nebendingen inuner nnr in Fcdge 
einer Bevotntion der ArbeitsinstnnDente. Die moderne Manoiaktar — ieh 
spreche hier nicht von der anf Masdiinerie beruhenden grossrai Industrie — 
Gndet entweder, wie z. B. die Kleidennanufaktur, in dm grossen StSdten, 
wo sie entsteht; die diqeda membra poetae beroits fertig vor und hat sie 
ooT aas ihrer Zerstreuung zu aunmeln, oder das Frindp der llieilnng liegt 
auf flacher Hand, indem ein&ch die veischiednen Terricfatnngen der hand- 
«erksmamgen ProdnktiiMi (z. B. beim Buchbinden) beundrcD Arfoeit«m 
ansschlieedidi angeeignet werdOL Eb kostet noch Iratne Woche Er&hnmg. 
in solchen fSOm die VerhUtnisBaahl SEwischen dm fllr jede Funktion nOthi- 
gen Händen zu finden'^). 



eigenälfimlich und. 6 Bknde. Dlra 1860." Im Jahr« ISM ernannte di» 
Sooietjr of Arta eine üntennehtmgskommiiaion Aber indnstrielle Pathologie. 
Die Liste der ron disser Kommiinon geiammelten Doknnient« findet maa im 
Katalog ÖM „Twiokenham Economic UnMam." Sehr wichtig die offloieUeii 
„Beporta on PuUic Health." Sieh snch Eduard Beleh, H. D.: „lieber di» 
Entartang de« Menschen". Erlangen 1868. 

**) „To enbdivide a man is to execate him, if he deeerre« tlie sentenoe, 
to assassinate him if he does not . . . the sal>diTi>ion of labonr iatheauaMi' 
natJOD of a people." (D. Ur^nhart: „Familiär Word*. London 18S5", p. 119.) 
Hegel hatte aehi ketiensche Anüchten Aber die Theilnng dar Arbeit „Unter 
gebildeten HenKhen kann man zan&chBt aolche verstehn, die AUea machen 
kSnuen, was Andre tbon", rogt er in seiner BechtaphilOEophie. 

") Der gemüthliohe Glaabe an dae Erflndonetgemo, dat der elntelne- 
Kapitalirt in der Theilnng der Arbeit a priori ansObe, findet sich nnr noch 



lyGOOgIC 



- 368 — 

Die mann&ktDm^Usige Theüung der Arbeit achafit durch Analyse der 
handwerkamursigeD Thfttigkeit, Spedficinutg dar ArbeitsinstriuDaite, Bildung 
der Tbeilarbeiter, ihre Grnppinuig und KomiHiialJon in einem GeeunniV 
mochanismiiB, die qualitative Gliedenuig nnd qnantitatiTe Froportionahtkt 
gesellschaftlicher Produktionsproceese, also eine beBÜmmte OifwuBation ge- 
aellechaftlicher Arbeit nnd entwickelt damit Engldch neue, gmellschaftlidw 
Prodaktivkraft der Arbeit Als spedfiech kapitalistische Form des geedQ- 
schafUichen Prodnküonsprocesses — nnd auf den TOrgefundneo Gnmdlagoi 
konnte sie sich nicht aodeis als in der kapitalistischeii Form mtwidteln — 
ist sie nnr eine besondre Uetbode, relativen Mehrwerth zn enengen oder 
die Selbstverwerthnng dee Kapitals — was man gesellschaftlichen Beich- 
thnm, „Wealth of Nati<mB" d. s. w. nennt — auf Kosten der Arbeiter zn 
«rh6hn. Sie entwickelt die gesellschaftliche Prodnktivkraft der Arbeit nicht 
Dur für den Kapitalisten, statt ftlr den Arbeiter, sondern dnrch die Ver- 
krflpplnng des indiTidoellen Arbeiteis. Sie prodncirt nene Bedingungien der 
Herrschaft des Kipitals D1)ot die Arbeit Wenn sie daher einerseits ab 
hiBtoriacher Fortschritt und nothwendigee £ntwi(^ungsmoment im Aoao- 
mischen Bildmigsprocess der Gesellschaft erscheint, ao andrendts als tön 
Mittet dvilisirtsr nnd rafBnirter Exploitati(nL 

Ke politische Oekonomie, die als eigne Wissenschaft erst in der 
Mann&ktorperiode aufkommt^ betrachtet die gesellachaftliche Theilang der 
Arbeit Qbertianpt nur vom Standpunkt der mann&ktnrmä[ägen Tfadhmg 
der Arbeit^*), als Mittet, mit demselbMi Qaantnm Arbeit mehr Waaie sn 
prodnciroi, daher die Waaren la verwohlfeüem nnd die Akkmnnlati(m des 
Kapitals zu beschleunigen. Im stroigsten Gegensatz zo dieser Accaitoirnns 
der Qoantit&t nnd dee Tuischwerths halten äch die Sdmftsteller dee klassi- 
schen Alt«rthnms aussdilieeslich an Qoalltftt nnd Gdirauchswerih ^^. In 

bei dontichea FrofeMoren, wie Herrn Boeober i. B., der dem KapitaUrtea, 
na» dessen Jnpiterbanpt die Theilnng der Arbeit fertig herrorepriuge, Aun 
Dank „diveiie AibeitelQbne" widmet. Die gröure oder geringre Anwendaog 
der Theiloiig der Arbeit hängt von der Limge der Bfirae ab, nicht von der 
Gröue dee Genies. 

**} Mehr ale A. Smith fiiiron ältere SchrifbteUer wie Fett;, wie der 
iiuoajme Verfaaeer der „Advante^s of the Eut India Trade" et«., den ka- 
pitalietischen Charakter der man nfakturmlle igen Theilnog der Arbeit 

") ADBoabme onter den Hoderaeo bilden einige Bchrinsteller des 18. 
JabthimdertE, die in Being auf Theilnng der Arbeit bat nni denAltenoMh- 



lyGOOglC 



— 869 — 

Fdgfl der Scheidni^ der gesellBch&fUichai FrodnklioiiBEwage weidm die 
Waitien beeaer gemacht, die reisctaiediiHi Triebe und Talents der Ibnaclm 
VSiiim sich ent^recbende Wirirongaqtharai ^^ und ohne BeedBiakong ist 
nji^endwo Bedentendee zu leisten^*). Also Frodokt und Frodooent nerioD 
verbessert durch die Theilimg der Arbeit Wird get^entlich auch das 
Wachsthum der Produktemnasse erwähnt, so nnr mit Bezug auf die grOssn 
Falle des Gebr&ncfaHwerthB. ge wird mit keiner Silbe des l^jjachwer^, 
der VerwohlTeilenuig der Waaren gedacht Dieser Standpunkt dee Ge- 
braachswerths herrscht sowohl bei Plato ^% der die Theilang der Arbeit 



apracben, wie Beccaria uRd James Harris. So Baccaria: „Ctaaonno prora 
«oll' saperienza, che applicaudo la maoo e l'ingegno ««ropre allo atesao geoere 
di opero e di piodntte, egli piü facili, piü abbondanti e migliori ne tnca 
rosnltali, di qnello che bb clascnno isolatamente le ooae tatte a bo seceMarie 
solianto faceese .... DividendoBi in tal manieia per la comune e piirata 
utilitä gli nonuni in vuie claue e condizioni," (Caiare Beccaria: ^lementi 
di Econ. Fnblica", ed. Cutodi, Part. Modems t XI, p. 28.) James Harris, 
sp&toi Earl of Halmeeboiy, berühmt dnrclt die „Diaries" über seine Gesaudt- 
sohaft In Petersburg, sagt selbst in einer Note zn seinem Dialogne ooncer- 
nlng Happinesa. London 1741, spfttet wieder abgedruckt in „Threa Treatises ete. 
3. ed. Lond. 1772'': „The whole argoment, to prove society natural (nämlich 
dnroh die „dirisioii of employments" is taken from the aecond book of 
Plato's repablic." 

**) So in der Odjssse XIT, 228: „'^Uot yäg t' äUamr dp^f inni^nt' 
ICH iqyoti" Dnd Äiehiloohns beim Beitns Empiricas: .'Jüa; Sil^ in' f^y^ 

'*) ,JIM' ij'nioTBtro (fya, «mtaif d' ijirforato närra". — Der Athenien- 
ser fahlte sich als Waarenprodaeent dem Spartaner Bberlegen, weil dieser im 
Krieg wohl über Hanaohen, nicht aber fiber Geld verfügen kSnna, wie Thno;- 
dtdes den Ferikles sagen Usst in der Bede, worin et die Athenienssr sam 
peloponueEisohen Krieg anfataehalt: „laifiaat ii IzötftottQoi ol avtovQyoi xiSr 
dr9fammv q 29^f"'* noitfitir" (Thnc. L I, o. 41). Dennoch blieb ihr Ideal, 
anob in der tn&teriellen Produktion, die uvTn^xcte, die der TheUong der 
Arbeit gegenüber steht, „nop* aiv yäg rä tv, napä toitay xtU to aCza^Kff." 
Man moss dabei erwigen, dass es noch zur Zeit desStnnes der SOTTianuen 
keine 5000 Atbener ohne Gmndeigenthnm gab. 

") Plato entwickelt die Theilnng der Arbeit innerhalb des Gemeinwesens 
ans der Vielasitigkeit der Bedüifniaae and der Eins«itigkeit der Anlagen der 
Indiridnen. HanptgsaiDhispnnkt bei ihm, dass der Arbeiter sieh nach dem 
Werk richtet) mOSBe, nicht das Werk nach dem Arbeiter, was unTctmeidlieh, 
wenn er venohiedne Ebnete ingleich, also eine oder die andre als Neben- 
HtTT, E*pitall. 24 



n,gt,7cdT:G00glc 



— 370 — 

als Onmdlage der gwellschafüicben Scheidung der Stände behanddt, als bei 
XeDophon'*), der mit seinem charakteriBtiech bflrgerlicheD Instinkt schon 
der TheiloDg der Aibät innerbalb einer Werkstatt näher rockt Plato's 



werk treib«. „OJ yop ^9JiUt ro n^iiöfiinur tijy lov npoirorroc ajroitjy 

ita^i^yo» fUfU. Uco/xq. 'Ex <fq tovta/r n^üa rt iieBoiB yiyflrai «ti miJU 
iUoc Ulli p^oy, öiav ili iV nmi rpvaty xai iv naiQip, 0/o1j;>> tiär äUttif 

äj-up, n^iiiig." (Bep. 1. 2. ed. Baiter, Orelli etc.} Aebnlich bei Tiinojdides 
1. c c. 42: „Du Seeweien ist eine Knnst so sehr wie irgend etwas andres 
nnd kann niclit bei etwa Torkommenden Fällen als Nebenwerb betrieben 
werden, sondern Tielmehr nichts andres neben ihm als Nebanwerk." Hnas 
dae Werk, sagt Flato, auf den Arbeiter warten, so wird oft der kritücbD 
Zeitpunkt der Produktion Terp>aat nnd das Machwerk verdorben, „tf>yov 
xai^ir AöJUtinat." Dieselbe platonische Idee findet man wieder im Protest der 
englischen Bleichereibesitzer gegen die ElBusel dea Fabrikakts, die eine be- 
stimmte EsBstnnde fOr alle Arbeiter festsetzt, Ihr Geschäft könne sich nicht 
nach den Arbeitern richten, denn „in the varions Operations of singeing, 
waahing, bleaching, mangling, calendering, and dyeing, none of tiiem ean be 
stopped at a giren moment withent risk of damage . . . to enforoe the same 
dinner faonr for all the work-people might occasional!; sabject valoable gooda 
to Uie risk of danger by incomplete operatioas." Le platonisme oü ra-t-il 
se nicherl 

") Xenophon erzählt, es »ei nicht nnr ebrenToU, Speisen von der Tafel 
des Perserkünigs zn erhalten, sondern diese Speisen seien aacb viel schmack- 
hafter als andre, „und dies ist nichts Wunderbares, denn wie die ftbrigeo 
SQnste in den grossen Städten besonders verrollliomnuiet sind, ebenso werden 
die kiniglicben Speisen gaus eigens zabereitet. Denn in den kleinen Städten 
macht Derselbe Bettstelle, ThOre, Fflng, Tieoh; oft bant er obendrein noch 
Häuser and ist znfrieden, wenn er selbst so eine f&r seinen Unterhalt aos- 
reichende Kundschaft findet. Es ist reis nnmdglioh, dass ein Mensch, der so 
rielerlei treibt, alles gnt mache. In den grossen Städten aber, wo jeder Ein- 
zelne Tiele Eänfer findet, gentigt aach ein Handwerk, am seinen Haan an 
nähren. Ja oft gehört dazu nicht einmal ein ganzes Handwerk, sondern der 
eine macht Hannsechuhe, der andre Weiberschnhe. Hier nnd da lebt einer 
bloss Tom Nfthen, der andre TOm Zuschneiden derSohnfae; der eine schneidet 
bloss Kleider za, der andre setzt die Stücke nur znsammen. Nothwendig ist 
es nnn, dais der Yerrichter der einfachsten Arbeit sie unbedingt auch am 
besten macht. Ebenso steht'« mit der Koobkunat" (Ken. Cjrop. L Till, 
0. 3.) Die zn erzielende Güte des Gebranehswerths wird liier aDsschliassIicb 
fixir^ obgleich schon Kenophon die Stofenleiter der Arbeitstheilung vom um- 
fang des Htikta abiiAngig weiss. 



lyGOOgIC 



— 371 — 

Bepnblib, soweit in ihr die TheiluLg der Arbeit als dae gestaltende Priiiuip 
des Staats entwickelt wird, ist nni athaiieDBieche UealiBirung dee a^typtiecheD 
KaatenweeeiiB, wie Ägypten als indostrielles Hnsteiiand anch andren spiner 
Zeit^noffien gilt, z. B. dem leokratee"), und diese Bedentung selbst noch 
für die Griechen der rOmischen Kaiserzeit behielt ^^. 

während der eigenthchen Manufiiktorimode, d. h. der Periode, worin 
die Hann&ktnr die herrschende Form der kapitaUstiscben FrodnktionBweise, 
stOeBt die volle AosAhinng ihrer eignen Tendenzen anf vielseitige Hinder- 
nisse. Obgleich sie, wie wir sahen, neben der hierardüschen Gliederung der 
Arbeiter eine ein&che Scheidung zwischen geschickten mid ongeechickten 
Arbeitern schafit, bleibt die Zahl der letztren durch den Dberwiegenden Ein- 
linse der erstren sehr beschränkt Obgleich sie die Smderoperation» dem 
verschiednen Grad von Reife. Kraft und Entwicklung ihrer lebendigen Ar- 
beitsorgane anpasst und daher zu produktiver Ausbentnng von Weibern und 
Kindern diSngt, scheitert diese Tendenz im Grossen und Ganzen aii den 
Gewohnheiten ond dem Widerstand der männlichen Arbeiter. Obgleich die 
Zeisetznng der handwerksmäfsigen Thätigkeit die Bildongskoeten und daher 
den WerÜi der Arbeiter senkt, bleibt fQi schwierigere Detadlarbeit eine 
längre Erlemungszeit nSthig und wird auch da, wo sie vom Ueborfluss, 
eifersfichtig von den Arbeitern an&echt erhalten. Wir finden z. B. in 
England die laws of apprenticeehip mit ihrer deboijahrigen L^nzeit bis 
zum Ende der Manufakturperiode in Vollkraft und erst von der grossen 
Industrie fiber Haufen geworfen. Da das Handwerkegeechick die Gnutdlage 
der Hanufektur bleibt und der in ihr fhnktionirende Gesamiptmechanismus 



") „Er (Bttsiria) tfaeilte Alle in besondre Kasten . . . befahl, doae immer 
die Nimlichen die gleichen Geaohäfte treiben sollten, weil er wusate, dass die, 
welche mit ihren Beachiftigniigen wechseln, in keinem Geechäft gründlich 
werden; die aber, welche beständig bei deHHelben Beschiftignagen bleiben, 
jedes anfa Tolleudetata zu Stande bringen. Wirklich werden wir auch finden, 
dMi aie in Beziehung anf KQnete und Gewerbe ihre Bivalen mehr abertroSen 
haben aU sonat der Heister den Stümper und in Beziehung auf die Siuriofa' 
tnng, wodurch sie die Königshemchaft nnd übrige Staatsverfassung erhalten, 
«o vortrefflich sind, das« die berühmten Philoeopheu, welche darüber in 
iprechen unternehmen, die StHatsrerfassung Aegjpteua toi andren lobten," 
(Isoer. Bnsiris, c. 8.) 

") cf. Diod. Sic. 

24* 



lyGOOgIC 



— 372 — 

kein von den Aibeitern selbst nnabMcgigeB oligektiTee Skelett besitzt, ringt 
das Kapital beständig mit der Insubordination der Arbeiter. ,fiiB Sdiwftcbe 
der menechlichen Natnr", ruft Frnnnd üre aus, „ist so gross, dass der 
Albeiter, je geschickter, desto eigenwilliger und schwieriger m behandeln 
wird, und folglich dem G«fiammtmechaDisnina durch seine rq^wlkl^^gen 
Launen schweren Schaden zufügt"^). Durch die ganze Hann&kturperiode 
läuft daher die Klage über den Disciplinmangel der Arbeiter ^^). Und 
hätten wir nicht die Zeugnisse gleichzeitiger Schriftetdler, die einfechm 
Thateachen, dass es vom 16. Jahrhundert bis zur Epoche der grossen In- 
dustrie dem Kapital misslingt, sich der ganzen dispcmiblen Arbeitszeit der 
ManuMturarbeiter zu bemEchtigen, dass die Manufakturen kurzlebig sind 
und mit der Ein- oder Auswandrong der Arbeiter ihren Sitz in äem einen 
Land verlassen und in dem andren auächlagen, würden Bibhot^eken 
sprechen. „Ordnung muse auf die eine oder die andre Weise gestiftet 
werden", ruft 1770 der wiederholt citiite Vei&sser des ,^sa.j on Trade 
and Commerce". Ordnuag, hallt es 66 Jahre sj3t«r zurfi(^ aus dem 
Uimd dee Dr. Andrew Urc, „Ordnung" fehlte in der auf „dem scholasti- 
adten Dogma der Theilung der Arbeit" bemhendeu ManoMtur, und 
„Arkwrigbt schuf die Ordnung". 

Zugleich konnte die Mami&ktur die gesellachaMche Produktion weder 
in ihron ganzen Um&ng ergreifen, noch in ihrer Ti^ umwälzen. Sie 
gipfelte als Okonomischw Kunetweit auf der Imiten Grundlage dee städti- 
schen Handwerks und der Ifindlich häushchen Industrie. Ihre eigne enge 
technische Baeis trat auf einem gewissen Entwicklungsgrad mit den vtm ihr 
selbst geachafbm Produktionsbedürihissen in Widerspruch. 

Eins ihrer vollendetsten Gebilde war die Werkstatt zur Produktion 
der Arbeitsinstrumente selbst, und namenthch auch der bereits angewandten 
kiHnplicirteren mechanisch«! Apparate. „Ein solches AteUer", sagt Dre, 
„bot dem Auge die Theüung der Arbeit in ihren mamiig&cben Abstufun- 
gen. Bohrer, Ikissel, Drechselbank hatten jede ihre eignen Arbeiter, hier- 
archisch gegliedert nach dem Grad ihrer Geschii^chkeit" Dies Produkt 
der mannfakturmäfaigen Theilnng der Arbeit prodncirte seineiseits — Haschinen. 



") Ure 1. c. t. I, p. 31. 

"*} Du im Text Gesagte gilt viel mehr Iwt England ale fOr Fnnkreioh 
nnd mehr tßj Frankreich als Holland. 



lyGOOgIC 



— 873 — 

Bi« heben die handwei^Bn^Isige Thätigkeit als das regelnde Frincip der 
gcseUschafUichen ProdDktatm auf. So wird einerseits der technieche Gnmd 
4er leben^angen Annexation dee Arbeiters an eine Tbeflfimktiixi wegg^ 
iStnnt. Andrerseits fallen die Scbranken, welche dasselbe Princip der Herr- 
schaft dee K^italB noch auferlegte. 



Dreizehntes Kapitel. 
HaseMoeiie nnd grosse Industrie. 

1. Entwicklung der Maschinerie. 

John Stuart Milt sagt in seinen „Principien der pelitisclien Oeko- 
nomie": ,^ ist fraglich, ob alle bisher gemachten mechanischen Erfin- 
dungen die l^geemühe irgend einee menschlichen Wesens erleichtert 
haben"*^. Solches ist jedoch auch keineswegs der Zwack der kapitalistisch 
verwandten Hasdiineria Gleich jeder andren Entwicklung der Prodoktiv- 
kraft der Arbeit soll sie Waaren verwohlfeilem nnd den Theil des Arbeits- 
tags, den der Arbeiter für sich selbst braucht, verkOrzen, um den andien 
Theil seines Arbeitstags, den er dem Kapitalisten umsonst giebt, zu ver- 
engern. Sie ist Mittel zur Produktion von MehrwerÜi. 

Die Umwälzung der Produktionsweise nimmt in der Manofaktur die 
Arbeitekraft zum Ausgangspunkt, in der grossen Industrie das Arbeits- 
mittel. Es ist also zunächst zu untersuchen, wodurch das Arbeitsmittel 
aus einem Werkzeug in eine Maschine verwandelt wird, oder wodurch sich 
die Maschine vom HandweAsinstmment unterschädet. Es handelt sicli hier 
mir um grosse, allgemeine Charakterztlge, d^m abstrakt strenge Qrenz- 
linien scheiden ebensowenig die Epochen der Gesellschafts- wie die der Erd- 
geschichte. 



**) „It u qnestioDable, if oll tbe mechanical invBntions jet made have 
lightened the daj's toi) of au; htunan beisg." Mill hätts sagen gotlen „of 
any haman being not M by other people's labour", denn die Maschinerie 
bat QDBtreitig die Zahl der vornehmen MQmggingei sehr Termebrt 



lyGOOgIC 



— S74 — 

MathematikeT mid Mechaniker — - und man findet dies hier und da 
von englischen Oekonomen wiederholt — erklären das Werkzong flir eine 
einfache Haachine und die Haachine f&r ein zusammengesetztes Werkzmig. 
Sie aehn hier keinra weeentlichen Unterechied und nennen sogar die ein- 
gehen mechanischen Potenz«), wie Hebel, schiefe Ehne, Schraube, Sai 
u. a w. Maschinen*^. In der That besteht jede Haschine aus jenen ein- 
gehen Potenzen, wie immer verkleidet und kombinirt. Vom ökonomischen 
Standpunkt jedoch taogt die Erklärung nichts, denn ihr fehlt das bistorisdie 
Element Andrerseits sucht man den Unterschied zwischen Werkzeug und 
Haachine darin, dass beim Werkzeug der Hensch die Bewegungskralt, bei 
der ILiachine eine von der menschlichen veiBchiedne Naturkraft, wie Thiar, 
Wasser, Wind a s, w. "*). Danach v&k ein mit Ochiwn bespannter Pflog, 
der den verschiedensten Produktionsepechen angehört, eine Haschine, 
Claussen's Circular Loom, der, von der Hand eines einzigen Arbeiters be- 
wegt, 96,000 Haschen in einer Hinute verfertigt, ein blosses Werkzeug. 
Ja, derselbe loran iräre Werkzeug, wenn mit der Hand, und Haschine, 
warn mit Dampf bewegt. Da die Anwendung von Thierkraft eine der 
^testen Erfindungen der Henschbeit, ginge in der That die Maachineit- 
prodnktion der Handwerksproduktion voraus. Als John Wyalt 173& seine 
Spinnmaschine und mit ihr die industrielle Bevolation des 18. J^rhunderts 
ankündigte, erwähnte er mit keinem Wort, dass statt eines Henscheo ein 
Esel die Haschine treibe, Und dennoch fiel diese ItoUe dem Esel zu. Eine 
Haschine, „um ohne Finger zu spinnen", lautete sein Programm^^). 

") Sieh z. B. Hntt«n'B „Course af Hathematics". 

"*) „Von diesem Gesichtaponkt ans l&sst sich denn auch «ine scharfe 
Grenze zwischen Werkzeug und Ha^hine ziehn : Spaten, Hammer, Heiss«! 
u. B. w., Hebel- und Schraabenwetlie, für welche, mögen sie übrigens noch 
so künstlieh sein, der Hensch die bewegende Kraft ist . . . dies alias fUlt 
anter den Begriff des Werkzeugs; w&hiend der Pflug mit dei ihn bewegen- 
den Thierkraft, Wind u. s. w. MQhlen zn den Haschinen zu zählen und." 
(Wilhelm Schulz: „Die Bewegung der Produktion. Zürich 1843", p. 38.) 
Eine in mancher Hinsicht lobenswerthe Schrift. 

"'} Schon vor ihm wurden, wenn aach sehr unvollkommne. Haschinen 
zum VoTspinnen angewandt, wahrsoheinlieb zneist In Italien. Eine kritische 
Geschichte der Technologie würde überhaupt nachweisen, wi« wenig irgend 
eine Erfindung des 18. Jahihnnderts einem einzelnen ludividnum gehört. 
Bisher ezistirt kein solches Werk. Darwin tiat das Interewe auf die G«- 



lyGOOglC 



— 375 — 

Alle entwickelte MaBchinerie besteht aus drei wesentlich verschiednen 
Theil«n, der BewegungranaBchine, dem TransnuBSiODamechanismQs, endlieh 
der Werkzengmaschine oder ArbeitsmascfaiDe. Die Bewegiingsmaschiiie 
wirkt ab Triebkraft dee ganum Hechaoismiis. Sie erzeugt ihre eigne Be- 
wegnngakiaft wie die Dampffflaschine, kalorische Maschine, el^iro-magne- 
tische Maschine u. s. w., oder sie emptSngt Am Anstoes Yon einer schon 
fertägen Naturkraft ausser ihr, wie das Wassearad vom Waaseigefäll, der 
Windflfigel vom Wind a s. w. Der TTansmisBionsmechaniBmas, zusammen- 
gesetzt aus Schwungtfidem, Treibwellen, ZahniAdero, Ereiselrädeni, Schäften, 
Schnflren, Kiemen, Zwischengescbirr und Vorgelege der verschiedensten Art, 
regelt die Bew^rmg, verwandelt, wo es nöthig, ihre Form, z. B. aus einer 
perpendikulären in eine kreisförmige, vertheilt und ObertrSgt de auf die 
Werkzeagmaschinerie. Beide Theile dee Mechanismus sind nur vorhanden, 
um der Werkzengmaschine die Bewegung mitentheÜen, wodurch sie den 
Arbeitegegenstand anpackt und zweckgemäCs verändert Dieeer Theil der 
Masdünerie, die Werkzeugmaschine, ist es, wovon die industrielle Bevolniioa 
im 18. Jahrhundert anhebt. Sie bildet noch jeden Tag vim neuem den 
Ansgang^unkt, so oft Handwerksbetrieb oder Manufiikturbetrieb in Ha- 
schinenbetrieb abergeht. 

Mhichte der Datflriiohen Tsahnologie gelenkt, d. h. auf die Bildung doiPflan- 
len- and Thieroigane als PiodnktioDsinBtramente fOi du Leben der Pflanzen 
nnd Thieie. Verdient die Bilduiigageachiahte der prodoktiTen Organe des 
GeaetlsebaftameDHeheii, der materiellen Baaia jeder besondren Geaellschafts- 
organiaation, nicht gleiche Aufmerksamkeit? Und w&ie sie nicht leichter zu 
liefern, da, wie Vioo lagt, die Henecbengeacbichte aioh dadurch von der Na- 
turgeschichte unterscheidet, dass wir die eine gemacht und die andre nicht 
gemacht haben? Die Technologie enthflUt das aktive Verhalten des Uenaohen 
zur Natur, den umnittelbaren Produktioasprooeas seines Lebens, damit auch 
■einer geaellschafUichen Lebensverhältniase nnd der ihnen entquellenden gei- 
■tigen VorstoUongeB. Seibat alle Religionageachichte, die ton dieser ma- 
teriellen Basis abstrahirt, ist — nnbiüsch. Es ist in der That viel leichter, 
durch Analyse den irdischen Kern der religiösen Nebelbildongen xa finden 
als umgekehrt ans den jedesmaligen wirklichen LebensverhältDiaaeD ihre rer- 
himmelten Formen zn entwickeln. Die letztre ist die einzig materialislüehe 
nnd daher .wiaaenachaftliche Methode. Die Htngel des abstrakt natnrwissen- 
sohaftlichen Materlalismos, der den geBchictatUcben Frocess ausschlieast, er- 
sieht man schon ans des abatzakten und ideologischen Vorstellnngen asiner 
Wortführer, sobald sie sich übet ihre Spedalität hinauswagen. 



lyGOOgIC 



— 376 — 

Sttm wir uns inmi die Wcrkiengniaschme oder eigentliche Arbeits- 
masc^inie nfiber an, so eracbeiiian im Groeeen und Ganzen, wenn auch oft 
in »dir modificirter Form, die Apparate nnd Werkzenge wieder, womit der 
Eiandwerker und Manafsktniaibrater arbeitet, aber statt als Werkseu^ des 
Henschen jebt als Werkteng« einee HechamamDS oder als mechaniscbe, 
Entaeder ist die guue Uaschine nur eane mehr oder minder verilndErte 
mechanische Ausgabe des lüten HaodwericBinsIznments, wie bei dem raecha- 
niflohen WebBtnhl ""), odw die am Oertet der Ärbeitsmaschine angebrachten 
thibgen Organe sind alte Bebnnte, wie Spindeln bei der ^nnmaschine, 
Nadeln brnm Stnunpfwirkerstuhl, Sigebtatter bei der SBgemaachine, MeBser 
bei der Zeriiai^mascfaine o. s. w. Der unterschied dieser Wcrkiet^ vm 
dm eigentlichen KOrper der ArbratsmaschiDe erstreckt aich bis auf ihre 
Qebnrt Sie weiden idmlicb immer noch grossentheils handweitainäbig' 
oder mann&ktnrmSAig prodocirt und spBtw erat an äsa mast^ünernnSTBifr 
jffodncirten KOrper der Arbeitsmaschine befestigt"*). Die Werkzengmaadiine 
ist also ein Mechanismus, dsr nach MitthaJung dex entsiffechendsi Be- 
wegimg mit seinen Werkzeugen dieselben Operationen Tstrichtat, weldu 
frUier der Arbeitsr mit ihnlidien Werkiengen verrichtete. Ob die Tri^ 
kiaft nnn vom Menschen ausgeht oder selbst wieder von einer Maschine, 
ändert am Wesen der Sache nichts. Nach Uebertragong des eigmtlicben 
WerkzoDgs vom Menschen anf einen Mechanismus tritt eine Maschine an 
die Stelle eines blossen Werkzengs. Der Unterschied springt «rfbrt ins 
Ange, anch wenn der Mensch selbst noch der erste Motor bleibt Die 
An za h l von Arbeitsinstmmenten, womit er glddizeitig wirken kann, ist 
dorch die Anzahl seiner natflrlichen Prodoktionsinstnunente, seiner eignen 
körperlichen Organe, beschrankt Man versnchte in Dentschland erst einen 
Spinner zwei Spinorftder treten, ihn also gleichzeitig mit zwei BSnden nnd 



**) Namentlich in der nnprOnglichen Form des mechanischen Webetnhl* 
erkennt man den alten Webstuhl aof den ersten Blick wieder, Wesentlieh 
terikadert erscheint er in seiner modamen Form. 

*') Erst seit vng^hr 16 Jabren wird ein stets wachsender Tbail dar 
WerkieDge der Arbeitamaachinen muchinenm&fsig In England fsbrioirt, ob- 
gleieh mefat roa denselben Fabrikanten, welche die Maschinen eelbet machen. 
Hasehinen ini Fabrikation eolofaer mechanisohen Werkzenp sind i. B. dio 
aatomatic l>obbin-making engine, card-setting engine, Haaohinen tmn Machen 
der Weberlitien, Muohinea inm ScJunieden von mnls nnd thrortle Spindeln. 



lyGOOgIC 



— 377 — 

zwei FOeeen arbeiten tu lassen. Diee war zu anstrengend. E^ter er- 
hnd man ein Tretspinnrad mit zwei Spinddn, aber die SpinnTirtaoaen, 
die zwei FUra gleichzeitig spinnai konnten, waren &st ao selten als zwei- 
k5pfige Menschen. Die Jenny spinnt dag^en von ¥om herein mit 12 
bis 18 Spindeln, der Strampfwirkeratnhl strickt mit viel 1000 Nadeln anf 
«inmal n. a. w. Die Anzahl der Werkzeuge, womit dienelbe Werkzeag- 
maschine gtäohieitig spielt, ist von vorn hereiii emancipirt von der orga- 
nischen Schranke, wodnrch das Handwerkszeug eines Arbeiten t^eengt wird. 
An vielem Handwerkszeag besitzt der UnterscMed zwischen dem 
Hsnschen als blomer Triebkraft und als Arbeiter mit dem eigraitlichen 
Operatenr eine sinnlich beeonderte Existenz. Z. 6. beim Spinnrad wirkt 
der Pnss nnr als Triet^nft, während die Hand, die an der Spindel arl^ei- 
tet, zupft mtd dr^ die eigentliche Spinnoperation verrichtet Grade diesen 
letzten Theil des Handwerkflinstmments ei^r^eift die indnatrieUe Bevolntion 
zuerst nnd Oberiasst dem Heuechen neben der neu» Arbüt die Haadune 
mit seinem Ange zn Aberwacben und ihre IrrthOmer mit seiner Hand zu 
verbessern, zun&cJist noch die rein mechanische Rolle der Triebkraft. Werk- 
zeuge dagegen, anf die der Uensch von vom berein nur als einfache Triet)- 
kraft wirkt, wie z. B. beim Drefan der Kurbel einer MBhle**), bei Pum- 
pen, beim Anf- und Abbewegen der Arme einee Blasebalgs, beim Stoesen 
ones Hflrsers etc., rufen zwar znerat die Anwendung von Thieren, Wasser, 
Wind'*) als Bewt^inngskr&fton hervor. Sie recken sich, tbeilweise inner- 



**) UosM von Aegjpten sagt: „Da sollst dem OcbBen, der drischt, nicht 
du Hanl verbrnden." Di« christlich germanischeD Fbilanthrapen legten da- 
gegen dem Lribeignen, den sie als Triebkraft zum Uahlen verwandten, eine 
grasaa hSIzema Scheibe um den HaU, damit ei kein Hehl mit der Hand zum 
Hnnd bringen könne. 

") Theila Haogel an lebendigem WaiseTgefäll, theils Kampf gegen son- 
stigen WasserilberfloBS zwangen die Holländer lar Anwendang des Wind« als 
Triebkraft. Die Windmühle selbst erhielten sie ans Deutschland, wo diese 
Erfindung dnen artigen Kampf zwischen Adel, Pfaffen and Kaiser herrorrtef^ 
wem denn von den drei der Wind „gehSre". Luft macht eigen, hiess es in 
Deats<diland, wihrend der Wind Holland frei macht«. Was er hier eigen 
machte, war nicht der Holl&nder, BOndem der Qnind und Boden fBr den 
HoUSnder. Noch 1836 wniden 12,000 Windmtiblen von 6000 Pferdekraft in 
Holland verwandt, nm zwei Dritttheile des Lands vor B&ckverwandlong in 
Motwt in BohQtzen. 



lyGOOgIC 



kill). K]H)radisch schon lang« vor der Mann&ktoipehode zu Maschinen, aber 
sie rerolutioniren die Prodnktaonsweiae nicht DasB sie selbst in ihrer 
handwerksmäesigen Fonn bereits Maschinen sind, zeigt sich in der Periode 
der grossen Industrie. Die Pumpen z. B., womit die ^Uänder 1836 — 87 
den Sep von Harlan anspompten, waren nach dem Princip gewIUmlicb«' 
Piunpen konstniirt. nur dass c^klopische Dampfinaachinen statt der Menacben- 
liände ihre Kolben trieben. Der gewStuüiche und sehr unvollkommne Blas- 
balg des Grobschniieds wird noch zuweilen in England dorch blosse Ver- 
bindung seines Arms mit einer Dampfmaschine in eine mechanische Loft- 
pumpe verwandelt Die Dampänaechine selbst, wie sie Ende des 17. Jahr- 
liiinderts irährend der Manutkkturperiode erfand^ ward und bis zum An- 
fang der 80er Jahre des 18. Jahrhunderts forteristirte ■*), rief keine in- 
dustrielle Beiotntion hervor. Es war vielmehr umgdiehrt die ScbQpfong 
der Werkzeugmaschinen, welche die rerolntionirte Dampfmaschine nothwen- 
dig machte. Sobald der Mensch statt mit dem Werkzeug auf den Är- 
boitsgegenstand nnr noch als Triebkraft auf eine Werkzeugmaschine wirkt, 
wird die Verkleidung der Triebkraft in menschliche Muskel zufällig und 
kann Wind, Walser, Dampf u. s. w. an die Stelle treten. Dies schliesst 
natürlich nicht ans. dase solcher Wechsel oft grosse technische Äendnmgen 
des uiBprOnglich fQr menschliche Triebkraft allein konstruirten Mei^tani»; 
mus bedingt. Heutzutage werden alle Maschinen, die sich erst Bahn 
brechen mfissen, wie Nflhmaschiuen, Brodbereitungsmaschinen n. s. «., w«ui 
sie den kleinen Majsstab nicht von vom berein durch ihre Bestimmung 
ausschliessen, für mensclilirhe nnd rein mechanische TriebkTaft zugleich 
konstmirt 

Die Maschine, wovon die industrielle Revolution au^ht, eisetrt den 
Arbeiter, der ein einzelnes Werkzeug handhabt, durch einen Mechanismiis, 
der mit einer Masse derselben oder gleichartiger Werkzeuge auf einmal 
operirt und von einer einzigen Triebkraft, welches immer ihre Form, be- 
wegt wird**). Hier haben wir die Maschine, aber erst als einfaches Ele- 
ment der maschinenmüTsigen Produktion. 

") Sie warde iwor schon sehr Terbessert dnrcb Watt'a erete, sogenajuite 
eJD&cb wirkends Dampfmaschine, blieb aber in dieser Form blosse Hebe- 
maschine für Wasser und Salzsoole. 

*") „Die Vereinigung aller dieser einfachen Instrumento, durch einen ein- 
sigen Motor in Bewegnng gesetzt, bildet eine Muchine." (Babbage 1. c.) 



lyGOOgIC 



— 379 — 

Die Erweitning tke Üm&iigs der ÄrbeitBinaachiue und der Zahl ihrer 
gleicbzeitig operiiendeD Werkzeuge bedingt einen massenhafteren Bevegangs- 
mechaDismus, und dieser Uechanismus zur Veberw&ltignDg seines eignen 
Widerstands eine m&chtigere Triebkraft als die menschliche, abgeaehn da- 
von, dass der Mensch ein sehr unvollkommnee Produktionsinstrument gleich- 
fönoiger ond kontinuirlicber Bevegnng ist. Vorausgesetzt, dass er nur 
nodi ah ein&cbe Triebkraft viikt, also an die Stelle seines Werk- 
zeugs eine Werkzeugmaschine getreten ist, kOnnen Natoiträfte ihn jetzt 
auch als Triebkraft oisetzen. Von allen aus der Haau&ktorperiode über- 
lieferten grossen Bew^^ungungskr&ften war die Pferdekraft die schlechteste, 
tbeils weil ein Pferd seinen eignen Kopf hat, thcils w^n seiner Kost- 
spieligkeit nnd des beschränkten ümiangs, worin es in Fabriken ^lein 
anwendbar ist*^). Dennoch wurde das Pferd h&nfig während der Kinder- 
zeit der grossen Industrie angewandt, wie ausser dem Jammer gleichzei- 
tiger Agronomen schon der bis hente flberlieferte Ausdruck der mechanischen 
Kraft in Pferdekiaft bezeugt. Der Wind war zu unstät und unkontrolibar, 



") John C. Morton verlaa Januar 1861 in der Society of Art« einen Auf- 
satz über „die in der Agrikultur angewandten Er&ft«". Eh heisst darin u.a.: 
„Jede Yerbessnuig, welche die Gleichförmigkeit des Grunde und Bodeua för- 
dert, macht die Dampfmaacbine zur Erzengnng rein mechaniBcher Kraft an- 
wendbarer , . . Pferdekraft wird erheischt, wo ^mme Hecten nnd andre 
Hiuderuisae gleichförmige Aktion Terhindem. Diese Hiudemiase schwinden 
täglich mehr. In Operationen, die mehr Ausübung den Willens und weniger 
wirkliche Kraft erfoTdera, ist die durch den meuBchlJchen Geist von Minute 
zu Minute gelenkte Kraft, also Menschenkraft, allein snwendbar." Herr 
Morton redaoirt dann Dampfkiaft, Pferdskraft und MenBchonliraft anf die bei 
Dampfmaschinen gewöhnliche Hafseiabeit, näcnlicb die Kraft, 33,000 Pfund in 
der Minute nm einen Fuss zu beben, und berechnet die Kost«n einer Dampf- 
pferdekraft bei der Dampfmaschine auf 3 d. nnd beim Pferde auf 5'/, d. per 
Stunde. Ferner kann das Pferd bei voller Erhaltung seiner Gesundheit nnr 
8 Sinnden taglich angewandt werden. Durch Dampfliraft können mindestens 
3 von je T Pferden auf bebautem Land während des ganzen Jahrs erspart 
werden, zu einem Kostenpreis, nicht grösser als dem der entlassnen Pferde 
während der S oder 4 Monate, wo sie allein wirklich vemutzt werden. In 
den Agriknltnroperatienen, worin die Dampfkraft angewandt werden kann, 
Terbessert sie endlich, reigUäien mit der Pferdekraft, die Qaalitit des Mach- 
werks. Um das Werk der Damptinaschine zu verrichten, mttssten 66 Arbeitet 
per Stunde tn znaammen IS sh., und nm das der Pferde zu Terriehten, 32 
Mann zu zusammen 8 eh. per Stnnde angewandt werden. 



lyGOOgIC 



nud die Anwendung der Wasserkraft Qbeiwog ausaerdem in England, dorn 
Oebnrtsort der groesen Industrie, schon wätarond der Hanufoktorperiode. 
Man hatte berate im 17. Jahrinindert Teraudit, twä Läufer nnd also auch 
zwei Mahlgänge mit einem Wasserrad in Bewegnng zn setzed. Der ge- 
schwollne Um&ng des TranBmifimonBmechaaismDs gerieth aber jetzt in K<hi- 
flikt mit der nnn nnzoreichenden Wassarkrafl^ nnd dies ist einer der Um- 
stände, der EDT genauem Unterani^nng der BobnngBgeeetze tarieb. Ebenso 
ftihrte das tm^eichfönoige Wirken dra Beweguog^raft l>ei Stühlen, die 
durch Stoasen mtd Ziehra mit Schwengeln in Bewegimg gesetzt wnnlen, 
auf die Theorie und Anwendmig dee Schwnngiads"'), das s[fiter eine so 
wichtige Rolle in der grossen üidustrie spidt In dieser Art mtwii^dto 
die Hannfektniperiode die eisten wissenschaftlichen nnd tecänischen Ele- 
mente der groeean Industrie. Ai^nrright's ThrostJeespinnerei wurde von 
vom herein mit Wasser getrieben. Indees war auch der Qebntnch der 
Wasserkraft als herrschender Triebkraft mit erachwerenden Umständen \tx- 
bonden. Sie konnte nicht beliebig erhöht und ihrem Hange! nicht abge- 
holfen weiden, sie versagte zuweilen nnd war tot allem lein lokaler Na- 
tur*^. Erst mit Watt's zweiter, sog. doppelt wirkender Dampfmasdüne 
war ein erster MsAoi gefunden, der seine Bewegungskraft selbst erzeugt 
ans der Verspeieung von Kohlen und Wasser, dessen Kraftpotraiz ganz 
unter mensdilicher Eontiole steht, der mobil nnd an Mittel der Loko- 
motion, städtisch und nicht gleich dem Wasserrad l&ndlich, die Koncm- 
tration der Produktion in Städten erlaubt, statt sie wie das Wasserrad 
fiber das Land zu zerstreuen^"), universell in seiner teclinologiecben 



") FaoUiebr 1626, De Goub 16S8. 

M) Die moderne Erfindmig der Tnibinen befreit die industrielle Anabeu- 
tong der Wasserkraft von vielen frühem Schranken. 

") „In the early daja of teitile manufactores, the loc&lit; of the betör; 
(lepended upgn the eiiatenoe of a Btream having > euf&deiit fall to toiii a 
water wheel; and, althongh the eatabliahment of the water milli was the 
commenoement of the breakiag np of the domeetic sjstem of manufactnre, 
jet the milla neceararily ntnated spon Btraams, and fteqaentlj at conaiderablB 
diatanoei the one &om the other, formed part of a mral nther than an 
nrban ayatom; and it was not nntil the introductian af the ateam-powei »s 
a ubatitDto for the atream, Uiat factories were oougregated in towna and 
localitiea where the coal and watei required for the prodnctioD of atesm were 



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Anwendung, in Beiner Beaidenz TertiUtniBBrnSasig woiig darch Ideale üm- 
stSitde bediogl Das grosse Geoio Watt's zeigte sieb in der Specifikation 
dee PateutB, das er April 1784 nahm, und worin seine Dampfmaschine 
nicht als eine Grflndimg zn besfmdren Zwacken, sondern als allgemeiner 
Agent der grossn Indostrie geechildert wird. Er dentet hier Anwendongon 
an, wovon manche, wie z. B. der Dampßiamuier, mehr als ein halbes 
Jahrhundert ap&ter erst eingeführt wnrdeu. Jedoch bezweifelte er die 
Anwendbarkeit der Dampfmaschine anf SeeechUFfahrt Seine Nachfolger, 
Bonlton nnd Watt, stellten 1851 die kolosBalate Dampfmaschine fOr 
Ocean steamers anf der Londoner Indnetrieansstellni^ ans. 

Nachdran erst die Werkzeuge aus Werkzeugen des moiBäilichHi 
OrganiBmos in Werkzeuge einee mechaniachen Apparats, der Werkieng- 
maachine, verwandelt, erhielt nun auch die Bew^fungamaschine eine sdb- 
st&ndige, von den Schranken menschlicher Kraft vOlIig emancipirte Fonn. 
Damit sinkt die einzelne Werkzeugmaschine, die wir bi^ier betrachtet, zu 
einem blossen Element der maschinenmS&ngen Produktion herab. Eine 
Bewegungsmaschine konnte jetzt viele Arbeitsmaschinen gleichzeitig treiben. 
Wt der Anzahl der gleichzeitig bew^len Arbeitamaschinen wSdut die 
Bewegnogsmaactaine nnd dehnt sich der TransmissionsmechaniBmuB zu einem 
weitlSoAgen Apparat ans. 

Es ist nnn zweierlei zu onterscheidan, Kooperation vieler gleichartiger 
Hascbinen und Maschinensystem. 

In d«n einen FaU wird das ganze Machwerk von derselben Arbeite- 
maschine verrichtet Sie flthrt alle die veradtiednen Operationen ans, welche 

fonnd in anfBoient quanütieB. Tb« steun-engine is the paieot of manofac- 
tohng towDs." (A. Bedgrave in „Beporti of the loip. of Fact SOth April 
1866", p. 36.) 

"*) Tom StandpunU dar manafaktannätBigea Tbeiinng war Weben keine 
einfache, sondern Tielnehr eine komplicirte hand werke mäteige Arbeit, und so 
ist der mechaniBcbe Webstobl eine Haschine, die sebi Hannigfaltigee verrichtet. 
Es iit Bberbanpt eine bbche Toratellnng, dasa die moderne Haachlnerie uoh 
uvpr&nglich solober Operatianea bem&chtigt, welche die mamUhktarm&tiige 
Tbeüong der Arbeit vereinfacht hatte. Spinnen nnd Weben worden wahrend 
der Hauafoktnrpertoda in neue Arten gesondert nnd ihre Werkzeuge verheuert 
und variirt, aber der Arbeitaprocese »elbat, in keiner Weiaegetheilt, blieb hand- 
werkamireig. Es ist Dicht die Arbeit, sondern dos Arbeitsmittel, wovon die 
Uascbine ausgeht. 



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ein Himdwerker mit eeinem Weiizeug, z. B. der Weber mit seinem Web- 
Btulil verriditete, oder welche Handwerker mit verachiednen Werkzeugen, 
sei ee aelbetändig oder als Glieder einer ManiifaMar, der Beihe nach an»- 
fOhrten'""). Z. B. in der modernen Hanußiktar Ton Enveloppee Miete ein 
Arbeiter das F^ier mit dem E^bein, ein andrer legte den Qnnmii auf, 
ein dritter schlag die Klappe mn, auf weictie die Devise aufg«drflckt wird, 
ein vierler boBflirte die Devise u. s. w. und bei jeder dieser Theiloperationai 
mnsste jede einzelne Enveloppe die Hände wechseln. Eine einzige Enveloppe- 
maechine verrichtet alle dieee Operatiooen auf einen Schlag und macht 
3000 nnd mehr Enveloppes in einer Stunde. Eine auf der Londoner 
IndnstrieausBtollung vaa 1862 ausgestellte amerikanische Maschine zur Be- 
reitung von Fapiertnten sdmeidet das Papier, kleistert, ältet und vollendet 
SOO Stück per Minnt». Der innerhalb der Manu&ktiir getbeilte und in 
einer Reihenfolge ausgeführte Gtaammtprocees wird hier von einer Arbeits- 
mascbiiie vollbracht, die durdi Kombination verschiedner Wetkzeoge wirkt 
Ob nun eine solche Arbeitsmaschine nur mechanische Wiedergeburt eines 
komplicirteren Handwerkszeuges sei, oder Kombination veischiedenartäger 
nuuraMlnrmärBig partiknlarisirter einfacher Instnunente, — in der f^brik, 
d. h. in der auf Maschinenbetrieb g^rOndeten Werkstatt, erscheint jedesmal 
die einfeche Kooperation wieder, und zwar zunächst, wir sehn hier vom 
Arbeiter ab, als ränmlidie Konglomeration gleichartiger und gleichzeitig 
zusammenwirkender Arbeitsciaschinen. So wird eine Webfabrik durch das 
Nehenränander vieler mechanischen Webstfihle nnd eine Nähfebrik durch 
das Nebeneinander vieler Nähmaschinen in demselben Arbeitagetöude ge- 
bildet Aber ee existdrt hier eine technische Einheit, indem die vielen 
gleichartigen ÄrbeitEmaschinen gleichzeitig und gleichmSsaig ihren Impuls 
empfengen vom Herzschlag dee gemeinsamen ersten Motors, auf sie Qber- 
tragen dorcb den Transmissionsmechanismus, der ihnen auch theilweis 
gemeinsam ist indem sich nur besondre Auslaufe davon fiir jede einzelne 
Werkzeugmaschine verästeln. Ganz wie viele Werkzeuge die Organe einar 
Arbeitamaschine, bilden viele Aibeilsmaschinen jetzt nur noch gleichartige 
Oi^ane desselben Bew^ungsmechanismus. 

Ein eigentliches Maschinensystem tritt aber erst an die Stelle der 
einzelnen selbständigen Haschine, wo der Arbeitsgegenstand eine zuaammeu- 
hSngende Reihe verschiedner Stufenproceese durchlauft, die von einer Kette 
veischiedenartiger, aber einander ei^nzender Werkzengsmaschinen ausgeführt 



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werden. Hier erscheint die der Manufaktur eigenthütnliche Kooperation 
dnrch TheUmig der Arbeit wieder, aber jetet als Eimibination von Thoil- 
artteitsmaschineD. Die specifiscben Werkzeuge der Terschiednen Theilarbeiter^ 
in der WoUmannfektor i, B, der Wollschlfiger, Wollkämmer, Wollscheerer, 
Wollspinner u. s. w., verwandela sich jetet in die Werkzeug« apecificirter 
Arbeitsmascbinen, von denen jede ein besondres Oi^an fOr eine besondre 
Funktion im ^Btem des kombinirten Werkzeugmechanismns bildet. Die 
Mannfaktur selbst liefert dem Maschinensystem in den Zwe^n, worin os 
zuerst eingeführt wird, im Grossen und Ganzen die naturwüchsige Grniid- 
I^:e der Theilung und daher der Organisation dee Produktionsproceeses'"'). 
IndesB tritt sofort ein wesentlicher Unterschied ein. In der Manufoktiir 
messen Arbeiter, Tereinzelt oder in Gruppen, jeden besondren Theüprowss 
mit ihrem Handwerkszeug at^Rlhren. Wird der Arbeiter dem Process an- 
geeignet, so ist aber auch vorher der Process dem Arbeiter angepasst. 
Dies änbjektiTe Princip der Theilung ffillt weg für die maschinenartige 
Produktion. Der Oesammtprocess wird hier objektiv, an und für sich l>e- 
trachtet, in seine konstituirenden Phasen analysirt, und das Problem jeden 
Tbeilprocees auszuflUiTen und die verscbiednen Theilprocesse zu verbinden, 



'") Vor der Epoche der growen Indnatrie war die Wollmanufaktnr die 
herrschende Hanofaktur Englandi. In ihi wurden daher irährend iler ersten 
Bllfte dea 18. Jahthunderta die meisten Experimente gemacht. Der Baumwolle, 
deren mechanische Teiarbeitnng minder mühvofle Yorbereitnngen erfordert, 
kamen die an der Sobafwolle gemachten Erfahningen zu gut, wie später 
umgekehrt die mechanische Wollindustrie sich auf GrmidlBge der mechanischen 
BaumwollBpinueroi und Weberei entwickelt. Ei